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Orts­zu­schlag bei Le­bens­part­ner­schaft

Orts­zu­schlag nach dem BAT auch für gleich­ge­schlecht­li­che Le­bens­part­ner: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 29.04.2004, 6 AZR 101/03

18.08.2004. Mit dem "Ge­setz über die Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft" (LPartG) vom 16.02.2001 hat der Ge­setz­ge­ber Schwu­len und Les­ben end­lich die Mög­lich­keit ei­ner durch staat­li­chen Akt be­grün­de­ten, der Ehe nach­ge­bil­de­ten bzw. ehe­glei­chen Le­bens­a­prt­ner­schaft an die Hand ge­ge­ben.

Die Le­bens­a­part­ner­schaf­ten, die nach den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes in den letz­ten Jah­ren in Deutsch­land be­grün­det wur­den, sind al­ler­dings noch lan­ge nicht über­all in der Rechts­ord­nung ei­ner Ehe wirk­lich gleich­ge­stellt wor­den. Denn da­zu müß­te man ei­ne gro­ße An­zahl von die Ehe be­tref­fen­den Rechts­vor­schrif­ten än­dern bzw. er­gän­zen. Ei­ne sol­che sys­te­ma­ti­sche Rechts­be­rei­ni­gung ist bis­lang un­ter­blie­ben.

Da­her ist der Pro­zeß der Rechts­an­pas­sung der­zeit noch in vol­lem Gang, wie ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zeigt: BAG, Ur­teil vom 29.04.2004, 6 AZR 101/03.

Steht der BAT-Ortszuschlag nur Eheleuten zu oder auch Schwulen und Lesben, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft begründet haben?

Nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) be­steht die Vergütung ei­nes An­ge­stell­ten aus ver­schie­de­nen Kom­po­nen­ten, un­ter an­de­rem aus dem Orts­zu­schlag. Der Orts­zu­schlag ver­folgt den Zweck, die mit ei­nem be­stimm­ten Fa­mi­li­en­stand ty­pi­scher­wei­se ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen aus­zu­glei­chen.

Sei­ne Höhe rich­tet sich da­her nach den Fa­mi­li­en­verhält­nis­sen des An­ge­stell­ten. Le­di­ge und ge­schie­de­ne An­ge­stell­te er­hal­ten den Orts­zu­schlag der Stu­fe 1. Ver­hei­ra­te­ten, ver­wit­we­ten und ge­schie­de­nen An­ge­stell­ten, die aus der frühe­ren Ehe un­ter­halts­ver­pflich­tet sind, steht der höhe­re Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 zu. Für An­ge­stell­te, die in ei­ner Ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben, enthält der BAT kei­ne spe­zi­el­len Vor­schrif­ten.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat vor kur­zem über die Fra­ge ent­schie­den, ob ei­nem Ar­beit­neh­mer, der in ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft lebt, fi­nan­zi­el­le Vergüns­ti­gun­gen nach dem BAT zu­ste­hen, die nach dem Wort­laut des BAT Ehe­leu­ten vor­be­hal­ten sind.

Kon­kret ging es um die Fra­ge, ob ein in ei­ner Ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft le­ben­der Ar­beit­neh­mer ei­nen Orts­zu­schlag in der Höhe ver­lan­gen kann, wie er ei­nem ver­hei­ra­te­ten Ar­beit­neh­mer zu­steht, d.h. ei­nen Orts­zu­schlag der Stu­fe 2.

Der Streitfall: Düsseldorfer Arbeitnehmer, der in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt, klagt auf BAT-Ortszuschlag

Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers, auf das der BAT an­zu­wen­den ist, be­stand seit Ja­nu­ar 2001. Im Ok­to­ber 2001 be­gründe­te der Kläger mit ei­ner Per­son glei­chen Ge­schlechts ei­ne Le­bens­part­ner­schaft nach dem LPartG.

Der Kläger hat im Kla­ge­weg vor dem Ar­beits­ge­richt und vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er könne wie ein ver­hei­ra­te­ter An­ge­stell­ter den höhe­ren Orts­zu­schlag nach Stu­fe 2 be­an­spru­chen. Ar­beits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­ben sei­ne dar­auf ge­rich­te­te Zah­lungs­kla­ge ab­ge­wie­sen.

BAG: Der Ortszuschlag nach dem BAT steht auch eingetragenen Lebenspartnern zu

Die Re­vi­si­on des Klägers hat­te vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt Er­folg. Zur Be­gründung ver­weist das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf fol­gen­de recht­li­che Ge­ge­ben­hei­ten:

Das durch das LPartG ge­schaf­fe­ne Rechts­in­sti­tut der Le­bens­part­ner­schaft be­gründet ei­nen neu­en ge­setz­li­chen Fa­mi­li­en­stand. Die mit die­sem Fa­mi­li­en­stand ver­bun­de­nen Un­ter­halts­pflich­ten ent­spre­chen de­nen der Ehe. Wie die Ehe ist auch ei­ne Le­bens­part­ner­schaft ei­ne ex­klu­si­ve, auf Dau­er an­ge­leg­te und durch staat­li­chen Akt be­gründe­te Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft, de­ren vor­zei­ti­ge Auflösung ei­ner ge­richt­li­chen Ent­schei­dung be­darf.

Die Le­bens­part­ner­schaft erfüllt aus die­sen Gründen nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts al­le Merk­ma­le, an die der BAT den Be­zug ei­nes höhe­ren fa­mi­li­en­stands­be­zo­ge­nen Vergütungs­be­stand­teils an­knüpft.

Da der neue Fa­mi­li­en­stand nach dem LPartG in dem Stu­fen­sys­tem des Orts­zu­schlags nach dem BAT (noch) nicht berück­sich­tigt ist, ist der BAT durch die Schaf­fung des Rechts­in­sti­tuts der Le­bens­part­ner­schaft und mit de­ren fa­mi­li­en­recht­li­cher Aus­ge­stal­tung nachträglich lücken­haft ge­wor­den. Die­se Ta­riflücke muß nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­spre­chend dem Re­ge­lungs­kon­zept und dem Zweck des Orts­zu­schlags durch die Gleich­stel­lung von ver­hei­ra­te­ten An­ge­stell­ten mit An­ge­stell­ten, die ei­ne Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft ein­ge­gan­gen sind, ge­schlos­sen wer­den.

Fa­zit: Die Ent­schei­dung des BAG wi­der­spricht zwar den von der Recht­spre­chung prak­ti­zier­ten Grundsätzen der Ta­rif­aus­le­gung, da "Ta­rif­ver­tragslücken" nor­ma­ler­wei­se nicht an­er­kannt wer­den, um den Ta­rif­par­tei­en nicht ins Hand­werk zu pfu­schen. Das Ur­teil ist aber trotz­dem rich­tig, da ei­ne Auf­recht­er­hal­tung der fi­nan­zi­el­len Bes­ser­stel­lung von Ehe­leu­ten auf ei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der se­xu­el­len Iden­tität hin­aus­ge­lau­fen wäre.

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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