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Ar­bei­ten im Ur­laub

Lan­des­ar­beits­ge­richt legt zeit­li­che Gren­zen fest: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 21.09.2009, 2 Sa 674/09

29.01.2010. In ei­ner kürz­lich be­kannt ge­wor­de­nen Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln geht es dar­um, in wel­chem Um­fang Ar­beit­neh­mer wäh­rend ih­res Ur­laubs ei­ne Er­werbs­tä­tig­keit aus­üben dür­fen.

Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz ver­bie­tet nur ei­ne "dem Ur­laubs­zweck wi­der­spre­chen­de Er­werbs­tä­tig­keit", d.h. ar­bei­ten im Ur­laub ist nicht in al­len Fäl­len ver­bo­ten: LAG Köln, Ur­teil vom 21.09.2009, 2 Sa 674/09.

Urlaub und Erwerbstätigkeit

Während sei­nes Ur­laubs soll­te man sich er­ho­len, d.h. sei­ne Ar­beits­kraft wie­der auf­fri­schen und Ab­stand vom Be­trieb, dem Ar­beit­ge­ber, den Kun­den und den Ar­beits­kol­le­gen ge­win­nen. Ar­beit­neh­mer, die die­se mit dem Er­ho­lungs­ur­laub ver­bun­de­ne Zweck­vor­ga­be miss­ach­ten, ver­s­toßen ge­gen § 8 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG).

Die­se Vor­schrift ver­bie­tet dem Ar­beit­neh­mer während sei­nes Ur­laubs je­de "dem Ur­laubs­zweck wi­der­spre­chen­de" Er­werbstätig­keit. Da­mit ist im we­sent­li­chen, aber nicht al­lein, die Ar­beit bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber ge­meint, d.h. ei­ne Ar­beit mit der Ziel­set­zung, im Lau­fe des Ka­len­der­jah­res ei­nen möglichst ho­hen Ar­beits­lohn zu er­zie­len.

Ar­beit­neh­mer, die ge­gen § 8 BUrlG ver­s­toßen, können den­noch Vergütung auf­grund ei­ner ur­laubs­zweck­wid­ri­gen an­der­wei­ti­gen Er­werbstätig­keit ver­lan­gen, da die mit die­ser Er­werbstätig­keit ver­bun­de­nen Lohn­ver­ein­ba­run­gen wirk­sam und nicht et­wa we­gen ei­nes Ge­set­zes­ver­s­toßes oder we­gen Sit­ten­wid­rig­keit (§§ 134, 138 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) nich­tig sind. Das in § 8 BUrlG ent­hal­te­ne Ver­bot be­trifft viel­mehr das Verhält­nis von Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber. Ei­ne dem Er­ho­lungs­zweck bzw. § 8 BUrlG zu­wi­der­lau­fen­de Er­werbstätig­keit kann da­her als Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten an­ge­se­hen und ab­ge­mahnt wer­den. Letzt­lich kann so­gar ei­ne Kündi­gung dro­hen. Außer­dem kann der Ar­beit­ge­ber Un­ter­las­sung der ur­laubs­zweck­wid­ri­gen Er­werbstätig­keit ver­lan­gen.

Frag­lich ist, wann von ei­ner er­ho­lungs­zweck­wid­ri­gen Er­werbstätig­keit ge­spro­chen wer­den kann und und wann nicht. Un­be­strit­ten ist, dass es da­bei nicht auf die mit ei­ner Tätig­keit ver­bun­de­ne körper­li­che oder geis­ti­ge An­stren­gung an­kommt: Berg­tou­ren so­wie die eh­ren­amt­li­che oder nach­bar­schaft­li­che Mit­hil­fe sind auch dann er­laubt, wenn sich der Ar­beit­neh­mer da­bei „ver­aus­gabt“, denn hier liegt kei­ne Er­werbstätig­keit vor. Und auch dann, wenn die während des Ur­laubs aus­geübte Tätig­keit als Er­werbs­ar­beit an­zu­se­hen ist, ist sie nicht schlecht­hin, son­dern nur in­so­weit ver­bo­ten, als sie dem Er­ho­lungs­zweck wi­der­spricht. Letzt­lich ist das nur der Fall, wenn sol­che Tätig­kei­ten aus­ufern.

Da das Ge­setz hier kei­ne ein­deu­ti­gen Gren­zen zieht, sind die Ar­beits­ge­rich­te ge­for­dert. In ei­nem kürz­lich er­gan­ge­nen Ur­teil hat sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln mit der Fra­ge be­fasst, wo die Gren­ze zwi­schen er­laub­ter Mit­hil­fe im Be­trieb des Ehe­part­ners und un­er­laub­ter Er­werbs­ar­beit zu zie­hen ist (Ur­teil vom 21.09.2009, 2 Sa 674/09).

Der Fall des Landesarbeitsgerichts Köln: Bürokauffrau arbeitet während des Urlaubs am Weihnachtsmarktstand ihres Ehemanns

Ge­klagt hat­te ei­ne Ar­beit­neh­me­rin, die als Büro­kauf­frau mit 37 Wo­chen­stun­den bei dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber beschäftigt war. Ihr Ehe­mann stell­te Gips- und Ke­ra­mik­fi­gu­ren her und ver­kauf­te sie un­ter an­de­rem auf ei­nem Weih­nachts­markt. In der Vor­weih­nachts­zeit des Jah­res 2008 nahm die Kläge­rin drei Wo­chen Ur­laub. Während die­ser Zeit half sie auf dem Weih­nachts­markt­stand ih­res Ehe­man­nes aus und ver­kauf­te Wa­ren.

Der Ar­beit­ge­ber traf sie da­bei an und for­der­te sie auf, die­se Tätig­keit zu un­ter­las­sen. Da sie die­ser Auf­for­de­rung nicht nach­kam, sprach der Ar­beit­ge­ber zwei Ab­mah­nun­gen und schließlich kurz vor Hei­lig­abend ei­ne Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen aus. Er war der An­sicht, die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer auf dem Weih­nachts­markt lau­fe dem Er­ho­lungs­zweck des Ur­laubs zu­wi­der. Da­her ha­be die Ar­beit­neh­me­rin ge­gen ih­re ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten bzw. ge­gen § 8 BUrlG ver­s­toßen.

Die Ar­beit­neh­me­rin er­hob Kündi­gungs­schutz­kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Sieg­burg, das der Kla­ge statt­gab (Ur­teil vom 29.04.2009, 2 Ca 59/09). Da­ge­gen ging der Ar­beit­ge­ber in Be­ru­fung.

Landesarbeitsgericht Köln: Erwerbsarbeit ist innerhalb der Grenzen des Arbeitszeitgesetzes zulässig

Das LAG Köln wies die Be­ru­fung zurück, d.h. es war mit der Vor­in­stanz der Mei­nung, dass die Kündi­gung un­wirk­sam war. Die Ar­beit­neh­me­rin hat­te nach An­sicht des LAG nicht ge­gen § 8 BUrlG ver­s­toßen.

Zur Be­gründung heißt es, die gekündig­te Ar­beit­neh­me­rin sei be­rech­tigt, nicht nur durch ih­re ei­ge­ne Be­rufstätig­keit, son­dern darüber hin­aus auch durch Mit­hil­fe auf dem Weih­nachts­markt­stand zum Eheun­ter­halt bei­zu­tra­gen. Auch wenn sie ih­ren Bei­trag zum ge­mein­sa­men Un­ter­halt be­reits durch ihr Ar­beits­ein­kom­men erfüllt ha­ben soll­te, war sie nicht ge­hin­dert, ih­rem Mann un­ent­gelt­lich wei­te­re Ar­beits­leis­tun­gen zu­zu­wen­den.

Da der Ar­beit­ge­ber nur ein­zel­ne Ar­beitseinsätze der Kläge­rin auf dem Weih­nachts­markt be­le­gen konn­te, war nicht aus­rei­chend dar­ge­tan, dass es der Kläge­rin dar­auf an­ge­kom­men wäre, ih­re Ar­beits­kraft durch Er­werbstätig­keit während des Er­ho­lungs­ur­laubs in ma­xi­ma­ler Wei­se aus­zuschöpfen.

Die Fra­ge, wo hier die zeit­li­che Gren­ze verläuft, be­ant­wor­tet das LAG un­ter Hin­weis auf § 3 Ar­beits­zeit­ge­setz (Arb­ZG). Nach die­ser Vor­schrift darf die werktägli­che Ar­beits­zeit ei­nes Ar­beit­neh­mers acht St­un­den nicht über­schrei­ten, wor­aus - bei ei­ner ge­setz­lich zulässi­gen Sechs­ta­ge­wo­che - ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von höchs­tens 48 St­un­den folgt. Vorüber­ge­hend ist ei­ne Erhöhung auf zehn St­un­den pro Tag bzw. auf 60 St­un­den pro Wo­che möglich.

Da die Ar­beit­neh­me­rin im Streit­fall zu 37 St­un­den Ar­beit pro Wo­che ver­pflich­tet war, stand es ihr nach An­sicht des LAG Köln frei, den ver­blei­ben­den zeit­li­chen Rah­men von (60 - 37 =) 23 St­un­den pro Wo­che während ih­res Ur­laubs für ei­ne an­der­wei­ti­ge Er­werbstätig­keit zu nut­zen. Ei­ne über die­se Höchst­gren­ze hin­aus­ge­hen­de Er­werbstätig­keit hat­te der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings nicht nach­wei­sen können.

Fa­zit: Im All­ge­mei­nen fällt die Mit­hil­fe ei­nes Ar­beit­neh­mers im Be­trieb sei­nes Ehe­part­ners man­gels Er­werb­s­cha­rak­ters nicht un­ter das Ver­bot des § 8 BUrlG. Aber auch dann, wenn ei­ne sol­che Mit­hil­fe im Aus­nah­me­fall ein­mal als Er­werbstätig­keit an­zu­se­hen ist, ist sie nur ver­bo­ten, wenn sie zeit­lich aus­ufert.

Hier kann man auf die Vor­ga­ben des § 3 Arb­ZG zurück­grei­fen, so je­den­falls das LAG Köln. Im Er­geb­nis würde das be­deu­ten, dass Ar­beit­neh­mer bei ei­ner 40-St­un­den­wo­che während ih­res Ur­laubs ei­ner höchs­tens 20stündi­gen an­der­wei­ti­gen Er­werbstätig­keit nach­ge­hen könn­ten. Ob die­se Sicht­wei­se bei an­de­ren Ar­beits­ge­rich­ten Be­stand hätte, ist al­ler­dings frag­lich: Wer Ur­laub von sei­nem 20-St­un­den-Ar­beits­ver­trag nimmt, könn­te dann bis zu 40 St­un­den im Ur­laub ar­bei­ten, was der Er­ho­lung in den meis­ten Fällen wohl doch zu­wi­der lau­fen dürf­te.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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