Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitszeitverringerung, Teilzeitanspruch
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 15 SaGa 2286/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.03.2012
   
Leit­sätze: Ein Teil­zeit­an­spruch nach § 8 Tz­B­fG kann auch im Rah­men einst­wei­li­gen Recht­schut­zes vorläufig durch­ge­setzt wer­den.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 19.10.2011, 39 Ga 15208/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 14. März 2012

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

15 Sa­Ga 2286/11

39 Ga 15208/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

K., JHS als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 15. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14. März 2012
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn B. und Frau A.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung des Verfügungs­be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 19.10.2011 - 39 Ga 15208/11 - wird mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass der Te­nor wie folgt lau­tet:

Die Verfügungs­be­klag­te wird ver­ur­teilt, mit Wir­kung ab 22. Ok­to­ber 2011 der Ver­rin­ge­rung der ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit der Verfügungskläge­rin von bis­lang 40 Wo­chen­stun­den auf 32 Wo­chen­stun­den zu­zu­stim­men für ei­nen Zeit­raum längs­tens bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren.

II. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens hat die Verfügungs­be­klag­te zu tra­gen.

 

- 3 - 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren darüber, ob die Verfügungs­be­klag­te (künf­tig: die Be­klag­te) mit Wir­kung ab 22. Ok­to­ber 2011 der Ver­rin­ge­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit der Verfügungskläge­rin (künf­tig: die Kläge­rin) auf 32 Wo­chen­stun­den zu­zu­stim­men hat.

Die Kläge­rin ist seit dem 1. Ju­li 2006 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Seit dem 1. De­zem­ber 2008 ist sie als As­sis­tent Sto­re Ma­na­ge­rin (ASM) tätig. Mit An­trag vom 10. Mai 2011 hat sie die Re­du­zie­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 40 auf 32 St­un­den be­an­tragt, da sie ab Ok­to­ber des glei­chen Jah­res ein Fern­stu­di­um auf­neh­men woll­te. Die Be­klag­te hat dies mit Schrei­ben vom 22. Au­gust 2011 ab­ge­lehnt. Seit dem 5. Ok­to­ber 2011 hat die Kläge­rin die ver­bind­li­che Zu­las­sung zum Stu­di­um er­hal­ten.

Bei der Be­klag­ten in der Re­gi­on Ber­lin sind zwei Sto­re Ma­na­ger (SM) zwar voll­zei­tig tätig, we­gen ih­rer Be­triebs­rats­ar­beit je­doch ei­nen Tag pro Wo­che von der Ar­beit frei­ge­stellt. In der Fi­lia­le am P. Platz ist Frau N. während der El­tern­zeit nur noch mit 30 Wo­chen­stun­den als SM tätig. Frau B. ar­bei­tet dort als wei­te­re SM in Voll­zeit. Mit­te No­vem­ber 2011 er­folg­te für die­ses Geschäft ei­ne Stel­len­aus­schrei­bung, wo­nach die Stel­le als ASM mit 32/40 St­un­den zu be­set­zen sei (Ko­pie Bl. 187 d. A.). Die Kläge­rin hat sich hier­auf be­wor­ben. Der für ih­re Fi­lia­le zuständi­ge Di­strikt­lei­ter hat­te hier­von Kennt­nis. Die Kläge­rin wur­de auch in die Ur­laubs­pla­nung für das Jahr 2012 bei der Fi­lia­le P. Platz berück­sich­tigt.

Hin­sicht­lich des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der I. In­stanz wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen. Un­ter dem 19. Ok­to­ber 2011 hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin ent­schie­den, dass die Verfügungs­be­klag­te mit Wir­kung ab 22. Ok­to­ber 2011 der Ver­rin­ge­rung der ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit der Verfügungskläge­rin von bis­lang 40 Wo­chen­stun­den auf 32 Wo­chen­stun­den mit ei­ner fle­xi­blen Ver­tei­lung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit in­ner­halb der Geschäfts­zei­ten zu­zu­stim­men hat. Hier­ge­gen rich­tet sich die form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Die­se ist der An­sicht, dass dem Teil­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin er­heb­li­che be­trieb­li­che Gründe ent­ge­genstünden. Sie ver­tre­te den grundsätz­li­chen An­satz, im Ma­nage­ment­be­reich nur Voll­zeit­kräfte zu beschäfti­gen. Es sei ei­ne größtmögli­che Präsenz im je­wei­li­gen Sto­re er­for­der­lich. Die ASM hätten in ers­ter Li­nie Lei­tungs- und Führungs­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men. Als Lea­der, Coach und Un­ter­neh­mer sei­en sie zu 80 % ih­rer Zeit ak­tiv mit ih­ren Part­nern im Cof­fee Hou­se tätig.

 

- 4 -

Der von ih­nen in­ne ge­hab­te Ar­beits­platz sei nicht teil­bar. Auf­grund des ho­hen Teil­zeit­an­teils und der Fluk­tua­ti­on in der Ebe­ne dar­un­ter sei durch die SM und ASM ei­ne Kon­stan­ze zu schaf­fen. Die­ses Kon­zept wer­de in sämt­li­chen Sto­res in Ber­lin um­ge­setzt. Es müsse auch gewähr­leis­tet sein, dass Wei­sun­gen aus Es­sen oh­ne Verzöge­rung um­ge­setzt würden. Wäre die Kläge­rin je­doch an ei­nem Tag pro Wo­che nicht vor Ort, käme es zu er­heb­li­chen Verzöge­run­gen. Bei ei­ner Re­du­zie­rung von fünf auf vier Ar­beits­ta­ge blie­be der SM an ei­nem kom­plet­ten Wo­chen­tag oh­ne Ver­tre­ter. An je­dem Tag müsse je­doch min­des­tens ei­ne Schicht durch den SM oder ASM ab­ge­deckt wer­den. Von den Mit­glie­dern des Ma­nage­ments wer­de ein 100prozentiger Ein­satz er­war­tet. Dies schließe die Ab­leis­tung ge­le­gent­li­cher Über­stun­den ein. Auf den Stel­len der ASM müsse es die Möglich­keit zur Beförde­rung ge­ben. Da auch die Ebe­ne der SM nicht mit Teil­zeit­kräften aus­gefüllt wer­de, blo­ckie­re die Kläge­rin über Jah­re ei­nen Aus­bil­dungs­platz. Für die re­du­zier­ten acht St­un­den sei ei­ne Teil­zeit­kraft nicht zu fin­den. Ein Verfügungs­grund sei eben­falls nicht ge­ge­ben. Zu Un­recht ha­be das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, ein Fern­stu­di­um könne nicht ne­ben ei­ner Voll­zeittätig­keit möglich sein. Dies ge­he je­den­falls bis zur Haut­sa­che­ent­schei­dung. Im Übri­gen hätte die Kläge­rin schnel­ler ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung ein­rei­chen müssen. Von der Stel­len­aus­schrei­bung für den P. Platz ha­be der für die­se Fi­lia­le zuständi­ge Di­strikt­slei­ter nichts ge­wusst.

Nach­dem die Kläge­rin zu­letzt erklärt hat, dass der erst­in­stanz­li­che An­trag mit der Maßga­be auf­recht er­hal­ten wird, dass längs­tens bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che die Re­ge­lung zu gel­ten ha­be, be­an­tragt die Be­klag­te,

das am 19.10.2011 verkünde­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin - 39 Ga 15208/11 - auf­zu­he­ben und den An­trag der Verfügungskläge­rin auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­haup­tet, sie sei ad­mi­nis­tra­tiv ca. vier bis fünf St­un­den pro Wo­che tätig. Im Übri­gen ver­weist sie dar­auf, dass sie über­wie­gend Kaf­fee ver­kau­fe und die Deutsch­land­spit­ze der Be­klag­ten in fünf Jah­ren schon vier Mal ge­wech­selt ha­be. Die Po­si­ti­on des SM in der F.straße ha­be eben­falls in fünf Jah­ren fünf Mal ge­wech­selt. Zwei in Voll­zeit täti­ge Führungs­per­so­nen könn­ten in ih­rer Fi­lia­le max. 58,36 % der Schicht­zei­ten

 

- 5 -

ab­de­cken. Bei Um­set­zung der be­gehr­ten Teil­zeittätig­keit re­du­zie­re sich die­ser An­teil auf 52,5 %. Seit dem 1. De­zem­ber 2011 er­fol­ge die Führung der Fi­lia­le in der F.straße oh­ne Pro­ble­me trotz ih­rer re­du­zier­ten Ar­beits­zeit. Sie ge­he da­von aus, dass auch Herr Sch. von der Aus­schrei­bung der Stel­le ei­ner ASM für die Fi­lia­le P. Platz ge­wusst ha­be.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten hat kei­nen Er­folg. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin die Be­klag­te ver­ur­teilt, der Ver­rin­ge­rung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit der Kläge­rin ab dem 22. Ok­to­ber 2011 zu­zu­stim­men. Der im Be­ru­fungs­ver­fah­ren erst­mals er­folg­te um­fang­rei­che Vor­trag der Be­klag­ten ändert hier­an nichts.

Die Kläge­rin kann sich mit Er­folg auf das Vor­lie­gen ei­nes Verfügungs­an­spruchs be­ru­fen. Die­ser er­gibt sich aus § 8 Tz­B­fG. Dem­ge­genüber ist nicht zu er­ken­nen, dass be­trieb­li­che Gründe die­sem Be­geh­ren ent­ge­gen­ste­hen.

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin dar­auf ver­wie­sen, dass den Ar­beit­ge­ber nach all­ge­mei­nen Grundsätzen die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe trifft. Die ent­spre­chen­de Prüfung sei in drei Stu­fen vor­zu­neh­men (vgl. BAG, 30.09.2003 - 9 AZR 665/02 - NZA 2004, 382, 383 f.).

Vor­lie­gend be­ste­hen schon Be­den­ken, ob bei der Be­klag­ten über­haupt ein be­trieb­li­ches Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept da­hin­ge­hend vor­liegt, dass die Po­si­tio­nen SM und ASM nur in Voll­zeit zu er­le­di­gen sind. Hier­ge­gen spricht die Aus­schrei­bung für das Geschäft Pa. Platz (Ko­pie Bl. 187 d. A.), die als Möglich­keit zu­min­dest ei­ne Teil­zeit­ar­beit im Um­fang von 32 Wo­chen­stun­den vor­sieht. Es kann of­fen blei­ben, ob der für die­se Fi­lia­le zuständi­ge District Ma­na­ger Herr Sch. trotz sei­nes un­ten auf­geführ­ten Na­mens von die­ser Aus­schrei­bung nichts wuss­te. Die Sto­re Ma­na­ge­rin Frau B. muss je­den­falls von die­ser Aus­schrei­bung ge­wusst ha­ben, denn die Kläge­rin war mit ih­rer re­du­zier­ten Ar­beits­zeit auch in die Ur­laubs­pla­nung für das Jahr 2012 auf­ge­nom­men wor­den. Da­mit zeigt sich je­den­falls, dass das von der Be­klag­ten be­haup­te­te Kon­zept je­den­falls auf die­ser Ma­nage­ment­ebe­ne nicht an­ge­kom­men ist.

Doch selbst wenn man da­von aus­geht, dass das Kon­zept der Be­klag­ten auf den Po­si­tio­nen SM und ASM ei­ne Voll­zeittätig­keit vor­sieht, dann stünde das Ar­beits­zeit­ver­lan­gen der

 

- 6 -

Kläge­rin dem zwar ent­ge­gen (zwei­te Stu­fe der Prüfung), doch sind die von der Be­klag­ten für ihr Kon­zept vor­ge­tra­ge­nen Gründe nicht hin­rei­chend ge­wich­tig (drit­te Prüfungs­stu­fe), so dass sie auch dem Wunsch der Kläge­rin nach Ver­rin­ge­rung ih­rer durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Die Be­klag­te trägt in­so­fern zum Teil vor, dass bei der Um­set­zung der Ar­beits­zeit­re­ge­lung der Kläge­rin die­se an ei­nem Tag pro Wo­che feh­le. Die­se An­nah­me trifft je­doch nicht zu. Die Kläge­rin hat nicht ver­langt, dass sie künf­tig nur noch an vier Ar­beits­ta­gen pro Wo­che ein­ge­setzt wer­den dürfe. Der wei­te­re Ein­wand der Be­klag­ten, dass an je­dem Tag min­des­tens ei­ne Schicht ein SM/ASM an­we­send sein müsse, ist auch bei ei­ner re­du­zier­ten Ar­beits­zeit der Kläge­rin möglich. Al­len­falls wäre die Kläge­rin nicht die vol­le Schicht an­we­send, was an­ge­sichts der lan­gen Öff­nungs­zei­ten je­doch auch jetzt schon teil­wei­se zu­trifft. Eben­falls ins Lee­re geht der Ein­wand der Be­klag­ten, dass ge­le­gent­lich Über­stun­den zu leis­ten sei­en. Die­se im Ar­beits­ver­trag fest­ge­leg­te Pflicht wird durch die Re­du­zie­rung der re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit nicht ver­rin­gert. Auch im Ter­min vom 14. März 2012 hat die Kläge­rin dar­ge­legt, dass sie wei­ter­hin be­reit sei, ge­le­gent­lich Über­stun­den zu leis­ten. So­weit die Be­klag­te meint, die Kläge­rin blo­ckie­re ei­nen Aus­bil­dungs­platz, da die Po­si­ti­on der ASM in der Re­gel für ei­ne zweijähri­ge Aus­bil­dung vor­ge­se­hen sei, kann dies eben­falls nicht nach­voll­zo­gen wer­den. Ei­ne der­ar­ti­ge Blo­ckie­rung er­folgt un­abhängig da­von, ob die Kläge­rin auf Ba­sis ei­ner Voll­zeit­stel­le oder ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung tätig ist. Im Übri­gen hat die Kläge­rin sich an kei­ner Stel­le recht­lich da­zu ver­pflich­tet, die in­ne ge­hab­te Stel­le nach Ab­lauf von zwei Jah­ren möglichst schnell wie­der frei­zu­ma­chen. Der Hin­weis der Be­klag­ten, dass Wei­sun­gen z. B. aus Es­sen möglichst oh­ne Verzöge­rung um­zu­set­zen sei­en, führt eben­falls zu kei­ner an­de­ren Be­ur­tei­lung. Auch nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten wird 80 % der Tätig­keit als ASM ak­tiv im Cof­fee Hou­se ver­bracht. Bei ei­ner Voll­zeittätig­keit wären so­mit ca. acht St­un­den für ad­mi­nis­tra­ti­ve Tätig­kei­ten re­ser­viert. Bei ei­ner Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit auf 32 St­un­den ver­blie­be hier­mit je­doch wei­ter­hin genügend Zeit.

In­so­fern re­du­ziert sich das Vor­brin­gen der Be­klag­ten dar­auf, dass durch die ver­lang­te Voll­zeittätig­keit ei­ne größtmögli­che Präsenz in der Fi­lia­le er­reicht wer­den soll, da­mit die Funk­tio­nen als Lea­der/Coach möglichst um­fang­reich wahr­ge­nom­men wer­den. Nur so könne ei­ne nach­hal­ti­ge Führung si­cher­ge­stellt und die Team­bil­dung in der Fi­lia­le vor­an­ge­trie­ben wer­den.

 

- 7 - 

Als Kon­zept ist dies eben­falls so nicht nach­voll­zieh­bar. Es gibt in Ber­lin Fi­lia­len mit nur ei­ner Führungs­po­si­ti­on, über­wie­gend mit zwei, am P. Platz je­doch mit drei Führungs­po­si­tio­nen. In der Fi­lia­le, in der die Kläge­rin tätig ist (F.straße) sind aus­weis­lich der von der Be­klag­ten ein­ge­reich­ten Dienst­pläne für Au­gust 2011 Beschäftig­te im Um­fang von ins­ge­samt 590 St­un­den pro Wo­che tätig. Für die Fi­lia­le P. Platz er­gibt sich aus der Ur­laubs­pla­nung für das Jahr 2012 ein Beschäfti­gungs­um­fang von ins­ge­samt 623,5 St­un­den pro Wo­che, wenn man das im Ja­nu­ar 2012 aus­lau­fen­de be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis nicht und die wei­te­re ge­such­te Führungs­kraft mit 40 Ar­beits­stun­den berück­sich­tigt. Un­ter­halb der Ebe­ne ASM sind in der F.straße 18 und am P. Platz 16 Per­so­nen beschäftigt. Der Auf­wand für ei­ne nach­hal­ti­ge Team­bil­dung wird je­doch vor al­lem durch die An­zahl der Ar­beit­neh­mer und de­ren St­un­den­zah­len be­ein­flusst. Hält man das pro­por­tio­na­le Verhält­nis zwi­schen Führungs­per­so­nal und übri­gen Beschäftig­ten in der F.straße für maßge­bend, dann hätte für die Fi­lia­le P. Platz al­len­falls ein Bedürf­nis für die Ein­stel­lung ei­ner wei­te­ren Führungs­kraft auf Teil­zeit­ba­sis be­stan­den. Das glei­che gilt auch um­ge­kehrt. Wenn sich je­doch kein Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Um­fang der Führungs­auf­ga­ben ei­ner­seits und dem Bedürf­nis nach Coa­ching und Lea­ding Auf­ga­ben an­de­rer­seits fest­stel­len lässt, ist auch nicht nach­voll­zieh­bar, war­um die­se Auf­ga­ben nicht in Teil­zeit wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten. Je­den­falls sind die Gründe der Be­klag­ten für ei­ne Voll­zeittätig­keit nicht so ge­wich­tig, dass das Teil­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin zurück­zu­ste­hen hat.

Der Kläge­rin steht auch ein Verfügungs­grund zur Sei­te.

Die­ser entfällt nicht schon des­we­gen, weil die Kläge­rin nach Er­halt des ab­leh­nen­den Schrei­bens vom 22. Au­gust 2011 das einst­wei­li­ge Verfügungs­ver­fah­ren erst am 7. Ok­to­ber 2011 beim Ar­beits­ge­richt anhängig ge­macht hat. Un­strei­tig hat­te sie die ver­bind­li­che Zu­las­sung zum Stu­di­um erst am 5. Ok­to­ber 2011 be­kom­men. Je­den­falls dies recht­fer­tigt das ent­spre­chen­de Ab­war­ten. Im Übri­gen han­del­te auch die Be­klag­te nicht be­son­ders eil­bedürf­tig. Nach­dem das Ar­beits­ge­richt in­ner­halb von 14 Ta­gen der Be­klag­ten ei­ne erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung zu­stell­te, hat die­se un­ter Ausschöpfung al­ler Fris­ten drei Mo­na­te für die Be­ru­fungs­be­gründung ge­braucht.

Die hie­si­ge Kam­mer geht je­den­falls da­von aus, dass der Teil­zeit­an­spruch auch im Rah­men des einst­wei­li­gen Recht­schut­zes mit Er­folg gel­tend ge­macht wer­den kann (vgl. Gott­hardt NZA 2001, 1183). Hier­bei ist auch zu be­ach­ten, dass we­gen § 894 ZPO die Fik­ti­on der Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren erst mit des­sen Rechts­kraft ein­tritt.

 

- 8 -

Je­den­falls ist ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung dann aus­nahms­wei­se zu­zu­las­sen, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­ner­seits drin­gen­de Gründe für die Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit anführen kann (Gott­hardt, a. a. O., 1186).

Vor­lie­gend kann die Kläge­rin sich auf drin­gen­de Gründe be­ru­fen. Sie hat sich ne­ben ih­rer Tätig­keit bei der Be­klag­ten ab Ok­to­ber 2011 im Rah­men ei­nes Fern­stu­di­um­gangs für ei­nen Ba­che­l­or­ab­schluss ein­ge­schrie­ben. Hierfür ist aus­weis­lich der Im­ma­tri­ku­la­ti­ons­be­schei­ni­gung ei­ne Re­gel­stu­di­en­zeit von sie­ben Se­mes­tern vor­ge­se­hen. Die Kam­mer geht da­von aus, dass der­ar­ti­ge Stu­di­engänge nicht ein­fach im An­schluss an ein voll­zei­ti­ges Ar­beits­verhält­nis oder aus­sch­ließlich am Wo­chen­en­de ab­sol­viert wer­den können. Geht man da­von aus, dass je­den­falls ein Wo­chen­end­tag zur Er­ho­lung ver­blei­ben soll, dann ste­hen der Kläge­rin für das Stu­di­um wöchent­lich um­ge­rech­net ge­ra­de mal zwei Ar­beits­ta­ge zur Verfügung. Dies ist schon mehr als knapp be­mes­sen. In An­be­tracht der Tat­sa­che, dass Haupt­sa­che­ver­fah­ren beim hie­si­gen Ge­richt re­gelmäßig durch zwei In­stan­zen nach ca. ei­nem Jahr erst ab­ge­schlos­sen sind, hätte die Ver­wei­ge­rung ei­ner zu­stim­men­den Ent­schei­dung im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren zur Fol­ge, dass fast ein Drit­tel des Stu­di­ums un­ter un­zu­mut­ba­ren Ar­beits­be­din­gun­gen ab­zu­leis­ten wären.

Der Te­nor der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung war teil­wei­se ab­zuändern. Aus­weis­lich des Sit­zungs­pro­to­kolls vom 19. Ok­to­ber 2011 hat­te die Kläge­rin den An­trag erst­in­stanz­lich mit der Maßga­be ge­stellt, dass die For­mu­lie­rung „mit ei­ner fle­xi­blen Ver­tei­lung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit in­ner­halb der Geschäfts­zei­ten“ ge­stri­chen wird. Da die­se For­mu­lie­rung trotz­dem in den Te­nor auf­ge­nom­men wor­den war, hat nun­mehr ei­ne ent­spre­chen­de Kor­rek­tur zu er­fol­gen.

Auch wenn ei­ne rück­wir­ken­de Zu­stim­mung zu ei­ner Ver­tragsände­rung gem. § 311 a Abs. 1 BGB in­zwi­schen möglich ist, ist in zeit­li­cher Hin­sicht der zu­zu­spre­chen­de An­trag längs­tens bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu be­gren­zen.

Die Kos­ten des er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels hat die Be­klag­te zu tra­gen.

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Die Re­vi­si­on ist nicht zulässig (§ 72 Abs. 4 ArbGG).

 

K.

B.

A.

 

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 15 SaGa 2286/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880