Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Insolvenzverschleppung, Schadensersatz
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 16 Sa 1581/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 10.05.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Darmstadt, Urteil vom 25.06.2009, 7 Ca 286/08
   

Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt


Ak­ten­zei­chen: 16 Sa 1581/09

(Ar­beits­ge­richt Darm­stadt: 7 Ca 286/08)  

Verkündet am:

10. Mai 2010

gez.
An­ge­stell­te

 

Im Na­men des Vol­kes


Ur­teil

In dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren


Kläger und

Be­ru­fungskläger

Pro­zess­be­vollmäch­tigt.:

ge­gen

Be­klag­ter und

Be­ru­fungs­be­klag­ter

Pro­zess­be­vollmäch­tigt.:

hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt, Kam­mer 16,

auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 10. Mai 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­den
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter
als Bei­sit­zer
für Recht er­kannt:


Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 25. Ju­ni 2009 – 7 Ca 286/08 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

- 2 -

Tat­be­stand

Der Kläger nimmt den Be­klag­ten als Vor­stand ei­ner in­sol­ven­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaft auf Scha­den­er­satz in An­spruch.

Der Kläger war seit Mai 2000 bei der A AG (In­sol­venz­schuld­ne­rin), de­ren ein­zi­ger Vor­stand der Be­klag­te war, als Be­triebs­lei­ter zu ei­ner Brut­to­mo­nats­vergütung von 3950,00 € beschäftigt. Für die Zeit ab Fe­bru­ar 2007 zahl­te die In­sol­venz­schuld­ne­rin kei­ne Ar­beits­vergütung mehr. Gleich­wohl er­brach­te der Kläger bis ein­sch­ließlich April 2007 sei­ne Ar­beits­leis­tung. Bei ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung vom 30. April 2007 erklärte der Be­klag­te, dass die In­sol­venz­schuld­ne­rin bis auf wei­te­res kei­ne Gehälter mehr zah­le. Mit Schrei­ben vom 2. Mai 2007 kündig­te der Kläger das Ar­beits­verhält­nis mit so­for­ti­ger Wir­kung. Der Be­klag­te stell­te für die In­sol­venz­schuld­ne­rin am 4. Ju­ni 2007 In­sol­venz­an­trag. Das In­sol­venz­ver­fah­ren wur­de am 24. Ju­li 2007 eröff­net.

Ge­genüber der In­sol­venz­schuld­ne­rin er­wirk­te der Kläger vor dem Ar­beits­ge­richt Darm­stadt un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7 Ca 166/07 ein Ur­teil über die Zah­lung von 27.650,00 € brut­to (Vergütung von Fe­bru­ar bis Au­gust 2007 und Scha­den­er­satz nach § 628 Abs. 2 BGB); in­so­weit wird das Blatt 17 bis 21 der Ak­ten Be­zug ge­nom­men. Hier­auf leis­te­te die In­sol­venz­schuld­ne­rin kei­ne Zah­lun­gen.

Mit Be­scheid vom 4. Sep­tem­ber 2007 be­wil­lig­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit dem Kläger In­sol­venz­geld für den Zeit­raum 4. Fe­bru­ar bis 3. Mai 2007 in Höhe der auf die­sen Zeit­raum ent­fal­len­den Net­to­ar­beits­vergütung von 6.685,63 € und zahl­te die­sen Be­trag an den Kläger aus.

Mit sei­ner Kla­ge be­gehrt der Kläger die Zah­lung von Scha­den­er­satz, der sich zu­sam­men­setzt aus den vom Ar­beits­ge­richt Darm­stadt in dem Ver­fah­ren 7 Ca 166/07 ti­tu­lier­ten Brut­to­lohn­ansprüchen für die Mo­na­te Fe­bru­ar bis Au­gust 2007 in Höhe von 15.614,41 € net­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ge­leis­te­ter 12.451,18 €, wor­aus sich ei­ne For­de­rung von 3163,23 € er­rech­net. Als wei­te­re Scha­dens­po­si­tio­nen ver­langt der Kläger die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 13.825 €. Fer­ner be­gehrt er die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung des Be­klag­ten zur Über­nah­me der an­fal­len­den Steu­ern aus dem Teil­be­trag von 3163,23 €.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Be­klag­te haf­te we­gen In­sol­venz­ver­schlep­pung und vorsätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schädi­gung ge­genüber dem

- 3 -


Kläger auf Scha­den­er­satz. Der Kläger hat be­haup­tet, die In­sol­venz­schuld­ne­rin sei be­reits am 31. De­zem­ber 2005 über­schul­det ge­we­sen. Spätes­tens Mit­te des Jah­res ha­be die Zah­lungs­unfähig­keit ge­droht, so dass An­fang 2006 In­sol­venz­an­trag hätte ge­stellt wer­den müssen. Der Be­klag­te ha­be in Kennt­nis die­ser Umstände so­gar nach Ein­tritt der In­sol­venz­rei­fe nicht nur die recht­zei­ti­ge An­trag­stel­lung un­ter­las­sen, son­dern so­gar noch vor­han­de­ne Vermögens­wer­te durch Ver­la­ge­rung auf an­de­re vom Be­klag­ten geführ­te Ge­sell­schaf­ten und sei­ne Ehe­frau bei­sei­te ge­schafft. Durch das Ver­hal­ten des Be­klag­ten sei dem Kläger ei­ne Er­satz­an­stel­lung ent­gan­gen, die er bei ord­nungs­gemäßer Stel­lung des In­sol­venz­an­trags naht­los ge­fun­den hätte. Bei der Fir­ma B, bei der er seit 15. Ju­ni 2008 zu ei­ner Vergütung von 2400,00 € brut­to (ist gleich 1521,02 € net­to) beschäftigt ist, wäre er bei recht­zei­ti­ger Stel­lung des In­sol­venz­an­trags durch den Be­klag­ten spätes­tens zum 1. Fe­bru­ar 2006 an­ge­stellt wor­den.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 16.988,23 € nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an ihn im We­ge des Scha­den­er­sat­zes den Be­trag zu zah­len, der von ihm als Steu­er auf ei­nen Teil­be­trag des im An­trag zu 1. ge­nann­ten Be­tra­ges in Höhe von 3163,23 € - nach Maßga­be des Steu­er­be­scheids für das Jahr, in­dem die­ser Teil­be­trag ge­zahlt wird - zu zah­len sein wird.


Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te hat be­haup­tet, In­sol­venz­rei­fe ha­be erst drei Wo­chen vor An­trag­stel­lung vor­ge­le­gen. Er ist der Auf­fas­sung, die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Po­si­tio­nen sei­en nach dem Schutz­zweck der vom Kläger her­an­ge­zo­ge­nen Nor­men nicht er­stat­tungsfähig.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen; in­so­weit wird auf das Ur­teil Blatt 141 bis 149 der Ak­ten Be­zug ge­nom­men. Ge­gen die­ses, ihm am 21. Au­gust 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger mit ei­nem am 18. Sep­tem­ber 2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 21. Ok­to­ber 2009 ein­ge­gan­ge­nen
 

- 4 -


Schrift­satz be­gründet.

Das Ar­beits­ge­richt sei zu Un­recht da­von aus­ge­gan­gen, dass dem Kläger ab 30. April 2007 kein Ver­trau­ens­scha­den als Neugläubi­ger zu­ste­he, der vom Schutz­zweck der Haf­tungs­nor­men er­fasst wer­de. Rich­ti­ger­wei­se sei der Ver­trau­ens­scha­den des Klägers nicht auf den 30. April 2007 be­grenzt. Der Be­ru­fungskläger ha­be zu die­sem Zeit­punkt kei­ne po­si­ti­ve Kennt­nis von der In­sol­venz­rei­fe ge­habt. Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu Un­recht die Kennt­nis der Zah­lungs­un­wil­lig­keit mit der Kennt­nis der In­sol­venz­rei­fe gleich­ge­setzt. Der An­spruch schei­te­re auch nicht dar­an, dass der Kläger ab Mai 2007 kei­ne Ar­beits­leis­tung er­brach­te. Zwar gewähre der BGH den Ver­trau­ens­scha­dens­er­satz­an­spruch nur in­so­weit, als in Un­kennt­nis der In­sol­venz­rei­fe Leis­tun­gen er­bracht wur­den. Nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 162 BGB könne je­doch nichts an­de­res gel­ten, wenn der An­spruchs­geg­ner, hier der Be­klag­te, die Er­brin­gung die­ser Leis­tung ab­lehnt und unmöglich macht. Auf­grund der Mit­tei­lung des Be­klag­ten vom 30. April 2007 sei es dem Be­ru­fungskläger nicht mehr zu­zu­mu­ten und we­gen der Be­triebs­ab­mel­dung auch nicht möglich ge­we­sen, sei­ne Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen. In Be­zug auf ei­nen An­spruch aus § 826 BGB berück­sich­ti­ge das Ar­beits­ge­richt zu Un­recht den Ein­wand des rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens. Im Be­reich der Vor­teils­aus­glei­chung sei an­er­kannt, dass ei­ne sol­che nicht er­folgt, wenn sie un­bil­lig ist und ge­gen die gu­ten Sit­ten verstößt. Da­her dürfe auch hier das rechtmäßige Al­ter­na­tiv­ver­hal­ten nicht zur An­wen­dung kom­men. Un­abhängig hier­von ver­ken­ne das Ar­beits­ge­richt, dass bei recht­zei­ti­ger In­sol­venz­an­trag­stel­lung und der dann ver­hin­der­ten Ver­schie­bung von Vermögens­wer­ten so­wie bei der da­mals wohl noch deut­lich bes­se­ren La­ge der In­sol­venz­schuld­ne­rin ei­ne Sa­nie­rung nicht aus­ge­schlos­sen ge­we­sen sei und der Kläger mögli­cher­wei­se heu­te noch dort beschäftigt wäre. Dass dies aus­zu­sch­ließen war, ha­be der Dar­le­gungs­last des Be­klag­ten ob­le­gen.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Darm­stadt vom 25. Ju­ni 2009 - 7 Ca 286/08 - ab­zuändern und

1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 16.988,23 € nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, an ihn im We­ge des Scha­den­er­sat­zes den Be­trag zu zah­len, der von ihm als Steu­er auf ei­nen

- 5 -


Teil­be­trag des im An­trag zu 1. ge­nann­ten Be­tra­ges in Höhe von 3163,23 € -nach Maßga­be des Steu­er­be­scheids für das Jahr, in dem die­ser Teil­be­trag ge­zahlt wird- zu zah­len sein wird.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te ver­tei­digt die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts als zu­tref­fend. Es tref­fe nicht zu, dass der Kläger am 30. April 2007 kei­ne po­si­ti­ve Kennt­nis von der In­sol­venz­rei­fe der In­sol­venz­schuld­ne­rin ge­habt ha­be. Nur des­halb ha­be er sein Ar­beits­verhält­nis außer­or­dent­lich gekündigt. Ei­ne Sa­nie­rung der In­sol­venz­schuld­ne­rin wäre auch im Jah­re 2006 aus­ge­schlos­sen ge­we­sen. Dies zu sub­stan­ti­ie­ren sei je­doch Sa­che des Klägers.


We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des bei­der­sei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gens wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die Be­ru­fung ist statt­haft, § 8 Abs. 2 ArbGG, § 511 Abs. 1 ZPO, § 64 Abs. 2b Ar­beits­ge­richts­ge­setz. Sie ist auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, § 66 Abs. 1 ArbGG, § 519, § 520 ZPO und da­mit ins­ge­samt zulässig.

II.

Die Be­ru­fung ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass dem Kläger kei­ne Scha­den­er­satz­ansprüche ge­genüber dem Be­klag­ten zu ste­hen. Das Be­ru­fungs­ge­richt macht sich die Gründe der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung zu Ei­gen und nimmt gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG auf sie Be­zug. Das Vor­brin­gen des Klägers in der Be­ru­fungs­in­stanz führt zu kei­ner ab­wei­chen­den Be­ur­tei­lung.

1. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend er­kannt, dass der Kläger ge­gen den Be­klag­ten

- 6 -


kei­nen An­spruch aus § 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 92 Abs. 2 AktG hat. Er­stat­tungsfähig ist in­so­weit - ne­ben dem Quo­ten­scha­den, der hier nicht gel­tend ge­macht wird - le­dig­lich der Ver­trau­ens­scha­den (BGH 20. Ok­to­ber 2008-II ZR 211/07-DB 2009, 388, Rand­num­mer 3; Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln 26. Ju­li 2006-8 Sa 1660/05, NZA-RR 2007, 146, Rand­num­mer 45). Aus die­sem Grund kommt ein Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe der nicht ge­zahl­ten Net­to­vergütung (Erfüllungs­in­ter­es­se) nicht in Be­tracht (LAG Köln, a.a.O., Rn. 53). Auch der Scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 628 Abs. 2 BGB ist auf das Erfüllungs­in­ter­es­se ge­rich­tet, da der Kündi­gen­de so ge­stellt wer­den soll, als wäre das Ar­beits­verhält­nis ord­nungs­gemäß fort­geführt wor­den (Er­fur­ter Kom­men­tar-Müller-Glöge, 10. Aufl., § 628 BGB Rand­num­mer 22).

Ei­nen Ver­trau­ens­scha­den macht der Kläger nur in­so­weit gel­tend, als er vorträgt, er hätte bei der Fir­ma B ei­ne Vergütung in Höhe von 1521,02 € net­to mo­nat­lich er­zie­len können. In­so­weit über­stieg je­doch, wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, das er­hal­te­ne In­sol­venz­geld ei­ne mögli­che Scha­dens­er­satz­for­de­rung. Hier­ge­gen wen­det sich der Kläger mit sei­ner Be­ru­fung auch nicht.

Der Rechts­an­sicht des Be­klag­ten, zwar gewähre der BGH den Ver­trau­ens­scha­dens­er­satz­an­spruch nur in­so­weit, als in Un­kennt­nis der In­sol­venz­rei­fe Leis­tun­gen er­bracht wur­den, nach dem Rechts­ge­dan­ken des § 162 BGB könne je­doch nichts an­de­res gel­ten, wenn der An­spruchs­geg­ner, hier der Be­klag­te, die Er­brin­gung die­ser Leis­tung ab­lehnt und unmöglich macht, folgt die Kam­mer nicht. Der Schutz­zweck des § 92 Abs. 2 AktG be­steht dar­in, den­je­ni­gen, der ei­ne Vor­leis­tung bringt, der kein wert­hal­ti­ger Ge­gen­an­spruch ge­genüber­steht, zu entschädi­gen. Der BGH hat in sei­nem Be­schluss zu § 64 Abs. 1 Gmb­HG vom 20. Ok­to­ber 2008 (II ZR 211/07, Rn. 3) die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall, die auf Ge­setz be­ruht und kei­nen Be­zug zu ei­ner auf die­sen Zeit­raum ent­fal­len­den Vor­leis­tung des Ar­beit­neh­mers hat, nicht als er­stat­tungsfähi­gen Scha­den an­ge­se­hen. Wer -aus wel­chen Gründen auch im­mer- kei­ne Vor­leis­tung er­bracht hat, ist in sei­nem Ver­trau­en auf ei­ne Ge­gen­leis­tung nicht schutzwürdig. § 64 Abs. 1 Gmb­HG soll wie § 92 Abs. 2 AktG po­ten­ti­el­le Neugläubi­ger schon vor Ein­ge­hung der Geschäfts­be­zie­hung mit ei­ner in­sol­ven­ten Ge­sell­schaft schützen um sie da­vor zu be­wah­ren, die­ser noch Geld- oder Sach­kre­dit zu gewähren und da­durch ei­nen Scha­den zu er­lei­den (BGH 5.2.07 – II ZR 234/05 – BGHZ 171, 46 Rn 13; 25.7.05 – II ZR 390/03 – BGHZ 164, 50 Rn 17). Der Kläger hat mit Schrei­ben vom 2. Mai 2007 sein Ar­beits­verhält­nis ge­genüber der in­sol­ven­ten Ge­sell­schaft frist­los gekündigt und des­halb kei­ne Ar­beits­leis­tung mehr er­bracht. Er ist al­so ab die­sem

- 7 -


Zeit­punkt nicht mehr in Vor­leis­tung ge­tre­ten. Sein Scha­den­er­satz­an­spruch aus § 628 Abs. 2 BGB wird vom Schutz­be­reich des § 92 Abs. 2 AktG da­her nicht um­fasst.

Dar­auf, ob der Kläger auf­grund der Äußerun­gen des Be­klag­ten vom 30. April 2007 po­si­ti­ve Kennt­nis von der In­sol­venz­rei­fe der A AG hat­te, kommt es des­halb nicht an.

2. Dem Ar­beits­ge­richt ist auch dar­in zu fol­gen, dass ein An­spruch aus § 826 BGB nicht be­steht. Das Ar­beits­ge­richt hat rich­tig er­kannt, dass ein er­stat­tungsfähi­ger Scha­den in­so­weit nicht vor­liegt, weil bei recht­zei­ti­ger Stel­lung des In­sol­venz­an­trags der Kläger kei­nes­falls bes­ser ge­stan­den hätte, was die Kla­ge­for­de­rung be­trifft. Un­ge­nau ist in­so­weit le­dig­lich, dass das Ar­beits­ge­richt von ei­nem "hy­po­the­ti­schen rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­ten" spricht. Rich­ti­ger­wei­se han­delt es sich um ein qua­li­fi­zier­tes Be­strei­ten der Scha­dens­ent­ste­hung. Die­ser Ein­wand ist nicht nach den Grundsätzen zu be­han­deln, die beim Vor­trag ei­ner Re­ser­veur­sa­che oder ei­nes rechtmäßigen Al­ter­na­tiv­ver­hal­tens gel­ten (BGH 18. De­zem­ber 2007-VI ZR 231/06-BGHZ 175,58; 17. Ok­to­ber 2002-IX ZR 3/01-NJW 2003,295). Dem Kläger sind da­her kei­ne Er­leich­te­run­gen hin­sicht­lich sei­ner Dar­le­gungs­last zu­zu­bil­li­gen. Er hätte sub­stan­ti­iert dar­le­gen müssen, dass im Fal­le ei­ner In­sol­venz­an­trag­stel­lung im Jahr 2006 ei­ne Sa­nie­rung der In­sol­venz­schuld­ne­rin geglückt wäre. Dies ist nicht er­folgt. Die Be­ru­fungs­kam­mer muss­te auf die­se Rechts­la­ge den Kläger nicht gemäß § 139 ZPO hin­wei­sen, da der Be­klag­te die­se Fra­ge zum Ge­gen­stand sei­ner Be­ru­fungs­er­wi­de­rung (dort Sei­te 4, Blatt 195 der Ak­ten) ge­macht hat. Der im Ter­min vom 10. Mai 2010 er­folg­te Hin­weis der Be­ru­fungs­kam­mer auf die Ent­schei­dung des BGH vom 18. De­zem­ber 2007 dien­te le­dig­lich der Bestäti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Be­klag­ten. Die Gewährung ei­nes Schrift­satz­nach­las­ses für den Kläger war des­halb nicht er­for­der­lich.

3. Da dem Kläger kein Scha­dens­er­satz­an­spruch zu­steht, ist auch der Fest­stel­lungs­an­trag un­be­gründet.

III.

Der Kläger hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten sei­nes oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels zu tra­gen.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 16 Sa 1581/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880