Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitsgerichte: Zuständigkeit, Zuständigkeit: International, Internationale Zuständigkeit, Botschaftsangestellter
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 17 Sa 1468/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.11.2011
   
Leit­sätze:

1. Die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten von der Zi­vil­ge­richts­bar­keit hängt nicht von der Schwe­re sei­ner - an­geb­li­chen oder tatsächli­chen - Rechts­ver­let­zun­gen ab.(Rn.17)

2. § 18 GVG verstößt nicht ge­gen Art. 14 GG(Rn.23) und das Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG).(Rn.25)

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 14.06.2011, 36 Ca 3627/11
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.08.2012, 5 AZR 949/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 09.11.2011

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

17 Sa 1468/11

36 Ca 3627/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin  

Z., JHS
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 17. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ok­to­ber 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt D. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr L. und Frau B.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 14.06.2011 - 36 Ca 3627/11 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird zu­ge­las­sen.

D. L. B.

 

- 3 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren darüber, ob der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen ist.

Der Be­klag­te ist ak­kre­di­tier­ter At­taché der Bot­schaft des König­reichs S. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Er beschäftig­te die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin seit dem 3. April 2009 als Haus­an­ge­stell­te in sei­nem Pri­vat­haus­halt. Die­se trat mit Ver­trag vom 15. Fe­bru­ar 2011 Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Ab­wick­lung an die Kläge­rin ab.

Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin den Aus­gleich von Ent­gelt­ansprüchen, die Er­stat­tung von Rei­se­kos­ten so­wie die Zah­lung ei­nes Schmer­zens­gel­des ge­for­dert. Der Be­klag­te ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin in aus­beu­te­ri­scher Wei­se beschäftigt. Die­se ha­be den Haus­halt des Be­klag­ten nicht ver­las­sen dürfen und sei zur Ar­beits­leis­tung an sie­ben Ta­gen in der Wo­che mit Ar­beits­zei­ten von bis zu zwan­zig St­un­den am Tag an­ge­hal­ten wor­den; hier­bei sei es ständig zu körper­li­chen Miss­hand­lun­gen und Er­nied­ri­gun­gen sei­tens des Be­klag­ten und sei­ner Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen ge­kom­men. Ent­ge­gen der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung sei ei­ne ei­ge­ne Un­ter­kunft nicht gewährt wor­den; ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be viel­mehr oh­ne Ma­trat­ze und war­me Klei­dung mit ei­ner dünnen De­cke auf dem Bo­den des Kin­der­zim­mers schla­fen müssen. Die zu­ge­sag­te Ver­pfle­gung ha­be aus Es­sens­res­ten be­stan­den. Ei­ne Vergütung ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin bis zu ih­rer Flucht am 30. Ok­to­ber 2010 nicht er­hal­ten; le­dig­lich ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung ha­be der Be­klag­te nach außer­ge­richt­li­chen Ver­hand­lun­gen ge­zahlt. Der Be­klag­te ha­be die Men­schen­rech­te ih­rer Rechts­vorgänge­rin mas­siv ver­letzt. Er sei bei die­ser Sach­la­ge nicht von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit.

Der Be­klag­te hat die Kla­ge für un­zulässig ge­hal­ten, weil ihm als Di­plo­mat Im­mu­nität von der ge­richt­li­chen In­an­spruch­nah­me zu­ste­he. Die ge­gen ihn und sei­ne Fa­mi­lie er­ho­be­nen Vorwürfe sei­en im Übri­gen – was er be­wei­sen könne – un­be­rech­tigt.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge durch ein am 14. Ju­ni 2011 verkünde­tes Ur­teil als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Der Be­klag­te sei nach § 18 GVG der deut­schen

 

- 4 -

Ge­richts­bar­keit nicht un­ter­wor­fen. Die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten vor recht­li­cher Ver­fol­gung be­ste­he auch bei be­son­ders schwer­wie­gen­den Rechts­ver­let­zun­gen. So­fern be­rech­tig­te Ansprüche we­gen die­ser Im­mu­nität nicht durch­ge­setzt wer­den könn­ten, ste­he der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin ein Entschädi­gungs­an­spruch ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses ihr am 20. Ju­ni 2011 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 15. Ju­li 2011 ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin, die sie mit ei­nem am 19. Au­gust 2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat durch Be­schluss vom 22. Au­gust 2011 an­ge­ord­net, dass über die Zulässig­keit der Kla­ge ab­ge­son­dert ver­han­delt wird.

Die Kläge­rin hält die Kla­ge wei­ter­hin für zulässig. Der Be­klag­te sei der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen. Ihm ste­he le­dig­lich Im­mu­nität vor ei­ner straf­recht­li­chen Ver­fol­gung, nicht aber vor ei­ner zi­vil­recht­li­chen In­an­spruch­nah­me zu. Die zi­vil­recht­li­che Im­mu­nität müsse bei schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zurück­ste­hen; an­de­ren­falls würde der men­schen­rechts­wid­ri­ge Zu­stand auf­recht­er­hal­ten. Der Be­klag­te ha­be sei­ne Im­mu­nität durch sein Ver­hal­ten ver­wirkt. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit führe zu­dem zu ei­nem Ein­griff in das durch Art. 14 GG geschütz­te Ei­gen­tum, oh­ne dass in­so­weit ei­ne Entschädi­gungs­re­ge­lung ein­grei­fe; auch würde ihr An­spruch auf Jus­tiz­gewährung oh­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung be­sei­tigt. Die Verhält­nis­se im König­reich S. ließen es nicht zu, dort ih­re Ansprüche ge­gen den Be­klag­ten zu ver­fol­gen. Der Rechts­streit sei ggf. zur Klärung all­ge­mei­ner Re­geln des Völker­rechts und der Ver-fas­sungsmäßig­keit des § 18 GVG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

den Be­klag­ten un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom
14. Ju­ni 2011 – 36 Ca 3627/11 – zu ver­ur­tei­len, an sie 14.950,00 EUR brut­to
nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus
700,00 EUR seit dem 1. Mai 2009 und aus je­weils 750,00 EUR seit je­dem
Mo­nats­an­fang von Ju­ni 2009 bis No­vem­ber 2010, 15.804,00 EUR brut­to nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 7.704,00

 

- 5 -

EUR seit dem 1.Ja­nu­ar 2010 und aus 8.100,00 EUR seit dem 1. No­vem­ber 2010 so­wie im­ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des
Ge­richts ge­stellt wird, aber 40.000,00 EUR nicht un­ter­schrei­ten soll­te, nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit
Kla­ge­zu­stel­lung (15. März 2011) zu zah­len.


Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen; die tatsächli­chen Be­haup­tun­gen der Kläge­rin sei­en un­zu­tref­fend.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze vom 19. und 30. Au­gust 2011 Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe

Die gemäß § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te so­wie nach §§ 64 Abs. 6, 66 ArbGG, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht als un­zulässig ab­ge­wie­sen, weil der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit nicht un­ter­wor­fen ist.


1. Die Mit­glie­der der in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­rich­te­ten di­plo­ma­ti­schen Mis­sio­nen sind gemäß § 18 Satz 1 GVG nach Maßga­be des Wie­ner Übe­r­ein­kom­mens über di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen vom 18. April 1961 (WÜD) von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit. Der Be­klag­te ge­nießt da­her als Di­plo­mat i.S.d. Art. 1 lit. e) WÜD Im­mu­nität von der deut­schen Straf-, Zi­vil- und Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit (Art. 31 Abs. 1 WÜD), wo­bei die Ar­beits­ge­richts­bar­keit zur Zi­vil­ge­richts­bar­keit zählt (Wag­ner/Raasch/ Pröpstl, Wie­ner Übe­r­ein­kom­men über

 

- 6 -

di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen, 2007, S. 269). Ei­ne Strei­tig­keit, für die nach Art. 31 Abs. 1 lit. a) – c) WÜD kei­ne Im­mu­nität be­steht (näher be­zeich­ne­te ding­li­che Kla­gen und Kla­gen in Nach­lass­sa­chen so­wie Kla­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem frei­en Be­ruf oder ei­ner ge­werb­li­chen Tätig­keit des Di­plo­ma­ten) ist im vor­lie­gen­den Fall nicht ge­ge­ben. So­weit die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang meint, es müsse zwi­schen ei­ner Im­mu­nität vor Straf­ver­fol­gungs­maßnah­men und ei­ner sol­chen vor zi­vil­ge­richt­li­cher In­an­spruch­nah­me un­ter­schie­den wer­den, trifft dies nicht zu. So­lan­ge die Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten be­steht, ist er viel­mehr in al­len von Art. 31 Abs. 1 WÜD er­fass­ten Ver­fah­ren in glei­cher Wei­se von ge­richt­li­chen Maßnah­men be­freit. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität soll gewähr­leis­ten, dass die Mis­si­on und die Di­plo­ma­ten als Ver­tre­tungs­or­gan des Ent­sen­de­staa­tes ih­re Auf­ga­ben wirk­sam er­le­di­gen können; dies ge­bie­tet es, den Di­plo­ma­ten auch hin­sicht­lich sei­ner Pri­vat­hand­lun­gen von ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu be­frei­en (Wag­ner/Raasch/Pröpstl, a.a.O., S. 262). Le­dig­lich die Dau­er der Im­mu­nität hängt von der Art der Hand­lun­gen des Di­plo­ma­ten ab, we­gen de­rer ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren an­ge­strengt wer­den soll. Während für Amts­hand­lun­gen Im­mu­nität auch nach der endgülti­gen Aus­rei­se des Di­plo­ma­ten aus dem Emp­fangs­staat be­steht, en­det sie in Be­zug auf sons­ti­ge Hand­lun­gen mit der endgülti­gen Aus­rei­se bzw. ei­ner hierfür gewähr­ten an­ge­mes­se­nen Frist (Art. 39 Abs. 2 WÜD). Dass es im vor­lie­gen­den Fall um die Durch­set­zung zi­vil­recht­li­cher Ansprüche und nicht um ei­ne Straf­ver­fol­gung des Be­klag­ten geht, ist dem­ge­genüber für die Fra­ge sei­ner Im­mu­nität oh­ne Be­deu­tung.

2. Die Im­mu­nität des Be­klag­ten ist nicht we­gen der Schwe­re der ge­gen ihn er­ho­be­nen Vorwürfe auf­ge­ho­ben.

a) Die Kläge­rin kann in die­sem Zu­sam­men­hang zunächst nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, der Be­klag­te ha­be sich un­ter Ver­s­toß ge­gen völker­recht­li­che Be­stim­mun­gen schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu­schul­den kom­men las­sen. Das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en be­stimmt sich nicht nach völker­recht­li­chen Re­ge­lun­gen, son­dern nach den Vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts, die die ma­te­ri­ell-recht­li­che Grund­la­ge für al­le Ansprüche der Kläge­rin we­gen der an­geb­lich aus­beu­te­ri­schen Beschäfti­gung ih­rer Rechts­vorgänge­rin bie­ten (§§ 253 Abs. 2, 611 Abs. 1, 670, 823, 826 BGB). Es kommt da­her aus­sch­ließlich dar­auf an, ob die

 

- 7 -

Im­mu­nität des Be­klag­ten zur Durch­set­zung die­ser Ansprüche zurück­ste­hen muss; in wel­cher Wei­se und in wel­chem Um­fang Men­schen­rech­te durch das Völker­recht gewähr­leis­tet wer­den, ist hin­ge­gen für die ge­nann­te Rechts­fra­ge oh­ne Be­lang.

b) Die Im­mu­nität des Be­klag­ten hängt auch nicht da­von ab, ob er mit sei­nem Ver­hal­ten ge­genüber der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin ge­gen Rechts­vor­schrif­ten ver­s­toßen hat und ob es sich um schwer­wie­gen­de Rechts­verstöße han­deln würde. Der Gewährung von Im­mu­nität kommt oh­ne­hin nur Be­deu­tung zu, wenn sich der Di­plo­mat – an­geb­lich oder tatsächlich – rechts­wid­rig ver­hal­ten hat. Auch kennt die di­plo­ma­ti­sche Im­mu­nität grundsätz­lich kei­ne Aus­nah­men für be­son­ders gra­vie­ren­de Rechts­verstöße (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 – BVerfGE 96, 68 zu II. 2. a) bb); b) aa) der Gründe); dies gilt auch für die zi­vil­recht­li­che In­an­spruch­nah­me des Di­plo­ma­ten. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ist un­ver­zicht­bar für die Pfle­ge zwi­schen­staat­li­cher Be­zie­hun­gen, die es den Staa­ten un­abhängig von ih­ren un­ter­schied­li­chen Ver­fas­sungs- und So­zi­al­sys­te­men er­laubt, ein ge­gen­sei­ti­ges Verständ­nis zu ent­wi­ckeln und ih­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit fried­li­chen Mit­teln bei­zu­le­gen. Je­de Be­ein­träch­ti­gung der seit lan­gem im Völker­recht an­er­kann­ten Im­mu­nitäten für Di­plo­ma­ten ist dem­ge­genüber ge­eig­net, die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on der Staa­ten zu stören, auf die die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft im In­ter­es­se des ge­ord­ne­ten Fort­schritts der Be­zie­hung zwi­schen ih­ren Mit­glie­dern zwin­gend an­ge­wie­sen ist. Zu­dem gilt es zu be­den­ken, dass je­der Emp­fangs­staat sei­ner­seits Di­plo­ma­ten ent­sen­det. Wird die Im­mu­nität ein­ge­schränkt, kann dies zu Aus­wir­kun­gen auf die ei­ge­nen Di­plo­ma­ten und ih­re An­gehöri­gen im Aus­land führen; sie ste­hen dann in der Ge­fahr, Re­pres­sa­li­en aus­ge­setzt zu sein und zum Ge­gen­stand von po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­macht zu wer­den (BVerfG, a.a.O.). Auf Miss­bräuche der di­plo­ma­ti­schen Vor­rech­te und Im­mu­nitäten ist des­halb aus­sch­ließlich im Rah­men des Di­plo­ma­ten­rechts zu re­agie­ren, d.h., der Emp­fangs­staat kann den Di­plo­ma­ten zur un­erwünsch­ten Per­son erklären (Art. 9 WÜD) oder auf völker­recht­li­cher Ebe­ne ge­gen den Ent­sen­de­staat vor­ge­hen (BVerfG, a.a.O.). Die di­plo­ma­ti­sche Im­mu­nität vor ge­richt­li­cher Ver­fol­gung ist hin­ge­gen un­abhängig von der Schwe­re der ge­gen den Di­plo­ma­ten er­ho­be­nen Vorwürfe zu gewähren; sie ist ei­ner Re­la­ti­vie­rung nicht zugäng­lich. Auf der Grund­la­ge der ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung wäre im Übri­gen ei­ne Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten auch dann nicht gewähr­leis­tet, wenn die be­haup­te­te Rechts­ver­let­zung nicht er­folgt ist oder

 

- 8 -

sich nicht als so schwer­wie­gend er­weist, wie dies für ei­ne Auf­he­bung der Im­mu­nität für er­for­der­lich ge­hal­ten wird. Dies zeigt sich be­son­ders deut­lich in ei­ner Fall­ge­stal­tung wie der vor­lie­gen­den, in der der be­klag­te Di­plo­mat die Rich­tig­keit des an­spruchs­be­gründen­den Vor­brin­gens der kla­gen­den Par­tei be­strei­tet und das Ge­richt des­halb den Sach­ver­halt be­reits zur Fest­stel­lung der Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten aufklären müss­te. Der Di­plo­mat wäre dann den ge­richt­li­chen Maßnah­men un­ter­wor­fen, vor de­nen ihn sei­ne Im­mu­nität schützen soll – und dies auch in Fällen, in de­nen sich das kläge­ri­sche Vor­brin­gen letzt­lich als un­rich­tig er­weist; hierfür gibt es kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung.

c) So­weit die Kläge­rin gel­tend macht, ei­ne Im­mu­nität des Be­klag­ten würde den von ihm zu ver­tre­ten­den rechts­wid­ri­gen Zu­stand auf­recht­er­hal­ten und sei des­halb zu ver­sa­gen, ist dies un­zu­tref­fend. Seit­dem die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin den Haus­halt des Be­klag­ten ver­las­sen hat, ist sie den dor­ti­gen Verhält­nis­sen nicht mehr aus­ge­setzt; im vor­lie­gen­den Rechts­streit geht es aus­sch­ließlich um die Fra­ge, ob sie ei­nen Aus­gleich für dort an­geb­lich er­lit­te­ne Rechts­ver­let­zun­gen er­hal­ten kann. Es be­darf da­her kei­ner Ent­schei­dung, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten aus Gründen der Ge­fah­ren­ab­wehr zurück­ste­hen muss (vgl. hier­zu BVerfG, a.a.O., zu II. 2. b) bb) der Gründe m.w.N.).

3. Der Be­klag­te hat sei­ne Im­mu­nität als Di­plo­mat ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht we­gen der be­haup­te­ten Rechts­ver­let­zun­gen ver­wirkt. Die Im­mu­nität von der Ge­richts­bar­keit des Emp­fangs­staats ist – wie aus­geführt – nicht von der Schwe­re der ge­gen den Di­plo­ma­ten er­ho­be­nen Vorwürfe abhängig. Mit ihr soll zu­dem vor al­lem die Ar­beitsfähig­keit der di­plo­ma­ti­schen Mis­si­on des Ent­sen­de­staa­tes und nicht der Di­plo­mat selbst geschützt wer­den. Fol­ge­rich­tig kann der Ent­sen­de­staat auf die Im­mu­nität sei­ner Di­plo­ma­ten ver­zich­ten (Art. 32 WÜD), während sie nicht zur Dis­po­si­ti­on des Di­plo­ma­ten steht.

4. Die An­grif­fe der Kläge­rin ge­gen die Wirk­sam­keit von § 18 GVG grei­fen nicht durch. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.

 

- 9 -

a) Das durch Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Ei­gen­tum wird nicht durch die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten von der Zi­vil­ge­richts­bar­keit be­ein­träch­tigt.

Un­ter den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG fal­len ne­ben dem Sach­ei­gen­tum auch schuld­recht­li­che Ansprüche, die dem Recht­sträger pri­vatnützig zu­ge­ord­net sind, auf Ei­gen­leis­tun­gen be­ru­hen und als ma­te­ri­el­le Grund­la­gen persönli­cher Frei­heit die­nen (vgl. hier­zu nur BVerfG, Be­schluss vom 31. März 1998 – 2 BvR 1877/97, 2 BvR 50/98 – BVerfGE 97, 350 zu II. 1. a) der Gründe m.w.N.). Zu ih­nen gehören die im vor­lie­gen­den Fall gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf Ar­beits­ent­gelt, Auf­wen­dungs­er­satz und Scha­dens­er­satz. Der In­halt und die Schran­ken die­ser Ansprüche wer­den durch § 18 GVG nicht ge­re­gelt; auch wird nicht in den Be­stand der Ansprüche ein­ge­grif­fen. So war es für das Ent­ste­hen der streit­be­fan­ge­nen Ansprüche oh­ne Be­deu­tung, dass der Be­klag­te von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit war. Auch konn­ten die Ansprüche trotz der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität des Be­klag­ten an die Kläge­rin ab­ge­tre­ten wer­den, so dass sie nun­mehr in glei­cher Wei­se In­ha­be­rin der For­de­run­gen ist wie ih­re Rechts­vorgänge­rin; sie sind auch we­gen der Im­mu­nität nicht zeit­lich be­fris­tet oder sons­ti­gen in­halt­li­chen Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen. Die durch § 18 GVG an­ge­ord­ne­te Be­frei­ung von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­trifft da­her nicht das Ei­gen­tums­recht selbst, son­dern die Fra­ge, ob das Recht im In­land ver­folgt wer­den kann. Dies wird von dem An­wen­dungs­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG nicht er­fasst. Dass die Zi­vil­ge­rich­te bei ei­nem eröff­ne­ten Rechts­weg die Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 GG auch bei der Aus­ge­stal­tung von Ver­fah­ren zu be­ach­ten ha­ben (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 7. De­zem­ber 1977 – 1 BvR 734/77 – BVerfGE 46, 325 zu B. II. 1. der Gründe; Be­schluss vom 12. März 1980 – 1 BvR 759/77 – BVerfGE 53, 352 zu B. I. 2. der Gründe; Pa­pier in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 14, Rd­nr. 45 ff.), ist für die hier zu ent­schei­den­de Fra­ge oh­ne Be­deu­tung.

b) Es ver­letzt nicht das Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG), dass Di­plo­ma­ten we­gen ih­rer Im­mu­nität nicht vor deut­schen Zi­vil­ge­rich­ten ver­klagt wer­den können.

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an­er­kannt, dass aus dem Rechts­staats­prin­zip für bürger­lich-recht­li­che Strei­tig­kei­ten die Gewähr­leis­tung ei­nes wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes ab­zu­lei­ten ist. Die­ser

 

- 10 -

Jus­tiz­gewährungs­an­spruch um­fasst das Recht auf Zu­gang zu den Ge­rich­ten und ei­ne grundsätz­lich um­fas­sen­de tatsächli­che und recht­li­che Prüfung des Streit­ge­gen­stan­des so­wie ei­ne ver­bind­li­che rich­ter­li­che Ent­schei­dung. Die Gewähr­leis­tung schließt ei­ne ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung der Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen des Zu­gangs nicht aus (BVerfG, Be­schluss vom 12. Fe­bru­ar 1992 – BVerfGE 85, 337 zu C.I. der Gründe), wo­bei ein eröff­ne­ter Rechts­weg nicht in un­zu­mut­ba­rer, durch Sach­gründe nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se er­schwert wer­den darf (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 2. März 1993 – 1 BvR 249/92 – BVerfGE 88, 118 zu B. I. der Gründe). Der vollständi­ge Aus­schluss des Rechts­wegs kann vor die­sem Hin­ter­grund nur zulässig sein, wenn er ge­eig­net, er­for­der­lich und in Be­zug auf die Be­lan­ge der be­trof­fe­nen Par­tei verhält­nismäßig ist, um den ver­folg­ten ge­setz­li­chen Zweck zu er­rei­chen; es muss der ver­fas­sungsmäßige Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit und des Über­maßver­bots (vgl. hier­zu Grzes­zick in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 20, VII, Rd­nr. 107 ff; Leib­holz/Rinck, GG, Art. 20, Rd­nr. 776, je­weils m.w.N.) ge­wahrt sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben.

Die Im­mu­nität der Di­plo­ma­ten von den Ge­richts­bar­kei­ten des Emp­fangs­staats soll der Zu­sam­men­ar­beit der Staa­ten die­nen und sie in die La­ge ver­set­zen, Verständ­nis fürein­an­der zu ent­wi­ckeln und ih­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit fried­li­chen Mit­teln bei­zu­le­gen; in­so­weit kann auf die Ausführun­gen zu 2. b) der Ent­schei­dungs­gründe ver­wie­sen wer­den. Der Aus­schluss (auch) des Zi­vil­rechts­wegs ist ge­eig­net, die­sen Zweck zu er­rei­chen. Die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der Staa­ten hängen von der Ent­sen­dung von Di­plo­ma­ten in den Emp­fangs­staat ab. Müss­ten Di­plo­ma­ten über das völker­recht­lich ver­ein­bar­te Maß hin­aus mit ge­richt­li­cher Ver­fol­gung im Emp­fangs­staat rech­nen, wäre die Be­reit­schaft, Di­plo­ma­ten zu ent­sen­den, be­ein­träch­tigt und da­mit die Ko­ope­ra­ti­on in­ner­halb der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft gefähr­det; dem wirkt die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ent­ge­gen.

Es ist fer­ner zur Er­rei­chung des ge­nann­ten Zwecks er­for­der­lich, die ent­sand­ten Di­plo­ma­ten vor ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu schützen. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ist in die­sem Zu­sam­men­hang un­ver­zicht­bar; je­de Ein­schränkung der Im­mu­nität gefähr­det die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der be­tei­lig­ten Staa­ten (BVerfG, Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 –

 

- 11 -

BVerfGE 96, 68 zu II. 2. b) aa) der Gründe). Ein mil­de­res Mit­tel, mit dem so­wohl der Zweck der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität er­reicht als auch ei­ne In­an­spruch­nah­me der Di­plo­ma­ten durch die Ge­rich­te des Emp­fangs­staa­tes ermöglicht wird, ist nicht ge­ge­ben.

Der Aus­schluss des Zi­vil­rechts­wegs ist schließlich bei ei­ner Abwägung der Be­las­tun­gen der Par­tei, die ih­re Ansprüche nicht ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann, mit den Vor­tei­len, die die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität für die All­ge­mein­heit mit sich bringt, verhält­nismäßig. An der Si­che­rung der di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­steht an­ge­sichts ih­rer Stel­lung in der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft ein über­ra­gen­des Ge­mein­wohl­in­ter­es­se, hin­ter dem das In­ter­es­se des Ein­zel­nen, ei­nen durch § 18 GVG geschütz­ten Di­plo­ma­ten zu ver­kla­gen, zurück­ste­hen muss. Da­bei ist zum ei­nen zu berück­sich­ti­gen, dass die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität nicht zu ei­nem An­spruchs­ver­lust führt. Der Di­plo­mat ge­nießt fer­ner im Ent­sen­de­staat kei­ne Im­mu­nität (Art. 31 Abs. 4 WÜD), d.h., ein ge­gen ihn ge­rich­te­ter An­spruch kann dort ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den. Sind wie im vor­lie­gen­den Fall Ansprüche be­trof­fen, die ih­re Grund­la­ge nicht in der dienst­li­chen Tätig­keit des Di­plo­ma­ten ha­ben, en­det die Im­mu­nität zu­dem mit der Aus­rei­se des Di­plo­ma­ten aus dem Emp­fangs­staat bzw. nach Ab­lauf ei­ner hierfür gewähr­ten Frist (Art. 39 Abs. 2 WÜD); sie hin­dert da­her nur vorüber­ge­hend die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung im In­land. Sch­ließlich ist zu berück­sich­ti­gen, dass Miss­bräuche der di­plo­ma­ti­schen Im­mu­nität auf der Grund­la­ge des Di­plo­ma­ten­rechts zu Re­ak­tio­nen des Emp­fangs­staa­tes führen können. Der­ar­ti­ge Maßnah­men gewähr­leis­ten zwar nicht den in­di­vi­du­el­len Rechts­schutz ei­nes An­spruch­in­ha­bers, können je­doch all­ge­mein die Be­reit­schaft der Di­plo­ma­ten fördern, sich trotz be­ste­hen­der Im­mu­nität an die im Emp­fangs­staat gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten zu hal­ten. So­weit die Kläge­rin gel­tend macht, ei­ne Kla­ge ge­gen den Be­klag­ten im Ent­sen­de­staat ha­be von vorn­her­ein kei­ner­lei Aus­sicht auf Er­folg, recht­fer­tigt dies kein an­de­res Er­geb­nis. Zum ei­nen steht die Er­folg­lo­sig­keit der Rechts­ver­fol­gung kei­nes­falls fest; denn die Kläge­rin hat den Be­klag­ten in S. nicht in An­spruch ge­nom­men. Zum an­de­ren kann die Gewähr­leis­tung der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität nicht da­von abhängig ge­macht wer­den, ob und ggf. wel­chen Rechts­schutz der je­wei­li­ge Ent­sen­de­staat im Ein­zel­fall bie­tet, ob und in­wie­weit die­ser Rechts­schutz mit der hie­si­gen Jus­tiz­gewährung zu ver­glei­chen und ob der An­spruch im Ent­sen­de­staat durch­setz­bar ist; dass ei­ne In­an­spruch­nah­me

 

- 12 -

des Di­plo­ma­ten we­gen sei­ner Im­mu­nität schei­tern kann, führt mit an­de­ren Wor­ten nicht zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 18 GVG. Auch ist es oh­ne Be­lang, dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne Entschädi­gung nicht vor­ge­se­hen hat, soll­te ein An­spruch we­gen der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität letzt­lich nicht durch­ge­setzt wer­den können. Es war an­ge­sichts der ge­nann­ten Umstände – kein Rechts­ver­lust durch die Im­mu­nität, Kla­gemöglich­keit im Ent­sen­de­staat so­wie nach En­de der Im­mu­nität ggf. auch im In­land, Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten im Be­reich des Di­plo­ma­ten­rechts – nicht er­for­der­lich, ei­nen ge­setz­li­chen Aus­gleich für im­mu­nitäts­be­ding­te For­de­rungs­ver­lus­te vor­zu­se­hen. Ob der hier­von be­trof­fe­ne Gläubi­ger ein Son­der­op­fer für die All­ge­mein­heit er­bringt und ihm des­halb nicht oh­ne­hin ein Auf­op­fe­rungs­an­spruch (vgl. hier­zu zu­letzt BGH, Ur­teil vom 3. März 2011 – III ZR 174/10 – NJW 2011, 31,57; Drei­er, Grund­ge­setz, 2. Aufl. 2004, Art. 14 Rd­nr. 136 ff., je­weils m.w.N.) ge­gen den Staat zu­steht, be­darf des­halb kei­ner nähe­ren Un­ter­su­chung. Der Aus­schluss des Zi­vil­rechts­wegs während der Dau­er der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität verstößt nach al­le­dem nicht ge­gen das Rechts­staats­prin­zip (für die Im­mu­nität von Mit­glie­dern des Per­so­nals ei­ner zwi­schen­staat­li­chen In­sti­tu­ti­on aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar 1973 – 5 AZR 399/72 – AP Nr. 3 zu Art. 25 GG).


5. Der Rechts­streit war nicht gemäß Art. 100 GG aus­zu­set­zen, um ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len. Ei­ne Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 GG schei­det aus, weil § 18 GVG – wie aus­geführt – nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist. Es be­ste­hen fer­ner kei­ne Zwei­fel über die An­wend­bar­keit und die Aus­wir­kun­gen von all­ge­mei­nen Re­geln des Völker­rechts im Sin­ne des Art. 100 Abs. 2 GG, so dass auch in­so­weit ei­ne Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht in Be­tracht kommt. § 18 GVG be­zieht sich auf das WÜD und da­mit auf das Völker­ver­trags­recht, des­sen In­halt von dem mit dem Rechts­streit be­fass­ten Ge­richt geklärt wer­den kann (BVerfG, Be­schluss vom 30. Ja­nu­ar 2008 – 2 BvR 793/07 – NVwZ 2008, 878 ff. zu I. 2. b) der Gründe). Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch sei­nen Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 – die Reich­wei­te der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität geklärt, so dass ihm der vor­lie­gen­de Rechts­streit auch aus die­sem Grun­de nicht vor­zu­le­gen war.

 

- 13 - 

6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Be­ru­fungs­kam­mer hat die Re­vi­si­on der Kläge­rin gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen zu­ge­las­sen.


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Für den Be­klag­ten ist ge­gen die­se Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
 

D.

L.

B.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 17 Sa 1468/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880