Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Strukturausgleich, TVÜ-Länder, TVÜ-L, Tarifvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern
Akten­zeichen: 2 Sa 93/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 23.03.2011
   
Leit­sätze: We­der Wort­laut noch Ta­rif­sys­te­ma­tik oder Sinn und Zweck des Struk­tur­aus­glei­ches nach § 12 Abs. 1 Satz 2 TVÜ-Länder hin­dern ein Verständ­nis des Merk­mals "Auf­stieg - oh­ne Auf­stieg", dass am Stich­tag 01.10.2005 die für die Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht mit ei­nem frühe­ren oder zukünf­ti­gen Auf­stieg ver­bun­den sein darf.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Rostock, Urteil vom 28.01.2010, 3 Ca 1758/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2012, 6 AZR 261/11
   

Te­nor

I. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ros­tock vom 28.01.2010 - 3 Ca 1758/09 - wird wie folgt ab­geändert:

1. Das be­klag­te Land wird ver­ur­teilt, an den Kläger für die Mo­na­te

- No­vem­ber 2008 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- De­zem­ber 2008 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ja­nu­ar 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Fe­bru­ar 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- März 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- April 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Mai 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ju­ni 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ju­li 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Au­gust 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Sep­tem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ok­to­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- No­vem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- De­zem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ja­nu­ar 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Fe­bru­ar 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- März 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22

nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz ge­rech­net auf je EUR 73,22 seit dem 01.12.2008, 01.01.2009, 01.02.2009, 01.03.2009, 01.04.2009, 01.05.2009, 01.06.2009, 01.07.2009, 01.08.2009, 01.09.2009, 01.10.2009, 01.11.2009, 01.12.2009, 01.01.2010, 01.02.2010, 01.03.2010 und 01.04.2010 zu zah­len.

2. Es wird fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, ab dem 01.04.2010 für die Dau­er der Beschäfti­gung des Klägers die­sem ei­nen Struk­tur­aus­gleich gemäß § 12 TVÜ-Länder zu zah­len.

Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den dem be­klag­ten Land auf­er­legt.

II. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­glei­ches gem. § 12 TVÜ-Länder.

Der Kläger ist seit dem 18.10.1999 bei dem be­klag­ten Land beschäftigt. Er hat seit die­sem Tag ei­ne Vergütung gem. der Vergütungs­grup­pe IVa Fall­grup­pe 1a Teil I Ab­schnitt All­ge­mei­ner Teil der An­la­ge 1a zum BAT-O er­hal­ten. Mit Schrei­ben vom 20.04.2004 ist ihm mit­ge­teilt wor­den, dass er mit Wir­kung vom 12.06.2004 ei­ne Vergütung gem. der Vergütungs­grup­pe III Fall­grup­pe 1b Teil I Ab­schnitt All­ge­mei­ner Teil der An­la­ge 1a zum BAT-O nach vierjähri­ger Tätig­keit er­hal­te. Für den Mo­nat No­vem­ber 2008 zahl­te das be­klag­te Land an den Kläger ei­nen Struk­tur­aus­gleich in Höhe von 73,22 EUR. Für die dar­auf­fol­gen­den Mo­na­te er­folg­te kei­ne Zah­lung und mit der Vergütung für den Mo­nat De­zem­ber 2008 er­folg­te ei­ne Ver­rech­nung mit dem ge­zahl­ten Brut­to­zu­la­gen­be­trag.

Ei­ne Kla­ge auf den Struk­tur­aus­gleich für die Mo­na­te No­vem­ber bis März 2009 nebst Zin­sen und auf Fest­stel­lung, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet sei, dem Kläger ab dem 01.04.2009 ei­nen Struk­tur­aus­gleich gem. § 12 TVÜ-Länder zu zah­len, hat das Ar­beits­ge­richt Ros­tock durch Ur­teil vom 28.01.2010 ab­ge­wie­sen. In den Ent­schei­dungs­gründen hat es aus­geführt, von dem Struk­tur­aus­gleich gem. § 12 TVÜ-Länder sei­en ta­rif­ver­trag­lich er­fasst nur die Beschäftig­ten, wenn die­se am Stich­tag noch in ih­rer ori­ginären Vergütungs­grup­pe ein­grup­piert sei­en und der gem. An­la­ge 1a zum BAT-O aus der Fall­grup­pe nach al­tem Recht be­ste­hen­de Bewährungs- bzw. Fall­grup­pen­auf­stieg mit der in Spal­te 3 be­nann­ten Zeit­dau­er noch aus­ste­he. Da kei­ne Auf­stiegsmöglich­keit mehr möglich sei, sei die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Im Übri­gen wird auf die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.

Die­ses Ur­teil ist an den Kläger am 03.02.2010 ge­stellt wor­den. Er hat da­ge­gen Be­ru­fung ein­ge­legt, die am 01.03.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist. Die Be­ru­fungs­be­gründung ist am 06.04.2010, dem Diens­tag nach Os­tern, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, aus dem Wort­laut von § 12 TVÜ-Länder las­se sich nicht klar ab­lei­ten, ob da­mit die tatsächli­che Vergütungs­grup­pe ge­meint sei, aus der Vergütung ge­zahlt wer­de oder ob die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe ge­meint sei, aus der sich die ma­te­ri­el­len Tätig­keits­merk­ma­le der Ein­grup­pie­rung er­ge­ben.

Der Kläger be­an­tragt,

1. In Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ros­tock - 3 Ca 1758/09 – vom 28.01.2010 wird das be­klag­te Land ver­ur­teilt, an den Kläger für die Mo­na­te

- No­vem­ber 2008 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- De­zem­ber 2008 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ja­nu­ar 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Fe­bru­ar 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- März 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- April 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Mai 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ju­ni 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ju­li 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Au­gust 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Sep­tem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ok­to­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- No­vem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- De­zem­ber 2009 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Ja­nu­ar 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- Fe­bru­ar 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22
- März 2010 wei­te­re brut­to EUR 73,22

nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz ge­rech­net auf je EUR 73,22 seit dem 01.12.2008, 01.01.2009, 01.02.2009, 01.03.2009, 01.04.2009, 01.05.2009, 01.06.2009, 01.07.2009, 01.08.2009, 01.09.2009, 01.10.2009, 01.11.2009, 01.12.2009, 01.01.2010, 01.02.2010, 01.03.2010 und 01.04.2010 zu zah­len.

2. In Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ros­tock - 3 Ca 1758/09 – vom 28.01.2010 wird fest­ge­stellt, dass das be­klag­te Land ver­pflich­tet ist, ab dem 01.04.2010 für die Dau­er des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses des Klägers die­sem ei­nen Struk­tur­aus­gleich gem. § 12 TVÜ-Länder zu zah­len.

Das be­klag­te Land be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Es tritt der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung bei. Nach­dem der Auf­stieg in die Vergütungs­grup­pe III Fall­grup­pe 1a im Rah­men des Bewährungs­auf­stiegs er­folgt sei, kom­me die Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­glei­ches nicht in Be­tracht. Die Sicht­wei­se des Klägers würde da­zu führen, dass Höher­grup­pie­run­gen, die zufällig vor dem Stich­tag er­folgt sei­en, an­ders be­han­delt würden als die, die durch Über­lei­tungs­vor­schrif­ten ver­an­lasst wor­den sei­en. Im Übri­gen wird auf die vor­be­rei­ten­den Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Das Ge­richt hat bei den Ta­rif­par­tei­en des TVÜ-Länder ei­ne Ta­rif­aus­kunft zu der Ent­ste­hungs-ge­schich­te des in dem Ta­rif­ver­trag ver­ein­bar­ten Struk­tur­aus­gleichs ein­ge­holt. Hin­sicht­lich der Ant­wor­ten wird auf Blatt 204 - 219 der Ak­ten so­wie Blatt 163 ff. der Ak­ten Be­zug ge­nom­men.

Die Ta­rif­ge­mein­schaft deut­scher Länder hat in der Stel­lung­nah­me vom 02. Au­gust 2010 erklärt, die Struk­tur­aus­glei­che hätten in den Re­dak­ti­ons­ver­hand­lun­gen zum TVL bzw. TVÜ-Länder nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le ge­spielt. Es hätte ei­ne Ei­nig­keit über die An­leh­nung an die Ta­rif­vor­schrif­ten des Bun­des ge­ge­ben. Je­den­falls die Ar­beit­ge­ber sei­en hier­bei da­von aus­ge­gan­gen, dass die Struk­tur­aus­glei­che mit der Be­zeich­nung "oh­ne" nur dann zu­ste­hen soll­ten, wenn Beschäftig­te ori­ginär in der am Tag vor der Über­lei­tung maßge­ben­den Vergütungs­grup­pe ein­grup­piert wa­ren. Dies hätte der Ver­tre­ter der TdL auch bei ei­nem In­for­ma­ti­ons­gespräch den Ver­hand­lungs­part­nern von v. und der d. ta­rif­uni­on am 03. No­vem­ber 2005 deut­lich ge­macht.

Die d. ta­rif­uni­on hat in ih­rer Aus­kunft vom 19. Ok­to­ber 2010 zu­sam­men­fas­send erklärt:

Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVÜ-Bund hat­ten ge­ra­de kei­ne Übe­rein­stim­mung da­zu er­zielt, dass die Vor­aus­set­zung zur Zah­lung des Struk­tur­aus­gleichs in der Spal­te "Auf­stieg" be­deu­tet, wenn dort "oh­ne" steht, dass die für die Über­lei­tung am 1.10.2005 maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht im We­ge des Auf­stiegs er­reicht wor­den ist.

Man­gels ei­genständi­ger Be­fas­sung mit die­ser Fra­ge ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TVÜ-Länder für die Über­lei­tung am 1.11.2006 dies­bezüglich eben­falls kei­ne Übe­rein­stim­mung er­zielt.

Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft hat in ih­rer Aus­kunft vom 21.10. erklärt, die Aus­ge­stal­tung der An­la­ge 3 zum TVÜ-Länder sei­nen nicht ge­son­dert ver­han­delt wor­den. Es ha­be Ein­ver­neh­men be­stan­den, die Re­ge­lung des TVÜ-Bund zu den Struk­tur­aus­glei­chen un­verändert zu über­neh­men. In den Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit dem Bund ha­be kei­ne Ei­nig­keit be­stan­den, dass die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe maßgeb­lich für die Zah­lung ei­nes Struk­tur­aus­gleichs sein soll­te. Ei­nig­keit ha­be viel­mehr darüber be­stan­den, dass auf die Verhält­nis­se zum Zeit­punkt der Über­lei­tung in den TVöD ab­ge­stellt wer­den soll­te.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die vor­be­rei­ten­den Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Klägers ist be­gründet.

2.

Die Kla­ge ist zulässig. Der auf die Ver­pflich­tung des be­klag­ten Lan­des zur Zah­lung von Struk­tur­aus­gleich ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­an­trag hat ei­ne Leis­tungs­ver­pflich­tung aus dem Ar­beits­verhält­nis zum Ge­gen­stand. Für die­sen An­trag liegt nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­ches Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor. Das an­ge­streb­te Fest­stel­lungs­ur­teil ist ge­eig­net, den Kon­flikt der Par­tei­en endgültig bei­zu­le­gen und wei­te­re Pro­zes­se zwi­schen ih­nen zu ver­mei­den.

Die Kla­ge ist be­gründet.

Man­gels Ei­ni­gung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in den Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen, dass das Merk­mal "Auf­stieg - oh­ne" in der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le nur dann erfüllt ist, wenn die für die Über­lei­tung maßgeb­li­che Vergütungs­grup­pe nicht im We­ge ei­nes Auf­stiegs er­reicht wor­den ist, ist der Kla­ge statt­zu­ge­ben.

Das Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich gem. § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges nach dem BAT-O vom 10.12.1990 und den die­sen ergänzen­den, ändern­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der für den Be­reich der TdL je­weils gel­ten­den Fas­sung. Außer­dem fin­den die für den Ar­beit­ge­ber je­weils gel­ten­den sons­ti­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung. Da­mit ist auch der TVÜ-Länder zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bart.

Der Kläger hat ei­nen An­spruch auf Zah­lung des Struk­tur­aus­glei­ches für die frag­li­chen Mo­na­te in der zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Höhe gem. § 12 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit der da­zu­gehöri­gen Ta­bel­le. Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, ob es sich bei der in Spal­te 2 der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le ge­nann­ten Vergütungs­grup­pe um die ori­ginäre Vergütungs­grup­pe han­delt und späte­re Höher­grup­pie­run­gen durch Bewährungs- oder Zeit­auf­stieg nicht zu berück­sich­ti­gen sind, oder ob es ent­spre­chend der An­sicht des Klägers auf die am Stich­tag tatsächlich er­reich­te Vergütungs­grup­pe an­kommt (vgl. hier­zu die Li­te­ra­tur­nach­wei­se in der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 22.04.2010 - 6 AZR 962/08 - Rn. 16).

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in der so­eben zi­tier­ten Ent­schei­dung, die sich mit der strei­ti­gen Fra­ge zu dem in­so­weit gleich­lau­ten­den § 12 TVÜ-Bund be­fasst, aus­geführt, der Wort­laut der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen sei nicht ein­deu­tig. Der Wort­laut der Ta­rif­be­stim­mung ver­wei­se nicht auf ei­ne ori­ginäre Vergütungs­grup­pe, ei­ne Aus­gangs­vergütungs­grup­pe oder ei­ne Vergütungs­grup­pe bei erst­ma­li­ger Über­tra­gung der Tätig­keit. Die in Spal­te 3 der Ta­bel­le un­ter der Über­schrift "Auf­stieg" ent­hal­te­ne An­ga­be "oh­ne" kann vom Wort­sinn auch so ver­stan­den wer­den, dass sie in Spal­te 2 der Struk­tur­aus­gleich­s­ta­bel­le an­ge­ge­be­ne Vergütungs­grup­pe oh­ne vor­he­ri­gen Auf­stieg er­reicht sein muss und kei­nen künf­ti­gen Vor­auf­stieg vor­se­hen darf.

Nach um­fang­rei­cher Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Ta­rif­wort­laut hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt schließlich fest­ge­stellt, dass das Merk­mal "Auf­stieg - oh­ne" so aus­zu­le­gen sei, dass es aus­rei­che, dass am Stich­tag 01. Ok­to­ber 2005 kein wei­te­rer Auf­stieg mehr möglich sei, so­fern ei­ne Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht fest­ge­stellt wer­den könne. Für die­ses Merk­mal spre­che dann ent­schei­dend der Ge­sichts­punkt der Nor­men­klar­heit. Bei ab­wei­chen­der Be­trach­tung wäre die Re­ge­lung we­nig durch­schau­bar. Für Nor­madres­sa­ten, die sich al­lein an­hand des Wort­lau­tes des TVÜ Ansprüche auf Struk­tur­aus­gleich ver­schaf­fen woll­ten, sei dies ent­schei­dend. Es wird in­so­weit auf die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.

Die­ser Auf­fas­sung schließt sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt an. Sie ist auf die gleich­lau­ten­de For­mu­lie­rung des TVÜ-Länder über­trag­bar. Ein wei­te­rer Auf­stieg aus der Vergütungs­grup­pe III Fall­grup­pe 1b des All­ge­mei­nen Teils der An­la­ge 1a zum BAT-O war zum Stich­tag nicht möglich.

Ei­ne Ei­nig­keit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, dass das Merk­mal "Auf­stieg - oh­ne" im Sin­ne der Be­klag­ten aus­zu­le­gen sei, ist nicht fest­stell­bar. Hierfür strei­tet al­lein die nicht wei­ter be­leg­te Be­haup­tung, dass ei­ne der­ar­ti­ge Auf­fas­sung bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen für den TVÜ-Länder sei­tens des Ver­tre­ters der TdL den Ver­trags­part­nern mit­ge­teilt wor­den sei. Es fehlt be­reits an ei­nem sub­stan­ti­ier­ten Vor­trag der ent­spre­chen­den Äußerung. Be­haup­tet wird le­dig­lich, "dies sei deut­lich ge­macht" wor­den. Dies ist ei­ne schil­lern­de For­mu­lie­rung, die ei­ne Fülle von ver­schie­de­nen Klar­hei­ten zulässt. Zu­dem wird ein Ein­verständ­nis der Ver­trags­part­ner mit die­ser Äußerung nicht be­haup­tet und er­gibt sich auch nicht aus dem wei­ter ein­ge­hol­ten Ta­rif­auskünf­ten der Ver­trags­part­ner selbst. Die­se sind viel­mehr der Auf­fas­sung, in den Ver­hand­lun­gen sei übe­rein­stim­mend da­von aus­ge­gan­gen wor­den, dass das strei­ti­ge Merk­mal nicht im Sin­ne des be­klag­ten Lan­des aus­zu­le­gen sei.

Aus dem Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 1 zum TVÜ-Länder vom 13. März 2008 hin­sicht­lich der Re­ge­lung der Struk­tur­aus­glei­che für das Pfle­ge­per­so­nal bzw. dem Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 2 hin­sicht­lich von Lehr­kräften, können kei­ne für das be­klag­te Land güns­ti­ge Schlüsse ge­zo­gen wer­den. Auch wenn bei­de Ver­ein­ba­run­gen in Kennt­nis der anhängi­gen Rechts­strei­te zur Fra­ge der ori­ginären Ein­grup­pie­rung er­folgt sind, er­gibt ei­ne Ei­ni­gung auf der Grund­la­ge der Ar­beit­ge­ber­auf­fas­sung in die­sen Ände­rungs­ta­rif­verträgen noch nicht, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sich hin­sicht­lich der von den Ände­rungs­ta­rif­verträgen nicht er­fass­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pen auf das glei­che Er­geb­nis ge­ei­nigt hätten. Wenn dies in den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu den Ände­rungs­ta­rif­verträgen der Fall ge­we­sen wäre, hätte es na­he­ge­le­gen, dies auch mit der er­for­der­li­chen Nor­men­klar­heit fest­zu­hal­ten.

So­weit sich das be­klag­te Land auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren auf ein­zel­ne Wi­dersprüche be­zieht, die sich bei der Ver­wirk­li­chung der kläge­ri­schen Rechts­auf­fas­sung er­ge­ben, ist dies un­er­heb­lich. Zum Teil hat sich hier­mit be­reits das zi­tier­te Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der­ge­setzt. Zum an­de­ren wi­der­spricht ein Verständ­nis, das nur durch um­fang­rei­che Ver­gleichs­be­rech­nun­gen zu er­zie­len ist, dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits zi­tier­ten Grund­satz der Nor­men­klar­heit. Die gel­ten­den und die er­set­zen­den Ta­rif­verträge des öffent­li­chen Diens­tes ver­wirk­li­chen die­sen Grund­satz schon seit lan­ger Zeit nur noch sehr ein­ge­schränkt. Ei­nem Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes ist aber ein Aus­le­gungs­er­geb­nis, das er auf kei­nen Fall durch Le­sen, son­dern viel­mehr nur durch das An­stel­len kom­pli­zier­ter Ver­gleichs­be­rech­nun­gen er­zie­len kann, nicht zu­zu­mu­ten. Wenn der Ar­beit­ge­ber­sei­te bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen das von ihr nun­mehr ver­tre­te­ne Verständ­nis wich­tig ge­we­sen wäre, hätte sie bei den Ver­hand­lun­gen selbst auf ei­ne aus­drück­li­che Klar­stel­lung drängen müssen.

Sch­ließlich ist auch die von dem be­klag­ten Land über­reich­te Ta­rif­aus­kunft des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­ne­ren nicht er­gie­big. Die Nie­der­schrift der Sit­zung vom 10.05.2005 gibt nichts für ei­ne Aus­le­gung her, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en hätten ei­nen ge­mein­sa­men Re­ge­lungs­wil­len ge­habt, der zwi­schen Vergütungs­grup­pen (Fall­grup­pen) un­ter­schei­det, aus de­nen es von vorn­her­ein kei­nen Auf­stieg gibt und sol­chen, bei de­nen es kei­nen wei­te­ren Auf­stieg gibt. Es kann in­so­weit auf die Ausführun­gen der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 15.12. 2010 - 13 Sa 73/10 - un­ter II. 2. d. aa. Be­zug ge­nom­men wer­den. Das Glei­che gilt hin­sicht­lich der von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ver­wen­de­ten Be­rech­nungs­bei­spie­len. Die­se hat das be­klag­te Land zwar nicht bei­gefügt. Es kann je­doch eben­falls mit dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass Bei­spiel­rech­nun­gen kei­nen kla­ren Rück­fluss auf ei­nen ent­spre­chen­den Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­las­sen.

3.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 91 ZPO.

Die Re­vi­si­on ist gem. § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 zu­ge­las­sen wor­den.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 2 Sa 93/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880