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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung, Zeitvertrag, Befristung: Sachgrund, Befristung: Projektarbeit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 581/84
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 28.05.1986
   
Leit­sätze:

1. Ist in ei­nem Rechts­streit so­wohl der Rechts­sta­tus ei­nes Mit­ar­bei­ters als auch die Wirk­sam­keit von Be­fris­tun­gen ei­nes et­wai­gen Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en strei­tig, kann das Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­heit­lich über bei­de Teil-Streit­ge­genstände ent­schei­den und die Re­vi­si­ons­zu­las­sung wirk­sam auf den Be­fris­tungs­rechts­streit be­schränken.


2. Bei den im Auf­trag der Bun­des­an­stalt für Ar­beit durch-geführ­ten und von ihr im we­sent­li­chen auch fi­nan­zier­ten "Maßnah­men zur Be­rufs­vor­be­rei­tung und so­zia­len Ein­glie­de­rung jun­ger Ausländer" (MBSE) han­delt es sich für den ein­zel­nen Maßnah­meträger um die Wahr­neh­mung von je­weils be­fris­tet (= kurs­jahr­be­zo­gen) über­tra­ge­nen so­zi­al­staat­li­chen Son­der­auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er.


3. Der pro­jekt­be­ding­te per­so­nel­le Mehr­be­darf stellt we­gen der weit­ge­hend durch die Bun­des­an­stalt für Ar­beit be­stimm­ten Per­so­nal­vor­ga­ben so­wie we­gen der für den ein­zel­nen Maßnah­meträger be­ste­hen­den Un­si­cher­heit über die Durchführung wei­te­rer MBSE-Maßnah­men ei­nen sach­li­chen Grund dar, die Ar­beits­verhält­nis­se der pro­jekt­be­zo­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer (z.B. Lehr­kräfte oder So­zi­alpädago­gen) für die Dau­er des je­wei­li­gen Kurs­jah­res zu be­fris­ten.

Vor­ins­tan­zen: ArbG Berlin LArbG Berlin
   

7 AZR 581/84
11 Sa 45/84 Ber­lin


Verkündet am

28. Mai 1986 

Im Na­men des Vol­kes!

Zeu­ner,
Amts­in­spek­tor
als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le 

Ur­teil

In Sa­chen

PP.


hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vorn 28. Mai 1986 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Dr. Sei­den­sti­cker, die Rich­ter Dr. Be­cker und
 


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Dr. Steck­han so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sei­ler und Dr. Jo­hann­sen für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des wird un­ter Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on im übri­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 21. Au­gust 1984 - 11 Sa 45/84 - teil­wei­se auf­ge­ho­ben und wie folgt neu ge­faßt:

Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des wird un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im übri­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 6. März 1984 - 17 Ca 154/83 - teil­wei­se ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, daß die Par­tei­en in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1981 bis zum 31. Ja­nu­ar 1984 zu­ein­an­der in ei­nem Ar­beits­verhält­nis stan­den.

Im übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des ers­ten und des zwei­ten Rechts­zu­ges trägt der Kläger zu 3/4 und das be­klag­te Land zu 1/4.

Die Kos­ten der Re­vi­si­on trägt der Kläger zu 2/3 und das be­klag­te Land zu 1/3.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob zwi­schen ih­nen ein Ar­beits­verhält­nis oder ein frei­es Mit­ar­bei­ter­verhält­nis be­gründet wor­den ist; des wei­te­ren be­steht Streit, ob die Dienst­verträge des Klägers wirk­sam be­fris­tet wur­den.


Der Kläger war seit dem 1. Fe­bru­ar 1981 als Lehr­kraft im Rah­men der Durchführung von Maßnah­men zur Be­rufs­vor­be­rei­tung und so­zia­len Ein­glie­de­rung jun­ger Ausländer (MBSE) für die Volks­hoch­schu­le des Be­zirks T des be­klag­ten Lan­des auf­grund je­weils münd­lich ab­ge­schlos­se­ner be­fris­te­ter Verträge tätig. Die

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Verträge be­zie­hen sich auf fol­gen­de Zeiträume:


vom 1. Fe­bru­ar 1981 bis 31. Ja­nu­ar 1982
für 24 Wo­chen­stun­den, 

vom 1. Fe­bru­ar 1982 bis 31. Ja­nu­ar 1983
für 24 Wo­chen­stun­den,

vom 1. Fe­bru­ar 1983 bis 31. Ja­nu­ar 1984
32 Wo­chen­stun­den,


vom 1. Fe­bru­ar 1984 bis 31. Au­gust 1984
20 Wo­chen­stun­den

In je­weils auf zwölf Mo­na­te be­fris­te­ten Lehrgängen dient das MBSE-Pro­jekt der be­ruf­li­chen und so­zia­len Ein­glie­de­rung jun­ger Ausländer mit dem Ziel, den Ju­gend­li­chen die Auf­nah­me ei­ner Aus­bil­dung zu ermögli­chen so­wie ih­re ge­sell­schaft­li­che Hand­lungsfähig­keit zu ver­bes­sern.

Das MBSE-Pro­jekt T wird in zwei Gebäuden, in der P straße und der Be­triebsstätte Am K , durch­geführt. Die Lehrgänge in der P straße lau­fen je­weils vom 1. Fe­bru­ar ei­nes Jah­res bis zum 31. Ja­nu­ar des Fol­ge­jah­res, während die Lehrgänge in der Be­triebsstätte Am K vom 1. Sep­tem­ber ei­nes Jah­res bis zum 31. Au­gust des Fol­ge­jah­res lau­fen. Der Kläger un­ter­rich­te­te Ju­gend­li­che im Al­ter von 16 bis 18 Jah­ren in der P straße. Die Ju­gend­li­chen er­hiel­ten in der Wo­che 40 Un­ter­richts­stun­den in der Zeit von 8.00 bis 16.00 Uhr von Mon­tag bis Frei­tag. In die­ser Zeit wa­ren acht St­un­den fach­theo­re­ti­scher Un­ter­richt (Be­rufs­schul­un­ter­richt) ent­hal­ten. Die Ar­beits­zeit des Klägers im Zeit­raum vom 1. Fe­bru­ar 1983 bis zum 31. Ja­nu­ar 1984 (32 Wo­chen­stun­den) glie­der­te sich wie folgt:

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16 St­un­den Werk­un­ter­richt,


8 St­un­den Un­ter­richts­vor­be­rei­tung,

4 St­un­den team-teaching bzw. Be­reit­schafts­dienst,

2 St­un­den Teil­nah­me am Türkisch-Un­ter­richt

und

2 St­un­den Kon­fe­renz.


Für sei­ne Tätig­keit er­hielt der Kläger. pro St­un­de ei­nen Be­trag von 19,-- DM als "Ho­no­rar".

Die MBSE-Maßnah­men wer­den zu 75 % von der Bun­des­an­stalt für Ar­beit und zu wei­te­ren 12,5 % aus Mit­teln des Bun­des fi­nan­ziert. Das be­klag­te Land steu­ert nur 12,5 % des Fi­nanz­be­darfs bei. Je­weils zu Be­ginn ei­ner Maßnah­me wer­den an Hand der Teil­neh­mer­zah­len die Per­so­nal- und Sach­mit­tel je­weils für ein Jähr be­wil­ligt. Der im Rah­men der MBSE-Maßnah­men er­teil­te fach­theo­re­ti­sche Un­ter­richt. (Be­rufs­schul­un­ter­richt) wird vom Land Ber­lin an­tei­lig fi­nan­ziert.

Mit sei­ner am 7. De­zem­ber 1983 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ste­he zum Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis und nicht in ei­nem Rechts­verhält­nis als sog. frei­er Mit­ar­bei­ter; außer­dem sei­en die Be­fris­tun­gen sei­nes Ver­tra­ges man­gels sach­li­cher Recht­fer­ti­gung un­wirk­sam.

Der Kläger hat be­an­tragt,



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1. fest­zu­stel­len, daß zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über den 31. Ja­nu­ar 1984 hin­aus be­steht;

2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, ihn auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Ver­trags­be­zie­hun­gen tatsächlich wei­ter­zu­beschäfti­gen, und zwar im Um­fan­ge von 32 Wo­chen­stun­den.

Das be­klag­te Land hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Es hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, das Rechts­verhält­nis zum Kläger sei kein Ar­beits­verhält­nis, son­dern ein frei­es Mit­ar­bei­ter­verhält­nis; die Be­fris­tun­gen sei­en u.a. des­halb sach­lich ge­recht­fer­tigt, weil das Lan­des­ar­beits­amt Ber­lin je­weils nur für ein Jahr die Mit­tel zur Durchführung der MBSE-Maßnah­me be­wil­ligt ha­be.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge in vol­lem Um­fang statt­ge­ge­ben. Auf die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts teil­wei­se ab­geändert und fest­ge­stellt, daß zwi­schen den Par­tei­en über den 31. Ja­nu­ar 1984 hin­aus ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­steht; im übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt "be­schränkt auf die Streit­fra­ge der Be­fris­tung" zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt das be­klag­te Land sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag "in vol­lem Um­fang" wei­ter. Der Kläger be­an­tragt, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.


Ent­schei­dungs­gründe :

Die un­ein­ge­schränkt von dem be­klag­ten Land ein­ge­leg­te Re­vi­si­on ist in­so­weit un­zulässig, als sie den Sta­tus des Klägers in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1981 bis zum 31. Ja­nu­ar 1984 zum Ge­gen­stand hat. Im übri­gen ist die Re­vi­si­on be­gründet, denn die im

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drit­ten Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en ist rechts­wirk­sam, so daß das Ar­beits­verhält­nis mit dem Ab­lauf der ver­trag­li­chen Frist zum 31. Ja­nu­ar 1984 be­en­det wor­den ist.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­vi­si­on im Ur­teils­te­nor "be­schränkt auf die Streit­fra­ge der Be­fris­tung" zu­ge­las­sen. Die hier­in lie­gen­de Be­schränkung der Re­vi­si­on auf den Teil­streit­ge­gen­stand der Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist wirk­sam.

1. Nach all­ge­mei­ner Rechts­auf­fas­sung ist die be­schränk­te Zu­las­sung der Re­vi­si­on möglich (vgl. BGH Ur­teil vom 7. Ju­li 1983 - III ZR 119/82 -, JR 1984, 113, 114 m.w.N.; BGHZ 53, 152 = AP Nr. 7 zu §546 ZPO; BGHZ 76, 397 = LM § 546 ZPO Nr. 105 a; BAG 39, 112 = AP Nr. 8 zu § 12 SchwbG; BAG 40, 250 = AP Nr. 1 zu § 72 ArbGG 1979; Tiedt­ke, Die be­schränk­te Zu­las­sung der Re­vi­si­on, WM 1977, 666 ff.). Vor­aus­set­zung ist je­doch, daß sich die Be­schränkung klar und ein­deu­tig aus dem Be­ru­fungs­ur­teil er­gibt und die Art der Be­schränkung der Re­vi­si­on recht­lich zulässig ist. Es ist wei­ter­hin er­for­der­lich, daß sich die be­schränk­te Zu­las­sung auf ei­nen tatsächlich und recht­lich selbständi­gen und ab­trenn-ba­ren Teil des Ge­samt­streitstof­fes be­zieht, über den in ei­nem be­son­de­ren Ver­fah­rens­ab­schnitt durch Teil- oder Zwi­schen­ur­teil ent­schie­den wer­den könn­te (vgl. auch BGHZ 76, 397, 399 f. = LM § 546 ZPO Nr. 105 a; BGH Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 1980 - VI ZR 213/79 - LM § 546 ZPO Nr. 100). Da sich die Re­vi­si­on als ech­tes Rechts­mit­tel im­mer auf den Streit­ge­gen­stand be­zieht, ist ei­ne Be­schränkung der Re­vi­si­on nur in­so­weit statt­haft, als es sich um



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teil- oder zwi­schen­ur­teilsfähi­ge Teil­streit­ge­genstände han­delt. Auf ein­zel­ne Rechts­fra­gen kann die Re­vi­si­on da­her nicht be­schränkt wer­den (BAG 47, 179, 183 f.).


2. Im Streit­fall hat das Be­ru­fungs­ge­richt das durch den Kla­ge­an­trag zu 1) ge­kenn­zeich­ne­te Kla­ge­be­geh­ren da­hin auf­ge­faßt, daß es sich auf zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­genstände be­zie­he: Ei­ner­seits be­geh­re der Kläger die Fest­stel­lung sei­ner - zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen - Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft im Verhält­nis zum be­klag­ten Land, an­de­rer­seits wol­le er fest­ge­stellt wis­sen, daß sein Ar­beits­verhält­nis un­be­fris­tet fort­be­ste­he. Bei die­ser aus Rechts­gründen nicht zu be­an­stan­den­den Aus­le­gung des Kla­ge­an­tra­ges durch das Be­ru­fungs­ge­richt bil­den die Sta­tuts­fra­ge und die Be­fris­tungs­fra­ge tatsächlich und recht­lich selbständi­ge und ab-trenn­ba­re Tei­le des Ge­samt­streitstof­fes, die je­weils auch ein­zeln in ge­trenn­ten Pro­zes­sen zur ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ge­stellt wer­den könn­ten und über die bei ge­mein­sa­mer Gel­tend­ma­chung in ei­nem Pro­zeß je­weils durch Teil­ur­teil ent­schie­den wer­den könn­te. Dem steht nicht ent­ge­gen, daß die Klärung des Rechts­sta­tus des Klägers in dem hier maßgeb­li­chen Zeit­raum, (1. Fe­bru­ar 1981 bis 31. Ja­nu­ar 1984) ei­ne Vor­fra­ge für die recht­li­che Be­ur­tei­lung der zwi­schen den Par­tei­en in die­sem Zeit­raum ver­ein­bar­ten Be­fris­tun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stellt. Durch ei­ne Be­schränkung der Re­vi­si­on auf den Be­fris­tungs­rechts­streit be­steht nicht die Ge­fahr von sich wi­der­spre­chen­den Ur­tei­len, da für das Re­vi­si­ons­ge­richt der Sta­tus des be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ters rechts­kräftig fest­steht.
 


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Ist dem­nach die Re­vi­si­on zulässi­ger­wei­se auf den Be­fris­tungs­rechts­streit be­schränkt wor­den, war die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des, so­weit sie sieh auf die Klärung des Rechts­sta­tus des Klägers in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1981 bis 31. Ja­nu­ar 1984 be­zieht, als un­zulässig zu ver­wer­fen. Für den Se­nat steht auf­grund der wirk­sa­men Be­schränkung der Re­vi­si­on rechts­kräftig fest daß die Par­tei­en in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1981 bis 31. Ja­nu­ar 1984 zu­ein­an­der in ei­nem Ar­beits­verhält­nis stan­den.

II. Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des ist in­so­weit be­gründet, als sie sich ge­gen die Fest­stel­lung des Lan­des­ar­beits­ge­richts rich­tet, zwi­schen den Par­tei­en be­ste­he über den 31. Ja­nu­ar 1984 hin­aus ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auf­grund wirk­sa­mer Be­fris­tung zum 31. Ja­nu­ar 1984 be­en­det wor­den.

1. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG GS 10, 65 AP Nr. 16 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag; BAG 41, 110, 113 ff. = AP Nr. 72 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, zu B II 2 der Gründe, m.w.N. aus der frühe­ren Recht­spre­chung; fer­ner z. B. Se­nats­ur­teil vom 6. Ju­ni 1984 - 7 AZR 458/82 - AP Nr. 83 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­tra­ge zu II 1 der Gründe; Se­nats­ur­teil vom 22. März 1985 - 7 AZR 487/84 - AP Nr. 89 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, zu III 2 a der Gründe) dürfen die Par­tei­en be­fris­te­te Ar­beits­verträge ab­sch­ließen, wenn bei Ver­trags­ab­schluß sach­li­che Gründe für die Be­fris­tung vor­ge­le­gen ha­ben. Be­fris­tun­gen sind
 


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un­zulässig, wenn sie als Ge­stal­tungs­mit­tel ob­jek­tiv funk­ti­ons-wid­rig ver­wen­det wer­den. Das ist an­zu­neh­men, wenn dem Ar­beit­neh­mer der durch die Kündi­gungs­schutz­be­stim­mun­gen gewähr­leis­te­te Be­stands­schutz sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne sach­li­chen Grund ent­zo­gen wird. In ei­nem sol­chen Fal­le hätte ein verständig und so­zi­al den­ken­der Ar­beit­ge­ber von vorn­her­ein ei­nen Ar­beits­ver­trag auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen. Die be­fris­te­ten Ar­beits­verträge müssen al­so ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung so in sich tra­gen, daß sie die Kündi­gungs­schutz­vor­schrif­ten nicht be­ein­träch­ti­gen.

2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Aus­gangs­punkt zur Fra­ge der Zulässig­keit be­fris­te­ter Ar­beits­verträge die ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu­grun­de­ge­legt. Im ein­zel­nen hat es so­dann im we­sent­li­chen fol­gen­des aus­geführt:

Die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses, je­den­falls die vom Kläger an­ge­grif­fe­ne Be­fris­tung zum 31. Ja­nu­ar 19814, sei Un­wirk­sam, da sach­li­che Gründe für ei­ne Be­fris­tung nicht ge­ge­ben sei­en, so daß ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en mit ei­ner ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit von 32: St­un­den pro Wo­che be­ste­he.

Die je­weils auf ei­ne Maßnah­me be­schränk­te Mit­tel­be­wil­li­gung durch das Lan­des­ar­beits­amt sei nicht ge­eig­net, ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers auf die ein­zel­ne Förde­rungs­maßnah­me sach­lich zu be­gründen. Die-Mit­tel für die ein­zel­ne Förde­rungs­maßnah­me würden zwar je­weils nur für ein Jahr, nämlich be­schränkt auf die ein Jahr dau­ern­de Förde­rungs­maßnah­me be-
 


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wil­ligt; es ha­be je­doch .be­reits bei der ers­ten Maßnah­me fest­ge­stan­den, daß nicht nur ei­ne ein­zi­ge Förde­rungs­maßnah­me statt­fin­den sol­le. Selbst wenn man da­von aus­ge­he, daß das be­klag­te Land im Be­reich der MBSE-Maßnah­me über kei­ne ei­ge­nen fi­nan­zi­el­len Mit­tel verfüge .und vollständig von ei­ner Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung abhängig sei, so sei nicht er­kenn­bar, daß ge­ra­de der Ar­beits­platz des Klägers bei ei­ner Ein­schränkung der. Förde­rungs­mit­tel we­gen sin­ken­der Teil­neh­mer­zahl, weg­fal­len würde. Letzt­lich han­de­le es sich bei dem Rück­gang der Teil­neh­mer­zah­len um ein un­ter­neh­me­ri­sches Ri­si­ko, das nicht mit Hil­fe der Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen aus­ge­gli­chen wer­den könne. Viel­mehr blei­be dem Be­klag­ten bei tatsäch­li­chem Rück­gang der Teil­neh­mer­zah­len nur die Möglich­keit, ei­ne. frist­gemäße Kündi­gung un­ter Be­ach­tung der Be­stim­mun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes aus­zu­spre­chen.

a) Die­sen Ausführun­gen ver­mag der Se­nat nicht zu fol­gen.

Der drit­te zwi­schen den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag war rechts­wirk­sam, auf die Zeit vom 1.. Fe­bru­ar 1983 bis zum 31. Ja­nu­ar 1954 be­fris­tet.. Die­ser Ver­trag mit ei­ner Wo­chen­ar­beits­zeit von 32 St­un­den ist hier al­lein Ge­gen­stand der ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le. Den von den Par­tei­en während des vor­lie­gen­den Rechts­streits ab­ge­schlos­se­nen wei­te­ren Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Fe­bru­ar 1984 bis 31. Au­gust 1984 mit 20 Wo­chen­stun­den hat. der Kläger nicht zur ge­richt­li­chen Über­prüfung ge­stellt, denn sein Kla­ge­an­trag lau­tet auf Fest­stel­lung, daß zwi­schen den Par­tei­en über den 31. Ja­nu­ar 1984 hin­aus in ei­nem Um­fang von 32 Wo­chen­stun­den ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis
 


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be­steht. Aus die­sem In­halt sei­nes Fest­stel­lungs­an­trags er­gibt sich wei­ter­hin, daß der Kläger auch die dem drit­ten Ar­beits­ver­trag (mit 32 Wo­chen­stun­den) vor­aus­ge­gan­ge­ner,, auf je ein Jahr be­fris­te­ten bei­den Ar­beits­verträge mit je­weils nur 24 Wo­chen-stun­den nicht ge­richt­lich über­prüft ha­ben möch­te. Auf­grund die­ser be­schränk­ten An­trag­stel­lung kommt es nicht dar­auf an, ob auch oh­ne die­se im Kla­ge­an­trag ent­hal­te­ne Ein­schränkung nur die im drit­ten Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Be­fris­tung ge­richt­lich zu über­prüfen wäre (vgl. hier­zu das zur Veröffent­li­chung be­stimm­te Ur­teil des Se­nats vom 8. Mai 1985 - 7 AZR 191/84 -).


b) Für die Be­fris­tung des so­mit al­lein maßgeb­li­chen drit­ten Ar­beits­ver­tra­ges be­stand ein sach­li­cher Grund, so daß das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch Frist­ab­lauf am 31. Ja­nu­ar 1984 be­en­det wor­den ist.

aa) Der Se­nat hat be­reits in zwei nicht veröffent­lich­ten Ur­tei­len vom 8. Mai 1985 (7 AZR 182/84 und 7 AZR 183/84), de­nen ähn­lich ge­la­ger­te Sach­ver­hal­te zu­grun­de la­gen, ent­schie­den, daß die von ei­nem Pro­jektträger nicht zu be­ein­flus­sen­de Un­si­cher­heit über die Durchführung wei­te­rer MBSE-Maßnah­men Be­fris­tun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses von Lehr­kräften und so­zi­alpädago­gi­schen Be­treu­ern für die Dau­er des je­wei­li­gen Kur­ses sach­lich recht­fer­ti­gen. An die­ser Auf­fas­sung hält der Se­nat nach er­neu­ter Über­prüfung fest. Auch die im Streit­fall vor­lie­gen­den Be­son­der­hei­ten führen nicht zu ei­ner an­de­ren recht­li­chen Be­ur­tei­lung. Im ein­zel­nen gilt fol­gen­des:


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Der Se­nat hat in dem Ur­teil vom 22. März 1985 - 7 AZR 487/84 - (AP Nr. 89 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, un­ter III 2 a der Gründe) dar­auf hin­ge­wie­sen, daß es sich - an­ders als et­wa bei ge­setz­li­chen :Tat­be­stands­merk­ma­len - bei der von der Recht­spre­chung vor­ge­nom­me­nen Ty­pen­bil­dung sach­lich ge­recht­fer­tig­ter Be­fris­tun­gen nicht um ei­ne ab­sch­ließen­de Aufzählung der Vor­aus­set­zun­gen han­delt, un­ter de­nen Be­fris­tun­gen rechts­wirk­sam sind. Weist ei­ne als Be­fris­tungs­grund vor­ge­tra­ge­ne Fall­ge­stal­tung ge­wich­ti­ge rechts­er­heb­li­che Be­son­der­hei­ten auf, die ih­re naht­lo­se Ein­ord­nung in die bis­her an­er­kann­ten Ty­pen von Be­fris­tungs­gründen' unmöglich ma­chen, so ist ei­ne ei­ge­ne recht­li­che Be­wer­tung die­ser Fall­ge­stal­tung er­for­der­lich und da­bei zu prüfen, ob bei ihr nach den Wer­tungs­maßstäben der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ein sach­li­cher Grund für ei­ne Be­fris­tung an­zu­er­ken­nen ist (BAG 42, 203, 208 AP Nr. 76 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, un­ter II 3 der Gründe).

Bei der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung han­delt es sich um ei­nen Tat­be­stand, der nicht zwang­los in die seit­he­ri­ge Ty­po­lo­gie von an­er­kann­ten Be­fris­tungs­gründen ein­zu­ord­nen ist. Die als sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung in Be­tracht kom­men­den Umstände er­ge­ben sich teil­wei­se aus dem As­pekt der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung, teil­wei­se aus der Be­darfs­abhängig­keit der MBSE-Maßnah­men. Der Kläger ver­kennt, daß auch ein der­ar­ti­ger "Misch­t­at­be­stand" da­zu ge­eig­net ist, die zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Be­fris­tung sach­lich zu recht­fer­ti­gen.
 

Die Durchführung von MBSE-Maßnah­men stellt für das be­klag­te


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Land kei­ne ihm vom Ge­setz­ge­ber zu­ge­wie­se­ne staat­li­che Dau­er­auf­ga­be dar; es han­delt sich viel­mehr um die Wahr­neh­mung ei­ner von der Bun­des­an­stalt für Ar­beit je­weils be­fris­tet über­tra­ge­nen so­zi­al­staat­li­chen Son­der­auf­ga­be von be­grenz­ter Dau­er. Da­bei ist zu be­ach­ten, daß das be­klag­te Land in­so­weit gleich­sam als "Erfüllungs­ge­hil­fe" für die mit der Durchführung von MBSE-Maßnah­men be­trau­te Bun­des­an­stalt für Ar­beit tätig wird. So­wohl der nur vorüber­ge­hen­de Cha­rak­ter als auch die Fremd­be­stimmt­heit die­ser Maßnah­men äußern sich u.a. dar­in, daß die Bun­des­an­stalt für Ar­beit in ei­ge­ner Au­to­no­mie darüber ent­schei­den kann, wel­che öffent­li­chen oder pri­va­ten Ein­rich­tun­gen sie mit der Durchführung von MBSE-Maßnah­men je­weils be­traut und daß sie die fi­nan­zi­el­len Mit­tel für die pro­jekt­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen (Per­so­nal- und Sach­kos­ten) nur je­weils kurs­be­zo­gen dem je­wei­li­gen Pro­jektträger zur Verfügung stellt. Die weit­ge­hen­de Fremd­be­stimmt­heit der von dem be­klag­ten Land wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben zeigt sich wei­ter­hin dar­in, daß die Bun­des­an­stalt für Ar­beit in ei­nem Rund­er­laß vom 4. De­zem­ber 1979 (Dienst­blatt der Bun­des­an­stalt für Ar­beit Nr. 339/79) ge­naue Richt­li­ni­en über die Auf­ga­be, Zie­le, In­halt und Or­ga­ni­sa­ti­on der MBSE-Maßnah­men, über den tei­le­nah­me­be­rech­tig­ten Per­so­nen­kreis so­wie über die Fort­bil­dung der Lehr­kräfte auf­ge­stellt hat, an de­ren Ein­hal­tung der je­wei­li­ge Pro­jektträger ge­bun­den ist.. Die ei­nem Ar­beit­ge­ber ty­pi­scher­wei­se zu­ste­hen­de per­so­nel­le Pla­nungs­kom­pe­tenz wird durch den oben erwähn­ten Rund­er­laß (aaO) maßgeb­lich ein­ge­schränkt, in­dem die Be­wil­li­gung der pro­jekt­be­dingt an­fal­len­den Per­so­nal­mit­tel nach ei­nem be­stimm­ten Per­so­nal­schlüssel er­folgt. In Zif­fer 6 Abs. 2 der An­la­ge 1 zum Rund­er­laß vom 4. De­zem­ber 1979 (aa0) ist fol­gen­de Re­ge­lung

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ent­hal­ten:


" In den Maßnah­men wer­den Grup­pen von je­weils 12 - 15 Teil­neh­mern ge­bil­det. Je Grup­pe ist ein Aus­bil­der haupt­amt­lich tätig. Für den Sprach­un­ter­richt mit All­ge­mein­bil­dung sind wei­te­re zwei Lehr­kräfte für 3 Grup­pen ein­zu­set­zen. Die Lehr­kräfte über­neh­men fer­ner Auf­ga­ben im Rah­men der so­zi­alpädago­gi­schen Be­glei­tung. Darüber hin­aus steht für je­weils 3 Grup­pen ei­ne haupt­amt­li­che so­zi­alpädago­gi­sche Fach­kraft zur Verfügung."


Hier­in äußert sich ei­ne Bin­dung des be­klag­ten Lan­des in der Wei­se, daß ihm ei­ne ei­genständi­ge Per­so­nal­pla­nung so­wohl in quan­ti­ta­ti­ver als auch in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht we­gen der ver­bind­li­chen Vor­ga­ben der Bun­des­an­stalt im Rah­men der Durchführung von MBSE-Maßnah­men nicht möglich ist. Die Bin­dung an ei­nen nach quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven Merk­ma­len aus­ge­stal­te­ten Per­so­nal­schlüssel so­wie die hier­durch be­ding­te Ein­schränkung der per­so­nel­len Pla­nungs­kom­pe­tenz un­ter­strei­chen den Son­der­pro­gramm­cha­rak­ter der MBSE-Maßnah­men.

Ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit der hier zu be­ur­tei­len­den Fall­ge­stal­tung liegt dar­in, daß die Durchführung von MBSE-Maßnah­men be­darfs­abhängig ist. Ab­ge­se­hen da­von, daß außer dem be­klag­ten Land auch pri­va­te Ein­rich­tun­gen in dem hier maßgeb­li­chen Zeit­raum (Kurs­jahr 1983/84) mit der Durchführung von MBSE-Maßnah­men von der Bun­des­an­stalt für Ar­beit be­traut wor­den sind, be­stand für das be­klag­te Land auch in­so­fern ei­ne Un­ge­wißheit über die künf­ti­ge Fort­set­zung der MBSE-Maßnah­men, als die An­zahl der Teil­neh­mer nicht kon­stant blieb. Der Um­stand, daß das be­klag­te Land durch ei­ge­ne Wer­be­maßnah­men ver­such­te, ei­nen möglichst großen Teil­neh-
 


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mer­kreis zu er­hal­ten, ändert nichts an der Tat­sa­che, daß die Bun­des­an­stalt für Ar­beit je­weils un­ter Be­ach­tung der persönli­chen Förde­rungs­vor­aus­set­zun­gen (§ 40 Abs. 2 AFG) die Teil­neh­mer dem be­klag­ten Land für ein be­stimm­tes Kurs­jahr zu­ge­wie­sen hat. Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob das be­klag­te Land auf­grund von nicht un­er­heb­li­chen Sach­mit­tel­in­ves­ti­tio­nen der Bun­des­an­stalt für Ar­beit da­von aus­ge­hen konn­te, daß es vor­ran­gig mit der Durchführung von MBSE-Maßnah­men be­auf­tragt wer­den würde. In recht­li­cher Hin­sicht be­stand je­den­falls für die Bun­des­an­stalt für Ar­beit kei­ne Ver­pflich­tung, das be­klag­te Land vor­ran­gig mit der Durchführung von MBSE-Maßnah­men zu be­trau­en. Das be­klag­te Land be­fand sich da­her in dem hier frag­li­chen Zeit­raum in ei­nem "Kon­kur­renz­verhält­nis" ge­genüber den be­tref­fen­den pri­va­ten Ein­rich­tun­gen. Da die Durchführung von MBSE-Maßnah­men je­weils ge­wis­se Min­dest­grup­penstärken vor­aus­setz­te, war der Per­so­nal­be­darf für das be­klag­te Land nicht lang­fris­tig vor­her­seh­bar, zu­mal die Möglich­keit be­stand, ge­ge­be­nen­falls meh­re­re Grup­pen aus­bil­dungs­wil­li­ger Ju­gend­li­cher, die an­sons­ten von ver­schie­de­nen Maßnah­meträgern un­ter­rich­tet würden, in ei­ner förde­rungsfähi­gen Grup­pe zu­sam­men­zu­fas­sen.

An­ge­sichts der hier vor­lie­gen­den Umstände ist es ge­recht­fer­tigt, in je­der kurs­jahr­be­zo­ge­nen Ein­zel­maßnah­me des sei­tens der Bun­des­an­stalt für Ar­beit mit­tel­fris­tig an­ge­leg­ten Ge­samt­pro­jekts der MBSE-Maßnah­men je­weils ein im we­sent­li­chen durch Dritt­mit­tel (87,5 %) fi­nan­zier­tes Son­der­pro­gramm zu se­hen. Für das be­klag­te Land be­deu­te­ten die kurs­jahr­be­zo­ge­nen Ein­zel­maßnah­men je­weils die Durchführung von so­zi­al­staat­li­chen Son­der­auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er. Der pro­jekt­be­dingt ver­ur­sach­te per­so­nel­le Mehr­be­darf
 


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stellt da­her an­ge­sichts der weit­ge­hend fremd­be­stimm­ten Per­so­nal-vor­ga­ben so­wie we­gen der für das be­klag­te Land in recht­li­cher uni tatsäch­li­cher Hin­sicht be­ste­hen­den Un­si­cher­heit über die Durchführung wei­te­rer MBSE-Maßnah­men ei­nen sach­li­chen Grund dar, die Ar­beits­verhält­nis­se der pro­jekt­be­zo­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer (z.B. Lehr­kräfte oder So­zi­alpädago­gen) für die Dau­er des je­wei­li­gen Kurs­jah­res zu be­fris­ten. Un­abhängig da­von, ob die Teil­neh­mer die­ser be­rufs­vor­be­rei­ten­den Bil­dungs­maßnah­me von dem ein­zel­nen Maßnah­meträger auf­grund ei­ge­ner Wer­be­maßnah­men der Bun­des­an­stalt für Ar­beit zur Förde­rung vor­ge­schla­gen wer­den oder nicht, han­delt es sich bei je­der kurs­jahr­be­zo­ge­nen MBSE-Maßnah­me um ein Son­der­pro­gramm, des­sen je­wei­li­ge Durchführung für den ein­zel­nen Maßnah­meträger we­gen der Abhängig­keit von der Zu­sa­ge ei­ner Pro­jekt­ver­ga­be sei­tens der Bun­des­an­stalt für Ar­beit un­ge­wiss ist.

bb) Mit der An­er­ken­nung der hier vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung als Be­fris­tungs­grund setzt sich der Se­nat ent­ge­gen der Mei­nung des Klägers nicht in Wi­der­spruch zu sei­nem Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar 1980 - 7 AZR 69/78 - (AP Nr. 52 zu § 620 BGB Be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag, un­ter 3 der Gründe). Dort hat der Se­nat aus­ge­spro­chen, daß das öffent­li­che Haus­halts­recht kei­nen un­mit­tel­ba­ren Ein­fluß auf die Ar­beits­verhält­nis­se im öffent­li­chen Dienst hat und daß des­halb auch bei den so­ge­nann­ten Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­run­gen im Hoch­schul­be­reich die Un­si­cher­heit, ob der nächs­te Haus­halts­plan Mit­tel für ei­ne be­stimm­te Stel­le vor­sieht, kein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses sein kann. Der zu­grun­de­lie­gen­de Fall be­traf die Be­fris­tung des Ar-
 


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beits­ver­trags ei­nes wis­sen­schaft­li­chen Uni­ver­sitätsan­ge­stell­ten der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, des­sen Stel­le ei­ne von 140 Stel­len für wis­sen­schaft­li­che An­ge­stell­te war, die die Ham­bur­ger Bürger­schaft seit meh­re­ren Jah­ren im Rah­men ei­nes Son­der­pro­gramms zur De­ckung ei­nes vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs der Uni­ver­sität Ham­burg zur Verfügung ge­stellt hat­te. Es ging da­bei al­so um die haus­haltsmäßige Be­reit­stel­lung ei­ge­ner Mit­tel des be­klag­ten öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers für sei­ne Uni­ver­sität, für die er selbst die fi­nan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung trägt. Die Ausführun­gen in dem ge­nann­ten Se­nats­ur­teil be­zie­hen sich auf der­ar­ti­ge Fall­ge­stal­tun­gen. Die Be­son­der­heit der hier zu be­ur­tei­len­den Fall­ge­stal­tung liegt da­ge­gen dar­in, daß das be­klag­te Land bei den MBSE-Maßnah­men kei­ne ei­ge­nen staat­li­chen Dau­er­auf­ga­ben, son­dern im Auf­tra­ge ei­nes an­de­ren, von ihm un­abhängi­gen öffent­li­chen Recht­strägers pro­jekt­be­zo­ge­ne und im we­sent­li­chen mit frem­den Mit­teln fi­nan­zier­te Son­der­auf­ga­ben von je­weils be­grenz­ter Dau­er un­ter Be­ach­tung von quan­ti­ta­ti­ven und qua­li­ta­ti­ven per­so­nel­len Vor­ga­ben der Bun­des­an­stalt für Ar­beit wahr­nimmt. In­so­fern un­ter­schei­det sich der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt auch maßgeb­lich von ei­nem Wirt­schafts­un­ter­neh­men (z.B. Straßen­bau-Un­ter­neh­men), das aus­sch­ließlich oder über­wie­gend von staat­li­chen Auf­trägen abhängig ist. Ab­ge­se­hen da­von, daß ein der­ar­ti­ges Un­ter­neh­men er­werbs­wirt­schaft­lich ori­en­tiert ist, während das be­klag­te Land bei der Durchführung von MBSE-Maßnah­men im Be­reich der staat­li­chen Vor­sor­ge tätig wird, be­gibt sich ein der­ar­ti­ges Wirt­schafts­un­ter­neh­men nicht in ei­ne per­so­nel­le Pla­nungs­abhängig­keit des Staa­tes. Das von Staats­aufträgen abhängi­ge Wirt­schafts­un­ter­neh­men kann durch ei­ne ent­spre­chen­de Preis­kal­ku­la­ti­on die mit Be­stands-

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schutz- und Ab­fin­dungs­ri­si­ken ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Las­ten aus­glei­chen. Es ist darüber hin­aus nicht ver­pflich­tet, sein Per­so­nal auf­trags­be­zo­gen un­ter Be­ach­tung ei­nes an quan­ti­ta­ti­ve und qua­li­ta­ti­ve Merk­ma­le an­knüpfen­den Per­so­nal­schlüssels ein­zu­set­zen. Bei ei­ner der­ar­ti­gen Sach­la­ge ist es da­her, trotz der Un­si­cher­heit der Ver­ga­be von staat­li­chen An­schlußauf­trägen, sach­lich nicht ge­recht­fer­tigt, die Ar­beit­neh­mer je­weils auf­trags­be­zo­gen be­fris­tet zu beschäfti­gen.


c) Die An­wen­dung der oben (II 2 b aa der Gründe) dar­ge­stell­ten Grundsätze führt im Streit­fall zu dem Er­geb­nis, daß der auf das Kurs­jahr 1983/84 be­fris­te­te letz­te Ar­beits­ver­trag so­wohl dem Grun­de als auch der Dau­er nach sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist da­her durch Frist­ab­lauf am 31. Ja­nu­ar 1984 be­en­det wor­den.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1, § 97 ZPO.

Dr Sei­den­sti­cker 

Dr. Steck­han 

Dr. Be­cker

Sei­ler 

Dr. Jo­hann­sen

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