Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Betriebsübergang: Umgehung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 481/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.05.2008
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Passau, Urteil vom 30.05.2005, 2 Ca 790/04 D
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 27.02.2007, 6 Sa 870/05
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 481/07
6 Sa 870/05
Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

21. Mai 2008

UR­TEIL

Di­ede­rich, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen


1. 


2. 


3. 


Kläge­rin­nen, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin­nen zu 1) - 3),

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 21. Mai 2008 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des-
 


- 2 - 

ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Dr. Brühler so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Her­mann und Dr. Pau­li für Recht er­kannt:


Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin­nen wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 27. Fe­bru­ar 2007 - 6 Sa 870/05 - auf­ge­ho­ben.


Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pas­sau - Kam­mern Deg­gen­dorf - vom 30. Ju­ni 2005 - 2 Ca 790/04 D - zur Klar­stel­lung wie folgt neu ge­fasst:


Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin­nen auf der Grund­la­ge ih­rer mit dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men Kreis­kran­kenhäuser Z ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge wei­ter­zu­beschäfti­gen.


Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird zurück­ge­wie­sen.


Von den Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Kläge­rin­nen zu 1) und 2) je 2/20, die Kläge­rin zu 3) 1/20 und die Be­klag­te 15/20.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit von Auflösungs­verträgen und den Über­gang der Ar­beits­verhält­nis­se der Kläge­rin­nen auf die Be­klag­te im We­ge ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges.


Die Kläge­rin zu 1) war seit 1. Sep­tem­ber 1978 beim Kreis­kran­ken­haus Z beschäftigt, seit 16. De­zem­ber 1986 als Lei­te­rin des Rei­ni­gungs­diens­tes. Die Kläge­rin zu 2) war seit 1. Au­gust 1971 als Rei­ni­gungs­kraft im sel­ben Kran­ken­haus tätig. Die Kläge­rin zu 3) war dort seit 1. Ja­nu­ar 1981 als Sta­ti­ons­hil­fe im Rei­ni­gungs­dienst beschäftigt. In ih­ren mit dem Land­kreis R ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträgen war ver­ein­bart, dass sich ih­re Ar­beits­verhält­nis­se nach den
 


- 3 -

je­weils gel­ten­den Vor­schrif­ten des BAT bzw. den ein­schlägi­gen Man­tel­ta­rif­verträgen für Ar­bei­ter und den zusätz­lich für den Land­kreis gel­ten­den Ta­rif­verträgen in ih­ren je­wei­li­gen Fas­sun­gen rich­ten soll­ten.


Zwi­schen­zeit­lich wa­ren die Ar­beits­verhält­nis­se der Kläge­rin­nen auf das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men Kreis­kran­kenhäuser Z über­ge­gan­gen.


Auf ei­ner Per­so­nal­ver­samm­lung am 21. Fe­bru­ar 2003 wur­de den Mit­ar­bei­tern des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens die Ab­sicht mit­ge­teilt, ei­ne Ser­vice GmbH zu gründen, wel­che ua. die am Kreis­kran­ken­haus Z täti­gen Rei­ni­gungs­kräfte über­neh­men sol­le. Es folg­ten Ver­hand­lun­gen, an de­nen Ver­tre­ter der Be­klag­ten, der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di, des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens, des Per­so­nal­rats so­wie der Land­rat des Land­krei­ses R teil­nah­men. Das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men, der Land­kreis und die Be­klag­te mach­ten deut­lich, dass sie mit den Beschäftig­ten im Ser­vice­be­reich der Kreis­kran­kenhäuser Auf­he­bungs­verträge schließen woll­ten. Gleich­zei­tig soll­ten die­se mit der Be­klag­ten neue Ar­beits­verträge ver­ein­ba­ren, die kei­ne Be­zug­nah­me auf die bis­her gel­ten­den Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen ent­hal­ten soll­ten. Die bis­he­ri­ge Vergütung soll­te so lan­ge wei­ter­gewährt wer­den bis die Vergütun­gen im Be­reich des pri­va­ten Gebäuderei­ni­ger­hand­werks die Höhe die­ser bis­he­ri­gen Vergütung er­reicht ha­ben wer­de (sog. Auf­zeh­rungs­mo­dell).


Am 3. Ju­ni 2004 schlos­sen die Kläge­rin­nen mit ih­rem da­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber, dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men, „Auflösungs­verträge“, wel­che ua. fol­gen­de Re­ge­lun­gen ent­hal­ten:


㤠1


(1) Die Ar­beit­neh­me­rin ... schei­det mit Ab­lauf des 30.06.2004 im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men aus dem Dienst der Kreis­kran­kenhäuser Z aus.


§ 2


Die nach der in § 1 ge­nann­ten Vergütungs­grup­pe (bei den Kläge­rin­nen zu 2) und 3): Lohn­grup­pe) zu­ste­hen­de Vergütung wird bis zum Aus­schei­den ge­zahlt.

...


- 4 -

§ 5


Durch den Ab­schluß die­ses Auflösungs­ver­tra­ges können Ih­nen bei der Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se Ein­bußen ent­ste­hen. Für Auskünf­te steht die Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se zur Verfügung.“


Am sel­ben Ta­ge schlos­sen die Kläge­rin­nen mit der Be­klag­ten Ar­beits­verträge. Die­se lau­ten - so­weit hier von In­ter­es­se -:

㤠1
In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses

Die Mit­ar­bei­te­rin wird in der B Ser­vice GmbH ein-ge­stellt und ist da­mit ein­ver­stan­den, die Ar­beits­leis­tung für das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men Kreis­kran­kenhäuser Z im Rah­men ei­nes Ge­stel­lungs­ver­tra­ges zu er­brin­gen.

§ 2
Be­ginn und Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses


Das Ar­beits­verhält­nis be­ginnt am 01.07.2004 und wird auf un­be­stimm­te Zeit ab­ge­schlos­sen.

§ 3
Vergütung/Zah­lungs­wei­se

Die Mit­ar­bei­te­rin erhält mo­nat­lich ei­ne Vergütung nach Vor­ga­be der Ar­beits- und So­zi­al­ord­nung mit Vergütungs­ord­nung im Rah­men des Auf­zeh­rungs­mo­dells.
...


§ 9
Be­son­de­re Ab­ma­chun­gen

...
Die Beschäfti­gungs­jah­re bei den Kreis­kran­kenhäusern Z wer­den auf die je­wei­li­gen Kündi­gungs­fris­ten und auf zu zah­len­de Ab­fin­dun­gen an­ge­rech­net.“

Die Be­klag­te war am 22. Sep­tem­ber 2003 ge­gründet wor­den. Nach § 2 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges ist Ge­gen­stand des Un­ter­neh­mens die Er­brin­gung



- 5 -

von Ser­vice­leis­tun­gen und die Stel­lung von Per­so­nal an die Kreis­kran­kenhäuser Z, An­stalt des öffent­li­chen Rechts, und/oder von die­sen be­trie­be­ne Kran­kenhäuser und So­zi­al­ein­rich­tun­gen, an de­nen die Kreis­kran­kenhäuser Z, An­stalt des öffent­li­chen Rechts, Ge­sell­schaf­ter sind, so­wie al­le da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­den Dienst­leis­tun­gen, so­weit die­se nicht ei­ner ge­son­der­ten öffent­lich-recht­li­chen Ge­stat­tung bedürfen. Nach § 5 Ziff. 1 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges sol­len Geschäftsführer lei­ten­de An­ge­stell­te des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens Kreis­kran­kenhäuser Z, An­stalt des öffent­li­chen Rechts, sein. Al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten ist das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men Kreis­kran­kenhäuser Z. Zum Geschäftsführer der Be­klag­ten wur­de der Vor­stand des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens be­stellt.


Mit Be­scheid der Bun­des­an­stalt für Ar­beit vom 12. No­vem­ber 2003 wur­de der Be­klag­ten die Er­laub­nis zur ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung er­teilt. Am 2. Ok­to­ber 2004 schloss die Be­klag­te mit dem Kom­mu­nal-un­ter­neh­men ei­nen „Ar­beit­neh­mer­ge­stel­lungs­ver­trag“ der ua. fol­gen­de Ver­ein­ba­run­gen enthält:


㤠1
Ge­gen­stand des Ver­tra­ges


1. Um den ord­nungs­gemäßen Kran­ken­haus­be­trieb auch künf­tig zu gewähr­leis­ten, stellt die Ser­vice GmbH dem KU (sc. Kreis­kran­kenhäuser Z) die in der An­la­ge zu die­sem Ver­trag auf­geführ­ten Mit­ar­bei­ter zur Dienst­leis­tung für den Kran­ken­haus­be­trieb zur Verfügung. Die Ar­beit­neh­mer sind mit die­ser Re­ge­lung ein­ver­stan­den.
...

§ 3
Per­so­nel­le und fach­li­che Zuständig­keit

1. Ar­beit­ge­ber


Die Ser­vice GmbH bleibt Ar­beit­ge­ber der Mit­ar­bei­ter, die dem KU zur Dienst­leis­tung zur Verfügung ste­hen. Der Geschäftsführer der Ser­vice GmbH ist der Dienst­vor­ge­setz­te der Mit­ar­bei­ter, so­weit sich aus die­sem Ver­trag kei­ne ab­wei­chen­den Zuständig­kei­ten er­ge­ben.

2. Per­so­nel­le Zuständig­keit


- 6 -

Der Geschäftsführer der Ser­vice GmbH ist für die per­so­nel­len An­ge­le­gen­hei­ten der Mit­ar­bei­ter aus dem Ar­beits­ver­trags­verhält­nis zuständig und ver­ant­wort­lich. Dies gilt ins­be­son­de­re für das Ar­beits­verhält­nis als sol­ches, die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen, Ent­gelt­zah­lun­gen, Ent­gelt­ge­stal­tung, Ar­beits­unfähig­keit, Um­fang des Ur­laubs, Unfälle, Ver­si­che­run­gen, Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, Dis­zi­pli­nar­maßnah­men und sons­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten der Per­so­nal­ver­wal­tung.

3. Fach­li­che Zuständig­keit


Das KU ist be­rech­tigt, dem Mit­ar­bei­ter al­le Wei­sun­gen zu er­tei­len, die nach Art und Um­fang in sei­nen Tätig­keits­be­reich fal­len, der in An­la­ge 1 auf­geführt ist.


Die Ser­vice GmbH tritt dem KU in­so­weit sei­ne Ansprüche auf Ar­beits­leis­tung ge­gen den Mit­ar­bei­ter mit des­sen Ein­verständ­nis ab.“

Die Kläge­rin­nen sind in der An­la­ge zum Ar­beit­neh­mer­ge­stel­lungs­ver­trag als zu über­las­sen­de Ar­beit­neh­mer im Rei­ni­gungs­dienst ge­nannt. Sie er­brin­gen auch über den 30. Ju­ni 2004 hin­aus ih­re Ar­beits­leis­tung im Kreis­kran­ken­haus Z.


Die Be­klag­te hat­te al­len bis­her im Rei­ni­gungs­dienst des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern den Ab­schluss von Ar­beits­verträgen an­ge­bo­ten. Die für die Rei­ni­gungstätig­keit in den Kreis­kran­kenhäusern er­for­der­li­chen Gerätschaf­ten und Rei­ni­gungs­mit­tel stel­len die Kran­kenhäuser zur Verfügung.


Mit Schriftsätzen vom 2. Sep­tem­ber 2004 hat­ten die Kläge­rin­nen ih­re Auflösungs­verträge gemäß § 123 BGB we­gen wi­der­recht­li­cher Dro­hung an­ge­foch­ten. Bei die­sen Schriftsätzen han­delt es sich um die beim Ar­beits­ge­richt Pas­sau ein­ge­reich­ten Kla­ge­schrif­ten ge­gen die Be­klag­te.


Die Kläge­rin­nen hal­ten die mit dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men ge­schlos­se­nen Auf­he­bungs­verträge we­gen Um­ge­hung des § 613a BGB für nich­tig. Die zwi­schen dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men und der Be­klag­ten ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen hätten zu ei­nem Be­triebsüber­gang geführt. Das
 


- 7 -

Ver­hal­ten ih­res bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers sei von An­fang an dar­auf aus­ge­rich­tet ge­we­sen, den un­ab­ding­ba­ren An­spruch aus § 613a BGB auf Kon­ti­nuität ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se zu um­ge­hen.


Die Kläge­rin­nen ha­ben in der Re­vi­si­ons­in­stanz be­an­tragt, 

die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin­nen auf der Grund­la­ge der mit dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men Kran­kenhäuser Z ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge wei­ter­zu­beschäfti­gen.


Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie be­strei­tet das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges. Die Rei­ni­gung in den Kran­kenhäusern des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens durch­zuführen, sei nicht Be­triebs­zweck der Be­klag­ten. Die Ar­beit­neh­merüber­las­sung an das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men, das die Rei­ni­gung als ei­ge­ne Auf­ga­be und in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung durchführe, sei al­lei­ni­ger Be­triebs­zweck. Grund für die im Streit­fal­le gewähl­te Kon­struk­ti­on sei ge­we­sen, den Rei­ni­gungs­dienst ent­spre­chend den geänder­ten ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen im AÜG künf­tig auf Dau­er mit Leih­ar­beit­neh­mern durch­zuführen. Zu die­sem Vor­ge­hen sei das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men aus fi­nan­zi­el­len Gründen ge­zwun­gen ge­we­sen.


Das Ar­beits­ge­richt hat den Kla­gen statt­ge­ge­ben. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­gen ab­ge­wie­sen und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Mit die­ser ver­fol­gen die Kläge­rin­nen ihr Kla­ge­be­geh­ren wei­ter, während die Be­klag­te die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.


Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin­nen ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­gen zu Un­recht ab­ge­wie­sen.

A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne kla­ge­ab­wei­sen­de Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet.
 


- 8 -

I. Die Kläge­rin­nen sei­en bei Un­ter­zeich­nung der Auf­he­bungs­verträge nicht wi­der­recht­lich be­droht wor­den. Das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men ha­be vor der Ent­schei­dung ge­stan­den, den Rei­ni­gungs­dienst ent­we­der an ein pri­va­tes Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men fremd zu ver­ge­ben, mit der Fol­ge des Weg­fal­les der Ar­beitsplätze der Kläge­rin­nen oder aber den ein­ge­schla­ge­nen Weg zu be­ge­hen. Die Of­fen­le­gung die­ser Un­ter­neh­mer­ent­schei­dung könne nicht als wi­der­recht­li­che Dro­hung iSd. § 123 Abs. 1 BGB ge­wer­tet wer­den. Soll­te durch den Hin­weis auf ei­ne Fremd­ver­ga­be der Rei­ni­gungs­ar­bei­ten an ein pri­va­tes Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men bei den Kläge­rin­nen ei­ne Zwangs­la­ge ent­stan­den sein, könne die­se nicht ih­rem bis­he­ri­gen oder neu­en Ar­beit­ge­ber iSv. § 123 BGB an­ge­las­tet wer­den, da die­se die Kläge­rin­nen im Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss der Auf­he­bungs­verträge und der Un­ter­zeich­nung der neu­en Ar­beits­verträge we­der arg­lis­tig getäuscht noch wi­der­recht­lich be­droht hätten.


II. Der Ab­schluss des Ar­beit­neh­mer­ge­stel­lungs­ver­tra­ges zwi­schen der Be­klag­ten und dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men iVm. den neu­en Ar­beits­verträgen für das Rei­ni­gungs­per­so­nal ergäben kei­nen „Be­triebsüber­nah­me­tat­be­stand im Sin­ne von § 613a Abs. 1 BGB“. Die mit den Kläge­rin­nen ge­schlos­se­nen Auf­he­bungs­verträge sei­en nicht nach § 134 BGB nich­tig, weil mit der strei­ti­gen Ver­trags­ge­stal­tung die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en § 613a BGB nicht um­gan­gen hätten. Sie hätten „die Kon­ti­nuität des Ar­beits­ver­tra­ges be­en­det“, was „auf Grund ih­rer grund­ge­setz­lich gewähr­leis­te­ten Ver­trags­frei­heit“, die auch im Rah­men des § 613a BGB be­ste­he, möglich sei. Der Wech­sel des Rei­ni­gungs­per­so­nals vom Kom­mu­nal­un­ter­neh­men zur Be­klag­ten sei auch nicht als Teil­be­triebsüber­gang zu wer­ten. Es lie­ge ei­ne bloße „Funk­ti­ons­nach­fol­ge“ vor. Die Be­klag­te ha­be nur die Rei­ni­gungs­kräfte ein­ge­stellt, die Be­triebs­mit­tel sei­en beim Kom­mu­nal­un­ter­neh­men ver­blie­ben und würden auch von die­sem be­schafft. Die gleich­blei­ben­de Rei­ni­gungstätig­keit als sol­che im Kom­mu­nal­un­ter­neh­men könne nicht als wirt­schaft­li­che Ein­heit ge­wer­tet wer­den.


III. Der Be­klag­ten könne auch kei­ne miss­bräuch­li­che Ge­stal­tung der Ar­beit­neh­merüber­las­sung an­ge­las­tet wer­den, weil sie von der ge­setz­li­chen Möglich­keit des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes Ge­brauch ma­che und die

- 9 -

Bun­des­an­stalt für Ar­beit der Be­klag­ten die Er­laub­nis zur ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung er­teilt ha­be.

B. Das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand.

Die Kla­gen auf Wei­ter­beschäfti­gung durch die Be­klag­te auf der Grund­la­ge der zwi­schen den Kläge­rin­nen und dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge sind ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts be­gründet. Die Ar­beits­verhält­nis­se der Kläge­rin­nen sind im We­ge ei­nes Be­triebs­teilüber­g­an­ges nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen.


I. Auf die Be­klag­te ist ein Be­triebs­teil iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­gen. Geht ein Be­trieb oder Be­triebs­teil durch Rechts­geschäft auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber über, so tritt die­ser in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­g­an­ges be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein, § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB.


1. Die­se Vor­schrift setzt den rechts­geschäft­li­chen Über­gang ei­nes Be­trie­bes oder Be­triebs­tei­les auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber vor­aus. Er­for­der­lich ist die Wah­rung der Iden­tität der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit. Der Be­griff wirt­schaft­li­che Ein­heit be­zieht sich auf ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur auf Dau­er an­ge­leg­ten Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung. Bei der Prüfung, ob ei­ne sol­che Ein­heit über­ge­gan­gen ist, müssen sämt­li­che den be­tref­fen­den Vor­gang kenn­zeich­nen­den Tat­sa­chen berück­sich­tigt wer­den. Da­zu gehören als Teil­as­pek­te der Ge­samtwürdi­gung na­ment­lich die Art des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens oder Be­trie­bes, der et­wai­ge Über­gang der ma­te­ri­el­len Be­triebs­mit­tel wie Gebäude oder be­weg­li­che Güter, der Wert der im­ma­te­ri­el­len Ak­ti­va im Zeit­punkt des Über­g­an­ges, die et­wai­ge Über­nah­me der Haupt­be­leg­schaft, der et­wai­ge Über­gang der Kund­schaft so­wie der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den vor und nach dem Über­gang ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten und die Dau­er ei­ner even­tu­el­len Un­ter­bre­chung die­ser Tätig­keit. Die Iden­tität der Ein­heit kann sich auch aus
 


- 10 -

an­de­ren Merk­ma­len, wie zB ih­rem Per­so­nal, ih­ren Führungs­kräften, ih­rer Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on, ih­ren Be­triebs­me­tho­den oder den ihr zur Verfügung ste­hen­den Be­triebs­mit­teln er­ge­ben. Den für das Vor­lie­gen ei­nes Über­g­an­ges maßgeb­li­chen Kri­te­ri­en kommt je nach der aus­geübten Tätig­keit und je nach den Pro­duk­ti­ons- und Be­triebs­me­tho­den un­ter­schied­li­ches Ge­wicht zu. Hin­ge­gen stellt die bloße Fortführung der Tätig­keit durch ei­nen an­de­ren Auf­trag­neh­mer (Funk­ti­ons­nach­fol­ge) kei­nen Be­triebsüber­gang dar (st. Rspr., vgl. Se­nat 16. Fe­bru­ar 2006 - 8 AZR 211/05 - AP BGB § 613a Nr. 301 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 47 mwN).
Ge­ra­de bei be­triebs­mit­tel­ar­men und dienst­leis­tungs­ori­en­tier­ten 25 Bran­chen und Ar­beits­zwe­cken, bei de­nen es we­sent­lich auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an­kommt, kann ei­ne Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern, die durch ih­re ge­mein­sa­me Tätig­keit dau­er­haft ver­bun­den ist, ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit in die­sem Sin­ne dar­stel­len. Die Wah­rung der Iden­tität der wirt­schaft­li­chen Ein­heit ist an­zu­neh­men, wenn der neue Be­triebs­in­ha­ber nicht nur die be­tref­fen­de Tätig­keit wei­terführt, son­dern auch ei­nen nach Zahl und Sach­kun­de we­sent­li­chen Teil des Per­so­nals über­nimmt, das sein Vorgänger ge­zielt bei die­ser Tätig­keit ein­ge­setzt hat (Se­nat 6. April 2006 - 8 AZR 249/04 - BA­GE 117, 361 = AP BGB § 613a Nr. 303 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 52).

Vor­aus­set­zung für ei­nen Be­triebs­teilüber­gang ist, dass ein selbständig über­g­angsfähi­ger Be­triebs­teil vor­liegt. Dies setzt vor­aus, dass in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwe­ckes ein Teil­zweck ver­folgt wird. Die Wah­rung ei­nes Teil­zwe­ckes führt nur dann zu ei­ner selbständi­gen über­g­angsfähi­gen Ein­heit, wenn ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen vor­liegt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen ei­nes über­g­angsfähi­gen Be­triebs­tei­les muss der­je­ni­ge dar-le­gen und be­wei­sen, der sich auf ei­nen Be­triebs­teilüber­gang be­ruft (st. Rspr., vgl. Se­nat 27. Sep­tem­ber 2007 - 8 AZR 941/06 - AP BGB § 613a Nr. 332 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 86).


2. Die bei dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men in den Kreis­kran­kenhäusern zu er­brin­gen­den Rei­ni­gungs­ar­bei­ten stel­len ei­nen über­g­angsfähi­gen Be­triebs­teil dar.
 


- 11 -

a) Ein Be­triebs­teil ist dann ge­ge­ben, wenn ei­ne Teil­or­ga­ni­sa­ti­on vor­liegt, in der sächlich und or­ga­ni­sa­to­risch ab­grenz­ba­re ar­beits­tech­ni­sche Teil­zwe­cke erfüllt wer­den, bei de­nen es sich auch um bloße Hilfs­funk­tio­nen han­deln kann. Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in ei­nem Kran­ken­haus stel­len ei­ne sol­che Teil­or­ga­ni­sa­ti­on dar. Es wer­den für die­se Tätig­kei­ten nur be­stimm­te Ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt. Ih­nen ist ein kon­kret ab­ge­grenz­tes Auf­ga­ben­ge­biet, nämlich die Rei­ni­gung des Kran­ken­hau­ses, zu­ge­wie­sen. Dafür be­ste­hen für sie ge­naue An­wei­sun­gen bzgl. Art und Um­fang der Rei­ni­gungstätig­kei­ten. Außer­dem stellt ih­nen das Kran­ken­haus die er­for­der­li­chen Rei­ni­gungs­geräte und -mit­tel zur Verfügung. Die­se Rei­ni­gungstätig­keit ist auch ei­ne Ar­beits­auf­ga­be, wel­che auf ei­ne dau­er­haf­te Erfüllung an­ge­legt ist. Des­halb ist der Teil­be­triebs­be­griff erfüllt (vgl. Se­nat 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 729/96 - BA­GE 87, 303 = AP BGB § 613a Nr. 172 = EzA BGB § 613a Nr. 159). Da­mit konn­te die­ser or­ga­ni­sa­to­risch ab­grenz­ba­re Teil des Be­trie­bes des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens grundsätz­lich auf die Be­klag­te iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­hen.

b) Da es sich bei Rei­ni­gungs­ar­bei­ten um ei­nen Ar­beits­zweck han­delt, bei dem es im We­sent­li­chen auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an­kommt und sächli­che Be­triebs­mit­tel, wie Rei­ni­gungs­geräte und Ver­brauchs­stof­fe nur ei­ne ge­rin­ge, un­ter­ge­ord­ne­te Be­deu­tung ha­ben (Se­nat 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 729/96 - BA­GE 87, 303 = AP BGB § 613a Nr. 172 = EzA BGB § 613a Nr. 159), liegt ein sog. be­triebs­mit­tel­ar­mer Teil­be­trieb vor.


3. Die­ser ist auf die Be­klag­te da­durch iSd. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­gen, dass sie die Ar­beit­neh­mer, wel­che bis­lang die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in den Kreis­kran­kenhäusern er­le­digt hat­ten, über­nom­men hat. Die­se sind auch - was sich durch ih­re Wei­ter­beschäfti­gung in den Kreis­kran­kenhäusern do­ku­men­tiert - in der La­ge, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten wie bis­her aus­zuführen. Da­mit hat die Be­klag­te auch die Iden­tität der bis­her beim Kom­mu­nal-un­ter­neh­men be­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit über­nom­men.


a) Die­sem Be­triebs­teilüber­gang iSd. § 613a Abs. 1 BGB steht nicht ent­ge­gen, dass es sich bei der Be­klag­ten um ein sog. Leih­ar­beits­un­ter­neh­men iSd. § 1 AÜG han­delt.

- 12 -

Grundsätz­lich liegt kein Be­triebsüber­gang oder Be­triebs­teilüber­gang vor, wenn der Er­wer­ber die über­nom­me­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit nicht im We­sent­li­chen un­verändert fortführt und da­mit nicht ih­re wirt­schaft­li­che Ein­heit wahrt. Dies ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn er we­sent­li­che Ände­run­gen des bis­he­ri­gen Kon­zepts oder der bis­her be­ste­hen­den Struk­tu­ren vor­nimmt (st. Rspr., vgl. Se­nat 4. Mai 2006 - 8 AZR 299/05 - BA­GE 118, 168 = AP BGB § 613a Nr. 304 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 51).

Dies könn­te vor­lie­gend an­zu­neh­men sein, wenn die Be­klag­te die von dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men über­nom­me­nen Rei­ni­gungs­kräfte - wie bei Leih­ar­beits­un­ter­neh­men re­gelmäßig der Fall - nicht nur dem Kom­mu­nal­un­ter-neh­men, son­dern auch an­de­ren Un­ter­neh­men (Ent­lei­hern) zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen würde. Dies ist je­doch nicht der Fall. Bei der Be­klag­ten han­delt es sich um kein Un­ter­neh­men, das sei­ne Ar­beit­neh­mer so­zu­sa­gen „am frei­en Markt ver­leiht“. Viel­mehr ist nach § 2 des Ge­sell­schafts­ver­tra­ges vom 22. Sep­tem­ber 2003 Ge­gen­stand des Un­ter­neh­mens der Be­klag­ten die Er­brin­gung von Ser­vice­leis­tun­gen und die Stel­lung von Per­so­nal an die Kreis­kran­kenhäuser Z und/oder an von die­sen be­trie­be­ne Kran­kenhäuser und So­zi­al­ein­rich­tun­gen, an de­nen die Kreis­kran­kenhäuser Ge­sell­schaf­ter sind, so­wie al­le da­mit im Zu­sam­men­hang ste­hen­den Dienst­leis­tun­gen, so­weit die­se nicht ei­ner ge­son­der­ten öffent­lich-recht­li­chen Ge­neh­mi­gung bedürfen. Da­mit ist al­lei­ni­ger Be­triebs­zweck der Be­klag­ten, Ser­vice­leis­tun­gen für das Kom­mu­nal­un­ter­neh­men oder des­sen Toch­ter­un­ter­neh­men zu er­brin­gen oder die­sen Per­so­nal zu stel­len. Die über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer sind des­halb auch nicht in ei­ne we­sent­lich größere Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ei­nes Un­ter­neh­mens des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­wer­bes in­te­griert wor­den, was ei­nen Be­triebs­teilüber­gang aus­sch­ließen könn­te (vgl. Se­nat 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 1043/06 - AP BGB § 613a Nr. 325 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 74). Viel­mehr er­bringt die Be­klag­te im Er­geb­nis die glei­che Leis­tung, wel­che bis­lang das Kom­mu­nal-un­ter­neh­men selbst er­bracht hat (sc. Rei­ni­gung der Kreis­kran­kenhäuser), da­durch, dass sie die­sem die über­nom­me­nen Rei­ni­gungs­kräfte wie­der zur Verfügung stellt.
 


- 13 -

Sie erfüllt da­mit mit dem vom Kom­mu­nal­un­ter­neh­men über­nom­me­nen Rei­ni­gungs­per­so­nal, wel­ches - wie oben dar­ge­legt - ei­ne über­g­angsfähi­ge Teil­or­ga­ni­sa­ti­on bil­det, die bis­her von die­ser Teil­or­ga­ni­sa­ti­on er­le­dig­ten Teil-zwe­cke im Rah­men der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens, in­dem sie die­sem die Ar­beit­neh­mer im We­ge der Ar­beit­neh­merüber­las­sung zur Verfügung stellt. Dass die Ar­beits­geräte und Rei­ni­gungs­mit­tel, wel­che die Rei­ni­gungs­kräfte benützen, im Ei­gen­tum des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens ste­hen, hin­dert die An­nah­me ei­nes Be­triebs­teilüber­g­an­ges nicht. Zum ei­nen kommt die­sen im Ver­gleich mit der von den Rei­ni­gungs­kräften er­brach­ten Ar­beits­leis­tung für die Erfüllung des Ar­beits­zwe­ckes nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Be­deu­tung zu. Zum an­de­ren muss auch hier - wie bei der Auf­tragsüber­nah­me - gel­ten, dass al­lein der Um­stand, dass die ver­wen­de­ten sächli­chen Be­triebs­mit­tel vom Auf­trag­ge­ber ge­stellt wer­den, ei­nen Be­triebsüber­gang nicht aus­sch­ließen (vgl. Se­nat 14. Au­gust 2007 - 8 AZR 1043/06 - AP BGB § 613a Nr. 325 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 74). Dass dem Rei­ni­gungs­per­so­nal vor Ort bei der Durchführung der Rei­ni­gungstätig­kei­ten von den Beschäftig­ten des Kreis­kran­ken­hau­ses Wei­sun­gen er­teilt wer­den dürfen (§ 3 Zif­fer 3 des Ar­beit­neh­mer­ge­stel­lungs­ver­tra­ges vom 2. Ok­to­ber 2004), hin­dert die An­nah­me ei­nes Be­triebs­teilüber­g­an­ges nicht. Die Be­klag­te behält, was auch § 3 Zif­fer 1 und 2 des Ar­beit­neh­mer­ge­stel­lungs­ver­tra­ges aus­drück­lich fest­schrei­ben, ih­re Ar­beit­ge­ber­funk­ti­on und bleibt für „die per­so­nel­len An­ge­le­gen­hei­ten der Mit­ar­bei­ter aus dem Ar­beits­ver­trags­verhält­nis zuständig und ver­ant­wort­lich“.


b) Die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on ist so zu be­han­deln, wie wenn ein Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men al­le Rei­ni­gungs­kräfte des Kom­mu­nal­un­ter­neh­mens über­nom­men hätte und als ein­zi­ge Be­triebstätig­keit mit die­sen Rei­ni­gungs­kräften auf Grund ei­nes mit dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men ge­schlos­se­nen Rei­ni­gungs­ver­tra­ges die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten für die­ses in der­sel­ben Wei­se wie bis­her er­le­di­gen würde. Al­lein die Tat­sa­che, dass die Be­klag­te nicht als Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men, son­dern als ein Un­ter­neh­men der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ge­gründet wor­den ist, das sei­ne Ar­beits­kräfte aus­sch­ließlich dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men zur Verfügung stellt, hin­dert die An­nah­me ei­nes Teil­be­triebsüber­g­an­ges nicht. Die tatsächli­che und ver­trag­li­che Aus­ge­stal­tung der

- 14 -

Be­zie­hun­gen zwi­schen der Be­klag­ten und dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Teil­be­triebsüber­g­an­ges.

c) Der Streit­fall ist mit dem vom Zwei­ten Se­nat (26. Sep­tem­ber 2002 - 2 AZR 636/01 - BA­GE 103, 31 = AP KSchG 1969 § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 124 = EzA KSchG § 1 Be­triebs­be­ding­te Kündi­gung Nr. 124) ent­schie­de­nen Rechts­streit nicht ver­gleich­bar. Dort hat­te die in der Rechts­form ei­ner GmbH be­trie­be­ne Be­klag­te, ei­ne Rheum­akli­nik, ei­ne Ser­vice-GmbH ge­gründet, an der sie mehr­heit­lich be­tei­ligt war. Ge­sell­schafts­zweck der Ser­vice-GmbH war die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen für die Be­klag­te. Zweck die­ser Kon­struk­ti­on war ua., dass die Be­klag­te auf Leis­tun­gen der Ser­vice-GmbH kei­ne Um­satz­steu­er zu zah­len hat­te und sich die Per­so­nal-kos­ten da­durch ver­rin­ger­ten, dass die Beschäftig­ten der Ser­vice-GmbH nach dem Ta­rif­ver­trag des Gebäuderei­ni­ger­hand­werks und nicht nach den für die Be­klag­te gel­ten­den Ta­rif­verträgen vergütet wur­den. Die Be­klag­te schloss ih­re Kli­nik­be­rei­che Rei­ni­gung, Küche und den Ser­vice-Be­reich so­wie die Diätab­tei­lung und die Ernährungs­be­ra­tung und schloss mit der Ser­vice-GmbH Ser­vice­verträge für die Be­rei­che „Rei­ni­gung der Kli­nik“ und „Dienst­leis­tung Küchen­be­reich ein­sch­ließlich Diätab­tei­lung und Ernährungs­ab­tei­lung“. Die Ser­vice-GmbH über­nahm kei­ne Ar­beit­neh­mer der be­klag­ten Rheum­akli­nik.


Der Kläge­rin, die als Küchen­hil­fe bei der Be­klag­ten beschäftigt war, wur­de we­gen der Still­le­gung der Rei­ni­gungs-, Küchen- und Ser­vice­be­rei­che gekündigt.


Der Zwei­te Se­nat hat die Kündi­gung als so­zi­al­wid­rig und da­mit rechts­un­wirk­sam nach § 1 Abs. 1, 2 KSchG an­ge­se­hen. Er hat ua. aus­geführt:


„Es ist rechts­miss­bräuch­lich, wenn die Be­klag­te ihr Ziel, durch Über­tra­gung der bei­den Teil­be­rei­che auf ei­ne fi­nan­zi­ell, wirt­schaft­lich und or­ga­ni­sa­to­risch un­selbständi­ge Or­gan­ge­sell­schaft Steu­ern zu spa­ren so­wie ei­nen Be­triebsüber­gang nach § 613a BGB zu ver­mei­den, da­durch ver­wirk­licht, dass sie sich Ein­flussmöglich­kei­ten im vor­lie­gen­den Aus­maß vor­behält und trotz fort-be­ste­hen­den Beschäfti­gungs­be­darfs von al­len Ar­beit­neh­mern trennt, die bis­her die ent­spre­chen­den Ar­bei­ten ver­rich­tet ha­ben, um neue Ar­beit­neh­mer zu schlech­te­ren
 


- 15 -

Be­din­gun­gen ein­zu­stel­len.“

Im Ge­gen­satz zum vom Zwei­ten Se­nat ent­schie­de­nen Rechts­streit liegt im Streit­fal­le kei­ne Um­ge­hung ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges gemäß § 613a BGB vor. In je­nem Fal­le hat­te in Ab­wei­chung von der vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung die Ser­vice-GmbH die bis­her mit der Er­brin­gung der über­tra­ge­nen Ser­vice­leis­tun­gen be­auf­trag­ten Mit­ar­bei­ter nicht über­nom­men. Ge­ra­de die­se Über­nah­me der Beschäftig­ten führt aber im vor­lie­gen­den Fal­le zur An­nah­me ei­nes Be­triebs­teilüber­g­an­ges.


II. Der Über­gang der Ar­beits­verhält­nis­se der Kläge­rin­nen gemäß § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB auf die Be­klag­te ist nicht auf Grund der zwi­schen den Kläge­rin­nen und dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men zum 30. Ju­ni 2004 ge­schlos­se­nen Auflösungs­verträge aus­ge­schlos­sen.


Die­se Verträge sind we­gen Um­ge­hung des § 613a BGB nich­tig, § 134 BGB. Nach der Recht­spre­chung des Se­nats sind Ver­trags­ge­stal­tun­gen, de­ren ob­jek­ti­ve Ziel­set­zung in der Be­sei­ti­gung der Kon­ti­nuität des Ar­beits­verhält­nis­ses bei gleich­zei­ti­gem Er­halt des Ar­beits­plat­zes be­steht, nich­tig (Se­nat 18. Au­gust 2005 - 8 AZR 523/04 - BA­GE 115, 340 = AP BGB § 620 Auf-he­bungs­ver­trag Nr. 31 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 40). § 613a BGB wird ins­be­son­de­re dann um­gan­gen, wenn im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­g­an­ges zu­gleich mit dem Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber ein neu­es Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­triebsüber­neh­mer ver­ein­bart wird, da § 613a BGB ei­nen Schutz vor ei­ner Verände­rung des Ar­beits­ver­trags­in­hal­tes oh­ne sach­li­chen Grund gewährt (Se­nat 23. No­vem­ber 2006 - 8 AZR 349/06 - AP BGB § 613a Wie­der­ein­stel­lung Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 61). Letz­te­res ist im Streit­fal­le ge­ge­ben. Die Kläge­rin­nen ha­ben nämlich am 3. Ju­ni 2004 mit dem Kom­mu­nal­un­ter­neh­men die Be­en­di­gung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se zum 30. Ju­ni 2004 im ge­gen­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men ver­ein­bart und am sel­ben Ta­ge mit der Be­klag­ten neue Ar­beits­verträge mit Wir­kung ab dem 1. Ju­li 2004 ge­schlos­sen.
 


- 16 -

We­gen der Nich­tig­keit der ge­schlos­se­nen Auflösungs­verträge nach § 134 BGB kommt es nicht dar­auf an, ob die Kläge­rin­nen ih­re auf Ab­schluss die­ser Verträge ge­rich­te­ten Wil­lens­erklärun­gen wirk­sam nach § 123 BGB we­gen wi­der­recht­li­cher Dro­hung an­ge­foch­ten ha­ben.


C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 91, 92, 100, 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO.

Hauck 

Böck 

Brühler

Her­mann 

Pau­li

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 8 AZR 481/07  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880