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Neu­es In­te­gra­ti­ons­ge­setz un­ter dem Mot­to "För­dern und For­dern"

Gro­ße Ko­ali­ti­on ei­nigt sich auf In­te­gra­ti­ons­ge­setz: Ent­wurf ei­nes In­te­gra­ti­ons­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/CSU und der SPD, vom 31.05.2016

26.07.2016. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on hat sich auf ein neu­es In­te­gra­ti­ons­ge­setz ge­ei­nigt, das am 07.07.2016 vom Bun­des­tag be­schlos­sen wur­de.

In Zu­kunft sol­len Flücht­lin­ge mit gu­ter Blei­be­per­spek­ti­ve schnel­ler als bis­her an den Ar­beits­markt her­an­ge­führt wer­den. An­de­rer­seits ent­hält das Ge­setz die Mög­lich­keit, Flücht­lin­gen Wohn­sit­ze zu­zu­wei­sen, d.h. ih­ren Auf­ent­halts­ort be­hörd­lich fest­zu­le­gen.

Das In­te­gra­ti­ons­ge­setz soll "för­dern und for­dern", d.h. ei­ni­gen Flücht­lin­gen hel­fen und an­de­re er­zie­hen: Ent­wurf ei­nes In­te­gra­ti­ons­ge­set­zes, Ge­setz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/CSU und der SPD, vom 31.05.2016, Bun­des­tag Drucks. 18/8615.

Asylentscheidungen von Januar bis Juni 2016

Asyl­anträge lau­fen in Deutsch­land der­zeit laut der Asyl­geschäfts­sta­tis­tik 6/16 auf fol­gen­de Er­geb­nis­se hin­aus:

Das neue In­te­gra­ti­ons­ge­setz soll

"Men­schen, die ei­ne gu­te Blei­be­per­spek­ti­ve ha­ben, [...] möglichst zügig in un­se­re Ge­sell­schaft und in den Ar­beits­markt in­te­grie­ren, Flücht­lin­ge oh­ne Per­spek­ti­ve auf An­er­ken­nung als Flücht­lin­ge oder sub­si­diär Schutz­be­rech­tig­te sol­len mit Blick auf die Rück­kehr in ih­re Her­kunftsländer adäquat gefördert wer­den."

100.000 Arbeitsgelegenheiten in Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen

Nach dem Ge­set­zes­ent­wurf soll künf­tig der Zu­gang für Flücht­lin­ge zum Ar­beits­markt er­leich­tert wer­den. Dafür soll ein neu­es Ar­beits­markt­pro­gramm ge­schaf­fen wer­den.

Im Rah­men des Ar­beits­markt­pro­gramms sol­len 100.000 Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten in Flücht­lings­in­te­gra­ti­ons­maßnah­men ent­ste­hen. Da­durch sol­len Asyl­su­chen­de be­reits vor dem Ab­schluss des Asyl­ver­fah­rens "nied­rig­schwel­lig an den deut­schen Ar­beits­markt her­an­geführt" wer­den.

Die Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten um­fas­sen ge­meinnützi­ge Beschäfti­gun­gen in und um Auf­nah­me­ein­rich­tun­gen so­wie ein­fa­che öffent­li­che Ar­bei­ten, oh­ne dass mit ih­nen Ar­beits- oder Beschäfti­gungs­verhält­nis­se be­gründet wer­den. Die Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten ent­spre­chen da­mit den sog. Ein-Eu­ro-Jobs, doch beträgt die Auf­wands­entschädi­gung, die gemäß § 5 Abs.2 Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG) zu zah­len ist, künf­tig nur noch 0,80 EUR pro St­un­de statt bis­her 1,05 EUR pro St­un­de (§ 5 Abs.2 Asyl­bLG neue Fas­sung (n.F.)).

Aus­ge­nom­men von der Möglich­keit der Ar­beits­ge­le­gen­heit sind Asyl­su­chen­de aus so­ge­nann­ten si­che­ren Her­kunfts­staa­ten wie et­wa dem Ko­so­vo oder Ser­bi­en.

Rechtssicherheit beim Aufenthaltsstatus von Geduldeten während und nach der Ausbildung

Be­reits nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge konn­ten Asyl­su­chen­de, die ei­gent­lich ab­ge­scho­ben wer­den müss­ten, in den Ge­nuss ei­ner vorüber­ge­hen­den Aus­set­zung der Ab­schie­bung ("Dul­dung") kom­men, wenn sie ei­ne dreijähri­ge Be­rufs­aus­bil­dung be­gon­nen ha­ben, § 60a Abs.2 Satz 4 Ge­setz über den Auf­ent­halt, die Er­werbstätig­keit und die In­te­gra­ti­on von Ausländern im Bun­des­ge­biet (Auf­ent­halts­ge­setz - Auf­en­thG). Die­se Dul­dung von Aus­zu­bil­den­den kam al­ler­dings bis­her nur Per­so­nen zu­gu­te, die 21 Jah­re oder jünger sind.

Künf­tig fällt die Al­ters­gren­ze von 21 Jah­ren weg, d.h. auch älte­re Asyl­su­chen­de können ei­ne Dul­dung er­hal­ten, wenn sie ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung be­gin­nen bzw. durch­lau­fen: Asyl­su­chen­de, die ei­ne dreijähri­ge Aus­bil­dung ma­chen, sind vor Ab­schie­bung si­cher bzw. er­hal­ten ei­ne Dul­dung (§ 60a Abs.2 Satz 4 bis 6 Auf­en­thG n.F.).

Ergänzend zu die­ser Neu­re­ge­lung wird § 18a Auf­en­thG um ei­nen neu­en Abs.1a ergänzt. Er sieht die Er­tei­lung ei­ner Auf­ent­halts­er­laub­nis für höchs­tens zwei Jah­re vor, wenn der bis­lang ge­dul­de­te Asyl­su­chen­de sei­ne Aus­bil­dung er­folg­reich ab­ge­schlos­sen und ei­ne der Aus­bil­dung ent­spre­chen­den Ar­beits­stel­le ge­fun­den hat. § 18a Abs.1a Auf­en­thG n.F. lau­tet:

"Wur­de die Dul­dung nach § 60a Ab­satz 2 Satz 4 er­teilt, ist nach er­folg­rei­chem Ab­schluss die­ser Be­rufs­aus­bil­dung für ei­ne der er­wor­be­nen be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on ent­spre­chen­den Beschäfti­gung ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis für die Dau­er von zwei Jah­ren zu er­tei­len, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Ab­sat­zes 1 Num­mer 2 bis 7 vor­lie­gen und die Bun­des­agen­tur für Ar­beit nach § 39 zu­ge­stimmt hat."

Die­se sog. Drei-plus-zwei-Re­ge­lung soll es Aus­bil­dungs­be­trie­ben und Flücht­lin­gen ermögli­chen, die Aus­bil­dung und an­sch­ließen­de Beschäfti­gung für ei­nen länge­ren Zeit­raum von ins­ge­samt fünf Jah­ren und recht­lich bes­ser ab­ge­si­chert als bis­her pla­nen ´bzw. durchführen zu können.

Falls der Asyl­su­chen­de nach er­folg­rei­cher Be­en­di­gung sei­ner Aus­bil­dung kei­ne di­rek­te An­schluss­beschäfti­gung im Aus­bil­dungs­be­trieb fin­det, be­kommt er künf­tig ei­ne zusätz­li­che Dul­dung von sechs Mo­na­ten für die Ar­beits­platz­su­che.

Bessere Förderung der Berufsausbildung

Nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge er­hal­ten nur Deut­sche, Uni­onsbürger und ei­ni­ge an­de­re Ausländer­grup­pen wie die an­er­kann­ten Flücht­lin­ge ei­ne fi­nan­zi­el­le Aus­bil­dungsförde­rung ("Be­rufs­aus­bil­dungs­bei­hil­fe") nach dem Drit­ten Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB).

Das In­te­gra­ti­ons­ge­setz sieht da­zu in ei­nem neu­en § 132 Abs.2 SGB III vor, dass künf­tig auch Asyl­su­chen­de, die we­gen ei­ner Be­rufs­aus­bil­dung ei­ne Dul­dung er­hal­ten, zu dem förde­rungsfähi­gen Per­so­nen­kreis im Sin­ne von § 59 SGB III gehören wer­den.

Befristete Aussetzung der Vorrangprüfung

Nach drei Mo­na­ten ei­nes rechtmäßigen Auf­ent­halts in Deutsch­land dürfen Asyl­su­chen­de im Prin­zip ei­ne be­zahl­te Ar­beit auf­neh­men, vor­aus­ge­setzt, dass die sog. Vor­rang­prüfung zu ih­ren Guns­ten aus­ge­fal­len ist. Dies er­gibt sich aus § 32 Abs.1 Ver­ord­nung über die Beschäfti­gung von Auslände­rin­nen und Ausländern (Beschäfti­gungs­ver­ord­nung - BeschV) und aus § 39 Auf­en­thG.

Im Rah­men der Vor­rang­prüfung tref­fen die Ar­beits­agen­tu­ren ei­ne Ent­schei­dung darüber, ob die Ver­mitt­lung ei­nes Asyl­su­chen­den auf ei­ne of­fe­ne Stel­le nach­tei­li­ge Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt hat und ob nicht mögli­cher­wei­se Deut­sche, EU-Bürger und/oder an­de­re be­vor­rech­tig­te Ausländer für den Ar­beits­platz zur Verfügung ste­hen (§ 39 Abs.2 Auf­en­thG).

Schon nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge er­tei­len die Ar­beits­agen­tu­ren die Zu­stim­mung zu ei­ner Beschäfti­gung oh­ne ei­ne Vor­rang­prüfung, wenn es sich um ei­ne sehr gut qua­li­fi­zier­te und be­zahl­te Stel­le han­delt oder um ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung oder wenn sich der Asyl­su­chen­de be­reits seit 15 Mo­na­ten oh­ne Un­ter­bre­chung er­laubt, ge­dul­det oder mit ei­ner Auf­ent­halts­ge­stat­tung in Deutsch­land auf­ge­hal­ten hat.

Darüber hin­aus soll die Vor­rang­prüfung künf­tig ge­ne­rell ent­fal­len, und zwar für der­zeit ge­plan­te drei Jah­re. Grund­la­ge ist der neue § 32 Abs.5 Nr.3 BeschV. Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass die Asyl­su­chen­den ei­ne Beschäfti­gung in struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen ausüben wol­len. Da­zu soll ei­ne Lis­te von Ar­beits­agen­tu­ren er­stellt wer­den, in de­ren Be­zir­ken auf die Vor­rang­prüfung ver­zich­tet wer­den soll (Bun­des­re­gie­rung: Ver­ord­nung zum In­te­gra­ti­ons­ge­setz, Art.1 - Ände­rung der Beschäfti­gungs­ver­ord­nung, Ent­wurf vom 25.05.2016).

Ausweitung der Integrationskurse für Asylsuchende und Pflicht zur Mitwirkung

Die In­te­gra­ti­ons­kur­se für Asyl­su­chen­de mit gu­ter Blei­be­per­spek­ti­ve wer­den von der­zeit 660 auf 700 Un­ter­richts­stun­den auf­ge­stockt.

Da­bei bleibt der Sprach­kurs­an­teil mit 600 Un­ter­richts­stun­den gleich, die Wer­te­ver­mitt­lung hin­ge­gen, die im Ori­en­tie­rungs­kurs statt­fin­det, wird von 60 auf 100 St­un­den er­wei­tert (Bun­des­re­gie­rung: Ver­ord­nung zum In­te­gra­ti­ons­ge­setz, Art.4 Nr.7 - Ände­rung der In­te­gra­ti­ons­kurs­ver­ord­nung, Ent­wurf vom 25.05.2016). Hier soll es nach den Vor­stel­lun­gen der Großen Ko­ali­ti­on künf­tig vor al­lem um das The­ma der Gleich­stel­lung von Frau­en und Männern ge­hen.

Zu­dem soll man in Zu­kunft ma­xi­mal sechs Wo­chen auf ei­nen In­te­gra­ti­ons­kurs war­ten müssen. Die Kur­sträger müssen ih­re An­ge­bo­te und frei­en Plätze für mehr Trans­pa­renz veröffent­li­chen.

Ne­ben die­sen Leis­tungs­aus­wei­tun­gen bzw. -ver­bes­se­run­gen steht künf­tig die Pflicht zur Teil­nah­me an In­te­gra­ti­ons­kur­sen. Da­zu wird ei­ne neue Vor­schrift in das Asyl­bLG ein­gefügt (§ 5b).

Die­ser Vor­schrift zu­fol­ge kann die zuständi­ge Behörde volljähri­ge und nicht mehr der Schul­pflicht un­ter­lie­gen­de Flücht­lin­ge, wenn sie ar­beitsfähig, aber nicht er­werbstätig sind, zur Teil­nah­me an In­te­gra­ti­ons­kur­sen ver­pflich­ten. Wer sich wei­gert, ei­nen für ihn zu­mut­ba­ren In­te­gra­ti­ons­kurs zu be­su­chen, muss mit der Kürzung von So­zi­al­leis­tun­gen nach dem Asyl­bLG rech­nen.

Wohnsitzzuweisung für Flüchtlinge für drei Jahre

Um Asyl­su­chen­de möglichst gleichmäßig auf das Bun­des­ge­biet zu ver­tei­len und da­durch so­zia­le Brenn­punk­te zu ver­hin­dern, soll ih­nen künf­tig der Wohn­sitz für die Dau­er von drei Jah­ren behörd­lich zu­ge­wie­sen wer­den. Der Drei­jah­res­zeit­raum be­ginnt mit der An­er­ken­nung oder der Er­tei­lung ei­ner Auf­ent­halts­er­laub­nis. Da­zu erhält das Auf­en­thG ei­nen neu­en § 12a. Er lau­tet (Abs.1):

"(1) Zur Förde­rung sei­ner nach­hal­ti­gen In­te­gra­ti­on in die Le­bens­verhält­nis­se der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist ein Ausländer, der als Asyl­be­rech­tig­ter, Flücht­ling im Sin­ne von § 3 Ab­satz 1 des Asyl­ge­set­zes oder sub­si­diär Schutz­be­rech­tig­ter im Sin­ne von § 4 Ab­satz 1 des Asyl­ge­set­zes an­er­kannt wor­den ist oder dem nach § 22, § 23 oder § 25 Ab­satz 3 erst­ma­lig ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis er­teilt wor­den ist, ver­pflich­tet, für den Zeit­raum von drei Jah­ren ab An­er­ken­nung oder Er­tei­lung der Auf­ent­halts­er­laub­nis in dem Land sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt (Wohn­sitz) zu neh­men, in das er zur Durchführung sei­nes Asyl­ver­fah­rens oder im Rah­men sei­nes Auf­nah­me­ver­fah­rens zu­ge­wie­sen wor­den ist. Satz 1 fin­det kei­ne An­wen­dung, wenn der Ausländer, sein Ehe­gat­te, ein­ge­tra­ge­ner Le­bens­part­ner oder min­derjähri­ges Kind ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung mit ei­nem Um­fang von min­des­tens 15 St­un­den wöchent­lich auf­nimmt oder auf­ge­nom­men hat, durch die die­se Per­son min­des­tens über ein Ein­kom­men in Höhe des mo­nat­li­chen durch­schnitt­li­chen Be­darfs nach den §§ 20 und 22 des Zwei­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch für ei­ne Ein­zel­per­son verfügt, oder ei­ne Be­rufs­aus­bil­dung auf­nimmt oder auf­ge­nom­men hat oder in ei­nem Stu­di­en- oder Aus­bil­dungs­verhält­nis steht."

Die Aus­nah­me­re­ge­lung für Flücht­lin­ge, die ei­ne so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäfti­gung im Um­fang von min­des­ten 15 St­un­den pro Wo­che nach­ge­hen, setzt ein Ein­kom­men von min­des­ten 712,00 EUR vor­aus, denn das ent­spricht dem Re­gel­be­darf ei­ner Ein­zel­per­son zzgl. des Be­darfs für Un­ter­kunft und Hei­zung in der Grund­si­che­rung.

Voraussetzungen für eine Niederlassungserlaubnis (Daueraufenthaltsrecht)

Wer als Flücht­ling ei­ne Nie­der­las­sungs­er­laub­nis hat, ist ver­gleichs­wei­se gut ge­stellt, weil er ei­nen un­be­fris­te­ten Auf­ent­halts­ti­tel und da­mit ein Recht zum Dau­er­auf­ent­halt be­sitzt. Außer­dem be­rech­tigt die Nie­der­las­sungs­er­laub­nis gemäß § 9 Abs.1 Auf­en­thG zur Ausübung ei­ner Er­werbstätig­keit und kann im All­ge­mei­nen nicht mit behörd­li­chen Auf­la­gen ver­se­hen wer­den.

Die im All­ge­mei­nen für Ausländer gel­ten­de Vor­schrift über die Er­tei­lung ei­ner Nie­der­las­sungs­er­laub­nis ist in § 9 Abs.2 Satz 1 Auf­en­thG ent­hal­ten. Sie lis­tet neun Vor­aus­set­zun­gen auf, die ein Ausländer erfüllen muss, um ei­ne Nie­der­las­sungs­er­laub­nis er er­hal­ten. Ins­be­son­de­re muss man schon seit fünf Jah­ren ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis be­sit­zen und in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len, man muss ei­nen ge­si­cher­ten Le­bens­un­ter­halt ha­ben und über "aus­rei­chen­de" Kennt­nis­se der deut­schen Spra­che verfügen.

An die­ser Stel­le hat­ten es Flücht­lin­ge bis­lang bes­ser. Denn sie be­sit­zen ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis aus hu­ma­nitären Gründen, und wer ei­ne sol­che Auf­ent­halts­er­laub­nis drei Jah­re lang be­sitzt, konn­te nach bis­her gel­ten­dem Recht (§ 26 Abs.3 Auf­en­thG) oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Nie­der­las­sungs­er­laub­nis er­hal­ten.

Das soll jetzt durch das In­te­gra­ti­ons­ge­setz geändert wer­den. Künf­tig enthält § 26 Abs.3 Auf­en­thG zwei We­ge, auf de­nen Flücht­lin­ge ei­ne Nie­der­las­sungs­er­laub­nis er­hal­ten können:

Der länge­re Weg dau­ert fünf Jah­re (statt bis­lang drei) und setzt (ab­wei­chend von der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge) vor­aus, dass der Le­bens­un­ter­halt des Flücht­lings "über­wie­gend" ge­si­chert ist und er über "hin­rei­chen­de" Kennt­nis­se der deut­schen Spra­che verfügt. Darüber hin­aus müssen vie­le der all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Nie­der­las­sungs­er­laub­nis (§ 9 Abs.2 Satz 1 Auf­en­thG) erfüllt sein. Nicht ver­langt wer­den Bei­trags­zah­lun­gen zur Ren­ten­ver­si­che­rung.

Der kürze­re Weg zur Nie­der­las­sungs­er­laub­nis dau­ert drei Jah­re (wie bis­her), doch sind die Vor­aus­set­zun­gen ge­genüber der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge er­heb­lich verschärft. So muss der Flücht­ling al­le Be­din­gun­gen erfüllen, die auch für die Nie­der­las­sungs­er­laub­nis nach fünfjähri­gem Auf­ent­halt er­for­der­lich sind, und er muss darüber hin­aus die "deut­sche Spra­che be­herr­schen". Da­mit ist ein ziem­lich gu­tes Sprach­ni­veau ge­meint, das nur we­ni­ge Flücht­lin­ge er­rei­chen.

Im­mer­hin stellt die Neu­re­ge­lung für den lan­gen wie für den kur­zen Weg hin zur Nie­der­las­sungs­er­laub­nis klar, dass die Auf­ent­halts­zeit des Asyl­ver­fah­rens auf die er­for­der­li­che Min­dest­zeit des Be­sit­zes ei­ner Auf­ent­halts­er­laub­nis an­ge­rech­net wird.

Kritische Stellungnahmen

Die Fra­ge, wie Flücht­lin­ge bes­ser in die deut­sche Ge­sell­schaft in­te­griert wer­den soll­ten, ist der­zeit sehr um­strit­ten. Ent­spre­chend un­ter­schied­lich fie­len die Stel­lung­nah­men zum In­te­gra­ti­ons­ge­setz aus.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­verbände (BDA) be­wer­tet es po­si­tiv, dass Flücht­lin­ge durch das Ge­setz künf­tig leich­ter in Beschäfti­gungs- und Aus­bil­dungs­verhält­nis­se ein­ge­bun­den wer­den können. Al­ler­dings ist die BDA dafür, die Vor­rang­prüfung all­ge­mein ab­zu­schaf­fen (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt, vom 06.07.2016, BT-Drucks. 18/9090, S.18). Auch die zeit­li­che Be­gren­zung des Ver­zichts auf die Vor­rang­prüfung auf drei Jah­re wird kri­ti­siert, denn das lau­fe dar­auf hin­aus, nach die­sen drei Jah­ren die Beschäfti­gung von Flücht­lin­gen wie­der zu ver­bie­ten.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) ist um­ge­kehrt der Mei­nung, die Vor­rang­prüfung sol­le am bes­ten gar nicht aus­ge­setzt wer­den, da Flücht­lin­ge sonst v.a. in der Leih­ar­beit ein­ge­setzt wer­den könn­ten. Auch die Wohn­sitz­auf­la­gen wer­den kri­ti­siert. Die bes­se­re auf­ent­halts­recht­li­che Ab­si­che­rung der Be­rufs­aus­bil­dung sieht der DGB da­ge­gen po­si­tiv (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt, vom 06.07.2016, BT-Drucks. 18/9090, S.17).

Die Frak­ti­on BÜND­NIS 90 / DIE GRÜNEN ist der An­sicht, die ge­plan­ten Ver­bes­se­run­gen und Er­leich­te­run­gen für Flücht­lin­ge er­rei­che "nicht ein­mal die Hälf­te der Geflüch­te­ten" (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt, vom 06.07.2016, BT-Drucks. 18/9090, S.25). Die ge­plan­ten 100.000 Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten sind aus Sicht der Grünen der fal­sche Weg, den Flücht­lin­gen zu be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen zu ver­hel­fen. Die Wohn­sitz­auf­la­gen sind aus Sicht der Grünen mit drei Jah­ren zu lang be­mes­sen und er­schwe­ren die die In­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt.

Die Frak­ti­on DIE LIN­KE spricht sich vor al­lem ge­gen die Wohn­sitz­auf­la­gen aus und da­ge­gen, dass Flücht­lin­ge für ih­re Ar­beit im Rah­men der Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten nur 0,80 EUR Auf­wands­entschädi­gung pro St­un­de er­hal­ten sol­len. Die Wohn­sitz­auf­la­gen ver­s­toßen, so die Lin­ken, ge­gen die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on und das EU-Recht (Be­schluss­emp­feh­lung und Be­richt, vom 06.07.2016, BT-Drucks. 18/9090, S.25). Die Lin­ken leh­nen die Neu­re­ge­lung da­her ins­ge­samt ab.

Fazit

Das In­te­gra­ti­ons­ge­setz will Flücht­lin­ge mit gu­ter Blei­be­per­spek­ti­ve zügig in die Ge­sell­schaft und den Ar­beits­markt in­te­grie­ren. Hin­ge­gen sol­len Ein­wan­de­rer oh­ne Per­spek­ti­ve auf An­er­ken­nung als Flücht­lin­ge oder sub­si­diär Schutz­be­rech­tig­te eher mit Blick auf die Rück­kehr in ih­re Her­kunftsländer gefördert wer­den.

Die­se Un­ter­schei­dung ist ar­beits­markt- und in­te­gra­ti­ons­po­li­tisch fragwürdig, denn mit "Blei­be­per­spek­ti­ve" sind aus­sch­ließlich ju­ris­ti­sche Sach­ver­hal­te ge­meint. Ei­ne schlech­te "Blei­be­per­spek­ti­ve" ha­ben da­her Asyl­be­wer­ber aus Her­kunftsländern, die als si­cher ein­ge­stuft wer­den, denn rein recht­lich ge­se­hen müss­ten sie ir­gend­wann ein­mal Deutsch­land wie­der ver­las­sen, je­den­falls theo­re­tisch. Fak­tisch blei­ben aber vie­le hier, "Blei­be­per­spek­ti­ve" hin oder her.

Auch wenn sich das der­zeit po­li­tisch nur "schlecht ver­kau­fen" lässt, vor al­lem am rech­ten Rand des po­li­ti­schen Spek­trums: Bes­ser als ei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen Flücht­lin­gen mit oder oh­ne ju­ris­tisch-theo­re­ti­scher "Blei­be­per­spek­ti­ve" wäre es, am Sprach­ni­veau und den be­reits vor­han­de­nen be­ruf­li­chen Er­fah­run­gen an­zu­set­zen. Da­her soll­te man den Zu­gang zur Ar­beits­ver­mitt­lung und re­gulärer Beschäfti­gung für al­le Asyl­su­chen­den möglichst rasch und unbüro­kra­tisch öff­nen, vor­aus­ge­setzt, die Asyl­su­chen­den ha­ben zu­vor in ei­nem aus­rei­chen­den Um­fang Sprach- und In­te­gra­ti­ons­kur­se be­sucht.

Der Haupt­feh­ler der deut­schen Zu­wan­de­rungs­po­li­tik in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten be­stand un­strei­tig dar­in, in völlig un­rea­lis­ti­scher Wei­se zu un­ter­stel­len, dass die Zu­wan­de­rer wie­der in ih­re Her­kunftsländer zurück­keh­ren würden. Will man die­sen Feh­ler nicht er­neut be­ge­hen, müss­te man deut­lich größere An­stren­gun­gen für ei­ne In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge in den Ar­beits­markt un­ter­neh­men.

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Letzte Überarbeitung: 16. August 2016

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