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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten, Eingliederungsmanagement
   
Gericht: Arbeitsgericht Bonn
Akten­zeichen: 5 BV 20/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 16.06.2010
   
Leit­sätze:

Da­ten­schutz­recht­li­che Erwägun­gen ste­hen der Wei­ter­ga­be von Na­men und Fehl­zei­ten der Mit­ar­bei­ter, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen an den Be­triebs­rat nicht ent­ge­gen.
Das sich aus Art. 2 Abs. 1 GG er­ge­ben­de Grund­recht des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung steht un­ter ei­nem all­ge­mei­nen Ge­set­zes­vor­be­halt und wird durch §§ 84 Abs. 2 Satz 7 SGB IX, 80 Abs. 1, Abs. 2 Be­trVG in zulässi­ger Wei­se ein­ge­schränkt.

Vor­ins­tan­zen:
   

GRÜNDE


I.


Der An­trag­stel­ler ist der bei dem Q., Stand­ort Bad Go­des­berg des An­trags­geg­ners be­ste­hen­de Be­triebs­rat.

Am 10.01.2008 schlos­sen die Be­tei­lig­ten ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung über die Durchführung des be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments. In die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung heißt es u.a.:

"§ 4

Maßnah­men

Der BR erhält quar­talsmäßig (zu­sam­men mit der Mit­ar­bei­ter­lis­te) ein Ver­zeich­nis der Mit­ar­bei­ter, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein BEM erfüllen. Der Ar­beit­ge­ber teilt gleich­zei­tig sein Einschätzung mit, ob ein BEM aus sei­ner Sicht ge­eig­net und sinn­voll ist. Er teilt zu­dem ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Be­gründung hierfür mit. Er­ach­tet der Ar­beit­ge­ber ein BEM nicht als sinn­voll, u teilt der BR die­se Be­ur­tei­lung, fin­det ein BEM nicht statt. So­weit die Be­triebs­par­tei­en hierüber nicht ei­nig sind, nimmt die Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­nen ers­ten, nicht for­mel­len Kon­takt mit dem Be­trof­fe­nen auf. [...]

§ 7

Da­ten­schutz

Das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment er­folgt un­ter Wah­rung der je­weils gülti­gen da­ten­schutz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen.

[...]"

Nach­dem der An­trags­geg­ner sich un­ter Hin­weis auf da­ten­schutz­recht­li­che Be­den­ken wei­ger­te, dem An­trag­stel­ler ein Ver­zeich­nis der Mit­ar­bei­ter her­aus­zu­ge­ben, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen, for­der­te der nun­meh­ri­ge Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te des An­trag­stel­lers den An­trags­geg­ner un­ter dem 22.12.2009 auf, dem An­trag­stel­ler die Lis­te zur Verfügung zu stel­len. Mit Schrei­ben vom 13.01.2010 lehn­te der An­trags­geg­ner dies ab.

Der An­trag­stel­ler ist der An­sicht, die Ver­pflich­tung des An­trags­geg­ners zur Vor­la­ge des be­gehr­ten Ver­zeich­nis­ses er­ge­be sich aus § 4 Abs. 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 i.V.m. der Durchführungs­pflicht des § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG und auch aus § 80 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG i.V.m. § 80 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG, da es zu sei­ner, des An­trag­stel­lers, Auf­ga­be gehöre, darüber zu wa­chen, dass die zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer gel­ten­den Ge­set­ze durch­geführt wer­den.

Der An­trag­stel­ler be­an­tragt,

den An­trags­geg­ner zu ver­pflich­ten, ihm, dem An­trag­stel­ler, quar­talsmäßig ein Ver­zeich­nis der Mit­ar­bei­ter, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen, zu über­ge­ben.

Der An­trags­geg­ner be­an­tragt,

den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Er ist der An­sicht, die in § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 ent­hal­te­ne Qua­li­fi­zie­rung "die die Vor­aus­set­zun­gen für ein BEM erfüllen", sei ge­mein­schafts­rechts- und ver­fas­sungs­kon­form da­hin aus­zu­le­gen, dass für die Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ters er­for­der­lich ist; dies er­ge­be sich auch aus § 7 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung, da die­ser die Gewähr­leis­tung des Schut­zes per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten in je­der Pha­se, al­so auch vor Durchführung ei­nes kon­kre­ten be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ments ge­bie­te; das Er­for­der­nis ge­mein­schafts­rechts- und ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­be sich im Hin­blick auf Art. 8 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on und das Grund­recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die vor­be­rei­ten­den Schriftsätze der Be­tei­lig­ten nebst An­la­gen ver­wie­sen.

II.


Der An­trag ist zulässig und be­gründet. 


Der An­trag­stel­ler hat ge­gen den An­trags­geg­ner aus § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 i.V.m. § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG An­spruch auf quar­tals­wei­se Er­tei­lung ei­nes Ver­zeich­nis­ses der Mit­ar­bei­ter, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen.

Gemäß § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ist der Ar­beit­ge­ber zur Durchführung von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen – und so­mit auch zur Durchführung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 – ver­pflich­tet.

§ 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 sieht vor, dass der An­trag­stel­ler quar­talsmäßig ein Ver­zeich­nis der Mit­ar­bei­ter erhält, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen. Im Hin­blick auf die den Ar­beit­ge­ber gem. § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG tref­fen­de Durchführungs­pflicht be­steht kein Zwei­fel dar­an, dass Adres­sat der Ver­pflich­tung des § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 der An­trags­geg­ner ist.

Der sich aus § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­ge­ben­de An­spruch des Be­triebs­ra­tes ist um­fas­send und be­zieht sich auf die Be­kannt­ga­be al­ler Mit­ar­bei­ter, die ei­ne be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen, un­abhängig da­von, ob die­se be­reits zu­vor mit­ge­teilt ha­ben, an ei­nem be­trieb­li­chen Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment nicht in­ter­es­siert zu sein oder ob sie so­gar der Wei­ter­ga­be ih­rer Ge­sund­heits­da­ten an den Be­triebs­rat wi­der­spro­chen ha­ben. Denn hätten die Be­triebs­par­tei­en bei Ab­schluss der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 ei­ne Be­schränkung des An­spruchs auf be­stimm­te Grup­pen von Ar­beit­neh­mern (et­wa auf sol­che, die ei­ner Wei­ter­ga­be ih­rer Ge­sund­heits­da­ten an den Be­triebs­rat aus­drück­lich zu­ge­stimmt ha­ben) oder den Aus­schluss be­stimm­ter Ar­beit­neh­mer­grup­pen (et­wa der­je­ni­gen, die ei­ner Wei­ter­ga­be ih­rer Ge­sund­heits­da­ten an den Be­triebs­rat wi­der­spro­chen ha­ben) ge­wollt, so hätten sie dies oh­ne wei­te­res in der For­mu­lie­rung des § 4 Abs. 1 Satz 1 zum Aus­druck brin­gen können. Tatsächlich ha­ben die Be­triebs­par­tei­en je­doch ei­ne um­fas­sen­de For­mu­lie­rung gewählt.

Auch § 7 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­bie­tet kei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 Satz 1. Dies gilt auch dann, wenn man – wie der An­trags­geg­ner – da­von aus­geht, dass das Ge­bot der Wah­rung da­ten­schutz­recht­li­cher Be­stim­mun­gen in je­dem Sta­di­um der Durchführung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 gilt und nicht erst dann, wenn ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment mit Zu­stim­mung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers durch­geführt wird.


Denn da­ten­schutz­recht­li­che Be­stim­mun­gen ste­hen der quar­tals­wei­sen Her­aus­ga­be ei­nes Ver­zeich­nis­ses der Mit­ar­bei­ter, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen, an den An­trag­stel­ler nicht ent­ge­gen. Da­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass der An­trag­stel­ler le­dig­lich die Her­aus­ga­be von Eck­da­ten in Ge­stalt der Na­men und Fehl­zei­ten der be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer be­gehrt, nicht aber die Be­kannt­ga­be sen­si­bler Ge­sund­heits­da­ten wie Art und Schwe­re der Er­kran­kung oder auch nur In­for­ma­tio­nen über die Fra­ge, ob ei­ne Fort­set­zungs­er­kran­kung oder meh­re­re von­ein­an­der un­abhängi­ge Er­kran­kun­gen vor­lie­gen. Ins­be­son­de­re steht das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz ei­ner Wei­ter­ga­be von In­for­ma­tio­nen an den Be­triebs­rat nicht ent­ge­gen, so­weit die Da­ten zulässig er­mit­telt wur­den und de­ren Kennt­nis zur Durchführung ei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­be des Be­triebs­rats er­for­der­lich sind (vgl. nur We­ber, in GK-Be­trVG, 9. Aufl., § 80 Rd­nr. 74). Das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz schränkt das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz nicht ein. Viel­mehr ge­hen ge­setz­li­che Vor­schrif­ten wie § 80 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG, die die In­for­ma­ti­on des Be­triebs­rats und da­mit u.U. auch die Wei­ter­ga­be von Da­ten vor­schrei­ben, dem Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz vor (vgl. BAG, 17.03.1983 – 6 ABR 33/80 – AP § 80 Be­trVG 1972 Nr. 18; We­ber, in GK-Be­trVG, 9. Aufl., § 80 Rd­nr. 74; ErfK/Ka­nia, 10. Aufl., § 80 Be­trVG Rd­nr. 22; Ri­char­di/Thüsing, Be­trVG, 10. Aufl., § 80 Rd­nr. 57 und – mit Hin­weis dar­auf, dass der Be­triebs­rat un­selbständi­ger Teil der ver­ar­bei­ten­den Stel­le und nicht Drit­ter Fit­ting, Be­trVG, 25. Aufl., § 80 Rd­nr. 58; da­zu, dass der Be­triebs­rat Teil der ver­ar­bei­ten­den Stel­le ist vgl. auch BAG, 03.06.2003 – 1 ABR 19/02, ju­ris, dort Rd­nr. 36).

Da die An­trags­geg­ne­rin die zur Erfüllung ih­rer sich aus § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008 i.V.m. § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ge­genüber dem An­trag­stel­ler er­ge­ben­den Ver­pflich­tung er­for­der­li­chen Da­ten da­durch er­mit­telt, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer sie von sich aus in­for­mie­ren, liegt ein Fall der zulässi­gen Da­ten­er­he­bung vor. Die Wei­ter­ga­be der Ge­sund­heits­da­ten an den An­trag­stel­ler ist auch zur Erfüllung sei­ner ge­setz­li­chen Auf­ga­ben er­for­der­lich. Zum ei­nen ver­pflich­tet § 80 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG ist der Be­triebs­rat ver­pflich­tet, darüber zu wa­chen, dass die zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer gel­ten­den Ge­set­ze durch­geführt wer­den. Hier­zu zählt auch und ge­ra­de die Vor­schrift des § 84 Abs. 2 SGB IX (vgl. zum Norm­zweck Fa­bri­ci­us, in: ju­risPK-SGB IX, 2010, § 84 Rd­nr. 8), wel­che das be­trieb­li­che Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment re­gelt. Zum an­de­ren überträgt § 84 Abs. 2 Satz 7 SGB IX dem Be­triebs­rat als zuständi­ger Stel­le i.S.d. § 93 SGB IX die Pflicht darüber zu wa­chen, dass der Ar­beit­ge­ber die ihm nach § 84 Abs. 2 SGB IX ob­lie­gen­den Ver­pflich­tun­gen erfüllt. Um die­ser Auf­ga­be ef­fek­tiv nach­kom­men zu können, ist der Be­triebs­rat auf die An­ga­be der An­zahl, der Na­men und der kon­kre­ten Dau­er der Fehl­zei­ten der Ar­beit­neh­mer an­ge­wie­sen, die die Vor­aus­set­zun­gen für ein be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment erfüllen. Die Be­kannt­ga­be wei­ter­ge­hen­der Ge­sund­heits­da­ten der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wird vom An­trag­stel­ler im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht be­gehrt.

So­weit die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Per­so­nal­ver­tre­tung wer­de im Rah­men ver­trau­ens­vol­ler Zu­sam­men­ar­beit kei­nen An­lass ha­ben, die An­ga­ben des Ar­beit­ge­bers über den Kreis der von ei­ner mögli­chen Klärung be­trof­fe­nen Beschäftig­ten in Zwei­fel zu zie­hen (vgl. et­wa Bay­er. VGH– 30.04.2009 – 17 P 08.3389, ju­ris, dort Rd­nr. 40; OVG Ber­lin-Bran­den­burg – 60 PV 9.07, ju­ris, dort Rd­nr. 40), steht dies in Wi­der­spruch zur Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers, der die Über­wa­chungs­funk­ti­on der Be­triebs-, Per­so­nal-, Rich­ter-, Staats­an­walts- und Präsi­di­alräte im Hin­blick auf die Ver­pflich­tun­gen des Ar­beit­ge­bers/Dienst­herrn aus § 84 Abs. 2 SGB IX für so be­deut­sam be­fun­den hat, dass er die all­ge­mei­ne Über­wa­chungs­pflicht des Be­triebs­rats aus § 80 Abs. 1 Be­trVG durch ei­nen spe­zi­ell auf § 84 SGB IX be­zo­ge­nen Über­wa­chungs­auf­trag ergänzt hat. Über­dies lässt sich die Auf­fas­sung der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung im Hin­blick auf die auf § 84 Abs. 2 SGB IX be­zo­ge­nen Über­wa­chungs­pflich­ten des Per­so­nal­rats schon des­halb nicht auf das Be­triebs­ver­fas­sungs­recht über­tra­gen, weil die­ses durch kein dem durch Art. 20 Abs. 3 GG ver­mit­tel­ten Ver­trau­en in die Ge­setzmäßig­keit der Ver­wal­tung ver­gleich­ba­res Grund­ver­trau­en in die Rechtmäßig­keit des Ar­beit­ge­ber­han­delns ge­kenn­zeich­net ist.

Auch das sich aus Art. 2 Abs. 1 GG er­ge­ben­de Grund­recht des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung er­for­dert kei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 Satz 1 der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 10.01.2008. Die­ses Grund­recht steht un­ter ei­nem all­ge­mei­nen Ge­set­zes­vor­be­halt und wird durch §§ 84 Abs. 2 Satz 7 SGB IX, 80 Abs. 1, Abs. 2 Be­trVG, de­ren Um­set­zung die Be­triebs­ver­ein­ba­rung dient, in zulässi­ger Wei­se ein­ge­schränkt. § 84 Abs. 2 Satz 7 SGB IX und § 80 Abs. 1, Abs. 2 Be­trVG ver­fol­gen ei­nen le­gi­ti­men Zweck. Die Vor­schrif­ten die­nen dem Schutz der Ar­beit­neh­mer, in­dem sie ein zu de­ren Schutz ge­bil­de­tes Or­gan mit der Über­wa­chung der Ar­beit­neh­mer­schutz­ge­set­ze be­auf­tra­gen. Zu die­sem Zweck er­hal­ten die mit der Über­wa­chung be­auf­trag­ten Or­ga­ne auch Ge­sund­heits­da­ten der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer, die sie je­doch ent­spre­chend § 79 Abs. 1 Be­trVG ver­trau­lich zu be­han­deln ha­ben, wes­halb auch bei der hier ver­tre­te­nen Aus­le­gung der §§ 84 Abs. 2 Satz 7 SGB IX und 80 Be­trVG ein un­verhält­nismäßiger Ein­griff in das Grund­recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht vor­liegt, je­den­falls so­weit es sich um bloße Eck­da­ten han­delt, die kei­nen Rück­schluss auf Art und Schwe­re der Er­kran­kung zu­las­sen.

Sch­ließlich ge­bie­tet auch Art. 8 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on kei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung. Zunächst ist be­reits zwei­fel­haft, ob die­se Re­ge­lung über­haupt Dritt­wir­kung im Verhält­nis der Be­triebs­par­tei­en ent­fal­tet. Selbst wenn man dies aber be­ja­hen und an­neh­men woll­te, die Überg­a­be der im vor­lie­gen­den Fall ein­schlägi­gen Da­ten vom An­trags­geg­ner an den An­trag­stel­ler stel­le ei­ne Ver­ar­bei­tung von Da­ten dar, würde die­se aus den oben dar­ge­stell­ten Gründen auf ei­ner ge­setz­lich ge­re­gel­ten le­gi­ti­men Grund­la­ge i.S.d. Art. 8 Abs. 2 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on er­fol­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch die Durchführung ei­nes Vor­la­ge­ver­fah­rens an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof nicht an­ge­zeigt.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung


Ge­gen die­sen Be­schluss kann von 


Be­schwer­de


ein­ge­legt wer­den.

Für ist ge­gen die­sen Be­schluss kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Be­schwer­de muss 


in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat


bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Blu­ment­hals­traße 33, 50670 Köln ein­ge­gan­gen sein. 


Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung der Ent­schei­dung, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach Verkündung des Be­schlus­ses.

Die Be­schwer­de­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Ei­ne Par­tei die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. 


* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.


(Dr. Fau­len­bach) 

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