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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Mindestlohn, Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG), Erschwerniszulage
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 8 Sa 33/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.09.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 17.02.2009, 19 Ca 283/08

Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg


Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes


Geschäfts­zei­chen:

8 Sa 33/09
(19 Ca 283/08 ArbG Ham­burg)  

In dem Rechts­streit

Verkündet am:
17. Sep­tem­ber 2009


Oh­de, JOS‘in
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le 

 

 


er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 8. Kam­mer,
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. Sep­tem­ber 2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Rühl als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Scholz
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin El­len­rie­der


für Recht:


1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 17.02.2009 (19 Ca 283/08) wird zurück­ge­wie­sen.

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2. Der Kläger hat die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen.


3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

 

 

 

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R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil kann Re­vi­si­on bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den. Die Re­vi­si­on kann nur dar­auf gestützt wer­den, dass das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf der Ver­let­zung ei­ner Rechts­norm be­ruht.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss ent­hal­ten:
- die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird;
- die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wird.
Mit der Re­vi­si­ons­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on ist zu be­gründen. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss ent­hal­ten:
- die Erklärung, in­wie­weit das Ur­teil an­ge­foch­ten und des­sen Auf­he­bung be­an­tragt wird (Re­vi­si­ons­anträge),
- die An­ga­be der Re­vi­si­ons­gründe, und zwar,
a) die be­stimm­te Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­gibt,
b) so­weit die Re­vi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Ge­setz in Be­zug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, die Be­zeich­nung der Tat­sa­chen, die den Man­gel er­ge­ben.

Die Re­vi­si­on kann nur ein Rechts­an­walt oder ei­ne Rechts­anwältin, der bzw. die bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­sen ist, oder ei­ne Ge­werk­schaft, ei­ne Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­ge­bern oder ein Zu­sam­men­schluss sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ein­le­gen und be­gründen. Dies gilt ent­spre­chend für ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Die Frist für die Ein­le­gung der Re­vi­si­on (Not­frist) beträgt ei­nen Mo­nat, die Frist für die Be­gründung der Re­vi­si­on zwei Mo­na­te. Die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist kann auf An­trag ein­mal bis zu ei­nem wei­te­ren Mo­nat verlängert wer­den.

Die Re­vi­si­ons­frist und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­frist be­gin­nen mit dem Ta­ge der von Amts we­gen er­folg­ten Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Hin­weis:

1. Die An­schrift des Bun­des­ar­beits­ge­richts lau­tet:

Hu­go-Preuß-Platz 1 – 99084 Er­furt

2. Aus tech­ni­schen Gründen sind die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung (und für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr) bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.

3. Zur Möglich­keit der Ein­le­gung der Re­vi­si­on mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung vom 9. März 2006 (BGBl I, 519 ff) hin­ge­wie­sen.

 

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1. T a t b e s t a n d


Die Par­tei­en strei­ten um Vergütungs­dif­fe­ren­zen auf der Grund­la­ge des Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­ver­trags und der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung.
Der Kläger ist seit dem 01.01.2004 bei der Be­klag­ten in der Spar­te Fahr­zeug­diens­te beschäftigt. Die Be­klag­te ist zu­sam­men mit an­de­ren D. Ser­vice­ge­sell­schaf­ten Teil des D. Kon­zerns und er­bringt Dienst­leis­tun­gen im Be­reich der D. Bei den D. Ser­vice­ge­sell­schaf­ten, al­so auch bei der Be­klag­ten, gel­ten im we­sent­li­chen für Ei­sen­bahn- und Ei­sen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men ver­han­del­te und ab­ge­schlos­se­ne Ta­rif­verträge, die sie auf ih­re Ar­beits­verhält­nis­se an­wen­det. Ent­gelt­re­ge­lun­gen fin­den sich na­ment­lich im Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer ver­schie­de­ner Ge­sell­schaf­ten des Geschäfts­felds Ser­vices im Un­ter­neh­mens­be­reich Dienst­leis­tun­gen (ERTV D. Ser­vices, Anl. B 5, Bl. 113 – 122 d.A.). Die An­la­ge 2 zum Ent­gelt­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer und Aus­zu­bil­den­den der D. Ser­vices Nord GmbH (ETV D. Ser­vices Nord, Anl. B 6, Bl. 123 – 127 d.A.) enthält die Lohn­ta­bel­le für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer des Be­reichs Gebäude- und Ver­kehrs­diens­te. Für die Ent­gelt­grup­pe A 3, wel­cher der Kläger an­gehört, be­lief sich der St­un­den­lohn ab dem 01.04.2005 auf € 7,56; seit dem 01.04.2008 beträgt er € 7,90. Bei dem ERTV D. Ser­vices und dem ETV D. Ser­vices Nord han­delt es sich um fir­men­be­zo­ge­ne Ver­bands­ta­rif­verträge. Die Be­klag­te gewährt dem Kläger wei­te­re Ent­gelt­be­stand­tei­le, nämlich ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lun­gen, ei­ne Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge in Höhe von € 0,76 (bis März 2008) bzw. € 0,79 (ab April 2008) je St­un­de, ei­ne jähr­li­che Zu­wen­dung, Ur­laubs­geld so­wie vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen. Die Ein­mal­zah­lun­gen be­ru­hen auf dem 2. Ta­rif­ver­trag zur Ände­rung der Ta­rif­verträge für die Ar­beit­neh­mer der D. Ser­vices Nord GmbH (2. Ände­rungsTV D. Ser­vices Nord, Anl. B 10, Bl. 207 - 214 d.A.), nach des­sen § 3 I der Ar­beit­neh­mer mit der Ent­gelt­zah­lung für Au­gust 2007 ei­ne „Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung als Ein­mal­zah­lung für be­son­de­re Leis­tung“ in Höhe von € 600,- erhält, Nach § 4 I die­ses Ta­rif­ver­trags erhält der Ar­beit­neh­mer ei­ne „kon­junk­tur­be­ding­te Son­der­zah­lung“ in Höhe von € 150,- mit der Ent­gelt­zah­lung für den Mo­nat Ja­nu­ar 2008. Der Ta­rif­ver­trag ga­ran­tiert dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Brut­to­ent­gelt­zu­wachs im Zeit­raum vom 01.07.2007 bis zum 30.09.2009 in Höhe von € 1.500,-; die­ser Be­trag ver­min­dert sich

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um € 600,- bzw. € 150,-, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne Erhöhung der Er­geb­nis­be­tei­li­gung bzw. kon­junk­tur­be­ding­te Son­der­zah­lung er­hal­ten hat (§ 5 I 2. Ände­rungs-TV D. Ser­vices Nord). Die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge wird al­len Ar­beit­neh­mern gewährt, die in der Spar­te Fahr­zeug­diens­te als Fahr­zeug­rei­ni­ger beschäftigt sind. Gemäß § 11 ERTV D. Ser­vices erhält der Kläger jähr­lich im No­vem­ber ei­ne Zu­wen­dung („Weih­nachts­geld“), die sich in der Spar­te, wel­cher der Kläger an­gehört, auf das 75-fa­che des St­un­den­lohns beläuft. Ei­ne ent­spre­chen­de Zah­lung er­hielt der Kläger mit dem Ent­gelt für No­vem­ber 2007. Darüber hin­aus erhält der Kläger gemäß § 10 ERTV D. Ser­vices für je­den ge­nom­me­nen Ur­laubs­tag ein Ur­laubs­geld in Höhe von € 15,34. Während der Lauf­zeit des Ta­rif­ver­trags über die An­pas­sung der Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen für die Ar­beit­neh­mer der D. Ser­vices Re­gio­nal­ge­sell­schaf­ten des Un­ter­neh­mens­be­reich Dienst­leis­tun­gen (BeSi­An­pas­sungsTV D. Ser­vices Re­gio­nal­ge­sell­schaf­ten, Anl. B 8, Bl. 184f d.A.) gilt dies al­ler­dings erst am dem sechs­ten Ur­laubs­tag; die­se Re­ge­lung steht im Zu­sam­men­hang mit dem Beschäfti­gungs­si­che­rungs­ta­rif­ver­trag (BeSiTV, Anl. B 7, Bl. 128 – 175 d.A.), der den da­von be­trof­fe­nen Beschäftig­ten, auch dem Kläger, auf­grund ta­rif­li­cher Kündi­gungs­be­schränkun­gen ei­ne ge­wis­se Beschäfti­gungs­ga­ran­tie gewährt.

Mit Be­kannt­ma­chung vom 19.03.2004 (Anl. B 1, Bl. 80 f. d.A.) wur­de der Rah­men­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­li­chen Beschäfti­gen in der Gebäuderei­ni­gung (Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung) vom 04.10.2003 (Anl. B 2, Bl. 84 bis 103 d.A.) mit Wir­kung vom 01.04.2004 in we­sent­li­chen Tei­len für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Die­ser sieht in § 3 Punkt 3.7 Zu­schläge für Mehr-, Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit vor. Mit Be­kannt­ma­chung vom 21.04.2004 (Anl. B 1, Bl. 82 f. d.A.) wur­de auch der Lohn­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­lich Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung (LohnTV Gebäuderei­ni­gung) vom 04.10.2004 (Anl. B 3, Bl. 104 – 112 d.A.) mit Wir­kung vom 01.04.2004 für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Die­ser sieht in § 2 („Löhne“) für Ham­burg ab dem 01.01.2005 in der Lohn­grup­pe 1 ei­nen St­un­den­lohn von € 7,87 vor, der mit Wir­kung zum 01.03.2008 auf € 8,15 € erhöht wur­de. Der LohnTV Gebäuderei­ni­gung trat mit Ab­lauf des 29.02.2008 außer Kraft (Be­kannt­ma­chung vom 06.06.2008, Anl. B 11). Im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk wur­de in­zwi­schen ei­ne Re­ge­lung über die Gewährung ei­nes Ur­laubs­gel­des ein­geführt; für all­ge­mein­ver­bind­lich wur­de sie je­doch nicht erklärt.

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Am 01.07.2007 trat das Ers­te Ge­setz zur Ände­rung des Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­set­zes in Kraft, wo­durch un­ter an­de­rem die Be­stim­mun­gen des § 1 I AEntG auf das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk er­streckt wur­den. Mit­hin be­zieht sich seit­dem auch die Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung des § 1 III a i.V.m. I AEntG auf das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk. Hier­von mach­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les Ge­brauch und er­ließ am 27.02.2008 die Ver­ord­nung über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen im Gebäuderei­ni­ger­hand­werk (Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung), die zum 01.03.2008 in Kraft trat. Nach ih­rem § 1 Satz 1 fin­den die in der An­la­ge zu der Ver­ord­nung auf­geführ­ten Rechts­nor­men des Ta­rif­ver­trags zur Re­ge­lung der Min­destlöhne für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer in der Gebäuderei­ni­gung im Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (TV Min­dest­lohn) vom 09.10.2007 auf al­le nicht an ihn ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer An­wen­dung, die un­ter sei­nen am 01.03.2008 gülti­gen Gel­tungs­be­reich fal­len. Die Par­tei­en zie­hen nicht in Zwei­fel, dass sie un­ter die­sen Gel­tungs­be­reich fal­len. Zu den nach der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung gel­ten­den Vor­schrif­ten des TV Min­dest­lohn gehört auch des­sen § 2 Nr. 1 Buchst. a), wo­nach mit Wir­kung vom 01.01.2008 der St­un­den­lohn der Lohn­grup­pe 1 in Ham­burg € 8,15 beträgt. Er sieht je­doch nicht die Zah­lung von Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Über­stun­den­zu­schlägen vor.

Die Be­klag­te gewährt seit An­fang 2008 ih­ren Ar­beit­neh­mern, die nach den D. Ser­vices Ta­rif­verträgen den Min­dest­lohn nicht er­rei­chen, ei­nen so­ge­nann­ten Min­dest­lohn­aus­gleich („MLA“). Die­sen stellt die Be­klag­te als über­ta­rif­li­che Leis­tung dar und be­misst ihn der Höhe nach als Dif­fe­renz zwi­schen dem Min­dest­lohn des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks im Sin­ne des AEntG und den Ent­gelt­be­stand­tei­len der Ta­rif­verträge D. Ser­vices, so­weit die Be­klag­te sie als min­dest­lohn­wirk­sam an­sieht. Der Kläger erhält kei­nen Min­dest­lohn­aus­gleich zum St­un­den­lohn, wohl aber zusätz­lich zum Mehr­ar­beits­zu­schlag von 25 % auf den St­un­den­lohn nach dem ETV D. Ser­vices Nord ei­nen wei­te­ren Mehr­ar­beits­zu­schlag. Die­ser in den Ent­gel­tab­rech­nun­gen als „Überst. 25 % MLA“ be­zeich­ne­te Zu­schlag beträgt 25 % der Dif­fe­renz zwi­schen dem St­un­den­lohn nach dem ETV D. Ser­vices Nord von € 7,90 und dem Min­dest­stun­den­lohn von € 8,15. Ei­nen sol­chen Min­dest­lohn­aus­gleich er­hielt der

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Kläger im März 2008. Außer in die­sem Mo­nat er­brach­te er aus­weis­lich der je­wei­li­gen Ent­gel­tab­rech­nun­gen Über­stun­den im Sep­tem­ber und De­zem­ber 2007.

Der Kläger macht Vergütungs­dif­fe­ren­zen für den Zeit­raum von Ju­li 2007 bis April 2008 gel­tend. Für die­sen Zeit­raum gewähr­te ihm die Be­klag­te gemäß ih­ren Ab­rech­nun­gen (Anl. K 1, Bl. 8 – 19 d.A.) ei­nen St­un­den­lohn von € 7,56 € (bis März 2008) bzw. von € 7,90 (für April 2008) so­wie teil­wei­se Sonn-, Fei­er­tags- und Nacht­schicht­zu­schläge, fer­ner Lohn­fort­zah­lung, Ur­laubs­lohn und Über­stun­den­vergütung. Der Kläger for­dert die Be­rech­nung und Leis­tung sei­ner Ar­beits­vergütung statt auf der Grund­la­ge des ihm gewähr­ten St­un­den­loh­nes auf der Grund­la­ge von § 1 I AEntG in Ver­bin­dung mit dem Lohn­ta­rif­ver­trag in der Gebäuderei­ni­gung (bis De­zem­ber 2007) bzw. § 1 III a AEntG in Ver­bin­dung mit der Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung und dem TV Min­dest­lohn (ab Ja­nu­ar 2008). So ge­langt der Kläger für je­den Mo­nat zu wei­ter­ge­hen­den Vergütungs­ansprüchen, auf de­ren Be­rech­nung in der Kla­ge­schrift vom 22.08.2008 (Bl. 3 – 6 d.A.) Be­zug ge­nom­men wird. Im Ein­zel­nen for­dert der Kläger wei­ter­ge­hen­de Vergütung für Zeit­lohn, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Nacht­schicht­zu­schläge, Lohn­fort­zah­lung, Ur­laubs­lohn so­wie Über­stun­den. Der Kläger be­schränkt sei­ne Be­an­stan­dung auf die Po­si­tio­nen des Zeit­lohns und der Zu­schläge. Da­bei er­rech­net er die Dif­fe­renz aus dem ge­for­der­ten St­un­den­lohn von € 7,87 bzw. € 8,15 und dem von der Be­klag­ten gewähr­ten St­un­den­lohn von € 7,65 bzw. € 7,90. Die von der Be­klag­ten in den Ab­rech­nun­gen aus­ge­wie­se­nen und ge­zahl­ten Zu­schläge be­rech­net der Kläger eben­falls auf der Grund­la­ge des ge­for­der­ten St­un­den­lohns, der Höhe – al­so dem Pro­zent­satz – nach je­doch nach Maßga­be der fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge bei der Be­klag­ten. Würde die von der Be­klag­ten gewähr­te Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge als min­dest­lohn­wirk­sam an­ge­se­hen, so ergäben sich im Fall des Klägers be­reits da­mit in Hin­blick auf den St­un­den­lohn (Zu­schläge al­ler Art außer Be­tracht ge­las­sen) kei­ne Zah­lungs­ansprüche, denn die in den ein­zel­nen streit­ge­genständ­li­chen Mo­na­ten an Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge gewähr­ten Beträge über­stei­gen die von dem Kläger für die je­wei­li­gen Mo­na­te ge­for­der­ten Dif­fe­renz­beträge. So wur­de dem Kläger bei­spiels­wei­se gemäß Ab­rech­nung für den Mo­nat Ju­li 2007 ein Zeit­lohn für 155 St­un­den bei ei­nem St­un­den­lohn von € 7,56 zuzüglich € 0,76 Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge, mit­hin ein Be­trag von € 1.289,60 gewährt, während bei ei­nem St­un­den­lohn gemäß

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Lohn­ta­rif­ver­trag der Gebäuderei­ni­gung von € 7,87 für die­sel­be St­un­den­zahl ein Be­trag von € 1.219,85 zu zah­len ge­we­sen wäre.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, nach Auf­nah­me der Ta­rif­verträge des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks in die Re­ge­lun­gen des AEntG zum 01.07.2007 stünden ihm wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche auf­grund der Dif­fe­renz zwi­schen dem St­un­den­lohn nach den all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträgen und dem ETV D. Ser­vices Nord zu. So­weit die Lohn­be­stim­mun­gen der Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge nicht ent­sen­de­recht­lich zwin­gend sei­en, kämen die Ar­beits­be­din­gun­gen des spe­zi­el­le­ren Ta­rif­ver­trags, al­so des ERTV D. Ser­vices bzw. des ETV D. Ser­vices Nord, zur An­wen­dung. Die Ein­mal­zah­lun­gen, jähr­li­chen Zu­wen­dun­gen, das Ur­laubs­geld, die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen so­wie die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge sei­en nicht als min­dest­lohn­wirk­sa­me Ent­gelt­be­stand­tei­le zu qua­li­fi­zie­ren. Bei den Ein­mal­zah­lun­gen fol­ge dies be­reits aus ih­rer ta­rif­ver­trag­li­chen Be­zeich­nung und ih­rem Ein­mal­cha­rak­ter. Die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge sei ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge für die Ar­beit, die in der Fahr­zeug­rei­ni­gung ge­leis­tet wer­de, und gehöre da­mit nicht zur Nor­mal­leis­tung. Die jähr­li­che Zu­wen­dung die­ne der Be­loh­nung der Be­triebs­treue; zu­min­dest ha­be sie Misch­cha­rak­ter, da sie nicht nur zusätz­li­che Vergütung sei. Sie sei nicht min­dest­lohn­re­le­vant, weil sie nicht un­wi­der­ruf­lich ge­leis­tet wer­de, son­dern bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den zurück­ge­for­dert wer­den könne.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 760,32 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, das Ar­beits­verhält­nis auf Ba­sis ei­nes Min­des­tent­gelts pro St­un­de von € 8,15 brut­to un­ter Berück­sich­ti­gung des mo­nat­li­chen Leis­tungs­um­fan­ges ab­zu­rech­nen und den sich dar­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag an den Kläger zu zah­len.

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Die Be­klag­te be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie meint, Ansprüche auf wei­ter­ge­hen­de Vergütung bestünden nicht. Die Ta­rif­kon­kur­renz, die auf­grund der Gel­tung der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge und der ei­ge­nen fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­ri­fe ent­ste­he, sei nach dem Spe­zia­litäts­grund­satz da­hin zu lösen, dass letz­te­re als das für die ge­sam­te Be­leg­schaft spe­zi­el­le­re Ta­rif­werk an­zu­wen­den sei­en. Dies müsse auch im Gel­tungs­be­reich des § 1 I AEntG gel­ten. Wenn die Recht­spre­chung des BAG im Gel­tungs­be­reich des AEntG gleich­wohl die Re­ge­lun­gen des all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­werks an­wen­den wol­le, stoße dies auf ver­fas­sungs­recht­li­che Be­den­ken, weil die gleich­zei­ti­ge Gel­tung von Min­dest­lohn­ta­rif­verträgen und von Re­ge­lun­gen fir­men­be­zo­ge­ner Ver­bands­ta­rif­verträge das Ta­rif­gefüge aus dem Gleich­ge­wicht brin­ge und so zu un­trag­ba­ren Ver­wer­fun­gen führe. Doch könne dies al­len­falls für den ent­sen­de­recht­lich zwin­gen­den Teil des all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­werks gel­ten. Auch dann aber kämen im An­wen­dungs­be­reich des AEntG die ei­ge­nen Ta­rif­verträge der Be­klag­ten zur An­wen­dung, weil die­se güns­ti­ger sei­en als der ent­sen­de­recht­lich gel­ten­de Teil der all­ge­mein­ver­bind­li­chen Gebäuderei­ni­ger­ta­rif­verträge. In­ner­halb der auf den Ar­beits­lohn zu be­schränken­den Sach­grup­pe sei­en die fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge der Be­klag­ten güns­ti­ger; bei die­sem Ver­gleich dürf­ten nur die ent­sen­de­recht­lich zu for­dern­den Ent­gelt­be­stand­tei­le den als min­dest­lohn­wirk­sam zu be­trach­ten­den gewähr­ten Lohn­be­stand­tei­len ge­genüber­ge­stellt wer­den. Die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung sei eben­so wie die Post-Min­dest­lohn­ver­ord­nung un­wirk­sam, weil sie ih­re Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge des § 1 Abs. 3a AEntG über­schrei­te, denn während nach die­ser die Ver­ord­nung nur für Außen­sei­ter gel­ten könne, er­stre­cke die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung die Wir­kun­gen des TV Min­dest­lohn auf al­le nicht an ihn ge­bun­de­nen, al­so auch auf an­der­wei­tig ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beits­ver­trags­par­tei­en.

Je­den­falls gewähre die Be­klag­te bei rich­ti­ger Be­trach­tung mehr als den Min­dest­lohn, weil ein Ver­gleich des Min­dest­lohns mit dem gewähr­ten Lohn nicht auf den St­un­den­grund­lohn be­schränkt wer­den dürfe. Es sei­en wei­te­re Lohn­be­stand­tei­le in den Ver­gleich als min­dest­lohn­wirk­sam ein­zu­be­zie­hen, nämlich die ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lun­gen, die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge in Höhe von € 0,76 bzw. € 0,79 je St­un­de, die jähr­li­che Zu­wen­dung und das Ur­laubs­geld. Un­abhängig von der Be­zeich­nung der ta­rif­li­chen Ein­mal­zah­lun­gen gemäß 2. Ände­rungsTV D. Ser­vices Nord sei­en die­se Beträge Teil der Ent­gelt­run­de 2007 ge­we­sen, mit de­nen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en das Ziel ver­folgt hätten, rech­ne­risch das St­un­den­ent­gelt nach dem Ab­lauf der bis­he­ri­gen St­un­den­lohn­ta­bel­len zu erhöhen. Da sich die­se Ein­mal­zah­lun­gen als pau­scha­le Ta­rif­loh­nerhöhung dar­stell­ten und rech­ne­risch das St­un­den­ent­gelt erhöhen soll­ten, sei­en sie ra­tier­lich für die je­wei­li­gen Mo­na­te, in de­nen der Brut­to­ent­gelt­zu­wachs ga­ran­tiert wer­den soll­te, zu berück­sich­ti­gen, al­so die Ein­mal­zah­lung in Höhe von € 600,- für die Mo­na­te Ju­li bis De­zem­ber 2007 mit je­weils € 100,- und die Ein­mal­zah­lung in Höhe von € 150,- für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis März 2008 mit je­weils € 50,-. Auch die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge sei min­dest­lohn­wirk­sam. Sie sei fes­ter Ent­gelt­be­stand­teil und kei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge, denn mit ihr sol­le nicht ei­ne vorüber­ge­hen­de be­son­de­re Tätig­keit ent­lohnt wer­den, son­dern die Nor­mal­leis­tung. Die ta­rif­li­che Ver­ein­ba­rung ei­ner Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge für Ar­beit­neh­mer der Spar­te Fahr­zeug­diens­te sei eben­so gut möglich ge­we­sen wie und da­her nicht an­ders zu be­han­deln als ein je nach Spar­te un­ter­schied­li­cher St­un­den­grund­lohn. Min­dest­lohn­wirk­sam sei­en fer­ner die

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jähr­li­che Zu­wen­dung und das Ur­laubs­geld. Ih­re Un­wi­der­ruf­lich­keit zei­ge sich dar­an, dass es ei­ne Rück­zah­lungs­pflicht, et­wa im Fall des vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens, nicht ge­be.

Wenn­gleich der Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung ge­wis­se Zu­schläge vor­sieht, könne der Kläger dar­aus kei­ne Ansprüche her­lei­ten, weil die dies­bezügli­chen Ta­rif­nor­men mit Aus­nah­me der Über­stun­den­zu­schläge nicht zu den nach § 1 I AEntG („Min­des­tent­geltsätze ein­sch­ließlich Über­stun­densätze“) ent­sen­de­recht­lich gel­ten­den Ta­rif­ver­trags­nor­men gehörten. Außer­halb des AEntG aber würden die Vor­schrif­ten des Rah­menTV Gebäuderei­ni­gung durch die spe­zi­el­le­ren Vor­schrif­ten der fir­men­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge der Be­klag­ten ver­drängt. Da der TV Min­dest­lohn nicht die Zah­lung von Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags- so­wie Über­stun­den­zu­schlägen vor­sieht, könne sich die Be­rech­nung der von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Zu­schläge nicht nach dem St­un­den­lohn des TV Min­dest­lohn rich­ten.

Der An­trag zu 2. sei man­gels Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses un­zulässig, da der Kläger die vor­ran­gi­ge Leis­tungs­kla­ge zu er­he­ben ha­be. Fer­ner sei der An­trag nicht hin­rei­chend be­stimmt, weil die Par­tei­en ge­ra­de darüber strit­ten, wel­che Ent­gelt­be­stand­tei­le zu

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berück­sich­ti­gen sind, wenn es um die Fra­ge geht, ob ein St­un­den­lohn von € 8,15 brut­to ge­zahlt wird.

Das Ar­beits­ge­richt hat den Zah­lungs­an­trag als un­be­gründet und den Fest­stel­lungs­an­trag als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Ob die nach § 1 I und III – V AEntG gel­ten­den Ta­rif­verträge tatsächlich an­wend­bar sei­en oder durch die un­ter­neh­mens­be­zo­ge­nen Ver­bands­ta­rif­verträge der Be­klag­ten ver­drängt würden, bedürfe im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Ent­schei­dung. Das glei­che gel­te für die Fra­ge, ob die Gebäuderei­ni­ger-Min­dest­lohn­ver­ord­nung wirk­sam sei. Falls die durch das AEntG in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge An­wen­dung fänden, wären die sich dar­auf er­ge­ben­den Ansprüche des Klägers je­den­falls durch Erfüllung er­lo­schen. Bei der Fra­ge, ob ei­nem Ar­beit­neh­mer der ga­ran­tier­te Min­dest­lohn gewährt wor­den sei, sei­en al­le Zah­lun­gen des Ar­beit­ge­bers zu berück­sich­ti­gen, die das ar­beits­ver­trag­li­che Verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung nicht zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers veränder­ten. Da­zu gehöre im vor­lie­gen­den Fall ins­be­son­de­re die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge, durch de­ren Ein­be­zie­hung der ge­setz­lich ga­ran­tier­te Min­dest­lohn be­reits über­schrit­ten wor­den sei. Die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge sei kei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge. Der Fest­stel­lungs­an­trag sei un­zulässig, da der Kläger für den ge­nann­ten Zeit­raum oh­ne Wei­te­res ei­ne Leis­tungs­kla­ge er­he­ben könne. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 274 – 283 d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das am 17.02.2009 verkünde­te und dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers am 20.03.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 20.04.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­gründungs­frist bis zum 10.06.2009 – an die­sem Tag be­gründet.

Der Kläger wie­der­holt und ver­tieft sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Ent­ge­gen der vom Ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung sei die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge nicht als min­dest­lohn­re­le­vant an­zu­se­hen. Be­reits auf Grund der kon­kre­ten Be­zeich­nung in § 9 ERTV D. Ser­vice han­de­le es sich um ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge, die nicht an Ar­beit­neh­mer in der Spar­te Fahr­zeug­diens­te ge­zahlt wer­de, die in der Hal­len- oder Un­ter­halts­rei­ni­gung, als Platz­re­ser­vie­rer oder mit Müll­ab­fuhr beschäftigt würden. Im Hin­blick auf die Um­set­zungs­klau­sel in § 4 II MTV D. Ser­vices könne der Kläger

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je­der­zeit in den Be­rei­chen ein­ge­setzt wer­den, in de­nen kei­ne Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge ge­zahlt wer­de. Falls die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge, wie vom Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, fes­ter Lohn­be­stand­teil sei, sei sie je­den­falls bei den am St­un­den­lohn an­knüpfen­den Zu­la­gen zu berück­sich­ti­gen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­klag­te un­ter teil­wei­ser Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 17.02.2009 (19 Ca 283/08) zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 760, 32 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf das erst­in­stanz­li­che Ur­teil so­wie auf die Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen ver­wie­sen.


E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist nicht be­gründet.

I. Das Ar­beits­ge­richt hat die Zah­lungs­kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen, weil ein et­wai­ger Zah­lungs­an­spruch des Klägers je­den­falls durch Erfüllung er­lo­schen wäre. Die dem Kläger gewähr­te Vergütung liegt über dem von ihm be­an­spruch­ten Min­dest­lohn. Die von der Be­klag­ten im Zu­sam­men­hang mit der Gel­tung der Min­dest­lohn­re­ge­lun­gen für den Kläger auf­ge­wor­fen Rechts­fra­gen sind da­her für den vor­lie­gen­den Fall oh­ne Be­deu­tung. Die Be­ru­fungs­kam­mer folgt den Gründen des Ar­beits­ge­richts im

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an­ge­foch­te­nen Ur­teil und macht sich die­se gemäß § 69 II ArbGG zu ei­gen. Die Ausführun­gen der Be­ru­fung er­for­dern nur ergänzen­de An­mer­kun­gen.

1) Die Ent­schei­dung des Rechts­streits hängt, wie sich aus den zu­tref­fen­den Be­rech­nun­gen des Ar­beits­ge­richts er­gibt, da­von ab, ob die dem Kläger gewähr­te Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge bei der Fra­ge zu berück­sich­ti­gen ist, ob dem Kläger der von ihm be­an­spruch­te Min­dest­lohn gewährt wor­den ist. Da­bei ist im Be­ru­fungs­ver­fah­ren un­strei­tig ge­wor­den, dass die Zu­la­ge nur an Ar­beit­neh­mer ge­zahlt wird, die in der Ver­kehrs­mit­tel­rei­ni­gung tätig sind zum Aus­gleich für die mit die­ser Tätig­keit ein­her­ge­hen­den Er­schwer­nis­se. Es han­delt sich so­mit um ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge. Am Er­geb­nis ändert das nichts.

a) Das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz und die auf Grund des­sen § 1 III a er­gan­ge­nen Ver­ord­nun­gen ver­fol­gen den Zweck, Ar­beit­neh­mern Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen zu ga­ran­tie­ren. Für die Fra­ge, ob ei­nem Ar­beit­neh­mer im kon­kre­ten Fall min­des­tens die ge­setz­lich ga­ran­tier­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewährt wer­den, sind die­se mit den im kon­kre­ten Fall ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­glei­chen. Da­bei ist auf die Grundsätze zurück­zu­grei­fen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt beim Güns­tig­keits­ver­gleich von ta­rif­li­chen und ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nach § 4 III TVG her­aus­ge­ar­bei­tet hat. Da­nach ist ein Sach­grup­pen­ver­gleich vor­zu­neh­men. Ver­gleich­bar sind die Re­ge­lun­gen, die mit­ein­an­der in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang ste­hen (vgl. BAG v. 20.04.1999 – 1 ABR 72/98 – BA­GE 91, 210 = NZA 99, 887, Tz 112). Beim Ver­gleich von un­ter­schied­li­chen Leis­tun­gen kommt es dar­auf an, ob die­se funk­tio­nal gleich­wer­tig sind.

Funk­tio­nal gleich­wer­tig für die Si­che­rung ei­nes Min­dest­ein­kom­mens des Ar­beit­neh­mers sind al­le Zah­lun­gen des Ar­beit­ge­bers, die ei­ne Ge­gen­leis­tung für die Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers dar­stel­len. Da­zu gehören auch Zu­la­gen und Son­der­zah­lun­gen, für die der Ar­beit­neh­mer außer der Ar­beits­leis­tung kei­ne wei­te­re Ge­gen­leis­tung (z. B. Be­triebs­treue) zu er­brin­gen hat. Ob ei­ne Zu­la­ge ein „re­la­tiv selbständi­ger Vergütungs­be­stand­teil“ ist, wor­auf das BAG im Rah­men ei­nes Güns­tig­keits­ver­gleichs nach § 4 III TVG ab­ge­stellt hat (BAG v. 10.12.1965 – 4 AZR 411/65 – BA­GE 18, 22) kommt es nicht an, so­fern auch der selbständi­ge

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Vergütungs­be­stand­teil dem Ar­beit­neh­mer als Ge­gen­leis­tung für sei­ne Ar­beits­leis­tung zu­fließt (vgl. BAG v. 05,08.2009 – 10 AZR 634/08 – ju­ris, Tz 20 für § 4 Tz­B­fG).

b) Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze auf den vor­lie­gen­den Fall ist die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge bei der Fra­ge, ob dem Kläger der ge­setz­lich ga­ran­tier­te Min­dest­lohn gewährt wird, zu berück­sich­ti­gen, ob­wohl es sich – nun­mehr un­strei­tig – um ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge han­delt. Auch ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge ist Ge­gen­leis­tung für die vom Ar­beit­neh­mer er­brach­te Ar­beits­leis­tung. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt hat, ste­hen für die Fest­le­gung ei­nes Ent­gelts für ei­ne über­durch­schnitt­lich schwie­ri­ge Ar­beits­leis­tung re­gelmäßig meh­re­re Ge­stal­tungs­for­men zur Verfügung. Die Merk­ma­le der schwie­ri­ge­ren Tätig­keit können ent­we­der als Vor­aus­set­zung für ei­ne höhe­re Grund­vergütung oder – aus­ge­hend von ei­ner all­ge­mei­nen Tätig­keit – als Vor­aus­set­zung für ei­ne Zu­la­ge fest­ge­legt wer­den. Für die Fra­ge, wel­ches Ent­gelt dem Ar­beit­neh­mer zur Si­che­rung sei­ner Exis­tenz zur Vergütung steht, sind bei­de Ge­stal­tungs­for­men als gleich­wer­tig zu be­ur­tei­len.

Et­was an­de­re er­gibt sich auch nicht aus der Möglich­keit der Be­klag­ten, dem Kläger in Ausübung ih­res Di­rek­ti­ons­rechts ei­ne Tätig­keit zu­zu­wei­sen, bei der die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge ent­fie­le. Für den streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum ist dem Kläger die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge endgültig zu­ge­flos­sen. Die Möglich­keit ei­ner Rück­for­de­rung sei­tens der Be­klag­ten be­steht nicht. Das un­ter­schei­det die Ver­kehrs­mit­tel­zu­la­ge von un­ter Vor­be­halt ge­leis­te­ten Son­der­zah­lun­gen. Die Fra­ge, ob dem Kläger auch nach ei­ner Um­set­zung der ga­ran­tier­te Min­dest­lohn gewährt wer­den würde, ist nicht Ge­gen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 64 VI ArbGG i. V. m. § 97 ZPO.

III. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 II Nr. 1 ArbGG.

 

El­len­rie­der 

Rühl 

Scholz

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