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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Zeugnis
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 13 Sa 1267/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 31.03.2009
   
Leit­sätze: Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür, dass die Nich­ter­tei­lung, die ver­späte­te Er­tei­lung oder die un­rich­ti­ge Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses für ei­nen Scha­den des Ar­beit­neh­mers ursächlich ist, liegt beim Ar­beit­neh­mer. Dafür gibt es kei­nen Be­weis des ers­ten An­scheins, aber Be­wei­ser­leich­te­run­gen da­hin, dass der Ar­beit­neh­mer zunächst nur An­halts­punk­te dar­le­gen und be­wei­sen muss, dass es ge­ra­de we­gen der Nich­ter­tei­lung oder der Er­tei­lung ei­nes man­gel­haf­ten Zeug­nis­ses nicht zu ei­ner Ein­stel­lung ge­kom­men ist. Aus­rei­chend ist ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit des Ur­sa­chen­zu­sam­men­hangs. Die­se ist ge­ge­ben, wenn die schrift­li­che Ab­sa­ge u. a. mit Hin­weis auf das Zeug­nis be­gründet wird und erst recht, wenn der ehe­ma­li­ge Ar­beit­ge­ber sein man­gel­haf­tes Zeug­nis auf Nach­fra­ge des Ar­beit­ge­bers, bei dem sich der Ar­beit­neh­mer be­wor­ben hat, be­kräftigt.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 10.06.2008, 8 Ca 1588/08
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen
Urt. v. 31.03.2009, Az.: 13 Sa 1267/08

 

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 10. Ju­ni 2008 – 8 Ca 1588/08 – ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin 6.000,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 13. März 2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Kläge­rin be­gehrt von der Be­klag­ten Scha­dens­er­satz we­gen ei­nes nicht ord­nungs­gemäß er­teil­ten Zeug­nis­ses.

Die Kläge­rin war vom 01. April 1998 bis zum 31. März 2007 bei der Be­klag­ten als Bank­an­ge­stell­te beschäftigt. Das mo­nat­li­che Brut­to­ein­kom­men der Kläge­rin be­trug zu­letzt € 3.537,39.

- 2 -

In ei­nem Kündi­gungs­schutz­streit schlos­sen die Par­tei­en am 14. No­vem­ber 2006 ei­nen Ver­gleich, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis zum 31. März en­de­te. In die­sem Ver­gleich ver­pflich­te­te sich die Be­klag­te u. a. zur Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses. Die ent­spre­chen­de Re­ge­lung die­ses Ver­gleichs lau­te­te:

„Die Be­klag­te er­teilt der Kläge­rin wei­ter­hin ein End­zeug­nis mit gu­ter Leis­tungs- und Führungs­be­ur­tei­lung so­wie ei­ner Dan­kes- und Ver­ab­schie­dungs­klau­sel.“

Da­nach er­teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin un­ter dem 31. März 2007 ein Zeug­nis, von dem die Kläge­rin der An­sicht war, dass es ih­re Tätig­kei­ten nicht umfäng­lich be­schrei­be und es der im Ver­gleich fest­ge­leg­ten Be­ur­tei­lung nicht ent­spre­che. We­gen des Wort­lauts des Zeug­nis­ses im Ein­zel­nen wird auf das von der Be­klag­ten er­teil­te Zeug­nis (Bl. 7 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Die Kläge­rin er­hob dar­auf­hin Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt auf Be­rich­ti­gung des er­teil­ten Zeug­nis­ses. Mit Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2007 gab das Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main den von der Kläge­rin ge­stell­ten Zeug­nis­be­rich­ti­gungs­anträgen in vol­lem Um­fan­ge statt (AZ.: 8 Ca 5583/07), und ver­ur­teil­te die Be­klag­te zu umfäng­li­cher Ergänzung und Be­rich­ti­gung des Zeug­nis­ses vom 31. März 2007.

A GmbH in Lud­wigs­ha­fen auf ei­ne Stel­le als As­sis­ten­tin der Geschäfts­lei­tung be­wor­ben. Un­ter dem 05. Fe­bru­ar 2008 rich­te­te die A GmbH ein Schrei­ben mit i.W. fol­gen­dem Wort­laut an die Kläge­rin:

„Sehr ge­ehr­te Frau B,

wie von Ih­nen an­ge­fragt, un­se­re Stel­lung­nah­me, war­um wie Sie lei­der nicht an­ge­stellt ha­ben.

Ihr Zeug­nis, ins­be­son­de­re der C in Frank­furt, zeigt lei­der ei­ne nicht aus­rei­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on; auf Nach­fra­ge wur­de Ih­nen nur ei­ne „Schul­no­te drei mi­nus“ er­teilt. Zu­dem wei­sen wir hin, dass das Zeug­nis er­heb­li­che Recht­schreib­feh­ler auf­weist.

Un­se­re An­for­de­run­gen führ­ten so­mit zu ei­ner Ab­sa­ge.

So­fern Sie ein wei­te­res qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis vor­le­gen können, wer­den wir uns selbst­re­dend noch­mals mit ih­rer Be­wer­bung beschäfti­gen; da wir der­zeit ei­ne noch­ma­li­ge Er­wei­te­rung des Per­so­nals fo­kus­sie­ren.

Wir hof­fen, Ih­nen hier­mit ge­dient zu ha­ben und ver­blei­ben mit freund­li­chem Gruß

D
Geschäftsführer.“

Die Kläge­rin hat be­haup­tet, dass für die Ab­leh­nung ih­rer Be­wer­bung durch die A GmbH al­lein das Zeug­nis der Be­klag­ten vom 31. März 1007 ursächlich ge­we­sen sei (Be­weis: Zeug­nis D). Die zu be­set­zen­de Stel­le wäre mit ei­nem Mo­nats­ge­halt von min­des­tens 4.000,00 € do­tiert ge­we­sen.

Die Kläge­rin ist der An­sicht ge­we­sen, dass ihr we­gen des ent­ge­gen den Ver­pflich­tun­gen aus dem Ver­gleich nur man­gel­haft er­teil­ten Zeug­nis­ses ein Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klag­te zu­ste­he.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie ei­nen Scha­den­er­satz­be­trag in Höhe von € 6.000,00 net­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift zu zah­len.

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat be­strit­ten, dass bei der A GmbH über­haupt ei­ne of­fe­ne Stel­le als As­sis­ten­tin der Geschäftsführung aus­ge­schrie­ben und zu be­set­zen war. Die A GmbH ha­be kein ernst­haf­tes In­ter­es­se an der Ein­stel­lung der Kläge­rin ge­habt. Auch die Kläge­rin sei an der Be­set­zung der Stel­le ei­ner As­sis­ten­tin der Geschäftsführung nicht ernst­lich in­ter­es­siert ge­we­sen. Aus dem Schrei­ben der A GmbH vom 05. Fe­bru­ar 2008 können nicht her­aus­ge­le­sen wer­den, dass die­se be­reit ge­we­sen wäre, die Kläge­rin ein­zu­stel­len, da auf ei­ne nicht aus­rei­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on ver­wie­sen wur­de.

Durch Ur­teil vom 10. Ju­ni 2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen, im We­sent­li­chen mit der Be­gründung, die Kläge­rin ha­be nicht den Be­weis er­brin­gen können, dass die A GmbH sie ge­ra­de we­gen des man­gel­haf­ten Zeug­nis­ses der Be­klag­ten nicht ein­ge­stellt ha­be. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen (Bl. 68 bis 73 d. A.).

Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 21. Ju­li 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die­se mit ei­nem beim er­ken­nen­den Ge­richt am 07. Au­gust 2008 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 13. Au­gust 2008 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Die Kläge­rin wie­der­holt und ver­tieft ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Sie sei ernst­haft an der Beschäfti­gung bei der A GmbH in­ter­es­siert ge­we­sen. Ih­re Be­wer­bung sei we­gen des man­gel­haf­ten Zeug­nis­ses der Be­klag­ten vom 31. März 2007 ge­schei­tert.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 10. Ju­ni 2008 - 8 Ca 1588/08 - ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr 6.000,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 13. März 2008 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und ist wei­ter der Auf­fas­sung, die A GmbH ha­be die Kläge­rin nicht we­gen des Zeug­nis­ses vom 31. März 2007, son­dern aus an­de­ren Gründen nicht ein­ge­stellt. Es sei auch un­klar, wel­ches An­for­de­rungs­pro­fil die Stel­le ge­habt ha­be. Die Kläge­rin hätte ei­ne ent­spre­chen­de Stel­len­aus­schrei­bung vor­le­gen müssen.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im zwei­ten Rechts­zug wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Nie­der­schrift der Be­ru­fungs­ver­hand­lung vom 31. März 2009 ver­wie­sen. Die Ak­te des Rechts­streits 8 Ca 5583/07 des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main war Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung.

Das Ge­richt hat gemäß Be­weis­be­schluss vom 31. März 2009 Be­weis er­ho­ben zu den um­strit­te­nen Gründen der Ab­sa­ge der A GmbH auf die Be­wer­bung der Kläge­rin durch Ver­neh­mung des Zeu­gen D. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird eben­falls auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 31. März 2009 (Bl. 127 - Bl. 129 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

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Ent­schei­dungs­gründe

Die gemäß den §§ 8 Abs. 2 ArbGG; 511 ZPO an sich statt­haf­te Be­ru­fung be­geg­net hin­sicht­lich des Wer­tes des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des (§ 64 Abs. 2 ArbGG) kei­nen Be­den­ken. Sie ist nach Maßga­be der im Tat­be­stand mit­ge­teil­ten Da­ten form- und frist­ge­recht ein­ge­legt so­wie recht­zei­tig und ord­nungs­gemäß be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1 ArbGG; 517, 519, 520 ZPO) und da­mit ins­ge­samt zulässig.

Die Be­ru­fung ist auch in der Sa­che er­folg­reich.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist zulässig und be­gründet.

Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten die be­gehr­te Zah­lung von 6.000,00 € nebst Zin­sen un­ter dem Ge­sichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes ver­lan­gen.

Ein Ar­beit­ge­ber, der schuld­haft sei­ne Zeug­nis­pflicht (§ 109 Ge­wO) ver­letzt, schul­det dem Ar­beit­neh­mer Er­satz des da­durch ent­ste­hen­den Scha­dens. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch kann so­wohl we­gen Pflicht­ver­let­zung (§ 280 BGB) wie auch we­gen Schuld­ner­ver­zugs (§ 286 BGB) ge­ge­ben sein. In bei­den Fällen setzt der Scha­dens­er­satz­an­spruch vor­aus, dass das Zeug­nis nicht gehörig oder ver­spätet aus­ge­stellt wur­de, dass dem Ar­beit­neh­mer ein Scha­den ent­stan­den ist und dass der ein­ge­tre­te­ne Scha­den auf der schuld­haf­ten Ver­let­zung der Zeug­nis­pflicht be­ruht (BAG vom 16. No­vem­ber 1995 - 8 AZR 983/94 - EzA Nr. 20 zu § 630 BGB; BAG vom 26. Fe­bru­ar 1976 - 3 AZR 215/75 - AP Nr. 3 zu § 252 BGB; BAG vom 25. Ok­to­ber 1967 - 3 AZR 456/66 - AP Nr. 6 zu § 73 HGB; Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb, Ar­beits­recht Kom­men­tar, 3. Aufl. 2008, § 109 Ge­wO Rand­ziff. 41). Im vor­lie­gen­den Fall ist die schuld­haf­te Ver­let­zung der Zeug­nis­pflicht durch die Be­klag­te of­fen­kun­dig. Die Be­klag­te ist rechts­kräftig zur Kor­rek­tur ih­res Zeug­nis­ses vom 31. März 2007 ver­ur­teilt wor­den.

Der Kläge­rin ist durch die Ver­let­zung der Zeug­nis­pflicht auch ein Scha­den ent­stan­den. Ih­re Be­wer­bung ist we­gen des man­gel­haf­ten Zeug­nis­ses der Be­klag­ten ge­schei­tert. Den Be­weis hierfür hat die Kläge­rin er­bracht.

Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür, dass die Nich­ter­tei­lung, die ver­späte­te Er­tei­lung oder die Er­tei­lung ei­nes un­rich­ti­gen Zeug­nis­ses für ei­nen Scha­den des Ar­beit­neh­mers ursächlich ge­we­sen sei, liegt beim Ar­beit­neh­mer. Macht der Ar­beit­neh­mer ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend, weil er we­gen des feh­len­den ord­nungs­gemäßen Zeug­nis­ses ei­nen Ver­dienst­aus­fall er­lit­ten ha­be, so muss er dar­le­gen und ggf. be­wei­sen, dass ein be­stimm­ter Ar­beit­ge­ber be­reit ge­we­sen sei, ihn ein­zu­stel­len, sich aber we­gen des feh­len­den oder man­gel­haf­ten Zeug­nis­ses da­von ha­be ab­hal­ten las­sen (BAG vom 16. No­vem­ber 1995, a. a. O.; BAG vom 26. Fe­bru­ar 1976, a. a. O.; BAG vom 24. März 1977 - 3 AZR 232/76 - AP Nr. 12 zu § 630 BGB; BAG vom 25. Ok­to­ber 1967, a. a. O.).

Dafür spricht zwar nicht der Be­weis des ers­ten An­scheins, wie das Ar­beits­ge­richt in Übe­rein­stim­mung mit der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG be­reits zu­tref­fend fest­ge­stellt hat.

Der Ar­beit­neh­mer kann sich aber auf sons­ti­ge Be­wei­ser­leich­te­run­gen be­ru­fen. Der po­si­ti­ve Be­weis, dass das feh­len­de Zeug­nis ursächlich für den Scha­den ge­we­sen sei, wird häufig nicht zu führen sein. Der Ar­beit­neh­mer wird da­durch aber nicht un­zu­mut­bar be­las­tet, denn nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der die Kam­mer folgt, kom­men dem Ar­beit­neh­mer die Be­wei­ser­leich­te­run­gen nach § 252 Satz 2 BGB und § 287 ZPO zu­gu­te (BAG vom 16. No­vem­ber 1995, a. a. O.; BAG vom 26. Fe­bru­ar 1976, a. a. O. und BAG vom 25. Ok­to­ber 1967, a. a. O.), wenn er dem Ge­richt zunächst die tatsächli­chen Grund­la­gen für die zu tref­fen­de Be­ur­tei­lung oder Schätzung lie­fert. Der Ar­beit­neh­mer muss An­halts­punk­te vor­tra­gen und be­wei­sen, dass es ge­ra­de we­gen des Zeug­nis­ses nicht zu ei­ner Ein­stel­lung ge­kom­men ist. Aus­rei­chend und not­wen­dig ist ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit des Ur­sa­chen­zu­sam­men­hangs (vgl. auch LAG Hes­sen vom 30. Ju­li 2003 - 2 Sa 159/03 - n. v.), et­wa da­hin, ein be­stimm­ter Ar­beit­ge­ber sei „ernst­haft in­ter­es­siert“ ge­we­sen und „die Zeug­nis­fra­ge sei zur Spra­che ge­bracht wor­den“ (BAG vom 25. Ok­to­ber 1967, a. a. O.).

- 5 -

Dies ist der Kläge­rin im vor­lie­gen­den Fall ge­lun­gen. Durch Schrei­ben vom 14. No­vem­ber 2007 hat sie sich un­strei­tig auf die Stel­le ei­ner As­sis­ten­tin der Geschäfts­lei­tung bei der A GmbH be­wor­ben. Die Ab­sa­ge der A GmbH ist mit dem man­gel­haf­ten Zeug­nis der Be­klag­ten be­gründet. Die Wahr­schein­lich­keit ei­nes Ur­sa­chen­zu­sam­men­hangs zwi­schen dem Zeug­nis der Be­klag­ten und der Ab­sa­ge der A GmbH wird bestätigt durch die Aus­sa­ge des Zeu­gen D, Geschäftsführer der A GmbH. Er hat in sei­ner Ver­neh­mung zunächst für die Kam­mer nach­voll­zieh­bar ge­schil­dert, wie es zu dem Kon­takt zwi­schen ihm und der Kläge­rin ge­kom­men ist und war­um er ge­ra­de an ei­ner grie­chisch-spra­chi­gen Mit­ar­bei­te­rin in­ter­es­siert war. Da­mit sind schon die von der Be­klag­ten vor­ge­brach­ten Zwei­fel aus­geräumt, es ha­be sich even­tu­ell nur um ei­ne Schein­be­wer­bung oh­ne ernst­li­ches In­ter­es­se bei­der Sei­ten ge­han­delt. Wei­ter hat der Zeu­ge be­kun­det, er ha­be so­gar mit der Be­klag­ten un­mit­tel­bar Kon­takt auf­ge­nom­men, um et­was über die Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin zu er­fah­ren und da­bei den Ein­druck ge­won­nen, es ha­be ei­nen Zwist zwi­schen den Par­tei­en ge­ge­ben. Die Be­klag­te ha­be sich nach­tei­lig über die Kläge­rin geäußert. Da­mit hat der Zeu­ge zu­gleich die For­mu­lie­rung sei­ner Ab­sa­ge vom 05. Fe­bru­ar 2008 erläutert: „Auf Nach­fra­ge wur­de Ih­nen nur ei­ne Schul­no­te Drei mi­nus er­teilt“.

Die Be­ru­fungs­kam­mer hält die Aus­sa­ge des Zeu­gen für glaub­haft. Sie ist le­bens­nah und passt zu dem un­strei­ti­gen Teil des Vor­brin­gens der Par­tei­en. Zu­gleich wirkt sie in ih­rer Ausführ­lich­keit und mit ih­ren er­kenn­ba­ren Un­ge­nau­ig­kei­ten in be­lang­lo­sen De­tails au­then­tisch und oh­ne künst­li­che Ge­wich­tun­gen im Sin­ne ei­ner der Par­tei­en. Der Zeu­ge D er­schien der Kam­mer auch glaubwürdig. Ir­gend­ein persönli­ches In­ter­es­se am Aus­gang des Rechts­streits fehlt im völlig. Er präsen­tier­te sich im Auf­tritt und Dik­ti­on zwar un­or­tho­dox. Die von ihm ge­schil­der­ten Prak­ti­ken im Um­gang mit Be­wer­bern zeu­gen eben­falls von ei­nem ei­ge­nen „Stil“. Ge­ra­de die­ses un­ge­schmink­te Be­kennt­nis zur ei­ge­nen Art und ei­ge­ner Pra­xis las­sen die Kam­mer aber zu der Über­zeu­gung ge­lan­gen, dass der Zeu­ge glaubwürdig ist und oh­ne Aus­las­sun­gen und Hin­zufügun­gen das be­kun­det hat, was aus sei­ner Sicht zu­trifft.

Die Kläge­rin hat da­mit über­deut­lich den Be­weis geführt, dass das man­gel­haf­te Zeug­nis der Be­klag­ten für die Ab­sa­ge der A GmbH von aus­schla­gen­der Be­deu­tung war.

Der von ihr an­ge­setz­te Scha­den von 6.000,00 € ent­spricht nach ih­rem ei­ge­nen un­wi­der­spro­che­nen Vor­trag ei­nem ent­gan­ge­nen Ver­dienst bei der A GmbH für et­wa sechs Wo­chen. Dies ist nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer ein Ver­dienst, der nach dem gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge oder den be­son­de­ren Umständen mit Wahr­schein­lich­keit er­war­tet wer­den konn­ten (§ 252 Satz 2 BGB, § 287 ZPO). Bei ei­ner Ein­stel­lung wäre die Kläge­rin wohl kaum schnel­ler als nach sechs Wo­chen wie­der ent­las­sen wor­den, falls es in dem Ar­beits­verhält­nis nicht har­mo­niert hätte.

Da­mit ist der von der Kläge­rin er­lit­te­ne Scha­den auch sei­ner Höhe nach aus­rei­chend dar­ge­legt.

Die be­gehr­ten Zin­sen fin­den ih­re Recht­fer­ti­gung in § 281 BGB.

Die Be­klag­te hat als Un­ter­le­ge­ne die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen (§ 91 Abs. 1 ZPO).

Ei­ne ge­setz­lich be­gründe­te Ver­an­las­sung zur Zu­las­sung der Re­vi­si­on (§ 72 Abs. 2 ArbGG) ist nicht er­sicht­lich.

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