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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Mobbing, Schmerzensgeld, Beweislast
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 12 (7) Sa 64/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.04.2006
   
Leit­sätze: Zur Dar­le­gungs- und Be­weis­last bei der Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz­ansprüchen we­gen Mob­bing
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 02.11.2005, 2 Ca 2267/05
   

12 (7) Sa 64/06

2 Ca 2267/05

Ar­beits­ge­richt Bonn

Verkündet am 21. April 2006

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

 

IM NA­MEN DES VOL­KES

 

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:

g e g e n

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

hat die 12. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21.04.2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. L als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Frau N und Frau S

für R e c h t er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 02.11.2005 – 2 Ca 2267/05 – wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt die Kläge­rin.

3. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d :

Die Kläge­rin nimmt de Be­klag­te auf Scha­dens­er­satz in An­spruch.


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Die Kläge­rin war auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 15.01.2004 ab die­sem Zeit­punkt im Al­ten­heim der Stif­tung C als Mit­ar­bei­te­rin in der Haus­wirt­schaft beschäftigt. Dort war auch die Be­klag­te tätig.

Vor Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses ar­bei­te­te die Kläge­rin be­reits – seit Au­gust 2003 – eh­ren­amt­lich im Al­ten­heim. Am 25.09.2003 teil­te sie der Ar­beit­ge­be­rin mit, die Be­klag­te hal­te sich nicht an die gel­ten­den Des­in­fek­ti­ons- und Hy­gie­ne­vor­schrif­ten, in­dem sie mit Fäka­li­en ver­un­rei­nig­te Wäsche oh­ne Si­cher­heits­hand­schu­he sor­tie­re. Die Be­klag­te er­stat­te­te dar­auf­hin Straf­an­zei­ge ge­gen die Kläge­rin. Das Straf­ver­fah­ren – 336 Js 223/04 StA Bonn – wur­de ein­ge­stellt und die Be­klag­te auf den Pri­vat­kla­ge­weg ver­wie­sen.

Die Kläge­rin hat be­haup­tet:

Als die Be­klag­te von ih­rer Mit­tei­lung ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin Kennt­nis er­hal­ten ha­be, ha­be sie sie be­schimpft, be­droht und ge­sagt: „A, du bist ei­ne dre­cki­ge Mit­ar­bei­te­rin, dass du so hin­terhältig hin­ter mei­nem Rücken über mich sol­che Lügen ver­brei­test. Das zah­le ich dir zurück, du ver­lo­ge­nes Lu­der.“

Die­sen Dro­hun­gen sei­en wei­te­re Ver­hal­tens­wei­sen der Be­klag­ten ge­folgt, die dar­auf ge­rich­tet ge­we­sen sei­en, den Kon­flikt mit ihr, der Kläge­rin, aus­zu­wei­ten und ih­re Stel­lung im Be­trieb zu dis­kre­di­tie­ren. Die Be­klag­te ha­be ver­sucht, sich auf ih­re, der Kläge­rin, Kos­ten in ih­rem Ar­beits­be­reich zu pro­fi­lie­ren. So ha­be sie u. a. am 22.12.2004 ge­genüber Mit­ar­bei­te­rin­nen vor­ge­ge­ben, Ar­beit ge­leis­tet zu ha­ben, die ei­gent­lich sie, die Kläge­rin, er­bracht hat­te.

Die Kläge­rin hat wei­ter vor­ge­tra­gen:

Auch wenn es nie zu hand­greif­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen oder Überg­rif­fen durch die Be­klag­te ge­kom­men sei, ha­be sie sich zu­neh­mend durch das Ver­hal­ten der Be­klag­ten be­droht gefühlt. Die­se ha­be zu ihr ge­sagt, sie sol­le von der Ar­beit ver­schwin­den, da sie sonst dafür sor­gen würde, dass sie

 

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die Ar­beit ver­lie­re. Soll­te sie wei­ter­hin kom­men, wer­de sie ihr frem­de Sa­chen zu­ste­cken und sie des Dieb­stahls be­zich­ti­gen. Sie, die Kläge­rin, ha­be die An­dro­hun­gen ernst ge­nom­men und Angst um ih­ren Ar­beits­platz ge­habt.

Am 11.05.2004 ge­gen 12:55 Uhr ha­be die Be­klag­te ihr ge­droht, sie wer­de ihr et­was in den Kaf­fee reintun, falls sie nicht end­lich von der Ar­beit ver­schwin­de. Auch die­se Dro­hung sei nicht fol­gen­los ge­blie­ben. Sie ha­be zu­neh­mend Angst ge­habt, zur Ar­beit zu ge­hen, zu dem hätten sie Alp­träume und Le­bensängs­te ge­plagt. We­gen ih­res Ge­sund­heits­zu­stan­des nimmt die Kläge­rin Be­zug auf ärzt­li­che At­tes­te vom 26.05.2004, 25.02. und 03.03.2005 so­wie vom 19.08.2005.

Sie ist der An­sicht, we­gen die­ser durch das rechts­wid­ri­ge und schuld­haf­te Ver­hal­ten der Be­klag­ten ent­stan­de­nen ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen so­wie des ein­ge­tre­te­nen Ar­beits­platz­ver­lus­tes – das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Kündi­gung zum 28.02.2005 – ste­he ihr ein Schmer­zens­geld­an­spruch, der sich auf 20.000,00 € be­lau­fe, zu. Außer­dem hat die Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te an­tei­li­ge Rechts­an­walts­kos­ten für die vor­pro­zes­sua­le In­an­spruch­nah­me ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten in Höhe von 492,96 € gel­tend ge­macht.

Die Be­klag­te ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten und hat be­strit­ten, dass durch rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten ih­rer­seits die an­geb­li­chen ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen der Kläge­rin und der Ar­beits­platz­ver­lust ein­ge­tre­ten sei­en. Sie ha­be die Kläge­rin nicht be­lei­digt und be­droht. Im Übri­gen sei der Vor­trag der Kläge­rin un­sub­stan­zi­iert.

Durch Ur­teil vom 02.11.2005 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt:

Bei Mob­bing­vorwürfen der hier in Re­de ste­hen­den Art müss­ten die ein­zel­nen Vorfälle nach Zeit­punkt, In­ten­sität und Häufig­keit sub­stan­zi­iert vor­ge­tra­gen wer­den. Mit schlag­wort­ar­ti­gem Vor­trag oder ei­ner wer­ten­den Zu­sam­men­fas­sung der Er­eig­nis­se wer­de die der Kla­ge­par­tei ob­lie­gen­de


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pro­zes­sua­le Dar­le­gungs­last nicht erfüllt. Dies gel­te auch für den vor­lie­gen­den Fall, in dem die Kläge­rin sich auf sehr we­nig kon­kret ge­hal­te­ne Be­haup­tun­gen be­schränkt ha­be und im Übri­gen in pau­scha­lie­ren­der und für die Be­klag­te nicht kon­kret ein­las­sungsfähi­ger, für das Ge­richt da­mit auch nicht über­prüfba­rer, un­zu­rei­chend sub­stan­zi­ier­ter Wei­se vor­tra­ge. So­weit die Kläge­rin im übri­gen Sach­vor­trag bei­brin­ge, feh­le es für die­sen weit­ge­hend an taug­li­chen Be­weis­mit­teln.

We­gen des wei­te­ren In­hal­tes des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf Blatt 55 bis 67 d. A. Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen die­ses ihr am 12.01.2006 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 18.01.2006 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 03.03.2006 be­gründet.

Die Kläge­rin ver­bleibt da­bei, dass die Be­klag­te sie über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­weg sys­te­ma­tisch an­ge­grif­fen, an­ge­fein­det und dis­kre­di­tiert ha­be. Da­durch sei sie er­krankt und ha­be so ih­ren Ar­beits­platz ver­lo­ren. In­so­weit sei ihr Vor­trag auch durch­aus hin­rei­chend sub­stan­zi­iert ge­we­sen. Die ge­gen­tei­li­ge An­sicht des Ar­beits­ge­richts sei nicht stich­hal­tig. Die­ses ha­be zu dem übermäßige An­for­de­run­gen an die Dar­le­gungs- und Be­weis­last in Mob­bing­pro­zes­sen ge­stellt. Sch­ließlich kom­me ihr, der Kläge­rin, auch der An­scheins­be­weis für die Be­rech­ti­gung der Mob­bing­vorwürfe zu­gu­te. Sch­ließlich rügt die Kläge­rin, das Ar­beits­ge­richt ha­be die ihm ob­lie­gen­de Hin­weis­pflicht ver­letzt.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn vom 2. No­vem­ber 2005 – 2 Ca 2267/05 – ab­zuändern und nach Schluss­anträgen ers­ter In­stanz zu er­ken­nen,

2. die Kos­ten des Rechts­streits der be­ru­fungs­be­klag­ten Par­tei auf­zu­er­le­gen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,


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die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te tritt dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil bei.

We­gen des erst- und zweit­in­stanz­li­chen Vor­tra­ges der Par­tei­en im Übri­gen und im Ein­zel­nen wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze, die zu den Ak­ten ge­reich­ten Un­ter­la­gen so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten ver­wie­sen.

Die Ak­ten - 2 Ca 278/05 Ar­beits­ge­richts Bonn - sind bei­ge­zo­gen und zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­macht wor­den. Auf sie wird ergänzend Be­zug ge­nom­men.

 

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

Die zulässi­ge Be­ru­fung hat in der Sa­che kei­nen Er­folg.

Zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­ansprüche ste­hen der Kläge­rin nicht zu.

I. Das gilt zunächst für den An­spruch auf Schmer­zens­geld, den die Kläge­rin mit 20.000,00 € be­zif­fert.

a) Als An­spruchs­grund­la­ge dafür kom­men §§ 823 Abs. 1, 253 Abs. 2 BGB in Be­tracht, da die Be­klag­te nach der Be­haup­tung der Kläge­rin die­se rechts­wid­rig und schuld­haft – durch so­ge­nann­tes Mob­bing – in ih­rer Ge­sund­heit be­ein­träch­tigt hat. Dar­le­gungs- und be­weis­be­las­tet ist in­so­weit die Kläge­rin als Geschädig­te, und zwar hin­sicht­lich der un­er­laub­ten Hand­lung des Schädi­gers, der Rechts­gut­ver­let­zung, der haf­tungs­be­gründen­den so­wie haf­tungs­ausfüllen­den Kau­sa­lität und des Ver­schul­dens (LAG Ber­lin Ur­teil vom 01.11.2002 – 19 Sa 940/02 – NZA-RR 2003, 232, 233; LAG Bre­men Ur­teil vom


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10.07.2002 – 3 Sa 78/02 – NZA –2003, 234, 236; Woll­merath, Mob­bing im Be­trieb, 2. Aufl., Sei­te 161 bis 167). Die­ser sie tref­fen­den Dar­le­gungs- und Be­weis­last hat die Kläge­rin nicht genügt. Ihr Sach­vor­trag reicht nicht aus für ei­ne schlüssi­ge Be­gründung des gel­tend ge­mach­ten Schmer­zens­geld­an­spru­ches.

b) Mob­bing be­deu­tet das sys­te­ma­ti­sche An­fein­den, Schi­ka­nie­ren und Dis­kri­mi­nie­ren von Ar­beit­neh­mern un­ter­ein­an­der oder durch Vor­ge­setz­te (BAG Be­schluss vom 15.01.1997 – 7 ABR 14/96 – NZA 97, 781; LAG Hamm Ur­teil vom 25.06.2002 – 18 (11) Sa 1295/01 – NZA-RR 2003, 8, 9; LAG Rhein­land-Pfalz Be­schluss vom 09.02.2004 – 2 Ta 12/04 – NZA-RR 2004, 232; Säch­si­sches LAG Ur­teil vom 17.02.2005 – 2 Sa 751/03 – AUR 2006, 131). We­sent­lich für das Vor­lie­gen von Mob­bing ist das sys­te­ma­ti­sche Vor­ge­hen, meh­re­re Ak­te sind durch ei­nen Ge­samt­zu­sam­men­hang mit­ein­an­der ver­bun­den, so­wie der Um­stand, dass die Ver­let­zungs­hand­lun­gen über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­fol­gen müssen (Ben­ecke, NZA-RR 2003, 225, 226, 228, 229; Woll­merath, a. a. O, Sei­te 29, 30).

c) Hier hat die Kläge­rin in pro­zes­su­al er­heb­li­cher Wei­se nur ein­zel­ne, zeit­lich recht­weit aus­ein­an­der lie­gen­de Ver­let­zungs­hand­lun­gen dar­ge­stellt:

Das ist ein­mal die Tat­sa­che, dass die Be­klag­te ge­gen sie nach dem 25.09.2003 Straf­an­zei­ge er­stat­tet hat. Das Straf­ver­fah­ren ist ein­ge­stellt, die Be­klag­te auf den Pri­vat­kla­ge­weg ver­wie­sen wor­den, den sie nicht be­schrit­ten hat (Ein­stel­lungs­verfügung vom 29.12.2004).

Die anläss­lich der Mit­tei­lung ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin vom 25.09.2003 be­haup­te­te Be­dro­hung der Kläge­rin durch die Be­klag­te („A, du bist ei­ne dre­cki­ge Mit­ar­bei­te­rin, dass du so hin­terhältig hin­ter mei­nem Rücken über mich sol­che Lügen ver­brei­test. Das zah­le ich dir zurück, du ver­lo­ge­nes Lu­der.“) ist durch die Kläge­rin nicht un­ter Be­weis ge­stellt wor­den, und zwar auch in der Be­ru­fung nicht. Wenn die Kläge­rin ei­ne Ver­let­zung des § 139 ZPO durch das erst­in­stanz­li­che Ge­richt rügt, hätte sie in der Be­ru­fung den von ihr in­fol­ge die­ser


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Rechts­ver­let­zung un­ter­las­se­nen Sach­vor­trag nach­ho­len müssen. Dies ist nicht ge­sche­hen, wie die Be­klag­te zu­tref­fend an­merkt.

Der wei­te­re Vor­trag der Kläge­rin zu „ver­ba­len Überg­rif­fen, Be­lei­di­gun­gen und mas­si­ven Dro­hun­gen“ ist all­zu pau­schal. Es fehlt schon an ei­ner we­nigs­tens un­gefähren zeit­li­chen Fest­le­gung, erst Recht, was die Be­klag­te der Kläge­rin in wel­chem Zu­sam­men­hang kon­kret ge­sagt hat (zur er­for­der­li­chen Sub­stan­zi­ie­rung des Sach­vor­tra­ges vgl. LAG Bre­men Ur­teil vom 17.10.2002 – 3 Sa 78/02 – NZA-RR 2003, 234).

Das gilt auch für die Be­haup­tung der Kläge­rin, die Be­klag­te ha­be ihr ge­sagt, sie sol­le von der Ar­beit ver­schwin­den, sonst würde sie, die Be­klag­te, dafür sor­gen, dass sie die Ar­beit ver­lie­re. Sie würde ihr frem­de Sa­chen zu­ste­cken und sie des Dieb­stahls be­zich­ti­gen, da­mit sie die Ar­beit ver­lie­re. Im Übri­gen ist auch die­ser Vor­trag nicht mit zulässi­gen Be­weis­mit­tel un­ter Be­weis ge­stellt wor­den.

Eben­so un­sub­stan­zi­iert ist die Be­haup­tung der Kläge­rin, die Be­klag­te „gab u. a. am 22.12.2004 ge­genüber Mit­ar­bei­te­rin­nen vor, Ar­bei­ten ge­leis­tet zu ha­ben, die ei­gent­lich die Kläge­rin er­bracht hat­te“. Es bleibt of­fen, um wel­che kon­kre­te Ar­bei­ten es sich ge­han­delt ha­ben soll.

Aus den glei­chen Gründen ist der wei­te­re Vor­trag, die Be­klag­te ha­be ver­brei­tet, sie, die Kläge­rin, ar­bei­te nicht ge­nug und kom­me ih­rer Ar­beit nicht nach, in pro­zes­sua­ler Hin­sicht un­er­heb­lich.

Der Vor­trag der Kläge­rin, die Be­klag­te ha­be ihr ge­droht, sie wer­de ihr was in den Kaf­fee tun, ist nicht mit zulässi­gen pro­zes­sua­len Be­weis­mit­teln un­ter Be­weis ge­stellt.

Was bleibt ist dann noch die Ab­mah­nung vom 06.10.2004, die die Be­klag­te er­teilt hat, und zwar aus zwei Gründen. Der Ei­ne war, dass die Kläge­rin sich ge­genüber ih­ren un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten darüber be­schwer­te, der Geschäftsführer Müns­ter un­ter­neh­me nichts ge­gen die Be­klag­te, und da­mit


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droh­te, des­halb wer­de es ihm „an den Kra­gen ge­hen“. Der an­de­re Grund be­stand dar­in, dass die Kläge­rin sich im Zu­sam­men­hang mit ge­leis­te­ten Mehr­ar­beits­stun­den nicht ver­trags­ge­recht ver­hal­ten ha­ben sol­le. Was letz­te­res mit ei­nem der Be­klag­ten an­zu­las­ten­den Mob­bing­ver­hal­ten zu tun ha­ben soll, ist nicht er­kenn­bar.

d) Nimmt man dies, hat die Kläge­rin kein sys­te­ma­ti­sches Schi­ka­nie­ren und Dis­kri­mi­nie­ren in pro­zes­su­al er­heb­li­cher Wei­se vor­ge­tra­gen, das die ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen, wie sie in den ärzt­li­chen At­tes­ten, ins­be­son­de­re de­nen vom 25.02. und 03.03.2005 bestätigt sind, be­gründen könn­ten. Die­se ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen set­zen ein ge­ziel­tes und fort­ge­setz­tes un­ter Druck set­zen der Kläge­rin vor­aus. So­weit da­von in den At­tes­ten die Re­de ist, han­delt es sich er­sicht­lich nicht um ei­ge­ne Wahr­neh­mun­gen der be­han­deln­den Ärz­te, son­dern wer­den nur die Schil­de­run­gen der Kläge­rin selbst wi­der­ge­ge­ben.

e) Be­wei­ser­leich­te­run­gen kom­men der Kläge­rin nicht zu Gu­te.

Das gilt zunächst für sol­che aus dem Ge­sichts­punkt des An­schein­be­weis. Die­ser setzt ei­nen ty­pi­schen Ge­sche­hens­ab­lauf vor­aus (vgl. LAG Schles­wig-Hol­stein Ur­teil vom 19.03.2002 – 3 Sa 1/02 – DB 02, 1056), der sich hier an­ge­sichts der auf­ge­zeig­ten De­fi­zi­te im Kla­ge­vor­trag nicht fest­stel­len lässt.

f) Zur Be­wei­ser­leich­te­rung sol­len auch In­di­zi­en und Ver­mu­tun­gen führen:

Wur­den ein­zel­ne Mob­bing­hand­lun­gen dar­ge­legt und be­wie­sen, könne dar­aus auf die Wahr­heit wei­te­rer Be­haup­tun­gen ge­schlos­sen wer­den (vgl. Be­ne­ke, NZA-RR 2003, 225, 229). Ab­ge­se­hen da­von, dass die dog­ma­ti­sche Grund­la­ge un­klar bleibt (zur Be­deu­tung tatsäch­li­cher Ver­mu­tun­gen sie­he Prütting, Ge­gen­warts­pro­ble­me der Be­weis­last, Sei­te 57, 58), sind hier aus­rei­chen­de tatsächli­che Umstände nicht dar­ge­legt. Aus der Tat­sa­che, dass die Be­klag­te ge­gen die Kläge­rin Straf­an­zei­ge we­gen übler Nach­re­de er­stat­tet hat, kann nicht ge­schlos­sen wer­den, sie ha­be die Kläge­rin we­gen der hier in


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Re­de ste­hen­den Mit­tei­lung an die Ar­beit­ge­be­rin be­schimpft und be­droht. Auch an­sons­ten steht zu we­nig kon­kre­tes fest, um Schluss­fol­ge­run­gen auf die Wahr­heit der von der Kläge­rin an­sons­ten auf­ge­stell­ten Be­haup­tun­gen zu­zu­las­sen.

g) Um der für Mob­bing-Fälle nicht un­ty­pi­schen Be­weis­not des oder der Geschädig­ten ab­zu­hel­fen, stellt das LAG Thürin­gen (Ur­teil vom 10.04.2001 – 5 Sa 403/02 – NZA-RR 2001, 347, 358) dar­auf ab, ob fall­ty­pi­sche In­di­ztat­sa­chen vor­lie­gen, die­sen soll dann aus­schlag­ge­ben­de Be­deu­tung zu­kom­men, wenn ei­ne Kon­ne­xität zu den vor­ge­brach­ten Mob­bing­hand­lun­gen be­steht; darüber hin­aus kom­me auch dem sich ty­pi­scher­wei­se mit zu­neh­men­der Dau­er­ver­schlech­tern­den psy­chi­schen und phy­si­schen Ge­sund­heits­zu­stand des Mob­bing­op­fers ins­be­son­de­re dann Be­deu­tung zu, wenn vor­her kei­ne ver­gleich­ba­ren ge­sund­heit­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen be­stan­den ha­ben. Da­bei han­delt es sich, wie Ben­ecke (NZA-RR 2003, 225, 229) zu Recht an­merkt, tatsächlich um ei­nen Zir­kel­schluss, da die Krank­heit die Hand­lung und die­se wie­der die Kau­sa­lität für die Krank­heit in­di­zie­ren soll. Die in den At­tes­ten auf­ge­zeig­ten Be­schwer­den können ih­re Ur­sa­che in Be­las­tun­gen am Ar­beits­platz ha­ben, Gründe dafür können aber auch im pri­va­ten Be­reich lie­gen (vgl. Woll­merath, Sei­te 166). So­lan­ge nicht fest­steht, dass die Ur­sa­che in den be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten liegt, kann der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Thürin­gen ge­zo­ge­ne Schluss nicht grei­fen. Ei­ne sol­che be­trieb­li­che Ur­sa­che steht hier ge­ra­de aber nicht fest.

Es bleibt des­halb da­bei, wie das Ar­beits­ge­richt be­reits zu­tref­fend ge­ur­teilt hat, dass die Kläge­rin ei­nen den gel­tend ge­mach­ten Schmer­zens­geld­an­spruch recht­fer­ti­gen­den Sach­ver­halt nicht schlüssig vor­ge­tra­gen hat.

II. Aus die­sen Gründen steht der Kläge­rin auch der Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe von 492,96 € an auf­ge­wand­ten Rechts­be­ra­tungs­kos­ten nicht zu.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO.


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R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g :

Die Re­vi­si­on wur­de nicht zu­ge­las­sen. Es han­delt sich um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung oh­ne Rechts­fra­gen von grundsätz­li­cher Be­deu­tung. Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemäß § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

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