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Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Sie von Ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne Ver­rin­ge­rung Ih­rer ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit ver­lan­gen kön­nen, wie ei­ne sol­che Ar­beits­zeit­ver­kür­zung um­ge­setzt wird und wor­auf Sie be­son­ders ach­ten müs­sen.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se zu der Fra­ge, ob Sie auch ei­ne Ver­län­ge­rung Ih­rer Ar­beits­zeit ver­lan­gen kön­nen und wel­che Be­son­der­hei­ten wäh­rend ei­ner El­tern­zeit zu be­ach­ten sind.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wann können Sie eine Verringerung Ihrer Arbeitszeit verlangen?

Als Ar­beit­neh­mer ha­ben Sie ei­nen all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf Ver­rin­ge­rung Ih­rer Ar­beits­zeit,

  • wenn Sie länger als sechs Mo­na­te beschäftigt sind und
  • wenn Ihr Ar­beit­ge­ber in der Re­gel mehr als 15 Ar­beit­neh­mer beschäftigt, wo­bei die Aus­zu­bil­den­den nicht mit­gezählt wer­den.

Die­se Re­ge­lung ist in § 8 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ent­hal­ten.

Die Ar­beits­zeit­verkürzung müssen Sie spätes­tens drei Mo­na­te vor de­ren Be­ginn ver­lan­gen. Der Ar­beit­ge­ber hat Ih­ren Wunsch nach Ar­beits­zeit­verkürzung mit Ih­nen zu erörtern. Er muss Ih­rem Wunsch so­gar zu­zu­stim­men, falls be­trieb­li­che Gründe dem nicht ent­ge­gen­ste­hen. Ein be­trieb­li­cher Grund liegt nach dem Ge­setz ins­be­son­de­re dann vor, wenn die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit die Or­ga­ni­sa­ti­on, den Ar­beits­ab­lauf oder die Si­cher­heit im Be­trieb we­sent­lich be­ein­träch­tigt oder un­verhält­nismäßige Kos­ten ver­ur­sacht.

Hier­zu hat das BAG zum Bei­spiel ent­schie­den (BAG, Ur­teil vom 19.08.2003 - 9 AZR 542/02), dass ei­ne Kin­dergärt­ne­rin, die für ei­ne klei­ne Grup­pe ganz­tags be­treu­ter be­hin­der­ter Kin­der ver­ant­wort­lich ist, ei­ne Re­du­zie­rung ih­rer Ar­beits­zeit auf ei­ne halbtägi­ge Beschäfti­gung nicht ver­lan­gen kann, da das In­ter­es­se der be­treu­ten Kin­der an ei­ner tägli­chen durch­ge­hen­den Be­treu­ung durch das­sel­be Per­so­nal (und da­mit das In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an ei­nem sol­chen Ar­beits­ab­lauf) vor­ran­gig sei.

Wie funktioniert eine Arbeitszeitverkürzung?

Zunächst ein­mal müssen Sie, wenn Sie an ei­ner Verkürzung Ih­rer Ar­beits­zeit in­ter­es­siert sind, Ih­rem Ar­beit­ge­ber die­sen Wunsch spätes­tens drei Mo­na­te vor Be­ginn der gewünsch­ten Ar­beits­zeit­verkürzung mit­tei­len, d.h. Sie müssen die Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung von Ih­rem Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen.

So­dann muss Ihr Ar­beit­ge­ber Ih­nen sei­ne Ent­schei­dung über die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit und über de­ren Ver­tei­lung auf die Ar­beits­wo­che spätes­tens ei­nen Mo­nat vor dem gewünsch­ten Be­ginn der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung schrift­lich mit­tei­len.

Hüllt sich er sich in Schwei­gen bzw. lehnt er die gewünsch­te Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung nicht in­ner­halb die­ser Frist schrift­lich ab, so ver­rin­gert sich die Ar­beits­zeit in dem von Ih­nen gewünsch­ten Um­fang. Dies gilt ent­spre­chend für die gewünsch­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die Wo­che.

Die Ver­tei­lung der (ver­rin­ger­ten) Ar­beits­zeit kann Ihr Ar­beit­ge­ber al­ler­dings wie­der ändern, wenn dies auf­grund über­wie­gen­der be­trieb­li­cher In­ter­es­sen er­for­der­lich ist und wenn Ihr Ar­beit­ge­ber Ih­nen die­se Ände­rung spätes­tens ei­nen Mo­nat vor­her an­gekündigt hat.

Worauf müssen Sie besonders achten?

Wenn Ihr Ar­beit­ge­ber ei­ner Ver­rin­ge­rung Ih­rer Ar­beits­zeit zu­ge­stimmt hat oder wenn er die­se be­rech­tigt ab­ge­lehnt hat, können Sie ei­ne Ver­rin­ge­rung Ih­rer Ar­beits­zeit frühes­tens wie­der nach zwei Jah­ren ver­lan­gen.

Wenn Sie al­so ei­ne Ar­beits­zeit­verkürzung her­beiführen wol­len, soll­ten Sie sich recht­zei­tig Ge­dan­ken darüber ma­chen, ob die Verkürzung auch aus­rei­chend ist, da Sie nach ei­ner ein­mal er­folg­ten Verkürzung erst ein­mal zwei Jah­re lang kei­ne wei­te­re Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ver­lan­gen können.

Be­vor Sie ei­ne Verkürzung ih­rer Ar­beits­zeit ver­lan­gen, soll­ten Sie aber auch fol­gen­des be­ach­ten: Ei­ne ein­mal durch­geführ­te Ar­beits­zeit­verkürzung verändert den Ar­beits­ver­trag, d.h. sie führt zu ei­nem Teil­zeit­ver­trag. Von die­sem Teil­zeit­ver­trag kom­men Sie grundsätz­lich nur mit Zu­stim­mung Ih­res Ar­beit­ge­bers wie­der zu ei­nem Voll­zeit­ar­beits­ver­trag.

Können Sie auch eine Verlängerung Ihrer Arbeitszeit verlangen?

Ein sol­cher An­spruch be­steht nicht, da dies den Ar­beit­ge­ber mit zusätz­li­chen Per­so­nal­kos­ten be­las­ten würde und im Er­geb­nis auf ei­nen ge­setz­li­chen Zwang zur Schaf­fung neu­er Ar­beitsplätze hin­aus­lie­fe.

Al­ler­dings muss Ihr Ar­beit­ge­ber Sie, wenn Sie teil­zeit­beschäftigt sind und Ih­ren Wunsch nach ei­ner Verlänge­rung Ih­rer Ar­beits­zeit dem Ar­beit­ge­ber an­ge­zeigt ha­ben, bei der Be­set­zung ei­nes ent­spre­chen­den frei­en Ar­beits­plat­zes im Fal­le glei­cher Eig­nung be­vor­zugt berück­sich­ti­gen, es sei denn, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe oder Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen (§ 9 Tz­B­fG). Hier­zu hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) im Jah­re 2007 ent­schie­den, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe nicht an­zu­er­ken­nen sind, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne be­stimm­te Vor­stel­lung über die recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­ver­tra­ges bei der Be­set­zung ei­ner frei­en Stel­le hat, d.h. es kommt nicht auf das "Vor­han­den­sein von Ar­beits­verträgen", son­dern auf das Vor­han­den­sein ei­nes Ar­beits­plat­zes an (BAG, Ur­teil vom 08.05.2007 – 9 AZR 874/06).

Welche Besonderheiten gelten während der Elternzeit?

Wer El­tern­zeit in An­spruch neh­men möch­te, hat ei­nen be­son­ders ge­re­gel­ten An­spruch auf Ar­beits­zeit­verkürzung, der in § 15 Abs.5 und 7 Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) ent­hal­ten ist. Der we­sent­li­che Un­ter­schied die­ses be­son­de­ren - el­tern­zeit­recht­li­chen - An­spruchs auf Ar­beits­zeit­verkürzung ge­genüber dem all­ge­mei­nen Ar­beits­zeit­verkürzungs­an­spruch nach § 8 Tz­B­fG be­steht dar­in, dass Ar­beit­neh­mer, die El­tern­zeit in An­spruch neh­men und in die­sem Zu­sam­men­hang ei­ne Verkürzung ih­rer Ar­beits­zeit in An­spruch neh­men, im An­schluss dar­an ein An­recht auf ih­re al­te, d.h. nicht verkürz­te Ar­beits­zeit ha­ben (§ 15 Abs.5 Satz 3 BEEG).

Wo finden Sie mehr zum Thema Arbeitszeitverringerung?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ar­beits­zeit­verkürzung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Ar­beits­zeit­verkürzung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

Bewertung: Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung 3.5 von 5 Sternen (23 Bewertungen)

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