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BSG - Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht für GmbH-Ge­schäfts­füh­rer?

Auch der Ge­schäfts­füh­rer ei­ner Ein-Mann-GmbH, die vie­le Kun­den und Ar­beit­neh­mer hat, un­ter­liegt der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht: Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Ur­teil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R
02.12.2005. Mit ei­nem ih­rer ers­ten Re­form­ge­set­ze hat die rot-grü­ne Ko­ali­ti­on En­de 1998 be­schlos­sen, daß künf­tig be­stimm­te "Schein­selb­stän­di­ge" der So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht un­ter­lie­gen soll­ten. Zu die­sen "Schein­selb­stän­di­gen" zähl­te man auch "ech­te" Selb­stän­di­ge, falls sie im We­sent­li­chen nur für ei­nen Haupt­auf­trag­ge­ber tä­tig sind, da ei­ne so star­ke wirt­schaft­li­che Ab­hän­gig­keit den Selb­stän­di­gen ähn­lich schutz­be­dürf­tig macht wie ei­nen ab­hän­gig Be­schäf­tig­ten.

Da­her wur­de mit dem "Ge­setz zu Kor­rek­tu­ren in der So­zi­al­ver­si­che­rung und zur Si­che­rung der Ar­beit­neh­mer­rech­te" vom 19.12.1998 (BGBl.I 1998, S.3843) das Sechs­te Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB VI), das die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung be­trifft, mit Wir­kung vom 01.01.1999 in der Wei­se ge­än­dert, daß künf­tig auch (ech­te) Selb­stän­di­ge, falls sie auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tä­tig sind und prak­tisch kei­ne ei­ge­nen An­ge­stell­ten ha­ben, in die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­be­zo­gen wer­den sol­len.

Ob die­se Re­ge­lung auch auf selb­stän­di­ge GmbH-Ge­schäfts­füh­rer an­zu­wen­den ist, hat­te kürz­lich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) zu ent­schei­den: BSG, Ur­teil vom 24.11.2005, B 12 RA 1/04 R.

Muss der Gesellschaft-Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH wegen seiner Geschäftsführertätigkeit Rentenbeiträge zahlen?

Das zukünf­tig auch (ech­te) Selbständi­ge ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, so­fern sie für nur ei­nen Ar­beit­ge­ber tätig sind und (prak­tisch) kei­ne An­ge­stell­ten ha­ben ist im § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ge­re­gelt. In der Fas­sung vom 01.01.1999 lau­tet die­se wie folgt:

"§ 2 Selbständig Täti­ge

Ver­si­che­rungs­pflich­tig sind selbständig täti­ge (...)

9. Per­so­nen, die

a) im Zu­sam­men­hang mit ih­rer selbständi­gen Tätig­keit re­gelmäßig kei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen, des­sen Ar­beits­ent­gelt aus die­sem Beschäfti­gungs­verhält­nis re­gelmäßig 400 Eu­ro im Mo­nat über­steigt, und

b) auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig sind (...)."

Wich­tig zum Verständ­nis die­ser Re­ge­lung ist, daß sie ech­te Selbständi­ge be­trifft (al­so kei­ne in Wahr­heit abhängig beschäftig­ten Per­so­nen) und zu­dem nur an­ord­net, daß die hier ge­nann­ten Per­so­nen Beiträge zur ge­setz­li­chen Ren­tenver­si­che­rung zah­len müssen (al­so nicht et­wa zu den an­de­ren Zwei­gen der ge­setz­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rung wie zum Bei­spiel zur Kran­ken­ver­si­che­rung oder Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung).

Frag­lich ist, ob der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in sei­ner Ei­gen­schaft als Geschäftsführer die­ser Vor­schrift un­terfällt. Dafür spricht,

  • dass der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH als Geschäftsführer selbständig ist, da ihm nie­mand sei­tens der GmbH An­wei­sun­gen in be­zug auf sei­ne Ar­beit ma­chen kann (die GmbH gehört ja aus­sch­ließlich ihm als ein­zi­gem Ge­sell­schaf­ter)
  • dass er wei­ter­hin - als Geschäftsführer "sei­ner" GmbH - in den meis­ten Fällen nur für die­se GmbH tätig ist und für die Er­brin­gung sei­ner Geschäftsführ­ertätig­keit kei­ne ei­ge­nen An­ge­stell­ten hat (An­ge­stell­te hat, wenn über­haupt, nur die GmbH).

Ge­gen die Ein­be­zie­hung von Geschäftsführern ei­ner Ein-Mann-GmbH spricht al­ler­dings, daß die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht in vie­len Fällen bloße Fol­ge der Tätig­keit in der Rechts­form ei­ner GmbH ist.

BEISPIEL: Der In­ha­ber ei­nes Im­bißre­stau­rants hat täglich et­wa 200 Kun­den. Wenn er sein Geschäft im ei­ge­nen Na­men be­treibt, ist er nicht nur selbständig, son­dern er fällt auch nicht un­ter die Re­ge­lung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI, da er nicht "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig" ist (schließlich hat er ja pro Tag et­wa 200 Kun­den bzw. Auf­trag­ge­ber). Gründet er nun­mehr ei­ne Ein-Mann-GmbH und überträgt die­ser den Be­trieb des Im­bißre­stau­rants, ist er auf ein­mal als Geschäftsführer sei­ner GmbH "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig", nämlich für sei­ne GmbH, und da­mit gemäß § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig. An der wirt­schaft­li­chen La­ge und der (mehr oder we­ni­ger großen bzw. ge­rin­gen) so­zia­len Schutz­bedürf­tig­keit des Im­bißre­stau­rants-Be­trei­bers hat sich aber nichts geändert.

Es ist da­her frag­lich, ob die Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in ih­rer Ei­gen­schaft als Geschäftsführer ih­rer GmbH gemäß § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind oder nicht.

Die­se Fra­ge hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) in ei­ner Ent­schei­dung vom 24.11.2005 (AZ: B 12 RA 1/04 R) ent­schie­den.

Der Streitfall: Gesellschafter-Geschäftsführer mit Geschäftsführergehalt von 15.000,00 EUR soll Rentenbeiträge zahlen

Dem Ur­teil des BSG lag fol­gen­der Fall zu­grun­de:

Der zuständi­ge Träger der Ren­ten­ver­si­che­rung stell­te im No­vem­ber 2000, al­so nach Einführung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI, fest, daß der Kläger als selbständi­ger Un­ter­neh­mens­be­ra­ter im Um­fang von mehr als 15 St­un­den pro Wo­che für nur ei­nen Auf­trag­ge­ber, ei­ne GmbH & Co. KG, tätig war. Da­bei war der Kläger zu­gleich auch Al­lein­ge­sell­schaf­ter und Geschäftsführer der GmbH. Die­se beschäftig­te kei­ne wei­te­ren Mit­ar­bei­ter. Auch der Kläger in sei­ner Ei­gen­schaft als GmbH-Geschäftsführer beschäftig­te kei­ne Ar­beit­neh­mer. Er be­zog ein Geschäftsführer­ge­halt in Höhe von 15.000,00 DM mo­nat­lich zuzüglich der Nut­zung ei­nes Kraft­fahr­zeu­ges.

Der Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger stell­te mit Be­scheid die Ver­si­che­rungs­pflicht des Klägers auf Grund sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit als Un­ter­neh­mens­be­ra­ter für die Zeit ab dem 01.01.1999 fest. Das hier­ge­gen an­ge­ru­fe­ne So­zi­al­ge­richt It­ze­hoe ent­schied zu­guns­ten des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers, wo­hin­ge­gen das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt dem Kläger recht gab.

Bundessozialgericht: Gesellschaft-Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH sind wegen ihrer Geschäftsführertätigkeit rentenversicherungspflichtig

Das BSG hat sich dem Grun­de nach der Mei­nung des So­zi­al­ge­richt It­ze­hoe an­ge­schlos­sen und die Ent­schei­dung des Ren­ten­ver­si­che­rungs­trägers im Prin­zip bestätigt.

Nach An­sicht des BSG ist auch in Fällen ei­ner ei­ner Ein-Mann-GmbH streng zwi­schen der GmbH als dem "Auf­trag­ge­ber" der Geschäftsführ­er­diens­te und dem Geschäftsführer als "Auf­trag­neh­mer" sei­ner GmbH zu un­ter­schei­den. Wört­lich heißt es in dem Ur­teil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (Rn.10):

"Über die Rechts­fi­gur der ju­ris­ti­schen Per­son darf nicht leicht­fer­tig und schran­ken­los hin­weg­ge­gan­gen wer­den (...). Dies gilt eben­so für die recht­li­che Ver­schie­den­heit zwi­schen der (...) Ein-Mann-GmbH und ih­rem Al­lein­ge­sell­schaf­ter, die nur in be­son­de­ren Aus­nah­mefällen durch­bro­chen wer­den darf (...)."

Dar­aus folgt, daß der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH auch dann, wenn die GmbH selbst vie­le ver­schie­de­ne Kun­den und u.U. so­gar vie­le Ar­beit­neh­mer hat, in sei­ner Ei­gen­schaft als Geschäftsführer "auf Dau­er und im We­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig" ist, nämlich für sei­ne GmbH.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt war außer­dem der Mei­nung, daß es nach der ak­tu­el­len Ge­set­zes­fas­sung des § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI nicht auf wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen für die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht an­kom­me, al­so et­wa auf die Fest­stel­lung, daß der Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH in be­son­de­rem Maß schutz­bedürf­tig sei oder ei­ne ar­beit­neh­merähn­li­che Stel­lung ha­be.

Nach An­sicht des BSG ist § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI ei­ne ty­pi­sie­ren­de Re­ge­lung, d.h. sie geht vom "Nor­mal­fall" ei­ner al­lei­ni­gen Tätig­keit für ei­nen Auf­trag­ge­ber aus und nimmt da­her in Kauf, daß im Ein­zel­fall auch Per­so­nen in die Ver­si­che­rungs­pflicht ein­be­zo­gen wer­den, die die­sen Schutz gar nicht brau­chen. Wört­lich heißt es hier­zu in dem Ur­teil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (Rn.24):

"Da der Kläger in sei­ner selbstständi­gen Tätig­keit zu­dem auch kei­ne Ar­beit­neh­mer beschäftigt, sind al­le Vor­aus­set­zun­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI erfüllt. Ei­ner zusätz­li­chen Prüfung sei­ner >Ar­beit­neh­merähn­lich­keit< bzw sei­ner kon­kre­ten >Schutz­bedürf­tig­keit< be­darf es nicht. Bei­de As­pek­te ha­ben in den tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ab­sch­ließend ih­ren kon­kre­ti­sie­ren­den Aus­druck ge­fun­den."

Wei­ter heißt es hier­zu in dem BSG-Ur­teil (Rn.27):

"Eben­so we­nig be­darf im Rah­men des § 2 Satz 1 Nr 9 SGB VI ei­ner nähe­ren Prüfung, ob ge­ra­de der Kläger im Blick auf sei­ne kon­kre­te wirt­schaft­li­che La­ge >schutz­bedürf­tig< ist. Für die Ein­be­zie­hung in die Ren­ten­ver­si­che­rung ist nämlich nicht die wirk­li­che, son­dern die mut­maßli­che Ver­si­che­rungs­bedürf­tig­keit ent­schei­dend, die sich aus all­ge­mei­nen Merk­ma­len und aus der durch­schnitt­li­chen Le­bens­la­ge der be­trof­fe­nen Bevölke­rungs­grup­pe er­gibt.

Sch­ließlich lehnt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt auch ei­ne Her­an­zie­hung ei­ner zu­guns­ten von Vor­stands­mit­glie­dern ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) gel­ten­den Aus­nah­me­vor­schrift des SGB VI ab.

Nach die­ser Vor­schrift (§ 1 Satz 4 SGB VI) sind Mit­glie­der des Vor­stan­des ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft in dem Un­ter­neh­men, des­sen Vor­stand sie an­gehören, nicht ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts be­ste­hen zwi­schen dem hier an­ge­spro­chen Per­so­nen­kreis (Vor­stands­mit­glie­der ei­ner AG) und den Geschäftsführer ei­ner Ein-Mann-GmbH zu große Un­ter­schie­de, als daß man die Ver­si­che­rungs­frei­heit der GmbH-Geschäftsführer mit ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung von § 1 Satz 4 SGB VI recht­fer­ti­gen könn­te.

Fazit: Auf Gesellschaft-Geschäftsführer einer Ein-Mann-GmbH kommen hohe Nachforderungen zu

Auf­grund des Ur­teils vom 24.11.2005 können die Träger der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bis­her nicht ge­zahl­te Beiträge bis zur Gren­ze der Bei­trags­verjährung noch für die Ver­gan­gen­heit, d.h. rück­wir­kend nach­for­dern. Das kann da­zu führen, daß auf die be­trof­fe­nen GmbH-Geschäftsführer er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen zu­kom­men. Ei­ne Haf­tungs­be­gren­zung auf­grund der Tätig­keit un­ter dem Na­men ei­ner GmbH gilt hier nicht, da Zah­lungs­pflich­ti­ger nicht die GmbH, son­dern der Geschäftsführer ist.

Wie hoch die mo­nat­li­che Zah­lungs­pflicht im Ein­zel­fall ist, hängt zwar von der Höhe der Geschäftsführer­vergütung ab, doch dürf­te in vie­len Fällen der Re­gel­satz für pflicht­ver­si­cher­te Selbständi­ge zu zah­len sein.

Da­zu muß man wis­sen, daß Selbständi­ge, die in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung bei­trags­pflich­tig sind, gemäß § 165 Abs.1 Satz 1 Nr.1 SGB VI ent­we­der

  • den aus ei­nem Durch­schnitts­ein­kom­men ("Be­zugs­größe") be­rech­ne­ten Re­gel­bei­trag zah­len müssen; da der Ren­ten­bei­trag der­zeit 19,5 % und die Be­zugs­größe der­zeit (2006) in den al­ten Bun­desländern 2.450,00 EUR pro Mo­nat und in den neu­en Bun­desländern 2.065,00 EUR pro Mo­nat beträgt, beläuft sich der Re­gel­bei­trag auf (0,195 x 2.450 =) 477,75 EUR im Wes­ten und auf (0,195 x 2.065 =) 402,68 EUR im Os­ten;
  • oder bei Nach­weis ei­nes nied­ri­ge­ren oder höhe­ren Ein­kom­mens den Ren­ten­bei­trag in Höhe von (der­zeit) 19,5 %, be­rech­net aus ih­rem tatsächli­chen Ein­kom­men, zah­len müssen, wo­bei das an­zu­set­zen­de Ein­kom­men je­doch min­des­tens 400,00 EUR beträgt; dar­aus folgt ein Min­dest­bei­trag von (0,195 x 400 =) 78,00 EUR;
  • oder aber die Hälf­te des Re­gel­bei­trags, d.h. der­zeit 238,87 EUR im Wes­ten und 201,34 EUR im Os­ten, dies al­ler­dings nur vorüber­ge­hend im Jahr der Auf­nah­me der selbständi­gen Tätig­keit und in den drei fol­gen­den Ka­len­der­jah­ren (§ 165 Abs.1 Satz 2 SGB VI).

Beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung verjähren im all­ge­mei­nen in vier Jah­ren nach Ab­lauf des Ka­len­der­jah­res, in dem sie fällig ge­wor­den sind (§ 25 Abs.1 SGB IV). So sind zum Bei­spiel die für 2001 zu ent­rich­ten­den und in die­sem Jahr fälli­gen SV-Beiträge mit dem Ab­lauf des 31.12.2005 verjährt

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es möglich, daß die Ren­ten­ver­si­che­rung Bei­trags­for­de­run­gen in Höhe des Re­gel­bei­trags er­hebt, was bei bis zu vier Ka­len­der­jah­ren rück­wir­ken­der Bei­trags­pflicht schnell zu Zah­lungs­pflich­ten von weit über 20.000 EUR führen kann.

Für die Zu­kunft fragt sich, wie die aus dem Ur­teil vom 24.11.2005 fol­gen­de Bei­trags­pflicht in recht­lich zulässi­ger Wei­se ver­mie­den wer­den kann. Hier wer­den im Prin­zip zwei Möglich­kei­ten emp­foh­len:

Ers­te Möglich­keit: Ein­stel­lung ei­nes über 400,00 EUR im Mo­nat ver­die­nen­den Ar­beit­neh­mers, der vom Geschäftsführer persönlich zum Zwe­cke der Er­brin­gung sei­ner Geschäftsführer­pflich­ten an­ge­stellt wird. Die hierfür auf­zu­wen­den­den Kos­ten können zwar steu­er­min­dernd gel­tend ge­macht wer­den, al­ler­dings nicht als un­mit­tel­ba­re Auf­wen­dun­gen der GmbH, son­dern des Geschäftsführers. Die­ser haf­tet außer­dem für die Erfüllung sämt­li­cher Ar­beit­ge­ber­pflich­ten - ins­be­son­de­re der Pflicht zur Lohn­zah­lung und zur Abführung von So­zi­al­ab­ga­ben - persönlich.

Zwei­te Möglich­keit: Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer spal­tet den Geschäfts­be­reich sei­ner GmbH in zwei Tei­le auf und gründet ei­ne zwei­te GmbH, so daß jetzt zum Bei­spiel statt ei­ner Wein­han­dels-GmbH ei­ne Ein­kaufs-GmbH und ei­ne Ver­triebs-GmbH exis­tie­ren. Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ist bei bei­den Gmb­Hs so­wohl al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter als auch al­lei­ni­ger Geschäftsführer, wo­bei die Ar­beits­zeit und der Ver­dienst aus der Geschäftsführ­ertätig­keit et­wa zur Hälf­te auf bei­de Gmb­Hs ver­teilt sind. Dann ist der Geschäftsführer nicht mehr "auf Dau­er und im we­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber tätig", son­dern für zwei Auf­trag­ge­ber, sprich für zwei Gmb­Hs.

Aber Ach­tung: "Im we­sent­li­chen nur für ei­nen Auf­trag­ge­ber" tätig ist man nach der Pra­xis der So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger, wenn man mehr als fünf Sechs­tel sei­ner ge­sam­ten Einkünf­te aus der Tätig­keit für ei­nen ein­zi­gen Auf­trag­ge­ber be­zieht.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: Der Ge­setz­ge­ber hat in­zwi­schen in Re­ak­ti­on auf das hier be­spro­che­ne Ur­teil des BSG die Ge­set­zes­fas­sung von § 2 Satz 1 Nr.9 SGB VI um die Klar­stel­lung ergänzt, dass "bei Ge­sell­schaf­tern ... als Auf­trag­ge­ber die Auf­trag­ge­ber der Ge­sell­schaft (gel­ten)".

Da­mit hat das hier be­spro­che­ne BSG-Ur­teil kei­ne prak­ti­sche Be­deu­tung mehr, da es nach der ak­tu­el­len Ge­set­zes­fas­sung nicht auf das Auf­trags­verhält­nis zwi­schen dem Geschäftsführer und sei­ner GmbH an­kommt, son­dern auf die An­zahl der Kun­den der GmbH. Hat die­se vie­le Kun­den und kei­nen Haupt­auf­trag­ge­ber, un­terfällt auch der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer nicht der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht.

 

Letzte Überarbeitung: 1. März 2015

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