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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Wettbewerbsverbot
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 14 SaGa 59/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 01.12.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Urteil vom 29.10.2009, 3 Ga 41/09
   

14 Sa­Ga 59/09

3 Ga 41/09 Ar­beits­ge­richt Bo­chum

 

Verkündet am 1. De­zem­ber 2009

Net­te­b­rock Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

hat die 14. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 1. De­zem­ber 2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Hens­sen
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Kun­kel und Pra­del

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 29. Ok­to­ber 2009 in der Fas­sung der Be­rich­ti­gungs­be­schlüsse vom 30. Ok­to­ber 2009 und 5. No­vem­ber 2009 (3 Ga 41/09) wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on ist nicht zulässig.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz noch über die Wirk­sam­keit ei­nes zwi­schen ih­nen ver­ein­bar­ten nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots, auf­grund des­sen die Kläge­rin im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung von dem Be­klag­ten die Un­ter­las­sung der von ihm ab 1. Ja­nu­ar 2010 be­ab­sich­tig­ten Tätig­keit bei ei­nem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­langt.

Die Kläge­rin ist die deut­sche Ver­triebs­toch­ter ei­nes ins­be­son­de­re auf dem Ge­biet der Herz­gefäßer­kran­kun­gen welt­weit täti­gen me­di­zin­tech­ni­schen Un­ter­neh­mens für Herz­schritt­ma­cher und an­de­re Pro­duk­te des sog. Car­di­ac Rhythm Di­sea­se Ma­nage­ment (CRDM) mit Sitz in den USA. Der eu­ropäische Haupt­sitz be­fin­det sich in To­lo­chen­az (Schweiz). Der Be­klag­te war seit dem 5. Ok­to­ber 1999 auf­grund ei­nes Ar­beits­ver­trags vom 30. Sep­tem­ber 1999, zu­letzt geändert am 22. Ok­to­ber 2008, als Ver­triebs­lei­ter (Re­gio­nal Ma­na­ger West CRDM) für das Ver­triebs­ge­biet Rhein­land, Ruhr­ge­biet, Saar­land, Pfalz und Großraum Frank­furt tätig. Er war für 41 Mit­ar­bei­ter und ei­nen Jah­res­um­satz von rund 50 Mio. Eu­ro ver­ant­wort­lich. Das ursprüng­lich im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot wur­de durch ei­ne ge­son­der­te, von bei­den Sei­ten un­ter­zeich­ne­te und dem Be­klag­ten aus­gehändig­te Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung vom 12. Ju­ni/ 31. Au­gust 2002 (im Fol­gen­den: WBV 2002) er­setzt, des­sen Nr. 1 wie folgt lau­tet:

Sie ver­pflich­ten sich, in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für die Dau­er ei­nes Jah­res nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht in selbstständi­ger, un­selbstständi­ger oder sons­ti­ger Wei­se für ein Un­ter­neh­men tätig zu wer­den, wel­ches mit des M1 GmbH im di­rek­ten oder in­di­rek­ten Wett­be­werb steht oder mit ei­nem Wett­be­werbs­un­ter­neh­men ver­bun­den ist. Fer­ner er­streckt sich das Wett­be­werbs­ver­bot ins­be­son­de­re auf Un­ter­neh­men, die sich mit der Ent­wick­lung, Her­stel­lung oder dem Ver­trieb von Pro­duk­ten be­fas­sen, die während der letz­ten 12 Mo­na­te in der M1 GmbH in Ih­ren ver­trag­li­chen Auf­ga­ben­be­reich fie­len.

Eben­so we­nig wer­den Sie während der Dau­er die­ses Wett­be­werbs­ver­bo­tes ein sol­ches Un­ter­neh­men er­rich­ten, er­wer­ben oder sich hier­an un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar be­tei­li­gen.

Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der ers­ten In­stanz wird nach § 69 Abs. 2 ArbGG un­ter Be­zug­nah­me auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 391 bis 400 d. A.) ab­ge­se­hen.

Das Ar­beits­ge­richt hat durch sei­ne hier an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung dem Be­klag­ten u. a. auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2010 bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, je­doch längs­tens bis zum 31. De­zem­ber 2010, in der Bun­des­re­pu­blik

 

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Deutsch­land in selbständi­ger, un­selbständi­ger oder sons­ti­ger Wei­se bei der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG mit Sitz in B4 und/oder ei­nem mit ihr ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men tätig zu sein. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des Ur­teils (Bl. 400 bis 411 d. A.) ver­wie­sen.

Das Ur­teil wur­de dem Be­klag­ten am 2. No­vem­ber 2009 zu­ge­stellt. Hier­ge­gen rich­tet sich die am 2. No­vem­ber 2009 ein­ge­leg­te und mit dem am 11. No­vem­ber 2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründe­te Be­ru­fung.

Der Be­klag­te wen­det sich un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­trags zur Sach- und Rechts­la­ge ge­gen das erst­in­stanz­li­che Ur­teil und trägt ergänzend vor:

Der An­trag der Kläge­rin sei un­be­gründet, weil er zu weit ge­fasst sei. Es könne Tätig­kei­ten bei der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG ge­ben, de­ren Un­ter­las­sung nicht im be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­se der Kläge­rin läge. Dies gel­te auch, so­weit ei­ne Tätig­keit für die mit der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men un­ter­sagt wer­de, bei de­nen es sich nicht um Wett­be­wer­ber der Kläge­rin han­de­le.

Nr. 1 WBV 2002 ver­s­toße ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Der Klau­sel las­se sich nicht ent­neh­men, wo der Wett­be­werb ge­genüber der Kläge­rin en­de. Es be­ste­he die Ge­fahr, dass ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Beschäfti­gung bei ei­nem Un­ter­neh­men un­ter­las­se, wel­ches gar nicht mehr von der Wett­be­werbs­klau­sel er­fasst wer­de, weil er man­gels kon­kre­ter An­halts­punk­te im Ver­trag nicht be­ur­tei­len könne, ob tatsächlich ein Ver­s­toß ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot vor­lie­ge.

Der Be­klag­te be­haup­tet, bei Ab­schluss der WBV 2002 sei die Kläge­rin be­reits von ei­ner Un­wirk­sam­keit des ursprüng­li­chen nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots im Ar­beits­ver­trag vom 30. Sep­tem­ber 1999 aus­ge­gan­gen. Darüber ha­be sie ihn be­wusst getäuscht. Ih­re Hin­wei­se in dem An­schrei­ben vom 12. Ju­ni 2009 auf neue­re und wei­te­re Ent­wick­lun­gen in der Recht­spre­chung sag­ten nichts darüber aus, dass ei­ne un­wirk­sa­me bzw. un­ver­bind­li­che Re­ge­lung vor­ge­le­gen ha­be. In der nach­fol­gen­den E-Mail vom 18. Ju­ni 2006 heiße es aus­drück­lich, die Neu­for­mu­lie­rung würde nicht be­deu­ten, dass das bis­her ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot nicht gültig sei. In dem der E-Mail bei­gefügten Erläute­rungs­schrei­ben sei le­dig­lich von ei­nem An­pas­sungs- und Ver­ein­heit­li­chungs­be­darf so­wie von kla­re­rer De­fi­ni­ti­on die Re­de. Auf dem Mee­ting am 31. Ju­li 2002 sei­en die­se Erläute­run­gen Ge­gen­stand der Erörte­run­gen ge­we­sen. An ei­ne Dar­stel­lung der un­ter­schied­li­chen Be­rech­nung der

 

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Ka­ren­zentschädi­gun­gen je nach Wett­be­werbs­ver­bot könne sich der Be­klag­te nicht er­in­nern. Die Kläge­rin ha­be zu­dem in den Erläute­run­gen erklärt, dass sich durch die Neu­ver­ein­ba­rung nichts an den Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten bei Kon­kur­renz­fir­men ändern würde. Das sei je­doch auf­grund der Ungültig­keit des bis­he­ri­gen nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots falsch ge­we­sen. Zu­dem ha­be die Kläge­rin dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die sach­li­che Reich­wei­te des neu­en Wett­be­werbs­ver­bots ex­akt der des bis­he­ri­gen ent­spre­che. Das sei nicht der Fall, weil es sich auch an­ders als bis­her auf „ver­bun­de­ne Un­ter­neh­men" er­stre­cke. Eben­so sei die Aus­kunfts­ver­pflich­tung neu auf­ge­nom­men wor­den. Sch­ließlich ha­be die Kläge­rin ih­re Ar­beit­neh­mer über die Ver­wir­kung der Ver­trags­stra­fe getäuscht, in­dem sie sug­ge­rie­re, dass es zu ei­ner Kon­ven­tio­nal­stra­fe und zu ei­ner ent­spre­chen­den Un­ter­las­sungs­ver­pflich­tung erst kom­me, wenn sich der Ex-Mit­ar­bei­ter nicht um ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung kümme­re. Nach dem Wett­be­werbs­ver­bot würde je­doch un­mit­tel­bar mit der Auf­nah­me ei­ner Er­werbstätig­keit die Ver­trags­stra­fe an­fal­len.

Zu­dem ha­be die Kläge­rin den Be­klag­ten durch Täuschung und Dro­hung im Zu­sam­men­hang mit der Nicht­zah­lung von Son­de­ra­wards zum Ab­schluss der WBV 2002 be­stimmt. Dem Be­klag­ten und sei­nem ehe­ma­li­gen di­rek­ten Vor­ge­setz­ten T2 sei we­der be­kannt ge­we­sen noch be­kannt, dass die von der eu­ropäischen Zen­tra­le zu ge­neh­mi­gen­den Son­de­ra­wards ein rechtsgülti­ges Wett­be­werbs­ver­bot vor­aus­setz­ten. Die da­ma­li­gen Geschäftsführer Dr. E2 und Per­so­nal­lei­ter W4 hätten dies ge­genüber T2 te­le­fo­nisch bestätigt. Der Be­klag­te ha­be da­her die Ankündi­gung in der E-Mail vom 18. Ju­ni 2002 bezüglich des Aus­schlus­ses von be­stimm­ten Son­de­ra­wards als Dro­hung an­ge­se­hen und das neue nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot un­ter­schrie­ben.

Die WBV 2002 sei mit Schrei­ben vom 8. Ok­to­ber 2009 wirk­sam gemäß § 123 BGB we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung und Dro­hung an­ge­foch­ten wor­den. Die An­fech­tungs­frist des § 124 BGB sei zum Zeit­punkt der An­fech­tung noch nicht ab­ge­lau­fen ge­we­sen. Der Be­klag­te ha­be erst im Zu­sam­men­hang mit dem be­ab­sich­tig­ten Wech­sel zu der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG und der Be­ra­tung durch sei­nen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten er­fah­ren, dass in dem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren über das ursprüng­li­che ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot rechts­kräftig fest­ge­stellt wor­den sei, dass die­ses auf­grund ei­ner zu nied­ri­gen Ka­ren­zentschädi­gungs­zu­sa­ge un­ver­bind­lich sei. Er ha­be kei­ne Er­in­ne­rung dar­an, dass er von dem Mit­ar­bei­ter H1 An­fang 2003 ei­ne E-Mail über die Un­ver­bind­lich­keit des im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen Wett­be­werbs­ver­bots er­hal­ten ha­be. Die Be­ru­fung auf das Wett­be­werbs­ver­bot stel­le zu­dem auf­grund der Täuschung und Dro­hung als un­zulässi­ge Rechts­ausübung ei­nen Ver­s­toß ge­gen Treu und Glau­ben dar. We­gen Täuschung bzw. Dro­hung ste­he dem Be­klag­ten auch ein An­spruch aus c.i.c. i. V. m. § 249 Satz 1 BGB auf

 

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Rückgängig­ma­chung des Wett­be­werbs­ver­bo­tes zu. Bei den Son­de­ra­wards han­de­le es sich um Zah­lun­gen, die ein be­stimm­ter Kreis von Mit­ar­bei­tern er­hal­te. Hier­bei müsse die Kläge­rin nicht nur den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ach­ten, son­dern darüber hin­aus auch das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB. Die Ankündi­gung, den Be­klag­ten oh­ne Un­ter­zeich­nung der WBV 2002 von Son­de­ra­wards aus­zu­sch­ließen, die die übri­gen Mit­ar­bei­ter er­hal­ten würden, stel­le ei­ne un­zulässi­ge Maßre­ge­lung dar.

Wei­ter­hin feh­le es an ei­nem be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­se gemäß § 74a Abs. 1 HGB. Bei Ver­triebs­mit­ar­bei­tern be­ste­he für den Ar­beit­ge­ber kein be­rech­tig­tes In­ter­es­se für ein Ver­bot jeg­li­cher Tätig­keit bei ei­nem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men. Das Wett­be­werbs­ver­bot dürfe sich le­dig­lich auf den zu­ge­wie­se­nen Be­zirk oder Kun­den­kreis er­stre­cken. Zwar sei der Be­klag­te ab dem 1. Mai 2009 Spre­cher der Re­gio­nal­ma­na­ger ge­we­sen und ha­be an ei­nem Mee­ting und meh­re­ren Te­le­fon­kon­fe­ren­zen teil­ge­nom­men. Ge­hei­me ak­tu­el­le Ver­triebs-, Ver­tei­di­gung- und Wachs­tums­stra­te­gi­en oder Pro­dukt­in­no­va­tio­nen sei­en ihm nicht be­kannt. Ei­ne Verände­rung von Ver­triebs­stra­te­gi­en sei außer­dem so­fort für al­le Mit­be­wer­ber sicht­bar, weil der Markt klein und auf we­ni­ge Kun­den be­schränkt sei.

Die Un­wirk­sam­keit des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots er­ge­be sich wei­ter aus Nr. 4 WBV 2002. Es sei un­zu­tref­fend, dass bei ei­ner Un­wirk­sam­keit der dort ge­re­gel­ten Aus­kunfts­ver­pflich­tung das Wett­be­werbs­ver­bot im Übri­gen wei­ter­hin Be­stand ha­be. Die Kläge­rin wol­le sich durch die Aus­kunfts­pflicht der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Ka­ren­zentschädi­gungs­ver­pflich­tung für die ver­ein­bar­te Dau­er ei­nes Jah­res ab dem Zeit­punkt des Aus­schei­dens ent­zie­hen. Dies führe in der Pra­xis da­zu, dass kei­ne aus­rei­chen­de Ka­ren­zentschädi­gung zu­ge­sagt wer­de, so dass das Wett­be­werbs­ver­bot ins­ge­samt un­ver­bind­lich sei. Zu­dem dürfe die Ge­wiss­heit des Ar­beit­ge­bers, dass sich der Ar­beit­neh­mer auf ei­ne nicht ver­bo­te­ne Tätig­keit ein­ge­rich­tet ha­be, gemäß § 242 BGB nicht Grund­la­ge der Ent­schei­dung über ei­nen Ver­zicht auf das Wett­be­werbs­ver­bot nach § 75a HGB sein. Nichts an­de­res müsse aber dann gel­ten, wenn sich der Ar­beit­ge­ber auf­grund ei­ner un­zulässi­gen Aus­kunfts­ver­pflich­tung Kennt­nis­se darüber ver­schaf­fe, dass der Ar­beit­neh­mer zu ei­nem Wett­be­wer­ber ge­he, und er dar­auf­hin be­sch­ließe, an dem Wett­be­werbs­ver­bot fest­zu­hal­ten. Sch­ließlich sei auch die Ver­trags­stra­fen­ver­ein­ba­rung in Nr. 8 WBV 2002 un­wirk­sam.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil das Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 29. Ok­to­ber 2009 nebst Be­rich­ti­gungs­be­schluss vom 30. Ok­to­ber 2009, zu­ge­stellt am

 

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2.No­vem­ber 2009, so­wie Be­rich­ti­gungs­be­schluss vom 5.No­vem­ber 2009, zu­ge­stellt am 9.No­vem­ber 2009, 3 Ga 41/09, ab­zuändern und

den An­trag zu Zif­fer 2. ins­ge­samt zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­trags zur Sach- und Rechts­la­ge und trägt ergänzend vor:

Der An­trag sei hin­rei­chend be­stimmt. Die Kläge­rin könne nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass nur ei­ne be­stimm­te Tätig­keit bei ei­ner der Ge­sell­schaf­ten der B3 Grup­pe un­ter­sagt wer­de. Für ei­nen ef­fek­ti­ven Rechts­schutz sei der An­trag zwin­gend er­for­der­lich. Bei dem Be­griff „ver­bun­de­ne Un­ter­neh­men" han­de­le es sich um ei­nen Rechts­be­griff, der ei­ne kla­re Zu­ord­nung ermögli­che.

Dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB sei Genüge ge­tan. Die Reich­wei­te des Wett­be­werbs­ver­bots in Nr. 1 WBV 2002 sei ob­jek­tiv fest­stell­bar. Es sol­le je­der Wett­be­werb un­ter­sagt wer­den, wo­bei es auf die kon­kre­te recht­li­che Aus­ge­stal­tung ge­ra­de nicht an­kom­men sol­le. Selbst wenn man ei­ne In­trans­pa­renz an­neh­men wol­le, blei­be es nach Durchführung des blue-pen­cil-Tests bei ei­nem Wett­be­werbs­ver­bot für Un­ter­neh­men, wel­che in di­rek­tem Wett­be­werb mit der Kläge­rin stünden. Die vom Be­klag­ten an­ge­streb­te Tätig­keit wäre wei­ter­hin un­ter­sagt.

Die an den Be­klag­ten ver­sen­de­ten An­schrei­ben der Kläge­rin im Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schluss der WBV 2002 stell­ten kei­ne Täuschung dar. Dem Be­klag­ten sei­en al­le In­for­ma­tio­nen bezüglich des Ge­richts­ver­fah­rens T2 durch die Kläge­rin be­kannt ge­ge­ben wor­den. Selbst wenn man die ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen als ge­ne­rel­le Täuschungs­hand­lung aus­rei­chen las­sen wol­le, er­ge­be sich dar­aus nicht, dass der Be­klag­te, der ei­ne Lei­tungs­funk­ti­on in­ne ge­habt ha­be, getäuscht wor­den sei. Der Be­klag­te ha­be Kennt­nis­se über die Ein­zel­hei­ten des Ge­richts­ver­fah­rens und die Gründe der Neu­einführung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots ge­habt. Auf ei­nem Mee­ting am 30. und 31. Ju­li 2002 sei­en die Hin­ter­gründe der Neu­einführung ausführ­lich mit­ge­teilt wor­den. Dort sei vor dem Hin­ter­grund des da­mals anhängi­gen Ver­fah­rens ge­gen T2 die Pro­ble­ma­tik dar­ge­stellt wor­den, dass das bis­he­ri­ge nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot in ei­ner bis­lang nicht

 

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rechts­kräfti­gen ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung als nicht durch­setz­bar an­ge­se­hen wor­den sei, die Kläge­rin aber trotz­dem von der Möglich­keit der Un­wirk­sam­keit aus­ge­hen und des­halb den er­heb­li­chen Auf­wand ei­ner Neu­einführung des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots be­trei­ben würde. Ei­ne An­fech­tung we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung schei­te­re schließlich an der An­fech­tungs­frist des § 124 BGB. Der Be­klag­te ha­be spätes­tens An­fang 2003 Kennt­nis von der Nich­tig­keit der ursprüng­li­chen nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung ge­habt.

Die Ankündi­gung, kei­ne Stock Op­ti­ons und ähn­li­che Son­der­prämi­en mehr gewähren zu wol­len, stel­le kei­ne Dro­hung dar. Selbst wenn man ei­ne Zwangs­la­ge in der Si­tua­ti­on „mehr Geld ver­die­nen zu wol­len" un­ter­stel­len würde, han­de­le es sich nicht um ei­ne wi­der­recht­li­che Dro­hung. Es ste­he der Kläge­rin frei, Ar­beit­neh­mer, die sich durch Un­ter­zeich­nung ei­nes Wett­be­werbs­ver­bots zum Un­ter­neh­men be­ken­nen, an­ders zu be­han­deln, als Ar­beit­neh­mer, bei de­nen dies nicht der Fall sei. Darüber hin­aus bestünde auf die ein­zel­nen Leis­tun­gen kein ver­trag­li­cher An­spruch. Ein Ver­s­toß ge­gen § 612a BGB lie­ge be­reits man­gels Maßre­ge­lung nicht vor. Die Be­din­gung zur Teil­nah­me am Op­ti­ons­pro­gramm beständen be­reits seit Be­ginn der Tätig­keit des Be­klag­ten. Ein An­spruch auf Gleich­be­hand­lung sei nicht ge­ge­ben. Dies würde we­sent­lich glei­che Sach­ver­hal­te vor­aus­set­zen, was bei in­di­vi­du­el­len Prämi­en nicht der Fall sein könne. Zu­dem sei für ei­ne An­fech­tung die Frist gemäß § 124 BGB ab­ge­lau­fen. Der Be­klag­te ha­be in den letz­ten sie­ben Jah­ren be­an­stan­dungs­frei sein Ar­beits­verhält­nis fort­geführt. Sei­ne jähr­li­chen Ge­halts­ansprüche hätten sich um mehr als 50.000,00 Eu­ro auf rund 188.000,00 Eu­ro erhöht und er ha­be Stock Op­ti­ons in no­mi­na­ler Höhe von 1Mio. $ er­hal­ten. Die An­nah­me ei­ner fort dau­ern­den Zwangs­la­ge lie­ge da­her fern.

Das Wett­be­werbs­ver­bot die­ne dem Schutz be­rech­tig­ter geschäft­li­cher In­ter­es­sen der Kläge­rin nach § 74a Abs. 1 HGB. Die Ver­ein­ba­rung ei­nes einjähri­gen bun­des­wei­ten Wett­be­werbs­ver­bots nach Aus­schei­den ei­nes Ar­beit­neh­mers im Ver­trieb, der wie der Be­klag­te in lei­ten­der Stel­lung in ein sehr spe­zia­li­sier­tes Ver­triebs­kon­zept ein­ge­bun­den ge­we­sen sei und darüber hin­aus de­tail­lier­te Kennt­nis­se des Un­ter­neh­mens, des Ver­triebs so­wie der Pro­duk­te ha­be, sei zwin­gend not­wen­dig. Die De­tails bei der Um­set­zung ei­ner Ver­triebs­stra­te­gie und ih­rer Verände­rung und des da­mit ver­bun­de­nen Kun­den­auf­tritts sei­en nicht so­fort am Markt er­kenn­bar. Das nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot hin­de­re im Übri­gen das be­ruf­li­che Fort­kom­men des Be­klag­ten nicht un­bil­lig, weil er die Bran­che wech­seln könne. Das Ver­bot der Ver­triebstätig­keit in ei­nem en­gen Pro­dukt­seg­ment sei nicht mit ei­nem um­fas­sen­den Be­rufs­ver­bot gleich­zu­set­zen.

 

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Die Aus­kunfts­klau­sel Nr. 4 WBV 2002 sei wirk­sam. Der Ar­beit­ge­ber ha­be ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, be­reits vor Aus­schei­den Aus­kunft über ge­plan­te Wett­be­werbstätig­kei­ten zu er­hal­ten, um das nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot durch­set­zen zu können. Es be­ste­he be­reits ei­ne ent­spre­chen­de Ne­ben­pflicht auf­grund des Ar­beits­ver­trags. Die Möglich­keit ei­nes Ver­zichts gemäß § 75a HGB sei rein theo­re­tisch, da ei­ner Ein­spa­rung von ma­xi­mal drei Mo­na­ten Ka­ren­zentschädi­gung das Ri­si­ko des kurz­fris­ti­gen Wech­sels zu ei­nem Wett­be­wer­ber ge­genüber stünde. Außer­dem sei nach ei­ner Erfüllung der Aus­kunfts­pflicht ein Ver­zicht nach § 75a HGB gemäß § 242 BGB nicht mehr möglich. Ei­ne even­tu­el­le Un­wirk­sam­keit von Nr. 4 WBV 2002 ha­be gemäß § 306 Abs. 1 BGB kei­nen Ein­fluss auf die Wirk­sam­keit des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots selbst.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den von ih­nen in Be­zug ge­nom­men In­halt der in bei­den Rechtszügen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen, die zur Glaub­haft­ma­chung vor­ge­leg­ten di­ver­sen ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen so­wie die Pro­to­kol­le der Sit­zun­gen des Ar­beits­ge­richts am 29. Ok­to­ber 2009 so­wie des Lan­des­ar­beits­ge­richts am 1. De­zem­ber 2009 ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung des Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat den Be­klag­ten zu Recht im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung auf­ge­ge­ben, es zu un­ter­las­sen, in der Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2010 bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che, je­doch längs­tens bis zum 31. De­zem­ber 2010 in selbstständi­ger, un­selbstständi­ger oder sons­ti­ger Wei­se bei der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG mit Sitz in B4 und/oder ei­nem mit ihr ver­bun­de­nen Un­ter­neh­mern tätig zu wer­den. Das Be­ru­fungs­ge­richt folgt der zu­tref­fen­den Be­gründung des Ar­beits­ge­richts, von ei­ner Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­gründe wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen. Das Vor­brin­gen des Be­klag­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz gibt nur An­lass zu fol­gen­den Ergänzun­gen:

1. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten ist we­der der An­trag zu 2.2 aus der An­trags­schrift der Kläge­rin noch der im Ur­teil der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung ent­hal­te­ne Te­nor „zu weit ge­fasst" i. S. v. un­be­stimmt gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. So­weit er in die­sem Zu­sam­men­hang gel­tend macht, dass es Tätig­kei­ten bei der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG ge­ben könne, de­ren Un­ter­las­sung nicht im be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­se der Kläge­rin lie­ge, und dies auch für Tätig­kei­ten in mit der B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG

 

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ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men gel­te, bei de­nen es sich nicht um Wett­be­wer­ber der Kläge­rin han­de­le, sind dies le­dig­lich auf § 74a Abs. 1 Satz 1 HGB gestütz­te Ein­wen­dun­gen ge­gen die Be­gründet­heit des An­trags. Sie be­tref­fen je­doch nicht sei­ne Be­stimmt­heit.

Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass durch den Be­griff „ver­bun­de­ne Un­ter­neh­men" nicht nur sol­che i. S. v. §§ 291 ff. Ak­ti­en­ge­setz, son­dern ge­ne­rell in ei­nem Kon­zern­ver­bund ste­hen­de Un­ter­neh­men ge­meint sind. Un­abhängig von der Rechts­form (Per­so­nal­ge­sell­schaf­ten oder Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten) han­delt es sich bei dem Recht der ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men um das so­ge­nann­te Kon­zern­recht (vgl. Baum­bach/Hu­eck/Zöll­ner, GmbH-Ge­setz, 19. Auf­la­ge, 2010, Schluss­an­hang Rn. 1). Durch die Be­nen­nung des un­mit­tel­ba­ren Kon­kur­ren­ten (B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG) lässt sich der Kreis der ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men oh­ne Wei­te­res da­nach be­stimm­ten, ob zwi­schen ih­nen und dem un­mit­tel­ba­ren Kon­kur­ren­ten kon­zern­recht­li­che Ver­bin­dun­gen be­ste­hen.

2. Ei­ne Un­wirk­sam­keit des Wett­be­werbs­ver­bots in Nr. 1 WBV 2002 we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB liegt nicht vor.

a) Das von der Kläge­rin für ei­ne Viel­zahl von Wett­be­werbs­ver­ein­ba­run­gen mit ih­ren Mit­ar­bei­tern vor­for­mu­lier­te Wett­be­werbs­ver­bot in Nr. 1 WBV 2002 ist ei­ne All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung (§ 305 Abs. 1 Satz 1 BGB), wel­che un­abhängig da­von, ob es sich bei dem Wett­be­werbs­ver­bot um ei­ne Be­stim­mung han­delt, durch die ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lung ver­ein­bart wur­de oder nicht, gemäß § 307 Abs. 3 Satz 2 BGB ei­ner Kon­trol­le auf die Ver­ein­bar­keit mit dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­ter­liegt (vgl. LAG Hamm, 4. No­vem­ber 2008, 14 Sa 818/08, ju­ris; 25. No­vem­ber 2008, 14 Sa­Ga 41/08, ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, 30. Ja­nu­ar 2008, 10 Sa 60/07, NZA-RR 2008, 508; Bau­er/Dil­ler, Wett­be­werbs­ver­bo­te, 5. Auf­la­ge, 2009, Rn. 233d).

Ein als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung ver­ein­bar­tes Wett­be­werbs­ver­bot ist nach § 307 Abs. 3 Satz 2 BGB i. V. m. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB un­wirk­sam, wenn es nicht klar und verständ­lich ist. Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sind ent­spre­chend den Grundsätzen von Treu und Glau­ben ver­pflich­tet, Rech­te und Pflich­ten ih­rer Ver­trags­part­ner möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. Da­zu gehört auch, dass All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen wirt­schaft­li­che Nach­tei­le und Be­las­tun­gen so­weit er­ken­nen las­sen, wie dies nach den Umständen ge­for­dert wer­den kann. Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen müssen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Ei­ne Klau­sel genügt dem Be­stimmt­heits­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, wenn sie im Rah­men des recht­lich

 

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und tatsächlich Zu­mut­ba­ren die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners des Klau­sel­ver­wen­ders so klar und präzi­se wie möglich be­schreibt. Sie ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot, wenn sie ver­meid­ba­re Un­klar­hei­ten und Spielräume enthält (vgl. BAG, 31. Au­gust 2005, 5 AZR 545/04, AP Arb­ZG § 6 Nr. 8; 3. April 2007, 9 AZR 867/06, AP TVG § 4 Nach­wir­kung Nr. 46; 14. Au­gust 2007, 8 AZR 973/06, AP BGB § 307 Nr. 28) und die Ge­fahr be­steht, dass der Ver­trags­part­ner von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird (vgl. BAG, 6. Mai 2009, 10 AZR 390/08, NZA-RR 2009, 593; 10. De­zem­ber 2008, 4 AZR 801/07, AP BGB § 611 Kir­chen­dienst Nr. 52, 24. Sep­tem­ber 2008, 6 AZR 76/07, AP BGB § 305c Nr. 11).

b) Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze im vor­lie­gen­den Fall genügt das in Nr. 1 WBV 2002 ent­hal­te­ne Wett­be­werbs­ver­bot dem Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, weil es klar und verständ­lich ist. Da­nach ist der Be­klag­te ver­pflich­tet, in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für die Dau­er ei­nes Jah­res nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht in selbstständi­ger, un­selbstständi­ger oder sons­ti­ger Wei­se für ein Un­ter­neh­men tätig zu wer­den, wel­ches mit der Kläge­rin in di­rek­tem oder in­di­rek­tem Wett­be­werb steht oder mit ei­nem Wett­be­werbs­un­ter­neh­men ver­bun­den ist. Fer­ner er­streckt sich das Wett­be­werbs­ver­bot ins­be­son­de­re auf Un­ter­neh­men, die sich mit der Ent­wick­lung, Her­stel­lung oder dem Ver­trieb von Pro­duk­ten be­fas­sen, die während der letz­ten 12 Mo­na­te bei der Kläge­rin in den Ar­beits­be­rei­chen des Be­klag­ten fie­len. Eben­so we­nig darf der Be­klag­te während der Dau­er des Wett­be­werbs­ver­bots ein sol­ches Un­ter­neh­men er­rich­ten, er­wer­ben oder sich hier­an un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar be­tei­li­gen.

An­ge­sichts die­ses Wort­lauts kann es nicht zwei­fel­haft sein, dass die Kläge­rin ein um­fas­sen­des un­ter­neh­mens­be­zo­ge­nes Wett­be­werbs­ver­bot mit die­ser von ihr ge­stell­ten For­mu­lie­rung an­strebt. Der Be­klag­te soll im Fal­le ei­nes Aus­schei­dens sich jeg­li­cher Form von Wett­be­werb ge­genüber der Kläge­rin ent­hal­ten. Un­klar­hei­ten be­ste­hen an­ge­sichts der ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen nicht. Das Ver­bot ei­ner Tätig­keit „in sons­ti­ger Wei­se" ne­ben selbstständi­ger und un­selbstständi­ger Tätig­keit um­fasst z. B. die Kon­kur­renztätig­keit durch Strohmänner oder auch die Tätig­keit im Rah­men ei­nes Leih­ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. LAG Hamm, 4. No­vem­ber 2008, a.a.O.). Eben­so wird aus der For­mu­lie­rung „di­rek­ter oder in­di­rek­ter Wett­be­werb" deut­lich, dass jeg­li­che Form des Wett­be­werbs un­ter­bun­den wer­den soll (vgl. LAG Hamm, 4. No­vem­ber 2008, a.a.O.). Zwar ist „in­di­rek­ter Wett­be­werb" kein Rechts­be­griff, aber auch in der Lai­en­sphäre ist es für je­den verständ­lich, dass die mit­tel­ba­re Un­terstützung von di­rek­ter Kon­kur­renz ver­hin­dert wer­den soll. Un­ter die­sem mit­tel­ba­ren Wett­be­werb sind ne­ben den be­reits ge­nann­ten Stroh­mann­geschäften und der Ar­beit­neh­merüber­las­sung auch die Kon­zern­lei­he oder ei­ne Tätig­keit bei Zu­lie­fe­rern oder

 

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Dienst­leis­tern ge­meint (vgl. Bau­er/Dil­ler, a.a.O., Rn. 128 c). Das darüber hin­aus in Nr. 1 Abs. 2 WBV 2002 be­ste­hen­de Ver­bot des Er­werbs, der Er­rich­tung so­wie ei­ner un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Be­tei­li­gung an ei­nem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men stellt i. V. m. § 1 Abs. 1 Satz 1 WBV 2002 klar, dass dem Be­klag­ten um­fas­send je­de Form von Wett­be­werb zur Kläge­rin un­ter­sagt ist.

c) Die For­mu­lie­run­gen in Nr. 1 WBV 2002 ver­hin­dern es nicht zu er­ken­nen, wo der Wett­be­werb ge­genüber der Kläge­rin en­det. Dies ist durch den Ge­gen­stand des Be­triebs der Kläge­rin so­wie durch Nr. 1 Abs. 1 Satz 2 WBV 2002 hin­rei­chend be­stimmt. Ein Be­stim­mungs­recht der Kläge­rin ist in die­sem Zu­sam­men­hang nicht ge­ge­ben. Viel­mehr han­delt es sich um die übli­che Aus­le­gung und Sub­sum­ti­on, wenn ei­ne kon­kre­te Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers dar­auf­hin zu be­ur­tei­len ist, ob sie un­er­laub­ten Wett­be­werb dar­stellt. Dass es im kon­kre­ten Ein­zel­fall klärungs­bedürf­tig sein kann, ob der Ar­beit­neh­mer durch sei­ne Tätig­keit Wett­be­werb ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber be­treibt, führt nicht zur Un­be­stimmt­heit der For­mu­lie­rung (vgl. LAG Hamm, 4. No­vem­ber 2008, a.a.O.). Es ist aus­rei­chend, dass der Ge­gen­stand des nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bots mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ob­jek­tiv fest­stell­bar ist (vgl. LAG Nie­der­sach­sen, 8. De­zem­ber 2005, 7 Sa 1871/05, NZA-RR 2006, 426). Dem­ent­spre­chend be­durf­te es ent­ge­gen der An­sicht des Be­klag­ten auch kei­ner Kon­kre­ti­sie­rung des Wett­be­werbs­ver­bots durch Be­spie­le. Die Not­wen­dig­keit, das Vor­lie­gen ei­ner Wett­be­werbstätig­keit vor Auf­nah­me ei­ner Beschäfti­gung ge­nau abklären zu müssen, be­rech­tigt nicht zu der An­nah­me, der Ar­beit­neh­mer wer­de von der Gel­tend­ma­chung ihm zu­ste­hen­der Rech­te wie der Auf­nah­me ei­ner Tätig­keit bei ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men ab­ge­hal­ten.

d) Es ist nicht frag­lich, ob die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot vor­lie­gen, wenn der Ge­sell­schaf­ter ei­nes Wett­be­werbs­un­ter­neh­mens an ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men be­tei­ligt ist, wel­ches selbst kei­nen Wett­be­werb zum bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber be­treibt. Aus der For­mu­lie­rung „mit ei­nem Wett­be­werbs­un­ter­neh­men ver­bun­den" er­gibt sich, dass auch die­se Kon­stel­la­ti­on er­fasst ist. Der Be­griff „ver­bun­de­ne Un­ter­neh­men" ist kon­zern­recht­lich de­fi­niert und er­fasst auch sol­che Un­ter­neh­men, die nicht mit der Kläge­rin in Kon­kur­renz ste­hen.

3. Die von dem Be­klag­ten erklärte An­fech­tung sei­ner An­nah­me­erklärung hin­sicht­lich der von der Kläge­rin an­ge­bo­te­nen WBV 2002 führt nicht zu de­ren Weg­fall we­gen Nich­tig­keit gemäß § 142 Abs. 1 BGB. Ein An­fech­tungs­grund gemäß § 123 Abs. 1 BGB be­stand nicht. Der Be­klag­te ist zu sei­ner An­nah­me we­der durch arg­lis­ti­ge Täuschung noch durch wi­der­recht­li­che Dro­hung sei­tens der Kläge­rin be­stimmt wor­den.

 

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a) Der Tat­be­stand der arg­lis­ti­gen Täuschung gemäß § 123 BGB setzt in ob­jek­ti­ver Hin­sicht vor­aus, dass der Täuschen­de durch Vor­spie­ge­lung oder Ent­stel­lung von Tat­sa­chen beim Erklärungs­geg­ner ei­nen Irr­tum er­regt und ihn zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung ver­an­lasst (vgl. BAG, 16. De­zem­ber 2004, 2 AZR 148/04, AP BGB § 123 Nr. 64). Die Täuschung durch Vor­spie­ge­lung oder Ent­stel­lung von Tat­sa­chen muss sich da­bei auf ob­jek­ti­ve, nach­prüfba­re Umstände be­zie­hen. Bloß sub­jek­ti­ve Wert­ur­tei­le oder re­kla­me­haf­te An­prei­sun­gen be­gründen kein An­fech­tungs­recht. Zu prüfen ist je­weils, ob ei­ne Äußerung in ih­rem Kern nicht doch ei­ne Be­haup­tung tatsäch­li­cher Art enthält (Pa­landt/Hein­richs, BGB, 68. Auf­la­ge, 2009, § 123 Rn. 3). An ei­ner sol­chen Täuschung fehlt es vor­lie­gend.

aa) Der In­halt des Schrei­bens vom 12. Ju­ni 2002 lässt kei­ne Täuschung er­ken­nen. For­mu­lie­run­gen wie „auf­grund neu­er Ent­wick­lun­gen in der Recht­spre­chung und Ge­setz­ge­bung so­wie zu er­war­ten­der wei­te­rer Ent­wick­lun­gen in der Recht­spre­chung" hätten viel­mehr dem Be­klag­ten An­lass ge­ben müssen, die Ver­bind­lich­keit des bis­he­ri­gen Wett­be­werbs­ver­bots zu prüfen. Denn sie wei­sen ein­deu­tig dar­auf­hin, dass die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen im Ar­beits­ver­trag zum nach­ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­bot recht­li­chen Be­den­ken be­reits be­geg­nen oder seit dem 1. Ja­nu­ar 2002 im Hin­blick auf die durch die Schuld­rechts­re­form ein­geführ­te AGB-Kon­trol­le in Zu­kunft be­geg­nen könn­ten. Schon ein Ver­gleich der neu­en Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung mit der im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen Re­ge­lung an­hand des Wort­lauts hätte an­ge­sichts der of­fen­kun­di­gen Ab­wei­chun­gen beim Be­klag­ten da­zu führen können und müssen, über die Wirk­sam­keit der bis­he­ri­gen Re­ge­lung sich Ge­dan­ken zu ma­chen so­wie über die Kon­se­quen­zen hier­aus und ei­ne Un­ter­zeich­nung der neu­en Re­ge­lung sich ge­ge­be­nen­falls nach Ein­ho­lung ein­schlägi­ger recht­li­cher Be­ra­tung schlüssig zu wer­den. Dies wur­de durch die For­mu­lie­run­gen in dem Schrei­ben vom 12. Ju­ni 2002 nicht ver­hin­dert.

Rich­tig ist, dass ein Hin­weis auf die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 16. Mai 2002 (1 Ga 9/02) be­tref­fend das Ver­fah­ren des ehe­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten T2 nicht in dem Schrei­ben ent­hal­ten ist. Da­zu hat­te die Kläge­rin auch kei­ne Ver­an­las­sung. Zum ei­nen stand da­mit die Un­wirk­sam­keit des Wett­be­werbs­ver­bots an­ge­sichts ei­ner erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung im einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren noch nicht fest. Zum an­de­ren hat­te die Kläge­rin ih­re aus der Ent­schei­dung re­sul­tie­ren­den Be­den­ken hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit der bis­he­ri­gen Wett­be­werbs­ver­bots­ver­ein­ba­rung in dem Schrei­ben hin­rei­chend deut­lich ge­macht.

 

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bb) Eben­so we­nig er­gibt sich ei­ne Täuschung aus der E-Mail vom 18. Ju­ni 2002. Der Satz „Es be­deu­tet aber nicht, dass das jet­zi­ge Wett­be­werbs­ver­bot nicht gültig ist" gibt le­dig­lich die Rechts­an­sicht der Kläge­rin wie­der. Die­sen Stand­punkt konn­te sie ein­neh­men. Wie be­reits aus­geführt, lag le­dig­lich ei­ne erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung in ei­nem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren vor. Die Un­ver­bind­lich­keit des Wett­be­werbs­ver­bots auf­grund der For­mu­lie­rung der Ka­ren­zentschädi­gung war nicht of­fen­sicht­lich. Die Kläge­rin war vor die­sem Hin­ter­grund be­rech­tigt, ih­ren Stand­punkt im Hin­blick auf die Durch­set­zung der neu­en Ver­ein­ba­rung in die­ser Form ein­zu­neh­men. Ei­ne Täuschung schied schon des­we­gen aus, weil die E-Mail vom 18. Ju­ni 2002 nicht los­gelöst vom In­halt des Schrei­bens vom 12. Ju­ni 2002 aus­ge­legt wer­de kann. Für den Be­klag­ten er­gab sich dar­aus ein­deu­tig, dass die Kläge­rin zwar wei­ter­hin die Auf­fas­sung ver­trat, dass das bis­her ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot gültig sei, je­doch recht­li­che Be­den­ken be­stan­den, die zu ei­ner neu­en Ver­ein­ba­rung An­lass ga­ben.

cc) Et­was an­de­res er­gibt sich nicht aus dem Be­gleit­schrei­ben, wel­ches der E-Mail vom 18.Ju­ni 2002 als An­hang zwecks Erläute­rung der Neu­fas­sung des Wett­be­werbs­ver­bots bei­gefügt war. Der Be­klag­te be­an­stan­det zum ei­nen, dass die Kläge­rin dar­in erklärt hat, die sach­li­che Reich­wei­te des neu­en Wett­be­werbs­ver­bots ent­spre­che ex­akt der des bis­he­ri­gen Wett­be­werbs­ver­bots, Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten bei ei­nem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men würden nicht ein­ge­schränkt. Zwar ist es zu­tref­fend, dass die Kläge­rin durch die aus­drück­li­che Auf­nah­me von Un­ter­neh­men, wel­che mit ei­nem Wett­be­werbs­un­ter­neh­men ver­bun­den sind, die Klau­sel zu­min­dest ein­deu­tig auf kon­zern­recht­lich ver­bun­de­ne Un­ter­neh­men er­streckt hat. Al­ler­dings wird die Ein­be­zie­hung ei­ner Tätig­keit für ein Kon­zern­un­ter­neh­men in das Wett­be­werbs­ver­bot schon auf­grund der For­mu­lie­rung „in­di­rek­ter Wett­be­werb" (= mit­tel­ba­rer Wett­be­werb) oder auch oh­ne ei­ne sol­che oder ver­gleich­ba­re For­mu­lie­rung auf an­de­re als Kon­kur­renz­un­ter­neh­men für möglich er­ach­tet (vgl. Bau­er-Dil­ler, a.a.O., § 128 c, 134). Die Neu­for­mu­lie­rung in Nr. 1 Abs. 1 WBV 2002 und der Un­ter­schied zur bis­he­ri­gen Ver­ein­ba­rung in Nr. 14 a Abs.1 Ar­beits­ver­trag war je­doch of­fen­kun­dig. Die Wort­wahl in dem Be­gleit­schrei­ben hin­sicht­lich des sach­li­chen Gel­tungs­be­rei­ches ist des­we­gen nicht ge­eig­net, den Be­klag­ten bei verständi­ger Würdi­gung der neu­en Ver­ein­ba­rung hier über ei­ne mögli­che Er­wei­te­rung zu täuschen.

So­weit der Be­klag­te zum an­de­ren meint, die Kläge­rin ha­be auf die Un­wirk­sam­keit der bis­he­ri­gen Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung bzw. de­ren Un­ver­bind­lich­keit hin­wei­sen müssen, ist dies un­zu­tref­fend. Auch hier gilt, dass le­dig­lich die Ent­schei­dung ei­nes erst­in­stanz­li­chen Ge­richts in ei­nem einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren vor­lag und die Un­ver­bind­lich­keit des Wett­be­werbs­ver­bots auf­grund der For­mu­lie­rung in Nr. 14 b Ar­beits­ver­trag zur

 

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Ka­ren­zentschädi­gung nicht evi­dent war, so dass die Kläge­rin wei­ter­hin von der Wirk­sam­keit der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen in die­sem Punkt aus­ge­hen konn­te.

dd) Der In­halt der vor­ge­nann­ten Schrei­ben kann zu­dem nicht kau­sal für den Ab­schluss der WBV 2002 durch den Be­klag­ten ge­we­sen sein. Er hat­te hinläng­lich Zeit zur Prüfung. Ei­ne Kau­sa­lität der For­mu­lie­run­gen, so sie denn ei­ne be­wuss­te Täuschung sei­tens der Kläge­rin über­haupt dar­stel­len, ist nicht er­kenn­bar.

ee) Auf die Fra­ge der Ein­hal­tung der der An­fech­tungs­frist kam es da­nach nicht mehr an.

b) Ei­ne An­fech­tung ist auch nicht we­gen ei­ner wi­der­recht­li­chen Dro­hung der Kläge­rin be­gründet.

aa) Ei­ne Dro­hung i. S. d. § 123 Abs. 1 BGB setzt die Ankündi­gung ei­nes zukünf­ti­gen Übels vor­aus, des­sen Zufügung in ir­gend­ei­ner Wei­se als von der Macht des Ankündi­gen­den abhängig hin­ge­stellt wird. Der Be­droh­te muss ei­ner Zwangs­la­ge aus­ge­setzt sein, die ihm sub­jek­tiv das Gefühl gibt, sich nur noch zwi­schen zwei Übeln ent­schei­den zu können. Die Wi­der­recht­lich­keit der Dro­hung kann sich aus der Wi­der­recht­lich­keit des ein­ge­setz­ten Mit­tels oder des ver­folg­ten Zwecks er­ge­ben. Be­dient sich der Dro­hen­de zwar an sich er­laub­ter Mit­tel zur Ver­fol­gung ei­nes an sich nicht ver­bo­te­nen Zwecks, kann sich die Wi­der­recht­lich­keit aus der Inadäquanz, d. h. der Un­an­ge­mes­sen­heit des gewähl­ten Mit­tels im Verhält­nis zum ver­folg­ten Zweck er­ge­ben. Hat der Dro­hen­de an der Er­rei­chung des ver­folg­ten Zwecks kein be­rech­tig­tes In­ter­es­se oder ist die Dro­hung nach Treu und Glau­ben nicht mehr als an­ge­mes­se­nes Mit­tel zur Er­rei­chung des Zwecks an­zu­se­hen, ist die Dro­hung rechts­wid­rig (vgl. BAG, 13. De­zem­ber 2007, 6 AZR 200/07, NZA-RR 2008, 341; 5. De­zem­ber 2002, 2 AZR 478/01, AP BGB § 123 Nr. 63).

bb) Die E-Mail vom 18. Ju­ni 2002 erfüllt die­se Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Dro­hung nicht. Es heißt hier­in zu­sam­men­ge­fasst, dass der Er­halt von Zu­satz­leis­tun­gen, und zwar „al­le von To­lo ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­gen ‚Son­de­ra­wards‘ (SPIF­FS, Stock Op­ti­ons, Son­der­zah­lun­gen, In­cen­ti­ve­r­ei­sen etc.)", oh­ne ein ver­ein­bar­tes neu­es Wett­be­werbs­ver­bot aus­ge­schlos­sen sei. Un­strei­tig han­delt es sich bei die­sen Zu­satz­leis­tun­gen um sol­che, wel­che nicht von der Kläge­rin, son­dern von ih­rer Eu­ropäischen Zen­tra­le in To­lo­chen­anz (Schweiz) bzw. der Mut­ter­ge­sell­schaft in den USA er­bracht wer­den. Nicht die Kläge­rin ent­schei­det über die Be­zugs­be­din­gun­gen für sol­che Leis­tun­gen, son­dern an­de­re. Ei­ne Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen ist in ei­ner Kon­stel­la­ti­on wie der vor­lie­gen­den kei­ne ver­trag­li­che Ver­pflich­tung der Kläge­rin als Ar­beit­ge­ber (vgl. BAG, 12. Fe­bru­ar 2003, 10 AZR 299/02, AP BGB § 613a

 

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Nr. 243). Et­was an­de­res könn­te dann gel­ten, wenn nach der Ab­re­de der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en sol­che Leis­tun­gen an­stel­le oder ne­ben dem ver­ein­bar­ten Ar­beits­ent­gelt durch die Kon­zern­mut­ter er­bracht wer­den sol­len (vgl. BAG, 16. Ja­nu­ar 2008, 7 AZR 887/06, NZA 2008, 836). Das wäre der Fall, wenn sich der Ver­trags­ar­beit­ge­ber ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer selbst zur Gewährung sol­cher Op­tio­nen ver­pflich­tet, ei­ne Ein­stands­pflicht über­nom­men oder sonst zum Aus­druck ge­bracht hätte, dass die Leis­tun­gen des Drit­ten ne­ben das ver­ein­bar­te Ar­beits­ent­gelt tre­ten sol­len (BAG, 16. Ja­nu­ar 2008, a.a.O.). Dafür be­steht vor­lie­gend kein An­halts­punkt. Es han­delt sich nicht um Leis­tun­gen, die im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en in der vor­ge­nann­ten Wei­se als Ent­gelt­ansprüche des Be­klag­ten nie­der­ge­legt wa­ren.

Un­ter die­sen Umständen stell­te die For­mu­lie­rung in der E-Mail le­dig­lich ei­nen Hin­weis auf die Rechts­la­ge hin­sicht­lich die­ser Leis­tun­gen dar. Ei­ne Dro­hung lag schon des­we­gen nicht vor, weil für den Be­klag­ten we­der ge­gen die Kläge­rin noch an­de­re ein ver­trag­li­cher An­spruch hier­auf be­stand. Wenn die Mut­ter­ge­sell­schaft der Kläge­rin ih­re Leis­tun­gen nur an die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter er­brin­gen will, die ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot mit ih­rem Toch­ter­un­ter­neh­men ver­ein­bart ha­ben, schließt dies ei­nen Ver­s­toß der Kläge­rin ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz oder ei­ne Maßre­ge­lung i. S. d. § 612 a BGB grundsätz­lich aus. Es han­delt sich um Be­zugs­vor­aus­set­zun­gen, wel­che nicht dem Ein­fluss­be­reich des Ver­trags­ar­beit­ge­bers un­ter­lie­gen. Da­mit liegt we­der ei­ne Dro­hung noch ei­ne Maßre­ge­lung durch die Kläge­rin vor. Es war Sa­che des Be­klag­ten ab­zuwägen, ob er mehr Geld ver­die­nen oder nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­ge­be­nen­falls frei­er in sei­ner be­ruf­li­chen Tätig­keit sein woll­te. Fehlt es da­nach schon an Leis­tun­gen der Kläge­rin, ist zwar der wirt­schaft­li­che Druck, der in die­ser Ankündi­gung liegt, nicht zu ver­ken­nen. Dies führt je­doch aus den ge­nann­ten Gründen nicht zu ei­ner wi­der­recht­li­chen Dro­hung, ei­ner un­zulässi­gen Un­gleich­be­hand­lung oder ei­ner Maßre­ge­lung i. S. d. § 612 a BGB durch die Kläge­rin.

c) Da es be­reits an ei­ner Täuschung oder Dro­hung fehlt, sind die hier­auf gestütz­ten Einwände des Be­klag­ten ge­gen die Gel­tend­ma­chung des Wett­be­werbs­ver­bots aus § 242 BGB bzw. c.i.c. un­be­gründet.

4. Ei­ne Un­wirk­sam­keit des Wett­be­werbs­ver­bots folgt auch nicht aus den Re­ge­lun­gen in Nr. 4 oder Nr. 8 WBV 2002.

a) Das Ar­beits­ge­richt ver­weist im Hin­blick dar­auf, dass es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­delt, zu­tref­fend dar­auf, dass ei­ne et­wai­ge Un­wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Aus­kunfts­ver­pflich­tung so­wie der Ver­trags­stra­fen­ab­re­de auf die Wirk­sam­keit

 

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der Wett­be­werbs­ver­bots­ver­ein­ba­rung in Nr. 1 WBV 2002 kei­nen Ein­fluss hat. Dies ist zwin­gen­de ge­setz­li­che Fol­ge des § 306 Abs. 1 BGB.

b) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten führt die in Nr. 4 WBV 2002 ver­ein­bar­te Aus­kunfts­ver­pflich­tung nicht da­zu, dass kei­ne aus­rei­chen­de Ka­ren­zentschädi­gung zu­ge­sagt wor­den ist, so dass das Wett­be­werbs­ver­bot ins­ge­samt gemäß § 74 Abs. 2 HGB un­ver­bind­lich wäre. Ab­ge­se­hen da­von, dass die Möglich­keit ei­nes Ver­zichts auf das Wett­be­werbs­ver­bot nach § 75a HGB we­gen wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens gemäß § 242 BGB aus­ge­schlos­sen ist, wenn der Ar­beit­ge­ber be­reits vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses Aus­kunft vom Ar­beit­neh­mer über die Beschäfti­gung nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­langt und erhält (vgl. BAG, 26. Ok­to­ber 1978, 3 AZR 649/77, AP HGB § 75a Nr. 3), würde ein sol­cher Ver­zicht nur die Be­zugs­dau­er verkürzen. Die Höhe der zu zah­len­den Ka­ren­zentschädi­gung, die der in § 74 Abs. 2 HGB vor­ge­se­he­nen Höhe ent­spre­chen muss, wird da­von je­doch nicht berührt. In­so­weit wird sei­tens des Be­klag­ten in un­zulässi­ger Wei­se die Höhe des zu zah­len­den Be­tra­ges mit dem Zeit­raum, für den die­ser zu zah­len ist, ver­mengt.

c) Die Be­ru­fung der Kläge­rin auf das ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot stellt kei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung dar, weil der Be­klag­te die in Nr. 4 WBV 2002 sta­tu­ier­te Aus­kunfts­ver­pflich­tung erfüllt hat.

aa) Zwar ist es zu­tref­fend, dass ei­ne Ne­ben­ver­pflich­tung des Ar­beit­neh­mers, dem Ar­beit­ge­ber vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­reits mit­zu­tei­len, bei wel­chem Ar­beit­ge­ber er nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses tätig sein wird, nicht be­steht. Ins­be­son­de­re ist er nicht zur Mit­wir­kung an der Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, ob ein Ver­zicht auf das ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot aus­ge­spro­chen wird oder nicht, durch Er­tei­lung von Aus­kunft über sei­ne künf­ti­ge be­ruf­li­che Betäti­gung ver­pflich­tet. Ei­ne sol­che ver­trag­lich ver­ein­bar­te Aus­kunfts­ver­pflich­tung ist un­wirk­sam (vgl. BAG, 2. De­zem­ber 1968, 3 AZR 402/67, AP HGB § 74a Nr. 3; 26. Ok­to­ber 1978, a.a.O.; in­so­weit un­zu­tref­fend die von der Kläge­rin zi­tier­te Ent­schei­dung des LAG Saar­land, 19. Sep­tem­ber 2001, 2 Sa 117/01). Hin­ter­grund ist, dass der Ar­beit­neh­mer nicht vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­zwun­gen sein kann, ent­ge­gen sei­nem ur­ei­ge­nen In­ter­es­se be­reits vor­ab zu of­fen­ba­ren, ob er zu ei­nem Wett­be­wer­ber geht oder nicht. Der Ar­beit­ge­ber trägt al­lein das Ri­si­ko, bei der Ent­schei­dung, ob er auf das Wett­be­werbs­ver­bot gemäß § 75a HGB ver­zich­tet oder nicht, wirt­schaft­lich be­trach­tet falsch zu lie­gen. Über die Auf­recht­er­hal­tung der Bin­dung an das Wett­be­werbs­ver­bot muss er oh­ne Hil­fe des Ar­beit­neh­mers ur­tei­len. Die­se Hil­fe darf er nicht durch ei­ne des­we­gen un­zulässi­ge ver­trag­li­che Ver­pflich­tung, die den Schein der Ver­bind­lich­keit in sich trägt, zu er­rei­chen su­chen. Ver­sucht er dies doch, schließt dies, wenn

 

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der Ar­beit­neh­mer auf Ver­lan­gen des Ar­beit­ge­bers Aus­kunft er­teilt, ei­nen Ver­zicht nach § 242 BGB aus (vgl. BAG, 26. Ok­to­ber 1978, a.a.O.).

bb) Der Schutz vor ei­nem Ver­zicht nach § 75a HGB ist aber dar­auf be­gründet, dass der sich ver­trags­treu an das Wett­be­werbs­ver­bot hal­ten­de Ar­beit­neh­mer nicht da­durch be­nach­tei­ligt wer­den soll, dass er den da­mit ver­bun­de­nen Schutz in Form der Ka­ren­zentschädi­gung ver­liert, in­dem er vor Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ner Aus­kunfts­ver­pflich­tung un­ter­liegt. Zwar muss er grundsätz­lich da­mit rech­nen, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ver­zicht erklärt. Er ist aber nicht ver­pflich­tet, hierfür dem Ar­beit­ge­ber ei­ne ge­si­cher­te Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu schaf­fen. Dem Ar­beit­ge­ber soll es nicht möglich sein, die ei­gent­lich be­ste­hen­de Rechts­la­ge (Wett­be­werbs­ver­bot ge­gen Zah­lung von Ka­ren­zentschädi­gung) ein­sei­tig zu sei­nem Vor­teil verändern zu können, nach­dem fest­steht, dass sich der Ar­beit­neh­mer an die Ver­ein­ba­rung hal­ten und sich rechtstreu ver­hal­ten wird, so dass des­we­gen wirt­schaft­lich die Zah­lung von Ka­ren­zentschädi­gung für den Ar­beit­ge­ber kei­nen Sinn mehr macht. Der Ar­beit­neh­mer soll grundsätz­lich mit der auf­grund der ver­trag­li­chen Wett­be­werbs­ver­ein­ba­rung be­ste­hen­den Zah­lungs­ver­pflich­tung sei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft pla­nen können.

Ein Ar­beit­neh­mer, der wie der Be­klag­te von vorn­her­ein plant, sich nicht an das ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot zu hal­ten, kann je­doch nicht da­mit rech­nen, dass der Ar­beit­ge­ber auf das ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot ver­zich­tet. Ei­ne ent­spre­chen­de Aus­kunft kann ge­ra­de nicht zu ei­ner ein­sei­ti­gen Verände­rung der Rechts­la­ge durch den Ar­beit­ge­ber und da­mit zu ei­nem Weg­fall der Pla­nungs­grund­la­ge für den Ar­beit­neh­mer führen, zu de­ren Mit­wir­kung der Ar­beit­neh­mer nicht ver­pflich­tet wer­den kann. Dann kann er durch die Mit­tei­lung des be­ab­sich­tig­ten Wett­be­werbs un­ter aus­drück­li­cher Be­ru­fung auf die Erfüllung ei­ner un­zulässi­gen Aus­kunfts­ver­pflich­tung nicht den Weg­fall des oh­ne­hin be­ste­hen­den Wett­be­werbs­ver­bots er­rei­chen. Nur im Hin­blick auf die Ver­zichtsmöglich­keit nach § 75a HGB kommt § 242 BGB in Be­tracht, nicht aber im Hin­blick auf das un­verändert wei­ter­be­ste­hen­de nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bot. § 242 BGB schützt nur den sich ver­trags­treu ver­hal­ten­den Ar­beit­neh­mer, nicht den be­reits ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Wett­be­werbs­ver­bot ein­kal­ku­lie­ren­den Ar­beit­neh­mer. Ei­ne Be­ru­fung auf § 242 BGB ist für den Be­klag­ten des­we­gen aus­ge­schlos­sen.

5. Die Un­ter­las­sung jeg­li­cher Tätig­keit für die Fir­ma B3 Ver­triebs GmbH & Co. KG und/oder mit ihr ver­bun­de­ner Un­ter­neh­men verstößt nicht ge­gen § 74a Abs. 1 HGB. Das in Nr. 1 WBV 2002 ver­ein­bar­te Wett­be­werbs­ver­bot dient dem be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­se der Kläge­rin und be­hin­dert den Be­klag­ten nicht un­bil­lig in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men.

 

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a) So­weit der Be­klag­te dar­auf ver­weist, er sei le­dig­lich Ver­triebs­mit­ar­bei­ter, so dass das be­rech­tig­te In­ter­es­se an ei­nem Ver­bot jeg­li­cher Tätig­keit für ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men feh­le und sich das Wett­be­werbs­ver­bot nur auf den zu­ge­wie­se­nen Be­zirk oder den Kun­den­kreis er­stre­cken dürfe (vgl. da­zu Bau­er/Dil­ler, a.a.O., Rn. 199 m. w. N.), über­sieht er be­reits, dass er nicht Ver­triebs­mit­ar­bei­ter, son­dern Ver­triebs­lei­ter war, ihm 41 Mit­ar­bei­ter un­ter­stellt wa­ren und er die Ge­samt­ver­ant­wor­tung für ei­nen Um­satz von 50 Mio. Eu­ro trug. Beim Be­klag­ten han­delt es sich dem­nach um ei­ne Führungs­kraft, bei der ein bun­des­wei­tes un­ter­neh­mens­be­zo­ge­nes Wett­be­werbs­ver­bot grundsätz­lich zulässig ist. Nach ei­ge­nem Vor­trag war er Spre­cher der Re­gio­nal­lei­ter und in die­ser Funk­ti­on bei ei­nem M2 so­wie in meh­re­re Te­le­fon­kon­fe­ren­zen ein­ge­bun­den. Dass hier­bei so­wie bei an­de­ren Ver­triebs­be­spre­chun­gen über ak­tu­el­le Ver­triebs-, Ver­tei­di­gungs- und Wachs­tums­stra­te­gi­en oder Pro­dukt­in­no­va­tio­nen ge­re­det wur­de, hat der Be­klag­te zum ei­nen ent­ge­gen § 138 Abs. 2 ZPO nicht sub­stan­ti­iert be­strit­ten. Zum an­de­ren wi­derspräche das Ge­gen­teil jeg­li­cher Le­bens­er­fah­rung. Die­se Be­triebs­in­ter­na ge­hen dem Wett­be­werb grundsätz­lich nichts an. Auf die De­tail­liert­heit der Er­kennt­nis­se kommt es nicht an. An­ge­sichts der Führungs­ver­ant­wor­tung des Be­klag­ten und der bun­des­wei­ten Tätig­keit der Kläge­rin war es zulässig, ein un­ter­neh­mens­be­zo­ge­nes Wett­be­werbs­ver­bot für das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu ver­ein­ba­ren. Die Kläge­rin muss es nicht hin­neh­men, dass der Be­klag­te sei­ne als Ver­triebs­lei­ter ge­won­ne­nen Kennt­nis­se ih­rer Ver­triebs­stra­te­gi­en und sei­ne für ei­nen ef­fek­ti­ven Pro­dukt­ver­trieb not­wen­di­gen Kennt­nis­se der Pro­duk­te auf dem vom Be­klag­ten selbst als klein be­zeich­ne­ten Markt im Bun­des­ge­biet Kon­kur­ren­ten zugäng­lich macht oder selbst ef­fek­ti­ver Kon­kur­renz ma­chen kann. Die­se Aus­nut­zung sei­ner spe­zi­fisch bei der Kläge­rin er­wor­be­nen Kennt­nis­se muss sie nicht hin­neh­men. Dies zu un­ter­bin­den, liegt in ih­rem be­rech­tig­ten geschäft­li­chen In­ter­es­se.

Die gilt auch für die Ein­be­zie­hung der mit ei­nem Wett­be­wer­ber ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men. An­ge­sichts der Ge­fahr für den Ar­beit­ge­ber, dass die­ser die Verhält­nis­se des Kon­zerns, in den sein frühe­rer Ar­beit­neh­mer ge­wech­selt hat, kaum durch­schau­en kann, ist ein be­rech­tig­tes geschäft­li­ches In­ter­es­se auch in die­ser Be­zie­hung an­zu­er­ken­nen (vgl. Bau­er/Dil­ler, a.a.O., Rn. 133). Ins­be­son­de­re ei­nen Wech­sel oder ei­ne Kon­zern­lei­he kann der Ar­beit­ge­ber kaum kon­trol­lie­ren. Das­sel­be gilt für ei­ne Ein­be­zie­hung des Ar­beit­neh­mers in kon­zern­wei­te un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­de Ent­schei­dungs­pro­zes­se.

b) Ei­ne un­bil­li­ge Er­schwe­rung des be­ruf­li­chen Fort­kom­mens des Be­klag­ten liegt auch un­ter die­sen Umständen nicht vor, wie be­reits das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat. Ein­wen­dun­gen hier­ge­gen hat der Be­klag­te in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht vor­ge­tra­gen.

 

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6. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Gemäß § 72 Abs. 4 ArbGG ist ei­ne Re­vi­si­on ge­gen die vor­lie­gen­de Ent­schei­dung nicht zulässig.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.

 

Hens­sen 

Kun­kel 

Pra­del
/Ne.

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