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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Arbeitsgerichte: Zuständigkeit, Zuständigkeit: International, Internationale Zuständigkeit, Botschaftsangestellter
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 17 Sa 1468/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.11.2011
   
Leit­sätze:

1. Die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten von der Zi­vil­ge­richts­bar­keit hängt nicht von der Schwe­re sei­ner - an­geb­li­chen oder tatsächli­chen - Rechts­ver­let­zun­gen ab.(Rn.17)

2. § 18 GVG verstößt nicht ge­gen Art. 14 GG(Rn.23) und das Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG).(Rn.25)

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 14.06.2011, 36 Ca 3627/11
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.08.2012, 5 AZR 949/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 09.11.2011

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

17 Sa 1468/11

36 Ca 3627/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin  

Z., JHS
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 17. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. Ok­to­ber 2011
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt D. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herr L. und Frau B.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 14.06.2011 - 36 Ca 3627/11 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird zu­ge­las­sen.

D. L. B.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren darüber, ob der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen ist.

Der Be­klag­te ist ak­kre­di­tier­ter At­taché der Bot­schaft des König­reichs S. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Er beschäftig­te die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin seit dem 3. April 2009 als Haus­an­ge­stell­te in sei­nem Pri­vat­haus­halt. Die­se trat mit Ver­trag vom 15. Fe­bru­ar 2011 Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Ab­wick­lung an die Kläge­rin ab.

Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin den Aus­gleich von Ent­gelt­ansprüchen, die Er­stat­tung von Rei­se­kos­ten so­wie die Zah­lung ei­nes Schmer­zens­gel­des ge­for­dert. Der Be­klag­te ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin in aus­beu­te­ri­scher Wei­se beschäftigt. Die­se ha­be den Haus­halt des Be­klag­ten nicht ver­las­sen dürfen und sei zur Ar­beits­leis­tung an sie­ben Ta­gen in der Wo­che mit Ar­beits­zei­ten von bis zu zwan­zig St­un­den am Tag an­ge­hal­ten wor­den; hier­bei sei es ständig zu körper­li­chen Miss­hand­lun­gen und Er­nied­ri­gun­gen sei­tens des Be­klag­ten und sei­ner Fa­mi­li­en­an­gehöri­gen ge­kom­men. Ent­ge­gen der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung sei ei­ne ei­ge­ne Un­ter­kunft nicht gewährt wor­den; ih­re Rechts­vorgänge­rin ha­be viel­mehr oh­ne Ma­trat­ze und war­me Klei­dung mit ei­ner dünnen De­cke auf dem Bo­den des Kin­der­zim­mers schla­fen müssen. Die zu­ge­sag­te Ver­pfle­gung ha­be aus Es­sens­res­ten be­stan­den. Ei­ne Vergütung ha­be ih­re Rechts­vorgänge­rin bis zu ih­rer Flucht am 30. Ok­to­ber 2010 nicht er­hal­ten; le­dig­lich ei­ne Ur­laubs­ab­gel­tung ha­be der Be­klag­te nach außer­ge­richt­li­chen Ver­hand­lun­gen ge­zahlt. Der Be­klag­te ha­be die Men­schen­rech­te ih­rer Rechts­vorgänge­rin mas­siv ver­letzt. Er sei bei die­ser Sach­la­ge nicht von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit.

Der Be­klag­te hat die Kla­ge für un­zulässig ge­hal­ten, weil ihm als Di­plo­mat Im­mu­nität von der ge­richt­li­chen In­an­spruch­nah­me zu­ste­he. Die ge­gen ihn und sei­ne Fa­mi­lie er­ho­be­nen Vorwürfe sei­en im Übri­gen – was er be­wei­sen könne – un­be­rech­tigt.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge durch ein am 14. Ju­ni 2011 verkünde­tes Ur­teil als un­zulässig ab­ge­wie­sen. Der Be­klag­te sei nach § 18 GVG der deut­schen

 

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Ge­richts­bar­keit nicht un­ter­wor­fen. Die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten vor recht­li­cher Ver­fol­gung be­ste­he auch bei be­son­ders schwer­wie­gen­den Rechts­ver­let­zun­gen. So­fern be­rech­tig­te Ansprüche we­gen die­ser Im­mu­nität nicht durch­ge­setzt wer­den könn­ten, ste­he der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin ein Entschädi­gungs­an­spruch ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu. We­gen der Ein­zel­hei­ten der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses ihr am 20. Ju­ni 2011 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 15. Ju­li 2011 ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin, die sie mit ei­nem am 19. Au­gust 2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat durch Be­schluss vom 22. Au­gust 2011 an­ge­ord­net, dass über die Zulässig­keit der Kla­ge ab­ge­son­dert ver­han­delt wird.

Die Kläge­rin hält die Kla­ge wei­ter­hin für zulässig. Der Be­klag­te sei der deut­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­wor­fen. Ihm ste­he le­dig­lich Im­mu­nität vor ei­ner straf­recht­li­chen Ver­fol­gung, nicht aber vor ei­ner zi­vil­recht­li­chen In­an­spruch­nah­me zu. Die zi­vil­recht­li­che Im­mu­nität müsse bei schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zurück­ste­hen; an­de­ren­falls würde der men­schen­rechts­wid­ri­ge Zu­stand auf­recht­er­hal­ten. Der Be­klag­te ha­be sei­ne Im­mu­nität durch sein Ver­hal­ten ver­wirkt. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit führe zu­dem zu ei­nem Ein­griff in das durch Art. 14 GG geschütz­te Ei­gen­tum, oh­ne dass in­so­weit ei­ne Entschädi­gungs­re­ge­lung ein­grei­fe; auch würde ihr An­spruch auf Jus­tiz­gewährung oh­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung be­sei­tigt. Die Verhält­nis­se im König­reich S. ließen es nicht zu, dort ih­re Ansprüche ge­gen den Be­klag­ten zu ver­fol­gen. Der Rechts­streit sei ggf. zur Klärung all­ge­mei­ner Re­geln des Völker­rechts und der Ver-fas­sungsmäßig­keit des § 18 GVG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­zu­le­gen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

den Be­klag­ten un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom
14. Ju­ni 2011 – 36 Ca 3627/11 – zu ver­ur­tei­len, an sie 14.950,00 EUR brut­to
nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus
700,00 EUR seit dem 1. Mai 2009 und aus je­weils 750,00 EUR seit je­dem
Mo­nats­an­fang von Ju­ni 2009 bis No­vem­ber 2010, 15.804,00 EUR brut­to nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus 7.704,00

 

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EUR seit dem 1.Ja­nu­ar 2010 und aus 8.100,00 EUR seit dem 1. No­vem­ber 2010 so­wie im­ma­te­ri­el­len Scha­dens­er­satz, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des
Ge­richts ge­stellt wird, aber 40.000,00 EUR nicht un­ter­schrei­ten soll­te, nebst
Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit
Kla­ge­zu­stel­lung (15. März 2011) zu zah­len.


Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil mit Rechts­ausführun­gen; die tatsächli­chen Be­haup­tun­gen der Kläge­rin sei­en un­zu­tref­fend.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf den In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze vom 19. und 30. Au­gust 2011 Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe

Die gemäß § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te so­wie nach §§ 64 Abs. 6, 66 ArbGG, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht als un­zulässig ab­ge­wie­sen, weil der Be­klag­te der deut­schen Ge­richts­bar­keit nicht un­ter­wor­fen ist.


1. Die Mit­glie­der der in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­rich­te­ten di­plo­ma­ti­schen Mis­sio­nen sind gemäß § 18 Satz 1 GVG nach Maßga­be des Wie­ner Übe­r­ein­kom­mens über di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen vom 18. April 1961 (WÜD) von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit. Der Be­klag­te ge­nießt da­her als Di­plo­mat i.S.d. Art. 1 lit. e) WÜD Im­mu­nität von der deut­schen Straf-, Zi­vil- und Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit (Art. 31 Abs. 1 WÜD), wo­bei die Ar­beits­ge­richts­bar­keit zur Zi­vil­ge­richts­bar­keit zählt (Wag­ner/Raasch/ Pröpstl, Wie­ner Übe­r­ein­kom­men über

 

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di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen, 2007, S. 269). Ei­ne Strei­tig­keit, für die nach Art. 31 Abs. 1 lit. a) – c) WÜD kei­ne Im­mu­nität be­steht (näher be­zeich­ne­te ding­li­che Kla­gen und Kla­gen in Nach­lass­sa­chen so­wie Kla­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem frei­en Be­ruf oder ei­ner ge­werb­li­chen Tätig­keit des Di­plo­ma­ten) ist im vor­lie­gen­den Fall nicht ge­ge­ben. So­weit die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang meint, es müsse zwi­schen ei­ner Im­mu­nität vor Straf­ver­fol­gungs­maßnah­men und ei­ner sol­chen vor zi­vil­ge­richt­li­cher In­an­spruch­nah­me un­ter­schie­den wer­den, trifft dies nicht zu. So­lan­ge die Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten be­steht, ist er viel­mehr in al­len von Art. 31 Abs. 1 WÜD er­fass­ten Ver­fah­ren in glei­cher Wei­se von ge­richt­li­chen Maßnah­men be­freit. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität soll gewähr­leis­ten, dass die Mis­si­on und die Di­plo­ma­ten als Ver­tre­tungs­or­gan des Ent­sen­de­staa­tes ih­re Auf­ga­ben wirk­sam er­le­di­gen können; dies ge­bie­tet es, den Di­plo­ma­ten auch hin­sicht­lich sei­ner Pri­vat­hand­lun­gen von ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu be­frei­en (Wag­ner/Raasch/Pröpstl, a.a.O., S. 262). Le­dig­lich die Dau­er der Im­mu­nität hängt von der Art der Hand­lun­gen des Di­plo­ma­ten ab, we­gen de­rer ein ge­richt­li­ches Ver­fah­ren an­ge­strengt wer­den soll. Während für Amts­hand­lun­gen Im­mu­nität auch nach der endgülti­gen Aus­rei­se des Di­plo­ma­ten aus dem Emp­fangs­staat be­steht, en­det sie in Be­zug auf sons­ti­ge Hand­lun­gen mit der endgülti­gen Aus­rei­se bzw. ei­ner hierfür gewähr­ten an­ge­mes­se­nen Frist (Art. 39 Abs. 2 WÜD). Dass es im vor­lie­gen­den Fall um die Durch­set­zung zi­vil­recht­li­cher Ansprüche und nicht um ei­ne Straf­ver­fol­gung des Be­klag­ten geht, ist dem­ge­genüber für die Fra­ge sei­ner Im­mu­nität oh­ne Be­deu­tung.

2. Die Im­mu­nität des Be­klag­ten ist nicht we­gen der Schwe­re der ge­gen ihn er­ho­be­nen Vorwürfe auf­ge­ho­ben.

a) Die Kläge­rin kann in die­sem Zu­sam­men­hang zunächst nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, der Be­klag­te ha­be sich un­ter Ver­s­toß ge­gen völker­recht­li­che Be­stim­mun­gen schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu­schul­den kom­men las­sen. Das Rechts­verhält­nis der Par­tei­en be­stimmt sich nicht nach völker­recht­li­chen Re­ge­lun­gen, son­dern nach den Vor­schrif­ten des Pri­vat­rechts, die die ma­te­ri­ell-recht­li­che Grund­la­ge für al­le Ansprüche der Kläge­rin we­gen der an­geb­lich aus­beu­te­ri­schen Beschäfti­gung ih­rer Rechts­vorgänge­rin bie­ten (§§ 253 Abs. 2, 611 Abs. 1, 670, 823, 826 BGB). Es kommt da­her aus­sch­ließlich dar­auf an, ob die

 

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Im­mu­nität des Be­klag­ten zur Durch­set­zung die­ser Ansprüche zurück­ste­hen muss; in wel­cher Wei­se und in wel­chem Um­fang Men­schen­rech­te durch das Völker­recht gewähr­leis­tet wer­den, ist hin­ge­gen für die ge­nann­te Rechts­fra­ge oh­ne Be­lang.

b) Die Im­mu­nität des Be­klag­ten hängt auch nicht da­von ab, ob er mit sei­nem Ver­hal­ten ge­genüber der Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin ge­gen Rechts­vor­schrif­ten ver­s­toßen hat und ob es sich um schwer­wie­gen­de Rechts­verstöße han­deln würde. Der Gewährung von Im­mu­nität kommt oh­ne­hin nur Be­deu­tung zu, wenn sich der Di­plo­mat – an­geb­lich oder tatsächlich – rechts­wid­rig ver­hal­ten hat. Auch kennt die di­plo­ma­ti­sche Im­mu­nität grundsätz­lich kei­ne Aus­nah­men für be­son­ders gra­vie­ren­de Rechts­verstöße (vgl. BVerfG, Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 – BVerfGE 96, 68 zu II. 2. a) bb); b) aa) der Gründe); dies gilt auch für die zi­vil­recht­li­che In­an­spruch­nah­me des Di­plo­ma­ten. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ist un­ver­zicht­bar für die Pfle­ge zwi­schen­staat­li­cher Be­zie­hun­gen, die es den Staa­ten un­abhängig von ih­ren un­ter­schied­li­chen Ver­fas­sungs- und So­zi­al­sys­te­men er­laubt, ein ge­gen­sei­ti­ges Verständ­nis zu ent­wi­ckeln und ih­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit fried­li­chen Mit­teln bei­zu­le­gen. Je­de Be­ein­träch­ti­gung der seit lan­gem im Völker­recht an­er­kann­ten Im­mu­nitäten für Di­plo­ma­ten ist dem­ge­genüber ge­eig­net, die Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on der Staa­ten zu stören, auf die die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft im In­ter­es­se des ge­ord­ne­ten Fort­schritts der Be­zie­hung zwi­schen ih­ren Mit­glie­dern zwin­gend an­ge­wie­sen ist. Zu­dem gilt es zu be­den­ken, dass je­der Emp­fangs­staat sei­ner­seits Di­plo­ma­ten ent­sen­det. Wird die Im­mu­nität ein­ge­schränkt, kann dies zu Aus­wir­kun­gen auf die ei­ge­nen Di­plo­ma­ten und ih­re An­gehöri­gen im Aus­land führen; sie ste­hen dann in der Ge­fahr, Re­pres­sa­li­en aus­ge­setzt zu sein und zum Ge­gen­stand von po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­macht zu wer­den (BVerfG, a.a.O.). Auf Miss­bräuche der di­plo­ma­ti­schen Vor­rech­te und Im­mu­nitäten ist des­halb aus­sch­ließlich im Rah­men des Di­plo­ma­ten­rechts zu re­agie­ren, d.h., der Emp­fangs­staat kann den Di­plo­ma­ten zur un­erwünsch­ten Per­son erklären (Art. 9 WÜD) oder auf völker­recht­li­cher Ebe­ne ge­gen den Ent­sen­de­staat vor­ge­hen (BVerfG, a.a.O.). Die di­plo­ma­ti­sche Im­mu­nität vor ge­richt­li­cher Ver­fol­gung ist hin­ge­gen un­abhängig von der Schwe­re der ge­gen den Di­plo­ma­ten er­ho­be­nen Vorwürfe zu gewähren; sie ist ei­ner Re­la­ti­vie­rung nicht zugäng­lich. Auf der Grund­la­ge der ge­gen­tei­li­gen Auf­fas­sung wäre im Übri­gen ei­ne Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten auch dann nicht gewähr­leis­tet, wenn die be­haup­te­te Rechts­ver­let­zung nicht er­folgt ist oder

 

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sich nicht als so schwer­wie­gend er­weist, wie dies für ei­ne Auf­he­bung der Im­mu­nität für er­for­der­lich ge­hal­ten wird. Dies zeigt sich be­son­ders deut­lich in ei­ner Fall­ge­stal­tung wie der vor­lie­gen­den, in der der be­klag­te Di­plo­mat die Rich­tig­keit des an­spruchs­be­gründen­den Vor­brin­gens der kla­gen­den Par­tei be­strei­tet und das Ge­richt des­halb den Sach­ver­halt be­reits zur Fest­stel­lung der Im­mu­nität des Di­plo­ma­ten aufklären müss­te. Der Di­plo­mat wäre dann den ge­richt­li­chen Maßnah­men un­ter­wor­fen, vor de­nen ihn sei­ne Im­mu­nität schützen soll – und dies auch in Fällen, in de­nen sich das kläge­ri­sche Vor­brin­gen letzt­lich als un­rich­tig er­weist; hierfür gibt es kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung.

c) So­weit die Kläge­rin gel­tend macht, ei­ne Im­mu­nität des Be­klag­ten würde den von ihm zu ver­tre­ten­den rechts­wid­ri­gen Zu­stand auf­recht­er­hal­ten und sei des­halb zu ver­sa­gen, ist dies un­zu­tref­fend. Seit­dem die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin den Haus­halt des Be­klag­ten ver­las­sen hat, ist sie den dor­ti­gen Verhält­nis­sen nicht mehr aus­ge­setzt; im vor­lie­gen­den Rechts­streit geht es aus­sch­ließlich um die Fra­ge, ob sie ei­nen Aus­gleich für dort an­geb­lich er­lit­te­ne Rechts­ver­let­zun­gen er­hal­ten kann. Es be­darf da­her kei­ner Ent­schei­dung, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten aus Gründen der Ge­fah­ren­ab­wehr zurück­ste­hen muss (vgl. hier­zu BVerfG, a.a.O., zu II. 2. b) bb) der Gründe m.w.N.).

3. Der Be­klag­te hat sei­ne Im­mu­nität als Di­plo­mat ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht we­gen der be­haup­te­ten Rechts­ver­let­zun­gen ver­wirkt. Die Im­mu­nität von der Ge­richts­bar­keit des Emp­fangs­staats ist – wie aus­geführt – nicht von der Schwe­re der ge­gen den Di­plo­ma­ten er­ho­be­nen Vorwürfe abhängig. Mit ihr soll zu­dem vor al­lem die Ar­beitsfähig­keit der di­plo­ma­ti­schen Mis­si­on des Ent­sen­de­staa­tes und nicht der Di­plo­mat selbst geschützt wer­den. Fol­ge­rich­tig kann der Ent­sen­de­staat auf die Im­mu­nität sei­ner Di­plo­ma­ten ver­zich­ten (Art. 32 WÜD), während sie nicht zur Dis­po­si­ti­on des Di­plo­ma­ten steht.

4. Die An­grif­fe der Kläge­rin ge­gen die Wirk­sam­keit von § 18 GVG grei­fen nicht durch. Der Aus­schluss der deut­schen Ge­richts­bar­keit verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.

 

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a) Das durch Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­te Ei­gen­tum wird nicht durch die Im­mu­nität ei­nes Di­plo­ma­ten von der Zi­vil­ge­richts­bar­keit be­ein­träch­tigt.

Un­ter den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG fal­len ne­ben dem Sach­ei­gen­tum auch schuld­recht­li­che Ansprüche, die dem Recht­sträger pri­vatnützig zu­ge­ord­net sind, auf Ei­gen­leis­tun­gen be­ru­hen und als ma­te­ri­el­le Grund­la­gen persönli­cher Frei­heit die­nen (vgl. hier­zu nur BVerfG, Be­schluss vom 31. März 1998 – 2 BvR 1877/97, 2 BvR 50/98 – BVerfGE 97, 350 zu II. 1. a) der Gründe m.w.N.). Zu ih­nen gehören die im vor­lie­gen­den Fall gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf Ar­beits­ent­gelt, Auf­wen­dungs­er­satz und Scha­dens­er­satz. Der In­halt und die Schran­ken die­ser Ansprüche wer­den durch § 18 GVG nicht ge­re­gelt; auch wird nicht in den Be­stand der Ansprüche ein­ge­grif­fen. So war es für das Ent­ste­hen der streit­be­fan­ge­nen Ansprüche oh­ne Be­deu­tung, dass der Be­klag­te von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­freit war. Auch konn­ten die Ansprüche trotz der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität des Be­klag­ten an die Kläge­rin ab­ge­tre­ten wer­den, so dass sie nun­mehr in glei­cher Wei­se In­ha­be­rin der For­de­run­gen ist wie ih­re Rechts­vorgänge­rin; sie sind auch we­gen der Im­mu­nität nicht zeit­lich be­fris­tet oder sons­ti­gen in­halt­li­chen Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen. Die durch § 18 GVG an­ge­ord­ne­te Be­frei­ung von der deut­schen Ge­richts­bar­keit be­trifft da­her nicht das Ei­gen­tums­recht selbst, son­dern die Fra­ge, ob das Recht im In­land ver­folgt wer­den kann. Dies wird von dem An­wen­dungs­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG nicht er­fasst. Dass die Zi­vil­ge­rich­te bei ei­nem eröff­ne­ten Rechts­weg die Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 GG auch bei der Aus­ge­stal­tung von Ver­fah­ren zu be­ach­ten ha­ben (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 7. De­zem­ber 1977 – 1 BvR 734/77 – BVerfGE 46, 325 zu B. II. 1. der Gründe; Be­schluss vom 12. März 1980 – 1 BvR 759/77 – BVerfGE 53, 352 zu B. I. 2. der Gründe; Pa­pier in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 14, Rd­nr. 45 ff.), ist für die hier zu ent­schei­den­de Fra­ge oh­ne Be­deu­tung.

b) Es ver­letzt nicht das Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG), dass Di­plo­ma­ten we­gen ih­rer Im­mu­nität nicht vor deut­schen Zi­vil­ge­rich­ten ver­klagt wer­den können.

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an­er­kannt, dass aus dem Rechts­staats­prin­zip für bürger­lich-recht­li­che Strei­tig­kei­ten die Gewähr­leis­tung ei­nes wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes ab­zu­lei­ten ist. Die­ser

 

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Jus­tiz­gewährungs­an­spruch um­fasst das Recht auf Zu­gang zu den Ge­rich­ten und ei­ne grundsätz­lich um­fas­sen­de tatsächli­che und recht­li­che Prüfung des Streit­ge­gen­stan­des so­wie ei­ne ver­bind­li­che rich­ter­li­che Ent­schei­dung. Die Gewähr­leis­tung schließt ei­ne ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung der Vor­aus­set­zun­gen und Be­din­gun­gen des Zu­gangs nicht aus (BVerfG, Be­schluss vom 12. Fe­bru­ar 1992 – BVerfGE 85, 337 zu C.I. der Gründe), wo­bei ein eröff­ne­ter Rechts­weg nicht in un­zu­mut­ba­rer, durch Sach­gründe nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se er­schwert wer­den darf (vgl. hier­zu BVerfG, Be­schluss vom 2. März 1993 – 1 BvR 249/92 – BVerfGE 88, 118 zu B. I. der Gründe). Der vollständi­ge Aus­schluss des Rechts­wegs kann vor die­sem Hin­ter­grund nur zulässig sein, wenn er ge­eig­net, er­for­der­lich und in Be­zug auf die Be­lan­ge der be­trof­fe­nen Par­tei verhält­nismäßig ist, um den ver­folg­ten ge­setz­li­chen Zweck zu er­rei­chen; es muss der ver­fas­sungsmäßige Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit und des Über­maßver­bots (vgl. hier­zu Grzes­zick in Maunz/Dürig, Komm. z. GG, Art. 20, VII, Rd­nr. 107 ff; Leib­holz/Rinck, GG, Art. 20, Rd­nr. 776, je­weils m.w.N.) ge­wahrt sein. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall ge­ge­ben.

Die Im­mu­nität der Di­plo­ma­ten von den Ge­richts­bar­kei­ten des Emp­fangs­staats soll der Zu­sam­men­ar­beit der Staa­ten die­nen und sie in die La­ge ver­set­zen, Verständ­nis fürein­an­der zu ent­wi­ckeln und ih­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit fried­li­chen Mit­teln bei­zu­le­gen; in­so­weit kann auf die Ausführun­gen zu 2. b) der Ent­schei­dungs­gründe ver­wie­sen wer­den. Der Aus­schluss (auch) des Zi­vil­rechts­wegs ist ge­eig­net, die­sen Zweck zu er­rei­chen. Die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der Staa­ten hängen von der Ent­sen­dung von Di­plo­ma­ten in den Emp­fangs­staat ab. Müss­ten Di­plo­ma­ten über das völker­recht­lich ver­ein­bar­te Maß hin­aus mit ge­richt­li­cher Ver­fol­gung im Emp­fangs­staat rech­nen, wäre die Be­reit­schaft, Di­plo­ma­ten zu ent­sen­den, be­ein­träch­tigt und da­mit die Ko­ope­ra­ti­on in­ner­halb der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft gefähr­det; dem wirkt die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ent­ge­gen.

Es ist fer­ner zur Er­rei­chung des ge­nann­ten Zwecks er­for­der­lich, die ent­sand­ten Di­plo­ma­ten vor ge­richt­li­chen Maßnah­men des Emp­fangs­staa­tes zu schützen. Die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität ist in die­sem Zu­sam­men­hang un­ver­zicht­bar; je­de Ein­schränkung der Im­mu­nität gefähr­det die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der be­tei­lig­ten Staa­ten (BVerfG, Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 –

 

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BVerfGE 96, 68 zu II. 2. b) aa) der Gründe). Ein mil­de­res Mit­tel, mit dem so­wohl der Zweck der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität er­reicht als auch ei­ne In­an­spruch­nah­me der Di­plo­ma­ten durch die Ge­rich­te des Emp­fangs­staa­tes ermöglicht wird, ist nicht ge­ge­ben.

Der Aus­schluss des Zi­vil­rechts­wegs ist schließlich bei ei­ner Abwägung der Be­las­tun­gen der Par­tei, die ih­re Ansprüche nicht ge­richt­lich gel­tend ma­chen kann, mit den Vor­tei­len, die die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität für die All­ge­mein­heit mit sich bringt, verhält­nismäßig. An der Si­che­rung der di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­steht an­ge­sichts ih­rer Stel­lung in der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft ein über­ra­gen­des Ge­mein­wohl­in­ter­es­se, hin­ter dem das In­ter­es­se des Ein­zel­nen, ei­nen durch § 18 GVG geschütz­ten Di­plo­ma­ten zu ver­kla­gen, zurück­ste­hen muss. Da­bei ist zum ei­nen zu berück­sich­ti­gen, dass die Di­plo­ma­ten­im­mu­nität nicht zu ei­nem An­spruchs­ver­lust führt. Der Di­plo­mat ge­nießt fer­ner im Ent­sen­de­staat kei­ne Im­mu­nität (Art. 31 Abs. 4 WÜD), d.h., ein ge­gen ihn ge­rich­te­ter An­spruch kann dort ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den. Sind wie im vor­lie­gen­den Fall Ansprüche be­trof­fen, die ih­re Grund­la­ge nicht in der dienst­li­chen Tätig­keit des Di­plo­ma­ten ha­ben, en­det die Im­mu­nität zu­dem mit der Aus­rei­se des Di­plo­ma­ten aus dem Emp­fangs­staat bzw. nach Ab­lauf ei­ner hierfür gewähr­ten Frist (Art. 39 Abs. 2 WÜD); sie hin­dert da­her nur vorüber­ge­hend die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung im In­land. Sch­ließlich ist zu berück­sich­ti­gen, dass Miss­bräuche der di­plo­ma­ti­schen Im­mu­nität auf der Grund­la­ge des Di­plo­ma­ten­rechts zu Re­ak­tio­nen des Emp­fangs­staa­tes führen können. Der­ar­ti­ge Maßnah­men gewähr­leis­ten zwar nicht den in­di­vi­du­el­len Rechts­schutz ei­nes An­spruch­in­ha­bers, können je­doch all­ge­mein die Be­reit­schaft der Di­plo­ma­ten fördern, sich trotz be­ste­hen­der Im­mu­nität an die im Emp­fangs­staat gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten zu hal­ten. So­weit die Kläge­rin gel­tend macht, ei­ne Kla­ge ge­gen den Be­klag­ten im Ent­sen­de­staat ha­be von vorn­her­ein kei­ner­lei Aus­sicht auf Er­folg, recht­fer­tigt dies kein an­de­res Er­geb­nis. Zum ei­nen steht die Er­folg­lo­sig­keit der Rechts­ver­fol­gung kei­nes­falls fest; denn die Kläge­rin hat den Be­klag­ten in S. nicht in An­spruch ge­nom­men. Zum an­de­ren kann die Gewähr­leis­tung der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität nicht da­von abhängig ge­macht wer­den, ob und ggf. wel­chen Rechts­schutz der je­wei­li­ge Ent­sen­de­staat im Ein­zel­fall bie­tet, ob und in­wie­weit die­ser Rechts­schutz mit der hie­si­gen Jus­tiz­gewährung zu ver­glei­chen und ob der An­spruch im Ent­sen­de­staat durch­setz­bar ist; dass ei­ne In­an­spruch­nah­me

 

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des Di­plo­ma­ten we­gen sei­ner Im­mu­nität schei­tern kann, führt mit an­de­ren Wor­ten nicht zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 18 GVG. Auch ist es oh­ne Be­lang, dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne Entschädi­gung nicht vor­ge­se­hen hat, soll­te ein An­spruch we­gen der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität letzt­lich nicht durch­ge­setzt wer­den können. Es war an­ge­sichts der ge­nann­ten Umstände – kein Rechts­ver­lust durch die Im­mu­nität, Kla­gemöglich­keit im Ent­sen­de­staat so­wie nach En­de der Im­mu­nität ggf. auch im In­land, Re­ak­ti­onsmöglich­kei­ten im Be­reich des Di­plo­ma­ten­rechts – nicht er­for­der­lich, ei­nen ge­setz­li­chen Aus­gleich für im­mu­nitäts­be­ding­te For­de­rungs­ver­lus­te vor­zu­se­hen. Ob der hier­von be­trof­fe­ne Gläubi­ger ein Son­der­op­fer für die All­ge­mein­heit er­bringt und ihm des­halb nicht oh­ne­hin ein Auf­op­fe­rungs­an­spruch (vgl. hier­zu zu­letzt BGH, Ur­teil vom 3. März 2011 – III ZR 174/10 – NJW 2011, 31,57; Drei­er, Grund­ge­setz, 2. Aufl. 2004, Art. 14 Rd­nr. 136 ff., je­weils m.w.N.) ge­gen den Staat zu­steht, be­darf des­halb kei­ner nähe­ren Un­ter­su­chung. Der Aus­schluss des Zi­vil­rechts­wegs während der Dau­er der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität verstößt nach al­le­dem nicht ge­gen das Rechts­staats­prin­zip (für die Im­mu­nität von Mit­glie­dern des Per­so­nals ei­ner zwi­schen­staat­li­chen In­sti­tu­ti­on aus­drück­lich BAG, Ur­teil vom 25. Ja­nu­ar 1973 – 5 AZR 399/72 – AP Nr. 3 zu Art. 25 GG).


5. Der Rechts­streit war nicht gemäß Art. 100 GG aus­zu­set­zen, um ei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len. Ei­ne Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 1 GG schei­det aus, weil § 18 GVG – wie aus­geführt – nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist. Es be­ste­hen fer­ner kei­ne Zwei­fel über die An­wend­bar­keit und die Aus­wir­kun­gen von all­ge­mei­nen Re­geln des Völker­rechts im Sin­ne des Art. 100 Abs. 2 GG, so dass auch in­so­weit ei­ne Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht in Be­tracht kommt. § 18 GVG be­zieht sich auf das WÜD und da­mit auf das Völker­ver­trags­recht, des­sen In­halt von dem mit dem Rechts­streit be­fass­ten Ge­richt geklärt wer­den kann (BVerfG, Be­schluss vom 30. Ja­nu­ar 2008 – 2 BvR 793/07 – NVwZ 2008, 878 ff. zu I. 2. b) der Gründe). Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch sei­nen Be­schluss vom 10. Ju­ni 1997 – 2 BvR 1516/96 – die Reich­wei­te der Di­plo­ma­ten­im­mu­nität geklärt, so dass ihm der vor­lie­gen­de Rechts­streit auch aus die­sem Grun­de nicht vor­zu­le­gen war.

 

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6. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. Die Be­ru­fungs­kam­mer hat die Re­vi­si­on der Kläge­rin gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen zu­ge­las­sen.


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Kläge­rin bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Für den Be­klag­ten ist ge­gen die­se Ent­schei­dung kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
 

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L.

B.

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