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In­for­ma­ti­ons­pflich­ten beim Be­triebs­über­gang: Be­zeich­nung des Er­wer­bers als „neue GmbH“ ge­nügt nicht.

Soll der Be­trieb auf ei­ne in Grün­dung be­find­li­che GmbH über­tra­gen wer­den, ist die­se mit ih­rem Na­men und als GmbH in Grün­dung an­zu­ge­ben: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.08.2008, 8 AZR 407/07

26.09.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nen Be­trieb oder Be­triebs­teil im We­ge des Be­triebs(teil)über­gangs auf ei­ne neu zu grün­den­de GmbH aus­glie­dern, bleibt oft nicht die Zeit, die Ein­tra­gung der neu­en GmbH in das Han­dels­re­gis­ter ab­war­ten, um erst da­nach mit ei­ner Über­gangs­in­for­ma­ti­on ge­mäß § 613a Abs.5 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) an sei­ne Ar­beit­neh­mer her­an­zu­tre­ten.

Trotz­dem muss der Ar­beit­ge­ber die In­for­ma­ti­ons­rech­te der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­ach­ten. Die Mit­tei­lung an die Ar­beit­neh­mer, ih­re Ar­beits­ver­hält­nis­se wür­den auf ei­ne "neue GmbH" über­ge­hen, ge­nügt da­bei nicht.

Zu­läs­sig wä­re es da­ge­gen, den Ar­beit­neh­mern ei­ne GmbH „in Grün­dung (i.G.)“ mit be­reits exis­tie­ren­der Na­mens­be­zeich­nung (Fir­ma) zu be­nen­nen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.08.2008, 8 AZR 407/07.

Wie muss die Information über einen Betriebsübergang aussehen, wenn der Erwerber eine GmbH ist, die gerade gegründet wird?

Wird ein Be­trieb oder ein Be­triebs­teil ver­kauft, ge­hen die Ar­beits­verhält­nis­se der da­von be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gemäß § 613a Abs.1 Satz 1 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) kraft Ge­set­zes, d.h. au­to­ma­tisch auf den Er­wer­ber über. Die von ei­nem sol­chen Be­triebsüber­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer können die­se Rechts­fol­ge ver­hin­dern, in­dem sie dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses wi­der­spre­chen.

Der Wi­der­spruch muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach ord­nungs­gemäßer Un­ter­rich­tung durch den bis­he­ri­gen oder neu­en Ar­beit­ge­ber über den ge­plan­ten Be­triebsüber­gang erklärt wer­den (§ 613a Abs.6 BGB).

We­sent­lich für den Lauf der Wi­der­spruchs­frist ist die den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­chen­de In­for­ma­ti­on der Ar­beit­neh­mer. Die­se müssen über den Zeit­punkt des Über­gangs, über sei­nen Grund, über die recht­li­chen, wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Fol­gen des Über­gangs für die Ar­beit­neh­mer und über die hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer in Aus­sicht ge­nom­me­nen Maßnah­men un­ter­rich­tet wer­den (§ 613a Abs.5 BGB).

Un­ter an­de­rem muss die er­teil­te In­for­ma­ti­on so ge­stal­tet sein, dass sich die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ein ab­sch­ließen­des Bild vom Er­wer­ber ma­chen können. Nur so können sie ei­nen ra­tio­na­le Ent­schei­dung darüber tref­fen, ob sie dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses wi­der­spre­chen möch­ten oder nicht.

Nach­dem die Ar­beits­ge­rich­te lan­ge Zeit eher ge­rin­ge An­for­de­run­gen an die den Ar­beit­neh­mern zu er­tei­len­den In­for­ma­tio­nen stell­ten, ist in letz­ter Zeit zu be­ob­ach­ten, dass die In­for­ma­ti­ons­pflich­ten zu­neh­mend stren­ger „durch­buch­sta­biert“ wer­den. +

Zu­letzt ver­trat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München im Fall des Be­triebsüber­gangs von Sie­mens auf BenQ-Mo­bi­le die An­sicht, dass es zu den zwin­gend zu er­tei­len­den In­for­ma­tio­nen über die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Er­wer­bers gehöre, wenn we­sent­li­che Be­triebs­mit­tel in Form von Li­zen­zen und Pa­ten­ten nicht auf den Er­wer­ber, son­dern auf des­sen recht­lich selbständi­ge Kon­zern­mut­ter über­tra­gen wer­den.

Über wel­che Tat­sa­chen ge­nau der Ar­beit­ge­ber zu un­ter­rich­ten und wie ge­nau dies zu er­fol­gen hat, ist im Ein­zel­fall oft un­klar. Mit Ur­teil vom 21.08.2008 (8 AZR 407/07 – Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) 65/08) hat das BAG darüber ent­schie­den, wie kon­kret der Er­wer­ber ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils in dem Un­ter­rich­tungs­schrei­ben zu be­nen­nen ist.

Der Streitfall: Verlustreicher Betriebsteil soll abgespalten und auf eine "neue GmbH" übertragen werden

Die Par­tei­en strit­ten zunächst vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main darüber, ob zwi­schen ih­nen über ei­nen von dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber be­haup­te­ten Be­triebsüber­gang am 01.03.2005 hin­aus ein Ar­beits­verhält­nis be­stand.

Die Be­klag­te, die E., be­trieb ei­nen Großhan­del für Far­ben, Farb­pro­duk­te, Ta­pe­ten und Tep­pich­wa­ren so­wie da­ne­ben ei­nen Ein­zel­han­del für Künst­ler­be­darf.

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war in die­sem Geschäfts­be­reich als Ver­kaufs­an­ge­stell­ter beschäftigt. Nach­dem De­fi­zi­te auf­ge­tre­ten wa­ren, be­schloss die Be­klag­te, den Geschäfts­be­reich Künst­ler­be­darf als se­pa­ra­te Rechts­ein­heit un­ter der Be­tei­li­gung ei­nes wei­te­ren Ge­sell­schaf­ters, der A., aus­zu­glie­dern und in­for­mier­te die Beschäftig­ten mit ei­nem Schrei­ben vom Ja­nu­ar 2005, in dem es hieß:

Wir ha­ben uns ent­schlos­sen zum 01.02.2005, spätes­tens zum 01.03.2005, den Be­reich (..) aus­zu­glie­dern und hierfür ei­ne ei­ge­ne GmbH zu gründen. An die­ser neu­en GmbH will sich ei­ne über­re­gio­na­le Fach­han­dels­grup­pe aus dem Mal- und Zei­chen­be­darf be­tei­li­gen. (...) Die Gründung der neu­en GmbH ist für Sie mit fol­gen­den Verände­run­gen ver­bun­den:

Ihr Dienst­verhält­nis mit der E. geht mit al­len Rech­ten und Pflich­ten auf die neue GmbH über. (...)

Die A. er­warb in der Fol­ge kei­ne Geschäfts­an­tei­le an der ge­gründe­ten „neu­en GmbH“, der G.. Statt des­sen be­schlos­sen die Ge­sell­schaf­ter knapp fünf Mo­na­te nach dem an­geb­li­chen Be­triebsüber­gang die Li­qui­da­ti­on der G. und be­an­trag­ten in der Fol­ge die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens, das An­fang No­vem­ber 2005 eröff­net wur­de.

Der Kläger hat­te be­reits das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs an sich be­strit­ten und da­ne­ben vor­sorg­lich gel­tend ge­macht, die Mit­tei­lung über ei­nen et­wai­gen Be­triebsüber­gang sei nicht vollständig, d.h. den An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB ent­spre­chend ge­we­sen. Da der Wa­ren­be­stand der Be­klag­ten nicht auf die G. über­tra­gen wor­den sei, han­de­le es sich um ei­nen völlig an­de­ren Geschäfts­ge­gen­stand, mit dem die G. be­fasst sei.

Je­den­falls ha­be die Be­klag­te mit der vor­ge­nom­me­nen Un­ter­rich­tung über die tatsächli­che Si­tua­ti­on getäuscht, in­dem sie den An­schein er­weckt ha­be, das En­ga­ge­ment des In­ves­tors A. sei be­schlos­se­ne Sa­che und nicht le­dig­lich ge­plant. Die Be­klag­te war der An­sicht, die Ei­gentümer­stel­lung hin­sicht­lich ei­nes Wa­ren­la­gers sei kei­nes­wegs prägend für die Geschäfte der G., son­dern der Han­del mit Wa­ren des Künst­ler­be­darfs. Die Un­ter­rich­tung sei da­her vollständig und ha­be auch ein­deu­tig zum Aus­druck ge­bracht, dass die Be­tei­li­gung der A. zum Zeit­punkt der In­for­ma­ti­on noch nicht ab­sch­ließend ge­si­chert war.

Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main gab der Kla­ge statt und stell­te fest, dass das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten fort­be­ste­he (Ur­teil vom 02.02.2006, 19 Ca 6709/05). Das Ar­beits­ge­richt un­ter­stell­te ei­nen Be­triebsüber­gang, nahm je­doch an, die Un­ter­rich­tung genüge den An­for­de­run­gen gemäß § 613a Abs. 5 BGB nicht.

Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt gab der Be­ru­fung der Be­klag­ten statt (Ur­teil vom 24.01.2007, 6 Sa 849/06). Das LAG nahm wie das Ar­beits­ge­richt ei­nen Be­triebsüber­gang an, doch hielt es die von der Ar­beit­ge­be­rin er­teil­te In­for­ma­ti­on im Ge­gen­satz zum Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main für ge­set­zes­kon­form und da­mit den Wi­der­spruch des Klägers ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses für un­wirk­sam, da die­ser ver­spätet er­folgt sei.

BAG: Information der Arbeitnehmer über einen Übergang auf eine "neue GmbH" genügt nicht

Das BAG hat zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers ent­schie­den, und zwar aus ei­nem Ge­sichts­punkt her­aus, den bei­de Vor­in­stan­zen für un­er­heb­lich er­ach­tet hat­ten.

Zwar hielt be­reits das Ar­beits­ge­richt die In­for­ma­tio­nen für un­zu­rei­chend (und da­mit den Wi­der­spruch des Klägers für frist­ge­recht), doch stell­te es da­bei dar­auf ab, dass die Iden­tität des po­ten­ti­el­len Er­wer­bers von Geschäfts­an­tei­len an der G., d.h. die Iden­tität des po­ten­ti­el­len In­ves­tors A., nicht mit­ge­teilt wor­den sei.

Das BAG hin­ge­gen stell­te dar­auf ab, dass die Be­klag­te ih­re Ar­beit­neh­mer nur un­zu­rei­chend über die Per­son des Be­triebsüber­neh­mers selbst, d.h. der zu gründen­den GmbH in­for­miert ha­be. Es genüge nicht, dass die Be­klag­te le­dig­lich ei­ne zu gründen­de „neue GmbH“ als Er­wer­be­rin be­nannt ha­be.

Dem Ur­teil des BAG ist zu­zu­stim­men. Will ein Ar­beit­neh­mer be­ur­tei­len, ob er ei­nen Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu­las­sen will oder nicht, muss er zu­erst ein­mal wis­sen, um wen es sich bei dem Be­triebs­er­wer­ber han­delt.

Auch ei­ne be­reits ge­gründe­te, aber noch nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne GmbH hat ei­ne im Ge­sell­schafts­ver­trag bzw. in der Sat­zung be­stimm­te Be­zeich­nung (Fir­ma), die den vom Be­triebsüber­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern mit­ge­teilt wer­den kann, natürlich mit dem Hin­weis, dass es sich um ei­ne GmbH „in Gründung (i.G.)“ han­delt. Die durch die Re­gis­ter­ein­tra­gung be­ding­ten Verzöge­run­gen können da­her nicht als Recht­fer­ti­gung für der­art va­ge An­ga­ben her­hal­ten, wie sie im vor­lie­gen­den Fall ge­macht wur­den.

Und falls zum Zeit­punkt der an die Ar­beit­neh­mer her­aus­ge­hen­den In­for­ma­tio­nen über den ge­plan­ten Be­triebsüber­gang der ers­te Schritt der GmbH-Gründung, d.h. der Ab­schluss des Ge­sell­schafts­ver­trags bzw. die Er­rich­tung der Sat­zung, noch nicht voll­zo­gen sein soll­te, mag der Ar­beit­ge­ber die­sen ers­ten not­wen­di­gen Schritt - samt Na­mens­ge­bung - erst ein­mal un­ter­neh­men, be­vor er sich mit ei­ner Be­triebsüber­g­angs­in­for­ma­ti­on an sei­ne Ar­beit­neh­mer wen­det.

Fa­zit: Der Ar­beit­ge­ber muss, wenn er ei­nen Be­triebs­teil auf ei­ne recht­lich selbstständi­ge Ge­sell­schaft aus­glie­dern will, zwar nicht un­be­dingt de­ren Ein­tra­gung ab­war­ten, um erst da­nach mit ei­ner auf den Über­gang be­zo­ge­nen In­for­ma­ti­on an die Ar­beit­neh­mer her­an­zu­tre­ten. Zu­min­dest aber muss ei­ne GmbH „in Gründung“, d.h. ei­ne GmbH mit be­stimm­ter Fir­ma exis­tie­ren.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe im Voll­text fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. September 2016

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