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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Tarifvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 18 Sa 507/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 07.11.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Paderborn
   

18 Sa 507/07

3 Ca 1280/06 Ar­beits­ge­richt Pa­der­born 4 AZR 232/08

 

Verkündet am 07.11.2007

Gre­watsch Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 18. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 07.11.2007
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Knipp
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Möllers und Schu­mann

für Recht er­kannt:

 

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Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 24.01.2007 – 3 Ca 1280/06 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten der Be­ru­fung wer­den der Kläge­rin auf­er­legt.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche der Kläge­rin auf das ta­rif­li­che Ur­laubs­geld für das Jahr 2006, auf Vergütungs­ansprüche für in den Mo­na­ten April bis Ju­ni 2006 ge­leis­te­te Ar­beits­zeit so­wie die Gut­schrift von zwei Ur­laubs­ta­gen auf das Ur­laubs­kon­to der Kläge­rin.

Die am 09.07.1970 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 01.06.1992 bei der Be­klag­ten als De­ko­ra­teu­rin beschäftigt, zu­letzt als stell­ver­tre­ten­de Ab­tei­lungs­lei­te­rin der De­ko-Ab­tei­lung. Ihr Brut­to­mo­nats­ge­halt be­trug zu­letzt 2.136,-- €. Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses ist der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag, in dem u.a. Fol­gen­des ge­re­gelt wird:

§ 1 An­stel­lung ...

3. Die Ta­rif­verträge für die Beschäftig­ten im Ein­zel­han­del des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in ih­rer je­weils gel­ten­den Fas­sung und de­ren Nach­fol­ge­verträge sind Be­stand­teil die­ses Ver­tra­ges.
Be­steht ei­ne Be­triebs- und/oder So­zi­al­ord­nung, so ist/sind auch die­se Be­stand­teil die­ses Ver­tra­ges in ih­rer je­weils gel­ten­den Fas­sung.

 

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§ 7 Ur­laub und Ur­laubs­geld

1. Jeg­li­cher Ur­laubs­an­spruch ent­steht erst­ma­lig nach mehr als drei­mo­na­ti­ger un­un­ter­bro­che­ner Be­triebs­zu­gehörig­keit. Die Dau­er des Ur­laubs rich­tet sich nach den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen.
2. Der Ur­laub beträgt dem­nach zur Zeit 27 Werk­ta­ge im Ka­len­der­jahr, für 1991 an­tei­lig.
3. Der/Die Ar­beit­neh­mer/in erhält ein Ur­laubs­geld ent­spre­chend den ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen. Das Ur­laubs­geld beträgt dem­nach zur Zeit 1.233,-- DM, für 1991 an­tei­lig.

In dem ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del Nord­rhein-West­fa­len e.V. vom 25.07.2003 (MTV), der am 31.03.2006 außer Kraft trat, war u.a. Fol­gen­des ge­re­gelt:

...

§ 2 Ar­beits­zeit

(1) Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit beträgt 37,5 St­un­den aus­sch­ließlich der Pau­sen. Im Übri­gen rich­tet sich die Ar­beits­zeit nach den Vor­schrif­ten des Ar­beits­zeit­ge­set­zes, der Ge­wer­be­ord­nung, des Ju­gend­ar­beits­schutz­ge­set­zes so­wie des Mut­ter­schutz­ge­set­zes.

...

§ 4 Mehr­ar­beit

(1) Mehr­ar­beit für Voll­beschäftig­te ist je­de über die ver­ein­bar­te oder fest­ge­leg­te tägli­che Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­de Ar­beit, so­fern sie nicht gemäß § 2 Abs. 5 aus­ge­gli­chen wird. Mehr­ar­beit für Teil­zeit­beschäftig­te ist je­de Ar­beits­zeit, die über die in § 2 Abs. 1 ge­re­gel­te Ar­beits­zeit hin­aus ge­leis­tet wird.

(2) Ei­ne über die ta­rif­li­che Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­zeit bis zu 40 St­un­den je Wo­che ist als zu­schlag­freie Mehr­ar­beit zu vergüten.

 

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§ 15 Ur­laub
...

(2) Ur­laubs­jahr ist das Ka­len­der­jahr. Maßge­bend für die Ur­laubs­dau­er ist das Le­bens­al­ter bei Be­ginn des Ka­len­der­jah­res.

(3) Der Ur­laub beträgt je Ka­len­der­jahr:

bis zum voll­ende­ten 20. Le­bens­jahr 30
nach dem voll­ende­ten 20. Le­bens­jahr 32
nach dem voll­ende­ten 23. Le­bens­jahr 34
nach dem voll­ende­ten 30. Le­bens­jahr 36 Werk­ta­ge
..

Ta­rif­lich ein­grup­piert ist die Kläge­rin in die Ge­halts­grup­pe G I 6. Sie erhält für ih­re Funk­ti­on als stell­ver­tre­ten­de Ab­tei­lungs­lei­te­rin wei­ter ei­ne Zu­la­ge in Höhe von 150,-- €.

Die Kläge­rin ist seit 1987 Mit­glied der Ge­werk­schaft ver.di bzw. der Rechts­vorgänge­rin HBV.

Die Be­klag­te ist Mit­glied des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ost­west­fa­len-Lip­pe. Durch Schrei­ben vom 20.09.2004 erklärte die Be­klag­te ge­genüber dem Ein­zel­han­dels­ver­band den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung (Bl. 111 d.A.). Mit Schrei­ben vom 23.09.2004 (Bl. 112 d.A.) bestätig­te der Ein­zel­han­dels­ver­band Ost­west­fa­len-Lip­pe die An­nah­me des An­trags zum Wech­sel in die OT-Mit­glied­schaft. Seit dem 01.11.2004 wird die Be­klag­te nur noch als Mit­glied oh­ne Ta­rif­bin­dung beim Ein­zel­han­dels­ver­band Ost­west­fa­len-Lip­pe geführt. Das Ver­fah­ren des Er­werbs der Mit­glied­schaft ist in § 3 der Sat­zung des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ost­west­fa­len-Lip­pe e.V. (Bl. 113, 114 d.A.) ge­re­gelt.

Die Par­tei­en schlos­sen un­ter dem 01.03.2005 ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges (Bl. 10 d.A.), in der die Par­tei­en u.a. Fol­gen­des re­gel­ten:

Die Par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass der zwi­schen ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­ver­trag mit Wir­kung ab dem 01.04.2005 wie folgt geändert wird. Die

 

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da­bei nicht ge­nann­ten Re­ge­lun­gen gel­ten wei­ter. Eben­so bleibt die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit ge­wahrt.

Ar­beits­zeit
Die wöchent­li­che Ar­beits­zeit beträgt 40,0 St­un­den.

Zu­schläge
Auf Spätöff­nungs- und Mehr­ar­beits­zu­schläge be­steht kein An­spruch.

Son­der­zah­lun­gen
Ein evtl. bis­he­ri­ger An­spruch auf Son­der­zah­lun­gen (Ur­laubs­geld und Weih­nachts­geld) entfällt.
...

Ur­laub
Der Ur­laub beträgt ab dem 01.01.2005 nach Le­bens­jahr ge­staf­felt:
...

nach dem voll­ende­ten 30. Le­bens­jahr 28 Ar­beits­ta­ge je Ka­len­der­jahr.

Im März 2005 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin nach Un­ter­zeich­nung der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 in ei­nem wei­te­ren Schrei­ben mit, dass sie im Hin­blick auf die Ver­ein­ba­rung zur Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges auf ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin bis zum 28.02.2007 ver­zich­te und bis zu die­sem Zeit­punkt den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses ga­ran­tie­re.

In der Fol­ge­zeit wur­de die Kläge­rin ab 01.04.2005 mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 40 St­un­den ein­ge­setzt oh­ne Erhöhung der Mo­nats­vergütung.

Mit der am 25.09.2006 bei dem Ar­beits­ge­richt Pa­der­born ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Zah­lung des ta­rif­ver­trag­li­chen Ur­laubs­gel­des für 2006 so­wie die Vergütung der in der Zeit von April bis Ju­ni 2006 ge­leis­te­ten über 37,5 Wo­chen­ar­beits­stun­den hin­aus ge­hen­den Ar­beits­zei­ten und die Gut­schrift von zwei wei­te­ren Ur­laubs­ta­gen für das Jahr 2006 be­an­sprucht.

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, ihr für die Zeit von April bis Ju­ni 2006 die über 37,5 St­un­den ge­leis­te­ten Wo­chen­ar­beits­stun­den mit 424,96 € brut­to zu vergüten. Wei­ter­hin ste­he ihr für das Jahr 2006 das ta­rif­ver­trag­li­che Ur­laubs­geld in

 

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Höhe von 881,72 € brut­to zu. Darüber hin­aus ha­be die Be­klag­te ihr zwei Ur­laubs­ta­ge auf dem Ur­laubs­kon­to gut­zu­schrei­ben, da sie gemäß dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel­han­del ei­nen jähr­li­chen Ur­laubs­an­spruch von 30 Ur­laubs­ta­gen ha­be. Die Be­gründung ei­ner OT-Mit­glied­schaft der Be­klag­ten könne kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den, da die­se schon un­wirk­sam sei. Eben­so sei die von den Par­tei­en un­ter dem 01.03.2005 ge­schlos­se­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung un­zulässig, da hin­sicht­lich der ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge des Ein­zel­han­dels ei­ne Nach­bin­dung be­stan­den ha­be. Im Übri­gen sei der von den Par­tei­en am 01.03.2005 ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­rung ei­ne Ar­beits­zeit­erhöhung oh­ne Lohn­aus­gleich nicht zu ent­neh­men. Ei­ne Vor­be­spre­chung der Ver­ein­ba­rung durch die Par­tei­en ha­be nicht statt­ge­fun­den.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 1.306,68 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz nach § 247 BGB seit dem 01.09.2006 zu zah­len,
2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ih­rem Ur­laubs­kon­to zusätz­lich zwei Ta­ge gut­zu­schrei­ben.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ih­re OT-Mit­glied­schaft sei zulässig. We­gen der von den Par­tei­en am 01.03.2005 ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­rung stünden der Kläge­rin die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche nicht zu. Die Ver­ein­ba­rung sei wirk­sam und re­ge­le ein­deu­tig, dass die Wo­chen­ar­beits­zeit­erhöhung oh­ne Lohn­aus­gleich er­fol­ge. Darüber hin­aus sei­en mit der Kläge­rin vor Un­ter­zeich­nung der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung al­le Ein­zel­hei­ten erörtert wor­den. Ins­be­son­de­re sei dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass die Ver­ein­ba­rung der Si­che­rung der Ar­beitsplätze bei der Be­klag­ten die­ne.

Das Ar­beits­ge­richt hat die zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­ne Ver­ein­ba­rung zur Abände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2005 für wirk­sam an­ge­se­hen und durch Ur­teil vom 24.01.2007 die Kla­ge ab­ge­wie­sen und die Kos­ten des Rechts­streits der Kläge­rin auf­er­legt. Den Streit­wert hat es auf 1.510,11 € fest­ge­setzt.

 

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Ge­gen die­ses ihr am 20.02.2007 zu­ge­stell­te und we­gen der sons­ti­gen Ein­zel­hei­ten hier­mit in Be­zug ge­nom­me­ne Ur­teil hat die Kläge­rin am 19.03.2007 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 21.05.2007 am 21.05.2007 be­gründet.

Die Kläge­rin greift das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil im We­sent­li­chen vollständig an un­ter Auf­recht­er­hal­tung ih­rer erst­in­stanz­lich ver­tre­te­nen Auf­fas­sung.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 24.01.2007 – 3 Ca 1280/06 – ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 1.155,77 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab 01.09.2006 zu zah­len und ih­rem Ur­laubs­kon­to zusätz­lich zwei Ta­ge für das Ur­laubs­jahr 2006 gut­zu­schrei­ben.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 24.01.2007 – 3 Ca 1280/06 – zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.

We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Par­tei­en wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst de­ren An­la­gen ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist nicht be­gründet.

A. Der Kläge­rin steht der be­gehr­te An­spruch auf Zah­lung der Vergütungs­dif­fe­renz für die Mo­na­te April bis Ju­ni 2006 in Höhe von 274,05 € nicht gemäß § 611 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit dem Ar­beits­ver­trag zu.

 

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Die Kläge­rin hat zwar ih­re ver­trag­lich ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung in der Zeit, für die sie die Rest­vergütung ver­langt, ge­leis­tet. Hier­durch wur­de aber ein über die von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Mo­nats­vergütung hin­aus­ge­hen­der Vergütungs­an­spruch nicht be­gründet.

Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ge­se­hen hat, steht dem streit­ge­genständ­li­chen Vergütungs­an­spruch die zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung zur Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2005 ent­ge­gen.

I. Die­se Ver­ein­ba­rung ist nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 4 Abs. 3 TVG un­wirk­sam (§ 134 BGB).
Nach § 4 Abs. 3 TVG sind von ei­nem Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Ab­ma­chun­gen für ta­rif­ge­bun­de­ne Par­tei­en nur dann zulässig, so­weit sie durch den Ta­rif­ver­trag ge­stat­tet sind oder ei­ne Ände­rung der Re­ge­lun­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten.

1. Für bei­de Par­tei­en be­stand zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 bezüglich des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges (MTV) Ta­rif­bin­dung.
Nach § 3 Abs. 1 TVG sind ta­rif­ge­bun­den die Mit­glie­der der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en und der Ar­beit­ge­ber, der selbst Par­tei des Ta­rif­ver­tra­ges ist.
Nach § 3 Abs. 3 TVG bleibt die Ta­rif­ge­bun­den­heit be­ste­hen bis der Ta­rif­ver­trag en­det.

a) Am 01.03.2005 war die Kläge­rin Mit­glied der Ta­rif­ver­trags­par­tei ver.di und da­mit ta­rif­ge­bun­den.

b) Da­ge­gen war die Be­klag­te – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin – nicht mehr nach § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den. Die Ta­rif­ge­bun­den­heit der Be­klag­ten en­de­te mit dem Wech­sel der Be­klag­ten von der Mit­glied­schaft mit Ta­rif­bin­dung im Ein­zel­han­dels­ver­band Ost­west­fa­len-Lip­pe e.V. zu ei­ner Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung (OT-Mit­glied­schaft) am 01.11.2004.

aa) Die von der Be­klag­ten be­gründe­te Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung ist in der nach der Sat­zung vor­ge­schrie­be­nen Form er­folgt und zulässig.
Ein Ar­beit­ge­ber­ver­band kann in sei­ner Sat­zung – wie vor­lie­gend in § 3 Zif­fer 2 des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ost­west­fa­len-Lip­pe e.V. – ei­ne Form der Mit­glied­schaft vor­se­hen, die nicht zur Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 1 TVG führt. Die Ko­ali­tio­nen sind grundsätz­lich nicht ge­hin­dert, in ih­ren Sat­zun­gen die Rech­te und Pflich­ten ih­rer Mit­glie­der un­ter­schied­lich aus­zu­ge­stal­ten. Dies schließt auch die Möglich­keit ein, Mit­glied­schaf­ten vor­zu­se­hen, wel­che nicht die Rechts­fol­gen des § 3 Abs. 1 TVG auslösen. Nach der Recht­spre­chung des

 

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Bun­des­ar­beits­ge­richts be­ste­hen kei­ne durch­grei­fen­den recht­li­chen Be­den­ken hier­ge­gen (vgl. BAG, Be­schluss vom 18.07.2006 -1 ABR 36/05 – NZA 2006, 1225; BAG, Ur­teil vom 23.02.2005 – 4 AZR 186/04 – NZA 2005, 1320; ErfK/Frant­zen, 7. Aufl., § 3 TVG Rz. 21; Löwisch/Rieb­le, 2. Aufl., § 3 TVG Rz. 86; Wil­helm/Dann­horn, NZA 2006, 466, 472). In­so­weit ist der Wech­sel der Mit­glied­schaft nicht an­ders zu be­han­deln, als der Aus­tritt aus dem Ver­band.

bb) Der Wech­sel er­folg­te auch in der von der Sat­zung des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ost­west­fa­len-Lip­pe e.V. vor­ge­schrie­be­nen Form. Die Be­klag­te hat am 20.09.2004 den An­trag ge­stellt. Die­ser An­trag ist am 23.09.2004 durch den Vor­stand des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des Ost­west­fa­len-Lip­pe an­ge­nom­men wor­den. Die Be­klag­te hat dies nach­ge­wie­sen durch die Vor­la­ge des Ori­gi­nals der An­nah­me­verklärung des Vor­stan­des vom 23.09.2004, un­ter­zeich­net von dem Vor­stands­vor­sit­zen­den W3.

c) Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Abände­rungs­ver­tra­ges (01.03.2005) be­stand aber noch ei­ne Ta­rif­ge­bun­den­heit der Be­klag­ten gemäß § 3 Abs. 3 TVG bezüglich des am 25.07.2003 ab­ge­schlos­se­nen Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für den Ein­zel­han­del NRW, gültig ab 01.04.2003, der frühes­tens zum 31.12.2005 gekündigt wer­den konn­te (§ 7 Abs. 3 MTV) und am 31.03.2006 außer Kraft trat § 27 Abs. 2 MTV Ein­zel­han­del NRW vom 10.02.2006) .
Da­mit war die Be­klag­te auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Mit­glieds­sta­tus bei dem Ein­zel­han­dels­ver­band Ost­west­fa­len-Lip­pe e.V. eben­falls bis zum 31.03.2006 noch gemäß § 3 Abs. 3 TVG an dem Man­tel­ta­rif­ver­trag Ein­zel­han­del (MTV) ge­bun­den.

2. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 la­gen auch die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Abs. 3 TVG vor.

a) Die Ver­ein­ba­rung ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 40 St­un­den weicht von der ta­rif­li­chen Re­ge­lung in § 2 Abs. 1 MTV ab.

b) Die ver­trag­li­che Re­ge­lung der Erhöhung der Wo­chen­ar­beits­zeit von 37,5 auf 40 St­un­den ist kei­ne zu Guns­ten der Kläge­rin ab­wei­chen­de Re­ge­lung.
Bei ei­nem Güns­tig­keits­ver­gleich von ta­rif­li­chen und ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nach § 4 Abs. 3 TVG sind nur sach­lich zu­sam­menhängen­de Ar­beits­be­din­gun­gen ver­gleich­bar und des­halb zu berück­sich­ti­gen. § 4 Abs. 3 TVG lässt es nicht zu, dass Ta­rif­be­stim­mun­gen über die Wo­chen­ar­beits­zeit und die Höhe des Ar­beits­ent­gelts mit ei­ner be­trieb­li­chen Ar­beits­platz­ga­ran­tie ver­gli­chen wer­den (vgl. z.B. BAG, Ur­teil vom 97.11.2002 – 2 AZR 742/00 – DB 2003, 742).

 

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3. Da die Ver­ein­ba­rung zur Abände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2005 ta­rif­lich nicht ge­stat­tet ist und auch kei­ne Ände­rung zu­guns­ten der Kläge­rin enthält, bleibt fest­zu­stel­len, wel­che recht­li­chen Wir­kun­gen die­se Ab­wei­chung bezüglich der streit­ge­genständ­li­chen Vergütungs­for­de­rung für die Zeit April bis Ju­ni 2006 hat.

a) Es ist um­strit­ten, ob ei­ne ge­gen § 4 Abs. 3 TVG ver­s­toßen­de Re­ge­lung nich­tig ist oder ob sie durch die un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de ta­rif­li­che Re­ge­lung nur ver­drängt wird (vgl. BAG, Ur­teil vom 23.02.2005 – 4 AZR 186/04 – DB 2005, 2307).
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in der Ent­schei­dung vom 23.02.2005 zwei mögli­che Lösungs­we­ge auf­ge­zeigt, die ver­tret­bar sei­en.

aa) Würde man von ei­ner Nich­tig­keit der Ver­ein­ba­rung we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 4 Abs. 3 TVG aus­ge­hen, so wäre die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung der Par­tei­en über die Erhöhung der Wo­chen­ar­beits­zeit gemäß § 134 BGB un­wirk­sam, zu­min­dest so­lan­ge bis die Ta­rif­bin­dung en­det. Nach den Maßstäben des § 139 BGB wäre dann aus­zu­le­gen, ob die Ver­ein­ba­rung für den Zeit­raum der Nach­wir­kung ge­trof­fen wor­den wäre, wenn die Par­tei­en die Un­wirk­sam­keit ih­rer Ver­ein­ba­rung im Hin­blick auf den vor­lie­gen­den Fall für den Zeit­raum 01.04. bis 31.12.2005 ge­kannt hätten.
Bei die­ser Lösung ist schon frag­lich, ob § 4 Abs. 3 TVG ein ge­setz­li­ches Ver­bot im Sin­ne des § 134 BGB dar­stellt (vgl. z.B. Buch­ner, RdA 2006, 308, 311 m.w.N.).

bb) In Übe­rein­stim­mung mit der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts hält das Be­ru­fungs­ge­richt die zwei­te vom Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 23.02.2005 an­ge­dach­te Lösungsmöglich­keit für über­zeu­gend.
Die­se geht von ei­ner Ver­drängung der ver­trag­li­chen Re­ge­lung durch die ta­rif­ver­trag­li­chen Vor­schrif­ten aus mit der Fol­ge, dass die ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen grundsätz­lich wie­der auf­le­ben können (vgl. z.B. ErfK/Frant­zen, 7. Aufl., § 4 TVG Rz. 3 m.w.N.; Buch­ner, RdA 2006, 308 ff.). Die­se Grundsätze gel­ten auch im vor­lie­gen­den Fall.
Dies er­gibt sich aus der Aus­le­gung der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005.

(1) Nach § 157 BGB sind Verträge so aus­zu­le­gen, wie Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te es er­for­dern. Da­bei ist nach 133 BGB der wirk­li­che Wil­le des Erklären­den zu er­for­schen und nicht an dem buchstäbli­chen Sin­ne des Aus­drucks zu haf­ten. Zunächst ist der Wort­laut für die Aus­le­gung maßgeb­lich. Zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind da­ne­ben auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen (vgl.

 

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BAG, Ur­teil vom 05.06.2007 – 9 AZR 241/06 – NZA 2007, 1369; BAG, Ur­teil vom 11.04.2006 – 9 AZR 369/05 – NZA 2006, 927).

(2) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei­en bei dem Ver­trags­schluss zu­min­dest auch die Be­sei­ti­gung der Nach­wir­kung ge­wollt ha­ben.
Der Be­klag­ten ging es auf­grund ih­rer wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on dar­um, in je­dem Fall ei­ne Min­de­rung der Lohn­kos­ten zum frühestmögli­chen Zeit­punkt zu er­rei­chen. Die Kläge­rin hat of­fen­sicht­lich we­gen der be­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten der Be­klag­ten und der Gefähr­dung ih­res Ar­beits­plat­zes die Min­de­rung der Vergütungs­ansprüche durch die Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 für die Zu­kunft ak­zep­tiert. Bei­de Par­tei­en ha­ben ei­ne Bin­dung für die Zu­kunft zum frühestmögli­chen Zeit­punkt ge­wollt. Die­ser Wil­le er­fasst auch den Fall, dass die Ver­ein­ba­rung als Teil ei­nes Bünd­nis­ses für Ar­beit erst wirk­sam wer­den kann nach Ab­lauf des noch lau­fen­den Ta­rif­ver­tra­ges mit Weg­fall der Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten nach § 3 Abs. 3 TVG.

cc) Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung, wie sie die Par­tei­en ge­schlos­sen ha­ben, verstößt nicht ge­gen ein ge­setz­li­ches Ver­bot im Sin­ne des § 134 BGB.
Die­se ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ver­drängt zunächst kraft ih­res aus der Rechts­quel­len­hier­ar­chie fol­gen­den Vor­rangs die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, die im Hin­blick auf den Ab­lauf ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­trof­fen wor­den ist. Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 23.02.2005 (a.a.O.) ent­schie­den hat, kann ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung, die die Nach­wir­kung gemäß § 4 Abs. 5 TVG auslösen soll, auch schon vor Ein­tritt der Nach­wir­kung aus­ge­schlos­sen wer­den, wie im vor­lie­gen­den Fall.

b) So wur­de die Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 bis zur Be­en­di­gung der bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit ver­drängt. Mit Ab­lauf des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges vom 25.07.2003 am 31.03.2006 ist die Ver­ein­ba­rung dann als an­de­re Ab­ma­chung im Sin­ne des § 4 Abs. 5 TVG wirk­sam ge­wor­den.

4. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin hat der Man­tel­ta­rif­ver­trag vom 25.07.2003 mit dem Außer­kraft­tre­ten zum 31.03.2006 sei­ne Wirk­sam­keit für das Ar­beits­verhält­nis ver­lo­ren.

So­weit in § 27 Abs. 6 MTV ge­re­gelt ist, dass die­ser Ta­rif­ver­trag auch nach er­folg­ter Kündi­gung bis zum Ab­schuss ei­nes neu­en Ver­tra­ges in Kraft blei­ben und die Rechts­wir­kun­gen en­den, wenn nach Durchführung ei­nes Sch­lich­tungs­ver­fah­rens ei­ne der Ver­trags­par­tei­en den an­de­ren Ver­trags­par­tei­en schrift­lich mit­teilt, dass die Ver­hand­lun­gen als ge­schei­tert an­zu­se­hen sind, führt die­se Re­ge­lung nicht zu ei­ner Verlänge­rung der

 

- 12 - 

Ta­rif­bin­dung nach § 3 Abs. 3 TVG über den Zeit­punkt des Ab­laufs der Kündi­gungs­frist hin­aus.
Nach herr­schen­der Mei­nung können die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Nach­wir­kung nicht zur ech­ten Norm­wir­kung verstärken. In­so­weit ist der Re­ge­lung in § 4 Abs. 5 TVG zwin­gen­de Wir­kung bei­zu­le­gen (Wie­de­mann, TVG, 7. Aufl., § 4 Rz. 361; Löwisch/Rieb­le, TVG, 2. Aufl., § 4 Rz. 412, an­de­rer Auf­fas­sung: Däubler/Be­cker, § 4 TVG Rz. 895). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können die nach­wir­ken­den Ta­rif­nor­men al­lein durch ei­nen neu­en ech­ten Ta­rif­ver­trag abändern. Durch die Kündi­gung ver­liert der Ta­rif­ver­trag sei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist (vgl. hier­zu Löwisch/Rieb­le, TVG, 2. Aufl., § 4 Rz. 13).

II. In Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt ist die von den Par­tei­en am 01.03.2005 ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung auch da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Erhöhung der Ar­beits­zeit oh­ne Lohn­aus­gleich ver­ein­bart wur­de.

Dies er­gibt sich aus der Aus­le­gung der Ver­ein­ba­rung nach §§ 157, 133 BGB un­ter Berück­sich­ti­gung der o.a. (un­ter I. 3. a)) an­geführ­ten Aus­le­gungs­re­geln.

Zwar ist die Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf 40 St­un­den oh­ne Lohn­aus­gleich im Wort­laut der Ver­ein­ba­rung nicht aus­drück­lich fest­ge­hal­ten. Bei der Aus­le­gung ist aber zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläge­rin be­reits seit 1991 von der Be­klag­ten ein fest­ste­hen­der Mo­nats­lohn ge­zahlt wird. Ei­ne Ände­rung des Mo­nats­loh­nes ist durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 ge­ra­de nicht er­folgt. In der Ver­ein­ba­rung ist viel­mehr aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, dass „die da­bei nicht ge­nann­ten Re­ge­lun­gen wei­ter gel­ten soll­ten". Be­reits hier­aus muss ent­nom­men wer­den, dass die Kläge­rin bei gleich­blei­ben­dem Lohn nun­mehr ver­pflich­tet wer­den soll­te, ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 40 St­un­den statt bis­her 37,5 St­un­den ab­zu­leis­ten, oh­ne dass sich ihr Mo­nats­lohn änder­te. Hierfür spre­chen auch die wei­te­ren Be­gleit­umstände beim Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 und ins­be­son­de­re auch der von der Be­klag­ten im März 2005 erklärte Ver­zicht auf ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Kläge­rin ge­genüber, der aus­drück­lich Be­zug nimmt auf die Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 (vgl. auch LAG Hamm, Ur­teil vom 30.10.2006 - 10 Sa 407/06 -). Bei­de Rechts­geschäfte sind vor­ge­nom­men wor­den im Rah­men ei­nes so­ge­nann­ten „Bünd­nis­ses für Ar­beit".

III. Die Un­wirk­sam­keit der von den Par­tei­en ge­trof­fe­nen Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 er­gibt sich nicht aus den § 305 ff BGB. In­fra­ge käme le­dig­lich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin im Sin­ne des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB.

 

- 13 - 

§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB kommt aber auf die Ver­ein­ba­rung der Verlänge­rung der Ar­beits­zeit nicht zur An­wen­dung. Hier han­delt es sich um ei­ne Re­ge­lung der Haupt­pflich­ten des Ver­tra­ges gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB. Die­se un­ter­lie­gen nicht der AGB-Kon­trol­le (vgl. z.B. LAG Köln, Ur­teil vom 13.02.2006 - 2 Sa 1271/05 -).

B. Die Kläge­rin hat ge­gen die Be­klag­te wei­ter kei­nen An­spruch auf Zah­lung des ta­rif­li­chen Ur­laubs­gel­des für das Jahr 2006 in Höhe von 881,72 € brut­to gemäß Ab­schn. B § 1 Abs. 1 des für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges über Son­der­zah­lun­gen vom 20.09.1996 (TV Son­der­zah­lun­gen) in Ver­bin­dung mit dem Ar­beits­ver­trag.
Die Par­tei­en ha­ben in der Ver­ein­ba­rung zur Ände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2005 ver­ein­bart, dass ein evtl. bis­he­ri­ger An­spruch auf Son­der­zah­lun­gen (Ur­laubs­geld und Weih­nachts­geld) entfällt.

I. Die­se abändern­de Ver­ein­ba­rung ist wirk­sam.
Der zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 ein­schlägi­ge, für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärte Ta­rif­ver­trag über Son­der­zah­lun­gen vom 20.09.1996 war be­reits zum 31.01.2000 gekündigt wor­den und be­fand sich seit­dem in Nach­wir­kung gemäß § 4 Abs. 5 TVG. Nach § 4 Abs. 5 TVG gel­ten die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges nach Ab­lauf wei­ter, bis sie durch ei­ne an­de­re Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Hier­nach sind ab­wei­chen­de ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en - wie auch die vor­lie­gen­de - zulässig, da die zwin­gen­de Wir­kung des Ta­rif­ver­tra­ges selbst mit Be­en­di­gung des Ta­rif­ver­tra­ges en­de­te.

II. Die Kläge­rin kann ih­ren An­spruch auf das Ur­laubs­geld auch nicht auf den Ta­rif­ver­trag über Son­der­zah­lun­gen vom 10.02.2006 stützen, der ab 01.01.2006 in Kraft ist.
Bei In­kraft­tre­ten des neu­en Ta­rif­ver­tra­ges im Jahr 2006 fehl­te es an ei­ner bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit der Par­tei­en, da die Be­klag­te seit dem 01.11.2004 (wie oben dar­ge­legt) nicht mehr ta­rif­ge­bun­den ist.

III. Die Kläge­rin kann zur Be­gründung des Ur­laubs­geld­an­spruchs auch nicht auf die Re­ge­lung in § 1 Ziff. 3 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 02.05.1990 ver­wei­sen.

1. Die Par­tei­en ha­ben in der Ver­ein­ba­rung über die Abände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges vom 01.03.2005 ei­ne spe­zi­el­le­re in­di­vi­du­al­recht­li­che Ver­ein­ba­rung über Son­der­zah­lun­gen ge­trof­fen. Als spe­zi­el­le­re Vor­schrift geht die Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 der all­ge­mei­nen Ver­wei­sung im Ar­beits­ver­trag vom 02.05.1990 vor.

 

- 14 - 

2. Darüber hin­aus ist die Ver­wei­sung in § 1 Ziff. 3 und § 7 Ziff. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen, be­wirkt al­so nur die Gleich­stel­lung nicht ta­rif­ge­bun­de­ner mit ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern.
Bei En­de der Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers, hier ab 01.11.2004, en­de­te auch die ver­trag­li­che An­bin­dung an die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. z.B. BAG, Ur­teil vom 14.12.2005 – 4 AZR 536/04 – NZA 2006, 607) sind im We­ge der Aus­le­gung ar­beits­ver­trag­li­che Be­zugs­nah­me­klau­seln in bis zum 31.12.2001 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträgen als Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen.

C. Der Kläge­rin steht kein An­spruch auf Gut­schrift von zwei wei­te­ren Ur­laubs­ta­gen aus dem Ur­laubs­jahr 2006 auf ihr Ur­laubs­kon­to zu.

Nach der Ver­ein­ba­rung vom 01.03.2005 beträgt der Ur­laubs­an­spruch der Kläge­rin 28 Ur­laubs­ta­ge je Ka­len­der­jahr.

Die­se Ver­ein­ba­rung ist wirk­sam, wie oben un­ter A dar­ge­legt.

Nach al­le­dem hat das Rechts­mit­tel kei­nen Er­folg.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Die Re­vi­si­on ist gemäß § 72 Abs.2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen wor­den.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.

 

- 15 - 

Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go Preuss Platz 1,

99087 Er­furt,

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Knipp 

Möllers 

Schu­mann

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