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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung, Selbstbeurlaubung, Abmahnung
   
Gericht: Arbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 10 BV 253/15
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 10.03.2016
   
Leit­sätze:

1.Ein frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied kann sich sei­ne Ar­beits­zeit nicht frei ein­tei­len, son­dern ist an die im Be­trieb übli­chen Ar­beits­zei­ten ge­bun­den. Be­sucht er trotz feh­len­der Ge­neh­mi­gung sei­nes Vor­ge­setz­ten ei­ne zweitägi­ge, ge­werk­schaft­li­che Schu­lungs­ver­an­stal­tung, ver­letzt es da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten.

2.Ei­ne in die­sem Fall be­ab­sich­tig­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Be­triebs­rats­mit­glieds er­weist sich bei ei­nem seit 15 Jah­ren beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung als un­verhält­nismäßig, wenn die Ar­beit­ge­be­rin bei ei­nem ver­gleich­ba­ren Ver­s­toß des­sel­ben Be­triebs­rats­mit­glieds in der Ver­gan­gen­heit noch nicht ein­mal ei­ne Ab­mah­nung aus­ge­spro­chen hat.

3.Der Aus­schluss ei­nes Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus dem Be­triebs­rat we­gen gro­ber Ver­let­zung sei­ner ge­setz­li­chen Pflich­ten nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG setzt vor­aus, dass die Ar­beit­ge­be­rin nach­wei­sen kann, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de bei den be­haup­te­ten Pflicht­verstößen nicht nur gemäß § 26 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG den Be­triebs­rat im Rah­men sei­ner von ihm mehr­heit­lich ge­fass­ten Be­schlüsse ver­tritt.

Vor­ins­tan­zen:
   

Te­nor: Die Anträge wer­den zurück­ge­wie­sen.

Gründe:

I. 

Die An­trag­stel­le­rin (im Fol­gen­den: Ar­beit­ge­be­rin) be­treibt ei­ne Gießerei in N. und beschäftigt der­zeit ca. 1050 Ar­beit­neh­mer. Sie ist Mit­glied im Ar­beit­ge­ber­ver­band der Me­tall­in­dus­trie von Wup­per­tal und Nie­der­berg e.V. Der Be­tei­lig­te zu 3. ist der bei der Ar­beit­ge­be­rin ge­bil­de­te fünf­zehnköpfi­ge Be­triebs­rat (im Fol­gen­den: Be­triebs­rat), des­sen Vor­sit­zen­der der Be­tei­lig­te zu 2. (im Fol­gen­den: Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der) ist. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ist am 15. De­zem­ber 1978 ge­bo­ren, seit dem 24. Ju­li 2000 bei der Ar­beit­ge­be­rin beschäftigt und ver­dient zu­letzt 5.279,26 Eu­ro brut­to. Er ist ver­hei­ra­tet und hat drei un­ter­halts­be­rech­tig­te Kin­der. Gemäß § 38 Be­trVG ist er von der Ar­beit frei­ge­stellt. Die Ar­beit­ge­be­rin be­gehrt vom Be­triebs­rat des­sen Zu­stim­mung zur frist­lo­sen Kündi­gung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den we­gen des Vor­wurfs der ei­genmäch­ti­gen
Selbst­be­ur­lau­bung, hilfs­wei­se des­sen Aus­schluss aus dem Be­triebs­rat, ins­be­son­de­re we­gen un­zulässi­ger Kopp­lungs­geschäfte so­wie ei­ner rechts­wid­ri­gen Blo­cka­de­hal­tung.

Der auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit auf das Ar­beits­verhält­nis des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den an­wend­ba­re ein­heit­li­che Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Me­tall-und Elek­tro­in­dus­trie Nord­rhein-West­fa­lens vom 18. De­zem­ber 2003 (im Fol­gen­den: EMTV) be­stimmt zur Ar­beits­zeit un­ter an­de­rem:

§ 3 Dau­er der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit/Aus­bil­dungs­zeit 1.Die ta­rif­li­che re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit oh­ne Pau­sen beträgt 35 6
St­un­den.

[...] 

§ 4 Ver­tei­lung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit/Aus­bil­dungs­zeit 

1.Die in­di­vi­du­el­le re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit so­wie die re­gelmäßige wöchent­li­che Aus­bil­dungs­zeit können gleichmäßig oder un­gleichmäßig grundsätz­lich auf 5 Werk­ta­ge von Mon­tag bis Frei­tag ver­teilt wer­den.

Ei­ne da­von ab­wei­chen­de Re­ge­lung kann nach Maßga­be der be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­se un­ter an­ge­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung der Be­lan­ge der be­trof­fe­nen Beschäftig­ten mit dem Be­triebs­rat ver­ein­bart wer­den. Da­bei sol­len die ein­zel­nen Beschäftig­ten in der Re­gel an nicht mehr als 5 Werk­ta­gen in der Wo­che beschäftigt wer­den.

Die in­di­vi­du­el­le re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit kann auch un­gleichmäßig auf meh­re­re Wo­chen ver­teilt wer­den. Sie muss je­doch im Durch­schnitt von längs­tens 6 Mo­na­ten er­reicht wer­den.

Bei der Ar­beit­ge­be­rin wird in der Gießerei seit Jahr­zehn­ten im Drei-Schicht­be­trieb ge­ar­bei­tet. Fer­ner herrscht seit Jahr­zehn­ten die ge­leb­te Pra­xis, dass die Ar­beit­ge­be­rin dem Be­triebs­rat im Rah­men so ge­nann­ter mo­nat­li­cher Ar­beits­zeit­anträge die für den Fol­ge­mo­nat ge­plan­ten Ar­beits­zei­ten noch­mals ge­son­dert mit­ge­teilt und mit dem Be­triebs­rat ver­ein­bart, da­mit ins­be­son­de­re Ände­run­gen oder Ergänzun­gen zu den Ar­beits­zei­ten ord­nungs­gemäß mit­be­stimmt wer­den. Am 16. Ju­ni bzw. 17. Ju­ni 2015 trat der Gießer­ei­lei­ter Herr T. an den Be­triebs­rat her­an und be­an­trag­te in ge­wohn­ter Form die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu Mehr­ar­beit für die Ka­len­der­wo­che 27 und ins­be­son­de­re den Ju­li 2015 in Form von Son­der­schich­ten am Wo­chen­en­de, die kurz­zei­ti­ge Erhöhung der Ar­beits­zeit auf neun St­un­den täglich an zwei Fer­ti­gungs­li­ni­en so­wie die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern an den Wo­chen­en­den mit War­tungstätig­kei­ten.

Der An­trag wur­de auf die Ta­ges­ord­nung der Be­triebs­rats­sit­zung vom 24. Ju­ni 2015 ge­setzt. Während der Be­triebs­rats­sit­zung be­ga­ben sich der Per­so­nal­lei­ter Herr N., der Lei­ter Be­ar­bei­tung Herr C. so­wie die Ju­ris­tin Frau L. in das Be­triebs­ratsbüro und bo­ten an, Fra­gen des Be­triebs­rats hin­sicht­lich der Ar­beits­zei­ten zu klären. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de führ­te aus, dass es um Fra­gen zu den Ar­beits­zei­ten für Ju­li 2015 so­wie da­mit zu­sam­menhängend auch um die Fra­ge ge­he, ob die Mit­ar­bei­ter ih­re Nach­zah­lungs­ansprüche nach dem Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men ab 2011
ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin schrift­lich gel­tend ma­chen müss­ten. Hin­ter­grund ist, dass bei der Ar­beit­ge­be­rin das Ent­gelt­rah­men­ab­kom­men der Me­tall-und Elek­tro­in­dus­trie gilt und nach Ab­schluss der größten ERA- Ei­ni­gungs­stel­le in Nord­rhein-West­fa­len Nach­zah­lungs­ansprüche der Beschäftig­ten in Mil­lio­nenhöhe im Raum ste­hen. Die Ar­beit­ge­be­rin hat­te sich in­so­weit vor­be­hal­ten, hin­sicht­lich die­ser Nach­zah­lungs­ansprüche der Mit­ar­bei­ter durch den Ar­beit­ge­ber­ver­band über­prüfen zu las­sen, ob die­se mögli­cher­wei­se nach ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten ver­fal­len sind.
Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de wies dar­auf hin, dass die Re­ge­lung der Ar­beits­zei­ten ge­ge­be­nen­falls so lan­ge war­ten müsse, bis hin­sicht­lich der Aus­schluss­fris­ten Klar­heit herr­sche. Der Be­triebs­rat müsse Prio­ritäten set­zen. Erst wenn die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne ein­sei­ti­ge und vor­be­halts­lo­se Ver­zichts­erklärung bezüglich der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten hin­sicht­lich der ERA-Nach­zah­lung un­ter­schrei­ben wer­de, könne der Be­triebs­rat sich um die Ar­beits­zei­ten kümmern. An­sons­ten wer­de der Be­triebs­rat kurz­fris­tig ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung or­ga­ni­sie­ren, in der die Mit­ar­bei­ter dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den müss­ten, dass sie ih­re Ansprüche schrift­lich gel­tend ma­chen müssen. Der Be­triebs­rat be­schloss in sei­ner Sit­zung vom 24. Ju­ni 2015 ein­stim­mig den Ta­ges­ord­nungs­punkt "Mehr­ar­beit" auf den 25. Ju­ni 2015 zu ver­ta­gen. In sei­ner Sit­zung vom 25. Ju­ni 2015 be­schloss der Be­triebs­rat mit 12 Ja-Stim­men und ei­ner Ent­hal­tung den Ta­ges­ord­nungs­punkt auf die Sit­zung vom 1. Ju­li 2015 zu ver­schie­ben.

Die Ar­beit­ge­be­rin erklärte mit E-Mail vom 29. Ju­ni 2015 die Ver­hand­lun­gen über die Ar­beits­zei­ten für ge­schei­tert und kündig­te an, den Ar­beit­ge­ber­ver­band mit der Or­ga­ni­sa­ti­on des ta­rif­li­chen Vor­gesprächs für ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le zu be­auf­tra­gen (§ 24 EMTV). Frau N. vom Ar­beit­ge­ber­ver­band te­le­fo­nier­te so­dann am 30. Ju­ni 2015 mit dem 1. Be­vollmäch­tig­ten der IG Me­tall Vel­bert, Herrn N., der Frau N. un­miss­verständ­lich mit­teil­te, dass zunächst die An­ge­le­gen­heit der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten be­rei­nigt wer­den müss­te, erst da­nach könne man über die Ar­beits­zei­ten re­den. In der Sit­zung vom 1. Ju­li 2015 be­schloss der Be­triebs­rat mit 13 Ja-Stim­men und ei­ner Nein-Stim­me den Ta­ges­ord­nungs­punkt "Mehr­ar­beit Ju­li 2015" auf den 8. Ju­li 2015 zu ver­schie­ben. Sch­ließlich be­schloss der Be­triebs­rat in sei­ner Sit­zung am 8. Ju­li 2015 ein­stim­mig den Ta­ges­ord­nungs­punkt auf die Sit­zung vom 15. Ju­li 2015 zu ver­ta­gen.

Am 2. Ju­li 2015 be­raum­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de für den 9. Ju­li 2015 ei­ne zusätz­li­che Be­triebs­ver­samm­lung an. Der ein­zi­ge Ta­ges­ord­nungs­punkt lau­te­te "ERA- Gel­tend­ma­chung: Nicht Nach­zah­lung des Ent­gel­tes durch den Ar­beit­ge­ber vom 1. Mai 2011 bis 31. De­zem­ber 2014". In dem ta­rif­li­chen Vor­gespräch am 7. Ju­li 2015 ga­ben die Ver­tre­ter der Ar­beit­ge­be­rin dem Druck des Be­triebs­ra­tes und der IG Me­tall nach und ver­zich­te­ten auf die Gel­tend­ma­chung jeg­li­cher Ver­fall­fris­ten. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ver­lang­te von der Ar­beit­ge­be­rin ei­nen im Ori­gi­nal von dem Geschäftsführer un­ter­zeich­ne­ten Aus­hang. Zu­vor wer­de der Be­triebs­rat nicht über die Fra­ge der Mehr­ar­beit ent­schei­den. Der Aus­hang er­folg­te so­dann am 8. Ju­li 2015.

Am 9. Ju­li 2015 be­an­trag­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Bil­dungs­ur­laub für ein Se­mi­nar mit dem In­halt "Re­fe­ren­ten­qua­li­fi­zie­rung" im Zeit­raum vom 6. Sep­tem­ber bis 18. Sep­tem­ber 2015. Hier­auf teil­te der Per­so­nal­lei­ter Herr N. dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den mit, dass dem An­trag nicht ent­spro­chen wer­den könne, da ein Vor­griff auf den Bil­dungs­ur­laub 2016 recht­lich nicht möglich sei. Mit E-Mail vom 1. Sep­tem­ber 2015 bat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Herrn N. dar­um, die Maßnah­me doch be­su­chen zu dürfen. Er wol­le teil­wei­se Zeit­gut­ha­ben ein­set­zen und teil­wei­se un­be­zahl­ten Ur­laub in An­spruch neh­men. Ob­wohl ei­ne Ge­neh­mi­gung durch den Per­so­nal­lei­ter Herrn N. nicht er­folg­te, be­such­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de das Bil­dungs­se­mi­nar.

Der Per­so­nal­lei­ter der Ar­beit­ge­be­rin Herr N. teil­te den frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­dern mit E-Mail vom 13. Au­gust 2015 u.a. fol­gen­des mit:

"Da Sie ja von Ih­rer be­ruf­li­chen Tätig­keit frei­ge­stellt sind und Sie des­halb von den Fach­ab­tei­lun­gen man­gels Verfügbar­keit für die Dau­er ih­rer Frei­stel­lung auch nicht mehr ein­ge­plant wer­den, macht ei­ne In­for­ma­ti­on der Fach­ab­tei­lun­gen über et­wai­ge Ab­we­sen­hei­ten kei­nen Sinn. Da­her bit­ten wir ab so­fort Ih­re Ur­laubs­pla­nung mit mir ab­zu­stim­men, bzw. mir in­so­weit auch et­wai­ge sons­ti­gen Ab­we­sen­hei­ten (z.B. Er­kran­kung) mit­zu­tei­len."

Hin­ter­grund die­ses Schrei­bens ist, dass in der Ver­gan­gen­heit die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der Ur­lau­be und Frei­stel­lun­gen al­len­falls un­ter­ein­an­der, aber zu kei­nem Zeit­punkt mit ei­nem Vor­ge­setz­ten ab­ge­stimmt hat­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin hat­te in­so­weit lan­ge Zeit kein Pro­blem­be­wusst­sein, da man sich kei­ne Ge­dan­ken da­zu ge­macht hat­te, bei wem ei­gent­lich die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der ih­re Ab­we­sen­hei­ten be­an­tra­gen sol­len.

Am 1. Ok­to­ber 2015 schrieb der Per­so­nal­lei­ter Herr N. dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den so­dann un­ter an­de­rem fol­gen­des:

"Mit E-Mail vom 13.8.2015, 13:38 Uhr ha­be ich dar­um ge­be­ten, dass die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der zukünf­tig ih­re Ur­laubs­pla­nung mit mir ab­stim­men bzw. zu­min­dest die ent­spre­chen­den Ab­we­sen­heits­zei­ten mit­tei­len mögen.

Dies ist je­doch nicht ge­sche­hen, die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der gewähren sich selbst wei­ter­hin Er­ho­lungs­ur­laub/Frei­zeit­aus­gleich und so­gar un­be­zahl­ten Ur­laub oh­ne jeg­li­che Ab­stim­mung mit dem Un­ter­zeich­ner. Es ist be­dau­er­lich, dass hier er­neut ein (aus un­se­rer Sicht ver­meid­ba­rer) Kon­flikt droht.

[...]

Wir bit­ten sie fer­ner er­neut um Kennt­nis­nah­me, dass wir auch bei sons­ti­gen Ab­we­sen­hei­ten wie gewünsch­tem FMA-Frei­zeit­aus­gleich, un­be­zahl­ter Ur­laub oder Son­der­ur­laub zukünf­tig ver­lan­gen, dass die­ser bei uns an­ge­mel­det und zeit­lich ab­ge­stimmt wird. Ob­wohl Sie, Herr F. sich über mei­ne ein­deu­ti­ge Auf­for­de­rung mit E-Mail vom 13.8.2015 er­neut hin­weg­ge­setzt ha­ben, in­dem sie für den Zeit­raum 07.09.-11.09. ei­genmäch­tig FMA-St­un­den ein­set­zen ließen und vom 14.-18.09.2015 un­be­zahl­ten Ur­laub nah­men, ob­wohl ich die­se Vor­ge­hens­wei­se noch nicht ge­neh­migt hat­te, wer­den wir letzt­ma­lig da­von ab­se­hen, die bei­den Zeiträume als un­ent­schul­dig­tes Feh­len zu wer­ten und nicht zu vergüten.

Soll­ten sie nicht bis zum 14.10.2015 ge­genüber dem Un­ter­zeich­ner bestätigt ha­ben, dass zukünf­tig Ur­laubswünsche (und Wunsch auf FMA-Frei­zeit­aus­gleich) der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der beim Un­ter­zeich­ner an­ge­mel­det wer­den, so wer­den wir im Jahr 2016 auf An­wen­dung der BV 01/03 auch auf die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der be­ste­hen."

Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de be­an­trag­te mit E-Mail vom 8. Ok­to­ber 2015 beim Per­so­nal­lei­ter der Ar­beit­ge­be­rin Herrn N. ei­ne un­be­zahl­te Frei­stel­lung für den Zeit­raum vom 14. Ok­to­ber bis 16. Ok­to­ber 2015 we­gen ei­ner ge­werk­schaft­li­chen Wei­ter­bil­dungs­maßnah­me. Herr N. teil­te dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den durch E-Mail vom 12. Ok­to­ber 2015 (10:45 Uhr) mit, dass der Wunsch auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung et­was kurz­fris­tig sei. Fer­ner wies er dar­auf hin, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se ei­nem Frei­stel­lungs­wunsch ent­ge­genstünden. So hat er den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den in­for­miert, dass noch ei­ne no­ta­ri­el­le Löschungs­be­wil­li­gung für das vom N. ge­tilg­te Dar­le­hen vor­ge­nom­men wer­den müsse und zur Wirt­schafts­aus­schuss­sit­zung vom 21. Sep­tem­ber 2015 im­mer noch kein Pro­to­koll vor­lie­ge. Soll­ten bei­de Punk­te bis zum 13. Ok­to­ber 2015 er­le­digt sein, könne der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de für die drei Ta­ge frei be­kom­men, dann aber mit Ver­brauch von et­waig vor­han­de­nem Zeit­gut­ha­ben oder Ur­laub. Ei­ne St­un­de später schrieb der Per­so­nal­lei­ter Herr N. dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ei­ne wei­te­re E-Mail mit fol­gen­dem In­halt:

Hal­lo Herr F.

Herr Q. hat mir ih­ren am 08.10.15 ein­ge­reich­ten An­trag auf AN-Wei­ter­bil­dung vor­ge­legt. Wir bit­ten um Verständ­nis, dass wir ein­mal im Hin­blick auf noch ver­schie­de­ne of­fe­ne The­men wie z.B. zu ERA, BV Nicht­rau­cher­schutz, der Be­stel­lung von Herrn G. als wei­te­re Si­Fa etc., vor al­lem aber des­halb weil die im AWbG NRW fest­ge­leg­te An­trags­frist vor Be­ginn ei­ner Maßnah­me (6 Wo­chen) nicht ein­ge­hal­ten wor­den ist, ih­rem An­trag nicht ent­spre­chen können.

Am Nach­mit­tag des 13. Ok­to­ber 2015 führ­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ein Te­le­fo­nat mit dem Lei­ter der Be­triebs­tech­nik Herrn S., sei­nem ehe­ma­li­gen Fach­vor­ge­setz­ten, der sich in Leip­zig be­fand. Der In­halt die­ses Gesprächs ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­tig. Un­strei­tig ist in­des, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Herrn S. mit­teil­te, dass Herr N. den Ur­laub mit der Be­gründung ab­ge­lehnt ha­be, es sei Be­triebs­rats­ar­beit zu er­le­di­gen.

Im An­schluss an das Te­le­fo­nat bat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Herrn N. per E-Mail, ihm hin­sicht­lich der no­ta­ri­el­len Löschungs­be­wil­li­gung kurz­fris­tig al­le Un­ter­la­gen, auch Ar­chi­v­un­ter­la­gen der Un­terstützungs­ein­rich­tung zur Verfügung zu stel­len, da­mit er sich persönlich ein Bild ma­chen könne. Hin­sicht­lich der Wirt­schafts­aus­schuss­sit­zung wies der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de dar­auf hin, dass das Pro­to­koll erst bei der nächs­ten Wirt­schafts­aus­schuss­sit­zung be­schlos­sen und un­ter­schrie­ben wer­den könne. Dies sei am 19. Ok­to­ber 2015. Das Pro­to­koll sei übri­gens nicht an sei­ne Per­son ge­bun­den. Ab­sch­ließend teil­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Herrn N. fol­gen­des mit:

"Mei­ne Frei­stel­lungswünsche ha­be ich we­der in der Ver­gan­gen­heit noch wer­de ich die­se in der Zu­kunft von Ih­nen ge­neh­mi­gen las­sen. Da ich nur von der Ar­beit frei­ge­stellt bin, ist mein ehe­ma­li­ger Vor­ge­setz­ter dafür zuständig. Nach Rück­spra­che mit Herrn S. ha­be ich die Ge­neh­mi­gung am 15. und 16. Ok­to­ber für ei­ne un­be­zahl­te Frei­stel­lung be­kom­men."

Herr N. ant­wor­te­te hier­auf mit E-Mail vom 14. Ok­to­ber 2015 (15:46 Uhr), dass es völlig ir­re­le­vant sei, wie Herr S. zu dem Frei­stel­lungs­wunsch ste­he. Er wies ins­be­son­de­re dar­auf hin, dass er be­reits mehr­fach per E-Mail mit­ge­teilt ha­be, dass in Fra­gen der Ur­laubs­gewährung der Lei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung Herr N. der An­sprech­part­ner des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den sei. Dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den wur­de noch­mals aus­drück­lich mit­ge­teilt, dass die von ihm gewünsch­te un­be­zahl­te Frei­stel­lung aus­drück­lich nicht ge­neh­migt wer­de. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de wur­de ge­warnt, die un­be­zahl­te Frei­stel­lung oh­ne aus­drück­li­che Ge­neh­mi­gung an­zu­tre­ten. Wenn er die Ver­an­stal­tung den­noch be­su­chen wer­de, so würde dies Kon­se­quen­zen ha­ben. Die­se E-Mail las der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de am 14. Ok­to­ber 2015 nicht mehr, da sie nach Be­en­di­gung sei­ner Ar­beits­zeit ein­ging.

Von Mon­tag, dem 12. Ok­to­ber 2015 bis Mitt­woch, den 14. Ok­to­ber 2015 ar­bei­te­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de aus­weis­lich der vom Be­triebs­rat zu den Ak­ten ge­reich­ten Ar­beits­zeit­er­fas­sung (Bl. 685 der Ak­te) je­weils 7 St­un­den. Am 15. und 16. Ok­to­ber 2015 nahm der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de gemäß sei­ner Ankündi­gung an der Ge­werk­schafts­ver­an­stal­tung teil und er­schien nicht im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin. Dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den wur­de mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2015 Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me bis zum 23. Ok­to­ber 2015 ge­ge­ben, wo­von der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de mit E-Mail vom 23. Ok­to­ber 2015 Ge­brauch mach­te. Mit Schrei­ben vom 23. Ok­to­ber 2015 hörte die Ar­beit­ge­be­rin den Be­triebs­rat zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten außer­or­dent­li­chen frist­lo­sen Kündi­gung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den an. Sie ergänz­te ih­re Ausführun­gen mit Schrei­ben vom 26. Ok­to­ber 2015. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die bei­den Schrei­ben (Bl. 173 ff. der Ak­te) Be­zug ge­nom­men. Der Be­triebs­rat ver­wei­ger­te die Zu­stim­mung zu der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung.

Mit ih­ren am 30. Ok­to­ber 2015 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Anträgen be­gehrt die Ar­beit­ge­be­rin die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur außer­or­dent­li­chen, frist­lo­sen Kündi­gung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den, hilfs­wei­se des­sen Aus­schluss aus dem Be­triebs­rat.

Sie ist der Auf­fas­sung, dass die ei­genmäch­ti­ge Selbst­be­ur­lau­bung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ge­eig­net sei, ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu recht­fer­ti­gen. Dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den sei be­kannt ge­we­sen, dass der Ur­laubs­an­trag beim Per­so­nal­lei­ter zu stel­len sei. Die Frei­stel­lung sei von Herrn N. aus­drück­lich ver­sagt wor­den. Herr S. ha­be die Frei­stel­lung auch nicht ge­neh­migt. Er ha­be dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den emp­foh­len, die von Herrn N. ge­nann­ten Auf­ga­ben ab­zu­ar­bei­ten und sich le­dig­lich da­hin­ge­hend geäußert, dass er persönlich ihn an die­sen bei­den Ta­gen nicht brau­che. Im Übri­gen sei dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auch be­kannt ge­we­sen, dass Herr S. für Fra­gen der Frei­stel­lung bzw. Ur­laubs­gewährung nicht mehr zuständig war. Auf­grund des schwer­wie­gen­den Ver­s­toßes sei ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung ent­behr­lich. Dies auch des­halb, weil ei­ne Ver­hal­tensände­rung sei­tens des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den durch die Ar­beit­ge­be­rin nicht zu er­war­ten ge­we­sen sei. Dies fol­ge be­reits dar­aus, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de dem Per­so­nal­lei­ter in sei­ner E-Mail vom 13. Ok­to­ber 2015 mit­ge­teilt ha­be, dass er sei­ne Frei­stel­lungswünsche we­der in der Ver­gan­gen­heit noch in der Zu­kunft von ihm ge­neh­mi­gen las­sen wer­de. Im Rah­men der Abwägung sei zu­las­ten des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den zu berück­sich­ti­gen, dass die­ser als Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der ei­ne be­son­de­re Vor­bild­funk­ti­on hin­sicht­lich der Be­leg­schaft ausübe und er im Übri­gen als Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der ar­beits­recht­lich ge­schult sei, so dass ihm in be­son­de­rem Maße be­wusst ge­we­sen sein müsse, dass er ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen in schwer­wie­gen­der Wei­se ver­s­toßen ha­be. Zu­dem ha­be sie die Ver­mu­tung, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de das Se­mi­nar als Re­fe­rent und nicht als Teil­neh­mer be­sucht ha­be. Auch als frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied könne sich der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de sei­ne Ar­beits­zeit nicht frei ein­tei­len. Auf­grund der An­la­ge zu der bei der Ar­beit­ge­be­rin für frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glie­der gel­ten­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 1. Ok­to­ber 1995 (BV 05/95, Bl. 657 d.A.) lie­ge die Ar­beits­zeit mon­tags bis frei­tags zwi­schen 7:00 Uhr und 14:45 Uhr.

Je­den­falls sei der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de aus dem Be­triebs­rat aus­zu­sch­ließen. Hier­zu trägt die Ar­beit­ge­be­rin - ent­spre­chend der ge­setz­li­chen An­ord­nung der §§ 84 Satz 3, 60 ArbGG iVm. § 313 Abs. 2 ZPO sei­nem we­sent­li­chen In­halt nach knapp zu­sam­men­ge­fasst - fol­gen­des vor:

Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be der Ar­beit­ge­be­rin im­mer wie­der un­zulässi­ge Kopp­lungs­geschäfte an­ge­tra­gen und hier­durch die Ar­beit­ge­be­rin zu be­stimm­ten Ver­hal­tens­wei­sen genötigt. So ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de im Ju­li 2015 zum wie­der­hol­ten Ma­le ei­ne drin­gend not­wen­di­ge ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und dem Be­triebs­rat zur Re­ge­lung von Ar­beits­zei­ten (Mehr­ar­beit) mit dem Ziel verzögert, die Ar­beit­ge­be­rin zur Ab­ga­be ei­nes Ver­zichts auf ta­rif­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten ge­genüber der Be­leg­schaft zu be­we­gen, auf die kein Rechts­an­spruch be­stan­den ha­be. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­be er auch den 1. Be­vollmäch­tig­ten der IG Me­tall Vel­bert, Herrn Dat­ta­ro, ent­spre­chend "in­stru­iert", so dass sich das Vor­gespräch un­ter Hin­zu­zie­hung der Ta­rif­part­ner nach § 24 EMTV ent­spre­chend verzögert ha­be. Am 2. Ju­li 2015 ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de für den 9. Ju­li 2015 ei­ne zusätz­li­che Be­triebs­ver­samm­lung mit dem Ta­ges­ord­nungs­punkt "ERA-Gel­tend­ma­chung" an­be­raumt. Die Ein­la­dung sei nicht durch ei­nen Be­triebs­rats­be­schluss ge­deckt ge­we­sen. Als die Ar­beit­ge­be­rin dem Druck des Be­triebs­ra­tes nach­ge­ge­ben ha­be und auf die Aus­schluss­fris­ten ver­zich­tet ha­be, ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de für den Aus­hang des Geschäftsführers ein Be­gleit­schrei­ben er­stellt, mit dem die Be­triebs­ver­samm­lung ab­ge­sagt wor­den sei und er sich bei den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen be­dankt ha­be, die den Be­triebs­rat bei die­ser Ak­ti­on un­terstützt hätten.

In dem Ver­fah­ren 8 BV­Ga 20/14, bei dem es er­neut um die Un­ter­sa­gung von Mehr­ar­beit oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats ge­gan­gen sei, ha­be der Be­triebs­rat u.a. die Ein­set­zung des Di­rek­tors am Ar­beits­ge­richt a.D. Herrn Thür als Vor­sit­zen­den der ERA- Ei­ni­gungs­stel­le ge­for­dert. Dem ha­be die Ar­beit­ge­be­rin un­ter dem Druck der noch im­mer nicht vom Be­triebs­rat ge­neh­mig­ten Mehr­ar­beit im Rah­men des Güte­rich­ter­ver­fah­rens (12 Gra 29/14) ent­spro­chen.

Seit dem Ar­beits­zeit­kon­flikt im Ju­li 2015 for­de­re der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de zu­dem, dass in die mo­nat­li­chen Mehr­ar­beits­ver­ein­ba­run­gen ei­ne Pas­sa­ge auf­ge­nom­men wer­de, wo­nach Beschäftig­te, die ge­gen den Wil­len des Be­triebs­rats beschäftigt wer­den und nach § 100 Be­trVG als vorläufi­ge per­so­nel­le Maßnah­me ar­bei­ten, nicht die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats auf Mehr­ar­beit er­hiel­ten. Trotz des jahr­zehn­te­lan­gen Ver­fah­rens, auf das die Ar­beit­ge­be­rin ver­traut ha­be, for­de­re der Be­triebs­rat zu­dem die Vor­la­ge wei­te­rer In­for­ma­tio­nen, wie die na­ment­li­che Be­nen­nung der Mit­ar­bei­ter, Da­tum und Uhr­zeit der Mehr­ar­beit, ak­tu­el­le Zeit­kon­tenstände und mehr. Den­noch blo­ckie­re der Be­triebs­rat re­gelmäßig die Ar­beits­zeit­anträge der Ar­beit­ge­be­rin und ha­be beim Ar­beits­ge­richt für die Mo­na­te No­vem­ber 2015 und Ja­nu­ar 2016 ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin ent­spre­chen­de einst­wei­li­ge Un­ter­las­sungs­verfügun­gen er­wirkt.

Im Rah­men des Ver­fah­rens 1 BV 290/14, bei dem es um die Ein­stel­lung des Ba­che­lor-Stu­den­ten D. ging, ha­be der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­triebs­rats in der münd­li­chen Ver­hand­lung erklärt, dass er im Na­men des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den fol­gen­den "Deal" vor­schla­gen würde: Der Be­triebs­rat würde der Ein­stel­lung von Herrn D. zu­stim­men, wenn sich die Ar­beit­ge­be­rin im Ge­gen­zug ver­pflich­te, dem Be­triebs­rat die Aus­wahl von fünf neu­en Aus­zu­bil­den­den zu über­las­sen.

In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf vom 21. Fe­bru­ar 2014 (5 TaBV­Ga) ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ei­nen Ver­gleich ab­ge­schlos­sen, oh­ne dass ein vor­he­ri­ger Be­schluss des Be­triebs­rats vor­ge­le­gen ha­be. Der Be­triebs­rat blo­ckie­re un­ter dem Vor­sitz sei­nes Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auch re­gelmäßig per­so­nel­le Maßnah­men gemäß § 99 Be­trVG. So sei die Ar­beit­ge­be­rin ge­zwun­gen ge­we­sen, seit dem Amts­an­tritt des Be­triebs­rats im April 2010 ins­ge­samt 79 Be­schluss­ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­zu­lei­ten. Die vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ge­fer­tig­ten Wi­dersprüche sei­en hier­zu je­weils na­he­zu iden­tisch und es feh­le in der Re­gel an ei­nem Be­zug zu der kon­kre­ten per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me. Es han­de­le sich um Stan­dard­wi­dersprüche. Dies bestäti­ge mitt­ler­wei­le auch im­mer häufi­ger das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, das die Zu­stim­mung er­set­ze oder ent­spre­chend dem Haupt­an­trag aus­spre­che, dass die Zu­stim­mung man­gels ord­nungs­gemäßem Wi­der­spruch als er­teilt gel­te. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ge­be ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin auch Stel­lung­nah­men des Be­triebs­rats ab, die gar nicht oder zu­min­dest nicht mit die­sem In­halt vom Be­triebs­rat be­schlos­sen ge­we­sen sei­en. So ha­be das Be­triebs­rats­mit­glied Herr M. im Fe­bru­ar 2015 im Rah­men des Ver­set­zungs­ver­fah­rens des Ar­beit­neh­mers O. erklärt, dass die For­mu­lie­rung des Wi­der­spruchs so in der Sit­zung nicht be­spro­chen wor­den sei und er sich in Zu­kunft wohl mal wer­de ge­nau­er an­se­hen müssen, was da oben raus ge­schickt wer­de.

Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de sper­re sich auch re­gelmäßig da­ge­gen, An­lie­gen der Ar­beit­ge­be­rin auf die Ta­ges­ord­nung zu neh­men, an de­ren Re­ge­lung er of­fen­sicht­lich kein In­ter­es­se ha­be. So sei­en auf die Entwürfe zu ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung Crash­sen­so­ren, zu ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung SYM­BIOS und zu ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nicht­rau­cher­schutz kei­ner­lei Re­ak­tio­nen er­folgt. Glei­ches gel­te für die Be­stel­lung von Herrn G. zur Si­cher­heits­fach­kraft.

Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de übe auch mit Blick auf die Lis­te IGM-Re­spekt vor den Be­triebs­rats­sit­zun­gen ei­nen un­zulässi­gen Frak­ti­ons­zwang aus. So fänden vor den Be­triebs­rats­sit­zun­gen re­gelmäßig Frak­ti­ons­sit­zun­gen der Lis­te IGM-Re­spekt statt, in de­nen of­fen­bar für ein ein­heit­li­ches Mei­nungs­bild ge­sorgt wer­de und ei­ne Vor­ab­stim­mung er­fol­ge.

Als Sit­zungs­lei­ter zwei­er Be­triebs­ver­samm­lun­gen ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de nicht ver­hin­dert, dass ein Mit­ar­bei­ter des In­sti­tuts für be­trieb­li­che Ge­sund­heitsförde­rung bzw. ein Mit­ar­bei­ter des In­sti­tuts für die be­trieb­li­che Ge­sund­heitsförde­rung so­wie ein Ver­tre­ter des Au­to Clubs Eu­ro­pa an­we­send ge­we­sen sei­en, wo­durch die Nichtöffent­lich­keit der Be­triebs­ver­samm­lung ver­letzt wor­den sei.

Am 30. Ok­to­ber 2015 - dem Tag des Ein­gangs des An­trags der Ar­beit­ge­be­rin - ha­be der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Be­triebs­rats im Rah­men ei­nes wei­te­ren Güte­rich­ter­ver­fah­rens mit­ge­teilt, dass der Be­triebs­rat das Ver­fah­ren nicht mehr durchführen wol­le und als Grund hierfür of­fen­sicht­lich auf den von der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­reich­ten An­trag ver­wie­sen. Auch dies zei­ge den er­heb­li­chen Ein­fluss des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den im Gre­mi­um. Es sei auch da­von aus­zu­ge­hen, dass kein Be­schluss des Be­triebs­rats darüber vor­lie­ge und der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ei­genmäch­tig Maßnah­men des Be­triebs­rats be­schlos­sen ha­be.

Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be in dem Ver­fah­ren 11 BV 306/15 ei­genmäch­tig, oh­ne vor­he­ri­gen Be­triebs­rats­be­schluss ent­schie­den, die Ei­ni­gungs­stel­le zum The­ma "Vor­la­ge von Un­ter­la­gen durch den Wirt­schafts­aus­schuss" an­zu­ru­fen, ob­wohl zu die­sem Zeit­punkt die Ver­hand­lun­gen noch nicht ge­schei­tert wa­ren, wie auch das Ar­beits­ge­richt so­dann ent­schie­den ha­be.

Jüngst ha­be der Be­triebs­rat zu­dem sechs "schlicht überflüssi­ge"Be­schluss­ver­fah­ren mit dem Ziel der Über­nah­me von Schu­lungs­kos­ten von Be­triebs­rats­mit­glie­dern ein­ge­reicht, ob­wohl die Ar­beit­ge­be­rin die Er­for­der­lich­keit der Schu­lun­gen nicht in Ab­re­de ge­stellt ha­be, son­dern le­dig­lich beim Be­triebs­rat nach­ge­fragt ha­be, ob nicht auf­grund der In­halts­gleich­heit der Schu­lun­gen, ei­ne In­hou­se-Schu­lung fi­nan­zi­ell güns­ti­ger wäre und zu­dem um Vor­la­ge ei­nes "Schu­lungs­plans" ge­be­ten ha­be.

Nach Ein­rei­chung des An­trags ha­be sich das Ver­hal­ten des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den fort­ge­setzt. Am 21. Ja­nu­ar 2016 ha­be die Ar­beit­ge­be­rin dem Be­triebs­rat ei­ne Anhörung zu ei­ner ge­plan­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung zu­stel­len wol­len. Frau L. ha­be sich zum Be­triebs­ratsbüro be­ge­ben, um das Schrei­ben dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den persönlich zu über­ge­ben. Nach­dem ein di­rek­ter Zu­gang zu dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den nicht möglich ge­we­sen sei, ha­be Frau L. die Se­kretärin des Be­triebs­rats ge­be­ten, ihm das Anhörungs­schrei­ben zu über­ge­ben und den Er­halt quit­tie­ren zu las­sen. Als die Se­kretärin zurück­kam, war das Schrei­ben al­ler­dings nicht vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den son­dern von dem Be­triebs­rats­mit­glied Herrn G. un­ter­schrie­ben. Den­noch ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de im Rah­men der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats zunächst be­haup­tet, dass die Frist zur Stel­lung­nah­me nicht an­ge­lau­fen sei, da das Schrei­ben we­der ihm noch sei­nem Stell­ver­tre­ter über­ge­ben wor­den sei.

We­gen der wei­te­ren sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin er­ho­be­nen Vorwürfe wird auf den um­fang­rei­chen, 147-sei­ti­gen schriftsätz­li­chen Vor­trag der Ar­beit­ge­be­rin aus den Schriftsätzen vom 30. Ok­to­ber 2015, vom 25. Fe­bru­ar 2016, vom 29. Fe­bru­ar 2016 so­wie vom 8. März 2016 Be­zug ge­nom­men.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

1.die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den I. zu er­set­zen;

2.hilfs­wei­se, den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Herrn I. aus dem Be­triebs­rat der Ar­beit­ge­be­rin aus­zu­sch­ließen.

Der Be­triebs­rat und der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de be­an­tra­gen,

die Anträge zurück­zu­wei­sen.

Der Be­triebs­rat ist der Auf­fas­sung, dass be­reits die Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB nicht ein­ge­hal­ten sei, da die Ar­beit­ge­be­rin von dem be­haup­te­ten un­ent­schul­dig­ten Fern­blei­ben des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den be­reits am 15. Ok­to­ber 2015 Kennt­nis ge­habt ha­be. Es ge­be be­reits kei­ne "An­ord­nung", nach der die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der Ur­laub und sons­ti­ge Frei­stel­lun­gen beim Per­so­nal­lei­ter zu be­an­tra­gen hätten. Im Schrei­ben vom 13. Au­gust 2015 ha­be der Per­so­nal­lei­ter le­dig­lich ei­ne "Bit­te" geäußert. Herr S. ha­be als Mit­glied der Geschäfts­lei­tung die Frei­stel­lung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ge­neh­migt. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be darüber hin­aus tatsächlich am 15. und 16. Ok­to­ber 2015 in den Pau­sen und nach Se­mi­na­ren­de tatsächlich Be­triebs­ratstätig­keit aus­geübt. Zu­dem könne sich der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de sei­ne Tätig­keit nach pflicht­gemäßem Er­mes­sen so ein­tei­len, wie es sei­ner An­sicht nach zur Durchführung sei­ner Auf­ga­ben am bes­ten er­schei­ne. Die sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin zi­tier­te An­la­ge zu der Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 1. Ok­to­ber 1995 sei nicht un­ter­schrie­ben. Die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung sei je­den­falls des­halb un­wirk­sam, weil der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de auf­grund des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zunächst hätte ab­ge­mahnt wer­den müssen.

Dem Aus­sch­ließungs­an­trag hält der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de fol­gen­des ent­ge­gen: Die Ar­beit­ge­be­rin dif­fe­ren­zie­re bei ih­ren Ausführun­gen be­reits nicht zwi­schen dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den und dem Be­triebs­rat. Ei­ne Viel­zahl der auf­ge­stell­ten Be­haup­tun­gen bezöge sich be­reits nach den ei­ge­nen Ausführun­gen der Ar­beit­ge­be­rin le­dig­lich auf den Be­triebs­rat. Sie ver­su­che den Ein­druck zu er­we­cken, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de al­lei­ne für das Han­deln des Be­triebs­rats ver­ant­wort­lich sei. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be aber le­dig­lich im Rah­men der Be­schlüsse des Be­triebs­rats nach § 26 Abs. 2 Be­trVG ge­han­delt. So lägen den Ver­ta­gun­gen des Ta­gungs­ord­nungs­punk­tes "Mehr­ar­beit Ju­li 2015" je­weils Mehr­heits­be­schlüsse des Be­triebs­rats zu Grun­de. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be auch nicht den 1. Be­vollmäch­tig­ten der IG Me­tall Vel­bert, Herrn Dat­ta­ro, vor dem Gespräch mit der Ver­bands­ver­tre­te­rin Frau N. am 30. Ju­ni 2015 "in­stru­iert". Das Be­gleit­schrei­ben zum Aus­hang des Geschäftsführers vom 8. Ju­li 2015 ha­be der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de nicht er­stellt. Auch sei es nicht die For­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den persönlich ge­we­sen, Herrn Thür als Vor­sit­zen­den der ERA- Ei­ni­gungs­stel­le ein­zu­set­zen. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ha­be sich ge­genüber Herrn T. auch nicht da­hin­ge­hend geäußert, dass er Anträge auf Mehr­ar­beit nicht ein­mal auf die Ta­ges­ord­nung ei­ner Be­triebs­rats­sit­zung neh­me, wenn der An­trag die gewünsch­te Pas­sa­ge, dass gemäß § 100 Be­trVG vorläufig beschäftig­te Ar­beit­neh­mer von dem An­trag aus­ge­nom­men würden, nicht ent­hal­te.

Auch das Ver­hal­ten des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den im Rah­men der Ein­stel­lung des Ar­beit­neh­mers D. sei durch den Be­triebs­rats­be­schluss vom 29. Ok­to­ber 2014 ge­deckt ge­we­sen. So­weit der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te in dem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ei­nen "Deal" vor­ge­schla­gen ha­be, sei die­ser Deal nicht im Na­men des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den son­dern im Na­men des Be­triebs­rats er­folgt. Auch die je­wei­li­gen Wi­dersprüche im Rah­men der Ver­fah­ren nach §§ 99, 100 Be­trVG fußten je­weils auf ei­nem ent­spre­chen­den Be­triebs­rats­be­schluss. Aus­weis­lich die­ser Be­schlüsse, wer­de der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ermäch­tigt, den Wi­der­spruch mit den in der Sit­zung be­spro­che­nen Gründen zu for­mu­lie­ren.

So­weit die Ar­beit­ge­be­rin auf die Ver­hand­lun­gen zu ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung Crash­sen­so­ren hin­wei­se, ha­be die Ar­beit­ge­be­rin die­sen An­trag mitt­ler­wei­le zurück­ge­zo­gen. Den Ent­wurf zur Be­triebs­ver­ein­ba­rung SYM­BIOS ha­be der Be­triebs­rat zur Aus­ar­bei­tung ei­nem Aus­schuss über­tra­gen. Hin­sicht­lich der Be­stel­lung des Herrn G. zur Si­cher­heits­fach­kraft ste­he noch ei­ne Ant­wort der Ar­beit­ge­be­rin auf die E-Mail des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vom 1. April 2015 aus, die bis­her un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben sei. Der Ent­wurf der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nicht­rau­cher­schutz wer­de eben­falls von ein­zel­nen Mit­glie­dern des Be­triebs­rats be­ar­bei­tet. Der Aus­schuss sei na­he­zu fer­tig mit der Er­ar­bei­tung ei­nes Ent­wurfs. Ein Frak­ti­ons­zwang der Lis­te IGM Re­spekt exis­tie­re im Be­triebs­rats­gre­mi­um nicht.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze so­wie auf den sons­ti­gen Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.

II.

Die Anträge sind un­be­gründet.

1.Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur be­ab­sich­tig­ten frist­lo­sen Kündi­gung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den durch die An­trag­stel­le­rin war nicht durch das Ge­richt zu er­set­zen.

a)Nach § 103 Abs. 1 Be­trVG be­darf die außer­or­dent­li­che Kündi­gung von Mit­glie­dern des Be­triebs­rats der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats. Gemäß § 103 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG iVm. § 15 KSchG ist die ver­wei­ger­te Zu­stim­mung zu er­set­zen, wenn die be­ab­sich­tig­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände ge­recht­fer­tigt ist. Dies setzt ei­nen wich­ti­gen Grund iSd. § 626 Abs. 1 BGB vor­aus. Es müssen Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer dem Ar­beit­ge­ber un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der er­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses selbst bis um Ab­lauf der fik­ti­ven Kündi­gungs­frist nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl. BAG 13. Mai 2015 - 2 ABR 38/14 - Rn. 18; BAG 27. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 55/11 - Rn. 39 mwN). Da­bei ist zunächst zu un­ter­su­chen, ob der Sach­ver­halt oh­ne ei­ne be­son­de­ren Umstände "an sich" und da­mit ty­pi­scher­wei­se als wich­ti­ger Grund­ge­eig­net ist. Als­dann be­darf es der wei­te­ren Prüfung, ob dem Kündi­gen­den die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstände des Falls und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le - je­den­falls bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist - zu­mut­bar war oder nicht (BAG 13. Mai 2015 - 2 ABR 38/14 - Rn. 18; BAG 18. De­zem­ber 2014 - 2 AZR 265/14 - Rn. 14). Stützt der Ar­beit­ge­ber den wich­ti­gen Grund bei ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied auf des­sen Ver­hal­ten, muss die­ses sich als Ver­let­zung von Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis dar­stel­len (BAG 13. Mai 2015 - 2 ABR 38/14 - Rn. 18; BAG 27. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 955/11 - Rn. 34). Der An­trag nach § 103 Be­trVG muss fer­ner in­ner­halb der Zwei-Wo­chen-Frist des § 626 Abs. 2 BGB bei Ge­richt ein­ge­hen.

b)In An­wen­dung die­ser Grundsätze sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 626 BGB nicht 64 erfüllt. Zwar hat die Ar­beit­ge­be­rin die Zwei-Wo­chen-Frist des §§ 626 Abs. 2 BGB ein­ge­hal­ten. Auch liegt ei­ne Pflicht­ver­let­zung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vor. Die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung würde sich in­des un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le als un­verhält­nismäßig er­wei­sen.

aa)Die Ar­beit­ge­be­rin hat die Zwei-Wo­chen-Frist des §626 Abs. 2 BGB ge­wahrt. Fehlt der Ar­beit­neh­mer un­ent­schul­digt, so be­ginnt die Aus­schluss­frist des § 626 Abs. 2 BGB für ei­ne hier­auf gestütz­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung nach der ge­fes­tig­ten und ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts frühes­tens mit dem En­de der un­ent­schul­dig­ten Fehl­zeit (BAG 22. Ja­nu­ar 1998 - 2 ABR 19/97 - NZA 1998, 708 mwN). Die Fehl­zeit des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den en­de­te am 16. Ok­to­ber 2015. Der An­trag ging am 30. Ok­to­ber 2015 bei Ge­richt ein, so dass die Frist des § 626 Abs. 2 BGB ge­wahrt ist.

bb)Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Be­triebs­rats und sei­nes Vor­sit­zen­den hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de durch die ei­genmäch­ti­ge Be­ur­lau­bung am 15. und 16. Ok­to­ber 2015 auch sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt.

(1)Tritt der Ar­beit­neh­mer ei­genmäch­tig ei­nen vom Ar­beit­ge­ber nicht ge­neh­mig­ten Ur­laub an, so ver­letzt er da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten und ein sol­ches Ver­hal­ten ist an sich ge­eig­net, ei­nen wich­ti­gen Grund zur frist­lo­sen Kündi­gung dar­zu­stel­len. Der Ar­beit­neh­mer, der sich selbst be­ur­laubt, ver­letzt nicht ei­ne bloße Ne­ben­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis, er ver­letzt viel­mehr die Haupt­pflicht zur Ar­beits­leis­tung, von der er man­gels ei­ner Ur­laubs­be­wil­li­gung durch den Ar­beit­ge­ber nicht wirk­sam ent­bun­den ist. Die Ur­laubs­gewährung er­folgt nach § 7 BUrlG durch den Ar­beit­ge­ber. Lehnt die­ser die Ur­laubser­tei­lung oh­ne aus­rei­chen­de Gründe ab oder nimmt in zu­mut­ba­rer Zeit zu dem Ur­laubs­an­trag kei­ne Stel­lung, so kann der Ar­beit­neh­mer durch ei­ne Leis­tungs­kla­ge oder ggf. ei­nen An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen Verfügung sei­ne Ansprüche durch­set­zen. Ein Recht des Ar­beit­neh­mers, sich selbst zu be­ur­lau­ben, ist an­ge­sichts des um­fas­sen­den Sys­tems ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes grundsätz­lich ab­zu­leh­nen (vgl. BAG 16. März 2000 - 2 AZR 75/99 - NZA 2000, 1332; BAG 22. Ja­nu­ar 1998 - 2 ABR 19/97 - NZA 1998, 708; BAG 20. Ja­nu­ar 1994 - 2 AZR 521/93). Auch wenn der Ar­beit­ge­ber dem Ur­laubs­ver­lan­gen des Ar­beit­neh­mers hätte nach­kom­men müssen, wird da­durch der ei­genmäch­ti­ge Ur­laubs­an­tritt durch den Ar­beit­neh­mer nicht zu ei­ner ver­zeih­li­chen Ver­let­zung ei­ner Ne­ben­pflicht. Es stellt im Ge­gen­teil re­gelmäßig so­gar ei­ne be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung dar, wenn der Ar­beit­neh­mer trotz der Ab­leh­nung sei­nes Ur­laubs­an­trags sich ein­fach selbst be­ur­laubt und da­mit be­harr­lich sei­ner Ar­beits­pflicht nicht nach­kommt (BAG 22. Ja­nu­ar 1998 - 2 ABR 19/97 - NZA 1998, 708). Für ei­ne ei­genmäch­ti­ge un­be­zahl­te Frei­stel­lung gilt im Er­geb­nis nichts an­de­res als für ei­ne ei­genmäch­ti­ge Selbst­be­ur­lau­bung.

(2)In An­wen­dung die­ser Grundsätze liegt ei­ne ei­genmäch­ti­ge Selbst­be­ur­lau­bung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vor.

(a)Auch ein frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied ist nicht be­rech­tigt, sich sei­ne Ar­beits­zei­ten frei ein­zu­tei­len, son­dern ist an die im Be­trieb übli­chen Ar­beits­zei­ten ge­bun­den. Et­was an­de­res folgt auch nicht aus den sei­tens des Be­triebs­rats zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf bzw. des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz. So stellt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf in sei­ner Ent­schei­dung vom 26. Mai 1993 (18 Sa 303/93) be­reits in sei­nem Leit­satz aus­drück­lich klar, dass frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glie­der grundsätz­lich die be­triebsübli­che Ar­beits­zeit ein­zu­hal­ten hätten. Im kon­kre­ten Fall be­stand in­des die Be­son­der­heit, dass auf das Ar­beits­verhält­nis des Be­triebs­rats­mit­glieds ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung über Gleit­zeit An­wen­dung fand. Auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz stellt in den Ent­schei­dungs­gründen klar, dass ein frei­ge­stell­tes Be­triebs­rats­mit­glied die Ver­pflich­tung hat, sich während sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit im Be­trieb am Sitz des Be­triebs­rats, dem er an­gehört, an­we­send zu sein und sich dort für an­fal­len­de Be­triebs­rats­ar­beit be­reit zu hal­ten (LAG Rhein­land-Pfalz 8. No­vem­ber 2007 - 9 TaBV 37/07; im Er­geb­nis eben­so BAG 13. Ju­ni 2007 - 7 ABR 62/06). Zwar führt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz aus, dass in Be­trie­ben, in de­nen Wech­sel­schicht er­folgt, ein Be­triebs­rats­mit­glied nicht nur be­rech­tigt, son­dern zur sach­ge­rech­ten Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben im Ein­zel­fall so­gar ver­pflich­tet sein kann, sich nicht nur zu den Zei­ten im Be­trieb auf­zu­hal­ten, in de­nen die Ver­wal­tung oder die Tag­schicht ar­bei­tet, son­dern bei Vor­lie­gen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­cher Auf­ga­ben sich z. B. auch während der Nacht­schicht im Be­trieb auf­zu­hal­ten. Hier­aus kann in­des nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass ein Be­triebs­rats­mit­glied be­rech­tigt ist, kom­plet­te zwei Ta­ge dem Be­trieb fern­zu­blei­ben. Auch die Be­ru­fung des Be­triebs­rats auf die Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 30. Ja­nu­ar 2014 (15 TaBV 100/13) verfängt nicht. Im dor­ti­gen Fall be­trug die wöchent­li­che Ar­beits­zeit des Be­triebs­rats­mit­glieds 31 St­un­den, wo­bei er je­doch wöchent­lich je­weils 7,5 St­un­den über sei­ne in­di­vi­du­el­le Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hend ar­bei­te­te und auf­grund der im Be­trieb be­ste­hen­den Ar­beits­zeit­re­ge­lung die­se Zei­ten je­weils in­ner­halb von vier Wo­chen aus­ge­gli­chen wer­den sol­len.

(b)Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de hat die be­triebsübli­che Ar­beits­zeit bei der Ar­beit­ge­be­rin nicht ein­ge­hal­ten. Selbst wenn man zu Guns­ten des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den un­ter­stellt, dass die Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 1. Ok­to­ber 1995 nicht un­ter­zeich­net ist und da­mit kei­ne Wirk­sam­keit ent­fal­tet, wäre der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de je­den­falls ver­pflich­tet ge­we­sen, die ta­rif­ver­trag­li­che Ar­beits­zeit ein­zu­hal­ten. Nach § 3 Zif­fer 1 EMTV beträgt die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit 35 St­un­den. Sie kann nach § 4 Zif­fer 1 EMTV auf 5 Werk­ta­ge von Mon­tag bis Frei­tag ver­teilt wer­den. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de war in der Wo­che vom 12. Ok­to­ber 2015 bis zum 16. Ok­to­ber 2015 aus­weis­lich der Ar­beits­zeit­er­fas­sung in­des nur 21 St­un­den im Be­trieb an­we­send, oh­ne dass er­sicht­lich ist, dass ei­ne Ab­we­sen­heit aus Gründen sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit er­for­der­lich ge­we­sen wäre. Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de mögli­cher­wei­se in an­de­ren Wo­chen des Mo­nats Ok­to­ber ent­spre­chen­de Mehr­ar­beit ge­leis­tet hat, da der EMTV ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit und kei­ne mo­nat­li­che Ar­beits­zeit vor­sieht. Zwar kann die Ar­beits­zeit gemäß § 4 Zif­fer 1 EMTV auch un­gleichmäßig auf meh­re­re Wo­chen ver­teilt wer­den. Dies kann
in­des nur mit Zu­stim­mung des Be­triebs­rats durch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung er­fol­gen. Ei­ne sol­che exis­tiert im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin nicht.

(c)Die be­gehr­te Frei­stel­lung wur­de sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin auch nicht wirk­sam be­wil­ligt, so dass es sich um ei­ne ei­genmäch­ti­ge Frei­stel­lung durch den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den han­del­te. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ist im Hin­blick auf sei­nen Schrift­ver­kehr mit dem Per­so­nal­lei­ter der Ar­beit­ge­be­rin Herrn N., in des­sen Rah­men er sich mehr­fach ge­wei­gert hat an­zu­er­ken­nen, dass er sei­ne Ur­laubs- und Frei­stel­lungswünsche beim Per­so­nal­lei­ter zu be­an­tra­gen ha­be, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es der un­ter­neh­me­ri­schen Or­ga­ni­sa­ti­ons­frei­heit des Ar­beit­ge­bers ob­liegt fest­zu­le­gen, wel­che Per­so­nen für die Be­wil­li­gung von Ur­laub und Frei­stel­lun­gen für wel­che kon­kre­ten Ar­beit­neh­mer­grup­pen zuständig sind. In­so­weit teil­te der
zuständi­ge Per­so­nal­lei­ter den frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­dern per E-Mail vom 13. Au­gust 2015 mit, dass Frei­stel­lun­gen zukünf­tig bei ihm zu be­an­tra­gen sei­en. Dies war so­mit dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den be­kannt. So­weit der Be­triebs­rat ein­wen­det, dass es sich hier­bei nicht um ei­ne An­wei­sung han­de­le, da in dem Schrei­ben le­dig­lich von ei­ner "Bit­te" die Re­de ge­we­sen sei, verfängt die­ser Ein­wand nicht. Für die Kam­mer be­stand kei­ner­lei Zwei­fel, dass die­ses Schrei­ben aus Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Erklärungs­empfängers als An­wei­sung zu ver­ste­hen ist. Dass der Per­so­nal­lei­ter die For­mu­lie­rung " darf ich sie bit­ten" be­nutzt hat, ist le­dig­lich als Akt der Höflich­keit an­zu­se­hen, oh­ne dass da­mit die Ver­bind­lich­keit der An­wei­sung in ir­gend­ei­ner Form in­fra­ge ge­stellt wird. Zu­dem hat der Per­so­nal­lei­ter N. sei­ne An­wei­sung noch­mals in der E-Mail vom 1. Ok­to­ber 2015 wie­der­holt. Un­strei­tig hat der Per­so­nal­lei­ter N. die Frei­stel­lung für den 15. und 16. Ok­to­ber nicht be­wil­ligt. Ob der frühe­re Fach­vor­ge­setz­te des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den Herr S. die Frei­stel­lung ge­neh­migt hat, ist für die Fra­ge des Vor­lie­gens ei­ner Pflicht­ver­let­zung un­er­heb­lich, da Herr S. für die Be­wil­li­gung von Ur­laub und Frei­stel­lun­gen des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den nicht mehr zuständig war, wie dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auch be­kannt war.

cc)Nach Abwägung der wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen würde sich der Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung in­des - ins­be­son­de­re auf­grund des Feh­lens ei­ner er­for­der­li­chen vor­he­ri­gen Ab­mah­nung - als un­verhält­nismäßig er­wei­sen.

(1)Ob in den Fällen ei­ner ei­genmäch­ti­gen Selbst­be­ur­lau­bung vor Aus­spruch ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung ei­ne Ab­mah­nung er­for­der­lich ist, wird re­gelmäßig auch von dem kon­kre­ten In­halt der Un­ter­re­dung zwi­schen den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en vor dem ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritt abhängen. Hat der Ar­beit­ge­ber auf kon­kre­te be­trieb­li­che Gründe hin­ge­wie­sen, die ei­ner Ur­laubs­gewährung ent­ge­gen­ste­hen und dem Ar­beit­neh­mer nach­drück­lich klar­ge­macht, im Fall ei­nes un­be­rech­tig­ten Ur­laubs­an­tritts wer­de er ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen er­grei­fen, so muss dem Ar­beit­neh­mer klar sein, dass er sei­nen Ar­beits­platz aufs Spiel setzt, wenn er trotz­dem zu dem rechts­wid­ri­gen Mit­tel der Selbst­be­ur­lau­bung greift. Nimmt an­de­rer­seits der Ar­beit­ge­ber die Ankündi­gung des Ar­beit­neh­mers, er wer­de trotz Ab­leh­nung des Ur­laubs­an­trags in Ur­laub ge­hen, ein­fach kom­men­tar­los hin, so wird je nach den Umständen der Ar­beit­neh­mer nicht da­mit rech­nen müssen, dass der Ar­beit­ge­ber be­reit ist, oh­ne wei­te­re Ab­mah­nung so­fort zum äußers­ten Mit­tel der frist­lo­sen Kündi­gung zu grei­fen.

(2)Nach Abwägung der wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen über­wiegt nach Auf­fas­sung der Kam­mer das Be­stands­schutz­in­ter­es­se des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den (noch) das Be­en­di­gungs­in­ter­es­se der Ar­beit­ge­be­rin. Zu Guns­ten des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den ist zu berück­sich­ti­gen, dass die­ser be­reits seit 15 Jah­ren bei der Ar­beit­ge­be­rin tätig ist, oh­ne dass er ein­schlägi­ge Ab­mah­nun­gen er­hal­ten hätte. Fer­ner war zu sei­nen Guns­ten zu berück­sich­ti­gen, dass er ne­ben sei­ner Ehe­frau drei Kin­dern ge­genüber un­ter­halts­pflich­tig ist. Hin­zu kommt, dass für die Ver­wei­ge­rung der Frei­stel­lung kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe vor­la­gen. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin dar­auf hin­weist, dass ei­ne Löschungs­be­wil­li­gung für das vom N. ge­tilg­te Dar­le­hen vor­zu­neh­men sei, hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de un­be­strit­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Per­so­nal­lei­ter der Ar­beit­ge­be­rin über den Vor­gang be­reits seit Ja­nu­ar 2015 in­for­miert war, so dass nicht er­sicht­lich ist, war­um die­ser Vor­gang zwin­gend am 15. bzw. 16. Ok­to­ber hätte er­le­digt wer­den müssen. Hin­sicht­lich des noch nicht er­stell­ten Pro­to­kolls zur Wirt­schafts­aus­schuss­sit­zung vom 21. Sep­tem­ber 2015 hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de den Per­so­nal­lei­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Pro­to­koll erst bei der nächs­ten Wirt­schafts­aus­schuss­sit­zung am 19. Ok­to­ber 2015 be­schlos­sen und un­ter­schrie­ben wer­den könne und das Pro­to­koll zu­dem nicht an sei­ne Per­son ge­bun­den sei. Auch die in der E-Mail vom 12. Ok­to­ber 2015 (11:44 Uhr) be­nann­ten The­men wie ERA, BV Nicht­rau­cher­schutz und Be­stel­lung von Herrn G. als wei­te­re Si­cher­heits­fach­kraft sind seit Mo­na­ten zwi­schen Ar­beit­ge­be­rin und Be­triebs­rat be­han­del­te The­men, bei de­nen nicht er­kenn­bar ist, dass und wie­so die­se ge­ra­de am 15. bzw. am 16. Ok­to­ber vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den be­han­delt wer­den müss­ten. Des Wei­te­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei Pflicht­ver­let­zun­gen, die zu­gleich mit der Be­triebs­ratstätig­keit zu­sam­menhängen zum Schut­ze des Be­triebs­rats­mit­glieds und sei­ner Amtsführung an die Be­rech­ti­gung der frist­lo­sen Ent­las­sung ein "stren­ge­rer Maßstab" an­zu­le­gen ist als bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, der dem Be­triebs­rat nicht an­gehört (BAG 16. Ok­to­ber 1986 - 2 ABR 71/85 - Die B 1987, 1304; BAG 20. De­zem­ber 1961 - 1 AZR 404/61 - BA­GE 12, 141). Auch wenn die Teil­nah­me an ei­ner Schu­lungs­ver­an­stal­tung der IG Me­tall - so­weit die Ar­beit­ge­be­rin be­haup­tet, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de dort nicht als Teil­neh­mer, son­dern als Re­fe­rent tätig ge­wor­den sei, ist sie für die­se Be­haup­tung be­weisfällig ge­blie­ben - nicht un­mit­tel­bar mit sei­ner Be­triebs­ratstätig­keit zu­sam­menhängt, tut sie dies doch mit­tel­bar. Denn dass ein Nicht-Be­triebs­rats­mit­glied an ei­ner ge­werk­schaft­li­chen Schu­lungs­maßnah­me teil­neh­men will, dürf­te weit­aus un­wahr­schein­li­cher sein, als dies bei ei­nem Be­triebs­rats­mit­glied der Fall ist.

Ent­schei­dend für den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den sprach aus Sicht der Kam­mer schließlich, dass der Per­so­nal­lei­ter der Ar­beit­ge­be­rin in ei­ner E-Mail an den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vom 1. Ok­to­ber 2015 mo­nier­te, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de im Zeit­raum vom 7. Sep­tem­ber 2015 bis 11. Sep­tem­ber 2015 ei­genmäch­tig FMA-St­un­den ein­set­zen ließ und vom 14.-18. Sep­tem­ber 2015 un­be­zahl­ten Ur­laub ge­nom­men ha­be. Das Schrei­ben en­det mit dem Hin­weis, dass die Ar­beit­ge­be­rin letzt­ma­lig da­von ab­se­hen wer­de, die bei­den Zeiträume als un­ent­schul­dig­tes Feh­len zu wer­ten und nicht zu vergüten. Wenn so­mit die Ar­beit­ge­be­rin ein aus ih­rer Sicht un­ent­schul­dig­tes Feh­len des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den am 1. Ok­to­ber 2015 noch nicht ein­mal mit ei­ner Ab­mah­nung sank­tio­niert, konn­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de nicht da­mit rech­nen, dass im Wie­der­ho­lungs­fall die Ar­beit­ge­be­rin un­mit­tel­bar zum schärfs­ten Schwert der frist­lo­sen Kündi­gung greift. Für den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den war ge­ra­de nicht oh­ne wei­te­res er­kenn­bar, dass es sich aus Sicht der Ar­beit­ge­be­rin um ei­ne so schwe­re Pflicht­ver­let­zung han­delt, bei der die Hin­nah­me des Ver­hal­tens durch den Ar­beit­ge­ber of­fen­sicht­lich aus­ge­schlos­sen ist. Ei­ne Ab­mah­nung war aus die­sem Grun­de ge­ra­de nicht ent­behr­lich. In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass es in der Ver­gan­gen­heit ei­ne langjährig ge­leb­te Pra­xis war, dass die frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der ih­re Ur­lau­be und Frei­stel­lun­gen nur wech­sel­sei­tig ab­stimm­ten. Die Ar­beit­ge­be­rin räumt selbst ein, in­so­weit in der Ver­gan­gen­heit kein Pro­blem­be­wusst­sein ge­habt zu ha­ben. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin sich dar­auf be­ruft, dass sie den Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den mit E-Mail vom 14. Ok­to­ber, 15:46 Uhr noch­mals ein­dring­lich da­vor ge­warnt ha­be, die un­be­zahl­te Frei­stel­lung oh­ne aus­drück­li­che Ge­neh­mi­gung an­zu­tre­ten und sie dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass dies Kon­se­quen­zen wer­den ha­be, hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de die­se E-Mail un­strei­tig nicht mehr ge­le­sen, da er sich zu die­sem Zeit­punkt be­reits aus­ge­stem­pelt und sei­ne Ar­beits­zeit be­en­det hat­te.

2.Auch der zulässi­ge Hilfs­an­trag auf Aus­schluss des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus dem Be­triebs­rat ist un­be­gründet.

a)Gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG kann ein Be­triebs­rats­mit­glied auf den An­trag des Ar­beit­ge­bers aus dem Be­triebs­rat aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn es sei­ne ge­setz­li­chen Pflich­ten grob ver­letzt. Mit den ge­setz­li­chen Pflich­ten sind die Amts­pflich­ten des Be­triebs­rats­mit­glieds ge­meint, d. h. die­je­ni­gen Pflich­ten, die sich aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­recht er­ge­ben, denn es steht in­so­weit das Amt des Be­triebs­ra­tes in Re­de (BAG 5. Sep­tem­ber 1967 - 1 ABR 1/67 - Rn. 33,45, AP Be­trVG § 23 Nr. 8; LAG Düssel­dorf 23. Ja­nu­ar 2015 - 6 TaBV 48/14 - Rn. 50). Die Pflicht­ver­let­zung muss "grob", nämlich ob­jek­tiv er­heb­lich und of­fen­sicht­lich schwer­wie­gend sein (vgl. BAG 22. Ju­ni 1993 - 1 ABR 62/92 -, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 22; BAG 21. Fe­bru­ar 1978 - 1 ABR 54/76 - Rn. 85, BB 1978, 1116; LAG Düssel­dorf 23. Ja­nu­ar 2015 - 6 TaBV 48/14 - Rn. 50). Dies kann nur un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der be­trieb­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten und des An­las­ses der Pflicht­ver­let­zung be­ur­teilt wer­den. Die wei­te­re Amts­ausübung muss un­trag­bar sein (BAG 22. Ju­ni 1993 - 1 ABR 62/92 -, AP Be­trVG 1972 § 23 Nr. 22; LAG Düssel­dorf 23. Ja­nu­ar 2015 - 6 TaBV 48/14 - Rn. 50; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 12. No­vem­ber 2012 - 17 TaBV 1318/12 - Rn. 26, NZA-RR 2013, 293).

b)Hier­nach ver­moch­te die Ar­beit­ge­be­rin die not­wen­di­ge gro­be Pflicht­ver­let­zung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den nicht dar­zu­le­gen. Das Vor­brin­gen der Ar­beit­ge­be­rin schei­tert in wei­ten Tei­len be­reits dar­an, dass sie nicht nach­zu­wei­sen ver­moch­te, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de mit sei­nen Hand­lungs­wei­sen und Äußerun­gen nicht nur gemäß § 26 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG den Be­triebs­rat im Rah­men der von ihm mehr­heit­lich ge­fass­ten Be­schlüsse ver­tre­ten hat. Hin­sicht­lich der fol­gen­den Vorwürfe sieht sich die Kam­mer zu ei­ner ausführ­li­che­ren Be­gründung ver­an­lasst:

aa)Die Amts­pflicht­ver­let­zung im Rah­men des § 23 Abs. 1 Be­trVG muss sich aus der ak­tu­el­len Amts­pe­ri­ode er­ge­ben. So­weit sich die Ar­beit­ge­be­rin da­her auf mögli­che Pflicht­ver­let­zun­gen aus ei­ner frühe­ren Wahl­pe­ri­ode be­ruft, sind die­se be­reits nicht ge­eig­net, ei­nen Aus­schluss des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus dem Be­triebs­rat zu recht­fer­ti­gen (vgl. BAG 29. April 1969 - 1 ABR 19/68 - AP Be­trVG § 23 Nr. 9; LAG München 28. April 2014 - 2 TaBV 44/13 - LA­GE Be­trVG 2001 § 103 Nr. 17).

bb)So­weit sich die Ar­beit­ge­be­rin dar­auf be­ruft, dass der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zur Mehr­ar­beit oder die Zu­stim­mung zu sons­ti­gen Anträgen von For­de­run­gen abhängig ma­che, bei de­nen ihm kein Mit­be­stim­mungs­recht zu­ste­he, kann da­hin­ste­hen, ob in­so­weit ei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Be­trVG vor­liegt. Zwar hat auch die Kam­mer je­den­falls er­heb­li­che Zwei­fel dar­an, dass es zulässig war, die Zu­stim­mung zur Mehr­ar­beit im Mo­nat Ju­li 2015 von ei­nem Ver­zicht der Ar­beit­ge­be­rin auf die Gel­tend­ma­chung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten abhängig zu ma­chen und in die­sem Zu­sam­men­hang den Ta­ges­ord­nungs­punkt vier mal (!) auf die nächs­te Be­triebs­rats­sit­zung zu ver­ta­gen. Die Ar­beit­ge­be­rin bleibt in­des ei­nen Nach­weis dafür schul­dig, dass hierfür der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de persönlich ver­ant­wort­lich war.

(1)Wie sich den Pro­to­kol­len der Be­triebs­rats­sit­zun­gen vom 24. Ju­ni 2015, vom 25. Ju­ni 2015, vom 1. Ju­li 2015 und vom 8. Ju­li 2015 ent­neh­men lässt, ist die Ver­ta­gung des Ta­ges­ord­nungs­punk­tes "Mehr­ar­beit Ju­li 2015" auf die je­weils nächs­te Be­triebs­rats­sit­zung im­mer von ei­nem Mehr­heits­be­schluss des Be­triebs­rats ge­deckt. Die Ar­beit­ge­be­rin ver­moch­te auch nicht zu wi­der­le­gen, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de in dem Gespräch am 24. Ju­ni 2015 zwi­schen dem Per­so­nal­lei­ter Herrn N., dem Lei­ter Be­ar­bei­tung Herrn C. so­wie der Ju­ris­tin Frau L. im Büro des Be­triebs­ra­tes le­dig­lich die Auf­fas­sung des Be­triebs­rats wi­der­gab, wie sie zu­vor im Gre­mi­um dis­ku­tiert wor­den war. Eben­so we­nig hat die Ar­beit­ge­be­rin sub­stan­ti­ier­ten Tat­sa­chen­vor­trag ge­hal­ten, aus dem sich schließen ließe, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de den 1. Be­vollmäch­tig­ten der IG Me­tall Vel­bert, Herrn Dat­ta­ro, vor des­sen Gespräch mit der Ver­bands­ver­tre­te­rin Frau N. am 30. Ju­ni 2015 ent­spre­chend "in­stru­iert" ha­be. Hierfür mag ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit spre­chen, letzt­lich be­schränkt sich das Vor­brin­gen der Ar­beit­ge­be­rin in­des auf Ver­mu­tun­gen.

(2)Auf die Fra­ge, ob der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de oder ein an­de­res Be­triebs­rats­mit­glied das Be­gleit­schrei­ben zum Aus­hang des Geschäftsführers vom 8. Ju­li 2015 text­lich er­stellt hat, kommt es nicht an. Ent­schei­dend ist, ob der In­halt die persönli­che Auf­fas­sung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den wi­der­spie­gelt, was die Be­klag­te nicht dar­zu­le­gen ver­moch­te, oder die Auf­fas­sung des Gre­mi­ums. Für letz­te­res spricht, dass das Schrei­ben mit den Grußwor­ten "Dein Be­triebs­rat" en­det.

(2)So­weit die Ar­beit­ge­be­rin be­strei­tet, dass die Ein­la­dung zu der zusätz­li­chen Be­triebs­ver­samm­lung am 9. Ju­li 2015 zum The­ma Aus­schluss­fris­ten nicht durch ei­nen Be­triebs­rats­be­schluss ge­deckt ge­we­sen sei, hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de das Pro­to­koll der Be­triebs­rats­sit­zung vom 25. April 2014 zu den Ak­ten ge­reicht, wo­nach dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den die Fest­le­gung der Ter­mi­ne für die Be­triebs­ver­samm­lun­gen über­tra­gen wur­de. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin der Auf­fas­sung ist, dass mit die­ser De­le­ga­ti­on le­dig­lich die kon­kre­te Ter­min­fest­le­gung ver­bun­den sei, nicht hin­ge­gen die Be­fug­nis, auch über das "ob" der Durchführung ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung al­lei­ne zu ent­schei­den, kann die Rich­tig­keit die­ser Rechts­auf­fas­sung da­hin­ste­hen. Soll­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de in­so­weit ei­ne fal­sche recht­li­che Be­wer­tung vor­ge­nom­men ha­ben, liegt hier­in nach Auf­fas­sung der Kam­mer kei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Be­trVG.

(3)Was die For­de­rung des Be­triebs­rats auf Ein­set­zung des Di­rek­tors am Ar­beits­ge­richt a.D. Thür zum Vor­sit­zen­den der ERA-Ei­ni­gungs­stel­le, den Ver­zicht auf die Einführung von Ar­beits­zeit­kon­ten so­wie den Ver­zicht auf den Ein­satz von Schüler- und Stu­den­ten­aus­hil­fen be­trifft, ver­moch­te die Ar­beit­ge­be­rin eben­falls nicht dar­zu­le­gen, dass es sich hier­bei um ei­ne persönli­che For­de­rung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den han­del­te, die nicht vom Wil­len des Be­triebs­rats­gre­mi­ums ge­deckt war. Glei­ches gilt mit Blick auf den im Güte­rich­ter­ver­fah­ren 12 Gra 29/14 zu­stan­de ge­kom­me­nen Ver­gleich, wo­nach die Zu­stim­mung zur Mehr­ar­beit bis auf wei­te­res er­teilt wird und der Di­rek­tor am Ar­beits­ge­richt a.D. Thür zum Vor­sit­zen­den der ERA-Ei­ni­gungs­stel­le be­stimmt wur­de.

(4)So­weit der Be­triebs­rat ver­langt hat, bei Anträgen auf Mehr­ar­beit die nach § 100 Be­trVG vorläufig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer von den Anträgen aus­zu­neh­men, liegt - un­ge­ach­tet der persönli­chen Ver­ant­wort­lich­keit des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den - be­reits kein un­zulässi­ges Kopp­lungs­geschäft vor. Es ist recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn der Be­triebs­rat bei Ar­beit­neh­mern, de­ren Ein­stel­lung er nicht zu­ge­stimmt hat und die nur auf­grund der be­son­de­ren Re­ge­lung des § 100 Be­trVG vorläufig beschäftigt wer­den können, nicht be­reit ist, die­se Ar­beit­neh­mer auch noch Mehr­ar­beit leis­ten zu las­sen.

(5)Zwar er­scheint es nach Auf­fas­sung der Kam­mer recht­lich be­denk­lich, die Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers D. da­von abhängig zu ma­chen, dass dem Be­triebs­rat die Aus­wahl von fünf neu­en Aus­zu­bil­den­den ab dem Aus­bil­dungs­jahr 2015/2016 über­las­sen wer­de. Auch hier fehlt es in­des wie­der an über­prüfba­rem Tat­sa­chen­vor­trag der Ar­beit­ge­be­rin, dass die­se For­de­rung vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den persönlich ge­stellt wur­de und nicht vom Be­triebs­rat als Gre­mi­um.

cc)Die zahl­rei­chen beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf geführ­ten Ver­fah­ren nach §§ 99,100 Be­trVG be­gründen eben­falls kei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den. Zwar ist ge­richts­be­kannt, dass der Be­triebs­rat na­he­zu je­dem per­so­nel­len An­trag der Ar­beit­ge­be­rin nach § 99 Be­trVG mit ei­ner gleich lau­ten­den Stan­dard­for­mu­lie­rung wi­der­spricht, so dass die Ar­beit­ge­be­rin ge­zwun­gen ist, je­weils ein Ver­fah­ren nach §§ 99, 100 Be­trVG beim Ar­beits­ge­richt ein­zu­lei­ten. Auch hier lie­gen al­ler­dings kei­ne An­halts­punk­te dafür vor, dass die Wi­dersprüche nicht von ei­nem Be­schluss des Be­triebs­rats­gre­mi­ums ge­deckt sind und der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de so­mit nur gemäß § 26 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG die Be­schlüsse des Gre­mi­ums ausführt. So­fern der vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den - nach ent­spre­chen­der Ermäch­ti­gung durch das Be­triebs­rats­gre­mi­um - aus­for­mu­lier­te Wi­der­spruch in ei­nem Ein­zel­fall (Ar­beit­neh­mer Hol­ger O.) von dem im Gre­mi­um be­spro­che­nen Wi­der­spruchs­gründen ab­ge­wi­chen sein soll­te, liegt auch hier­in je­den­falls kei­ne "gro­be" Pflicht­ver­let­zung. Es ist be­reits nicht klar, ob der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de - den Sach­vor­trag der Ar­beit­ge­be­rin als rich­tig un­ter­stellt -vorsätz­lich von den im Gre­mi­um be­spro­che­nen Wi­der­spruchs­gründen ab­ge­wi­chen ist oder im Hin­blick auf die enor­me An­zahl von Wi­dersprüchen nicht le­dig­lich ein Flüch­tig­keits­feh­ler vor­lag. Letzt­lich do­ku­men­tiert auch die sei­tens des Ar­beit­ge­be­rin zi­tier­te Äußerung des Be­triebs­rats­mit­glieds Lahm im Hin­blick auf die aus­nahms­lo­se Wi­der­spruchs­hal­tung des Be­triebs­rats, dass man hier nur auf Herrn H. war­te, dass die Wi­dersprüche von ei­ner Mehr­heits­ent­schei­dung im Be­triebs­rats­gre­mi­um ge­deckt sind.

dd)Die Be­haup­tung, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ei­nen An­trag auf Mehr­ar­beit, 88 der die Her­aus­nah­me von nach § 100 Be­trVG vorläufig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern nicht vor­sieht, noch nicht ein­mal auf die Ta­ges­ord­nung neh­me, ist un­sub­stan­ti­iert. Die Ar­beit­ge­be­rin nennt kei­nen kon­kre­ten Fall, in dem der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ei­nen der­ar­ti­gen An­trag nicht auf die Ta­ges­ord­nung ge­nom­men hätte.

ee)So­weit die Ar­beit­ge­be­rin be­haup­tet, dass sich der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de re­gelmäßig da­ge­gen sper­re, An­lie­gen der Ar­beit­ge­be­rin auf die Ta­ges­ord­nung zu neh­men, an de­ren Re­ge­lung er of­fen­sicht­lich kein In­ter­es­se ha­be, und sich in die­sem Zu­sam­men­hang ins­be­son­de­re auf den Ab­schluss der Be­triebs­ver­ein­ba­rung SYM­BIOS, den Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung Crash­sen­so­ren, auf die Be­stel­lung von Herrn G. als wei­te­re Si­cher­heits­fach­kraft so­wie auf den Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum Nicht­rau­cher­schutz be­ruft, ver­hilft auch dies dem An­trag nicht zum Er­folg. Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de hat mit Schrift­satz vom 12. Fe­bru­ar 2016 vor­ge­tra­gen, dass die Ar­beit­ge­be­rin den An­trag auf Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung Crash­sen­so­ren zurück­ge­zo­gen ha­be, der Be­triebs­rat die Be­triebs­ver­ein­ba­rung SYM­BIOS zur Aus­ar­bei­tung ei­nem Aus­schuss über­tra­gen ha­be, die noch nicht ab­ge­schlos­sen sei, hin­sicht­lich der Be­stel­lung von Herrn G. als Si­cher­heits­fach­kraft noch ei­ne Ant­wort der Ar­beit­ge­be­rin auf die E-Mail des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vom 1. April 2015 aus­ste­hen, die bis­her un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben sei, und der Be­triebs­rat die Be­hand­lung der Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nicht­rau­cher­schutz ein­zel­nen Mit­glie­dern über­tra­gen ha­be, wo­bei noch am 6. Ok­to­ber 2015 ei­ne ganztägi­ge Sit­zung statt­ge­fun­den ha­be und der Aus­schuss na­he­zu fer­tig mit der Er­ar­bei­tung des Ent­wur­fes sei. Die­sem Vor­brin­gen ist die Ar­beit­ge­be­rin nicht mehr ent­ge­gen­ge­tre­ten. Zu­dem ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der Ar­beit­ge­ber in al­len die­sen Fällen die Möglich­keit hat, die Ei­ni­gungs­stel­le an­zu­ru­fen, falls er der Auf­fas­sung ist, dass der Be­triebs­rat die Ver­hand­lun­gen verzöge­re und die Ver­hand­lun­gen ge­schei­tert sind.
ff)Was den Vor­wurf ei­nes vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den aus­geübten Frak­ti­ons­zwangs in­ner­halb des Be­triebs­rats be­trifft, ist die Ar­beit­ge­be­rin für ih­re Be­haup­tun­gen - sie selbst spricht nur von ei­ner Ver­mu­tung - be­weisfällig ge­blie­ben. Das Be­weis­an­ge­bot der Her­ren The­wes, G. und Fels lie­fe in­so­weit auf ei­nen rei­nen Aus­for­schungs­be­weis hin­aus.

gg)So­weit dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vor­ge­wor­fen wird, dass er zwei Be­triebs­ver­samm­lun­gen durch­geführt ha­be, bei de­nen nicht be­triebs­an­gehöri­ge Gäste teil­ge­nom­men hätten, sieht die Kam­mer hier­in kei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung, die zum Aus­schluss aus dem Be­triebs­rat führen würde, ins­be­son­de­re auch auf­grund der Tat­sa­che, dass nach dem nicht be­strit­te­nen Vor­brin­gen des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den auch ein Ver­tre­ter der AOK teil­ge­nom­men hat, der auf aus­drück­li­chen Wunsch der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­la­den wor­den sei.

hh)Die be­haup­te­te Blo­cka­de­hal­tung des Be­triebs­rats in Be­zug auf den Ab­schluss ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung hin­sicht­lich der Ar­beits­zei­ten für No­vem­ber 2015 und Ja­nu­ar 2015 ver­mag be­reits des­halb kei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung dar­zu­stel­len, da das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf in den einst­wei­li­gen Verfügungs­ver­fah­ren 3 BV­Ga 29/15 so­wie 7 BV­Ga 32/15 auf An­trag des Be­triebs­rats Un­ter­las­sungs­verfügun­gen ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin er­las­sen hat, wo­nach der Ar­beit­ge­be­rin un­ter­sagt ist, oh­ne Zu­stim­mung des Be­triebs­rats in den je­wei­li­gen Mo­na­ten Mehr­ar­beit
an­zu­ord­nen oder zu dul­den. Hin­zu kommt, dass die Ar­beit­ge­be­rin auch hier nicht dar­zu­le­gen ver­moch­te, dass die Hal­tung des Be­triebs­rats auf die Ver­ant­wort­lich­keit des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den zurück­zuführen ist. Sch­ließlich be­steht auch kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en der Ar­beit­ge­be­rin, dass ein Be­triebs­rat ein in der Ver­gan­gen­heit prak­ti­zier­tes Ver­fah­ren zur Ver­ein­ba­rung von Mehr­ar­beit dau­er­haft wei­terführt. Auch wenn ein Be­triebs­rat in der Ver­gan­gen­heit stets den Mehr­ar­beits­anträgen der Ar­beit­ge­be­rin zu­ge­stimmt hat, steht es dem Be­triebs­rat frei und ist es recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn er die Zu­stim­mung von der Vor­la­ge wei­ter­ge­hen­der In­for­ma­tio­nen (ins­be­son­de­re die na­ment­li­che Be­nen­nung der Mit­ar­bei­ter, Da­tum und Uhr­zeit der Mehr­ar­beit, ak­tu­el­ler Zeit­kon­to­stand der be­trof­fe­nen Per­son, ak­tu­el­ler Ur­laubs­stand der be­trof­fe­nen Per­son ak­tu­el­le ver­ein­bar­te ver­trag­li­che Ar­beits­zeit der be­trof­fe­nen Per­son) abhängig macht.

ii)Der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de hat auch nicht ei­genmäch­tig ent­schie­den, in dem Ver­fah­ren 11 BV 306/15 die Ei­ni­gungs­stel­le an­zu­ru­fen. Der Be­triebs­rat fass­te hier­zu den ent­spre­chen­den Be­schluss am 18. No­vem­ber 2015. Zu Guns­ten der Ar­beit­ge­be­rin kann un­ter­stellt wer­den, dass ihr ei­ne Frist ge­setzt wur­de, die ent­spre­chen­den Un­ter­la­gen bis zum 14. De­zem­ber 2015 ein­zu­rei­chen. Un­strei­tig sind die Un­ter­la­gen sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin bis zu die­sem Zeit­punkt - je­den­falls nicht vollständig zur Zu­frie­den­heit des Be­triebs­rats - über­ge­ben wor­den. In­so­weit ist es recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn der Be­triebs­rat be­reits am 18. No­vem­ber 2015 ei­nen Vor­rats­be­schluss fasst, wo­nach der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ermäch­tigt wird, für den Fall ei­nes Frist­ab­laufs die not­wen­di­gen Schrit­te zur Ein­lei­tung des ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ein­zu­lei­ten. Auf die Fra­ge, ob die Ver­hand­lun­gen am 14. De­zem­ber 2015 schon ge­schei­tert wa­ren und ob die Ein­lei­tung des Ver­fah­rens zur Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le not­wen­dig war, kommt es in die­sem Zu­sam­men­hang nicht an.

jj)So­weit sich die Ar­beit­ge­be­rin auf die nach ih­rer Auf­fas­sung nach "schlicht überflüssi­gen" sechs Be­schluss­ver­fah­ren bezüglich der Kos­tenüber­nah­me von Be­triebs­rats­schu­lun­gen be­zieht, hat die Ar­beit­ge­be­rin nach Hin­wei­sen der ent­spre­chen­den Kam­mern mitt­ler­wei­le in sämt­li­chen Ver­fah­ren die Anträge an­er­kannt. Die Aus­sa­ge der Ar­beit­ge­be­rin, dass die Be­schluss­ver­fah­ren "schlicht überflüssig" wa­ren, soll da­her an die­ser Stel­le nicht wei­ter kom­men­tiert wer­den.

kk)Dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de für den 24. No­vem­ber 2015 ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung an­be­raum­te, die die tur­nusmäßige Be­triebs­ver­samm­lung im De­zem­ber 2015 er­set­zen soll­te, ist recht­lich nicht zu be­an­stan­den. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin mo­niert, dass die Ein­be­ru­fung nicht durch ei­nen Be­triebs­rats­be­schluss ge­deckt ge­we­sen sei, wird auf die Ausführun­gen un­ter bb) (2) ver­wie­sen. Dass die Ein­be­ru­fung der Be­triebs­ver­samm­lung im Hin­blick auf die am 19. Ok­to­ber 2015 im Wirt­schafts­aus­schuss dis­ku­tier­te, sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­te Be­triebsände­rung nicht pflicht­gemäßem Er­mes­sen ent­spro­chen hätte, ist nicht er­kenn­bar.

ll)So­weit dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vor­ge­wor­fen wird, in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf am 21. Fe­bru­ar 2014 (5 TaBV­Ga) ei­nen Ver­gleich ab­ge­schlos­sen, oh­ne dass ein vor­he­ri­ger Be­schluss des Be­triebs­rats vor­ge­le­gen ha­be, hat der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de vor­ge­tra­gen, dass der Be­triebs­rat re­gelmäßig ei­nen Be­schluss fasst, wo­nach sein Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter zum Ab­schluss ei­nes Ver­gleichs be­rech­tigt ist. Die­sem Vor­brin­gen ist die Ar­beit­ge­be­rin nicht wei­ter ent­ge­gen­ge­tre­ten. Zu­dem stellt sich der Kam­mer die Fra­ge, wie­so die Ar­beit­ge­be­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung die­sen Ver­gleich ab­ge­schlos­sen hat, ob­wohl ihr an­geb­lich be­wusst war, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de man­gels ei­nes Be­triebs­rats­be­schlus­ses zu ei­nem Ver­gleichs­ab­schluss nicht be­fugt ge­we­sen sein soll.

mm)Ob der Ab­sa­ge des Güte­rich­ter­ver­fah­rens durch den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Be­triebs­rats am 30. Ok­to­ber 2015 ein Be­schluss des Be­triebs­rats zu­grun­de lag, kann of­fen blei­ben. Die Ar­beit­ge­be­rin trägt kei­ne Tat­sa­chen vor, aus de­nen zu schließen wäre, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten da­mit be­auf­tragt hat. Die Ar­beit­ge­be­rin schreibt in­so­weit le­dig­lich, "dass da­von aus­zu­ge­hen sei" dass ge­ra­de der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de ei­genmäch­tig ge­han­delt ha­be. Auch hier­bei han­delt es sich um Ver­mu­tun­gen.

nn) Wei­ter­hin recht­fer­tigt auch der Vor­wurf der Ar­beit­ge­be­rin, dass der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de sich wei­ge­re, an ei­ner ge­mein­sa­men Be­spre­chung nach § 74 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG teil­zu­neh­men und die letz­te Sit­zung am 16. April 2015 statt­ge­fun­den ha­be, kei­nen Aus­schluss aus dem Be­triebs­rat. Es ist nicht al­lei­ni­ge Auf­ga­be des Be­triebs­rats oder des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den für die Durchführung die­ser mo­nat­li­chen Be­spre­chun­gen Sor­ge zu tra­gen. Viel­mehr sind hier­zu so­wohl der Be­triebs­rat als auch der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet. An­de­rer­seits können Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat auch ein­ver­nehm­lich da­von ab­se­hen, ei­ne mo­nat­li­che Be­spre­chung durch­zuführen (vgl. Fit­ting Be­trVG 27. Aufl. § 74 Rn. 4). Die Ar­beit­ge­be­rin hat le­dig­lich dar­ge­legt, dass sie dem Be­triebs­rat zwei Ter­mi­ne (3. und 8. De­zem­ber 2015) an­ge­bo­ten ha­be, die vom Be­triebs­rat ab­ge­lehnt wor­den sei­en. Dies genügt aber nicht, um von ei­ner be­harr­li­chen Wei­ge­rung, die mo­nat­li­chen Be­spre­chun­gen durch­zuführen, aus­zu­ge­hen. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin vorträgt, sie ha­be in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach ver­sucht, ge­mein­sa­me Sit­zun­gen mit dem Be­triebs­rat durch­zuführen, ist ihr Vor­trag un­sub­stan­ti­iert. Die Ar­beit­ge­be­rin legt nicht dar, dass und zu wel­chen kon­kre­ten Ter­mi­nen sie den Be­triebs­rat zu ei­ner ge­mein­sa­men Be­spre­chung noch ein­ge­la­den ha­ben will und dass die­se Ein­la­dun­gen sei­tens des Be­triebs­rats je­weils durch ih­ren Vor­sit­zen­den aus­ge­schla­gen wor­den sei­en.

oo)In Be­zug auf das Anhörungs­ver­fah­ren zu der ge­plan­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung im Ja­nu­ar 2016 ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Ar­beit­ge­be­rin auch hier nicht nach­wei­sen kann, dass die in der Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats vom 22. Ja­nu­ar 2016 ent­hal­te­ne Be­gründung, dass die Frist zur Stel­lung­nah­me noch nicht an­ge­lau­fen sei, auf dem persönli­chen Ent­schluss des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den be­ruht und er da­mit nicht nur die im Gre­mi­um be­spro­che­ne Be­gründung wi­der­gibt.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­sen Be­schluss kann von der Ar­beit­ge­ber­sei­te Be­schwer­de ein­ge­legt wer­den.

Für den Be­triebs­rat ist ge­gen die­sen Be­schluss kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Be­schwer­de muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in 103 elek­tro­ni­scher Form beim

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf

Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21

40227 Düssel­dorf

Fax: 0211 7770-2199

ein­ge­gan­gen sein.

Die elek­tro­ni­sche Form wird durch ein qua­li­fi­ziert si­gnier­tes elek­tro­ni­sches Do­ku­ment ge­wahrt, das nach Maßga­be der Ver­ord­nung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr bei den Ar­beits­ge­rich­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (ERV­VO ArbG) vom 2. Mai 2013 in der je­weils gel­ten­den Fas­sung in die elek­tro­ni­sche Post­stel­le zu über­mit­teln ist. Nähe­re Hin­wei­se zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr fin­den Sie auf der In­ter­net­sei­te www.egvp.de.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.

Die Be­schwer­de­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1.Rechts­anwälte,

2.Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3.ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

E. 

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