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Handbuch Arbeitsrecht
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Ab­fin­dung

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ab­fin­dung: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Le­sen Sie hier, was ei­ne Ab­fin­dung ist, wann Sie ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch ha­ben und wie Sie Feh­ler bei Ab­fin­dungs­ver­hand­lun­gen ver­mei­den.

Im Ein­zel­nen fin­den Sie In­for­ma­tio­nen da­zu, wel­che Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Ab­fin­dungs­zah­lung ge­mäß § 1a Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) hat, wie hoch frei aus­ge­han­del­te Ab­fin­dun­gen ge­wöhn­lich sind und von wel­chen Um­stän­de die Hö­he ei­ner Ab­fin­dung ab­hängt.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se zur Ab­rech­nung von Ab­fin­dun­gen, d.h. zum Ab­zug von Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben, so­wie zum The­ma Ab­fin­dung und Ar­beits­lo­sen­geld.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Video: Abfindung

Was ist eine Abfindung (Abfindungsdefinition)?

Ei­ne Ab­fin­dung ist ei­ne ein­ma­li­ge außer­or­dent­li­che Zah­lung, die ein Ar­beit­neh­mer von sei­nem Ar­beit­ge­ber bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses als Entschädi­gung für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes und der da­mit ver­bun­de­nen Ver­dienstmöglich­kei­ten erhält.

Auch Er­werbstäti­ge, die zwar nicht als Ar­beit­neh­mer, aber als so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäftig­te an­zu­se­hen sind, können ei­ne sol­che Ab­fin­dung er­hal­ten. Das wie zum Bei­spiel bei Fremd­geschäftsführern ei­ner GmbH oft der Fall.

Kei­ne Ab­fin­dung, son­dern ei­ne fi­nan­zi­el­le Aus­gleichs­zah­lung ei­ge­ner Art ist der Aus­gleichs­an­spruch des Han­dels­ver­tre­ters gemäß § 89b Han­dels­ge­setz­buch (HGB).

Haben Sie als Arbeitnehmer einen Anspruch auf Zahlung einer Abfindung?

Im All­ge­mei­nen ha­ben Sie als Ar­beit­neh­mer bei Be­en­di­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses kei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung.

Vie­le Ar­beit­neh­mer ge­hen zwar wie selbst­verständ­lich da­von aus, dass ih­nen bei ei­ner durch den Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­chen Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung "zu­ste­he", doch ist das recht­lich schlicht falsch.

Eben­so un­rich­tig ist natürlich auch die spie­gel­ver­kehr­te An­nah­me von Ar­beit­ge­bern, ei­ne Kündi­gung sei un­ver­meid­lich mit der Pflicht zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ver­bun­den.

Wann haben Sie ausnahmsweise einen Abfindungsanspruch?

Es gibt Aus­nah­men, in de­nen Ar­beit­neh­mer die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung recht­lich be­an­spru­chen können.

Sol­che an­spruchs­be­gründen­den Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen fin­den sich

Möglich ist natürlich auch, dass die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne frei­wil­li­ge ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ab­sch­ließen, d.h.

Sch­ließlich kann der Ar­beit­ge­ber zu­sam­men mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung un­ter Ver­weis auf § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) an­bie­ten. Auch dies führt zum Ent­ste­hen ei­nes Ab­fin­dungs­an­spruchs.

Welche Voraussetzungen hat der Anspruch auf Abfindung gemäß § 1a Kündigungsschutzgesetz (KSchG)?

Ar­beit­ge­ber ha­ben die Möglich­keit, ih­ren Ar­beit­neh­mern bei be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen ein ge­setz­lich näher aus­ge­stal­te­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot zu ma­chen.

In ei­nem sol­chen Fall führt die Ent­schei­dung des Ar­beit­neh­mers, kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu er­he­ben, "au­to­ma­tisch" zu ei­nem An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung in Höhe ei­nes hal­ben Mo­nats­ver­dienst pro Beschäfti­gungs­jahr.

Der An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG beträgt ein hal­ben Mo­nats­ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr, wo­bei Bruch­tei­le von Jah­ren von mehr als sechs Mo­na­ten auf ein vol­les Jahr auf­ge­run­det wer­den.

Der Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß § 1a KSchG be­steht, wenn fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind (fehlt auch nur ei­ne, be­steht der An­spruch nicht):

Wann ist ein Abfindungsangebot gemäß § 1a KSchG für Arbeitgeber sinnvoll und wann nicht?

Ar­beit­ge­ber ma­chen von die­ser ge­setz­li­chen Re­ge­lung sel­ten Ge­brauch. Das hat fol­gen­de Gründe:

  • Ers­tens ist ei­ne Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr vie­len Ar­beit­ge­bern zu hoch, vor al­lem, wenn das Ar­beits­verhält­nis schon sehr lan­ge be­stan­den hat und der Ar­beit­ge­ber gu­te Chan­cen hat, mit sei­ner Kündi­gung vor Ge­richt durch­zu­kom­men. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu, wel­che Fak­to­ren bei der Kal­ku­la­ti­on von Ab­fin­dungs­an­ge­bo­ten ei­ne Rol­le spie­len, fin­den Sie un­ter "Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung".
  • Zwei­tens kann man später im­mer noch ei­ne Ab­fin­dung ver­ein­ba­ren, auch wenn man nicht so­fort mit der Kündi­gung be­reits ei­ne Ab­fin­dung an­bie­tet.
  • Drit­tens kla­gen vie­le gekündig­te Ar­beit­neh­mer so oder so nicht ge­gen ih­re Kündi­gung, d.h. auch oh­ne ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot. Vor al­lem jünge­re und gut qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer fin­den oft recht bald nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ei­nen neu­en Job und ha­ben kein In­ter­es­se an ei­nem lang­wie­ri­gen Kündi­gungs­schutz­pro­zess. Für ei­nen kaufmännisch den­ken­den Ar­beit­ge­ber ist es nicht sinn­voll, sol­chen Mit­ar­bei­tern zu­sam­men mit der Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG an­zu­bie­ten.

Aus­nahms­wei­se ist es für Ar­beit­ge­ber sinn­voll, mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG an­zu­bie­ten, ins­be­son­de­re in fol­gen­den Fällen:

  • Die Kündi­gung lässt sich vor Ge­richt nur schwer recht­fer­ti­gen, z.B. weil es Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten gibt und/oder weil die So­zi­al­aus­wahl an­greif­bar ist.
  • Der Ar­beit­neh­mer ist erst ei­ni­ge Jah­re lang beschäftigt, so dass ei­ne Ab­fin­dung von ei­nem hal­ben Ge­halt pro Jahr auf zwei oder drei Gehälter hin­ausläuft. Dann ist ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG leicht zu ver­schmer­zen.
  • Der Ar­beit­ge­ber möch­te aus prin­zi­pi­el­len Gründen mit dem gekündig­ten Ar­beit­neh­mer kei­nen Kündi­gungs­schutz­pro­zess führen, z.B. weil er Dis­kus­si­on im Be­trieb befürch­tet. Dann erhöht ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG den Druck auf den Ar­beit­neh­mer, sich ge­gen ei­ne Kla­ge zu ent­schei­den, denn ob er vor Ge­richt ei­ne höhe­re Ab­fin­dung aus­han­deln kann, ist un­ge­wiss, und bei Ver­zicht auf die Kla­ge ist ihm die Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG si­cher.

Müssen Sie als Arbeitnehmer das Angebot einer Abfindung gemäß § 1a KSchG annehmen?

Als gekündig­ter Ar­beit­neh­mer müssen Sie ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG natürlich nicht an­neh­men, son­dern können Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben und um den Er­halt Ih­res Ar­beits­plat­zes strei­ten.

Ein sol­ches Vor­ge­hen kommt vor al­lem dann in Be­tracht, wenn das Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG, d.h. in Höhe ei­nes hal­ben Mo­nats­ge­halts pro Beschäfti­gungs­jahr, "zu mick­rig" ist.

Das wie­der­um ist vor al­lem dann der Fall, wenn die Kündi­gung mit großer Wahr­schein­lich­keit un­wirk­sam ist, wenn das Ar­beits­verhält­nis nur ei­ni­ge Jah­re lang be­stan­den hat und wenn die fi­nan­zi­el­le La­ge des Un­ter­neh­mens gut ist. Nähe­re In­for­ma­tio­nen zur Kal­ku­la­ti­on von Ab­fin­dungs­an­ge­bo­ten fin­den Sie un­ter "Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung".

Garantiert eine Kündigungsschutzklage eine Abfindung?

Auch ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­schafft gekündig­ten Ar­beit­neh­mern kei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung.

Ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist nämlich - im Ge­gen­teil - auf die ge­richt­li­che Fest­stel­lung ge­rich­tet, dass die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers das Ar­beits­verhält­nis nicht be­en­det hat. Hat die Kla­ge Er­folg, ist der Ar­beits­platz ge­ret­tet, so dass die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung lo­gi­scher­wei­se kein The­ma ist.

Bei gu­ten Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist der Ar­beit­ge­ber aber oft da­zu be­reit, "frei­wil­lig" ei­ne Ab­fin­dung zu zah­len, nicht zu­letzt um da­durch das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko aus­zu­sch­ließen, den Pro­zess zu ver­lie­ren.

Die­ses Ri­si­ko be­steht für ihn bei lan­ger Ver­fah­rens­dau­er im We­sent­li­chen dar­in, bei ei­nem Sieg des Ar­beit­neh­mers im Kündi­gungs­schutz­pro­zess den Lohn für die Zeit zah­len zu müssen, während der der Ar­beit­neh­mer auf­grund der Kündi­gung nicht ge­ar­bei­tet hat.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie un­ter den Stich­wor­ten "Vergütung bei Ar­beits­aus­fall", "An­nah­me­ver­zug des Ar­beit­ge­bers" und "Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung".

Theo­re­tisch kann es dem Ar­beit­ge­ber auch pas­sie­ren, dass er gemäß §§ 9, 10 KSchG (Kündi­gungs­schutz­ge­setz) zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ver­ur­teilt wird,

  • wenn die Kündi­gung nach An­sicht des Ge­richts un­wirk­sam war, und
  • wenn dem Ar­beit­neh­mer die wei­te­re Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht zu­zu­mu­ten ist, z.B. we­gen her­abwürdi­gen­der Äußerun­gen des Ar­beit­ge­bers im Pro­zess.

Ei­ne sol­che Ver­ur­tei­lung des Ar­beit­ge­bers zur Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung kommt aber, an­ders als ein "frei­wil­li­ger" Ab­fin­dungs­ver­gleich, sel­ten vor.

Wann sind Verhandlungen über eine Abfindung erfolgversprechend?

Sieht man ein­mal von den bei­den Aus­nah­mefällen ab,

  1. dass der Ar­beit­ge­ber al­lein aus so­zia­ler Rück­sicht­nah­me ei­ne Ab­fin­dung be­wil­ligt,
  2. oder dass der Ar­beit­neh­mer in­fol­ge ei­nes So­zi­al­plans ei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung hat,

so "ver­kauft" der Ar­beit­neh­mer im Nor­mal­fall bei Ver­ein­ba­run­gen über ei­ne Ab­fin­dung den recht­li­chen Be­stands­schutz, den sein Ar­beits­verhält­nis ge­nießt. Das hat zur Fol­ge, dass Ab­fin­dungs­an­ge­bo­te nor­ma­ler­wei­se um­so höher aus­fal­len, je bes­ser die­ser Be­stands­schutz ist, und um­ge­kehrt ge­gen Null ge­hen, wenn die­ser Be­stands­schutz nur schwach ist.

Will der Ar­beit­ge­ber da­her z.B. ei­nen Ar­beit­neh­mer, der als Be­triebs­rats­mit­glied Son­derkündi­gungs­schutz ge­nießt und be­reits lan­ge beschäftigt ist, aus be­trieb­li­chen Gründen kündi­gen, muss er er­heb­li­che recht­li­che Hin­der­nis­se über­win­den, d.h. er wird im Fal­le ei­ner Kündi­gung ei­ne sich dar­an an­sch­ließen­de Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit ei­ner ge­wis­sen Wahr­schein­lich­keit ver­lie­ren. Ent­spre­chend hoch wird sei­ne Be­reit­schaft sein, das Ein­verständ­nis des Ar­beit­neh­mers mit der Ver­trags­be­en­di­gung mit ei­ner Ab­fin­dung zu er­kau­fen.

Ausführ­li­che In­for­ma­tio­nen da­zu, von wel­chen Umständen die Kal­ku­la­ti­on von Ab­fin­dun­gen abhängt, fin­den Sie un­ter "Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung und Höhe der Ab­fin­dung".

Wie kann Sie ein Rechtsanwalt beim Thema Abfindung unterstützen?

Wie erwähnt hängt die Höhe der von ei­nem wirt­schaft­lich den­ken­den Ar­beit­ge­ber "frei­wil­lig" ge­zahl­ten Ab­fin­dung hauptsächlich von dem recht­li­chen Be­stands­schutz ab, den das Ar­beits­verhält­nis des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers ge­nießt.

Da­her können recht­li­che Fehl­einschätzun­gen da­zu führen, dass Ab­fin­dun­gen viel zu hoch oder viel zu nied­rig aus­fal­len, als sie bei ei­ner kor­rek­ten ju­ris­ti­schen Be­ur­tei­lung der Be­stands­si­cher­heit des auf­zulösen­den Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­fal­len wären.

So kann z.B. ein in ei­nem Großbe­trieb nach lan­ger Beschäfti­gungs­zeit be­triebs­be­dingt gekündig­ter Ar­beit­neh­mer Grund da­zu ha­ben, auch ei­ne "klei­ne­re" Ab­fin­dung zu ak­zep­tie­ren, wenn die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung ar­beits­recht­lich "was­ser­dicht" be­gründet ist, z.B. mit der Sch­ließung ei­ner Son­der­ab­tei­lung, der er kraft Ar­beits­ver­trag zu­ge­ord­net war.

Um­ge­kehrt kann ein Ar­beit­ge­ber, der ei­nen sie­ben Mo­na­te in ei­nem größeren Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer we­gen an­geb­lich schlech­ter Ar­beits­er­geb­nis­se ("low per­for­mance") gekündigt hat, gut be­ra­ten sein, ei­ne eher "großzügi­ge" Ab­fin­dung zu be­wil­li­gen, da die Kündi­gung of­fen­sicht­lich vor Ge­richt nicht halt­bar ist, so dass ein er­heb­li­cher fi­nan­zi­el­ler Ver­lust als Fol­ge ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge droht.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es die wich­tigs­te Leis­tung ei­nes bei Ab­fin­dungs­ver­hand­lun­gen be­tei­lig­ten Rechts­an­walts, die Be­stands­si­cher­heit des Ar­beits­verhält­nis­ses bzw. die Wirk­sam­keit ei­ner ggf. schon aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung zu be­ur­tei­len, um sei­nem Auf­trag­ge­ber ei­ne rea­lis­ti­sche Be­ur­tei­lung der durch die Luft schwir­ren­den Zah­len zu ermögli­chen.

Ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Un­terstützung, die Sie von ei­nem ar­beits­recht­lich er­fah­re­nen Rechts­an­walt er­war­ten können, be­steht in der Kon­trol­le der An­ge­mes­sen­heit und Vollständig­keit der ge­sam­ten Ab­fin­dungs­ver­ein­ba­rung: Sch­ließlich wird ja nicht nur ei­ne Zahl - die Ab­fin­dung - ver­ein­bart, son­dern ein gan­zer Auf­he­bungs­ver­trag, ein Ab­wick­lungs­ver­trag oder ein ge­richt­li­cher Ver­gleich.

Hier kann man vie­le Feh­ler ma­chen bzw. ver­mei­den: So soll­te man nach Möglich­keit ei­ne Sperr­zeit um­ge­hen, man soll­te sach­ge­rech­te Re­ge­lun­gen zum The­ma Rest­ur­laub und Frei­stel­lung tref­fen und man soll­te al­le Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Zeug­nis so klar re­geln, dass hin­ter­her kein (er­neu­ter) Streit ent­steht.

Sch­ließlich können Sie von ei­nem Rechts­an­walt, den Sie bei Ver­hand­lun­gen über ei­ne Ab­fin­dung hin­zu­zie­hen, er­war­ten, dass er Ih­nen die mit den Ab­fin­dungs­dis­kus­sio­nen ver­bun­de­nen Be­las­tun­gen ab­nimmt und Ih­ren Stand­punkt un­be­fan­ge­ner ver­tritt als Sie dies selbst "in ei­ge­ner Sa­che" könn­ten. Dass ei­ne ef­fek­ti­ve und pro­fes­sio­nel­le Ver­hand­lungsführung kei­ne Er­folgs­ga­ran­tie be­inhal­tet, ver­steht sich.

Wie hoch ist eine Abfindung gewöhnlich?

Bei ge­richt­li­chen oder außer­ge­richt­li­chen Ver­hand­lun­gen über die Höhe der Ab­fin­dung ori­en­tiert man sich oft an der "Dau­men­re­gel", dass ein hal­bes bis vol­les Brut­to­mo­nats­ge­halt pro Jahr der Beschäfti­gung "an­ge­mes­sen" ist. Hat der Ar­beit­neh­mer al­so z.B. nach zehn Jah­ren Beschäfti­gung zu­letzt 3.000 EUR (brut­to) im Mo­nat ver­dient, so würde sich ei­ne "nor­ma­le" Ab­fin­dung auf un­gefähr 15.000 EUR bis un­gefähr 30.000 EUR be­lau­fen.

Je nach Leis­tungsfähig­keit des Ar­beit­ge­bers, je nach La­ge der Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on und je nach Ver­hand­lungs­ge­schick kann die Ab­fin­dung aber auch (weit) darüber oder (weit) dar­un­ter lie­gen. So wer­den bei der Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen in der Bau­bran­che als Ab­fin­dung oft nur 25 v. H. ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes pro Beschäfti­gungs­jahr an­ge­bo­ten, während große Un­ter­neh­men häufig oh­ne viel Fe­der­le­sen auch mehr als ein vol­les Mo­nats­ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr an Ab­fin­dung zah­len.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Umständen wel­che Ab­fin­dungs­sum­men an­ge­mes­sen sind, fin­den Sie un­ter Ab­fin­dungshöhe, Be­rech­nung der Ab­fin­dung.

Wann sind Unterschiede bei der Abfindung eine unzulässige Diskriminierung?

Ab­fin­dun­gen wer­den - je nach der für sie fest­ge­leg­ten Be­rech­nungs­for­mel - in un­ter­schied­li­cher Höhe be­zahlt, wo­bei meis­tens das Al­ter, die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit und Un­ter­halts­pflich­ten ei­ne Rol­le spie­len. Aus Sicht der­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die we­ni­ger er­hal­ten als ih­re bes­ser ge­stell­ten Ar­beits­kol­le­gen, stellt sich da­her die Fra­ge, ob ih­re Schlech­ter­stel­lung er­laubt ist oder aber ei­ne recht­lich un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung dar­stellt, z.B. we­gen ih­res Al­ters, ei­ner Be­hin­de­rung oder we­gen des Ge­schlechts. Zu die­sen Streit­fra­gen sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le Pro­zes­se geführt wor­den.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, un­ter wel­chen Umständen die Un­gleich­be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern bei Ab­fin­dungs­zah­lung als un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung und/oder als Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz an­zu­se­hen ist, fin­den Sie in dem Bei­trag (Hand­buch Ar­beits­recht: Ab­fin­dung und Dis­kri­mi­nie­rung).

Werden von der Abfindung Sozialabgaben und Steuern abgezogen?

Ei­ne Ab­fin­dung ist kein bei­trags­pflich­ti­ges Ar­beits­ent­gelt. Ar­beits­ent­gelt sind gemäß § 14 Abs.1 Satz 1 Vier­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IV) al­le lau­fen­den oder ein­ma­li­gen Ein­nah­men aus ei­ner Beschäfti­gung, gleichgültig, ob ein Rechts­an­spruch auf die Ein­nah­men be­steht, un­ter wel­cher Be­zeich­nung oder in wel­cher Form sie ge­leis­tet wer­den und ob sie un­mit­tel­bar aus der Beschäfti­gung oder im Zu­sam­men­hang mit ihr er­zielt wer­den.

Ei­ne Ab­fin­dung ist kein Ar­beits­ent­gelt, weil sich die Ab­fin­dung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) nicht der Zeit des be­en­de­ten Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu­ord­nen lässt, denn die Ab­fin­dung wird we­gen des Weg­falls der künf­ti­gen Ver­dienstmöglich­kei­ten ge­zahlt.

Von ei­ner Ab­fin­dung ge­hen da­her kei­ne So­zi­al­ab­ga­ben ab, d.h. es wer­den kei­ne Beiträge zur Ren­ten-, Kran­ken-, Pfle­ge- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ab­ge­zo­gen.

Ei­ne Ab­fin­dung un­ter­liegt al­ler­dings der Be­steue­rung ent­spre­chend den Re­geln über den Lohn­steu­er­ab­zug. In­for­ma­tio­nen da­zu, wie Ab­fin­dun­gen zu ver­steu­ern sind, fin­den Sie un­ter dem Stich­wort Ab­fin­dung und Steu­er.

Vermindert eine Abfindung den Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Im All­ge­mei­nen hat die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung kei­ne nach­tei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf den An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld.

Ei­ne Aus­nah­me von die­ser Re­gel gilt al­ler­dings dann, wenn Sie mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag oder ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag ab­ge­schlos­sen ha­ben. Dann ris­kie­ren Sie mögli­cher­wei­se ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be.

Nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf Ih­ren Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch sind auch zu befürch­ten, wenn Sie als Ar­beit­neh­mer in ei­ne Verkürzung Ih­rer Kündi­gungs­fris­ten ein­ge­wil­ligt ha­ben. Ein­zel­hei­ten zu die­sen Fra­gen können Sie un­ter dem Stich­wort Ab­fin­dung und Ar­beits­lo­sen­geld nach­le­sen.

Was ist bei der Vereinbarung einer Abfindung zu beachten?

Ab­fin­dun­gen wer­den in al­ler Re­gel bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Rah­men ei­nes außer­ge­richt­li­chen Auf­he­bungs­ver­tra­ges oder nach Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge im Rah­men ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs aus­ge­han­delt.

In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, was Sie bei der Ver­ein­ba­rung ei­ner Ab­fin­dung in die­sem Rah­men be­ach­ten soll­ten, fin­den Sie un­ter den Stich­wor­ten Auf­he­bungs­ver­trag und Kündi­gungs­schutz­kla­ge.

Wann wird ein Abfindungsanspruch üblicherweise fällig?

Oft wer­den Ab­fin­dun­gen vie­le Mo­na­te vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ein­bart. Der Grund dafür liegt in lan­gen Kündi­gungs­fris­ten, die der Ar­beit­ge­ber be­ach­ten muss. Tref­fen die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en dann kei­ne spe­zi­el­len Ver­ein­ba­run­gen über die zeit­li­che Vor­ver­la­ge­rung der Fällig­keit der Ab­fin­dungs­zah­lung, ist der Ab­fin­dungs­an­spruch durch den - stets mögli­chen - Tod des Ar­beit­neh­mers vor Ab­lauf der Rest­lauf­zeit des Ar­beits­verhält­nis­ses gefähr­det, da der An­spruch dann recht­lich erst gar nicht ent­steht.

Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) an­hand ei­nes Fal­les klar­ge­stellt, in wel­chem der Ar­beit­ge­ber zu­sam­men mit der Kündi­gung ein Ab­fin­dungs­an­ge­bot gemäß § 1a KSchG un­ter­brei­tet hat­te. Der gekündig­te Ar­beit­neh­mer ver­zich­te­te auf ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge und ver­starb noch vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist. Sei­ne Er­ben klag­ten die Ab­fin­dung ein - al­ler­dings oh­ne Er­folg (BAG, Ur­teil vom 10.05.2007 - 2 AZR 45/06).

Wenn Sie sich bei Ab­fin­dungs­ver­ein­ba­run­gen nicht si­cher sind, dass Sie al­les rich­tig ge­macht ha­ben, soll­ten Sie sich an­walt­lich be­ra­ten las­sen.

Wo finden Sie mehr zum Thema Abfindung?

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, die Sie im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma Ab­fin­dung in­ter­es­sie­ren könn­ten, fin­den Sie hier:

Kom­men­ta­re un­se­res An­walts­teams zu ak­tu­el­len Fra­gen rund um das The­ma Ab­fin­dung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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