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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitnehmer, Dozent, Weisungsrecht, Scheinselbständigkeit, Eingliederung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 22/94
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 26.07.1995
   
Leit­sätze: Lehr­kräfte, die an Volks­hoch­schu­len Kur­se zur Er­lan­gung des Haupt- oder Re­al­schul­ab­schlus­ses lei­ten, sind je­den­falls dann Ar­beit­neh­mer, wenn sie in dem Schul­be­trieb ein­ge­glie­dert wer­den und nicht nur stun­den­wei­se Un­ter­richt er­tei­len.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt
Hessisches Landesarbeitsgericht
   

5 AZR 22/94
12 Sa 658/91 Hes­sen


Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

26. Ju­li 1995

Ur­teil

Clo­bes,
Amts­in­spek­tor
als Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen


pp.


hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. Ju­li 1995 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Grie­be­ling, die Rich­ter Schlie­mann und Dr. Rei­ne­cke so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter An­thes und Han­sen für Recht er­kannt:
 

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1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 2. Sep­tem­ber 1993 - 12 Sa 658/91 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.


Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand:

Die Kläge­rin be­gehrt in dem vor­lie­gen­den Teil des Rechts­streits die Fest­stel­lung, zur Be­klag­ten in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den zu ha­ben. In dem vom Ar­beits­ge­richt aus­ge­setz­ten Teil des Rechts­streits nimmt sie die Be­klag­te auf Zah­lung ei­ner Vergütung nach BAT an­stel­le der ver­ein­bar­ten ge­rin­ge­ren St­un­den­be­zah­lung in An­spruch.

Die Be­klag­te führt in ih­rer Volks­hoch­schu­le Kur­se zur Er­lan­gung. von Haupt- und Re­al­schul­ab­schlüssen für ausländi­sche Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne durch. Die Kläge­rin war im Rah­men die­ses Kurs­pro­gram­mes als sog. ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­te­rin (Lehr­kraft) tätig.

Der Kurs zur Er­lan­gung des Haupt­schul­ab­schlus­ses (HASA) wird re­gelmäßig von Sep­tem­ber bis Ju­ni des nächs­ten Jah­res ver­an­stal­tet. Er wird in zwei Ta­ges­kur­sen zu 34 Wo­chen mit 1.236 St­un­den Un­ter­richt nebst ei­nem Wo­chen­end­se­mi­nar so­wie in ei­nem Abend­kurs zu 36 Wo­chen mit 636 St­un­den Un­ter­richt nebst ei­nem Wo­chen­end­se­mi­nar und zwei Wo­chen Bil­dungs­ur­laub an­ge­bo­ten. Un­ter­rich­tet wer­den po­ly­tech­nisch-prak­ti­sche Fächer so­wie in­ten­siv und fachüber-
 


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grei­fend die deut­sche Spra­che. Na­he­zu aus­sch­ließlich wird gleich-zei­tig von zwei Lehr­kräften im "team-teaching" un­ter­rich­tet. Ei­ne Lehr­kraft ver­mit­telt da­bei den Un­ter­richts­stoff in deut­scher Spra­che, die an­de­re bemüht sich dar­um, daß die Schüler vor al­lem sprach­lich rich­tig ver­ste­hen, was aus­geführt wor­den ist. In je­dem Ta­ges­kurs sind ei­ne haupt­be­ruf­li­che und vier ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­ter zu­sam­men tätig.

Dem HASA-Kurs für ausländi­sche Teil­neh­mer mit ge­rin­gen Sprach- und Fach­kennt­nis­sen geht ein Vor­kurs vor­aus. Er dau­ert 18 Wo­chen und um­faßt 20 Wo­chen­stun­den in den Fächern Deutsch, Ma­the­ma­tik, Bio­lo­gie und So­zi­al­kun­de. Zu 70 % bis 80 % fin­det der Un­ter­richt als "team-teaching" statt. Im Vor­kurs sind drei ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­ter tätig.

Des­wei­te­ren wird ein Kurs zur Er­lan­gung des Re­al­schul­ab­schlus­ses (RESA-Kurs) an­ge­bo­ten. Er be­ginnt wie der HASA-Kurs im Sep­tem­ber und dau­ert als Ta­ges­kurs 70 Wo­chen mit 2.462 Un­ter­richts­stun­den nebst ei­nem Wo­chen­end­se­mi­nar. Als Abend­kurs dau­ert er 72 Wo­chen mit 1.842 St­un­den Un­ter­richt nebst ei­nem Wo­chen­end­se­mi­nar und zwei Wo­chen Bil­dungs­ur­laub. Im RESA-Kurs wer­den all­ge­mein­bil­den­de Fächer, aber auch spe­zi­el­le be­ruf­li­che Fächer als Fach­pra­xis und -theo­rie ge­lehrt, z.B. Elek­tro­nik/Elek­tro­tech­nik, Büro­tech­nik. In den Ta­ges­kur­sen sind je­weils ein haupt­be­ruf­li­cher und vier ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­ter tätig. Im Abend­kurs sind sechs ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­ter ein­ge­setzt. Zu 50 % bis 55 % wird der Un­ter­richt als "team-teaching" durch­geführt.
 

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Zusätz­lich wer­den zu RESA-Kur­sen je nach Be­darf sog. RESA-Stütz­kur­se an­ge­bo­ten. Sie um­fas­sen 16 Wo­chen zu 160 St­un­den und rich­ten sich an Teil­neh­mer der be­rufs­ori­en­tie­ren­den Kur­se, die in fach- und wirt­schafts­kund­li­chen Fächern wei­te­re fach­sprach­li­che Un­ter­wei­sung benöti­gen.

Die HASA- und RESA-Kur­se en­den mit Prüfun­gen, die vor dem staat­li­chen Schul­amt ab­zu­le­gen sind und für die be­son­de­re Prüfungs­ord­nun­gen des hes­si­schen Kul­tus­mi­nis­ters gel­ten.

Die 1952 ge­bo­re­ne Kläge­rin be­sitzt die Befähi­gung für das Lehr­amt am Gym­na­si­um für die Fächer Eng­lisch, Französisch und So­zi­al­kun­de. Sie war seit dem 4. Fe­bru­ar 1985 für die Be­klag­te als ne­ben­be­ruf­li­che Kurs­lei­te­rin in auf­ein­an­der­fol­gen­den RESA-Kur­sen tätig. Ih­rer Mit­ar­beit la­gen für ih­ren Kurs auf des­sen Dau­er ge­son­dert ab­ge­schlos­se­ne be­fris­te­te Verträge zu­grun­de. Zu­letzt hat­ten die Par­tei­en ei­nen bis zum 29. Ju­ni 1990 be­fris­te­ten Ver­trag ab­ge­schlos­sen. Die Vergütung be­trug 27,00 DM pro Un­ter­richts­stun­de so­wie 300,00 DM (24 St­un­den ä 12,50 DM) für die Vor­be­rei­tung des Un­ter­richts­ma­te­ri­als. An­sch­ließend wur­de die Kläge­rin vorläufig wei­ter­beschäftigt. Am 23. Au­gust 1991 ist sie bei der Be­klag­ten aus­ge­schie­den und als Leh­re­rin im Lan­des­dienst ein­ge­stellt wor­den.

Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, sie ha­be zu der Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den. Sie sei in das Kurs-Sys­tem zur Er­lan­gung von Haupt- und Re­al­schul­ab­schlüssen ähn­lich wie ei­ne Leh­re­rin an ei­ner all­ge­mein­bil­den­den Schu­le ein¬ge­bun­den ge­we­sen. Ihr sei­en Ort, Zeit und Art der Un­ter­richtser-
 


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tei­lung ein­sch­ließlich der Ne­ben­pflich­ten wie Pau­sen­auf­sicht, Team-Kon­fe­ren­zen, Be­treu­ung der Ler­nen­den im we­sent­li­chen vor­ge­ge­ben wor­den. Zwar sei bei der Fest­le­gung der Un­ter­richts­zei­ten auch auf ih­re Wünsche Rück­sicht ge­nom­men wor­den, je­doch sei dies an­ge­sichts der Tat­sa­che nur er­folgt, so­fern in­so­weit ei­ne Ei­ni­gung mit den übri­gen Team-Mit­glie­dern er­zielt wor­den sei; denn der Un­ter­richts­plan (St­un­den­plan) ha­be schon vor Ab­schluß des je­wei­li­gen Ver­tra­ges fest­ge­stan­den. In­halt­lich und zeit­lich zei­ge sich ih­re persönli­che Abhängig­keit nicht zu­letzt an der Ge­stal­tung der Team-Sit­zun­gen, in de­nen zur Ko­or­di­nie­rung des Un­ter­richts auf je­den Kurs­lei­ter hin­sicht­lich der Art und des Um­fangs der Un­ter­richts­er­tei­lung in­ten­siv Ein­fluß ge­nom­men wor­den sei. Sie ha­be auf Wunsch der Be­klag­ten auch Schul­ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­neh­men und den Kurs­teil­neh­mern Hil­fe­stel­lun­gen, z.B. bei der Ausfüllung von For­mu­la­ren, ge­ben müssen.

Auch die Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses sei man­gels ei­nes sach­li­chen Grun­des un­wirk­sam. Als Ar­beit­neh­me­rin ha­be sie An­spruch auf die übli­che Be­zah­lung staat­li­cher Lehr­kräfte im Diens­te ei­ner Ge­mein­de nach der Vergütungs­grup­pe II BAT (VkA) an­stel­le der ver­ein­bar­ten, er­heb­lich ge­rin­ge­ren St­un­den­vergütung.

Die Kläge­rin, die im ers­ten Rechts­zug noch ih­re Be­zah­lung nach BAT (VkA) ver­folgt, hat im hier in­ter­es­sie­ren­den Teil des Rechts­streits zu­letzt be­an­tragt

fest­zu­stel­len, daß zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis un­be­fris­tet über den 29. Ju­ni 1990 hin­aus bis zum 23. Au­gust 1991 fort­be­stan­den ha­be.

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Kläge­rin ha­be kei­nem um­fas­sen­den Wei­sungs­recht un­ter­le­gen, son­dern sei freie Mit­ar­bei­te­rin ge­we­sen. Für die Kläge­rin ha­be kei­ne An­we­sen­heits­pflicht über die ver­ein­bar­ten Zei­ten hin­aus be­stan­den. Sie sei nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, ver­tre­tungs­wei­se Un­ter­richt zu er­tei­len. Un­er­heb­lich sei, ob die Kläge­rin ge­le­gent­lich für ei­ne Lehr­kraft "ein­ge­sprun­gen" sei. Die Teil­nah­me der Kläge­rin an den Team-Sit­zun­gen (Mit­ar­bei­ter­be­spre­chun­gen) sei ver­trag­lich ver­ein­bart ge­we­sen. Die Kläge­rin sei auch nicht durch di­dak­ti­sche oder me­tho­di­sche Vor­ga­ben in den Un­ter­richts­be­trieb ein­ge­bun­den ge­we­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren hin­sicht­lich der Vergütungs­ansprüche aus­ge­setzt und durch Teil­ur­teil vom 4. Fe­bru­ar 1991 fest­ge­stellt, daß zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­ste­he. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, daß das Ar­beits­verhält­nis un­be­fris­tet über den 29. Ju­ni 1990 hin­aus bis zum 23. Au­gust 1991 fort­be­stan­den ha­be. Ge­gen die­ses Ur­teil wen­det sich die Be­klag­te mit ih­rer Re­vi­si­on.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Re­vi­si­on ist zurück­zu­wei­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem Fest­stel­lungs­an­trag zu Recht statt­ge­ge­ben.

I. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig.



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1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den An­trag der Kläge­rin da­hin aus­ge­legt, daß sie (nur) die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ge­richt­lich gel­tend ma­che und die Klärung der Fra­ge, ob sie zur Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­he, nur Vor­fra­ge sei. Mit die­sem In­halt hat es den An­trag als zulässig er­ach­tet.

2. Die­ser An­trags­aus­le­gung folgt der Se­nat nicht. Der ein­heit­lich for­mu­lier­te Fest­stel­lungs­an­trag um­faßt nicht nur ei­nen, son­dern zwei Streit­ge­genstände:

Es geht der Kläge­rin nicht nur um die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung ih­res letz­ten bis zum 29. Ju­ni 1990 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags für den RESA-Kurs. Ge­gen die­se Be­fris­tung kann sich die Kläge­rin mit Er­folg nur zur Wehr set­zen, wenn sie nicht freie Mit­ar­bei­te­rin, son­dern Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten war. Zu­min­dest glei­cher­maßen will die Kläge­rin aber auch fest­ge­stellt wis­sen, seit Be­ginn ih­rer Tätig­keit bei der Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den zu ha­ben.

Bei der Aus­le­gung des Fest­stel­lungs­an­trags ist das ge­sam­te Kla­ge­vor­brin­gen zu berück­sich­ti­gen. Hier­zu gehört auch der An­trag der Kläge­rin auf ei­ne Be­zah­lung nach Vergütungs­grup­pe II BAT (VkA), den sie von An­fang an mit ih­rer Kla­ge ge­stellt hat. Bei­de Anträge - der Fest­stel­lungs- und der Zah­lungs­an­trag - set­zen vor­aus, daß die Kläge­rin Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten ge­we­sen ist. An­spruch auf Be­zah­lung nach BAT ha­ben nur Ar­beit­neh­mer. Nur bei Ar­beits­verträgen be­darf es ei­nes recht­fer­ti­gen­den Grun­des für
 


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ei­ne Be­fris­tung. Un­ter dem Ge­sichts­punkt der Pro­zeßöko­no­mie wäre es un­verständ­lich, woll­te die Kläge­rin nur als Vor­fra­ge und da­mit oh­ne Teil­nah­me an der Rechts­kraft der Ent­schei­dung geklärt ha­ben, ob sie seit Be­ginn ih­rer Tätig­keit für die Be­klag­te in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten stand.

Auch mit die­sen In­hal­ten kann über den An­trag ent­schie­den wer­den. Die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts genügen, um über bei­de Streit­ge­genstände zu ent­schei­den.

3. Hin­sicht­lich bei­der Streit­ge­genstände ist der An­trag hin­rei­chend be­stimmt. Für die Fra­ge, seit wann die Kläge­rin Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten ist, ist auf den ers­ten Ver­trag ab­zu­stel­len, den die Par­tei­en ab­ge­schlos­sen ha­ben. Der Be­fris­tungs­kon­trol­le un­ter­liegt da­ge­gen nur der letz­te bis zum 29. Ju­ni 1990 be­fris­te­te Ver­trag.

4. Für den An­trag fest­zu­stel­len, zu der Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den zu ha­ben, folgt das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se aus § 256 Abs. 2 ZPO. Das In­ter­es­se an der Fest­stel­lung, daß die Be­fris­tung un­wirk­sam sei, er­gibt sich aus § 256 Abs. 1 ZPO. Die Be­gren­zung des An­trags der Kläge­rin auf die Zeit bis zu ih­rem Aus­schei­den stellt kei­ne An­tragsände­rung, son­dern ei­ne An­trags­ein­schränkung dar. Die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en führt hier nicht zum Weg­fall des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses der Kläge­rin, denn die Ent­schei­dung über die Streit­ge­genstände ist für den Aus­gang des Rechts­streits der Par­tei­en über die Be­zah­lung der Kläge­rin vor­greif­lich.

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II. Die Kläge­rin war nicht freie Mit­ar­bei­te­rin, son­dern Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht an­ge­nom­men.


1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist von dem Be­griff des Ar­beit­neh­mers aus­ge­gan­gen, wie er vom Bun­des­ar­beits­ge­richt in ständi­ger Recht­spre­chung an­ge­wen­det wird. Hier­nach un­ter­schei­det sich ein Ar­beits­verhält­nis von dem Rechts­verhält­nis ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ters durch den Grad der persönli­chen Abhängig­keit, in der sich der zur Dienst­leis­tung Ver­pflich­te­te ge­genüber dem zur Dienst­leis­tung Be­rech­tig­ten be­fin­det. Ar­beit­neh­mer ist der Mit­ar­bei­ter, der sei­ne Dienst­leis­tung im Rah­men ei­ner von dem Drit­ten be­stimm­ten Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on er­bringt. In­so­weit enthält § 84 Abs. 1 Satz 2 HGB ein ty­pi­sches Ab­gren­zungs­merk­mal. Nach die­ser Vor­schrift ist selbständig, wer im we­sent­li­chen frei sei­ne Tätig­keit ge­stal­ten und sei­ne Ar­beits­zeit be­stim­men kann. Un­selbständig und des­halb persönlich abhängig ist da­ge­gen der Mit­ar­bei­ter, dem dies nicht möglich ist. Zwar gilt die­se Re­ge­lung un­mit­tel­bar nur für die Ab­gren­zung des selbständi­gen Han­dels­ver­tre­ters vom abhängig beschäftig­ten Hand­lungs­ge­hil­fen. Über ih­ren un­mit­tel­ba­ren An­wen­dungs­be­reich hin­aus enthält die­se Be­stim­mung je­doch ei­ne all­ge­mei­ne ge­setz­li­che Wer­tung, die bei der Ab­gren­zung des Dienst­ver­trags vom Ar­beits­ver­trag zu be­ach­ten ist. Die Ein­glie­de­rung in die frem­de Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on zeigt sich ins­be­son­de­re dar­in, daß ein Beschäftig­ter hin­sicht­lich Zeit, Dau­er und Ort der Ausführung der ver­spro­che­nen Diens­te ei­nem um­fas­sen­den Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers un­ter­liegt (vgl. statt vie­ler BA­GE 41, 247, 253 - AP Nr. 42 zu § 611 BGB Abhängig­keit, zu B II 1 der Gründe; BAG Ur-
 


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teil vom 13. No­vem­ber 1991 - 7 AZR 31/91 - BA­GE 69, 62 f., 67 = AP Nr. 60 zu § 611 BGB Abhängig­keit, un­ter III 2 der Gründe; BAG Ur­teil vom 24. Ju­ni 1992 - 5 AZR 384/91 - AP Nr. 61 zu § 611 BGB Abhängig­keit, un­ter II 1 der Gründe, je­weils m.w.N.). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, wie die Par­tei­en das Ver­trags­verhält­nis be­zeich­nen, son­dern dar­auf, wie die Ver­trags­be­zie­hung nach ih­rem Geschäfts­in­halt ob­jek­tiv ein­zu­ord­nen ist. Der wirk­li­che Wil­le ist den aus­drück­lich ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen und der prak­ti­schen Durchführung des Ver­tra­ges zu ent­neh­men. Wird der Ver­trag ab­wei­chend von den aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­run­gen voll­zo­gen, so ist die tatsächli­che Durchführung maßge­bend (BAG, je­weils aaO).

2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­ter kri­ti­scher Würdi­gung der Recht­spre­chung des Sieb­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts und des er­ken­nen­den Se­nats zum Sta­tus von Volks­hoch­schul­do­zen­ten in der schu­li­schen Er­wach­se­nen­bil­dung ge­meint, nach der neue­ren Recht­spre­chung des er­ken­nen­den Se­nats (Ur­teil vom 24. Ju­ni 1992 - 5 AZR 384/91 -, aaO) sei die Kläge­rin Ar­beit­neh­me­rin der Be-klag­ten. Sie sei von der Be­klag­ten in hin­rei­chen­dem Maße persönlich abhängig. Ähn­lich ei­ner Lehr­kraft an all­ge­mein­bil­den­den Schu­len sei sie in den Kurs­be­trieb der Volks­hoch­schu­le der Be­klag­ten ein­ge­bun­den. Art, Ort und Zeit der Un­ter­richts­er­tei­lung wie die Erfüllung be­stimm­ter Ne­ben­pflich­ten (Teil­nah­me an Team-Sit­zun­gen, zum Teil an Prüfun­gen, so­zi­alpädago­gi­sche Be­treu­ung der Kurs­teil­neh­mer) sei­en der Kläge­rin ganz über­wie­gend vor­ge­ge­ben. Die Kläge­rin ha­be we­der auf die Un­ter­richts­in­hal­te noch auf die Art und Wei­se des von ihr zu er­tei­len­den Un­ter­richts nen­nens­wert Ein­fluß neh­men können; in­so­weit sei sie nicht im we­sent­li-

 

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chen frei ge­we­sen. Auch das Maß, in wel­chem die Kläge­rin auf die Ge­stal­tung ih­rer Ar­beits­zeit Ein­fluß ha­be neh­men können, sei nicht so er­heb­lich ge­we­sen, daß sie des­we­gen als selbständi­ge Do­zen­tin an­ge­se­hen wer­den könne. Dies gel­te auch, so­weit sie we­gen der von ihr zu er­tei­len­den Fächer im ge­wis­sen Um­fang ha­be Wünsche äußern können. Auch in­so­weit hätten die un­ter­richt­li­chen Be­lan­ge in je­dem Fall Vor­rang vor den - ggf. nicht rea­li­sier­ba­ren - Wünschen der Kurs­lei­ter ge­habt. Die Abhängig­keit zei­ge sich schließlich dar­in, daß in sehr ho­hem zeit­li­chen Um­fang in Team-Sit­zun­gen (wöchent­lich vier St­un­den in HASA- und RESA-Kur­sen, zwei St­un­den im Vor­kurs) Ko­or­di­nie­run­gen durch­geführt wor­den sei­en. Die Ge­samtwürdi­gung al­ler Umstände führe zu dem Er­geb­nis, daß die Kläge­rin nicht freie Mit­ar­bei­te­rin, son­dern Ar­beit­neh­me­rin sei.

3. So­wohl der Fünf­te als auch der Sieb­te Se­nat stel­len in ih­rer Recht­spre­chung zum Sta­tus von Volks­hoch­schul­do­zen­ten in der schu­li­schen Er­wach­se­nen­bil­dung vor­ran­gig auf die Umstände bzw. Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen Ein­zel­falls ab, wenn auch mit un­ter­schied­li­chen Schwer­punk­ten in der Be­gründung. Bei der Recht­spre­chung bei­der Se­na­te er­weist sich nach den um­fang­rei­chen Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts, daß die Kläge­rin ih­re Tätig­keit als Ar­beit­neh­me­rin der Be­klag­ten ver­rich­tet hat.

a) Der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat bei der Be­ur­tei­lung des Sta­tus ei­ner Volks­hoch­schul­do­zen­tin in der schu­li­schen Er­wach­se­nen­bil­dung (Kur­se zur Er­lan­gung des Haupt­schul­ab­schlus­ses, der Fach­ober­schul­rei­fe pp.) dar­auf Ge­wicht ge­legt, in­wie­weit die Lehr­kraft in zeit­li­cher Hin­sicht dem Wei­sungs­recht


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der Volks­hoch­schu­le un­ter­lag, we­ni­ger je­doch auf den Ge­gen­stand des Un­ter­richts (Ur­teil vom 13. No­vem­ber 1991 - 7 AZR 31/91 - BA­GE 69, 62 f., 68, 74 = AP Nr. 60 zu § 611 BGB Abhängig­keit, un­ter III 3 und 5 e der Gründe, m.w.N.). Zur Sach­aufklärung über die Wei­sungs­ge­bun­den­heit der dor­ti­gen Kläge­rin hin­sicht­lich ih­rer Ar­beits­zeit wur­de der Rechts­streit an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. We­sent­lich kam es in je­ner Streit­sa­che dar­auf an, ob der St­un­den­plan schon fest­stand, als die Kläge­rin in ih­re Mit­ar­beit ein­wil­lig­te, oder ob sie in­so­weit noch ge­stal­tend Ein­fluß neh­men konn­te.

b) Der er­ken­nen­de Se­nat hat sich stärker auf ei­ne ty­pi­sie­ren­de Be­trach­tung un­ter dem Ge­sichts­punkt des Un­ter­richts­ge­gen­stan­des und we­ni­ger auf die Fra­ge des Wei­sungs­rechts hin­sicht­lich der Ar­beits­zeit gestützt, je­doch auch die­se kei­nes­falls für er­heb­lich er­ach­tet. Hier­nach sind Lehr­kräfte, die in schu­li­schen Kur­sen oder an all­ge­mein­bil­den­den Schu­len Un­ter­richt er­tei­len, in al­ler Re­gel Ar­beit­neh­mer, auch wenn es sich bei ih­rem Un­ter­richt um ei­ne ne­ben­be­ruf­li­che Tätig­keit han­delt (Ur­teil vom 24. Ju­ni 1992 - 5 AZR 384/91 - AP Nr. 61 zu § 611 BGB Abhängig­keit, un­ter II 2 a der Gründe, m.w.N.; auch schon Ur­teil vom 16. März 1972 - 5 AZR 460/71 - AP Nr. 10 zu § 611 BGB Leh­rer, Do­zen­ten). Da­mit hat der Se­nat je­doch kei­ne ab­sch­ließen­de Ka­te­go­rie fest­ge­legt (vgl. ins­ge­samt RGRK-Schlie­mann, 12. Aufl. <1994>, § 611 BGB Rz 1003, 1004).

c) Un­ter dem Ge­sichts­punkt ih­rer zeit­li­chen Wei­sungs­ge­bun­den­heit ist die Kläge­rin schon des­halb Ar­beit­neh­me­rin, weil sie die je­wei­li­gen Verträge zu Zeit­punk­ten ab­ge­schlos­sen hat­te, in de­nen


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das ge­sam­te Kurs­pro­gramm ein­sch­ließlich Ort und Zeit des Un­ter­richts schon fest­stand. Stellt man da­ge­gen stärker ty­pi­sie­rend auf den Ge­gen­stand des Un­ter­richts ab, er­weist sich die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts eben­falls als zu­tref­fend: Die Kläge­rin hat­te den Schülern im RESA-Kurs Kennt­nis­se zu ver­mit­teln, die er­for­der­lich wa­ren, um den schu­li­schen Ab­schluß mit­tels ei­ner staat­li­chen Prüfung zu er­rei­chen. In­so­weit war die Kläge­rin im Be­reich der All­ge­mein­bil­dung tätig. Die übri­gen Ein­bin­dun­gen der Kläge­rin in den Un­ter­richts­be­trieb für die­se all­ge­mein­bil­den­den Schul­kur­se führen eben­falls zu dem Er­geb­nis, daß die Kläge­rin in hin­rei­chen­dem Maß von der Be­klag­ten persönlich abhängig und des­halb Ar­beit­neh­me­rin war. Al­ler­dings hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt, daß die Teil­nah­me der Kläge­rin an Prüfun­gen nicht Ge­gen­stand des Ar­beits­ver­trags mit der Be­klag­ten war, hierüber viel­mehr be­son­de­re Ab­spra­chen ge­trof­fen wur­den. Dies macht das Ur­teil aber nicht rechts­feh­ler­haft. Viel­mehr ging die or­ga­ni­sa­to­ri­sche wie auch die kon­zep­tio­nel­le Ein­bin­dung der Kläge­rin ins­ge­samt nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts so weit, daß die An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­recht­fer­tigt ist.

III. Zu­tref­fend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, daß das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht in­fol­ge der Be­fris­tung des zu­letzt ab­ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges mit dem 29. Ju­ni 1990 ge­en­det, son­dern un­be­fris­tet bis zum Aus­schei­den der Kläge­rin bei der Be­klag­ten fort­be­stan­den hat.

1. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BA­GE 49, 73, 79, 80 = AP Nr. 97 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar-

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beits­ver­trag) ist bei meh­re­ren an­ein­an­der­ge­reih­ten be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen im Rah­men der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le nur die Be­fris­tung des letz­ten Ar­beits­ver­trags auf ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung hin zu über­prüfen. Ob die vor­an­ge­gan­ge­nen Verträge wirk­sam be­fris­tet wa­ren, ist grundsätz­lich un­er­heb­lich. Durch den vor­be­halt­lo­sen Ab­schluß ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges stel­len die Par­tei­en ihr Ar­beits­verhält­nis auf ei­ne neue Rechts­grund­la­ge, die fort­an für ih­re Rechts­be­zie­hun­gen maßgeb­lich sein soll.

Hier­von ist auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen, in­dem es den letz­ten Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit sei­ner Be­fris­tung zum 29. Ju­ni 1990 der Be­fris­tungs­kon­trol­le un­ter­wor­fen hat.

2. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, daß die Be­fris­tung die­ses Ver­trags nicht rechts­wirk­sam sei, weil es hierfür kei­nen recht­fer­ti­gen­den Grund gibt (vgl. statt vie­ler BAG Ur­teil vom 20. Fe­bru­ar 1991 - 7 AZR 81/90 - AP Nr. 137 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, zu II 1 der Gründe, m.w.N.). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, daß die Be­klag­te nicht ein­mal kon­kret be­haup­tet hat, vor­her­seh­bar ha­be für die Tätig­keit der Kläge­rin nach Frist­ab­lauf kein Be­darf mehr be­stan­den, et­wa weil die Kur­se aus­lie­fen. Un­er­heb­lich ist in­so­weit der Hin­weis der Be­klag­ten, die Kur­se zähl­ten nicht zu ih­ren ur­ei­ge­nen Auf­ga­ben, ih­re Durchführung sei von ei­ner Be­zu­schus­sung abhängig. Un­er­heb­lich ist auch, ob ein künf­ti­ger Be­darf nicht fest­ge­stellt wer­den konn­te, weil die Zahl der künf­ti­gen Teil­neh-



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mer nicht fest­stand. Dies sind nur all­ge­mei­ne Erwägun­gen, die we­der für sich noch im Zu­sam­men­hang ge­eig­net sind, die Be­fris­tung der Beschäfti­gung der Kläge­rin sach­lich zu recht­fer­ti­gen.


Grie­be­ling 

Schlie­mann 

Rei­ne­cke

An­thes 

Han­sen

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