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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Arbeitsschutz
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 ABR 73/12
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 18.03.2014
   
Leit­sätze: Die aus § 3 Abs. 2 Ar­bSchG fol­gen­de Pflicht des Ar­beits­ge­bers, für ei­ne ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on zu sor­gen und Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass die Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes bei al­len Tätig­kei­ten und ein­ge­bun­den in die be­trieb­li­chen Führungs­struk­tu­ren be­ach­tet wer­den, setzt ei­nen Rah­men für die Ent­wick­lung ei­ner an den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten aus­ge­rich­te­ten Or­ga­ni­sa­ti­on. Hier­bei hat der Be­triebs­rat nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG mit­zu­be­stim­men.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 24.2.2011 - 29 BV 26/10
Landesarbeitsgericht Hamburg, Beschluss vom 11.9.2012 - 1 TaBV 5/12
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 73/12
1 TaBV 5/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ham­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

18. März 2014

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­ler und Be­schwer­deführer,

2.

Ar­beit­ge­be­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 18. März 2014 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wiss­kir­chen und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sey­both für Recht er­kannt:
 


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Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 11. Sep­tem­ber 2012 - 1 TaBV 5/12 - wird zurück­ge­wie­sen.


Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats bei der Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten nach dem Ar­beits­schutz­ge­setz auf ei­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pe.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt ein Un­ter­neh­men, das sich mit der Her­stel­lung, dem Ver­trieb, der In­stal­la­ti­on und der War­tung von Aufzügen, Fahr­trep­pen und an­de­ren Trans­port­sys­te­men be­fasst. An­trag­stel­ler ist der Be­triebs­rat ih­res H Be­triebs. Dort sind ins­ge­samt 48 Mon­teu­re beschäftigt, de­nen als fach­li­che Vor­ge­setz­te vier Meis­ter im Ser­vice­geschäft und zwei Meis­ter im Neu­bau­geschäft vor­ste­hen.


Mit Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 teil­te die Ar­beit­ge­be­rin ih­ren Meis­tern Fol­gen­des mit:


„Für die von Ih­nen be­treu­ten Mit­ar­bei­ter der O wer­den Ih­nen die dem Un­ter­neh­mer hin­sicht­lich des Ar­beits­schut­zes und Um­welt­schut­zes ob­lie­gen­den Pflich­ten über­tra­gen.

Da­zu gehört ins­be­son­de­re, dass Sie zur Gewähr­leis­tung von Ar­beits­si­cher­heit, Brand­schutz, Ge­sund­heits- und Um­welt­schutz an den Ar­beitsplätzen

- Auf die An­wen­dung und Ein­hal­tung der Si­cher­heits- und Um­welt­schutz­vor­schrif­ten ach­ten

- Mit­ar­bei­ter ein­set­zen, un­ter­wei­sen, in­for­mie­ren

- An­ord­nun­gen tref­fen und An­wei­sun­gen ge­ben

- Über­wa­chung der Ein­hal­tung der An­wei­sun­gen

- Auf Be­nut­zung der er­for­der­li­chen Körper­schutz­mit­tel ach­ten
 


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- Ar­beitsplätze/Bau­stel­len kon­trol­lie­ren


- Ge­fah­ren und Ge­sund­heitsschäden und je­den Un­fall mel­den, die Un­fall­ur­sa­che ana­ly­sie­ren und durch ge­eig­ne­te Maßnah­men Wie­der­ho­lun­gen aus­sch­ließen


- Vorläufi­ge Re­ge­lun­gen im Fal­le plötz­li­cher Ge­fah­ren tref­fen


- Mit Be­triebs­arzt, Si­cher­heits­fach­kraft, Si­cher­heits­be­auf­trag­ten so­wie den Be­triebsräten im Rah­men ih­rer ge­setz­li­chen Auf­ga­ben zu­sam­men­ar­bei­ten


- Vor­ge­schrie­be­ne ärzt­li­che Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen von Beschäftig­ten ver­an­las­sen


- Die Auf­ga­ben nach §§ 3 - 14 des Ar­beits­schutz­ge­set­zes und die gel­ten­den O Vor­schrif­ten wahr­neh­men

Sie ha­ben die Ver­ant­wor­tung für die Ar­beits­si­cher­heit in Ih­rem Be­reich

So­weit Ih­nen Mit­ar­bei­ter mit Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on un­ter­stellt sind, ha­ben Sie die­sen Vor­ge­setz­ten eben­falls die ent­spre­chen­den Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten zu de­le­gie­ren.

Die Ver­ant­wor­tung der Ih­nen über­stell­ten Vor­ge­setz­ten und die der Geschäftsführung blei­ben hier­von un­berührt.
...“

Den Be­triebs­rat be­tei­lig­te die Ar­beit­ge­be­rin vor Be­kannt­ga­be die­ser An­wei­sung nicht.

Die­ser hat gel­tend ge­macht, mit der An­ord­nung vom 16. Sep­tem­ber 2010 ha­be die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me nach § 3 Abs. 2 Ar­bSchG ge­trof­fen, die sei­ner Mit­be­stim­mung un­ter­lie­ge.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt 


fest­zu­stel­len, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gemäß §§ 3 bis 14 Ar­bSchG durch Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­liegt.
 


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Die Ar­beit­ge­be­rin hat An­trags­ab­wei­sung be­an­tragt und ge­meint, es han­de­le sich um ei­ne mit­be­stim­mungs­freie Be­auf­tra­gung fach­kun­di­ger Per­so­nen nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG.


Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag ab­ge­wie­sen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ihm statt­ge­ge­ben. Mit ih­rer Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Ar­beit­ge­be­rin ih­ren Ab­wei­sungs­an­trag wei­ter.


B. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht fest­ge­stellt, dass die im Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 er­folg­te An­wei­sung der vor­he­ri­gen Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­lag.


I. Der An­trag ist in der ge­bo­te­nen Aus­le­gung zulässig. 


1. Der Be­triebs­rat be­gehrt mit sei­nem An­trag die Fest­stel­lung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts bei der Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten nach §§ 3 bis 14 Ar­bSchG, wie sie die Ar­beit­ge­be­rin im An­schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Grup­pe der in ih­rem Be­trieb beschäftig­ten Meis­ter vor­ge­nom­men hat. Es geht dem Be­triebs­rat da­mit nach der An­trags­for­mu­lie­rung und sei­nen pro­zes­sua­len Dar­le­gun­gen nicht um die abs­trak­te Fest­stel­lung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts in al­len Fällen der Über­tra­gung von Auf­ga­ben nach dem Ar­beits­schutz­ge­setz, son­dern nur um die Fest­stel­lung des Mit­be­stim­mungs­rechts bei der Über­tra­gung der in je­nem An­schrei­ben for­mu­lier­ten Auf­ga­ben auf die im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin beschäftig­ten Meis­ter. Hier­in sieht er ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung der Ar­beit­ge­be­rin. Die­ses An­trags­verständ­nis hat der Be­triebs­rat in der Anhörung vor dem Se­nat bestätigt.


2. So ver­stan­den ist der An­trag hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Im Be­schluss­ver­fah­ren muss ein An­trag eben­so be­stimmt sein wie im Ur­teils­ver­fah­ren. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist auf das Be­schluss­ver­fah­ren und die in ihm ge­stell­ten Anträge ent­spre­chend an­wend­bar. Der je­wei­li­ge Streit­ge-

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gen­stand muss so kon­kret um­schrie­ben wer­den, dass der Um­fang der Rechts­kraft­wir­kung für die Be­tei­lig­ten nicht zwei­fel­haft ist.


b) Hier­nach genügt der An­trag dem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Se­nat im Be­schluss vom 18. Au­gust 2009 (- 1 ABR 43/08 - Rn. 10, BA­GE 131, 351) an­ge­nom­men hat, ein An­trag sei nicht hin­rei­chend be­stimmt, wenn er auf die Fest­stel­lung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts in all den Fällen ge­rich­tet sei, in de­nen der Ar­beit­ge­ber gemäß § 13 Abs. 2 Ar­bSchG Auf­ga­ben auf ex­ter­ne Per­so­nen über­tra­ge. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de geht es im vor­lie­gen­den Fall dem Be­triebs­rat nicht um die Fest­stel­lung ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts bei der Über­tra­gung un­be­stimm­ter Auf­ga­ben des Ar­beits­schut­zes auf ex­ter­ne Per­so­nen, son­dern dar­um fest­zu­stel­len, dass die von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­nom­me­ne be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on des Ar­beits­schut­zes der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­liegt.


3. Der An­trag ist auf die Fest­stel­lung ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­verhält­nis­ses iSd. § 256 Abs. 1 ZPO ge­rich­tet. Das Be­ste­hen ei­nes Mit-be­stim­mungs­rechts des Be­triebs­rats bei ei­nem be­stimm­ten Re­ge­lungs­tat­be­stand ist ein Rechts­verhält­nis, das ei­ner ge­richt­li­chen Fest­stel­lung zugäng­lich ist (BAG 17. Ja­nu­ar 2012 - 1 ABR 45/10 - Rn. 16, BA­GE 140, 223).


4. Für die be­gehr­te Fest­stel­lung be­steht auch das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che recht­li­che In­ter­es­se, da zwi­schen den Be­tei­lig­ten das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts in der im An­trag be­zeich­ne­ten An­ge­le­gen­heit in Streit steht.


II. Der An­trag ist be­gründet. Die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter ent­spre­chend dem Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 un­ter­liegt der Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG.


1. Nach die­ser Be­stim­mung hat der Be­triebs­rat bei be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen über den Ge­sund­heits­schutz mit­zu­be­stim­men, wenn der Ar­beit­ge­ber die­se
 


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auf­grund ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Rah­men­vor­schrift zu tref­fen hat und ihm bei der Ge­stal­tung Hand­lungs­spielräume ver­blei­ben. Da­durch soll im In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne möglichst ef­fi­zi­en­te Um­set­zung des ge­setz­li­chen Ar­beits­schut­zes im Be­trieb er­reicht wer­den. Das Mit­be­stim­mungs­recht setzt ein, wenn ei­ne ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht ob­jek­tiv be­steht und we­gen des Feh­lens ei­ner zwin­gen­den Vor­ga­be be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen ver­langt, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen. Ei­ne näher aus­ge­stalt­ba­re Rah­men­vor­schrift liegt vor, wenn die ge­setz­li­che Re­ge­lung Maßnah­men zur Gewähr­leis­tung des Ge­sund­heits­schut­zes er­for­dert, die­se aber nicht selbst im Ein­zel­nen be­schreibt, son­dern dem Ar­beit­ge­ber le­dig­lich ein zu er­rei­chen­des Schutz­ziel vor­gibt. Ob die Rah­men­vor­schrift dem Ge­sund­heits­schutz un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar dient, ist da­bei un­er­heb­lich. Eben­so we­nig kommt es auf ei­ne sub­jek­ti­ve Re­ge­lungs­be­reit­schaft des Ar­beit­ge­bers an (BAG 11. De­zem­ber 2012 - 1 ABR 81/11 - Rn. 17).


2. Der Be­griff des Ge­sund­heits­schut­zes in § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG stimmt mit dem des Ar­beits­schutz­ge­set­zes übe­rein. Er­fasst wer­den Maßnah­men, die da­zu die­nen, die psy­chi­sche und phy­si­sche In­te­grität des Ar­beit­neh­mers zu er­hal­ten, der ar­beits­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt ist, die zu me­di­zi­nisch fest­stell­ba­ren Ver­let­zun­gen oder Er­kran­kun­gen führen oder führen können. Er­fasst wer­den auch vor­beu­gen­de Maßnah­men. Des Wei­te­ren ist Vor­aus­set­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG, dass die An­wen­dung der Rah­men­vor­schrift ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung not­wen­dig macht, in der Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ge­mein­sam fest­le­gen, in wel­cher Wei­se das vor­ge­ge­be­ne Schutz­ziel er­reicht wer­den soll. Ei­ne sol­che Re­ge­lung muss sich auf ei­nen kol­lek­ti­ven Tat­be­stand be­zie­hen, für den ei­ne abs­trakt-ge­ne­rel­le Lösung er­for­der­lich ist. Kei­ne Re­ge­lung ist not­wen­dig, wenn der Ar­beit­ge­ber nach den ge­setz­li­chen Rah­men­re­ge­lun­gen Ein­zel­maßnah­men zu tref­fen hat. Die­se wer­den vom Mit­be­stim­mungs­recht aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG nicht er­fasst (BAG 18. Au­gust 2009 - 1 ABR 43/08 - Rn. 17 und Rn. 19, BA­GE 131, 351).



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3. Bei der Über­tra­gung von Auf­ga­ben auf Mit­ar­bei­ter oder Drit­te ist mit­be­stim­mungs­recht­lich da­nach zu un­ter­schei­den, ob der Ar­beit­ge­ber le­dig­lich ei­ne Ein­zel­maßnah­me oder ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung trifft:

a) Erschöpft sich die Maßnah­me des Ar­beit­ge­bers in der Über­tra­gung ein­zel­ner Auf­ga­ben auf Drit­te nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG liegt ty­pi­scher­wei­se ei­ne Ein­zel­maßnah­me vor, die nicht der Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­liegt (BAG 18. Au­gust 2009 - 1 ABR 43/08 - Rn. 23, BA­GE 131, 351; Stef­fek in Koll­mer/Klindt Ar­bSchG 2. Aufl. § 13 Rn. 62). In die­sem Fall ist ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung, in der Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat abs­trakt-ge­ne­rell fest­le­gen, in wel­cher Wei­se das vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits­schut­zes er­reicht wer­den soll, nicht er­for­der­lich.

b) Hier­von ab­zu­gren­zen ist je­doch die Schaf­fung ei­ner Auf­bau- und Ab­lauf­or­ga­ni­sa­ti­on zum Ge­sund­heits­schutz.

aa) Nach § 3 Abs. 2 Nr. 1 Ar­bSchG hat der Ar­beit­ge­ber un­ter Berück­sich­ti­gung der Art der Tätig­kei­ten und der Zahl der Beschäftig­ten zur Pla­nung und Durchführung der er­for­der­li­chen Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes für ei­ne ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on zu sor­gen. Wei­ter­hin hat er gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 2 Ar­bSchG Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass die Maßnah­men er­for­der­li­chen-falls bei al­len Tätig­kei­ten und ein­ge­bun­den in die be­trieb­li­chen Führungs­struk­tu­ren be­ach­tet wer­den und die Beschäftig­ten ih­ren Mit­wir­kungs­pflich­ten nach­kom­men können. Der Ar­beit­ge­ber hat da­mit durch den Auf­bau ei­ner ge­eig­ne­ten Or­ga­ni­sa­ti­on dafür Sor­ge zu tra­gen, dass die sich aus dem Ar­beits­schutz­ge­setz er­ge­ben­den Auf­ga­ben auf Mit­ar­bei­ter, ins­be­son­de­re Führungs­kräfte ver­teilt wer­den (Koh­te in Koll­mer/Klindt Ar­bSchG 2. Aufl. § 3 Rn. 47). Hier­bei han­delt es sich um ge­ne­rell-abs­trak­te Re­ge­lun­gen des Ar­beits­schut­zes, die über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen. Sie be­tref­fen nicht nur die Über­tra­gung ein­zel­ner Auf­ga­ben des Ar­beits­schut­zes auf be­stimm­te Per­so­nen, son­dern den Auf­bau ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur. Die Zu­wei­sung von Auf­ga­ben an ein­zel­ne Führungs­kräfte ist in die­sem Fall le­dig­lich Teil die­ser Or­ga­ni­sa­ti­ons­maßnah­me.
 


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bb) Der­ar­ti­ge Maßnah­men un­ter­lie­gen der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG. § 3 Ar­bSchG ist ge­wis­ser­maßen der „Pro­to­typ“ ei­ner all­ge­mein ge­hal­te­nen Rah­men­vor­schrift (Fit­ting 27. Aufl. § 87 Rn. 295; Pie­per Ar­bSchR § 3 Ar­bSchG Rn. 5a; Koh­te in Koll­mer/Klindt Ar­bSchG 2. Aufl. § 3 Rn. 80; Wie­se/Gut­zeit in GK-Be­trVG 10. Aufl. § 87 Rn. 585). Sie gibt dem Ar­beit­ge­ber kein be­stimm­tes, ver­all­ge­mei­ne­rungsfähi­ges Or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­dell vor, son­dern setzt ei­nen Rah­men für die Ent­wick­lung ei­ner an den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten aus­ge­rich­te­ten Or­ga­ni­sa­ti­on. Die­se ist maßgeb­lich vom kon­kre­ten Aus­maß der je­weils be­ste­hen­den Un­fall- und Ge­sund­heits­ge­fah­ren so­wie von der Be­triebs­größe abhängig (Koh­te in Koll­mer/Klindt Ar­bSchG 2. Aufl. § 3 Rn. 80). § 3 Ar­bSchG stellt da­mit ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht nur ei­ne um­fas­sen­de Ge­ne­ral­klau­sel oh­ne kon­kre­ten Re­ge­lungs­ge­gen­stand dar, die nicht der Mit­be­stim­mung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­liegt (zu die­ser Un­ter­schei­dung BAG 8. Ju­ni 2004 - 1 ABR 13/03 - zu B I 2 b bb (2) der Gründe, BA­GE 111, 38). Die­se Vor­schrift enthält viel­mehr von den Be­triebs­par­tei­en aus­zufüllen­de Re­ge­lungs­spielräume (eben­so be­reits BAG 16. Ju­ni 1998 - 1 ABR 68/97 - zu B I 2 der Gründe, BA­GE 89, 139).


cc) Un­zu­tref­fend ist wei­ter­hin die An­nah­me der Rechts­be­schwer­de, aus § 10 Abs. 2 Satz 3 Ar­bSchG fol­ge, dass nur in den im Ar­beits­schutz­ge­setz aus­drück­lich ge­nann­ten Fällen Mit­be­stim­mungs­rech­te des Be­triebs­rats bestünden und im Übri­gen nur frei­wil­li­ge Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen nach § 88 Be­trVG ge­schlos­sen wer­den könn­ten. Hier­ge­gen spricht be­reits, dass die­se Vor­schrift nach der Ge­set­zes­be­gründung al­lein dar­auf zielt, die uni­ons­recht­li­che Vor­ga­be aus Art. 11 Abs. 2 Buchst. b) der Richt­li­nie 89/391/EWG über die Durchführung von Maßnah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit vom 12. Ju­ni 1989 um­zu­set­zen (BT-Drs. 13/3540 S. 18 f.). Wei­ter­ge­hen­de Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats, wie sie sich ins­be­son­de­re aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG er­ge­ben können, blei­ben hier­von un­berührt, wie § 10 Abs. 2 Satz 4 Ar­bSchG aus­drück­lich klar­stellt (Stef­fek in Koll­mer/Klindt Ar­bSchG 2. Aufl. § 10 Rn. 42).
 


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4. Nach die­sen Grundsätzen ist die von der Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 vor­ge­nom­me­ne Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten aus §§ 3 bis 14 Ar­bSchG auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig.


Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass die Auf­ga­benüber­tra­gung über ei­ne Ein­zelüber­tra­gung nach § 13 Abs. 2 Ar­bSchG hin­aus­geht. Die Ar­beit­ge­be­rin hat mit der An­wei­sung vom 16. Sep­tem­ber 2010 die Grund­la­gen ei­ner Auf­bau- und Ab­lauf­or­ga­ni­sa­ti­on zum Ge­sund­heits­schutz ge­schaf­fen. Sie hat hier­in ua. be­stimmt, dass die Meis­ter auf die An­wen­dung und Ein­hal­tung der Ge­sund­heits­schutz­vor­schrif­ten zu ach­ten, die er­for­der­li­chen An­wei­sun­gen zu er­tei­len und de­ren Ein­hal­tung zu über­wa­chen ha­ben. Sie ha­ben die Ar­beitsplätze/Bau­stel­len zu kon­trol­lie­ren, et­wai­ge Un­fall­ur­sa­chen zu ana­ly­sie­ren und durch ge­eig­ne­te Maßnah­men aus­zu­sch­ließen und mit Be­triebs­arzt, Si­cher­heits­fach­kraft, Si­cher­heits­be­auf­trag­ten so­wie den Be­triebsräten im Rah­men ih­rer ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin hat den Meis­tern wei­ter­hin die Be­fug­nis über­tra­gen, vorläufi­ge Re­ge­lun­gen zu tref­fen. Sch­ließlich ha­ben die Meis­ter, so­weit ih­nen Mit­ar­bei­ter mit Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on un­ter­stellt sind, die­sen die ent­spre­chen­den Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten zu über­tra­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin hat da­mit ei­ne be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur im Ar­beits­schutz auf­ge­baut und Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che ih­rer Meis­ter fest­ge­legt. Dass die­se nur recht all­ge­mein ge­fasst sind, steht dem nicht ent­ge­gen. Mit der An­wei­sung vom 16. Sep­tem­ber 2010 hat die Ar­beit­ge­be­rin da­mit er­kenn­bar be­zweckt, ih­ren Pflich­ten aus § 3 Abs. 2 Nr. 1 Ar­bSchG nach­zu­kom­men und den Ar­beits­schutz in ih­re be­trieb­li­che Führungs­struk­tur ein­zu­bau­en.


Schmidt 

Koch 

Linck

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