Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Witwenrente, Betriebliche Altersversorgung, Betriebsrente, Hinterbliebenenversorgung, Diskriminierung: Alter, Spätehenklausel
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 7 Sa 573/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.01.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Endurteil vom 4.6.2012, 3 Ca 9945/11
   

7 Sa 573/12
3 Ca 9945/11
(ArbG München)

Verkündet am: 15.01.2013

Göppl
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

Lan­des­ar­beits­ge­richt München

Im Na­men des Vol­kes

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

A.
A-Straße, A-Stadt

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

Rechts­anwälte B.

B-Straße, B-Stadt

ge­gen

Fir­ma C.
C-Straße, C-Stadt

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

D.
D-Straße, D-Stadt

 

- 2 -

hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. Ja­nu­ar 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Kar­rasch und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Häus­ler und Ebel

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 04.06.2012 – Az.: 3 Ca 9945/11 wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten, ob die Kläge­rin von der Be­klag­ten ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­an­spru­chen kann.
Die Kläge­rin ist die Wit­we des am 29.4.1947 ge­bo­re­nen und am 14.12.2010 ver­stor­be­nen Herrn Hans-Ge­org A.. Die Ehe wur­de nach ei­nem Zu­sam­men­le­ben seit 1992 und ei­ner Ver­lo­bung zu Os­tern 1993 am 8.8.2008 ge­schlos­sen.
Der Ehe­mann der Kläge­rin war bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin, der E. , auf Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 22.8.1989 (Bl. 13 bis 18 d.A.) seit dem 1.12.1989 beschäftigt, zu­letzt in ei­nem Al­ters­teil­zeit­mo­dell. Im An­stel­lungs­ver­trag vom 22.8.1989 stand un­ter Zif­fer 4 mit der Über­schrift „Ne­ben­leis­tun­gen“ u. a. (Bl. 15 d.A.):

„a. Bei der E. exis­tiert ein Pen­si­ons­plan, der zur Zeit übe­r­ar­bei­tet wird. Wir si­chern Ih­nen zu, dass Sie durch den neu­en Plan nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als die Mit­ar­bei­ter un­se­rer Mut­ter­ge­sell­schaft, der F. ...“

Ein neu­er Pen­si­ons­plan kam un­strei­tig nicht zu Stan­de. In der Ver­sor­gungs­ord­nung mit Da­tum 01.07.1982 (Bl. 30 bis 54 d.A.) der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, der E. , die zum 1.1. 1999 nach ei­nem Be­triebsüber­gang in C. (= die Be­klag­te) um­fir­mier­te, stand un­ter Zif­fer VII mit der Über­schrift „An­spruchs­vor­aus­set­zung für Wit­wen­ren­te“ (Bl. 34 d.A.):

 

- 3 -

„1. Den An­spruch auf Wit­wen­ren­te er­wirbt die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes Mit­ar­bei­ters (Anwärters) mit des­sen To­de.

Zusätz­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen sind, daß der Mit­ar­bei­ter (Anwärter) die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat und daß, be­reits am 1. Mai vor sei­nem To­de so­wohl die War­te­zeit (III) ab­ge­lau­fen ist, als auch die Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den hat.

1. Den An­spruch auf Wit­wen­ren­te er­wirbt auch die hin­ter­las­se­ne Ehe­frau ei­nes frühe­ren Ar­beit­neh­mers, der bis zu sei­nem To­de selbst An­spruch auf Fir­men­ren­te (V1, V2, VI) ge­habt hat.

Zusätz­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen sind, dass der Ren­ten­empfänger die Ehe vor der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res und vor dem Er­werb des An­spruchs auf Fir­men­ren­te ge­schlos­sen hat und daß be­reits am 1. Mai vor sei­nem To­de die Ehe min­des­tens ein Jahr be­stan­den hat.

2. Bei Frei­tod ist die Fir­ma nicht ver­pflich­tet, ei­ne Wit­wen­ren­te zu zah­len.“

Mit Da­tum 4. Ja­nu­ar 2011 er­hielt die Kläge­rin von der F. ein Schrei­ben mit der Über­schrift „Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung“ (Bl. 26 d.A.) mit dem fol­gen­den An­fangs­satz:

„Sehr ge­ehr­te Frau A.,
wie Sie be­reits wis­sen, be­kom­men Sie von uns ab dem 15.12.2010 ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung bis zum Be­ginn der Fir­men-Wit­wen­ren­te ab 1.3.2011 ...

Da­mit wir die­se Hin­ter­blie­be­nen-Ab­rech­nung durchführen können, benöti­gen wir noch fol­gen­de In­for­ma­tio­nen bzw. Un­ter­la­gen von Ih­nen: ....“.

 

- 4 -

Mit Da­tum 6. Mai 2011 über­sand­te die Be­klag­te an die Kläge­rin ein Schrei­ben mit der Über­schrift „Ster­be­fall: Herr Hans-Ge­org A./Fir­men­pen­si­on“ (Bl. 27 d.A.) mit fol­gen­dem In­halt:

„Sehr ge­ehr­te Frau A.,
auf­grund Ih­res An­ru­fes mit dem Hin­weis auf den Punkt 4a im An­stel­lungs­ver­trag vom 22.8.1989 des Herrn Hans-Ge­org A. ha­ben wir den Sach­ver­halt we­gen ei­ner mögli­chen Ände­rung in den Pen­si­ons-Richt­li­ni­en der C. noch mal über­prüft. Die im An­stel­lungs­ver­trag an­ge­spro­che­ne Übe­r­ar­bei­tung des Pen­si­ons­plans der C. war zwar zum da­ma­li­gen Zeit­punkt ge­plant, ist dann aber nie rea­li­siert wor­den. Es wur­de nur für neu ein­ge­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter ab dem 1.1.2002 ei­ne neue Pen­si­ons­ord­nung ins Le­ben ge­ru­fen, die­se gilt aber nur für neue Mit­ar­bei­ter, nicht für den Mit­ar­bei­ter­be­stand bis zum 31.12.2001.
Dem­zu­fol­ge galt die Ver­sor­gungs­ord­nung vom 1.7.1982 wei­ter­hin für Herrn Hans-Ge­org A. und da­mit wa­ren die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Fir­men-Wit­wen­pen­si­on der C. lei­der nicht erfüllt.
Es tut mir sehr leid, dass ich Ih­nen kei­ne po­si­ti­ve Ant­wort ge­ben kann. ...“

Die Kläge­rin hat hier­auf ei­ne Kla­ge zum Ar­beits­ge­richt er­ho­ben und die Zah­lung ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­gehrt. Sie hat aus­geführt, die Re­ge­lun­gen in Zif­fer VII 1. der Ver­sor­gungs­ord­nung der C., wo­nach die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen wer­den müsse, würden ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len. Wei­ter hat sie die ge­meint, die­se Klau­sel sei im Hin­blick auf das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des Art. 3 GG und auch we­gen Art. 6 GG, der die Ehe be­son­ders schütze, un­wirk­sam. Sie hat sich auch auf den Schutz­be­reich des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes, der ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ver­bie­te, be­ru­fen.
Wei­ter hat sie die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sich aus dem Schrei­ben der F. vom 5. Ja-nu­ar 2011 (Bl. 26 d. A.) eben­falls ei­nen An­spruch auf die gel­tend ge­mach­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung er­ge­ben ha­be, da die­ses Schrei­ben der Be­klag­ten bzw. der Kon­zern­mut­ter für die Kon­zern­toch­ter die Er­tei­lung ei­ner ver­bind­li­chen Zu­sa­ge dar­ge­stellt ha­be. Sch­ließlich hat die Kläge­rin ge­meint, dass sich aus Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­tra­ges vom 22.8.1989 ih­res ver­stor­be­nen Ehe­man­nes ein An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach der Pen­si­ons­ord­nung der Lin­de AG (Bl. 55 bis 67 d. A.), er­ge­ben ha­be. Sie hat

 

- 5 -

sich dar­auf be­ru­fen, dass der Ar­beits­ver­trag vom 22.8.1989 die Zu­si­che­rung ent­hal­ten ha­be, dass der Ehe­mann der Kläge­rin im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Pen­si­ons­plan nicht schlech­ter be­han­delt wer­den sol­le als Mit­ar­bei­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft, der F., und dass de­ren Pen­si­ons­plan nicht ei­ne Ehe­sch­ließung vor dem 60. Le­bens­jahr als An­spruchs­vor­aus­set­zung für ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung vor­ge­se­hen ha­be.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für die Mo­na­te März 2011 bis April 2012 ei­ne Wit­wen­ren­te (Wit­wen­pen­si­on) von mo­nat­lich € 723,49 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils € 723,49 seit dem je­wei­li­gen 1. des Fol­ge­mo­nats zu be­zah­len.

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ab dem 1.5.2012 le­bens­lang zum En­de je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te (Wit­wen­pen­si­on) in Höhe von mo­nat­lich € 723,49 zu be­zah­len.

Hilfs­wei­se: Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te der Kläge­rin ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung (be­trieb­lich Wit­wen­ren­te) nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der E. vom No­vem­ber 1982 (un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15.9.1986 und un­ter Nicht­berück­sich­ti­gung des An­spruchs­aus­schlus­ses gemäß Zif­fer VII, 1) ka­len­der­mo­nat­lich der­zeit in Höhe von € 723,49 – be­gin­nend mit dem 1.3.2011 – zu zah­len hat.

Hilfs­wei­se: Es wird fest­ge­stellt, dass der Kläge­rin ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung (be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te) nach der F.-Pen­si­ons­ord­nung vom 1. Ok­to­ber 1989 ab 21. März 2011 ein Le­ben lang zu­steht.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

- 6 -

Die Be­klag­te hat aus­geführt, dass aus­sch­ließlich die Re­ge­lun­gen der Ver­sor­gungs­ord­nung der E. an­wend­bar ge­we­sen sei­en, aber kei­nes­falls die der Pen­si­ons­ord­nung der F., denn die Ver­ein­ba­rung in Zif­fer 4a im Ar­beits­ver­trag des ver­stor­be­nen Ehe­manns der Kläge­rin hätten ge­ra­de nicht vor­ge­se­hen, dass der Pen­si­ons­plan der Mut­ter­ge­sell­schaft der F. zur An­wen­dung kom­me. Es sei le­dig­lich zu­ge­si­chert wor­den, dass durch ei­nen neu­en Plan bei der E. der Ehe­mann der Kläge­rin nicht schlech­ter ge­stellt wer­den sol­le als Mit­ar­bei­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft, der F.. Da aber un­strei­tig ein neu­er Pen­si­ons­plan bei der Be­klag­ten nicht zu Stan­de ge­kom­men sei und die Ver­sor­gungs­ord­nung nach wie vor in ih­rer al­ten Fas­sung Gel­tung ge­habt ha­be, könne auch kein an­de­rer Pen­si­ons­plan, wie der derF., zur An­wen­dung kom­men. Die Erklärung im Ar­beits­ver­trag, nach der Mit­ar­bei­ter durch die Übe­r­ar­bei­tung kei­nen Nach­teil er­lei­den dürfen, ha­be per se kei­nen An­spruch auf die An­wen­dung des exis­tie­ren­den Pen­si­ons­plans der Mut­ter­ge­sell­schaft be­gründet. Die Be­klag­te hat auch un­ter dem Ge­sichts­punkt des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes kei­ne An­spruch­grund­la­ge er­ken­nen können, denn das Prin­zip der Gleich­be­hand­lung grei­fe nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht hin-sicht­lich ei­genständi­ger Un­ter­neh­men in­ner­halb ei­nes Kon­zerns.
In der Re­ge­lung, dass die Vor­aus­set­zung für die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ei­ne Ehe­sch­ließung vor Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ist, hat die Be­klag­te kei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­lungs­ver­bo­tes des Art. 3 Abs. 2 GG ge­se­hen. Sie hat auf die Recht­spre­chung des´Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­wie­sen, wo­nach der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung ent­schei­den könne und, dass die Be­klag­te bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin in­so­weit auch frei in der Ent­schei­dung ge­we­sen sei, für wel­che in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle sie Leis­tun­gen zu­sa­ge. Die Be­klag­te ha­be kei­ne Rechts­pflicht ge­habt, Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zu ver­spre­chen. Sie ha­be viel­mehr auch ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an ge­habt, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um sie bes­ser kal­ku­lier­bar zu hal­ten. Ei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 6 GG we­gen der Späte­hen­klau­sel in der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung hat die Be­klag­te eben­falls ver­neint und sie hat dar­auf ver­wie­sen, dass die ent­spre­chen­de Klau­sel nicht dem Ver­bot in Art. 6 GG, die Ehe zu schädi­gen oder sonst zu be­ein­träch­ti­gen, wi­der­spro­chen ha­be, denn den Ehe­part­nern sei durch die Ein­schränkung kein Nach­teil, den sie oh­ne Hei­rat nicht ge­habt hätte, ent­stan­den. Die Be­klag­te hat sich auch dar­auf be­ru­fen, dass die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen in den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit eu­ro­pa-

 

- 7 -

recht­lich zulässig ge­we­sen sei, denn un­ge­ach­tet des Art. 2 der EWG Richt­li­nie 2000/78 sei in Art. 2 Abs. 2 die­ser Richt­li­nie vor­ge­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stell­ten, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sei­en und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sei­en, ge­recht­fer­tigt sei­en und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sei­en. Sie hat wei­ter aus­geführt, dass nach Art. 6 der EWG Richt­li­nie 2000/78 ei­ne Un­gleich­be­hand­lung für den Be­reich der Ver­sor­gung im Al­ter ge­recht­fer­tigt sei, denn in die­ser Spe­zi­al­re­ge­lung sei vor­ge­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für ei­ne Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stell­ten, so­lan­ge dies nicht zur Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts führe. Dies sei auch durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes bestätigt wor­den.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen, da die Ehe­sch­ließung der Kläge­rin mit ih­rem Ehe­mann erst nach des­sen 60.Le­bens­jahr er­folgt ist und die Späte­hen­klau­sel in der Ver­sor­gungs­ord­nung we­der ge­gen höher­ran­gi­ges Recht ver­s­toßen ha­be noch ver­trag­lich ab­ge­dun­gen wor­den sei. Es hat aus­geführt, die Späte­hen­klau­sel der Zif­fer VII 1 der Ver­sor­gungs­ord­nung ha­be nicht ge­gen Grund­rech­te ver­s­toßen. Ein Ver­s­toß ge­gen Art. 6 Abs. 1 GG ha­be nicht vor­ge­le­gen, da den Ehe­part­nern durch die Ver­sor­gungs­re­ge­lung kein Nach­teil ent­stan­den sei, den sie oh­ne Hei­rat nicht ge­habt hätten und die Be­klag­te sei nicht ver­pflich­tet ge­we­sen, ei­ne Ehe­sch­ließung durch Einräum­ung von Ansprüchen zu fördern. Auch Art. 3 GG sei nicht ver­letzt ge­we­sen, da die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung von jünge­ren und älte­ren Ar­beit­neh­mern aus sach­li­chen Gründen er­folgt sei. Auch ein Ver­s­toß ge­gen Art. 14 GG sei nicht er­sicht­lich ge­we­sen. Die Späte­hen­klau­sel ha­be auch nicht ge­gen das Al­ter­dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot nach dem AGG ver­s­toßen, denn ei­ne Un­gleich­be­hand­lung sei im Sin­ne von 10 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 AGG sach­lich ge­recht­fer­tigt ge­we­sen und die­se Vor­schrift ha­be wei­test­ge­hend dem Wort­laut von Art. 6 Abs. 2 der Richt-

 

- 8 -

li­nie 2000/78 EG des Ra­tes vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung und Beschäfti­gung im Be­ruf ent­spro­chen. Das Ar­beits­ge­richt hat auch die An­wen­dun­gen des Pen­si­ons­plans der F. zu Guns­ten der Kläge­rin ab­ge­lehnt, denn des­sen An­wen­dung sei nur für den Fall ei­ner Übe­r­ar­bei­tung der Ver­sor­gungs­ord­nung bei der Be­klag­ten ver­ein­bart ge­we­sen, was aber nicht er­folgt sei. Sch­ließlich hat das Ar­beits­ge­richt in dem Schrei­ben der F. vom 04.01.2011 kei­ne ver­bind­li­che Zu­sa­ge hin­sicht­lich ei­ner Wit­wen­ren­te er­kannt. Nach sei­ner Auf­fas­sung ha­be es sich bei dem Schrei­ben um ein Stan­dard­schrei­ben ge­han­delt, mit dem le­dig­lich Un­ter­la­gen an­ge­for­dert wer­den soll­ten. Die­sem Schrei­ben ha­be ein Rechts­bin­dungs­wil­len der Be­klag­ten zur Zah­lung ei­ner Wit­wen­ren­te aber nicht ent­nom­men wer­den können.

Die Kläge­rin hat ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts, das ihr am 15.6.2011 zu­ge­stellt wor­den ist, mit ei­nem am 29.6.2012 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt, den sie mit ei­nem am 14.8.2012 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein-ge­gan­gen Schrift­satz be­gründet hat.

Sie rügt mit der Be­ru­fung die Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts durch das Ar­beits­ge­richt und meint wei­ter­hin, dass sich der Kla­ge­an­spruch aus dem Ar­beits­ver­trag ih­res ver­stor­be­nen Ehe­man­nes so­wie aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz er­ge­be. Die Be­klag­te ha­be außer­dem auf den Ein­wand der Späte­hen­klau­sel gemäß § 781 BGB ver­zich­tet.
Die Späte­he­klau­sel in Ab­schnitt VII der Ver­sor­gungs­ord­nung der Be­klag­ten sper­re nicht den An­spruch der Kläge­rin, auch wenn de­ren Ehe­mann zum Zeit­punkt der Hei­rat mit ihr be­reits das 60. Le­bens­jahr voll­endet hat­te.
Die Re­ge­lung in Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­trags könne nur so aus­ge­legt wer­den, dass ver­ein­bart wer­den soll­te, dass ei­ne Pen­si­ons­ord­nung exis­tie­re und der Ar­beit­neh­mer die­ser un­ter­fal­le, mit­tel­fris­tig aber ein Stan­dard ge­schaf­fen wer­de, der min­des­tens dem der F. ent­spre­che und die­ser für den Ar­beit­neh­mer gel­ten wer­de und, dass der zur Zeit des Ver­trags­ab­schlus­ses be­ste­hen­de Pen­si­ons­plan al­so ge­ra­de nicht auf den Ar­beit­neh­mer an-zu­wen­den sei, wenn die­ser in Pen­si­ons­be­zug tre­te. Viel­mehr ver­spre­che die Ar­beit­ge­be­rin mit der Klau­sel in Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­trags, ei­nen Ren­ten­stan­dard min­des­tens auf dem Ni­veau der F. mit der Fol­ge, dass ei­ne Späte­he­klau­sel nicht zur An­wen­dung kom­me,

 

- 9 -

da der Pen­si­ons­plan der F. ei­ne sol­che nicht ent­hal­te. Zu den wei­te­ren Ausführun­gen der Kläge­rin hier­zu wird auf ih­ren Schrift­satz vom 14.8.2012 S. 4 bis 6 (Bl. 187 bis 189 d.A.) ver­wie­sen.
Die Kläge­rin meint wei­ter, dass auf der Grund­la­ge des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes die Späte­he­klau­sel un­be­acht­lich sei. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­zie­he sich zwar grundsätz­lich nur auf Mit­ar­bei­ter des­sel­ben Un­ter­neh­mens, ei­ne Gleich­be­hand­lung sei aber ver­trag­lich ver­ein­bart wor­den. Darüber hin­aus sei die ge­sam­te F.-Grup­pe in ei­ner Art und Wei­se struk­tu­riert, dass die kla­ren Ab­gren­zun­gen zwi­schen den un­ter­schied­li­chen Rechts­persönlich­kei­ten ein­zel­ner Kon­zern­ge­sell­schaf­ten (Ar­beit­ge­ber) bis zur Un­kennt­lich­keit ver­wischt sei­en. Dies er­ge­be sich dar­aus, dass die F. den Schrift­ver­kehr mit der Kläge­rin führ­te und aus ei­ner Verpfändungs­ver­ein­ba­rung des ver­stor­be­nen Ehe­manns der Kläge­rin mit der F. und dem Vor­sor­ge-Ak­tiv-Fonds e.V. we­gen Wert­gut­ha­ben aus des­sen Al­ters­teil­zeit­kon­to. Hier­aus wer­de deut­lich, dass im Hau­se F. hin­sicht­lich der Gleich­be­hand­lung der Kon­zern­mit­ar­bei­ter kein Un­ter­schied ge­macht wer­de.
Die Kläge­rin meint auch, das Schrei­ben der F. vom 20.4.2011 sei we­gen der For­mu­lie­rung, dass ei­ne Wit­wen­ren­te aus­ge­zahlt wer­de, ein Schuld­ver­spre­chen nach § 781 BGB, das sie an­ge­nom­men ha­be. Der An­sicht des Ar­beits­ge­rich­tes es han­de­le sich bei dem Schrei­ben vom 4.1.2011 um ein Stan­dard­schrei­ben, dem kein Rechts­bin­dungs­wil­le ent­nom­men wer­den könne, sei nicht zu fol­gen.
Sch­ließlich ver­weist die Kläge­rin dar­auf, dass auch bei ei­ner un­ter­stell­ten An­wend­bar­keit der Späte­hen­klau­sel die Kla­ge be­gründet blei­be. Die Späte­he­klau­sel sei auch im Lich­te des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes und der Richt­li­nie 2000/78/EG aus­zu­le­gen. Der Wort­laut der Klau­sel be­inhal­te of­fen­sicht­li­che Dis­kri­mi­nie­run­gen zu den Merk­ma­len Ge­schlecht, da nur Wit­wen nicht aber Wit­wer er­fasst sei­en, der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung, da der ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner aus­ge­schlos­sen sein und dem Al­ter, da ei­ne Be­nach­tei­li­gung der­je­ni­gen, die in höhe­rem Al­ter hei­ra­ten, er­fol­ge. Der tatsächli­che An­wen­dungs­be­reich der Späte­hen­klau­sel zu Ge­schlecht und se­xu­el­ler Ori­en­tie­rung könne aber ent­spre­chend aus­ge­wei­tet wer­den. Die Un­gleich­be­hand­lung un­ter­schied­li­cher Al­ters­grup­pen der Ar­beit­neh­mer sei da­ge­gen nicht ein­zu­se­hen und durch kei­ner­lei sach­li­chen, ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund zu recht­fer­ti­gen, zu­mal der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin bei der Hei­rat mit der Kläge­rin noch kei­ne 62 Jah­re alt war und da­mit noch mehr als drei Jah­re vor der Re­gel­al­ters­gren­ze ge­stan­den ha­be. Die Späte­hen­klau­sel be­inhal­te

 

- 10 -

aber auch ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters, da sie Mit­ar­bei­ter be­nach­tei­li­ge, die ei­ne Ehe erst nach dem 60. Le­bens­jahr ge­schlos­sen ha­ben. Für den Zweck, rei­ne Ver­sor­gungs­ehen, die kurz vor dem Ru­he­stand ge­schlos­sen wer­den, aus-zu­sch­ließen, sei ei­ne Klau­sel aus­rei­chend, die auf ei­ne Min­dest­dau­er der Ehe von ei­nem Jahr vor dem To­des­zeit­punkt ab­stel­le.
Hilfs­wei­se merkt die Kläge­rin an, dass ei­ne aus­le­gungs­freie An­wen­dung der Späte­hen­klau­sel streng nach Wort­laut nicht mit höher­ran­gi­gen Recht ver­ein­bar sei, denn in die­sem Fal­le wäre die Klau­sel nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam, denn sie be­inhal­te ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts, der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung und des Al­ters. Für ei­ne Un­gleich­be­hand­lung er­fol­ge auch kei­ne Recht­fer­ti­gung aus § 10 S. 3 Nr.4 AGG, da die­se Norm schon vom Wort­laut her nicht ein­schlägig sei, da sie als mögli­che An­wen­dungs­ge­bie­te für Al­ters­gren­zen be­trieb­li­cher Al­ters­ver­sor­gung le­dig­lich die Al­ters­ren­te und In­va­li­den­ren­te nicht aber die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te erwähne. Glei­ches gel­te auch für Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78 EG in der nur die Re­de von Al­ters- und In­va­li­den­ren­te sei. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung der Aus­nah­me­re­ge­lung kom­me nicht in Be­tracht, da dies dem Grund­ge­dan­ken des AGG als auch der Richt­li­nie 2000/78/EG zu­wi­der­lau­fen würde. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen Al­ters auf Grund der Späte­hen­klau­sel sei auch nicht durch ein im Sin­ne von § 10 Abs. 1 Satz 1 AGG le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt. Der Ar­beit­ge­ber ha­be zwar ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um sie bes­ser kal­ku­lier­bar zu ma­chen, ei­ne ein­fa­che Zu­gangs­be­schränkung oh­ne jeg­li­chen ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Zweck, wie in vor­lie­gen­den Fall, sei je­doch nicht le­gi­tim. Nach An­sicht der Kläge­rin sei die streit­ge­genständ­li­che Späte­hen­klau­sel kein ge­eig­ne­tes Mit­tel zur Kos­ten­kal­ku­lier­bar­keit und we­der er­for­der­lich noch an­ge­mes­sen und in­so­fern un­verhält­nismäßig. Die Späte­hen­klau­sel sei auch des­we­gen nicht an­ge­mes­sen, da sie auch Fälle er­fas­se, für die sie of­fen­sicht­lich nicht ge­dacht sei und es feh­le in die­sem Zu­sam­men­hang ei­ne Härte­fall­klau-sel. Der vor­lie­gen­de Fall sei ein Härte­fall, denn die Kläge­rin ha­be mit ih­rem ver­stor­be­nen Ehe­mann seit über 15 Jah­ren tatsächlich auf Grund­la­ge ei­nes Verlöbnis­se wie in ei­ner Ehe ge­lebt, und der ein­zi­ge Grund, war­um nicht früher ge­hei­ra­tet wor­den sei, sei­en die Kin­der von Herrn A. aus der Ehe mit sei­ner ver­stor­be­nen Frau ge­we­sen, de­nen kei­ne „neue Mut­ter“ vor­ge­setzt wer­den soll­te.
Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Kläge­rin wird auf ih­ren Schrift­satz vom 14.8.2012 (Bl. 184 bis 210 d.A.) ver­wie­sen.

 

- 11 -

Die Kläge­rin be­an­tragt:

1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 4.6.2012, Az.: 3 Ca 9945/11 wird ab­geändert. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für die Mo­na­te März 2011 bis De­zem­ber 2012 ei­ne Wit­wen­ren­te von mo­nat­lich € 723,49 nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils € 723,49 seit dem je­wei­li­gen Ers­ten des Fol­ge­mo­nats zu zah­len.

2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ab dem 1.1.2013 le­bens­lang zum En­de ei­nes je­den Mo­nats ei­ne mo­nat­li­che Wit­wen­ren­te in Höhe von mo­nat­lich € 723,49 zu zah­len.

Hilfs­wei­se zu 1. und 2.:

Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te der Kläge­rin ei­ne be­trieb­li­che Wit­wen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung der E. vom No­vem­ber 1982 un­ter Berück­sich­ti­gung des Nach­trags vom 15.9.1986 ka­len­der­mo­nat­lich der­zeit in Höhe von € 723,49 – be­gin­nend mit dem 1.3.2011 – zu be­zah­len hat.

Die Be­klag­te be­an­tragt Kla­ge­ab­wei­sung.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Das Ar­beits­ge­richt stel­le rich­tig fest, dass die Rechts­grund­la­ge für das Be­ste­hen der Wit­wen­ren­te die Ver­sor­gungs­ord­nung der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten sei und nicht die Pen­si­ons­ord­nung der F. Der Text im Ar­beits­ver­trag zu Zif­fer 4 vom 22.8.1989 sei ein­deu­tig. Es bedürfe hier kei­ner Aus­le­gung. Die Kläge­rin be­trei­be auch Ro­si­nen­pi­cke­rei, denn ei­ner­seits be­geh­re sie die An­wen­dung der Pen­si­ons­ord­nung der F., an­de­rer­seits be­rech­ne sie die Wit­wen­ren­te auf Ba­sis der Ver­sor­gungs­ord­nung der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, wo­bei die­se ein höhe­res Ni­veau als die Pen­si­ons­ord­nung der F. ha­be. Dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin, der

 

- 12 -

un­strei­tig Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten war, sei we­der von der Be­klag­ten noch von der F. ei­ne Zu­sa­ge er­teilt wor­den, dass auf sein Ar­beits­verhält­nis sämt­li­che Re­ge­lun­gen der F. An­wen­dung fänden. Auf Grund­la­ge des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes be­ste­he kein An­spruch, denn bei der Be­klag­ten und der F. han­de­le es sich um zwei recht­lich un­ter­schied­li­che Un­ter­neh­men. Dass die Kläge­rin meh­re­re Schrei­ben der F. er­hielt, ma­che ih­ren Mann noch nicht zum Ar­beit­neh­mer der F. Da die Be­klag­te über kei­ne ei­ge­ne Per­so­nal­ab­tei­lung verfüge, wer­de die ge­sam­te Per­so­nal­ad­mi­nis­tra­ti­on in ih­rem Auf­trag von der F. Geschäfts­be­reich En­gi­nee­ring durch­geführt. Bei der von der Kläge­rin be­nann­ten Verpfändungs­ver­ein­ba­rung han­de­le es sich um die vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne In­sol­venz­si­che­rung bei Al­ters­teil­zeit. Durch die­se Ver­ein­ba­rung würden nicht al­le Ar­beit­neh­mer des F.-Kon­zerns zu Ar­beit­neh­mern der F., son­dern es han­de­le sich hier um ei­ne kon­zern­wei­te ein­heit­li­che Ab­si­che­rung, die durch den F. Ak­tiv Fonds e.V. durch­geführt wer­de. Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 4.1.2011 sei kein de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis be­zo­gen auf die Er­tei­lung ei­ner Wit­wen­erklärung. Die Erwähnung in dem Schrei­ben „.. bis zum Be­ginn der Fir­men­wit­wen­ren­te ab 1.3.2011“ ent­hal­te sei­tens der Be­klag­ten kei­ne Wil­lens­erklärung in Be­zug auf ein Schuld­an­er­kennt­nis. Es han­de­le sich viel­mehr um ein Stan­dard­schrei­ben in Be­zug auf die Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung. Ei­ne Aus­sa­ge oder gar ein Rechts­bin­dungs­wil­len in Be­zug auf die Wit­wen­ren­te sei dem Schrei­ben nicht zu ent­neh­men. Das Wort „Wit­wen­ren­te“ ha­be nur in Be­zug auf das End­da­tum der Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung Erwähnung ge­fun­den. In die­sem Zu­sam­men­hang ver­weist die Be­klag­te auf Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wo­nach Leis­tungs­be­schei­den des Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­eins auch nicht die Ei­gen­schaft als Schuld­ver­spre­chen oder Schuld­an­er­kennt­nis zu­ge­spro­chen wer­de. Die Späte­hen­klau­sel in Zif­fer VII 1 der Ver­sor­gungs­ord­nung ver­s­toße auch nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht, ins­be­son­de­re nicht ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz oder das AGG. Ei­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung lie­ge nicht vor, denn mit der Klau­sel wer­de nicht an das Al­ter der Hin­ter­blie­be­nen, der Kläge­rin, an­ge­knüpft, son­dern es kom­me viel­mehr aus­sch­ließlich auf das Le­bens­al­ter des Ver­sor­gungs-be­rech­tig­ten an. Ei­ne Al­ters­si­che­rung des Mit­ar­bei­ters ha­be obers­te Prio­rität und nicht die Ab­si­che­rung von Hin­ter­blie­be­nen. Ei­ne Ab­si­che­rung wei­te­rer Per­so­nen, die nicht im Ar­beits­verhält­nis mit dem Ar­beit­ge­ber ste­hen, sei nicht Ziel der Ver­sor­gung. Sinn und Zweck der Späte­hen­klau­sel sei, dass nicht kurz vor dem Ver­si­che­rungs­fall noch ho­he Rück­stel­lun­gen zu bil­den sei­en. Es sol­le mit der Klau­sel das Ri­si­ko der un­kal­ku­lier­ba­ren Ver­sor­gungs­ansprüche aus­ge­schlos­sen wer­den, um die Fi­nan­zier­bar­keit der be­ste­hen­den Ver-

 

- 13 -

sor­gungs­ansprüche der ehe­ma­li­gen Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten. Zu be­den­ken sei auch, dass es zulässig sei, Mit­ar­bei­ter von Ver­sor­gungs­ansprüchen aus­zu­sch­ließen, wenn sie be­reits ein be­stimm­tes Al­ter (z.B. 55 Jah­re) er­reicht ha­ben. Dies müsse erst Recht gel­ten, wenn es sich um ei­ne zusätz­li­che frei­wil­li­ge Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung han­de­le, die aus den Beiträgen des Ar­beit­ge­bers fi­nan­ziert wer­de. Die Be­klag­te be­zieht sich auch auf ei­ne Nicht­an­nah­me­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 01.03.2010, wo­nach grundsätz­lich die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung im Rah­men ei­nes Ver­sor­gungs­wer­kes aus­ge­schlos­sen wer­den könne so­wie auf ein Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27.05.2009 wo­nach ein Ver­sor­gungs­werk ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­sch­ließen könne, wenn der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te im Zeit­punkt der Ehe­sch­ließung das 62. Le­bens­jahr voll­endet hat. Auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt se­he bei Späte­hen­klau­seln ei­ne Un­gleich­be­hand­lung nach § 10 Abs. 1 AGG als sach­lich ge­recht­fer­tigt an und ha­be in ei­ner Ent­schei­dung vom 27.11.2000 in ei­ner der­ar­ti­gen Re­ge­lung auch kei­nen Ver­s­toß ge­gen die Richt­li­nie 2000/78/EG er­kannt. Sch­ließlich führe auch das Feh­len ei­ner Härte­fall­klau­sel nicht zur Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung in der Ver­sor­gungs­ord­nung, zu­mal nicht er­sicht­lich sei, wor­in im vor­lie­gen­den Fall ein Härte­fall lie­ge.
Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens der Be­klag­ten wird auf ih­ren Schrift­satz vom 12.10.2012, Sei­te 242 bis 254, ver­wie­sen.

Des Wei­te­ren wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf den In­halt der Ge­richts­ak­te, ins­be­son­de­re auf die erst­in­stanz­lich ge­wech­sel­ten Schriftsätze und die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 15.01.2013 (B l. 255 bis 257 d.A.) ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe:

I.

 

- 14 -

Die nach § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist in der rech­ten Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i.V.m. § 519, 520 ZPO) und da­her zulässig.

II.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist je­doch un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt, auf des­sen Ausführun­gen zunächst Be­zug ge­nom­men wird und dem sich das Be­ru­fungs­ge­richt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen in vol­lem Um­fang an­sch­ließt (§ 69 Abs. 2 ArbGG), hat zu Recht ent­schie­den, dass die Kläge­rin kei­nen An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung hat.
Im Hin­blick auf die Be­ru­fungs­an­grif­fe wird ergänzend und zu­sam­men­fas­send auf das Fol­gen­de ver­wie­sen:

1. Der Kläge­rin ist nicht zu fol­gen, wenn sie meint, ein An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach Maßga­be von zu­min­dest Tei­len der Pen­si­ons­ord­nung der F. er­ge­be sich aus dem Ar­beits­ver­trag ih­res ver­stor­be­nen Ehe­man­nes vom 22.8.1989 aus Zif­fer 4a mit der Über­schrift Ne­ben­leis­tun­gen.
a) In die­sem Zu­sam­men­hang ver­weist die Be­klag­te auch zu Recht dar­auf, dass es wi­dersprüchlich ist, wenn die Kläge­rin zwar zum ei­nen für die Be­rech­nung der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gungs­ord­nung die Ver­sor­gungs­ord­nung vom 1.7.1982 der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten zu Grun­de legt, zum an­de­ren aber aus der Pen­si­ons­ord­nung der F. die in § 4 ge­re­gel­ten Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­pen­si­on her­an­zie­hen will, um Zif­fer VII 1 der Ver­sor­gungs­ord­nung der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten außer Kraft zu set­zen.
b) Hier­von un­abhängig ist aber die von der Kläge­rin ge­woll­te Aus­le­gung der Zif­fer 4a im Ar­beits­ver­trag vom 22.8.1989 nicht ge­bo­ten, denn ent­ge­gen ih­rer An­sicht ist die For­mu­lie­rung der Zif­fer 4a vom Wort­laut und dem dar­in ge­re­gel­ten In­halt für das Verständ­nis ei­nes un­vor­ein­ge­nom­me­nen Le­sers klar und un­miss­verständ­lich und gibt auch kei­nen An­lass zu In­ter­pre­ta­tio­nen.
aa) Mit der For­mu­lie­rung in Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­trags wird der ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin dar­auf hin­ge­wie­sen, dass bei der E., der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten,

 

- 15 -

ein Pen­si­ons­plan be­steht, der zur Zeit übe­r­ar­bei­tet wird. Im Zu­sam­men­hang mit der Übe­r­ar­bei­tung wird dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin in sei­nem Ar­beits­ver­trag zu­ge­si­chert, dass er durch den neu­en (Pen­si­ons)Plan nicht schlech­ter ge­stellt wird als ein Mit­ar­bei­ter der Mut­ter­ge­sell­schaft, de rF. Auf Grund die­ser For­mu­lie­rung war un­schwer zu er­ken­nen und auch nur so auf­zu­fas­sen, dass der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin un­ter den An­wen­dungs­be­reich des be­reits be­ste­hen­den Pen­si­ons­plans der E. fällt.
bb) Dem Text ist wei­ter oh­ne jeg­li­che Verständ­nis­schwie­rig­keit oder Wi­dersprüchlich­keit zu ent­neh­men, dass der Ver­trags­ab­sch­ließen­de, der ver­stor­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin, nicht schon auf Grund ei­ner Übe­r­ar­bei­tung des Pen­si­ons­pla­nes di­rekt un­ter den An­wen­dungs­be­reich ei­nes neu­en Pla­nes, z.B. bei der Mut­ter­ge­sell­schaft der F. fällt, son­dern, dass er im Verhält­nis zu dem Pen­si­ons­plan der F. le­dig­lich nicht schlech­ter ge­stellt wer­den soll, falls der neue Pen­si­ons­plan der E. schlech­te­re Re­ge­lun­gen vor­sieht. Die­se Be­din­gung ist aber zu kei­nem Zeit­punkt ein­ge­tre­ten, denn der Pen­si­ons­plan in der Fas­sung vom 1. Ju­li 1982 der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, der E., wur­de nicht übe­r­ar­bei­tet oder ab­geändert und kommt bis zum heu­ti­gen Ta­ge un­verändert für den Per­so­nen­kreis, zu dem der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin gehört, zur An­wen­dung, wo­bei be­stimm­te Be­rech­nungs­mo­da­litäten aus die­sem Plan güns­ti­ger sind als nach der Pen­si­ons­ord­nung der F. Dies war auch nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten letzt­lich der Grund dafür, dass zwi­schen ih­rer Rechts­vorgänge­rin und dem bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat kein neu­er Pen­si­ons­plan aus­ge­ar­bei­tet wur­de. Ei­ne Übe­r­ar­bei­tung schei­ter­te am Ve­to des Be­triebs­ra­tes, da die­ser die da­mit ver­bun­de­nen Ver­schlech­te­run­gen ab­lehn­te.
cc) Der Erklärungs­ge­halt der For­mu­lie­rung in Zif­fer 4a ist so ein­deu­tig, dass sich jeg­li­che In­ter­pre­ta­ti­on im Sin­ne der von der Kläge­rin ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ver­bie­tet. Letzt­lich zeigt auch ihr Ver­hal­ten, da sie die Be­rech­nungs­mo­da­litäten für die be­gehr­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus der Ver­sor­gungs­ord­nung der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten ab-lei­tet, dass sie eben­falls ins­be­son­de­re auf­grund der kla­ren For­mu­lie­rung in Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­tra­ges ih­res ver­stor­be­nen Ehe­manns da­von aus­geht, das die bei der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten be­gründe­te Ver­sor­gungs­ord­nung die aus­sch­ließlich maßgeb­li­che ist. Die von der Kläge­rin gewünsch­te Aus­le­gung und In­ter­pre­ta­ti­on der For­mu­lie­rung würde das tatsächlich ver­trag­lich Ver­ein­bar­te auf den Kopf stel­len und ei­ne durch nichts zu recht­fer­ti­gen­de Ver­tragsände­rung her­beiführen.

2. Die Ausführun­gen der Kläge­rin, dass bei der Be­klag­ten kon­zern­weit ei­ne Gleich­be-

 

- 16 -

hand­lung ge­bo­ten sei, da sich die F. un­klar ver­hal­te, führt eben­falls nicht zu dem von der Kläge­rin gewünsch­ten Er­geb­nis.
aa) Dass sich die Kläge­rin über die ver­schie­de­nen Rechts­kon­stel­la­ti­on bei der Be­klag­ten im Kla­ren ist und ih­re Be­haup­tung über ein un­kla­res Ver­hal­ten bei der F. nicht zu­trifft, zeigt be­reits, dass die Kläge­rin die Be­klag­te und da­mit die Rechts­vorgänge­rin der E. ver­klagt hat und nicht die F. Dies be­deu­tet, dass sie sehr wohl zwi­schen den ver­schie­de­nen ju­ris­ti­schen Rechts­per­so­nen zu un­ter­schei­den ver­mag.
bb) Die Kläge­rin hat auch zu kei­nem Zeit­punkt vor­ge­tra­gen, dass ir­gend­ei­ne in­di­vi­du­el­le Zu­sa­ge der Be­klag­ten über die ver­trag­li­che Ab­re­de in Zif­fer 4a des Ar­beits­ver­tra­ges hin-aus, wo­nach ihr ver­stor­be­ner Ehe­mann wie ein Mit­ar­bei­ter der F. zu be­han­deln sei, ge­trof­fen wur­de. Auch der Hin­weis im erst­in­stanz­li­chen Vor­trag der Kläge­rin auf ei­ne Äußerung ei­nes Herrn G. im Zu­sam­men­hang mit der an­ste­hen­den Hoch­zeit des ver­stor­be­nen Ehe­manns der Kläge­rin, dass er al­les rich­tig ma­che, wenn er noch in der ak­ti­ven Zeit hei-ra­te, da sei­ne Ehe­frau dann, wen ihm et­was zu­stoße, An­spruch auf die F-Fir­men-Wit­wen­ren­te ha­be, be­gründet nicht ei­ne ver­bind­li­che Zu­sa­ge, da nicht klar ist, ob Herr G. als Mit­ar­bei­ter der F. und nicht der Be­klag­ten über­haupt wuss­te, dass die Ver­sor­gungs­ord­nung der Be­klag­ten zur An­wen­dung kommt, denn die Be­klag­te hat in der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, dass Herr G. Mit­ar­bei­ter der F. ist und nicht der Be­klag­ten. Auch des­halb konn­te er mit sei­ner Aus­sa­ge die Be­klag­te nicht recht­lich bin­den.
cc) Die von der Kläge­rin ge­for­der­te Gleich­be­hand­lung kann auch nicht aus den ver­schie­de­nen Schrei­ben der F. an die Kläge­rin ab­ge­lei­tet wer­den, denn un­abhängig von der Fra­ge zu de­ren recht­li­chen Ge­halt und Bin­dungs­wir­kung konn­te zu die­sem Zeit­punkt rein be­griff­lich nicht mehr ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Ehe­mann der Kläge­rin und der F. be­gründet wer­den, da die­ser be­reits ver­stor­ben war.
dd) Auch aus der erwähn­ten Verpfändungs­ver­ein­ba­rung im Zu­sam­men­hang mit der Al­ters­zeit­re­ge­lung des ver­stor­be­nen Ehe­manns der Kläge­rin mit der Be­klag­ten er­gibt sich nichts an­de­res, denn die­se Ver­ein­ba­rung be­trifft die In­sol­venz­si­che­rung bei Al­ters­teil­zeit. Dass da­mit der ver­stor­be­ne Ehe­mann der Kläge­rin zum Ar­beit­neh­mer der F. ge­wor­den sein soll, ist nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re ist auch nicht er­kenn­bar, dass durch die­se Re­ge­lung ein be­son­de­rer wie auch im­mer ge­ar­te­ter Ver­trau­ens­schutz des Klägers im Hin­blick auf ei­ne Al­ters­ver­sor­gung nach Zif­fer 4a sei­nes Ar­beits­ver­tra­ges vom 22.8.1989 im Verhält­nis zur F. ent­stan­den sein soll.

 

- 17 -

ee) Der von der Kläge­rin zi­tier­te Gleich­be­hand­lungs­grund­satz geht auch des­we­gen ins Lee­re, da bei der Be­klag­ten und der F. un­ter­schied­li­che Pen­si­ons­ord­nun­gen be­ste­hen und es schlicht­weg nicht vor­stell­bar ist, in­wie­weit über ei­nen ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz die­se bei­den Pen­si­ons­ord­nun­gen gleich­zei­tig zur An­wen­dung kom­men sol­len. Letzt­lich scheint dies die Kläge­rin auch nicht zu be­zwe­cken, denn auch sie legt ih­ren Ansprüchen die Ver­sor­gungs­ord­nung der Be­klag­ten zu Grun­de und will le­dig­lich im Hin­blick auf ei­ne Späte­hen­klau­sel ei­ne für sie güns­ti­ge­re Re­ge­lung aus ei­ner an­de­ren Re­ge­lung her­an­zie­hen. Da­mit wi­der­legt sich die Kläge­rin aber, wenn sie sich auf ei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ruft, denn mit ih­rer Vor­ge­hens­wei­se be­gehrt sie kei­ne Gleich­be­hand­lung mehr, son­dern sie will le­dig­lich aus der dem Pen­si­ons­plan der F. ei­ne für sie güns­ti­ge Späte­hen­klau­sel in die Ver­sor­gungs­ord­nung bei der Be­klag­ten hin­ein-trans­por­tie­ren. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bie­tet aber nicht, dass aus ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­ord­nun­gen ein neu­es Gan­zes ent­steht, son­dern le­dig­lich, dass, wenn ei­ne Gleich­be­hand­lung ge­bo­ten ist, ent­we­der die ei­ne oder die an­de­re Re­ge­lung zur An­wen­dung kommt.

3. Das Schrei­ben der F. vom 04.01.2011 stellt auch kein die Be­klag­te ver­pflich­ten­des Schuld­ver­spre­chen oder Schuld­an­er­kennt­nis dar. Die von der Kläge­rin vor­ge­nom­me­ne In­ter­pre­ta­ti­on die­ses Schrei­bens geht über des­sen Erklärungs­in­halt hin­aus.
aa) Bei ob­jek­ti­ver Les­art die­ses Schrei­bens muss sich die Kläge­rin be­reits ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass das Schrei­ben ge­ra­de nicht von der Be­klag­ten stammt, son­dern in der Kopf­zei­le die F. En­gi­nee­ring aus­weist und in­so­weit ei­ni­ges dafür spricht, dass das Schrei­ben der F. zu­zu­ord­nen ist, da de­ren Fir­men­be­zeich­nung auch in der Un­ter­schrif­ten­zei­le auf­taucht, so­wie in der Adress­zei­le und bei den Hin­wei­sen zum Han­dels­re­gis­ter. Dass das Schrei­ben mit ei­nem farb­lich hin­ter­leg­ten Lo­go „F. Group“ er­stellt ist, ist of­fen­sicht­lich Wer­bungs­gründen ge­schul­det. In­so­weit kommt dem Schrei­ben vom 04. 01. 2011 im Verhält­nis zur Be­klag­ten be­reits kei­ne recht­li­che Bin­dungs­wir­kung zu.
bb) Un­abhängig hier­von kann aber auch dem Schrei­ben vom 04.01.2011 ein wie auch im­mer ge­ar­te­ter schuld­recht­li­cher Ver­pflich­tungs­wil­le, von wel­cher ju­ris­ti­schen Per­son auch im­mer, zur Zah­lung ei­ner Fir­men-Wit­wen­ren­te nicht ent­nom­men wer­den. Das Schrei­ben weist als Be­treff ei­ne „Hin­ter­blie­be­nen­zah­lung“ aus und die­se soll nach dem In­halt des Schrei­bens ab dem 15.12.2010 bis zum Be­ginn ei­ner Fir­men-Wit­wen­ren­te ab 01.03.2011 er­fol­gen. Mit dem Schrei­ben vom 04.01.2011 wer­den für die Durchführung der

 

- 18 -

Hin­ter­blie­be­nen-Ab­rech­nung In­for­ma­tio­nen bzw. Un­ter­la­gen be­gehrt, wie die Ko­pie der Hei­rats­ur­kun­de, Bank­ver­bin­dun­gen ei­ne Lohn­steu­er­kar­te und auch die Zu­sen­dung ei­nes Ori­gi­na­lerb­scheins. Dass in die­sem Zu­sam­men­hang ins­be­son­de­re auch mit der Ab­wick­lung des Wert­gut­ha­bens aus der Al­ters­teil­zeit des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin die Wor­te „bis zum Be­ginn der Fir­men­wit­wen­ren­te ab 01.03.2011“ erwähnt wer­den, ist al­len­falls beiläufig, aber oh­ne jeg­li­chen Bin­dungs­wil­len für ei­ne rechts­geschäft­li­che Hand­lung. Ein rechts­geschäft­li­ches An­ge­bot im Sin­ne ei­ner Wil­lens­erklärung oder ein selbständi­ger Ver­pflich­tungs­wil­le in Form ei­nes Schuld­ver­spre­chens oder ei­nes Schuld­an­er­kennt­nis­ses kann dem Schrei­ben nicht ent­nom­men wer­den.
cc) Die Erwähnung in dem Schrei­ben „bis zum Be­ginn der Fir­men­wit­wen­ren­te ab 01.03.2011“ ist al­len­falls als rei­ne Wis­sens­erklärung zu be­wer­ten, der kei­ner­lei recht­li­che Bin­dungs­wir­kung, ins­be­son­de­re nicht zu Las­ten der Be­klag­ten, zu­kom­men kann.
So hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Ur­teil vom 08.11.1983 – 3 AZR 511/81 ent-schie­den, dass wenn ein Ar­beit­ge­ber, der ei­ne Aus­kunft nach § 2 Abs. 6 Be­trAVG er­teilt, nach der der Ar­beit­neh­mer ei­ne un­ver­fall­ba­re Ver­sor­gungs­an­wart­schaft er­wor­ben ha­be, dies kein abs­trak­tes oder de­kla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis dar­stellt. In ei­ner wei­te­ren Ent­schei­dung vom 29.09.2010 – 3 AZR 546/08 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den, dass sog. „Leis­tungs­be­schei­de“ des Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­eins nach § 9 Abs. 1 Be­trAVG über Ansprüche und An­wart­schaf­ten des Ver­sor­gungs­empfängers Wis­sens­erklärun­gen ent­hal­ten und kei­ne Wil­lens­erklärun­gen. Ansprüche des Ver­sor­gungs­empfängers, die über die ge­setz­li­che Ein­stands­pflicht hin­aus­ge­hen, können dar­aus grundsätz­lich nicht her­ge­lei­tet wer­den. Es hat dar­auf ver­wie­sen, dass bei dem „Leis­tungs­be­scheid“ es sich nicht um ein Schuld­ver­spre­chen oder Schuld­an­er­kennt­nis (§§ 780, 781 BGB), son­dern le­dig­lich um ei­ne Wis­sens­erklärung han­delt, aus der kei­ne Ansprüche her­ge­lei­tet wer­den können. Der Leis­tungs­be­scheid enthält kei­ne Wil­lens­erklärung un­abhängig von ei­ner Ein­stands­pflicht nach § 7 Be­trAVG Leis­tun­gen er­brin­gen zu wol­len. Wenn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts schon bei ei­nem Leis­tungs­be­scheid des Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­eins so­wie ei­ner Aus­kunft des Ar­beit­ge­bers an den Ar­beit­neh­mer über den Be­stand von un­ver­fall­ba­ren An­wart­schaf­ten kei­ne rechts­ver­bind­li­che Wil­lens­erklärung ge­se­hen wer­den, muss die Un­ver­bind­lich­keit ei­ner Aus­kunfts­er­tei­lung erst Recht für den In­halt des Schrei­ben vom 04. Ja­nu­ar 2011 an die Kläge­rin gel­ten, zu­mal in die­sem Schrei­ben die Fir­men-Wit­wen­ren­te le­dig­lich beiläufig erwähnt wird.

 

- 19 -

4. Die Be­schränkung in der Ver­sor­gungs­ord­nung der Be­klag­ten des Krei­ses de­rer, die ei­nen An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung er­wer­ben können, steht auch nicht im Wi­der­spruch zu der ge­setz­li­chen Un­ver­fall­bar­keits­be­stim­mung des § 1 b Abs. 1 Be­trAVG. Die­se Be­stim­mung legt nur un­ab­ding­bar fest, dass ein von vor­ne­her­ein ein­geräum­ter An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nicht da­hin ein­ge­schränkt wer-den kann, dass er nur ent­ste­hen soll, wenn der Ar­beit­neh­mer über den Ab­lauf der Un­ver­fall­bar­keits­frist hin­aus bis zum Ver­sor­gungs­fall im Ar­beits­verhält­nis bleibt. Ei­ne sol­che ge­set­zes­wid­ri­ge Blei­be­be­din­gung zum Nach­teil des Ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin enthält die Ver­sor­gungs­ord­nung der Be­klag­ten nicht. De­ren Be­stim­mun­gen schränken viel­mehr den Kreis der mögli­chen Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten von vor­ne­her­ein in ei­ner für den Mit­ar­bei­ter er­kenn­ba­ren Wei­se auf Hin­ter­blie­be­ne ein, die be­reits während des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses in fa­mi­liärer Be­zie­hung zum Mit­ar­bei­ter stan­den (sie­he hier­zu BAG 19.12.2003 – AZR 186/00 so­wie BAG 11.08.2009 – 3 AZR 23/08 Rd­nr. 58 zi­tiert nach iuris).

5. Die vor­lie­gen­de den An­spruch auf ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ein­schränken­de Späte­hen­klau­sel, wo­nach An­spruchs­vor­aus­set­zung für ei­ne Wit­wen­ren­te ist, dass der Mit­ar­bei­ter die Ehe von der Voll­endung sei­nes 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen hat, hält auch ei­ner Über­prüfung an­hand des all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes stand. Im vor­lie­gen­den Fall ist das all­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz an­wend­bar. Trotz der in § 2 Abs. 2 AGG ent­hal­te­nen Ver­wei­sung auf das Be­triebs­ren­ten­ge­setz gilt das AGG auch für die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung (BAG 11.12.2007 – 3 AZR 249/06 = AP Nr. zu § 2 AGG Rd­nr. 23). Auch der zeit­li­che An­wen­dungs­be­reich des AGG ist eröff­net. Zum Zeit-punkt des In­kraft­tre­tens des AGG am 18.08.2006 hat das Ar­beits­verhält­nis des ver­stor­be­nen Ehe­man­nes der Kläge­rin im der Be­kla­gen noch be­stan­den (näher hier­zu: BAG Ur­teil 20.04.2010 – 3 AZR 509/08 Rd­nr. 63 zi­tiert nach iuris).
a) Die maßgeb­li­che Re­ge­lung in Zif­fer VII 1. der Ver­sor­gungs­ord­nung ist nicht nach § 7 Abs. 2 AGG i. V. m. § 1 AGG un­wirk­sam. Da­nach sind Be­stim­mun­gen und Ver­ein­ba­run­gen und hier­zu gehören so­wohl Ge­samt­zu­sa­gen, als auch Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen (BAG 20.04.2010 – 3 AZR 509/08), die ge­gen das Be­nach­tei­lungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG ver­s­toßen, un­wirk­sam.
aa) Gemäß §§ 7, 1 AGG dürfen Beschäftig­te grundsätz­lich nicht we­gen des Al­ters be­nach­tei­ligt wer­den. Der mit der Ver­sor­gungs­ord­nung ver­bun­de­ne Aus­schluss der Kläge­rin

 

- 20 -

von ei­ner Wit­wen­ren­te we­gen der Hei­rat des Ar­beit­neh­mers erst nach des­sen Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res, der per se ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters dar­stellt, ist aber nach § 10 S. 1 und 2, S. 3 Nr. 4 AGG ge­recht­fer­tigt. Nach § 10 Sätze 1 und 2 AGG gilt, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen Al­ters zulässig ist, wenn sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist wo­bei die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sein müssen. Der­ar­ti­ge un­ter­schied­li­che Be­hand­lun­gen können nach § 10 S. 3 Nr. 4 AGG ins­be­son­de­re die Fest­set­zung von Al­ters-gren­zen bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder den Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein-schließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung von Al­ters­kri­te­ri­en im Rah­men die­ser Sys­te­me für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen ein­sch­ließen.
bb) § 10 Sätze 1 und 2, Satz 3 Nr. 4 AGG sind ge­mein­schafts­rechts­kon­form. Das AGG dient der Um­set­zung der Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung des all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (Richt­li­nie 2000/78/EIG). Zweck die­ser Richt­li­nie ist nach ih­rem Ar­ti­kel 1 die Schaf­fung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens zur Bekämp­fung der Dis­kri­mi­nie­rung ua. auch we­gen des Al­ters im Hin­blick auf die Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung in den Mit­glieds­staa­ten. Da­zu ha­ben die Mit­glieds­staa­ten nach Art. 16b der Richt­li­nie die er­for­der­li­chen Maßnah­men zu tref­fen, um si­cher­zu­stel­len, dass „die mit dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht zu ver­ein­ba­ren­den Be­stim­mun­gen in Ar­beits- und Ta­rif­verträgen, Be­triebs­ord­nun­gen ... für nich­tig erklärt wer­den oder erklärt wer­den können oder geändert wer­den“.
cc) Art. 6 der Richt­li­nie 2000/78/EG be­trifft die „ge­recht­fer­tig­te Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters“. Nach des­sen Abs. 1 S.1 können die Mit­glieds­staa­ten un­ge­ach­tet des Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie „vor­se­hen, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts durch ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins­be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, ge­recht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind“. Für den Be­reich der Ver­sor­gung im Al­ter enthält Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie ei­ne Spe­zi­al­re­ge­lung. Da­nach können die Mit­glieds­staa­ten „un­ge­ach­tet des Art. 2 Abs. 2

 

- 21 -

... vor­se­hen, dass bei den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen als Vor­aus­set­zung für die Mit­glied­schaft oder im Be­zug von Al­ters­ren­te oder von Leis­tun­gen bei In­va­li­dität ein­sch­ließlich der Fest­set­zung un­ter­schied­li­cher Al­ters­gren­zen im Rah­men die­ser Sys­te­me für be­stimm­te Beschäftig­te oder Grup­pen bzw. Ka­te­go­ri­en von Beschäftig­ten und die Ver­wen­dung im Rah­men die­ser Sys­te­me von Al­ters­kri­te­ri­en für ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Be­rech­nun­gen kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, so­lan­ge dies nicht zu Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts führt“ (BAG 11.08.2009 – 3 AZR 23/08 Rd­Nr. 38/39 in iuris). So hat auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­letzt mit Ur­teil vom 12.02.2013 – 3 AZR 100/11 = PM 10/13, wenn auch nach der Ent­schei­dungs­verkündung des vor­lie­gen­den Streit­falls, ent­schie­den, dass die Fest­set­zung ei­ner War­te­zeit­re­ge­lung in Form ei­ner 15-jähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keit bis zum Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wirk­sam ist und selbst ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters nach § 10 AGG ge­recht-fer­tigt wäre.
dd) Die Zulässig­keit der Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Al­ters ist in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG aus­drück­lich nur für den Be­zug von Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ge­re­gelt, nicht hin­ge­gen für die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Die Hin­ter­blie­be­nen­ren­te lei­tet sich je­doch zwin­gend von der Al­ters- und In­va­li­ditäts­ren­te ab und lehnt sich an­tei­lig an die­se an. Des­sen un­ge­ach­tet folgt aus Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG, dass Un­gleich­be­hand­lun­gen we­gen des Al­ters kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len, so­fern sie ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen sind und im Rah­men des na­tio­na­len Rechts ein le­gi­ti­mes Ziel, wor­un­ter ins-be­son­de­re rechtmäßige Zie­le aus den Be­rei­chen Beschäfti­gungs­po­li­tik, Ar­beits­markt und be­ruf­li­che Bil­dung zu ver­ste­hen sind, und die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Die Buch­sta­ben a, b und c führen bei­spiel­haft („ins­be­son­de­re“) sol­che Recht­fer­ti­gungs­gründe an. Die dop­pel­te Wahl der For­mu­lie­rung „ins­be­son­de­re“ in Art. 6 Abs. 1 zeigt, dass die Vor­schrift nicht ab­sch­ließend ist (so Ge­ne­ral­anwältin Sharps­ton im Schluss­vor­trag zur Rs.C-427/06, Bartsch, Nr. 113 nach BVerwG 27.05.2009 – 8 CN 1/09 in iuris). Wie in Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG ist nach all­ge­mei­nem Verständ­nis nach § 10 S. 3 AGG die Aufzählung der Fall­ge­stal­tun­gen mit den Num­mern 1 bis 6 nicht ab­sch­ließend, son­dern bei­spiel­haft (Ro­loff in Be­ckOK AGG § 10 Rd­nr. 10/11; Schlach­ter in Erf.Kmt. 12. Aufl. 2012 § 10 AGG Rd­nr. 1). Dies be­deu­tet, dass auch für ei-ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung wie im vor­lie­gen­den Fall ei­ne Ein­gren­zung trotz ei­ner Un­gleich­be­hand­lung we­gen Al­ters nach Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG so­wie nach

 

- 22 -

§ 10 S. 3 Nr. 4 AGG je­den­falls dann möglich ist, wenn die wei­te­ren Vor­aus­set­zung nach § 10 S. 1 und 2 AGG vor­lie­gen.
ee) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in dem zi­tier­ten Ur­teil vom 11.08.2009 – 3 AZR 23/08 wei­ter aus­geführt, dass das vom na­tio­na­len Ge­setz­ge­ber ver­folg­te Ziel der Förde­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ein le­gi­ti­mes Ziel iSd. § 10 Satz 1 AGG ist und da­her die Fest­set­zung von Al­ters­gren­zen in den be­trieb­li­chen Sys­te­men der so­zia­len Si­cher­heit eu­ro­pa­recht­lich in der Re­gel zulässig ist, da da­mit Hin­der­nis­se, die der Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ent­ste­hen können, be­sei­tigt wer­den (eben­so LAG Ba­den-Würt­tem­berg 23.11.2011 – 2 Sa 77/11 Rd­nr. 51 in iuris so­wie LAG Düssel­dorf 29.02.2012 – 12 Sa 1430/11 Rd­nr. 47 in iuris) und dass da­bei im Re­gel­fall die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Sätze 1 und 2 AGG vor­lie­gen. Al­ler­dings muss die dif­fe­ren­zie­ren­de Maßnah­me zur Er­rei­chung ei­nes rechtmäßigen Ziels ge­eig­net und er­for­der­lich sein und ei­ne im Verhält­nis zur Be­deu­tung des Ziel nach an­ge­mes­se­nen Ein­griff in die Rech­te der Be­tei­lig­ten dar­stel­len (BAG Ur­teil 20.04.2010 – 3 AZR 509/08, BAG Ur­teil 11.08.2009 – 3 AZR 23/08, LAG Düssel­dorf 29.02.2012 – 12 Sa 1430/11, LAG Ba­den-Würt­tem­berg 23.11.2011 – 2 Sa 77/11).
ff) Un­abhängig da­von, ob die vor­lie­gen­de Späte­hen­klau­sel, wo­nach An­spruchs­vor­aus­set­zung für die Wit­wen­ren­te ist, dass die Ehe vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen wur­de, ei­ne mit­tel­ba­re oder auch un­mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar­stellt, ist ei­ne da­mit ver­bun­de­ne Al­ters­be­nach­tei­li­gung zur Ver­fol­gung des rechtmäßiges Ziel der Förde­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach § 10 AGG ge­recht­fer­tigt, da das Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels, der Aus­schluss ei­ner Wit­wen­ren­te, an­ge­mes­sen und er­for­der­lich ist.
Der Ar­beit­ge­ber ent­schei­det bei ei­ner von ihm fi­nan­zier­ten be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung frei über de­ren Einführung. Ent­schließt er sich hier­zu, so ist er auch frei in der Ent­schei­dung, für wel­che der in § 1 Abs. 1 Be­trAVG ge­nann­ten Ver­sor­gungsfälle er Leis­tun­gen zu­sagt und wie hoch er die ent­spre­chen­de Leis­tung do­tiert. Er kann Leis­tun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­spre­chen, ei­ne Rechts­pflicht hier­zu trifft ihn nicht. Aus dem Grun­de ist er grundsätz­lich auch be­rech­tigt, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig zu ma­chen und da­mit Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die die­se Vor­aus­set­zung nicht erfüllen, von der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung aus­zu­sch­ließen (BAG 20.04.2010 – 3 AZR 509/08 m. z. N. aus der Recht­spre­chung des BAG hier­zu so­wie BVerwG 27.05.2009 – 8 CN 1/09).

 

- 23 -

Ei­ne Be­gren­zung des Krei­ses der an­spruchs­be­rech­tig­ten Drit­ten durch zusätz­li­che an­spruchs­be­gründen­de oder be­son­de­re an­spruchs­aus­sch­ließen­de Merk­ma­le liegt ge­ra­de im Be­reich der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung na­he, weil ein da­hin­ge­hen­des Leis­tungs­ver­spre­chen zusätz­li­che Unwägbar­kei­ten und Ri­si­ken mit sich bringt. Die­se be­tref­fen nicht nur den Zeit­punkt des Leis­tungs­falls, son­dern auch die Dau­er der Leis­tungs­er­brin­gung. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Ar­beit­ge­ber ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an, die mit der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ri­si­ken zu be­gren­zen, um sie bes­ser kal­ku­lier­bar zu hal­ten (BAG vom 20.04.2010 – 3 AZR 509/08).
gg) Die Vor­aus­set­zung im vor­lie­gen­den Fall, dass die Ehe je­den­falls vor Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res des Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen sein muss, ist zur Er­rei­chung des Ziels der Förde­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung an­ge­mes­sen und er­for­der­lich. Die Zu-sa­ge ei­ner Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ist Teil ei­ner um­fas­sen­den Ver­sor­gungs­re­ge­lung. Durch die Zu­sa­ge soll der Ar­beit­neh­mer in der Sor­ge um die fi­nan­zi­el­le La­ge sei­ner Hin­ter­blie­be­nen ent­las­tet wer­den. Die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz knüpft an das ty­pi­sier­te Ver­sor­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers an. Auch vor die­sem Hin­ter­grund kann es dem Ver­sor­gungs­schuld­ner – un­abhängig von den ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Erwägun­gen, die für den Um­fang der zu bil­den­den Rück­stel­lun­gen be­deut­sam sein können – nicht un­ter­sagt wer­den, die von ihm frei­wil­lig ein­geführ­te Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung auf ei­nen Per­so­nen­kreis zu be­schränken, hin­sicht­lich des­sen der Ver­sor­gungs­be­darf be­reits während des lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis­ses an­ge­legt war. In-so­weit kann auch ein Stich­tag vor der Ver­ren­tung des Ar­beit­neh­mers oder vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses (hier Ehe­sch­ließung vor der Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res) für den Ver­sor­gungs­schuld­ner ei­ne we­sent­li­che Zäsur und da­mit ein sach­ge­rech­ter An­knüpfungs­punkt für die Re­ge­lun­gen der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung sein. Ein we­sent­li­cher As­pekt dafür ist, dass die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung nur dem­je­ni­gen zu­ste­hen soll, der die Be­rufstätig­keit des Ver­si­cher­ten je­den­falls durch Fürsor­ge mitträgt.
Ei­ne Späte­hen­klau­sel stellt ei­ne Ab­gren­zung zwi­schen dem In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers, die Ver­sor­gung sei­ner Ehe­frau zu er­die­nen und si­cher­zu­stel­len, und dem In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers, das Ru­he­geld als Teil des Ar­beits­lohns kal­ku­lier­bar zu hal­ten, dar. Die Re­ge­lung wird von sach­ge­rech­ten Erwägun­gen ge­tra­gen, dass die Wit­wen­bezüge nur ei­ner Wit­we des Ar­beit­neh­mers zu­ste­hen sol­len, die nach ih­rem Le­bens­al­ter noch zu sei­ner Ge­ne­ra­ti­on gehört, und ua. sei­ne Be­rufs­ar­beit durch ih­re Fürsor­ge mitträgt (BVerfG Be­schluss 11.09.1979 – 1 BVR 92/79). Dass bei ei­ner Ehe, die erst nach Voll­endung des 60.

 

- 24 -

Le­bens­jah­res des ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mers ge­schlos­sen wird und bei ei­nem noch an­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis von nur noch we­ni­gen Jah­ren nicht mehr die Be­rufstätig­keit des Ar­beit­neh­mers ent­schei­dend durch Fürsor­ge der Ehe­frau mit­ge­tra­gen wer­den kann, liegt auf der Hand. Viel­mehr liegt hier un­abhängig vom Al­ter der Ehe­frau ein Fall ei­ner sog. Ver­sor­gungs­ehe vor, vor de­ren In­an­spruch­nah­me die Be­klag­te ein schutz-wer­tes Ab­weh­rin­ter­es­se hat.
Der mit der Späte­hen­klau­sel ver­folg­te Zweck ei­ner fi­nan­zi­el­len Ri­si­ko­be­gren­zung ist le­gi­tim und auch nicht willkürlich, denn im Ge­gen­satz zur ver­sor­gungs­na­hen Ehe verfügt der Ehe­gat­te bei Ein­ge­hen ei­ner sog. Frühehe in der Re­gel über kei­ne aus­rei­chen­den auf­grund ei­ge­ner Er­werbstätig­keit er­wor­be­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten, sei es, weil er erst kurz im Er­werbs­le­ben steht, sei es, weil er die Er­werbstätig­keit we­gen der Be­treu­ung sei­ner Kin­der auf­ge­ge­ben hat. Dem­ge­genüber ist bei der ver­sor­gungs­na­hen Ehe eher an­zu­neh­men, dass der Ehe­gat­te bei Ehe­sch­ließung ent­we­der über ei­ge­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten oder Vermögen verfügt und er da­her nicht auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung als Un­ter­halt in dem­sel­ben Maße an­ge­wie­sen ist wie ei­ne jun­ge Fa­mi­lie (BVerwG 27.05.2009 – 8 CN 1/09). Das bei Ehe­ab­schluss er­reich­te Le­bens­al­ter des Ar­beit­neh­mers wirkt sich auf die vom Ar­beit­ge­ber über­nom­me­nen Ver­sor­gungs­ri­si­ken er­heb­lich aus. Mit zu­neh­men­dem Al­ter des Ar­beit­neh­mers rückt der Ver­sor­gungs­fall Tod sta­tis­tisch ge­se­hen im­mer näher. Zu­dem sind die et­wai­gen Ver­sor­gungs­las­ten aus der Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung bei dem vor­lie­gen­den Ver­sor­gungs­sys­tem in der Re­gel beträcht­lich. Die Späte­hen­klau­sel ver­mei­det, dass ein bis­her nicht be­ste­hen­des ho­hes Ver­sor­gungs­ri­si­ko re­la­tiv spät neu ge­schaf­fen wird. In­so­fern kommt es auch nicht dar­auf an, ob es aus Sicht der Kläge­rin ein­fa­che­re oder na­he­lie­gen­de­re Lösun­gen gibt wie z. B. al­lein das An­knüpfen an die Dau­er ei­ner Ehe. Es muss viel­mehr dem Ar­beit­ge­ber über­las­sen blei­ben, nach wel­chen Kri­te­ri­en er ei­ne Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung be­grenzt, wenn die­se je­den­falls ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 10 AGG stand­hal­ten (BAG Ur­teil 28.07.2005 – 3 AZR 457/04).
ii) Im vor­lie­gen­den Fall ist auch kein Härte­fall er­kenn­bar, denn dem ver­sto­be­nen Ehe­mann der Kläge­rin war aus­weis­lich des von ihm un­ter­zeich­ne­ten Ar­beits­ver­tra­ges auf den sich die Kläge­rin im Pro­zess be­zo­gen hat, seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses be­kannt, dass ei­ne ent­spre­chen­de Späte­hen­klau­sel den Be­zug ei­ner Wit­wen­ren­te aus­sch­ließt. Er hat­te da­her die Möglich­keit, ent­spre­chend an­ders zu han­deln. Das Ar­gu­ment der Kläge­rin, man ha­be den Kin­dern ih­res ver­stor­be­nen Ehe­manns kei­ne neue Mut­ter vor­set­zen

 

- 25 -

wol­len, war zwar von Be­deu­tung, doch ist die­ses im Lauf der Jah­re ver­blasst, denn nach Aus­kunft des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin war das jüngs­te Kind ih­res ver­stor­be­nen Ehe­manns zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung Mit­te zwan­zig. Bei die­ser Sach­la­ge war der Um­stand, dass den Kin­dern kei­ne neue Mut­ter vor­ge­setzt wer¬den soll­te, für das Nicht­ein­ge­hen ei­ner neu­en Ehe nicht mehr von maßgeb­li­cher Be­deu­tung.

6. Die den An­spruch auf Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ein­schränken­de Vor­aus­set­zung, dass die Ehe vor Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res ge­schlos­sen sein muss­te, führt auch nicht zu ei­ner un­zulässi­gen Dis­kri­mi­nie­rung des Ge­schlechts. Dafür, dass die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner stärke­ren Be­trof­fen­heit ei­nes Ge­schlechts vor­lie­gen, gibt es kei­ne An­halts­punk­te. Darüber hin­aus hat die Kläge­rin selbst ein­geräumt, dass die nicht ge­schlechts­neu­tra­len For­mu­lie­run­gen in der Ver­sor­gungs­ord­nung mit Da­tum 1. Ju­li 1982 im Hin­blick auf Frau­en und ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner im We­ge ei­ner sach­ge­rech­ten Aus­le­gung ei­ner Kor­rek­tur zugäng­lich sind.

7. Die in der Ver­sor­gungs­ord­nung ent­hal­te­ne Späte­hen­klau­sel wi­der­spricht auch nicht Art. 6 Abs. 1 GG. Auf die Ehe­part­ner ist kein un­zulässi­ger Zwang aus­geübt wor­den. Den Ehe­part­ner ent­steht durch die Ver­sor­gungs­re­ge­lung kein Nach­teil, den sie oh­ne die Hei­rat nicht ge­habt hätte. Der Ar­beit­ge­ber ist nicht ver­pflich­tet, ei­ne Ehe­sch­ließung durch Einräum­ung von Ansprüchen zu fördern (BAG Ur­teil 28.07.2005 – 3 AZR 457/04).

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

IV.

Die Re­vi­si­on war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che (§ 72 Abs. 2 Nr. 1
ArbGG) zu­zu­las­sen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

 

- 26 -

Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­le­gen.

Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.

Die Re­vi­si­on muss beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1
99084 Er­furt

Post­an­schrift:
Bun­des­ar­beits­ge­richt
99113 Er­furt


Te­le­fax-Num­mer:
0361 2636-2000

ein­ge­legt und be­gründet wer­den.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Es genügt auch die Un­ter­zeich­nung durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten der Ge­werk­schaf­ten und von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände
- für ih­re Mit­glie­der
- oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der

oder

 

- 27 -

von ju­ris­ti­schen Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich in wirt­schaft­li­chem Ei­gen­tum ei­ner der im vor­ge­nann­ten Ab­satz be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen,
- wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt
- und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In je­dem Fall muss der Be­vollmäch­tig­te die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de
...

Kar­rasch

Dr. Häus­ler

Ebel

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 Sa 573/12  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880