Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Thü­rin­ger LAG schützt Mob­bing­op­fer

Thü­rin­ger LAG: Wenn es An­halts­punk­te für sys­te­ma­ti­sches Mob­bing gibt, müs­sen dem Be­trof­fe­nen vor Ge­richt Be­wei­ser­leich­te­run­gen zu­ge­stan­den wer­den: Thü­rin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 10.04.2001, 5 Sa 403/00

12.06.2001. Bis­lang sind Ur­tei­le zum The­ma "Mob­bing" lei­der dünn ge­sät. Ein we­sent­li­ches Pro­blem von Be­trof­fe­nen, die als Klä­ger vor Ge­richt ste­hen und z.B. Scha­dens­er­satz we­gen mob­bing­be­ding­ter Ge­sund­heits­schä­den und/oder be­ruf­li­cher Nach­tei­le oder auch Schmer­zens­geld ein­kla­gen, be­steht in der Be­weis­not: Ge­mobbt wird ty­pi­scher­wei­se durch stän­di­ge klei­ne Na­cken­schlä­ge, die für sich ge­nom­men we­nig aus­sa­ge­kräf­tig sind und von den Tä­tern vor Ge­richt nicht zu­ge­stan­den, son­dern ab­ge­strit­ten oder ba­ga­tel­li­siert wer­den.

Hier hat sich das Thü­rin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) mit ei­nem mu­ti­gen Ur­teil her­vor­ge­tan und sich aus­führ­lich mit den Be­son­der­hei­ten die­ser Form von Schi­ka­ne am Ar­beits­platz aus­ein­an­der­ge­setzt. Vor al­lem hat das Ge­richt den Be­trof­fe­nen erst­mals Be­wei­ser­leich­te­run­gen zu­stan­den: Thü­rin­ger LAG, Ur­teil vom 10.04.2001 - 5 Sa 403/00.

Die Fortsetzung des Spießrutenlaufs: Mobbingopfer vor Gericht

Wer am Ar­beits­platz ge­mobbt wird, hält das nicht lan­ge aus. Ein we­sent­li­cher Teil des Pro­blems be­steht dar­in, dass es von al­len an­de­ren ge­leug­net wird - von Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gen, vom Be­triebs­rat und vom Ar­beit­ge­ber.

Zieht der Be­trof­fe­ne dann ir­gend­wann vor Ge­richt und klagt auf ver­trags­ge­rech­te Beschäfti­gung oder gar auf Scha­dens­er­satz oder Schmer­zens­geld, setzt sich die­se Si­tua­ti­on fort. Und nicht nur, dass die Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers von Mob­bing nichts wis­sen (oder so tun, als wüßten sie nichts), auch die Rich­ter rol­len oft ge­nervt mit den Au­gen, wenn der Kläger ih­nen et­was von Mob­bing be­rich­tet.

Denn Mob­bing ist ge­setz­lich nicht ge­re­gelt, es gibt kei­nen "Mob­bing-Pa­ra­gra­phen", auf den sich der Kläger be­ru­fen könn­te, und da­her emp­feh­len Ar­beits­rechts­anwälte oft mit gu­tem Grund, das Wort "Mob­bing" vor Ge­richt erst ein­mal zu ver­mei­den und sich statt des­sen auf an­de­re, recht­lich "greif­ba­re" The­men zu kon­zen­trie­ren.

Es wird al­ler­dings Zeit, dass sich auch Ar­beits­ge­rich­te be­wusst mit dem Pro­blem Mob­bing aus­ein­an­der­set­zen, d.h. die Be­son­der­hei­ten die­ser rechts­wid­ri­gen Be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern am Ar­beits­platz er­ken­nen und bei der Ent­schei­dungs­fin­dung berück­sich­ti­gen.

Ei­nen wich­ti­gen Schritt in die­se Rich­tung hat das Thürin­ger LAG ge­macht.

Der Streitfall: Qualifizierter Sparkassenangestellter wird ohne Grund von seinen Aufgaben und vielfach zu Unrecht abgemahnt

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war als Markt­be­reichs­lei­ter und Fi­li­al­lei­ter ei­ner Spar­kas­se beschäftigt und er­hielt ei­ne Vergütung nach BAT II. Sei­ne Ar­beits­leis­tun­gen wur­den von Kun­den so­wie - zunächst - auch von der Be­klag­ten als sehr gut be­wer­tet.

Nach ei­nem Wech­sel im Vor­stand der be­klag­ten Spar­kas­se zum 1.1.2000 sah er sich mas­si­ven, von meh­re­ren Mit­glie­dern des Spar­kas­sen­vor­stan­des sys­te­ma­tisch ge­steu­er­ten An­grif­fen aus­ge­setzt, die sei­ne Tätig­keit be­tra­fen. Auf­grund an­ony­mer Be­schwer­den und nicht kon­kre­ter Vorwürfe ent­zog man ihm sei­nen Ar­beits­platz und bot ihm ei­ne Tätig­keit an, die meh­re­re Stu­fen un­ter sei­ner bis­her aus­geübten Ar­beit lag. Dies hat der Kläger ab­ge­lehnt, wor­auf­hin er von sei­ner Tätig­keit ent­bun­den und so­dann mit ei­ner Fülle un­sin­ni­ger Maßnah­men und of­fen­kun­dig rechts­wid­ri­ger Ab­mah­nun­gen über­zo­gen wur­de.

Zu­letzt zog der An­ge­stell­te vor Ge­richt und wehr­te sich im We­ge des ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­rens ge­gen den Ein­satz als Pfändungs­sach­be­ar­bei­ter. Das Ar­beits­ge­richt Ge­ra gab ihm Recht (Ur­teil vom 11.08.2000, 2 Ga 8/2000).

Thüringer LAG: Der Arbeitgeber muss Mitarbeiter aktiv am Mobbing von Kollegen hindern, und vor Gericht müssen Betroffene Beweiserleichterungen haben

Das LAG Thürin­gen hat eben­falls im we­sent­li­chen zu­guns­ten des An­ge­stell­ten. Da­bei lässt sich das LAG im we­sent­li­chen von fol­gen­den Grundsätzen lei­ten:

Weil es bis­her kei­ne spe­zi­el­len ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen gibt, die Mob­bing be­tref­fen, stellt das LAG zunächst rich­tig fest, daß "Mob­bing" bis­lang (noch) kein Rechts­be­griff ist. Es han­delt sich da­her bis­lang (noch) nicht um ei­nen ju­ris­ti­schen Tat­be­stand, aus dem sich kon­kre­te Rechts­fol­gen her­lei­ten las­sen. Wenn es da­her im Rah­men des Mob­bings z.B. zu Be­lei­di­gun­gen kommt oder dem Ar­beit­neh­mer Ar­bei­ten zu­ge­wie­sen wer­den, die er gemäß sei­nem Ar­beits­ver­trag nicht über­neh­men muß, kann er sich ge­gen die­se (ein­zel­nen) Maßnah­men nur weh­ren, in­dem er sei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch (ge­gen die Be­lei­di­gung) und sei­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Beschäfti­gungs­an­spruch (auf Zu­wei­sung ei­ner ver­trags­gemäßen Ar­beit) gel­tend macht.

Den­noch kann es auf der Grund­la­ge des LAG-Ur­teils für die Durch­set­zung der Rech­te des ge­mobb­ten Ar­beit­neh­mers wich­tig sein, das Ge­richt da­von zu über­zeu­gen, daß sein Pro­blem ein Fall von Mob­bing ist. Dies er­gibt sich aus fol­gen­den Aus­sa­gen des Thürin­ger LAG:

Ers­tens können die Rechts­ansprüche, die der Ar­beit­neh­mer nach bis­her gel­ten­dem Recht hat (al­so zum Bei­spiel der An­spruch auf ver­trags­gemäße Beschäfti­gung), un­ter er­leich­ter­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den, wenn deut­lich wird, daß der Ar­beit­neh­mer Mob­bing­op­fer ist. So wäre der Ar­beit­ge­ber - in der Kon­se­quenz der Ent­schei­dung des Thürin­ger LAG - et­wa da­zu ver­pflich­tet, den ge­mobb­ten Ar­beit­neh­mer mit an­de­ren Auf­ga­ben zu be­trau­en und / oder ggf. zu ver­set­zen, wenn er nur da­durch vor dem Mob­bing geschützt wer­den kann - und zwar auch dann, wenn dem Ar­beit­neh­mer "an sich" (oh­ne Mob­bing) ei­ner sol­cher An­spruch nicht bzw. nicht ein­deu­tig zustünde.

Zwei­tens fin­det sich in der Ent­schei­dung des Thürin­ger LAG ei­ne De­fi­ni­ti­on von "Mob­bing" (Ur­teil, Punkt 5 der Leitsätze). Die­ser De­fi­ni­ti­ons­ver­such ist des­halb wich­tig, weil der Be­griff "Mob­bing" arg in Mo­de ge­kom­men ist und da­her nicht we­ni­ge alltägli­che Pro­ble­me mit dem Chef oder mit Kol­le­gen, die noch im Rah­men des übli­chen lie­gen und recht­lich hin­zu­neh­men sind, oh­ne viel Fe­der­le­sen mit dem Schlag­wort "Mob­bing" be­legt wer­den.

Drit­tens hat das LAG Thürin­gen die Be­weis­la­ge des Ge­mobb­ten im Pro­zeß ver­bes­sert, in­dem es klar­ge­stellt hat, daß die Anhörung ei­ner Par­tei (al­so vor al­lem des Mob­bing­op­fers) als Be­weis­mit­tel her­an­ge­zo­gen wer­den kann und muß.

Fa­zit: Da die bis­her veröffent­lich­ten Ge­richts­ent­schei­dun­gen zum The­ma Mob­bing an ei­ner Hand ab­gezählt wer­den können und sich außer­dem nur am Ran­de mit dem Pro­blem beschäfti­gen, hat das Ur­teil des Thürin­ger LAG al­lein schon des­halb große Be­deu­tung, weil es ei­ne der ers­ten Ent­schei­dun­gen ei­nes deut­schen Ar­beits­ge­richts ist, die sich sys­te­ma­tisch mit dem Pro­blem des Mob­bing aus­ein­an­der setzt.

Trotz­dem wird es in vie­len Fällen aus pro­zesstak­ti­schen Gründen bes­ser sein, sich ge­gen ei­ne rechts­wid­ri­ge Ab­mah­nung, ei­ne rechts­wid­ri­ge Ver­set­zung oder ei­ne rechts­wid­ri­ge Ar­beits­platz­aus­stat­tung oh­ne Be­zug­nah­me auf das Reiz­wort Mob­bing zu weh­ren.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 6. Mai 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880