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Zum Fuß­ball­spiel und dann ge­kün­digt

Schenkt ei­ne Per­so­nal­ser­vice­fir­ma ei­nem Per­so­nal­lei­ter ei­ne teu­re VIP-Ein­tritts­kar­te, ist dies kei­ne im üb­li­chen Rah­men lie­gen­de klei­ne Auf­merk­sam­keit: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 16.01.2009, 9 Sa 572/08

19.05.2009. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hat in ei­nem ak­tu­el­len Rechts­streit ent­schie­den, dass ei­ne teu­re VIP-Ein­tritts­kar­te für ein Fuß­ball­spiel der Bun­des­li­ga kein klei­nes Wer­be­ge­schenk dar­stellt, das noch im "üb­li­chen Rah­men" liegt.

Dies gilt je­den­falls dann, wenn der Schen­ker ei­ne Per­so­nal­ser­vice­fir­ma ist und der Be­schenk­te der Per­so­nal­lei­ter ei­nes Un­ter­neh­mens, das mit der Per­so­nal­ser­vice­fir­ma ge­schäft­lich zu­sam­men­ar­bei­tet.

Die An­nah­me ei­nes sol­chen Ge­schenks be­rech­tigt den Ar­beit­ge­ber da­her zu ei­ner or­dent­li­chen Kün­di­gung: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 16.01.2009, 9 Sa 572/08.

Wo ist die Grenze zwischen "üblichen" geringfügigen Geschenken im Geschäftsleben und Geschenken in Schmiergeldhöhe?

Ver­letzt der Ar­beit­neh­mer ei­ne Pflicht aus sei­nem Ar­beits­verhält­nis, kann der Ar­beit­ge­ber ihn ab­mah­nen und bei schwer­wie­gen­de­ren oder wie­der­hol­ten Pflicht­verstößen auch ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung aus­spre­chen. Ist die Pflicht­ver­let­zung so gra­vie­rend, dass dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­zu­mu­ten ist, den Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist zu beschäfti­gen, ist ei­ne frist­lo­se Kündi­gung möglich.

Zu den (Ne­ben-)Pflich­ten des Ar­beit­neh­mers gehört es auch, kei­ne Schmier­gel­der oder ähn­li­che Vor­tei­le an­zu­neh­men.

Bei Be­am­ten oder sons­ti­gen Per­so­nen, die für den öffent­li­chen Dienst be­son­ders ver­pflich­tet sind, ist ei­ne sol­che Hand­lung oh­ne wei­te­res ein Ent­las­sungs­grund, weil das For­dern, An­neh­men oder sich Ver­spre­chen las­sen von Vor­tei­len bei sol­chen Per­so­nen un­ter Stra­fe ge­stellt ist. Es han­delt sich hier­bei um ei­ne sog. Vor­teils­an­nah­me gemäß § 331 Straf­ge­setz­buch (StGB).

In der Pri­vat­wirt­schaft ist aber die Vor­teils­nah­me als sol­che nicht straf­bar. Viel­mehr muss da­hin­ter die Ab­sicht ste­hen, ei­nen an­de­ren beim Be­zug von Wa­ren oder ge­werb­li­chen Leis­tun­gen in un­lau­te­rer Wei­se zu be­vor­zu­gen. In sol­chen Fällen liegt Be­stech­lich­keit oder Be­ste­chung im geschäft­li­chen Ver­kehr vor (§ 299 StGB).

Die Ar­beits­ge­rich­te ge­ben dem Ar­beit­ge­ber in sol­chen Fällen auch dann das Recht zu ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung, wenn kei­ne Straf­bar­keit im Sin­ne der o.g. Vor­schrif­ten des StGB vor­liegt. An­de­rer­seits ori­en­tie­ren sich die Ar­beits­ge­rich­te doch weit­ge­hend an der ein­schlägi­gen Recht­spre­chung der Straf­ge­rich­te.

So ist es straf­recht­lich und da­mit auch ar­beits­recht­lich in Ord­nung, wenn man klei­ne­re Ge­schen­ke, die im Rah­men des „Übli­chen“ lie­gen, an­nimmt. Da­zu gehört z.B. ein klei­nes Trink­geld für Post­bo­ten zu Weih­nach­ten, ein Blu­men­strauß oder ei­ne Fla­sche Wein.

Schwer zu ent­schei­den sind Fälle, in de­nen ein Ge­schenk zwar an sich kei­ne Klei­nig­keit mehr ist, der be­schenk­te Ar­beit­neh­mer aber an­de­rer­seits in her­aus­ge­ho­be­ner Po­si­ti­on tätig ist. Kann er sich dar­auf be­ru­fen, dass für ihn auch größere Ge­schen­ke letzt­lich Klei­nig­kei­ten sind? Mit die­ser Fra­ge be­fasst sich die ein ak­tu­el­les Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz (Ur­teil vom 16.01.2009, 9 Sa 572/08).

Der Streitfall: Personalleiter lässt sich von einem Personalvermittlungsunternehmen eine VIP-Karte für ein Spiel der Fußballbundesliga schenken

Der Kläger war seit 1991 bei der Be­klag­ten als Per­so­nal­lei­ter beschäftigt. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehörte es un­ter an­de­rem, für die Be­klag­te mit Per­so­nal­ver­mitt­lungs­un­ter­neh­men über die Be­reit­stel­lung von Leih­ar­beit­neh­mern zu ver­han­deln.

Bis zum Jahr 2007 ver­lief das Ar­beits­verhält­nis un­gestört. Da­nach warf die Be­klag­te dem Kläger zunächst vor, ent­ge­gen ih­rer An­wei­sung von Sep­tem­ber 2007 bis Fe­bru­ar 2008 meh­re­re pri­va­te Te­le­fo­na­te geführt zu ha­ben. Sie kündig­te dem Kläger des­halb am 30.04.2008 frist­los, hilfs­wei­se frist­gemäß zum 31.12.2008.

Der Kläger ließ sich zu­dem von ei­nem Per­so­nal­ver­mitt­lungs­un­ter­neh­men, das Ver­trags­part­ner der Be­klag­ten war, ei­ne Ein­tritts­kar­te zu ei­nem Fußball­spiel in der Are­na auf Schal­ke schen­ken. Der Fußball­sta­di­on­be­such war mit ei­ner in­klu­si­ven Be­wir­tung ver­bun­den, der Sitz­platz be­fand sich in ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Be­reich.

Dies er­fuhr die Be­klag­te später und zog dies nachträglich als wei­te­re Be­gründung für die Kündi­gung vom 30.04.2008 her­an. Vor­sichts­hal­ber kündig­te sie dem Kläger des­halb außer­dem er­neut frist­los mit Schrei­ben vom 30.07.2008.Der Kläger er­hob hier­ge­gen Kündi­gungs­schutz­kla­ge.

Er ist ins­be­son­de­re der An­sicht, dass sich die Ein­tritts­kar­te für das Fußball­spiel noch im Rah­men übli­cher Wer­be­ge­schen­ke hält.

Dem wi­der­spricht die Be­klag­te und be­haup­tet außer­dem, dass die Beschäftig­ten Wer­be­ge­schen­ke nicht sel­ber be­hal­ten durf­ten, son­dern dass die­se Weih­nach­ten an Mit­ar­bei­ter ver­lost wur­den.

Das Ar­beits­ge­richt Mainz ent­schied, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht frist­los, je­doch frist­gemäß zum 31.12.2008 durch die ers­te Kündi­gung ge­en­det ha­be. Laut Ge­richt hat der Kläger zwei er­heb­li­che Ver­trags­verstöße be­gan­gen, in­dem er Pri­vat­te­le­fo­na­te führ­te und Ge­schen­ke von Ver­trags­part­nern der Be­klag­ten an­nahm. Der Kläger konn­te, laut Ge­richt, nicht mit ei­ner To­le­rie­rung der An­nah­me von Vor­tei­len durch Ver­trags­part­ner der Be­klag­ten rech­nen. Im Hin­blick auf die lan­ge Be­triebs­zu­gehörig­keit des Klägers hielt es ei­ne frist­lo­se Kündi­gung je­doch un­verhält­nismäßig.

Hier­ge­gen leg­ten so­wohl der Kläger als auch die Be­klag­te Be­ru­fung ein.

LAG Rheinland-Pfalz: Die VIP-Karte war kein übliches Werbegeschenk, da sie zielgerichtet dem Personalleiter zukommen sollte und von nicht unerheblichem Wert war

Das LAG wies die Be­ru­fung bei­der Par­tei­en zurück. Wie das Ar­beits­ge­richt Mainz ge­langt es zu dem Er­geb­nis, dass die ers­te Kündi­gung als or­dent­li­che Kündi­gung rechtmäßig, ei­ne frist­lo­se Kündi­gung da­ge­gen nicht ge­recht­fer­tigt war.

Al­ler­dings ver­tritt das LAG die Auf­fas­sung, dass die pri­va­ten Te­le­fo­na­te für sich ge­nom­men kei­ne Kündi­gung, son­dern nur ei­ne Ab­mah­nung ge­recht­fer­tigt hätten, weil der Um­fang der Te­le­fo­na­te im un­te­ren Be­reich an­ge­sie­delt war. Es hält je­doch die An­nah­me der Ein­tritts­kar­te für ei­nen Grund zu ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung.

Das LAG stellt klar, dass die Be­klag­te die An­nah­me der Fuss­ball­kar­te auch nachträglich als Be­gründung der Kündi­gung her­an­zie­hen durf­te, weil der Vor­fall vor der Kündi­gung lag und die Be­klag­te erst nachträglich hier­von er­fuhr.

Das LAG geht an­schei­nend da­von aus, dass al­lein die An­nah­me des Fußball­ti­ckets ei­nen Kündi­gungs­grund auch oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung dar­stellt. Al­ler­dings berück­sich­tigt die Kam­mer zu­guns­ten der Be­klag­ten eben­falls, dass die un­be­fug­ten Pri­vat­te­le­fo­na­te das Ver­trau­ens­verhält­nis zusätz­lich be­ein­träch­tig­ten. Durch die An­nah­me der Ein­tritts­kar­te, oh­ne die Be­klag­te hier­von zu un­ter­rich­ten, hat der Kläger das er­for­der­li­che Ver­trau­en zu der Be­klag­ten zerstört, so das Ge­richt.

Ent­schei­dend für die­se Auf­fas­sung war hier­bei nicht al­lein der Wert der Ein­tritts­kar­te, son­dern die Ge­fahr, dass sich der Kläger we­gen der Ge­schen­ke so be­ein­flus­sen lässt, dass er ge­gen die In­ter­es­sen der Be­klag­ten han­deln würde. Ein wich­ti­ger Fak­tor, der ge­gen den Kläger sprach, war al­so, dass das Ge­schenk von ei­nem (po­ten­ti­el­len) Ver­trags­part­ner der Be­klag­ten kam und des­halb nicht mehr si­cher­ge­stellt war, dass der Kläger im In­ter­es­se der Be­klag­ten ent­schied, mit wel­chem Per­so­nal­ver­mitt­lungs­un­ter­neh­men zu­sam­men­ge­ar­bei­tet wer­den soll­te. In ei­nem der­ar­ti­gen Ver­hal­ten, so das Ge­richt, liegt re­gelmäßig so­gar ein Grund zur frist­lo­sen Kündi­gung, oh­ne dass es da­bei dar­auf an­kommt, ob der Ar­beit­ge­ber tatsächlich geschädigt wur­de. Aus­rei­chend ist nach Auf­fas­sung des Ge­richts schon die Ge­fahr ei­nes In­ter­es­sen­kon­flikts.

Da­bei hielt es das LAG für un­strei­tig, dass das Per­so­nal­ver­mitt­lungs­un­ter­neh­men Ver­trags­part­ner der Be­klag­ten ge­we­sen war und dass dem Kläger als Per­so­nal­lei­ter bei ei­nem Leih­ar­beit­neh­mer­be­darf die Ver­hand­lun­gen mit die­sem Un­ter­neh­men ob­la­gen und er so­mit Ein­fluss dar­auf hat­te, ob die­ses Un­ter­neh­men bei der Ver­ga­be von Leih­ar­beits­aufträgen zum Zu­ge kam. We­gen der Art des Fußball­ti­ckets (in­klu­si­ve Be­wir­tung, ge­schlos­se­ner Sitz­be­reich) und un­ter Berück­sich­ti­gung des be­such­ten Sta­di­ons schloss das LAG, dass der­ar­ti­ge Ein­tritts­kar­ten ei­nen nicht nur un­er­heb­li­chen, je­den­falls über 100,00 EUR und zum Teil weit darüber lie­gen­den Preis kos­te­ten und da­mit den Wert ei­nes übli­chen Ge­le­gen­heits­ge­schenks wie zum Bei­spiel ei­ner Fla­sche Wein er­heb­lich über­stieg.

Der Kläger muss­te auch er­ken­nen, so das LAG, dass das Un­ter­neh­men, von wel­chem er die Kar­te er­hielt, dies aus ei­nem ei­ge­nen In­ter­es­se im Hin­blick auf die wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit mit der Be­klag­ten mach­te, um so das Wohl­wol­len des Klägers zu er­lan­gen. So­weit der Kläger anführ­te, die An­nah­me von Ge­schen­ken wa­ren der Geschäftsführung be­kannt und von ihr ge­dul­det, hätte der Kläger dar­le­gen müssen, dass hier­zu nicht nur klei­ne Ge­schen­ke son­dern auch sol­che von er­heb­li­chem Wert gehörten. Denn im vor­lie­gen­den Fall ging es nicht um ein ein­fa­ches Wer­be­ge­schenk, son­dern um ein dem äußeren An­schein nach ziel­ge­rich­tet dem Kläger in sei­ner Funk­ti­on als Per­so­nal­lei­ter zu­ge­wen­de­tes Ge­schenk von nicht un­er­heb­li­chem Wert.

Ei­ne frist­lo­se Kündi­gung hält das LAG aber wie das Ar­beits­ge­richt für un­verhält­nismäßig, ob­wohl die An­nah­me von Ge­schen­ken die­ser Art nor­ma­ler­wei­se ei­nen frist­lo­sen Kündi­gungs­grund dar­stellt. Da­bei berück­sich­tigt das LAG zu­guns­ten des Klägers ins­be­son­de­re die langjähri­ge Beschäfti­gung oh­ne nen­nens­wer­te Be­an­stan­dun­gen, das Al­ter des Klägers und die des­halb ge­rin­gen Chan­cen, ei­ne neue Tätig­keit zu fin­den, so­wie die Tat­sa­che, dass der Be­klag­ten letzt­lich durch das Ver­hal­ten des Klägers kein Scha­den ent­stan­den war.

Fa­zit: Das LAG nimmt hier letzt­lich zu­recht an, dass das strei­ti­ge Ge­schenk nicht mehr im Rah­men des Übli­chen lag. Ar­beit­neh­mern ist zu ra­ten, vor der An­nah­me sol­cher Ge­schen­ke den Ar­beit­ge­ber um Er­laub­nis zu bit­ten, es an­neh­men zu dürfen. Die­se Emp­feh­lung gilt be­son­ders dann, wenn das Ge­schenk teu­er ist und/oder wenn der Schen­ker ein be­son­de­res In­ter­es­se dar­an hat, ge­ra­de ei­nen be­stimm­ten Ent­schei­dungs­träger zu be­schen­ken.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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