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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsübergang: Informationspflichten
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 407/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.08.2008
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 02.02.2006, 19 Ca 6709/05 Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 24.01.2007, 6 Sa 849/06
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 407/07
6 Sa 849/06

Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

21. Au­gust 2008

UR­TEIL

Di­ede­rich, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Au­gust 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Morsch und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hen­ni­ger für Recht er­kannt:
 


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Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 24. Ja­nu­ar 2007 - 6 Sa 849/06 - auf­ge­ho­ben.


Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 2. Fe­bru­ar 2006 - 19 Ca 6709/05 - wird zurück­ge­wie­sen.


Die Be­klag­te hat auch die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob zwi­schen ih­nen über den 1. März 2005 hin­aus ein Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht.

Der Kläger war bei der Be­klag­ten seit 1988 als An­ge­stell­ter im Ver­kauf beschäftigt. Die Be­klag­te ist ein Großhan­dels­un­ter­neh­men für Far­ben, Farb­pro­duk­te, Ta­pe­ten und Tep­pich­wa­ren. Ne­ben die­sem Kern­geschäft be­trieb sie bis En­de Fe­bru­ar 2005 in ge­trenn­ten Geschäftsräum­en ei­nen Ein­zel­han­del für Künst­ler­be­darf, den sog. A Shop. Dort wur­den acht Ar­beit­neh­mer, dar­un­ter der Kläger, beschäftigt.


Mit­te 2004 be­schloss die Be­klag­te we­gen de­fi­zitärer Be­triebs­er­geb­nis­se den Geschäfts­be­reich Künst­ler­be­darf in ei­ne neue GmbH aus­zu­glie­dern und an die­ser ei­nen wei­te­ren Ge­sell­schaf­ter zu be­tei­li­gen. Sie hat­te seit Sep­tem­ber 2004 mit ver­schie­de­nen In­ter­es­sen­ten Kon­takt auf­ge­nom­men. Die A GmbH (ge­nannt „Tu­be“) be­kun­de­te ihr In­ter­es­se, zum 1. Ju­li 2005 die Mehr­heit der künf­ti­gen Geschäfts­an­tei­le an der neu zu gründen­den GmbH zu über­neh­men.


Mit Schrei­ben vom 10. Ja­nu­ar 2005 teil­te die Be­klag­te dem Kläger mit:

„...der A Shop ist nun­mehr seit rd. 1,5 Jah­ren in der E

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ansässig. Wie Sie wis­sen, hat sich nach dem Um­zug der not­wen­di­ge Er­folg bis heu­te lei­der nicht ein­ge­stellt. Die bis­her er­grif­fe­nen Maßnah­men ha­ben nicht die gewünsch­ten und not­wen­di­gen Aus­wir­kun­gen ge­zeigt. In den letz­ten Jah­ren, auch vor dem Um­zug ha­ben wir jähr­lich Rückgänge ver­kraf­ten müssen, die bis heu­te da­zu geführt ha­ben, dass wir jähr­lich er­heb­li­che Ver­lus­te ver­kraf­ten müssen. Trotz­dem se­hen wir für den A Shop wei­ter­hin gu­te Chan­cen und ei­ne ganz kla­re Da­seins­be­rech­ti­gung. Lei­der können wir die­se nicht mehr al­lei­ne und aus ei­ge­ner Kraft rea­li­sie­ren.


Wir ha­ben uns ent­schlos­sen zum 01.02.2005, spätes­tens je­doch zum 01.03.2005, den Be­reich A Shop, Mal- und Zei­chen­be­darf so­wie Künst­ler­ar­ti­kel aus der F GmbH aus­zu­glie­dern und hierfür ei­ne ei­ge­ne GmbH zu gründen. An die­ser neu­en GmbH will sich ei­ne über­re­gio­na­le Fach­han­dels­grup­pe aus dem Mal- und Zei­chen­be­darf be­tei­li­gen. Durch die­se Be­tei­li­gung eröff­nen sich für den A Shop neue Möglich­kei­ten, da die neue GmbH von dem Know How, den Ein­kaufsmöglich­kei­ten und den Kon­tak­ten der Grup­pe nur pro­fi­tie­ren kann.


Die neue GmbH hat u.a. fol­gen­de Vor­tei­le:


- Sie kann, los­gelöst von der F GmbH, ein ei­ge­nes Pro­fil ent­wi­ckeln
- Durch die Be­tei­li­gung er­ge­ben sich
o an­de­re/mehr Wer­be­auf­trit­te
o bes­se­re Ein­kaufs­kon­di­tio­nen
o bes­se­re/straf­fe­re Sor­ti­men­te
o Zu­gang zu Di­rekt­im­por­te
o mehr Know How

Die Gründung der neu­en GmbH ist für Sie mit fol­gen­den Verände­run­gen ver­bun­den:


Ihr Dienst­verhält­nis mit der F GmbH geht mit al­len Rech­ten und Pflich­ten auf die neue GmbH über. Die­se hat auch Ih­nen ge­genüber al­le Rech­te Pflich­ten. D.h., dass der Sta­tus, den Sie heu­te bei der F GmbH ha­ben 1 : 1 auf die neue GmbH über­nom­men wird. Dies ist u.a.


- An­spruch auf Ur­laubs­geld
- An­spruch auf Gra­ti­fi­ka­ti­on
- Ur­laubs­an­spruch
- Fir­men­zu­gehörig­keit
- Es­sens­geld­zuschüsse - Fahr­kar­ten­zuschüsse
 


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- so­wie al­le sons­ti­gen ta­rif­li­chen Ver­ein­ba­ren nach dem Ta­rif­ver­trag für den Ver­band Großhan­del Außen­han­del Ver­la­ge und Dienst­leis­tun­gen Hes­sen e.V.


Im Zu­sam­men­hang mit dem Be­triebs­teilüber­gang sind kei­ne Kündi­gun­gen vor­ge­se­hen. Kündi­gun­gen we­gen des Be­triebs­teilüber­gangs wären zu­dem gemäß § 613a Abs. 4 BGB un­wirk­sam. Auch nach dem Be­triebs­teilüber­gang ge­nießen Sie in der neu­en GmbH den Kündi­gungs­schutz nach dem KSchG.


In der neu­en GmbH wer­den Sie mit Ih­rer bis­he­ri­gen ar­beits­ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen Tätig­keit wei­ter be­traut. Ei­ne Ände­rung Ih­res Ar­beits­ver­tra­ges ist nicht ge­plant.


Ge­gen den Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die neue GmbH können sie in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­gang die­ses Schrei­bens schrift­lich Wi­der­spruch er­he­ben. Der Wi­der­spruch muss in­ner­halb der Mo­nats­frist der F GmbH oder ggfs. der neu­en GmbH zu­ge­hen. Wi­der­spre­chen Sie dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses, ver­bleibt die­ses bei der F GmbH. We­gen des Be­triebs­teilüber­g­an­ges ist je­doch Ihr Ar­beits­platz bei der F GmbH ent­fal­len, so­dass Sie in die­sem Fall mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung rech­nen müssen.


Wir möch­ten an die­ser Stel­le noch ein­mal deut­lich dar­auf hin­wei­sen, dass uns an dem Fort­be­stand des A Shops viel ge­le­gen ist, und wir da­her lan­ge nach Mit­teln und We­gen ge­sucht ha­ben um den Fort­be­stand zu gewähr­leis­ten. Wir sind si­cher, dass wir jetzt den rich­ti­gen Weg ge­fun­den ha­ben.


Bit­te bestäti­gen Sie den Er­halt die­ses Schrei­bens auf der bei­lie­gen­den Ko­pie. Dan­ke ...“

Mit no­ta­ri­el­ler Ur­kun­de vom 22. Fe­bru­ar 2005 gründe­ten die Be­klag­te und die J GmbH ei­ne GmbH mit dem Na­men „J A GmbH“ (im Fol­gen­den: A GmbH). De­ren Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter wur­de am sel­ben Ta­ge beim Amts­ge­richt Frank­furt am Main an­ge­mel­det. Am 1. März 2005 schloss die Be­klag­te mit der „J A GmbH i. G.“ ei­nen „Geschäftsüber­nah­me­ver­trag“, wel­cher - so­weit hier von In­ter­es­se fol­gen­den In­halt hat:


§ 1 All­ge­mei­ner Kauf­ge­gen­stand, Stich­tag
1.1 Die Verkäufe­r­in ver­kauft und überträgt im We­ge des „As­set Deal“ den Geschäfts­be­reich Künst­ler mit den

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in die­sem Ver­trag ge­nann­ten Wirt­schaftsgütern an die Käufe­r­in.


1.2 Die Käufe­r­in über­nimmt aus­sch­ließlich die in die­sem Ver­trag auf­geführ­ten Rech­te und Pflich­ten, je­weils im­mer nur be­zo­gen auf den Geschäfts­be­reich Künst­ler.

1.3 Stich­tag im Sin­ne die­ses Ver­trags ist der 1. März 2005, 00.00 Uhr. Die im Rah­men die­ses Ver­trags ver­kauf­ten und über­tra­ge­nen Ge­genstände und Rech­te ge­hen mit ding­li­cher Wir­kung ab dem Stich-tag auf die Käufe­r­in über.

§ 2 Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung
2.1 Die Verkäufe­r­in ver­kauft und übe­reig­net an die Käufe­r­in die Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung (ein­sch­ließlich der ge­ring­wer­ti­gen) Wirt­schaftsgüter, die sich aus der die­sem Ver­trag bei­gefügten

An­la­ge 1

er­gibt.“


Nach­dem die Be­klag­te und die A GmbH i.G. dem Kläger mit Schrei­ben vom 31. Ja­nu­ar 2005 ei­nen sog. Über­lei­tungs­ver­trag an­ge­bo­ten hat­ten, rich­te­ten die kläge­ri­schen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zwei Schrei­ben an die Be­klag­te.

Im Schrei­ben vom 10. März 2005 heißt es ua.:

„Mir liegt das An­ge­bot für ei­nen Über­lei­tungs­ver­trag vom 01.03.2005 vor.


Be­vor ich mei­nem Man­dan­ten ab­sch­ließend für sei­ne Ent­schei­dung ei­nen Rat ge­ben kann, bit­te ich Sie, mir noch nähe­re Ein­zel­hei­ten zu den Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges mit­zu­tei­len, die mir bis­her noch nicht ganz nach­voll­zieh­bar sind. Ins­be­son­de­re bit­te ich Sie um ei­ne Un­ter­rich­tung gemäß § 613a Abs. 5 BGB.


Ich wer­de nach Er­halt Ih­rer Stel­lung­nah­me auf die Sa­che zurück­kom­men.“

Das Schrei­ben vom 14. März 2005 lau­tet ua.: „...

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zur In­for­ma­ti­on gemäß Ih­rem Schrei­ben vom 10.01.2005 neh­me ich Stel­lung:

In der In­for­ma­ti­on wur­de an­gekündigt, dass zum 01.02.2005, spätes­tens je­doch zum 01.03.2005, ei­ne ei­ge­ne GmbH ge­gründet wird, an der sich ei­ne über-re­gio­na­le Fach­han­dels­grup­pe aus dem Mal- und Zei­chen­be­darf be­tei­li­gen wird.

Bis jetzt ist nicht er­kenn­bar, dass ei­ne sol­che GmbH ge­gründet wur­de. Es ist auch nicht er­kenn­bar, dass ei­ne über­re­gio­na­le Fach­han­dels­grup­pe sich be­tei­ligt. Dies sind we­sent­li­che Be­stand­tei­le der In­for­ma­ti­on vom 10.01.2005, die ich da­mit für über­holt hal­te. Ich bit­te Sie da­zu um Ih­re Stel­lung­nah­me. Um Ih­re Stel­lung­nah­me bit­te ich Sie auch, was un­ter ‚Ver­bund­un­ter­neh­men‘ zu ver­ste­hen ist.


Sch­ließlich se­he ich kei­ne Ver­an­las­sung dafür, dass mei­ne Man­dan­ten ei­nen Über­lei­tungs­ver­trag un­ter-schrei­ben sol­len. Ent­we­der er­gibt sich ein Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses aus dem Ge­setz - Be­triebsüber­gang - oder eben nicht.

Be­vor kei­ne um­fas­sen­de In­for­ma­ti­on vor­liegt und Un­ge­wiss­heit be­steht, wie es mit dem Un­ter­neh­men wei­ter geht, kann ei­ne ab­sch­ließen­de Stel­lung­nah­me nicht ab­ge­ge­ben wer­den. Ins­be­son­de­re kann ich mei­nen Man­dan­ten nicht emp­feh­len, ei­nen Über­lei­tungs­ver­trag zu un­ter­zeich­nen.“


Die Be­klag­te ant­wor­te­te dem Kläger dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 12. Ju­li 2005 wie folgt:

„1. Die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on

Die J A GmbH macht je­den Mo­nat nicht un­er­heb­li­che Ver­lus­te.

Der Fort­be­stand die­ser Ge­sell­schaft wird der­zeit ein­zig durch die Ver­ga­be von Ge­sell­schaf­ter­dar­le­hen gewähr­leis­tet. Die­se Dar­le­hen wer­den im Hin­blick auf den Ver­kauf die­ser Ge­sell­schaft an die ‚Tu­be’ gewährt. Es ist ei­ne In­ves­ti­ti­on, die die Ge­sell­schaf­ter täti­gen, auch wenn die­se mit Ver­lus­ten ver­bun­den ist, um den Fort­be­stand der Ge­sell­schaft vor­erst si­cher­zu­stel­len. Ih­re Ar­beitsplätze wer­den hier­mit eben­falls vor­erst ge­si­chert. Die­se In­ves­ti­tio­nen wer­den die Ge­sell­schaf­ter aber nicht über das Jah­res­en­de 2005 hin­aus täti­gen können.


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2. Rah­men­be­din­gun­gen für ei­ne Über­nah­me

Herr H hat auf o.g. Be­spre­chung auf­ge­zeigt, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er sich mit sei­nen Part­nern ei­ne Über­nah­me der J A GmbH vor­stel­len kann. Herr H hat klar zum Aus­druck ge­bracht, dass ei­ne Sa­nie­rung nur möglich ist, wenn al­le Mit­ar­bei­ter be­reit sind auf ei­nen Teil ih­rer Bezüge zu ver­zich­ten. Wei­ter­hin muss je­der Mit­ar­bei­ter fle­xi­bel sein, da­mit er in al­len Be­rei­chen ein­ge­setzt wer­den kann.

Wel­che kon­kre­ten Er­war­tun­gen Herr H hat, dürfen wir Ih­nen an­bei mit­tei­len.

Herr H hat­te an­ge­spro­chen, dass man über ein Bo­nus­sys­tem nach­denkt. Die­ses Bo­nus­sys­tem würde ein­set­zen, wenn die Ge­sell­schaft wie­der auf Er­folgs­kurs ist. Kon­kre­te Zah­len konn­te er noch nicht nen­nen.“

Die A GmbH er­warb in der Fol­ge­zeit kei­ne Geschäfts­an­tei­le an der A GmbH. Nach­dem die Ge­sell­schaf­ter der A GmbH am 29. Ju­li 2005 die Li­qui­da­ti­on der Ge­sell­schaft be­schlos­sen hat­ten, stell­ten sie am 31. Au­gust 2005 An­trag auf Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens. Die­ses wur­de am 1. No­vem­ber 2005 über das Vermögen der mitt­ler­wei­le als „D GmbH i.L.“ fir­mie­ren­den In­sol­venz­schuld­ne­rin eröff­net.


Be­reits mit zwei Schrei­ben vom 15. Ju­li 2005 hat­ten die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers der Be­klag­ten und der A GmbH mit­ge­teilt:


„... ich be­zie­he mich auf das Schrei­ben der J A GmbH an mei­nen Man­dan­ten vom 12.07.2005 und die di­ver­sen Gespräche mit Ih­ren Mit­ar­bei­tern, zu­letzt heu­te, mit der An­dro­hung der In­sol­venz:

Da­nach ist jetzt kon­kret zu befürch­ten, dass die J A GmbH zum Jah­res­en­de li­qui­diert wird. Mit Hin­blick auf die­se neue Si­tua­ti­on und neue In­for­ma­ti­on erkläre ich für mei­nen Man­dan­ten:

Ich bin nach wie vor der Auf­fas­sung, dass das Ar­beits­verhält­nis von der Fir­ma F GmbH noch nicht auf die J A GmbH über­ge­gan­gen ist. Auf je­den Fall wi­der­spre­che ich für mei­nen Man­dan­ten dem Be­triebsüber­gang und ver­lan­ge wei­ter Beschäfti­gung bei der F GmbH wie bis­her.“
 


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Die A GmbH i.L. kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger mit Schrei­ben vom 29. Ju­li 2005 „or­dent­lich zum nächstmögli­chen Ter­min“. Mit Schrei­ben vom 11. Au­gust 2005 kündig­te sie dann „vor­sorg­lich or­dent­lich noch­mals zum nächstmögli­chen Ter­min“ und gab als sol­chen den 31. März 2006 an.


Der Kläger hat zunächst das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs be­strit­ten und vor­sorg­lich gel­tend ge­macht, dass das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 10. Ja­nu­ar 2005 kei­ne ord­nungs­gemäße Un­ter­rich­tung gemäß § 613a Abs. 5 BGB über den be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­teilüber­gang dar­stel­le. Auch wenn ein Be­triebs­teilüber­gang zu­stan­de ge­kom­men sein soll­te, hätte er am 15. Ju­li 2005 noch recht­zei­tig dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH wi­der­spro­chen. Es sei da­von aus­zu­ge­hen, dass er so­wohl mit der Be­klag­ten als auch mit der A GmbH in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­he.


Der Kläger hat be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass zwi­schen ihm und der Be­klag­ten ein Ar­beits­verhält­nis zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen über den 1. März 2005 hin­aus fort­be­steht.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. 

Sie macht gel­tend, es ha­be ein Be­triebs­teilüber­gang auf die A GmbH statt­ge­fun­den. Über die­sen ha­be sie den Kläger ent­spre­chend den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ord­nungs­gemäß un­ter­rich­tet ge­habt, so dass sein Wi­der­spruch nach § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB ver­spätet ge­we­sen sei. Außer­dem sei die Kla­ge un­schlüssig, weil der Kläger gleich­zei­tig mit sei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge ge­gen die Be­klag­te ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen die von der A GmbH i.L. aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen er­ho­ben ha­be.

Das Ar­beits­ge­richt hat durch Teil­ur­teil der ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Fest­stel­lungs­kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten die Kla­ge ab­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Mit die­ser er­strebt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung der ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung. Da­bei greift er aus­drück­lich die Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs-
 


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ge­richts zum Vor­lie­gen ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs nicht an. Die Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.

Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on des Klägers ist zulässig und be­gründet. Da wei­ter­hin ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten be­steht, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen.

A. Die­ses hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet. 

I. Die Fest­stel­lungs­kla­ge sei nicht un­schlüssig. Sei strei­tig, ob das Ar­beits­verhält­nis zum Be­triebs­veräußerer (fort)be­ste­he oder auf ei­nen Be­triebs­er­wer­ber über­ge­gan­gen sei, so könne der Ar­beit­neh­mer ge­gen den kündi­gen­den Ar­beit­ge­ber vor­ge­hen und gleich­zei­tig ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge ge­gen den an­de­ren mögli­chen Ar­beit­ge­ber er­he­ben. Der Ar­beit­neh­mer könne nicht auf die Möglich­keit ver­wie­sen wer­den, die Pro­zes­se nach­ein­an­der zu führen. Er ris­kie­re im Fal­le der nach­ran­gi­gen Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge - auch un­ter Berück­sich­ti­gung der Möglich­keit ei­ner nachträgli­chen Kla­ge­zu­las­sung - die Kla­ge­ab­wei­sung we­gen Nicht­ein­hal­tung der Kla­ge­frist nach dem KSchG. Bei der nach­ran­gi­gen Er­he­bung der all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge ge­gen den wei­ter in An­spruch ge­nom­me­nen Ar­beit­ge­ber ris­kie­re er die Ab­wei­sung der Kla­ge we­gen Ver­wir­kung.

II. Es ha­be ei­nen Be­triebsüber­gang auf die In­sol­venz­schuld­ne­rin, die ehe­ma­li­ge J A GmbH (A GmbH), jetzt D GmbH i.L., statt­ge­fun­den. Die­se ha­be die we­sent­li­chen ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel über­nom­men, die zu­vor schon bei der Be­klag­ten ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Un­ter­glie­de­rung zu­ge­ord­net ge­we­sen sei­en. Wei­ter sei sie in die be­ste­hen­den Kun­den­be­zie­hun­gen ein­ge­tre­ten und ha­be die dem A Shop an­gehören­den Ar­beit­neh­mer über­nom­men. Letzt­lich ha­be der Kläger auch nicht sub­stan­ti­iert be­strit­ten, dass der A Shop ab dem 1. März 2005 von der A GmbH fort­geführt wor­den sei.
 


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III. Der Wi­der­spruch des Klägers mit Schrei­ben vom 15. Ju­li 2005 ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses sei nicht in­ner­halb der Mo­nats­frist des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB erklärt wor­den und da­mit ver­spätet. Die Un­ter­rich­tung durch die Be­klag­te vom 10. Ja­nu­ar 2005 über den Be­triebsüber­gang ha­be den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB genügt und da­mit die Wi­der­spruchs­frist in Lauf ge­setzt.


B. Die­se Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hal­ten ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die er­ho­be­ne Fest­stel­lungs­kla­ge nicht des­halb un­schlüssig ist, weil der Kläger zeit­gleich ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen die von der A GmbH aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen er­ho­ben hat.

Der Kläger hat sich dar­auf be­ru­fen, er ha­be nach dem 1. März 2005 so­wohl mit der Be­klag­ten als auch mit der A GmbH in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den, so dass zum Zeit­punkt des Aus­spru­ches der Kündi­gun­gen durch die A GmbH auch mit die­ser ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den ha­be. So­mit macht der Kläger mit sei­nen Kla­ge­anträgen die Fest­stel­lung der von ihm be­haup­te­ten Rechts­la­ge gel­tend, nämlich die Fest­stel­lung, dass zwi­schen ihm und der Be­klag­ten über den 1. März 2005 hin­aus ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den ha­be und dass sein da­ne­ben mit der A GmbH be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis durch de­ren Kündi­gun­gen vom 29. Ju­li 2005 und 11. Au­gust 2005 nicht auf­gelöst wor­den sei, son­dern fort­be­ste­he.

Da der Kläger sich auf den Be­stand zwei­er Ar­beits­verhält­nis­se mit bei­den be­klag­ten Par­tei­en be­ruft, sind sei­ne Kla­gen nicht un­schlüssig. Wenn sich im Rah­men der Be­gründet­heits­prüfung er­ge­ben soll­te, dass nur zu ei­ner oder kei­ner Par­tei ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat, wären die Kla­gen dem-ent­spre­chend als un­be­gründet ab­zu­wei­sen.

II. Un­zu­tref­fend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt je­doch an­ge­nom­men, der Kläger ha­be dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 613a Abs. 1
 


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BGB im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs auf die A GmbH nicht recht­zei­tig wi­der­spro­chen.

1. Für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kann da­hin­ste­hen, ob ein sol­cher Be­triebs­teilüber­gang statt­ge­fun­den hat. Von ei­nem sol­chen geht ne­ben dem Be­ru­fungs­ge­richt und der Be­klag­ten mitt­ler­wei­le auch der Kläger aus, wie sich dar­aus er­gibt, dass er in sei­ner Re­vi­si­ons­be­gründung erklärt hat, er wol­le die dies­bezügli­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht an­grei­fen.

2. Wenn am 1. März 2005 kein Be­triebs­teilüber­gang bezüglich des Be­triebs­tei­les „A Shop“, in dem der Kläger beschäftigt war, von der Be­klag­ten auf die A GmbH statt­ge­fun­den hat, ist die Kla­ge be­reits des­halb be­gründet, weil dann das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en über den 31. März 2005 hin­aus fort­be­stan­den hat.

3. Hat hin­ge­gen der Be­triebs­teilüber­gang statt­ge­fun­den, ist das Ar­beits­verhält­nis des Klägers des­halb nicht auf die A GmbH über­ge­gan­gen, weil er die­sem Über­gang nach § 613a Abs. 6 BGB wirk­sam wi­der­spro­chen hat.

a) Der mit Schrei­ben vom 15. Ju­li 2005 ge­genüber der Be­klag­ten und der A GmbH erklärte Wi­der­spruch des Klägers ge­gen den „Be­triebsüber­gang“ war nicht ver­spätet. Zwar war er nicht in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­gang der Un­ter­rich­tung vom 10. Ja­nu­ar 2005 über den be­ab­sich­tig­ten Be­triebs­teilüber-gang er­folgt, § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB, je­doch hat­te die Mo­nats­frist noch nicht zu lau­fen be­gon­nen, weil die Un­ter­rich­tung des Klägers durch die Be­klag­te feh­ler­haft war.

Nur auf Grund ei­ner ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung be­ginnt die Wi­der­spruchs­frist zu lau­fen. We­der durch ei­ne un­ter­blie­be­ne noch durch ei­ne nicht ord­nungs­gemäße Un­ter­rich­tung wird die­se Frist in Gang ge­setzt (st. Rspr., vgl. Se­nat 13. Ju­li 2006 - 8 AZR 305/05 - BA­GE 119, 91 = AP BGB § 613a Nr. 312 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 56). Dies folgt zum ei­nen aus dem Wort­laut des § 613a Abs. 6 BGB, wo­nach der Ar­beit­neh­mer dem Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses in­ner­halb ei­nes Mo­nats „nach Zu­gang der Un­ter­rich­tung nach Ab­satz 5“ wi­der­spre­chen kann. Da­mit setzt § 613a Abs. 6 BGB ei­ne den

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An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB genügen­de Un­ter­rich­tung vor­aus. Zum an­de­ren er­gibt sich dies auch zwin­gend aus dem Sinn und Zweck der in § 613a Abs. 5 BGB ge­re­gel­ten Un­ter­rich­tungs­pflicht. Da­nach ha­ben Veräußerer und/oder Er­wer­ber den Ar­beit­neh­mer so zu in­for­mie­ren, dass die­ser sich über die Per­son des Über­neh­mers und über die in § 613a Abs. 5 BGB ge­nann­ten Umstände ein Bild ma­chen kann. Er soll durch die Un­ter­rich­tung ei­ne aus-rei­chen­de Wis­sens­grund­la­ge für die Ausübung oder Nicht­ausübung sei­nes Wi­der­spruchs­rech­tes er­hal­ten (Se­nat 13. Ju­li 2006 - 8 AZR 305/05 - aaO).

b) Die Be­klag­te hat den Kläger nicht ord­nungs­gemäß über den Be­triebs­teilüber­gang un­ter­rich­tet.

Die er­teil­ten In­for­ma­tio­nen müssen zu­tref­fend sein. Ihr In­halt rich­tet sich nach dem Kennt­nis­stand des Veräußerers und des Er­wer­bers zum Zeit­punkt der Un­ter­rich­tung. Ob die er­teil­te Un­ter­rich­tung den Vor­ga­ben des § 613a Abs. 5 BGB ent­spro­chen hat, un­ter­liegt der ge­richt­li­chen Über­prüfung (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - AP BGB § 613a Nr. 318 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 63).

Ent­spricht ei­ne Un­ter­rich­tung zunächst for­mal den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB und ist sie nicht of­fen­sicht­lich feh­ler­haft, so ist es Sa­che des Ar­beit­neh­mers, ei­nen Man­gel näher dar­zu­le­gen, wenn er die un­zu­rei­chen­de oder feh­ler­haf­te In­for­ma­ti­on über den ge­plan­ten Be­triebsüber­gang rügt. Hier­zu ist er im Rah­men ei­ner ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs- und Be­weis­last nach § 138 Abs. 3 ZPO ver­pflich­tet. Die Un­ter­rich­tungs­ver­pflich­te­ten müssen so­dann die Einwände des Ar­beit­neh­mers mit­tels ent­spre­chen­der Dar­le­gun­gen und Be­weis­an­trit­te ent­kräften (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - aaO).

Die schrift­li­che Un­ter­rich­tung des Klägers durch die Be­klag­te über den Be­triebs­teilüber­gang des A Shop genügt be­reits den for­ma­len An­for­de­run­gen nicht, wel­che § 613a Abs. 5 BGB an ei­ne Un­ter­rich­tung stellt. Aus die­sem Grun­de ist es auch nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, ob der Kläger die­sen Man­gel in den Vor­in­stan­zen be­reits aus­drück­lich gerügt hat­te.

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Ob­wohl in § 613a Abs. 5 BGB nicht aus­drück­lich erwähnt, gehört zu ei­ner Un­ter­rich­tung über ei­nen Be­triebsüber­gang und da­mit über den Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nes Ar­beit­neh­mers, dass die­sem ein­deu­tig mit­ge­teilt wird, auf wen der Be­trieb über­ge­hen soll und wer da­mit sein neu­er Ar­beit­ge­ber wird. Des­halb ist der Ar­beit­neh­mer über die Iden­tität des Be­triebsüber­neh­mers zu in­for­mie­ren, was die An­ga­be des Na­mens oder der Fir­ma (§ 17 Abs. 1 HGB) des Er­wer­bers nebst An­schrift er­for­dert (Se­nat 13. Ju­li 2006 - 8 AZR 305/05 - BA­GE 119, 91 = AP BGB § 613a Nr. 312 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 56). Be­reits dar­an fehlt es im Un­ter­rich­tungs­schrei­ben der Be­klag­ten vom 10. Ja­nu­ar 2005. Die­se hat le­dig­lich mit­ge­teilt, dass sie sich ent­schlos­sen ha­be, zum 1. Fe­bru­ar 2005, spätes­tens je­doch zum 1. März 2005, den Be­reich A Shop, Mal- und Zei­chen­be­darf so­wie Künst­ler­ar­ti­kel aus der F GmbH aus­zu­glie­dern und hierfür „ei­ne ei­ge­ne GmbH“ zu gründen. Wei­ter hat die Be­klag­te aus­geführt: „Ihr Dienst­verhält­nis mit der F GmbH geht mit al­len Rech­ten und Pflich­ten auf die neue GmbH über“. Des Wei­te­ren hat sie den Kläger auf die Möglich­keit ei­nes Wi­der­spru­ches ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die „neue GmbH“ hin­ge­wie­sen so­wie dar­auf, dass die­ser in­ner­halb von ei­nem Mo­nat der „F GmbH oder ggfs. der neu­en GmbH“ zu­ge­hen müsse.

Um wen es sich bei die­ser im Un­ter­rich­tungs­schrei­ben mehr­fach erwähn­ten „neu­en GmbH“ han­delt, hat die Be­klag­te dem Kläger nicht mit­ge­teilt. Es fehlt so­mit an der kon­kre­ten Be­zeich­nung des Be­triebs­er­wer­bers.

Auch nach­dem die A GmbH am 22. Fe­bru­ar 2005 ge­gründet wor­den war, ha­ben we­der die Be­klag­te noch die A GmbH den Kläger über die Iden­tität die­ser als Be­triebs­er­wer­be­rin vor­ge­se­he­nen Ge­sell­schaft förm­lich (§ 613a Abs. 5 BGB) un­ter­rich­tet.

Ob der dem Kläger zu­ge­lei­te­te Ent­wurf ei­nes Über­lei­tungs­ver­tra­ges zwi­schen der Be­klag­ten und dem Kläger ei­ne ein­deu­ti­ge Be­nen­nung des neu­en Ar­beit­ge­bers, auf den das Ar­beits­verhält­nis „über­ge­lei­tet“ wer­den soll­te, enthält, kann da­hin­ste­hen. Durch die Über­mitt­lung des Über­lei­tungs­ver­tra­ges wur­de für den Kläger der Ein­druck ver­mit­telt, sein Ar­beits­verhält­nis sol­le mit­tels ei­ner Ände­rung des mit der Be­klag­ten be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges mit ei­nem

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an­de­ren Ar­beit­ge­ber wei­ter­geführt wer­den und nicht im We­ge ei­nes Be­triebs­teilüber­g­an­ges nach § 613a Abs. 1 BGB auf die­sen neu­en Ar­beit­ge­ber über-ge­hen. Da­mit stell­te die Über­mitt­lung des Ver­trags­ent­wurfs kei­ne Un­ter­rich­tung iSd. § 613a Abs. 5 BGB über die Per­son ei­nes Be­triebs­er­wer­bers nach § 613a Abs. 1 BGB dar.


Dass der Kläger ab dem 1. März 2005 sei­ne Ar­beits­vergütung von der A GmbH be­zo­gen und für die­se sei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht hat, er­setzt nicht ei­ne ord­nungs­gemäße Un­ter­rich­tung iSd. § 613a Abs. 5 BGB durch die Be­klag­te bzw. die A GmbH über die Iden­tität des Be­triebs­er­wer­bers nach § 613a Abs. 1 BGB.


c) Ab­ge­se­hen von der un­zuläng­li­chen Un­ter­rich­tung über die Per­son des Be­triebs­er­wer­bers, fehlt es auch an ei­ner In­for­ma­ti­on, wie sich nach § 613a Abs. 2 BGB die Haf­tung für die Ver­pflich­tun­gen ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer zwi­schen dem al­ten und dem neu­en Be­triebs­in­ha­ber auf­teilt. Zu den recht­li­chen Fol­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs, über die der Ar­beit­neh­mer gem. § 613a Abs. 5 Nr. 3 BGB zu un­ter­rich­ten ist, gehört auch die Ge­samt­schuld­ner­schaft des Über­neh­mers und des Veräußerers so­wie de­ren an­tei­li­ge Haf­tung nach § 613a Abs. 2 BGB (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - AP BGB § 613a Nr. 318 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 63).


d) Der Wi­der­spruch des Klägers mit Schrei­ben vom 15. Ju­li 2005 genügt dem Schrift­for­mer­for­der­nis des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB. Er ist auch ge­genüber den rich­ti­gen Adres­sa­ten (§ 613a Abs. 6 Satz 2 BGB) erklärt wor­den.

e) Das Recht des Klägers, den Wi­der­spruch zu erklären, war nicht ver­wirkt.

aa) Dass das Wi­der­spruchs­recht nach § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB schon von Ge­set­zes we­gen an ei­ne Frist ge­bun­den ist, schließt die An­wen­dung der all­ge­mei­nen Grundsätze über die Ver­wir­kung nicht aus (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - AP BGB § 613a Nr. 318 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 63). Mit der Ver­wir­kung, ei­nem Son­der­fall der un­zulässi­gen Rechts­ausübung, wird die il­loy­al ver­späte­te Gel­tend­ma­chung von Rech­ten aus-
 


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ge­schlos­sen (§ 242 BGB). Sie dient dem Ver­trau­ens­schutz des Schuld­ners. Ein sol­ches Ver­trau­en kann sich bil­den, wenn der Gläubi­ger länge­re Zeit sei­ne Rech­te nicht gel­tend macht (Zeit­mo­ment). Da­bei muss der Be­rech­tig­te un­ter Umständen untätig ge­blie­ben sein, wel­che den Ein­druck er­weckt ha­ben, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den (Um­stands­mo­ment). Das Er­for­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes auf Sei­ten des Ver­pflich­te­ten muss das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass dem Ver­pflich­te­ten die Erfüllung des An­spru­ches nicht mehr zu­zu­mu­ten ist (Se­nat 14. De­zem­ber 2006 - 8 AZR 763/05 - aaO).

bb) Der Kläger hat außer der Wei­ter­ar­beit bei der A GmbH kei­ne Umstände ge­setzt, wel­che ein Ver­trau­en der Be­klag­ten auf die Nicht­ausübung des Wi­der­spruchs­rech­tes hätten recht­fer­ti­gen können. Al­lein aus der wi­der­spruchs­lo­sen Ver­trags­fortführung mit der A GmbH kann das für die An­nah­me ei­ner Ver­wir­kung er­for­der­li­che Um­stands­mo­ment nicht her­ge­lei­tet wer­den. Es fehlt an ei­ner be­son­de­ren ver­trau­ens­be­gründen­den Ver­hal­tens­wei­se des Klägers. Würde al­lein die wi­der­spruchs­lo­se Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Be­triebs­er­wer­ber das sog. Um­stands­mo­ment erfüllen, so würde das Ziel, nicht ord­nungs­gemäß un­ter­rich­te­ten Ar­beit­neh­mern das Wi­der­spruchs­recht zu er­hal­ten, un­ter­lau­fen (Se­nat 24. Ju­li 2008 - 8 AZR 73/07 - mwN).

Im Streit­fal­le spricht wei­ter ge­gen die An­nah­me ei­nes Um­stands­mo­men­tes, dass die Be­klag­te be­reits auf Grund der Schrei­ben der kläge­ri­schen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 10. und 14. März 2005 wuss­te, dass der Kläger bezüglich des Be­triebsüber­g­an­ges noch wei­te­re In­for­ma­tio­nen von der Be­klag­ten wünsch­te, weil er die bis­he­ri­ge Un­ter­rich­tung nicht für aus­rei­chend hielt.

Nach­dem die Be­klag­te ei­ne Stel­lung­nah­me zu die­sen Schrei­ben erst mit Schrei­ben vom 12. Ju­li 2005 ab­ge­ge­ben hat­te, durf­te sie am 15. Ju­li 2005, dem Zeit­punkt der Erklärung des Wi­der­spru­ches durch den Kläger, noch nicht an­neh­men, die­ser ge­be sich mit den bis­her er­teil­ten In­for­ma­tio­nen zu­frie­den und ak­zep­tie­re den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH.

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4. Läge dem­nach der - an sich von den Par­tei­en nicht mehr be­strit­te­ne - Be­triebs­teilüber­gang vor, so würde der am 15. Ju­li 2005 wirk­sam erklärte Wi­der­spruch des Klägers auf den Zeit­punkt des Be­triebs­teilüber­g­an­ges zurück­wir­ken (Se­nat 24. Ju­li 2008 - 8 AZR 755/07 -). Dies hätte zur Fol­ge, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers dann mit der Be­klag­ten über den 1. März 2005 hin­aus zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­stan­den hätte.

C. Die Be­klag­te hat nach §§ 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO auch die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Be­ru­fung und der er­folg­rei­chen Re­vi­si­on des Klägers zu tra­gen.

Hauck 

Böck 

Laux

Morsch 

An­dre­as Hen­ni­ger

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