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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsübergang, Teilbetriebsübergang, Teilbetrieb
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 7 Sa 146/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.07.2010
   
Leit­sätze: Be­ruft sich ein Ar­beit­neh­mer dar­auf, dass sein Ar­beits­verhält­nis im Rah­men ei­nes Teil­be­triebsüber­gangs auf ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber über­ge­gan­gen ist, so hat er zum ei­nen dar­zu­le­gen, dass der Be­trieb sei­nes bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers in zwei oder meh­re­re or­ga­ni­sa­to­risch von­ein­an­der un­ter­scheid­ba­re Teil­be­trie­be un­ter­fal­len ist, zum an­de­ren, dass sein ei­ge­ner Ar­beits­platz ge­ra­de dem­je­ni­gen Be­triebs­teil zu­zu­ord­nen war, der von dem Teil­be­triebsüber­gang be­trof­fen ist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 24.09.2009, 17 Ca 569/09
   

7 Sa 146/10

17 Ca 569/09
Ar­beits­ge­richt Köln

Verkündet am 22. Ju­li 2010

W,
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

 

In dem Rechts­streit

1.
- Be­klag­te zu 1. und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

2.
- Be­klag­te zu 2) und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

g e g e n

- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27.05.2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. C als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter T und S

für R e c h t er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu 1. und 2. hin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.09.2009 in Sa­chen 17 Ca 569/09 ab­geändert:

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.


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Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den dem Kläger auf­er­legt.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob das zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten zu 1) be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis von der Be­klag­ten zu 1) wirk­sam be­triebs­be­dingt gekündigt wur­de oder ob es im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist.

Der am 01.08.1956 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger stand seit dem 20.09.1983 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu der Be­klag­ten zu 1) als Flug­zeug­me­cha­ni­ker. Er wur­de am Stand­ort Flug­ha­fen K/B ein­ge­setzt und ver­dien­te ein­sch­ließlich di­ver­ser Zu­la­gen ca. 4.800,00 € brut­to mo­nat­lich.

Die Be­klag­te zu 2), ei­ne ehe­ma­li­ge Toch­ter­ge­sell­schaft der Be­klag­ten zu 1) und eben­so wie die­se dem LKon­zern an­gehörig, un­ter­hielt am Stand­ort Flug­ha­fen K/B 15 Air­bus-Ma­schi­nen. Die tech­ni­sche War­tung die­ser Ma­schi­nen hat­te die Be­klag­te zu 2) auf der Grund­la­ge ei­nes Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges der Be­klag­ten zu 1) über­tra­gen. Zu die­sem Zweck un­ter­hielt die Be­klag­te zu 1) am Flug­ha­fen K/B ei­ne Tech­nik­sta­ti­on mit ca. 60 Ar­beit­neh­mern. Ei­ner von die­sen war der Kläger.

Die Be­klag­te zu 2) kündig­te den mit der Be­klag­ten zu 1) be­ste­hen­den Dienst­leis­tungs­ver­trag mit Wir­kung zum 31.03.2009. Sie hat­te am Stand­ort K/B be­reits im Mai 2008 ei­nen ei­ge­nen klei­nen Tech­nik­be­trieb ge­gründet, in dem nach ih­rer Dar­stel­lung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt ursprüng­lich fünf Ar­beit­neh­mer beschäftigt wa­ren. Ent­spre­chend der von ihr bei Kündi­gung des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 1) ver­folg­ten Pla­nung über­nahm sie nach Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges ca. 1/3 der an­fal­len­den War­tungs­ar­bei­ten selbst, nämlich die All­tags­war­tung und das sog. klei­ne Trou­ble-Shoo­ting (Ar­bei­ten mit


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ei­nem Vo­lu­men von bis zu fünf St­un­den). Hier­zu stock­te sie das Per­so­nal ih­res Tech­nik­be­trie­bes auf 25 – 28 Mit­ar­bei­ter auf. Da­bei stell­te sie auch den bis­he­ri­gen Mit­ar­bei­tern der Tech­nik­sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) an­heim, sich auf ei­ne ent­spre­chen­de Stel­le zu be­wer­ben und mit ihr ei­nen ent­spre­chen­den neu­en Ar­beits­ver­trag ab­zu­sch­ließen. Hier­von mach­ten nach erst­in­stanz­li­cher Dar­stel­lung der Par­tei­en 20 bzw. 21 ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) Ge­brauch. Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten zu 2) in der Be­ru­fungs­be­gründung wur­den 16 ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) von ihr ein­ge­stellt.

Die Be­klag­te zu 2) be­nutzt für die Ver­wal­tung des nun­mehr von ihr selbst aus­geführ­ten Teils der War­tungs­ar­bei­ten das – auch von an­de­ren Air­lines ver­wen­de­te – EDV-Sys­tem AMOS wei­ter. Die­ses war zu­vor auch bei der Be­auf­tra­gung der Be­klag­ten zu 1) mit den War­tungs­ar­bei­ten ver­wen­det wor­den. In ehe­ma­li­gen Büroräum­lich­kei­ten der Be­klag­ten zu 1) wur­den die Er­satz­teil­be­schaf­fung und die Auf­trags­be­ar­bei­tung der Be­klag­ten zu 2) un­ter­ge­bracht. Der Fuhr­park der ehe­ma­li­gen Tech­nik­sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) mit den sog. Vor­feld-Fahr­zeu­gen so­wie ca. 95 % des Werk­zeu­ges die­ser Tech­nik­sta­ti­on wer­den von der Be­klag­ten zu 2) nicht wei­ter ge­nutzt.

Die übri­gen 2/3 der bis­lang von der Be­klag­ten zu 1) auf der Grund­la­ge des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges an den Flug­zeu­gen der Be­klag­ten zu 2) ver­rich­te­ten War­tungs­ar­bei­ten wer­den jetzt von der D L T AG aus­geführt.

Nach Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­pla­nes bei der Be­klag­ten zu 1) kündig­te die­se das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger mit Schrei­ben vom 29.12.2008, beim Kläger ein­ge­gan­gen am 30.12.2008, un­ter Ein­hal­tung der für das Ar­beits­verhält­nis nach Maßga­be des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der Be­klag­ten zu 1) gel­ten­den Kündi­gungs­fris­ten zum 31.05.2009. Ge­gen die­se Kündi­gung er­hob der Kläger am 20.01.2009 vor dem Ar­beits­ge­richt Köln die vor­lie­gen­de Kla­ge.

Der zu der Kündi­gung nach § 102 Be­trVG an­gehörte Be­triebs­rat hat kei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben.


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Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 sei rechts­un­wirk­sam. Viel­mehr sei sein Ar­beits­verhält­nis im Rah­men ei­nes (Teil-)Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 zum 31.05.2009 ge­en­det hat;

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten zu 2) un­gekündigt fort­be­steht.

Die Be­klag­ten ha­ben be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te zu 1) hat sich auf den Stand­punkt ge­stellt, dass die von ihr aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung auf­grund drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se wirk­sam das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ha­be; denn sie ha­be nach der Kündi­gung des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 2) ih­re Tech­nik-Sta­ti­on auf dem Flug­ha­fen K/B still­ge­legt.

Die Be­klag­te zu 2) hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein (Teil-)Be­triebsüber­gang nicht statt­ge­fun­den ha­be, da sie von der Be­klag­ten zu 1) kei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit und auch kei­nen we­sent­li­chen Teil der Be­leg­schaft über­nom­men ha­be. Außer­dem ha­be der Kläger nicht be­gründet, war­um er von ei­nem (Teil-)Be­triebsüber­gang auf sie, die Be­klag­te zu 2), und nicht auf die D L T AG aus­ge­he.

Die 17. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Köln hat mit Ur­teil vom 24.09.2009 der Kla­ge in vol­lem Um­fang statt­ge­ge­ben. Auf die Ent­schei­dungs­gründe des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils wird Be­zug ge­nom­men.


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Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wur­de der Be­klag­ten zu 1) am 11.01.2010 und der Be­klag­ten zu 2) am 08.01.2010 zu­ge­stellt. Die Be­klag­te zu 1) hat hier­ge­gen am 29.01.2010, die Be­klag­te zu 2) am 03.02.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt. Die Be­klag­te zu 1) hat ih­re Be­ru­fung am 09.03.2010 be­gründet, die Be­klag­te zu 2) – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 08.04.2010 – am 07.04.2010.

Die Be­klag­ten wen­den sich ge­gen die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, dass vor­lie­gend das Ar­beits­verhält­nis des Klägers im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs von der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen sei. Das Ar­beits­ge­richt sei zwar zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass ein Be­triebsüber­gang den Über­gang ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit er­for­de­re, ha­be die­sen An­satz aber nicht sach­ge­recht auf den vor­lie­gen­den Fall an­ge­wandt.

Die Be­klag­te zu 1) und Be­ru­fungskläge­rin zu 1) so­wie die Be­klag­te zu 2) und Be­ru­fungskläge­rin zu 2) be­an­tra­gen nun­mehr,

das am 24.09.2009 verkünde­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln, Az. 17 Ca 569/09, auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger ist der An­sicht, dass das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend von ei­nem Be­triebsüber­gang i. S. d. § 613 a BGB aus­ge­gan­gen sei.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach­vor­trags der Par­tei­en wird auf den vollständi­gen In­halt der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrif­ten, der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung des Klägers so­wie den wei­te­ren Schrift­satz der Be­klag­ten zu 2) vom 26.05.2010 Be­zug ge­nom­men.


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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

I. Die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zu 1) und der Be­klag­ten zu 2) ge­gen das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil vom 24.09.2009 sind zulässig. Die Be­ru­fun­gen sind gemäß § 64 Abs. 2 c) ArbGG statt­haft. Bei­de Be­ru­fun­gen wur­den auch nach Maßga­be der in § 66 Abs. 1 ArbGG vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten recht­zei­tig ein­ge­legt und be­gründet.

II. Die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten muss­ten auch Er­folg ha­ben. Sie sind be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt Köln hat zu Un­recht an­ge­nom­men, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Be­klag­ten zu 1) auf­grund ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist. Viel­mehr hat das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ei­ner wirk­sa­men ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen, nämlich we­gen Still­le­gung der Tech­nik-Sta­ti­on am Flug­ha­fen K/B frist­gemäß zum 31.05.2009 sein En­de ge­fun­den.

1. Die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 ist gemäß § 1 Abs. 2 KSchG nicht so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt; denn sie ist durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt, die ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers in dem Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) ent­ge­gen­ste­hen.

a. Das drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis be­steht dar­in, dass die Be­klag­te zu 1) nach Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 2) zum 31.03.2009, wel­cher die Auf­ga­be der tech­ni­schen War­tung der am Flug­ha­fen K/B sta­tio­nier­ten Air­bus-Flot­te der Be­klag­ten zu 2) zum Ge­gen­stand hat­te, kei­nen Be­darf mehr an der Ar­beits­leis­tung des Klägers hat. Der Ar­beits­platz des Klägers bei der Be­klag­ten zu 1) ist mit Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges zwi­schen der Be­klag­ten zu 1) und der Be­klag­ten zu 2) er­satz­los weg­ge­fal­len. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­trieb „Tech­nik-Sta­ti­on“ der Be­klag­ten zu 1) am Flug­ha­fen K/B von der Be­klag­ten zu 1)


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still­ge­legt wur­de und we­der ganz, noch teil­wei­se auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist.

b. Ei­ne Be­triebs­still­le­gung und ein Über­gang des Be­trie­bes auf ein an­de­res Un­ter­neh­men schließen sich ge­gen­sei­tig aus. Wäre von ei­nem (Teil-)Be­triebsüber­gang der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) aus­zu­ge­hen, hätte ei­ne Be­triebs­still­le­gung in Wahr­heit nicht statt­ge­fun­den und wäre so­mit auch ei­ne so­zia­le Recht­fer­ti­gung für den Aus­spruch ei­ner Be­en­di­gungskündi­gung zum 31.05.2009 i. S. v. § 1 Abs. 2 KSchG weg­ge­fal­len.

2. Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Klägers und der An­sicht des Ar­beits­ge­richts lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB nach dem der Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen­den Sach­vor­trag der Par­tei­en nicht vor. Der Kläger hat schon nicht schlüssig vor­ge­tra­gen, dass sein Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten zu 1) im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613 a) BGB auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen sein könn­te.

a. Von ei­nem Über­gang der ge­sam­ten Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) geht der Kläger sel­ber nicht aus; denn er trägt selbst vor, dass von dem Ge­samt­vo­lu­men der früher von der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) aus­geführ­ten War­tungs­ar­bei­ten an den Air­bus-Ma­schi­nen der Be­klag­ten zu 2) nur ca. 1/3 nun­mehr von der Be­klag­ten zu 2) selbst aus­geführt wird. Dem­ent­spre­chend sind auch nur al­len­falls 1/3 der frühe­ren 60 Mit­ar­bei­ter der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nun­mehr bei der Be­klag­ten zu 2) tätig, um dort ent­spre­chen­de War­tungs­ar­bei­ten aus­zuführen. Den übri­gen, über­wie­gen­den Teil der War­tungs­ar­bei­ten lässt die Be­klag­te zu 2) un­strei­tig nun­mehr von der D L T AG ausführen.

b. Der Kläger selbst nimmt so­mit au­gen­schein­lich nur ei­nen Teil­be­triebsüber­gang an, zu­mal er für die An­nah­me, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 613 a BGB erfüllt sei­en, auch maßgeb­lich dar­auf ab­stel­len will, dass die Be­klag­te zu 2) ei­nen Teil der bis­he­ri­gen Be­leg­schaft der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) wei­ter­beschäftigt.


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c. Der Kläger bleibt je­doch je­de Aus­sa­ge da­zu schul­dig, in­wie­fern der frühe­re Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) in zwei – oder meh­re­re ? – or­ga­ni­sa­to­risch von­ein­an­der un­ter­scheid­ba­re Teil­be­trie­be un­ter­fal­len sein soll, und aus wel­chen Gründen der Kläger ge­ra­de dem­je­ni­gen Teil­be­trieb zu­zu­ord­nen wäre, der nach sei­ner Auf­fas­sung auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist. Der ent­spre­chen­de be­rech­tig­te Ein­wand der Be­klag­ten zu 2) ist vom Kläger – aber auch vom Ar­beits­ge­richt Köln – un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben.

3. Un­abhängig da­von fehlt es aber auch schon an der Dar­le­gung der all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB.

a. Zwar führt das Ar­beits­ge­richt im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend aus, dass für ei­nen Be­triebsüber­gang die Wah­rung der Iden­tität ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit er­for­der­lich sei, wo­bei ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit in die­sem Sin­ne aus ei­ner or­ga­ni­sier­ten Ge­samt­heit von Per­so­nen und/oder Sa­chen be­ste­he, die auf die dau­er­haf­te Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung an­ge­legt sei.

b. Das Ar­beits­ge­richt hat je­doch über­se­hen, dass dem Sach­vor­trag des Klägers kei­nes­wegs ent­nom­men wer­den kann, dass ge­ra­de die­se Vor­aus­set­zun­gen für den Über­gang ei­nes Be­trie­bes i. S. d. § 613 a) BGB ge­ge­ben sind.

Al­lein der Um­stand, dass die Be­klag­te zu 2) nun­mehr – teil­wei­se – gleich­ar­ti­ge Tätig­kei­ten in ei­ge­ner Re­gie ausführen lässt, wie sie vor­her von der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) aus­geführt wor­den sind, nämlich War­tungs­ar­bei­ten an der Air­bus-Flot­te der Be­klag­ten zu 2), reicht für sich be­trach­tet für die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs bei wei­tem nicht aus; denn ein Be­triebsüber­gang i. S. v. § 613 a BGB ist von ei­ner bloßen Auf­trags­neu­ver­ga­be mit Funk­ti­ons­nach­fol­ge ab­zu­gren­zen, bei wel­cher eben­falls gleich­ar­ti­ge oder gar iden­ti­sche Tätig­kei­ten von der Re­gie des ei­nen Un­ter­neh­mens in die Re­gie ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens wech­seln.


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c. Um die Prüfung zu er­leich­tern, ob ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit un­ter Wah­rung ih­rer Iden­tität als or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ge­samt­heit von ei­nem Un­ter­neh­men auf ein an­de­res über­ge­gan­gen ist, un­ter­schei­det die Recht­spre­chung zunächst zwi­schen sol­chen Be­trie­ben, de­ren Iden­tität von ih­ren sächli­chen Be­triebs­mit­teln ge­prägt wird, und sog. be­triebs­mit­tel­ar­men Be­trie­ben, de­ren iden­titäts­stif­ten­de Quel­le z. B. in dem Know-how und der Ar­beits­kraft ei­ner den Be­trieb prägen­den Man­power verkörpert ist.

aa. Sähe man in der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) ei­nen be­triebs­mit­tel­ge­prägten Be­trieb, so schei­det die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613 a BGB schon des­halb aus, weil die Be­klag­te zu 2) nur ei­nen letzt­lich un­we­sent­li­chen, nicht prägen­den Teil der Be­triebs­mit­tel über­nom­men hat. So hat die Be­klag­te zu 2) vom Fuhr­park der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nichts und von dem sons­ti­gen tech­ni­schen Equip­ment nur ca. 5 % der Aus­stat­tung über­nom­men. Dass die Be­klag­te zu 2) das­sel­be EDV-Pro­gramm zur „Ver­wal­tung“ der War­tungs­ar­bei­ten wei­ter­be­nutzt wie früher die Be­klag­te zu 1), er­scheint schon des­halb nicht iden­titäts­stif­tend, weil ein sol­ches Pro­gramm auch von et­li­chen an­de­ren Air­lines zu glei­chen Zwe­cken be­nutzt wird. Eben­so we­nig kann die iden­titäts­wah­ren­de or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit­lich­keit ent­schei­dend dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass die Be­klag­te zu 2) Tei­le der frühe­ren Büroräum­lich­kei­ten der Be­klag­ten zu 1) wei­ter­nutzt und die von ihr ein­ge­stell­ten ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) ih­re al­te Per­so­nal­num­mer be­hal­ten konn­ten.

bb. Kein an­de­res Er­geb­nis er­gibt sich, wenn man von der Ei­gen­art der Auf­ga­ben­stel­lung her den Be­trieb „Tech­nik-Sta­ti­on“ der Be­klag­ten zu 1) als nicht be­triebs­mit­tel­ge­prägt an­sieht, son­dern die iden­titäts­wah­ren­de Struk­tur in der in dem Be­trieb or­ga­ni­sier­ten Man­power verkörpert sieht.

(1) Grundsätz­lich ist die Über­nah­me der Be­leg­schaft ei­nes Be­trie­bes als Rechts­fol­ge des § 613 a BGB an­zu­se­hen und nicht auf des­sen Vor­aus­set­zungs­ebe­ne an­ge­sie­delt. Den­noch sind Fall­kon­stel­la­tio­nen an­er­kannt, in de­nen die Über­nah­me ei­nes we­sent­li­chen Teils der Be­leg­schaft für die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB


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aus­schlag­ge­bend sein kann, nämlich dann, wenn in dem über­nom­me­nen Teil in ent­schei­den­dem Maße ein ar­beits­tech­nisch not­wen­di­ges Know-how verkörpert ist.

(2) Vor­lie­gend wer­den von den ursprüng­lich 60 Mit­ar­bei­tern der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nun­mehr un­strei­tig al­len­falls 1/3 von der Be­klag­ten zu 2) beschäftigt. War­um es sich in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht bei die­sem jetzt bei der Be­klag­ten zu 2) be­find­li­chen Teil des Per­so­nals ge­ra­de um die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter han­delt, die – im Ge­gen­satz zu den übri­gen 2/3 der ehe­ma­li­gen Be­leg­schaft der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) – die ent­schei­den­den Know-how-Träger dar­stel­len, ist nicht er­sicht­lich. In quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht er­scheint der von der Be­klag­ten zu 2) beschäftig­te Teil der frühe­ren Mit­ar­bei­ter schon des­halb nicht prägend, weil er we­sent­lich we­ni­ger als die Hälf­te der frühe­ren Be­leg­schaft aus­macht.

d. Hin­zu kommt, dass der Kläger nicht dar­ge­legt hat, dass der nun­mehr von der Be­klag­ten zu 2) beschäftig­te Teil sei­ner ehe­ma­li­gen Kol­le­gen ei­ne durch ei­ne in­ne­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tur ver­bun­de­ne spe­zi­el­le Ein­heit der frühe­ren Tech­nik-Sta­ti­on dar­stell­te.

e. Darüber hin­aus fehlt auch je­der auch nur annähernd sub­stan­ti­ier­te Sach­vor­trag des Klägers da­zu, dass die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Struk­tu­ren und Abläufe im jet­zi­gen War­tungs­be­trieb der Be­klag­ten zu 2) mit den­je­ni­gen im Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) iden­tisch sind.

f. Eben­so we­nig hat der Kläger dar­ge­legt, dass die Lei­tungs­struk­tu­ren gleich­ge­blie­ben sind. Im Ge­gen­teil hat er den Vor­trag der Be­klag­ten zu 2) nicht erschüttern können, dass de­ren jet­zi­ger ei­ge­ner War­tungs­be­trieb nicht et­wa von ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten zu 1), son­dern von ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten zu 2) geführt wird.

g. Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts kann schließlich auch nicht ent­schei­dend dar­auf ab­ge­stellt wer­den, dass von der Be­leg­schaft des jet­zi­gen War­tungs­be­trie­bes der Be­klag­ten zu 2) die Mehr­zahl der Mit­ar­bei­ter


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dem ehe­ma­li­gen Per­so­nal der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) ent­stammt. Der jet­zi­ge Be­trieb der Be­klag­ten zu 2) stellt nämlich, wie be­reits auf­ge­zeigt, kei­ne or­ga­ni­sa­to­risch ver­selbständig­te Ein­heit dar, die mit ei­nem vor­her bei der Be­klag­ten zu 1) exis­tie­ren­den, or­ga­ni­sa­to­risch ver­selbständig­ten (Teil-)Be­trieb als iden­tisch an­ge­se­hen wer­den könn­te.

4. Bei al­le­dem muss­ten die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zu 1) und zu 2) er­folg­reich sein und konn­te das Er­geb­nis des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils nicht auf­recht er­hal­ten blei­ben.

III. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 91 Abs. 1 ZPO.

Ein ge­setz­li­cher Grund für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on ist nicht ge­ge­ben.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht statt­haft.

Dr. C

T

S

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