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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Teilzeit, Gleichbehandlung
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Akten­zeichen: C-486/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.04.2010
   
Leit­sätze:

1. Das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit im An­hang der Richt­li­nie 97/81 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit in der durch die Richt­li­nie 98/23 geänder­ten Fas­sung, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass es ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung ent­ge­gen­steht, nach der bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs in der Wei­se an­ge­passt wird, dass der von ei­nem Ar­beit­neh­mer, der von ei­ner Voll­zeit- zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung über­geht, in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­be­ne An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, des­sen Ausübung dem Ar­beit­neh­mer während die­ser Zeit nicht möglich war, re­du­ziert wird oder der Ar­beit­neh­mer die­sen Ur­laub nur mehr mit ei­nem ge­rin­ge­ren Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann.

2. Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner Be­stim­mung ent­ge­gen­steht, die vom An­wen­dungs­be­reich ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung für Ver­trags­be­diens­te­te die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließt, die ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag mit ei­ner Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten ha­ben oder die nur fall­wei­se beschäftigt wer­den. Der Be­griff "sach­li­che Gründe" im Sin­ne von Pa­ra­graf 4 Nr. 1 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung, die ge­eig­net sind, ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag im Verhält­nis zu Ar­beit­neh­mern mit un­be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag zu recht­fer­ti­gen, ist nämlich so zu ver­ste­hen, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern und Dau­er­beschäftig­ten nicht da­mit ge­recht­fer­tigt wer­den kann, dass sie in ei­ner all­ge­mei­nen und abs­trak­ten Re­ge­lung vor­ge­se­hen ist. Viel­mehr muss die­se Un­gleich­be­hand­lung ei­nem ech­ten Be­darf ent­spre­chen und zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich sein.

3. Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub im An­hang der Richt­li­nie 96/34 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub in der durch die Richt­li­nie 97/75 geänder­ten Fas­sung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung ent­ge­gen­steht, nach der Ar­beit­neh­mer, die ih­ren An­spruch auf El­tern­ur­laub von zwei Jah­ren wahr­neh­men, im An­schluss an die­sen El­tern­ur­laub Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ver­lie­ren, die sie im Jahr vor der Ge­burt ih­res Kin­des er­wor­ben ha­ben. Die Wen­dung "Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben" im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen er­fasst nämlich al­le un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­ten Rech­te und Vor­tei­le hin­sicht­lich Bar- oder Sach­leis­tun­gen, auf die der Ar­beit­neh­mer bei An­tritt des El­tern­ur­laubs ei­nen An­spruch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber hat.

Vor­ins­tan­zen: Landesgericht Innsbruck
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Ers­te Kam­mer)

22. April 2010(*)

„So­zi­al­po­li­tik – Rah­men­ver­ein­ba­run­gen über Teil­zeit­ar­beit und über be­fris­te­te Ar­beits­verträge – Na­tio­na­le Be­stim­mun­gen, nach de­nen Ver­trags­be­diens­te­te, die in Teil­zeit, nur fall­wei­se oder be­fris­tet beschäftigt wer­den, schlech­ter ge­stellt sind – Grund­satz der Gleich­be­hand­lung“

In der Rechts­sa­che C-486/08

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Lan­des­ge­richt Inns­bruck (Öster­reich) mit Be­schluss vom 14. Ok­to­ber 2008, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 12. No­vem­ber 2008, in dem Ver­fah­ren

Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols

ge­gen

Land Ti­rol

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Ers­te Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten A. Tiz­za­no, der Rich­ter E. Le­vits (Be­richt­er­stat­ter), A. Borg Bart­het und M. Ilešiè so­wie der Rich­te­rin M. Ber­ger,

Ge­ne­ral­anwältin: E. Sharps­ton,

Kanz­ler: B. Fülöp, Ver­wal­tungs­rat,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens und auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21. Ja­nu­ar 2010,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

– des Zen­tral­be­triebs­rats der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols, ver­tre­ten durch D. Rief,

– des Lan­des Ti­rol, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt B. Ober­ho­fer,

– der öster­rei­chi­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch C. Pe­sen­dor­fer und T. Kröll als Be­vollmäch­tig­te,

– der däni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch J. Be­ring Liis­berg und R. Hold­gaard als Be­vollmäch­tig­te,

– der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch M. Lum­ma und C. Blasch­ke als Be­vollmäch­tig­te,

– der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek und V. Kreu­schitz als Be­vollmäch­tig­te,

auf­grund des nach Anhörung der Ge­ne­ral­anwältin er­gan­ge­nen Be­schlus­ses, oh­ne Schluss­anträge über die Rechts­sa­che zu ent­schei­den,

fol­gen­des

Ur­teil

1

Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Pa­ra­graf 4 der am 6. Ju­ni 1997 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit) im An­hang der Richt­li­nie 97/81/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit (ABl. 1998, L 14, S. 9, mit Be­rich­ti­gung im ABl. 1998, L 128, S. 71) in der durch die Richt­li­nie 98/23/EG des Ra­tes vom 7. April 1998 (ABl. L 131, S. 10) geänder­ten Fas­sung, von Pa­ra­graf 4 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge) im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. L 175, S. 43) und von Art. 14 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/54/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. Ju­li 2006 zur Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen (Neu­fas­sung) (ABl. L 204, S. 23).

2

Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen dem Zen­tral­be­triebs­rat der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols und dem Land Ti­rol we­gen ver­schie­de­ner Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes vom 8. No­vem­ber 2000 über das Dienst­recht der Ver­trags­be­diens­te­ten des Lan­des Ti­rol (Lan­des-Ver­trags­be­diens­te­ten­ge­setz, LGBl. Nr. 2/2001) in sei­ner bis zum 1. Fe­bru­ar 2009 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den: L-VBG) über Ver­trags­be­diens­te­te, die nur fall­wei­se, in Teil­zeit oder be­fris­tet beschäftigt sind oder El­tern­ur­laub in An­spruch neh­men.

Recht­li­cher Rah­men

Uni­ons­recht

3

Die Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit soll nach ih­rem Pa­ra­graf 1 Buchst. a

„die Be­sei­ti­gung von Dis­kri­mi­nie­run­gen von Teil­zeit­beschäftig­ten si­cher­stel­len und die Qua­lität der Teil­zeit­ar­beit ver­bes­sern“.

4

Pa­ra­graf 4 („Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung sieht vor:

„1. Teil­zeit­beschäftig­te dürfen in ih­ren Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil sie teil­zeit­beschäftigt sind, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Voll­zeit­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.

2. Es gilt, wo dies an­ge­mes­sen ist, der Pro-ra­ta-tem­po­ris-Grund­satz.

…“

5

Die Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge soll nach ih­rem Pa­ra­graf 1 Buchst. a

„durch An­wen­dung des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung die Qua­lität be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se ver­bes­sern“.

6

Pa­ra­graf 4 („Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge be­stimmt:

„1. Be­fris­tet beschäfti­ge Ar­beit­neh­mer dürfen in ih­ren Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.

2. Es gilt, wo dies an­ge­mes­sen ist, der Pro-ra­ta-tem­po­ris-Grund­satz.

…“

7

Art. 14 der Richt­li­nie 2006/54 sieht vor:

„(1) Im öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tor ein­sch­ließlich öffent­li­cher Stel­len darf es in Be­zug auf fol­gen­de Punk­te kei­ner­lei un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts ge­ben:

c) die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ein­sch­ließlich der Ent­las­sungs­be­din­gun­gen so­wie das Ar­beits­ent­gelt nach Maßga­be von Ar­ti­kel 141 des Ver­trags;

…“

8

Art. 1 der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 299, S. 9) sieht vor:

„(1) Die­se Richt­li­nie enthält Min­dest­vor­schrif­ten für Si­cher­heit und Ge­sund­heits­schutz bei der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung.

(2) Ge­gen­stand die­ser Richt­li­nie sind

a) … der Min­dest­jah­res­ur­laub …

…“

9

Art. 7 („Jah­res­ur­laub“) die­ser Richt­li­nie lau­tet:

„(1) Die Mit­glied­staa­ten tref­fen die er­for­der­li­chen Maßnah­men, da­mit je­der Ar­beit­neh­mer ei­nen be­zahl­ten Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen nach Maßga­be der Be­din­gun­gen für die In­an­spruch­nah­me und die Gewährung erhält, die in den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und/oder nach den ein­zel­staat­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind.

(2) Der be­zahl­te Min­dest­jah­res­ur­laub darf außer bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht durch ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung er­setzt wer­den.“

10

Nach Art. 17 der Richt­li­nie 2003/88 können die Mit­glied­staa­ten von be­stimm­ten Vor­schrif­ten die­ser Richt­li­nie ab­wei­chen. Im Hin­blick auf ih­ren Art. 7 ist kei­ne Ab­wei­chung er­laubt.

11

Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der am 14. De­zem­ber 1995 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub (im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub) im An­hang zur Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub (ABl. 1996, L 145, S. 4) in der durch die Richt­li­nie 97/75/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 (ABl. 1998, L 10, S. 24) geänder­ten Fas­sung sieht vor:

„Die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, blei­ben bis zum En­de des El­tern­ur­laubs be­ste­hen. Im An­schluss an den El­tern­ur­laub fin­den die­se Rech­te mit den Ände­run­gen An­wen­dung, die sich aus ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten, Ta­rif­verträgen oder Ge­pflo­gen­hei­ten er­ge­ben.“

Na­tio­na­les Recht

12 § 1 L-VBG be­stimmt:

(1) Die­ses Ge­setz gilt, so­weit im Abs. 2 nichts an­de­res be­stimmt ist, für al­le Be­diens­te­ten, die in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Dienst­verhält­nis zum Land Ti­rol ste­hen (Ver­trags­be­diens­te­te).

(2) Die­ses Ge­setz gilt nicht für:

m) Per­so­nen, die be­fris­tet für die Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten oder nur fall­wei­se ver­wen­det wer­den oder die, wenn auch re­gelmäßig, nur im Aus­maß von we­ni­ger als 30 v. H. der Voll­zeit­beschäfti­gung ver­wen­det wer­den;

…“

13

§ 54 L-VBG lau­tet:

„Der Ver­trags­be­diens­te­te hat in je­dem Ka­len­der­jahr (Ur­laubs­jahr) An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub.“

14

§ 55 L-VBG sieht vor:

„(1) Das Aus­maß des Er­ho­lungs­ur­lau­bes beträgt, so­weit im Fol­gen­den nichts an­de­res be­stimmt ist, in je­dem Ka­len­der­jahr

(5) Bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ist das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­lau­bes an das neue Beschäfti­gungs­aus­maß ali­quot an­zu­pas­sen.“

15

§ 60 L-VBG lau­tet:

„Der An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub verfällt, wenn der Ver­trags­be­diens­te­te den Er­ho­lungs­ur­laub nicht bis zum 31. De­zem­ber des dem Ur­laubs­jahr fol­gen­den Ka­len­der­jah­res ver­braucht hat. Ist der Ver­brauch bis zu die­sem Zeit­punkt aus dienst­li­chen Gründen nicht möglich, so verfällt der An­spruch auf Er­ho­lungs­ur­laub erst mit dem Ab­lauf des die­sem Zeit­punkt fol­gen­den Ka­len­der­jah­res. Hat der Ver­trags­be­diens­te­te ei­nen Ka­renz­ur­laub nach dem Ti­ro­ler Mut­ter­schutz­ge­setz 2005 bzw. dem Mut­ter­schutz­ge­setz 1979 oder dem Ti­ro­ler El­tern-Ka­renz­ur­laubs­ge­setz 2005 in An­spruch ge­nom­men, so wird der Ver­falls­ter­min um je­nen Zeit­raum hin­aus­ge­scho­ben, um den die­ser Ka­renz­ur­laub das Aus­maß von zehn Mo­na­ten über­steigt.“

16

Mit Ge­setz vom 12. No­vem­ber 2008 (LGBl. Nr. 5/2009), das am 1. Fe­bru­ar 2009 in Kraft trat, wur­de Art. 1 Abs. 2 lit. m L-VBG wie folgt neu ge­fasst:

„Per­so­nen, die be­fris­tet für die Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten oder nur fall­wei­se ver­wen­det wer­den“.

Aus­gangs­ver­fah­ren und Vor­la­ge­fra­gen

17

Die kla­gen­de Par­tei des Aus­gangs­ver­fah­rens brach­te als zuständi­ges Or­gan der Ar­beit­neh­mer­schaft der Lan­des­kran­kenhäuser Ti­rols im Rah­men ei­nes be­son­de­ren Ver­fah­rens gemäß § 54 Abs. 1 des Ar­beits- und So­zi­al­ge­richts­ge­set­zes (BGBl. Nr. 104/1985) ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge ein.

18

Mit die­sem ge­gen das Land Ti­rol als Ar­beit­ge­ber ge­rich­te­ten An­trag wird das Lan­des­ge­richt Inns­bruck um die Fest­stel­lung er­sucht, dass ver­schie­de­ne Be­stim­mun­gen des L-VBG mit dem Ge­mein­schafts­recht un­ver­ein­bar sind.

19

Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Lan­des­ge­richt Inns­bruck das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. Ist es mit Pa­ra­graf 4 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit ver­ein­bar, dass Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen, die in ei­nem pri­vat­recht­li­chen Dienst­verhält­nis zu ei­ner Ge­bietskörper­schaft oder ei­nem öffent­li­chen Un­ter­neh­men ste­hen und we­ni­ger als 12 St­un­den pro Wo­che (30 % der Nor­mal­ar­beits­zeit) ar­bei­ten, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Voll­zeit­beschäftig­ten in Be­zug auf Ent­loh­nung, Ein­stu­fung, An­er­ken­nung von Vor­dienst­zei­ten, Ur­laubs­an­spruch, Son­der­zah­lun­gen, Über­stun­den­zu­schläge usw. schlech­ter ge­stellt wer­den?

2. Ist der in Pa­ra­graf 4 Nr. 2 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung fest­ge­leg­te Pro-ra­ta-tem­po­ris-Grund­satz da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Ge­set­zes­be­stim­mung wie § 55 Abs. 5 L-VBG ent­ge­gen­steht, wo­nach bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs an das neue Beschäfti­gungs­aus­maß ali­quot an­zu­pas­sen ist, was zur Fol­ge hat, dass ei­nem Ar­beit­neh­mer, der sein Ar­beits­aus­maß von ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung auf ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung re­du­ziert, je­ner Ur­laubs­an­spruch, den er in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­ben hat, re­du­ziert wird bzw. er als Teil­zeit­beschäftig­ter die­sen Ur­laub nur mehr mit ei­nem ge­rin­ge­ren Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann?

3. Wi­der­spricht ei­ne na­tio­na­le Be­stim­mung wie § 1 Abs. 2 lit. m L-VBG, wo­nach Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen, die für die Dau­er von ma­xi­mal sechs Mo­na­ten be­fris­tet bzw. nur fall­wei­se beschäftigt wer­den, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten in Be­zug auf Ent­loh­nung, Ein­stu­fung, An­er­ken­nung von Vor­dienst­zei­ten, Ur­laubs­an­spruch, Son­der­zah­lun­gen, Über­stun­den­zu­schläge usw. schlech­ter ge­stellt sind, Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge?

4. Liegt ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Ge­schlechts gemäß Art. 14 Abs. 1 lit. c. der Richt­li­nie 2006/54 vor, wenn bei Be­diens­te­ten, die ei­ne El­tern­ka­renz im ge­setz­lich zulässi­gen Aus­maß von zwei Jah­ren in An­spruch neh­men, der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch aus dem der Ge­burt vor­her­ge­hen­den Jahr nach Ab­lauf der Ka­renz be­reits ver­fal­len ist und es sich bei den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern zum Großteil (97 %) um Frau­en han­delt?

20

Mit Be­schluss vom 10. De­zem­ber 2009, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 14. De­zem­ber 2009, hat das Lan­des­ge­richt Inns­bruck den Ge­richts­hof er­sucht, nur noch die zwei­te bis vier­te, nicht aber die ers­te der ihm gemäß Art. 234 EG vor­ge­leg­ten Fra­gen zu be­ant­wor­ten.

Zu den Vor­la­ge­fra­gen

Zur Zulässig­keit

21

In sei­nen schrift­li­chen Erklärun­gen macht das Land Ti­rol gel­tend, dass die dem Ge­richts­hof zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­leg­ten Fra­gen un­zulässig sei­en, weil die vom na­tio­na­len Ge­richt ge­nann­ten uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mun­gen nicht un­mit­tel­bar an­wend­bar sei­en.

22

In­so­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich nach ständi­ger Recht­spre­chung Ein­zel­ne ge­genüber dem Staat, ins­be­son­de­re in des­sen Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber, im­mer dann auf die Be­stim­mun­gen ei­ner Richt­li­nie be­ru­fen können, wenn sich die­se als in­halt­lich un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau dar­stel­len (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le vom 20. März 2003, Kutz-Bau­er, C-187/00, Slg. 2003, I-2741, Rand­nrn. 69 und 71, vom 15. April 2008, Im­pact, C-268/06, Slg. 2008, I-2483, Rand­nr. 57, und vom 16. Ju­li 2009, Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, C-537/07, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 33). Dies trifft für Art. 14 der Richt­li­nie 2006/54 zwei­fels­frei zu.

23

Die­se Recht­spre­chung lässt sich zu­dem auf Ver­ein­ba­run­gen über­tra­gen, die, wie die Rah­men­ver­ein­ba­run­gen über Teil­zeit­ar­beit und über be­fris­te­te Ar­beits­verträge, aus ei­nem zwi­schen So zi­al­part­nern auf der Ebe­ne der Eu­ropäischen Uni­on geführ­ten Dia­log her­vor­ge­gan­gen und gemäß ih­rer je­wei­li­gen Rechts­grund­la­ge mit ei­ner Richt­li­nie des Ra­tes der Eu­ropäischen Uni­on durch­geführt wor­den sind, wo­durch sie in­te­gra­ler Be­stand­teil die­ser Richt­li­nie wer­den (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil Im­pact, Rand­nr. 58).

24

Auf der Grund­la­ge die­ser Erwägun­gen hat der Ge­richts­hof ins­be­son­de­re ent­schie­den, dass Pa­ra­graf 4 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau ist, um von ei­nem Ein­zel­nen vor ei­nem na­tio­na­len Ge­richt in An­spruch ge­nom­men wer­den zu können (vgl. Ur­teil Im­pact, Te­nor Nr. 2). Der Ge­richts­hof hat fer­ner klar­ge­stellt, dass Pa­ra­graf 4 Nr. 2 die­ser Rah­men­ver­ein­ba­rung le­dig­lich ei­ne der Kon­se­quen­zen her­vor­hebt, die sich ge­ge­be­nen­falls aus der An­wen­dung des Grund­sat­zes der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung zu­guns­ten be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer – un­ter et­wai­ger rich­ter­li­cher Kon­trol­le – er­ge­ben, oh­ne den Ge­halt die­ses Grund­sat­zes selbst in ir­gend­ei­ner Wei­se zu be­ein­träch­ti­gen (Ur­teil Im­pact, Rand­nr. 65).

25

Nach dem Vor­ste­hen­den und an­ge­sichts des Um­stands, dass die Pa­ra­gra­fen 4 der Rah­men­ver­ein­ba­run­gen über Teil­zeit­ar­beit und über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im We­sent­li­chen iden­tisch sind, ist fest­zu­stel­len, dass die vom na­tio­na­len Ge­richt be­nann­ten uni­ons­recht­li­chen Be­stim­mun­gen un­be­dingt und hin­rei­chend ge­nau sind, um von ei­nem Ein­zel­nen vor ei­nem na­tio­na­len Ge­richt in An­spruch ge­nom­men wer­den zu können.

26

Dem­nach ist das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zulässig.

Zur zwei­ten Fra­ge

27

Mit sei­ner zwei­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit, da­hin aus­zu­le­gen ist, dass es ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 55 Abs. 5 L-VBG ent­ge­gen­steht, nach der bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs in der Wei­se an­ge­passt wird, dass der von ei­nem Ar­beit­neh­mer, der von ei­ner Voll­zeit- zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung über­geht, in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­be­ne An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub re­du­ziert wird oder der Ar­beit­neh­mer die­sen Ur­laub nur mehr mit ei­nem ge­rin­ge­ren Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann.

28

In­so­weit ist ers­tens dar­an zu er­in­nern, dass nach ständi­ger Recht­spre­chung der An­spruch je­des Ar­beit­neh­mers auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub als ein be­son­ders be­deut­sa­mer Grund­satz des So­zi­al­rechts der Uni­on an­zu­se­hen ist, von dem nicht ab­ge­wi­chen wer­den darf und den die zuständi­gen na­tio­na­len Stel­len nur in den in der Richt­li­nie 93/104/EG des Ra­tes vom 23. No­vem­ber 1993 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (ABl. L 307, S. 18) selbst aus­drück­lich ge­zo­ge­nen Gren­zen um­set­zen dürfen (vgl. Ur­tei­le vom 26. Ju­ni 2001, BEC­TU, C-173/99, Slg. 2001, I-4881, Rand­nr. 43, vom 18. März 2004, Me­ri­no Gómez, C-342/01, Slg. 2004, I-2605, Rand­nr. 29, und vom 16. März 2006, Ro­bin­son-Stee­le u. a., C-131/04 und C-257/04, Slg. 2006, I-2531, Rand­nr. 48; zur Richt­li­nie 2003/88 vgl. Ur­tei­le vom 20. Ja­nu­ar 2009, Schultz-Hoff u. a., C-350/06 und C-520/06, Slg. 2009, I-179, Rand­nr. 22, und vom 10. Sep­tem­ber 2009, Vicen­te Pe­re­da, C-277/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 18).

29

Zwei­tens ist zu be­ach­ten, dass die­ser be­son­ders be­deut­sa­me Grund­satz des So­zi­al­rechts der Uni­on nicht re­strik­tiv aus­ge­legt wer­den darf (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 2009, Meerts, C-116/08, noch nicht in der amt­li­chen Samm­lung veröffent­licht, Rand­nr. 42).

30

Es steht zu­dem fest, dass mit dem An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub be­zweckt wird, es dem Ar­beit­neh­mer zu ermögli­chen, sich zu er­ho­len und über ei­nen Zeit­raum für Ent­span­nung und Frei­zeit zu verfügen (vgl. Ur­teil Schultz-Hoff u. a., Rand­nr. 25). Die­se Ru­he­zeit ver­liert ih­re Be­deu­tung, die sie im Hin­blick auf die po­si­ti­ve Wir­kung des be­zahl­ten Jah­res­ur­laubs für die Si­cher­heit und die Ge­sund­heit des Ar­beit­neh­mers hat, nicht da­durch, dass sie nicht im Be­zugs­zeit­raum, son­dern zu ei­ner späte­ren Zeit ge­nom­men wird (Ur­teil vom 6. April 2006, Fe­de­ra­tie Neder­land­se Vak­be­we­ging, C-124/05, Slg. 2006, I-3423, Rand­nr. 30).

31

Der Ar­beit­neh­mer muss nämlich nor­ma­ler­wei­se über ei­ne tatsächli­che Ru­he­zeit verfügen können, denn nur für den Fall, dass das Ar­beits­verhält­nis be­en­det wird, lässt Art. 7 Abs. 2 der Richt­li­nie 2003/88 zu, dass der An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub durch ei­ne fi­nan­zi­el­le Vergütung er­setzt wird (vgl. in die­sem Sin­ne zur Richt­li­nie 93/104 Ur­tei­le BEC­TU, Rand­nr. 44, und Me­ri­no Gómez, Rand­nr. 30).

32

Aus dem Vor­ste­hen­den folgt, dass die In­an­spruch­nah­me des Jah­res­ur­laubs zu ei­ner späte­ren Zeit als dem Be­zugs­zeit­raum in kei­ner Be­zie­hung zu der in die­ser späte­ren Zeit vom Ar­beit­neh­mer er­brach­ten Ar­beits­zeit steht. Folg­lich darf durch ei­ne Verände­rung, ins­be­son­de­re Ver­rin­ge­rung, der Ar­beits­zeit beim Über­gang von ei­ner Voll­zeit- zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung der An­spruch auf Jah­res­ur­laub, den der Ar­beit­neh­mer in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­ben hat, nicht ge­min­dert wer­den.

33

Im Übri­gen ist fest­zu­stel­len, dass der in Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit fest­ge­leg­te Pro-ra­ta-tem­po­ris-Grund­satz zwar auf die Gewährung des Jah­res­ur­laubs für ei­ne Zeit der Teil­zeit­beschäfti­gung an­zu­wen­den ist. Denn für die­se Zeit ist die Min­de­rung des An­spruchs auf Jah­res­ur­laub ge­genüber dem bei Voll­zeit­beschäfti­gung be­ste­hen­den An­spruch aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt. Hin­ge­gen kann die­ser Grund­satz nicht nachträglich auf ei­nen An­spruch auf Jah­res­ur­laub an­ge­wandt wer­den, der in ei­ner Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­ben wur­de.

34

Wenn schließlich we­der aus den ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2003/88 noch aus Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit der Schluss ge­zo­gen wer­den kann, dass ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung als ei­ne der Mo­da­litäten der Ausübung des An­spruchs auf Jah­res­ur­laub den teil­wei­sen Ver­lust ei­nes in ei­nem Be­zugs­zeit­raum er­wor­be­nen Ur­laubs­an­spruchs vor­se­hen dürf­te, ist gleich­wohl dar­an zu er­in­nern, dass dies nur gilt, wenn der Ar­beit­neh­mer tatsächlich nicht die Möglich­keit hat­te, die­sen An­spruch aus­zuüben (vgl. Ur­teil Vicen­te Pe­re­da, Rand­nr. 19).

35

Nach al­le­dem ist auf die zwei­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit im An­hang der Richt­li­nie 97/81 in der durch die Richt­li­nie 98/23 geänder­ten Fas­sung, da­hin aus­zu­le­gen ist, dass es ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 55 Abs. 5 L-VBG ent­ge­gen­steht, nach der bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs in der Wei­se an­ge­passt wird, dass der von ei­nem Ar­beit­neh­mer, der von ei­ner Voll­zeit- zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung über­geht, in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­be­ne An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, des­sen Ausübung dem Ar­beit­neh­mer während die­ser Zeit nicht möglich war, re­du­ziert wird oder der Ar­beit­neh­mer die­sen Ur­laub nur mehr mit ei­nem ge­rin­ge­ren Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann.

Zur drit­ten Fra­ge

36

Mit sei­ner drit­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 1 Abs. 2 lit. m L-VBG ent­ge­gen­steht, die vom An­wen­dungs­be­reich die­ses Ge­set­zes Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließt, die ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag mit ei­ner Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten ha­ben oder die nur fall­wei­se beschäftigt wer­den.

37

Vor­ab ist dar­an zu er­in­nern, dass das L-VBG in sei­ner bis zum 1. Fe­bru­ar 2009 gel­ten­den Fas­sung für Ar­beit­neh­mer galt, die in Voll­zeit, für die Dau­er von mehr als sechs Mo­na­ten oder in Teil­zeit mit ei­nem Aus­maß von mehr als 30 v. H. der Voll­zeit beschäftigt wa­ren.

38

In­fol­ge der in Rand­nr. 16 des vor­lie­gen­den Ur­teils erwähn­ten Ge­set­zesände­rung ge­nießen al­le Teil­zeit­beschäftig­ten eben­so wie die Voll­zeit­beschäftig­ten die vom L-VBG gewähr­ten Ansprüche in Be­zug auf Ent­loh­nung, Ein­stu­fung, An­er­ken­nung von Vor­dienst­zei­ten, Ur­laubs­an­spruch, Son­der­zah­lun­gen und Über­stun­den­zu­schlägen. Der Be­gründung zu dem Ge­set­zes­vor­ha­ben ist zu ent­neh­men, dass die­se Ände­rung im Hin­blick auf die Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit für er­for­der­lich ge­hal­ten wur­de.

39

Hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer mit be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen von höchs­tens sechs­mo­na­ti­ger Dau­er ein­sch­ließlich der nur fall­wei­se beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer mit Ar­beits­verträgen von nur eintägi­ger Dau­er, die vom An­wen­dungs­be­reich des L-VBG wei­ter­hin aus­ge­schlos­sen sind, ist fest­zu­stel­len, dass sie al­lein da­durch, dass sie die in die­sem Ge­setz gewähr­ten Ansprüche nicht ge­nießen, schlech­ter ge­stellt sind als Ar­beit­neh­mer mit un­be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag oder Teil­zeit­beschäftig­te.

40

In­so­weit ist klar­zu­stel­len, dass der Ge­nuss an­de­rer Rech­te, die sich nach den Ausführun­gen des Lan­des Ti­rol aus an­de­ren Ge­set­zen er­ge­ben sol­len, die für vom An­wen­dungs­be­reich des L-VBG aus­ge­schlos­se­ne Ar­beit­neh­mer gälten, ge­ge­be­nen­falls die Wir­kun­gen ih­rer sich aus die­sem Aus­schluss er­ge­ben­den Schlech­ter­stel­lung nur min­dern könn­te.

41

Es ist her­vor­zu­he­ben, dass nach Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge und gemäß dem Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag im Verhält­nis zu ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern mit un­be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag nur durch sach­li­che Gründe ge­recht­fer­tigt wer­den kann.

42

Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs ist der Be­griff „sach­li­che Gründe“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 5 Nr. 1 Buchst. a der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge da­hin zu ver­ste­hen, dass er ge­nau be­zeich­ne­te, kon­kre­te Umstände meint, die ei­ne be­stimm­te Tätig­keit kenn­zeich­nen und da­her in die­sem spe­zi­el­len Zu­sam­men­hang die Ver­wen­dung auf­ein­an­der­fol­gen­der be­fris­te­ter Ar­beits­verträge recht­fer­ti­gen können. Die­se Umstände können sich et­wa aus der be­son­de­ren Art der Auf­ga­ben, zu de­ren Erfüllung die­se Verträge ge­schlos­sen wor­den sind, und de­ren We­sens­merk­ma­len oder ge­ge­be­nen­falls aus der Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels durch ei­nen Mit­glied­staat er­ge­ben (Ur­tei­le vom 4. Ju­li 2006, Aden­eler u. a., C-212/04, Slg. 2006, I-6057, Rand­nrn. 69 und 70, und vom 13. Sep­tem­ber 2007, Del Cer­ro Alon­so, C-307/05, Slg. 2007, I-7109, Rand­nr. 53).

43

Ei­ne ent­spre­chen­de Aus­le­gung ist für den iden­ti­schen Be­griff „sach­li­che Gründe“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 4 Nr. 1 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ge­bo­ten (Ur­teil Del Cer­ro Alon­so, Rand­nr. 56).

44

Dem­nach ist der Be­griff „sach­li­che Gründe“ im Sin­ne die­ses Pa­ra­gra­fen so zu ver­ste­hen, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern und Dau­er­beschäftig­ten nicht da­mit ge­recht­fer­tigt wer­den kann, dass sie in ei­ner all­ge­mei­nen und abs­trak­ten Re­ge­lung vor­ge­se­hen ist. Viel­mehr muss die­se Un­gleich­be­hand­lung ei­nem ech­ten Be­darf ent­spre­chen und zur Er­rei­chung des ver­folg­ten Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich sein (Ur­teil Del Cer­ro Alon­so, Rand­nrn. 57 und 58).

45

Das Land Ti­rol ist in­so­weit der Auf­fas­sung, dass die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der in § 1 Abs. 2 lit. m L-VBG ge­nann­ten Ar­beit­neh­mer aus sach­li­chen Gründen der spar­sa­men Per­so­nal­be­wirt­schaf­tung ge­recht­fer­tigt sei. Die öster­rei­chi­sche Re­gie­rung macht gel­tend, dass es sich äußerst ver­wal­tungs­auf­wen­dig und schwie­rig ge­stal­te­te, über den Be­darf hin­aus Dau­er­dienst­pos­ten zu schaf­fen, um Beschäfti­gungs­verhält­nis­se für Per­so­nen­grup­pen an­zu­bie­ten, für die ein auf Dau­er an­ge­leg­tes Dienst­verhält­nis von vorn­her­ein nicht in Fra­ge kom­me. Da­mit wäre die Ver­fol­gung ei­nes le­gi­ti­men ar­beits­markt- und so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels nicht mehr möglich.

46

Die­ses Vor­brin­gen ver­mag je­doch nicht durch­zu­grei­fen. Zum ei­nen nämlich gehört die spar­sa­me Per­so­nal­be­wirt­schaf­tung zu Haus­halts­erwägun­gen, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung nicht recht­fer­ti­gen können (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 23. Ok­to­ber 2003, Schönheit und Be­cker, C-4/02 und C-5/02, Slg. 2003, I-12575, Rand­nr. 85). Zum an­de­ren weist die Eu­ropäische Kom­mis­si­on zu Recht dar­auf hin, dass der Zweck von Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se nicht not­wen­dig dar­in liegt, un­be­fris­te­te Beschäfti­gungs­verhält­nis­se zu schaf­fen.

47

Dem­nach ist Pa­ra­graf 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70 da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 1 Abs. 2 lit. m L-VBG ent­ge­gen­steht, die vom An­wen­dungs­be­reich die­ses Ge­set­zes Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließt, die ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag mit ei­ner Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten ha­ben oder die nur fall­wei­se beschäftigt wer­den.

Zur vier­ten Fra­ge

48

Mit sei­ner vier­ten Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt wis­sen, ob das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Art. 14 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/54, da­hin aus­zu­le­gen ist, dass es ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 60 Satz 3 L-VBG ent­ge­gen­steht, nach der Ar­beit­neh­mer, und zwar im We­sent­li­chen Ar­beit­neh­me­rin­nen, die ih­ren An­spruch auf El­tern­ur­laub von zwei Jah­ren in An­spruch neh­men, im An­schluss an die­sen El­tern­ur­laub Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ver­lie­ren, die sie im Jahr vor der Ge­burt ih­res Kin­des er­wor­ben ha­ben.

49

Da­zu ist zu be­mer­ken, dass das vor­le­gen­de Ge­richt sei­ne Fra­ge zwar ih­rer Form nach auf die Aus­le­gung von Art. 14 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/54 be­schränkt hat, dies aber den Ge­richts­hof nicht dar­an hin­dert, dem vor­le­gen­den Ge­richt un­abhängig da­von, wor­auf es in sei­ner Fra­ge Be­zug ge­nom­men hat, al­le Hin­wei­se zur Aus­le­gung des Uni­ons­rechts zu ge­ben, die die­sem bei der Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Ver­fah­rens von Nut­zen sein können (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 29. April 2004, Wei­gel, C-387/01, Slg. 2004, I-4981, Rand­nr. 44, und vom 21. Fe­bru­ar 2006, Rit­ter-Cou­lais, C-152/03, Slg. 2006, I-1711, Rand­nr. 29).

50

Da­her ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub, der von dem Ein­zel­nen vor ei­nem na­tio­na­len Ge­richt gel­tend ge­macht wer­den kann (vgl. Ur­teil Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, Nr. 1 des Te­nors), die Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer zu Be­ginn des El­tern­ur­laubs er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben, bis zum En­de des El­tern­ur­laubs be­ste­hen blei­ben und im An­schluss an die­sen An­wen­dung fin­den.

51

So­wohl aus dem Wort­laut die­ses Pa­ra­gra­fen 2 Nr. 6 als auch aus dem Kon­text, in den er sich einfügt, er­gibt sich, dass der Zweck die­ser Be­stim­mung dar­in be­steht, zu ver­hin­dern, dass aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­te Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer er­wor­ben hat oder da­bei ist zu er­wer­ben und über die er zum Zeit­punkt des An­tritts ei­nes El­tern­ur­laubs verfügt, ver­lo­ren ge­hen oder verkürzt wer­den, und zu gewähr­leis­ten, dass sich der Ar­beit­neh­mer im An­schluss an den El­tern­ur­laub im Hin­blick auf die­se Rech­te in der­sel­ben Si­tua­ti­on be­fin­det wie vor die­sem Ur­laub (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le Gómez-Limón Sánchez-Ca­ma­cho, Rand­nr. 39, und Meerts, Rand­nr. 39).

52

Die Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub ist nämlich an den grund­le­gen­den Zie­len aus­ge­rich­tet, die in der die Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en be­tref­fen­den Nr. 16 der Ge­mein­schafts­char­ta der so­zia­len Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer, auf die in der Rah­men­ver­ein­ba­rung ver­wie­sen und die auch in Art. 136 EG erwähnt wird, fest­ge­schrie­ben sind und im Zu­sam­men­hang mit der Ver­bes­se­rung der Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen so­wie dem Vor­han­den­sein ei­nes an­ge­mes­se­nen so­zia­len Schut­zes der Ar­beit­neh­mer ste­hen, hier der­je­ni­gen, die El­tern­ur­laub be­an­tragt oder ge­nom­men ha­ben (vgl. Ur­teil Meerts, Rand­nr. 37).

53

Aus den Zie­len der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub er­gibt sich, dass die Wen­dung „Rech­te, die der Ar­beit­neh­mer … er­wor­ben hat­te oder da­bei war zu er­wer­ben“ im Sin­ne von Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung al­le un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­ten Rech­te und Vor­tei­le hin­sicht­lich Bar- oder Sach­leis­tun­gen er­fasst, auf die der Ar­beit­neh­mer bei An­tritt des El­tern­ur­laubs ei­nen An­spruch ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber hat (vgl. Ur­teil Meerts, Rand­nr. 43).

54

Der An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, der, wie in Rand­nr. 28 des vor­lie­gen­den Ur­teils in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wor­den ist, be­son­ders be­deut­sam ist, gehört zwei­fels­frei zu den un­mit­tel­bar aus dem Ar­beits­verhält­nis ab­ge­lei­te­ten Rech­ten je­des Ar­beit­neh­mers gleich wel­chen Ge­schlechts.

55

Da dies un­abhängig von ih­rem Ge­schlecht für al­le Ar­beit­neh­mer gilt, die ih­ren An­spruch auf El­tern­ur­laub von zwei Jah­ren in An­spruch neh­men, ist Art. 14 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2006/54 nicht aus­zu­le­gen.

56

Dem­nach ist auf die vier­te Fra­ge zu ant­wor­ten, dass Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub im An­hang der Richt­li­nie 96/34 in der durch die Richt­li­nie 95/75 geänder­ten Fas­sung da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 60 Satz 3 L-VBG ent­ge­gen­steht, nach der Ar­beit­neh­mer, die ih­ren An­spruch auf El­tern­ur­laub von zwei Jah­ren in An­spruch neh­men, im An­schluss an die­sen El­tern­ur­laub Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ver­lie­ren, die sie im Jahr vor der Ge­burt ih­res Kin­des er­wor­ben ha­ben.

Kos­ten

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Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren Teil des bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Ver­fah­rens; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Ers­te Kam­mer) für Recht er­kannt:

1. Das ein­schlägi­ge Uni­ons­recht, ins­be­son­de­re Pa­ra­graf 4 Nr. 2 der am 6. Ju­ni 1997 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit im An­hang der Richt­li­nie 97/81/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit in der durch die Richt­li­nie 98/23/EG des Ra­tes vom 7. April 1998 geänder­ten Fas­sung, ist da­hin aus­zu­le­gen, dass es ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 55 Abs. 5 des Ge­set­zes vom 8. No­vem­ber 2000 über das Dienst­recht der Ver­trags­be­diens­te­ten des Lan­des Ti­rol in sei­ner bis zum 1. Fe­bru­ar 2009 gel­ten­den Fas­sung ent­ge­gen­steht, nach der bei ei­ner Ände­rung des Beschäfti­gungs­aus­maßes ei­nes Ar­beit­neh­mers das Aus­maß des noch nicht ver­brauch­ten Er­ho­lungs­ur­laubs in der Wei­se an­ge­passt wird, dass der von ei­nem Ar­beit­neh­mer, der von ei­ner Voll­zeit- zu ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung über­geht, in der Zeit der Voll­zeit­beschäfti­gung er­wor­be­ne An­spruch auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub, des­sen Ausübung dem Ar­beit­neh­mer während die­ser Zeit nicht möglich war, re­du­ziert wird oder der Ar­beit­neh­mer die­sen Ur­laub nur mehr mit ei­nem ge­rin­ge­ren Ur­laubs­ent­gelt ver­brau­chen kann.

2. Pa­ra­graf 4 der am 18. März 1999 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 1 Abs. 2 lit. m des Ge­set­zes vom 8. No­vem­ber 2000 über das Dienst­recht der Ver­trags­be­diens­te­ten des Lan­des Ti­rol in sei­ner bis zum 1. Fe­bru­ar 2009 gel­ten­den Fas­sung ent­ge­gen­steht, die vom An­wen­dungs­be­reich die­ses Ge­set­zes Ar­beit­neh­mer aus­sch­ließt, die ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag mit ei­ner Dau­er von höchs­tens sechs Mo­na­ten ha­ben oder die nur fall­wei­se beschäftigt wer­den.

3. Pa­ra­graf 2 Nr. 6 der am 14. De­zem­ber 1995 ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über den El­tern­ur­laub im An­hang der Richt­li­nie 96/34/EG des Ra­tes vom 3. Ju­ni 1996 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über El­tern­ur­laub in der durch die Richt­li­nie 97/75/EG des Ra­tes vom 15. De­zem­ber 1997 geänder­ten Fas­sung ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Be­stim­mung wie § 60 Satz 3 des Ge­set­zes vom 8. No­vem­ber 2000 über das Dienst­recht der Ver­trags­be­diens­te­ten des Lan­des Ti­rol in sei­ner bis zum 1. Fe­bru­ar 2009 gel­ten­den Fas­sung ent­ge­gen­steht, nach der Ar­beit­neh­mer, die ih­ren An­spruch auf El­tern­ur­laub von zwei Jah­ren in An­spruch neh­men, im An­schluss an die­sen El­tern­ur­laub Ansprüche auf be­zahl­ten Jah­res­ur­laub ver­lie­ren, die sie im Jahr vor der Ge­burt ih­res Kin­des er­wor­ben ha­ben.

Un­ter­schrif­ten

* Ver­fah­rens­spra­che: Deutsch.

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu

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