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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Bonus
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AZR 710/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 03.08.2016
   
Leit­sätze: Die rich­ter­li­che Er­satz­leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB ist auf Grund­la­ge des Vor­trags der Par­tei­en zu tref­fen. Ei­ne Dar­le­gungs- und Be­weis­last im pro­zes­sua­len Sinn be­steht nicht. Je­de Par­tei ist im Sin­ne ei­ner Ob­lie­gen­heit ge­hal­ten, die für ih­re Po­si­ti­on spre­chen­den Umstände vor­zu­tra­gen, da­mit sie vom Ge­richt berück­sich­tigt wer­den können.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 21.08.2013, 14 Ca 4283/12
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 10.04.2014, 19 Sa 1266/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

10 AZR 710/14
19 Sa 1266/13
Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
3. Au­gust 2016

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 3. Au­gust 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Rein­fel­der, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Bru­ne so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ef­fen­ber­ger und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schürmann für Recht er­kannt:

 

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1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 10. April 2014 - 19 Sa 1266/13 - auf­ge­ho­ben.

2. Die Sa­che wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten der Re­vi­si­on, an ei­ne an­de­re Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Bo­nus­ansprüche für das Geschäfts­jahr 2011. 

Der Kläger war - nach­dem er zu­vor sein Ar­beits­verhält­nis bei ei­ner an­de­ren Bank durch Ei­genkündi­gung zum 31. De­zem­ber 2009 be­en­det hat­te - vom 1. Ja­nu­ar 2010 bis zum 30. Sep­tem­ber 2012 bei der deut­schen Nie­der­las­sung der Be­klag­ten, ei­ner in­ter­na­tio­na­len Großbank, bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin beschäftigt. Er war außer­ta­rif­li­cher An­ge­stell­ter und zu­letzt als Ma­na­ging Di­rec­tor im Be­reich GBM-Equi­ties tätig. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Be­klag­ten vom 23. Mai 2012 mit dem 30. Sep­tem­ber 2012.

Der Ar­beits­ver­trag des Klägers vom 19. Au­gust 2009 ent­hielt aus­zugs­wei­se fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

„§ 3 Ar­beits­vergütung
1. Der Ar­beit­neh­mer erhält für sei­ne Tätig­keit je­weils am 15. ei­nes je­den Mo­nats ein fes­tes und auf sein Bank­kon­to zahl­ba­res mo­nat­li­ches Ge­halt in Höhe von der­zeit
€ 16.667,00 brut­to

(in Wor­ten: Sech­zehn­tau­send­sechs­hun­dert­sie­ben­und­sech­zig Eu­ro brut­to)
...

 

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3. So­weit die Ge­sell­schaft Gra­ti­fi­ka­tio­nen gewährt, er-kennt der Ar­beit­neh­mer hier­mit an, dass sol­che Zah­lun­gen frei­wil­lig er­fol­gen und auch nach wie­der­hol­ter Gewährung nicht zu ei­ner Ver­pflich­tung der Ge­sell­schaft zur Fort­set­zung der­ar­ti­ger Zah­lun­gen führen. Berück­sich­tigt wer­den in die­sen Fällen nur sol­che Ar­beit­neh­mer, die sich im Zeit­punkt der Zah­lung in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fin­den. Im Übri­gen wer­den sol­che frei­wil­li­gen Leis­tun­gen zeit­an­tei­lig für die­je­ni­gen Zeiträume gekürzt, in de­nen der Ar­beit­neh­mer in den letz­ten 12 Mo­na­ten vor Fällig­keit der Zah­lung kei­ne Ansprüche auf lau­fen­de Vergütung hat. Die Ge­sell­schaft gewährt kei­ne Son­der­zah­lun­gen nach den gem. § 1 Zif­fer 4 gel­ten­den ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen.

4. Die Re­ge­lun­gen der Zif­fer 3 gel­ten auch für sons­ti­ge Son­der­vergütun­gen (Bo­nus, etc.).

5. ...

§ 4 Bo­nus & De­fer­ral Plan
1. Der Ar­beit­neh­mer nimmt nach Wahl der Ge­sell­schaft am je­weils gülti­gen Bo­nus­sys­tem und/oder am De­fer­ral Plan der Ge­sell­schaft für außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te über ei­nen ka­len­derjähr­li­chen Bo­nus bzw. De­fer­ral Award teil.

2. Ein Bo­nus kann nur dann zur Aus­zah­lung ge­lan­gen bzw. ein De­fer­ral Award zu­ge­teilt wer­den, wenn und so­weit die Ge­sell­schaft ins­ge­samt Mit­tel zur Ausschüttung von Bo­nus­zah­lun­gen/bzw. Zu­tei­lung von De­fer­ral Awards an die Ar­beit­neh­mer der Ge­sell­schaft für das bo­nus­re­le­van­te Ka­len­der­jahr zur Verfügung stellt und der Ar­beit­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­zah­lung bzw. Zu­tei­lung erfüllt.

3. Die Zah­lung des Bo­nus bzw. Zu­tei­lung ei­nes De­fer­ral Awards er­folgt frei­wil­lig und kann auch nach wie­der­hol­ter Gewährung nicht zu ei­ner Ver­pflich­tung der Ge­sell­schaft zur Fort­set­zung der­ar­ti­ger Zah­lun­gen bzw. Zu­tei­lun­gen führen.

4. Der Bo­nus für ein Ka­len­der­jahr soll im Frühjahr des dar­auf fol­gen­den Ka­len­der­jah­res zur Aus­zah­lung ge­lan­gen, ist je­doch spätes­tens bis En­de Ju­ni des fol­gen­den Ka­len­der­jah­res zur Zah­lung fällig. Die Zu­tei­lung und Aus­zah­lung des De­fer­ral Awards er­folgt gemäß den Re­ge­lun­gen des De­fer­ral Plans in sei­ner je­weils gülti­gen Fas­sung.

 

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5. Ein Bo­nus wird nur dann ge­zahlt bzw. ein De­fer­ral Award er­teilt, wenn sich der Ar­beit­neh­mer zum Zeit-punkt der Fällig­keit in ei­nem un­gekündig­ten An­stel­lungs­verhält­nis zur Ge­sell­schaft be­fin­det. Glei­ches gilt für die Aus­zah­lung des De­fer­ral Awards.

6. Die vor­ste­hen­den Be­stim­mun­gen zum Bo­nus bzw. De­fer­ral Award gel­ten, so­weit sich nicht gem. § 1 Zif­fer 5 aus ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung et­was an­de­res er­gibt.
...

§ 16 Son­der­ver­ein­ba­run­gen
Vor­be­halt­lich der nach­ste­hen­den Be­stim­mun­gen erhält der Ar­beit­neh­mer für das Leis­tungs­jahr 2009 ei­nen ga­ran­tier­ten Bo­nus in Höhe von € 200.00[0],00 brut­to abzüglich Steu­ern und sons­ti­ger ge­setz­li­cher Abzüge (der ‚ga­ran­tier­te Bo­nus‘).

Der ga­ran­tier­te Bo­nus wird in Form ei­ner ge­stun­de­ten Leis­tung im Rah­men des R De­fer­ral Plans (der ‚De­fer­ral Plan‘) ge­zahlt; er un­ter­liegt den Re­ge­lun­gen des De­fer­ral Plans in der je­weils gel­ten­den Fas­sung und zwar un­abhängig da­von, ob die­se vor oder nach Be­ginn die­ses Ver­tra­ges um­ge­setzt wur­den. Die Ge­sell­schaft behält sich das Recht vor, nach ih­rem frei­en und al­lei­ni­gen Er­mes­sen je­der­zeit (auch während ei­nes Geschäfts­jah­res) die Re­ge­lun­gen des De­fer­ral Plans zu ändern bzw. die­sen je­der­zeit auf­zu­he­ben oder zu er­set­zen. Zur Klar­stel­lung wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne der­ar­ti­ge Ände­rung je­weils auch rück­wir­kend gel­ten kann.

Zur Kennt­nis­nah­me: Im De­fer­ral Plan wird ge­re­gelt, wann ei­ne ge­stun­de­te Leis­tung oder ein Teil da­von mögli­cher-wei­se verfällt. Ins­be­son­de­re hat der Ar­beit­neh­mer, so­fern sein Ar­beits­verhält­nis vor dem Ter­min, an dem die ge­stun­de­te Leis­tung oder ein Teil da­von zahl­bar oder un­ver­fall­bar wird, ge­en­det hat oder ei­ne Par­tei ihr Ar­beits­verhält­nis im Rah­men die­ses Ver­tra­ges gekündigt hat (so­fern die­se Kündi­gung nicht un­ter die Sek­ti­on ‚Ver­las­sen des Un­ter­neh­mens un­ter außer­gewöhn­li­chen Umständen‘ der Re­ge­lun­gen des De­fer­ral Plans in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung fällt), kein An­recht auf die ge­stun­de­te Leis­tung bzw. ei­nen da­von ver­blie­be­nen Teil oder auf sons­ti­ge Bo­nus­zah­lun­gen, die ihm an­sons­ten (mögli­cher­wei­se) ge­zahlt wor­den wären. Fällt die Kündi­gung un­ter die Sek­ti­on ‚Ver­las­sen des Un­ter­neh­mens un­ter außer­gewöhn­li­chen Umständen‘ des De­fer­ral Plans in sei­ner je­weils gel­ten­den

 

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Fas­sung, so wird die ge­stun­de­te Leis­tung nach Maßga­be der Re­ge­lun­gen des De­fer­ral Plans (in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung) un­ver­fall­bar.

Die Re­geln des De­fer­ral Plans ent­hal­ten auch Be­stim­mun­gen, nach de­nen ver­fall­ba­re Ele­men­te ge­stun­de­ter Leis­tun­gen ver­fal­len können. Die­se Be­stim­mun­gen gel­ten für al­le ga­ran­tier­ten Bo­nus­zah­lun­gen, die der Ar­beit­neh­mer erhält bzw. er­hal­ten hat.

Al­ler­dings be­schränken sich die­se Ver­falls­be­stim­mun­gen hin­sicht­lich des ga­ran­tier­ten Bo­nus für das Leis­tungs­jahr 2009 al­lein auf Si­tua­tio­nen, in de­nen die in­di­vi­du­el­le Leis­tung des Ar­beit­neh­mers di­rekt ver­bun­den ist mit dem Team oder dem Geschäfts­be­reich, in dem der Ar­beit­neh­mer ar­bei­tet, in der bzw. in dem ein Ver­lust er­lit­ten wur­de.“

Mit Schrei­ben vom 26. Fe­bru­ar 2010 teil­te die Be­klag­te dem Kläger un­ter der Über­schrift „Per­for­mance Ye­ar 2009“ mit, dass sein Ge­samt­ge­halt 400.004,00 Eu­ro be­tra­ge und sich aus dem Grund­ge­halt 2010 iHv. 200.004,00 Eu­ro und ei­nem „Per­for­mance Award: Un­con­di­tio­nal Gua­ran­te­ed Award 2009“ iHv. 200.000,00 Eu­ro zu­sam­men­set­ze. Letz­te­rer wur­de in drei Tran­chen in den Jah­ren 2010 bis 2012 durch Zu­tei­lung von Bonds gewährt. Der Kläger konn­te die­se je­weils un­mit­tel­bar nach Er­halt veräußern. Mit Schrei­ben vom 24. Fe­bru­ar 2011 er­hielt der Kläger ei­ne ver­gleich­ba­re Mit­tei­lung für das „Per­for­mance Ye­ar 2010“, wo­nach der „Dis­cre­tio­na­ry Per­for­mance Award“ 9.920,00 Eu­ro be­trug.

Mit Schrei­ben der „R Group“ vom 23. Fe­bru­ar 2012 wur­de dem Kläger sein Fest­ge­halt als „To­tal Com­pen­sa­ti­on“ mit­ge­teilt, nicht hin­ge­gen ei­ne Bo­nu­s­leis­tung. In dem Schrei­ben heißt es ua.:

„The fall in re­ve­nues in 2011 howe­ver, me­ans that the dis­cre­tio­na­ry bo­nus pool ele­ment of this is si­gni­fi­cant­ly lo­wer in 2011 than in 2010 and this has ma­de the award cy­cle a chal­len­ging one.“

Ei­nem Teil der Mit­ar­bei­ter, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se nicht im Lau­fe des Jah­res 2012 be­en­det wur­den, gewähr­te die Be­klag­te Bo­nu­s­leis­tun­gen, die der Höhe nach über­wie­gend zwi­schen ei­nem Vier­tel und der Hälf­te des Vor­jah­res­bo­nus be­tru­gen.

 

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Im Rah­men ei­ner Stu­fen­kla­ge mach­te der Kläger zunächst be­stimm­te Aus­kunfts­ansprüche be­tref­fend den Bo­nus­an­spruch 2011 gel­tend. Das Ar­beits­ge­richt ent­schied durch Teil­ur­teil vom 17. Ok­to­ber 2012 über das Aus­kunfts­ver­lan­gen. Da­bei wies es die Kla­ge hin­sicht­lich des Haupt­an­trags und ei­nes ers­ten Hilfs­an­trags als un­zulässig ab; ei­nem zwei­ten Hilfs­an­trag gab es statt. Die Ent­schei­dung ist rechts­kräftig ge­wor­den und führ­te zur Er­tei­lung ei­ner Aus­kunft der Be­klag­ten un­ter dem 6. No­vem­ber 2012.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he für das Geschäfts­jahr 2011 ein Bo­nus nach bil­li­gem Er­mes­sen zu, der min­des­tens ein Vier­tel des Vor­jah­res­bo­nus iHv. 209.920,00 Eu­ro brut­to be­tra­gen müsse. 200.000,00 Eu­ro da­von sei­en der ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ga­ran­tie­bo­nus ge­we­sen, 9.920,00 Eu­ro brut­to der zusätz­li­che leis­tungs­be­zo­ge­ne Bo­nus. So­weit es im An­stel­lungs­ver­trag heiße, der ga­ran­tier­te Bo­nus wer­de für das Leis­tungs­jahr 2009 ge­zahlt, han­de­le es sich um ei­ne un­rich­ti­ge For­mu­lie­rung. Sein Ar­beits­verhält­nis bei der Be­klag­ten ha­be erst am 1. Ja­nu­ar 2010 be­gon­nen, ein Bo­nus für das Jahr 2009 ha­be ihm nicht zu­ge­stan­den. Ihm sei sei­ner­zeit mit­ge­teilt wor­den, dass das Jahr 2009 aus bi­lanz­tech­ni­schen Gründen im An­stel­lungs­ver­trag an­ge­ge­ben wor­den sei. Für das Jahr 2011 hätten die Ar­beit­neh­mer, die nicht im Jahr 2012 aus­ge­schie­den sei­en, ei­ne Bo­nu­s­leis­tung er­hal­ten, wo­bei er man­gels Kennt­nis­sen kei­ne ge­naue­ren An­ga­ben zur Bo­nushöhe ma­chen könne. Er ha­be in sei­nem Be­reich gu­te Leis­tun­gen er­bracht und im Geschäfts­jahr 2011 ent­spre­chen­de Erträge er­wirt­schaf­tet, wo­bei nach sei­nem Kennt­nis­stand der Um­satz in sei­ner Ab­tei­lung um 20 % zurück­ge­gan­gen sei.

Im Hin­blick auf die wirt­schaft­li­che La­ge der Be­klag­ten hat der Kläger die Auf­fas­sung ver­tre­ten, al­lein der er­lit­te­ne Jah­res­ver­lust iHv. 656 Mio. Eu­ro könne den Bo­nus­an­spruch nicht aus­sch­ließen. Zwar ha­be die Be­klag­te im Vor­jahr ei­nen Ge­winn iHv. 198 Mio. Eu­ro er­zielt, in den Jah­ren da­vor sei­en je­doch deut­lich höhe­re Ver­lus­te er­wirt­schaf­tet wor­den. Das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis der Be­klag­ten vor der Vor­nah­me von Wert­be­rich­ti­gun­gen ha­be im Übri­gen im Geschäfts­jahr 2011 1,488 Mio. Eu­ro plus be­tra­gen. Hin­zu kom­me, dass die Be­klag­te in der Ver­gan­gen­heit trotz er­heb­lich höhe­rer Ver­lus­te als im Jahr 2011 gleich­wohl re­gelmäßig Bo­ni an ih­re Ar­beit­neh­mer ge­zahlt ha­be.

 

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Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm für das Geschäfts­jahr 2011 ei­nen Bo­nus, der der Höhe nach in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, der aber min­des­tens 52.480,00 Eu­ro brut­to beträgt, nebst Zin­sen hier­aus iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, auf­grund des im Geschäfts­jahr 2011 er­lit­te­nen Jah­res­ver­lus­tes iHv. 656 Mio. Eu­ro ste­he dem Kläger kein Bo­nus­an­spruch zu. Im Jahr 2010 ha­be sein Bo­nus im Übri­gen le­dig­lich 9.920,00 Eu­ro be­tra­gen. Der Ga­ran­tie­bo­nus iHv. 200.000,00 Eu­ro sei als Sign-On-Bo­nus für den Wech­sel des Klägers zu der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten so­wie als Kom­pen­sa­ti­on für den wech­sel­be­ding­ten Ver­lust des Bo­nus­an­spruchs beim Vor­ar­beit­ge­ber für das Jahr 2009 gewährt wor­den. Im Übri­gen hätten sämt­li­che Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung des Klägers kei­nen Bo­nus für das Jahr 2011 er­hal­ten. Glei­ches gel­te - trotz sehr gu­ter Leis­tungs­be­wer­tun­gen - für zahl­rei­che an­de­re, nicht von ei­ner Kündi­gung be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten. Auf­grund der rechts­kräfti­gen Teil­ab­wei­sung des Aus­kunfts­be­geh­rens schul­de sie kei­ne wei­ter ge­hen­den Auskünf­te als die be­reits er­teil­ten.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge iHv. 78.720,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sie auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten ab­ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on des Klägers ist be­gründet. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­ge­be­nen Be­gründung kann die Kla­ge nicht ab­ge­wie­sen wer­den. Man­gels ent­spre­chen­der Fest­stel­lun­gen durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann der Se­nat in der Sa­che nicht ab­sch­ließend ent­schei­den. Das an­ge­grif­fe­ne

 

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Ur­teil ist des­halb auf­zu­he­ben und die Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 ZPO).

I. Der Kläger hat dem Grun­de nach ei­nen An­spruch auf ei­nen Bo­nus und/oder ei­nen De­fer­ral Award für das Geschäfts­jahr 2011 aus § 4 Ziff. 1 des Ar­beits­ver­trags iVm. § 315 BGB. Die Fest­set­zung der Leis­tung auf null durch die Be­klag­te ent­spricht nicht bil­li­gem Er­mes­sen und ist un­ver­bind­lich (§ 315 Abs. 3 Satz 1 BGB). Die Be­stim­mung hat des­halb gemäß § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB durch Ur­teil zu er­fol­gen. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­feh­ler­haft un­ter­las­sen. Man­gels aus­rei­chen­der Fest­stel­lun­gen zu den be­stim­mungs-re­le­van­ten Tat­sa­chen kann der Se­nat nicht selbst ent­schei­den.

1. § 4 des Ar­beits­ver­trags gewährt dem Kläger - un­abhängig von der Wirk­sam­keit des „Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts“ nach § 4 Ziff. 3 - kei­nen un­be­ding­ten An­spruch auf Zah­lung ei­nes Bo­nus oder ei­nes De­fer­ral Awards in ei­ner be­stimm­ten Höhe. Der An­spruch für das je­wei­li­ge Geschäfts­jahr er­gibt sich viel-mehr erst nach ei­ner Ausübung des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts der Be­klag­ten nach bil­li­gem Er­mes­sen (§ 315 BGB). Die­ses um­fasst so­wohl die Wahl der je­wei­li­gen Leis­tungs­art als auch die Höhe des aus­zu­zah­len­den Be­trags bzw. des zu­zu­tei­len­den De­fer­ral Awards. Dies er­gibt ei­ne Aus­le­gung der ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen.

a) Der Ar­beits­ver­trag vom 19. Au­gust 2009 enthält All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSv. §§ 305 ff. BGB. Die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen durch das Be­ru­fungs­ge­richt un­ter­liegt der vol­len re­vi­si­ons­recht­li­chen Nach­prüfung. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler-wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die nicht am Wil­len der je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver-

 

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trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. So­weit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le gel­ten (st. Rspr., zB BAG 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 29 mwN, BA­GE 147, 322). Bleibt nach Ausschöpfung der Aus­le­gungs­me­tho­den ein nicht be­heb­ba­rer Zwei­fel, geht dies gemäß § 305c Abs. 2 BGB zu­las­ten des Ver­wen­ders. Die An­wen­dung der Un­klar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB setzt al­ler­dings vor­aus, dass die Aus­le­gung ei­ner ein­zel­nen AGB-Be­stim­mung min­des­tens zwei Er­geb­nis­se als ver­tret­bar er­schei­nen lässt und von die­sen kei­nes den kla­ren Vor­zug ver­dient. Es müssen „er­heb­li­che Zwei­fel“ an der rich­ti­gen Aus­le­gung be­ste­hen. Die ent­fern­te Möglich­keit, zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung der Be­stim­mung nicht (st. Rspr., zB BAG 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 30, aaO).

b) § 4 Ziff. 1 des Ar­beits­ver­trags legt fest, dass der Ar­beit­neh­mer am je­weils gülti­gen Bo­nus­sys­tem und/oder am De­fer­ral Plan der Ge­sell­schaft für außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te „teil­nimmt“. Die For­mu­lie­rung spricht deut­lich dafür, dass ein Rechts­an­spruch auf ei­ne sol­che Teil­nah­me und die sich hier­aus er­ge­ben­de Leis­tung be­steht (vgl. auch zur Be­deu­tung des Be­griffs „gewährt“ BAG 20. Fe­bru­ar 2013 - 10 AZR 177/12 - Rn. 17). Da­bei soll es der Be­klag­ten über­las­sen blei­ben zu be­stim­men, ob für das je­wei­li­ge Geschäfts­jahr ein Bo­nus oder ein De­fer­ral Award oder ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus bei­den Leis­tungs­ar­ten gewährt wird. Glei­ches gilt hin­sicht­lich der Höhe der Leis­tung, die im Ar­beits­ver­trag nicht fest­ge­legt ist. Viel­mehr be­darf es nach § 4 Ziff. 2 ei­ner Ent­schei­dung über den Um­fang der zur Verfügung ge­stell­ten Mit­tel.

c) Der in § 4 Ziff. 3 des Ar­beits­ver­trags ent­hal­te­ne Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt schließt den ver­trag­li­chen Leis­tungs­an­spruch nicht aus.

aa) Die Klau­sel ist un­klar iSv. § 305c Abs. 2 BGB. Sie kann zum ei­nen so ver­stan­den wer­den, dass hier­durch ge­ne­rell ein An­spruch für die Zu­kunft aus­ge­schlos­sen wer­den soll. Denk­bar ist aber auch, sie so zu ver­ste­hen, dass sie

 

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den Rechts­ge­dan­ken des § 315 BGB wie­der­gibt und da­mit auch ei­ne wie­der-hol­te Leis­tungs­gewährung nicht oh­ne Wei­te­res zur Fort­set­zung „der­ar­ti­ger“, dh. nach Höhe und Art gleich­ar­ti­ger Leis­tun­gen wie in der Ver­gan­gen­heit, führen soll. Ein sol­ches Klau­sel­verständ­nis stünde der An­nah­me ei­nes dem Grun­de nach be­ste­hen­den dau­er­haf­ten An­spruchs nicht ent­ge­gen. Da gemäß § 305c Abs. 2 BGB Zwei­fel bei der Aus­le­gung zu­las­ten des Ver­wen­ders ge­hen, ist die letzt­ge­nann­te Aus­le­gung maßgeb­lich.

bb) Im Übri­gen würde ei­ne Be­stim­mung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die es dem Ar­beit­ge­ber er­laub­te, nach Ab­lauf ei­nes Geschäfts­jah­res die ver­spro­che­ne Leis­tungs­be­stim­mung nach bil­li­gem Er­mes­sen zu un­ter­las­sen, ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Abs. 2 BGB nicht stand­hal­ten. Es würde ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers dar­stel­len, wenn der Ar­beit­ge­ber von der Leis­tungs­be­stim­mung für ein be­stimm­tes Geschäfts­jahr ab­se­hen dürf­te, ob­wohl der Ar­beit­neh­mer in die­sem Geschäfts­jahr sei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht hat und die Leis­tung auch Teil der Ge­gen­leis­tung für die er­brach­te Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers war (vgl. BAG 13. Mai 2015 - 10 AZR 266/14 - Rn. 13 f. [zum Vergütungs­cha­rak­ter ei­ner Leis­tung]; 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 52, BA­GE 147, 322 [zur Si­tua­ti­on bei ei­ner Ziel­ver­ein­ba­rung]). Glei­ches würde für den Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt nach § 3 Ziff. 3 iVm. Ziff. 4 des Ar­beits­ver­trags gel­ten, so­fern man die­sen über­haupt auf Leis­tun­gen nach § 4 für an­wend­bar hiel­te.

d) Die ver­trag­li­che Re­ge­lung überlässt da­mit der Be­klag­ten ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht iSd. § 315 BGB, was grundsätz­lich zulässig ist. Die Höhe und Art ei­ner Bo­nus­zah­lung muss nicht ab­sch­ließend im Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt wer­den (vgl. BAG 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 35, BA­GE 147, 322; 20. März 2013 - 10 AZR 8/12 - Rn. 24, 30). In ei­nem sol­chen Fall hat die Leis­tungs­be­stim­mung nach der ge­setz­li­chen Re­ge­lung man­gels ab­wei­chen­der An­halts­punk­te nach bil­li­gem Er­mes­sen zu er­fol­gen (vgl. da­zu BAG 12. Ok­to­ber 2011 - 10 AZR 746/10 - Rn. 25, BA­GE 139, 283). An­halts­punk­te dafür, dass der Be­klag­ten durch § 4 Ziff. 2 des Ar­beits­ver­trags in Ab­wei­chung von § 315 Abs. 1 BGB das Recht zu­ge­bil­ligt wer­den soll­te, nach frei­em

 

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Er­mes­sen über die Bo­nus­gewährung zu ent­schei­den, er­ge­ben sich aus dem Ver­trag nicht; ein sol­ches Recht nimmt die Be­klag­te auch nicht für sich in An­spruch. Im Übri­gen wäre dies ei­ne Ab­wei­chung vom ge­setz­li­chen Leit­bild des § 315 Abs. 1 BGB (vgl. da­zu BAG 20. März 2013 - 10 AZR 8/12 - Rn. 31), die we­gen des feh­len­den Kor­rek­tivs der vol­len ge­richt­li­chen Kon­trol­le der Leis­tungs­be­stim­mung ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers iSv. § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Abs. 2 Nr. 1 BGB dar­stel­len würde und des­halb un­wirk­sam wäre.

2. Ei­nem An­spruch des Klägers steht eben­so we­nig die Stich­tags­re­ge­lung nach § 4 Ziff. 5 des Ar­beits­ver­trags ent­ge­gen. Ein Bo­nus soll da­nach nur ge­zahlt bzw. ein De­fer­ral Award nur dann zu­ge­teilt und aus­ge­zahlt wer­den, wenn sich der Ar­beit­neh­mer zum Zeit­punkt der Fällig­keit des An­spruchs bzw. der Aus­zah­lung des Awards in ei­nem un­gekündig­ten An­stel­lungs­verhält­nis be­fin­det. Die­se Vor­aus­set­zung erfüllt der Kläger mögli­cher­wei­se nicht, da sein Ar­beits­verhält­nis je­den­falls zum Zeit­punkt der spätes­ten Fällig­keit ei­nes Bo­nus im Ju­ni 2012 be­reits gekündigt war. Dar­auf kommt es aber nicht an, da die Re­ge­lung ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Abs. 2 BGB nicht standhält. Der streit­ge­genständ­li­che Bo­nus stellt un­zwei­fel­haft je­den­falls auch ei­ne Ge­gen­leis­tung für im Geschäfts­jahr lau­fend er­brach­te Ar­beit dar. Ei­ne sol­che Leis­tung kann in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht von ei­nem un­gekündig­ten Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem Zeit­punkt außer­halb des Jah­res abhängig ge­macht wer­den, in dem die Ar­beits­leis­tung er­bracht wur­de (zu­letzt BAG 13. Mai 2015 - 10 AZR 266/14 - Rn. 15; grund­le­gend 13. No­vem­ber 2013 - 10 AZR 848/12 - BA­GE 146, 284; 18. Ja­nu­ar 2012 - 10 AZR 612/10 - BA­GE 140, 231).

3. Da­hin­ste­hen kann, ob § 4 Ziff. 1 des Ar­beits­ver­trags auf­grund der For­mu­lie­rung, der Ar­beit­neh­mer neh­me am „je­weils gülti­gen“ Bo­nus­sys­tem und/oder De­fer­ral Plan teil, ei­nen Ände­rungs­vor­be­halt be­inhal­tet, wie weit die­ser rei­chen würde und ob ein ggf. um­fas­sen­der Ände­rungs­vor­be­halt am Maßstab des § 308 Nr. 4 BGB ge­mes­sen wirk­sam wäre (vgl. zu ei­nem um­fas­sen­den Ände­rungs­vor­be­halt zB BAG 11. Fe­bru­ar 2009 - 10 AZR 222/08 -

 

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Rn. 23 ff.). Die Be­klag­te macht nicht gel­tend, dass ei­ne sol­che Ände­rung des Bo­nus­sys­tems bzw. des De­fer­ral Plans dem An­spruch des Klägers ent­ge­genstünde.

4. Der Kläger hat mit der Er­he­bung der Stu­fen­kla­ge die zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­frist nach § 15 des Ar­beits­ver­trags ge­wahrt. Die Er­he­bung der Stu­fen-kla­ge be­gründet nicht nur die Rechtshängig­keit des Aus­kunfts­an­spruchs, son­dern auch des un­be­zif­fer­ten Haupt­an­spruchs (BAG 12. De­zem­ber 2000 - 9 AZR 1/00 - zu I 1 c bb der Gründe, BA­GE 96, 352; Zöller/Gre­ger ZPO 31. Aufl. § 254 Rn. 1) und wahrt da­mit ei­ne ent­spre­chen­de Aus­schluss­frist (BAG 22. Ja­nu­ar 2008 - 9 AZR 416/07 - Rn. 35; 23. Fe­bru­ar 1977 - 3 AZR 764/75 - zu 4 der Gründe).

II. Die von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne Fest­set­zung des Bo­nus­an­spruchs des Klägers für das Geschäfts­jahr 2011 auf null ist un­ver­bind­lich iSv. § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB.

1. Ei­ne Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Er­mes­sen, wenn die we­sent­li­chen Umstände des Falls ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind. Maßgeb­lich ist der Zeit­punkt, in dem der Be­stim­mungs­be­rech­tig­te die Er­mes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen hat. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last dafür, dass die Leis­tungs­be­stim­mung der Bil­lig­keit ent­spricht, trägt der Be­stim­mungs­be­rech­tig­te (st. Rspr., zu­letzt zB BAG 13. Mai 2015 - 10 AZR 266/14 - Rn. 28). Dem In­ha­ber des Be­stim­mungs­rechts nach § 315 Abs. 1 BGB ver­bleibt für die rechts­ge­stal­ten­de Leis­tungs­be­stim­mung ein nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­zufüllen­der Spiel­raum. In­ner­halb des Spiel­raums können dem Be­stim­mungs­be­rech­tig­ten meh­re­re Ent­schei­dungsmöglich­kei­ten zur Verfügung ste­hen (vgl. ins­ge­samt da­zu: BAG 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 41 mwN, BA­GE 147, 322; BGH 18. Ok­to­ber 2007 - III ZR 277/06 - Rn. 20, BGHZ 174, 48).

2. Die Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, dass die von ihr ge­trof­fe­ne Leis­tungs­be­stim­mung bil­li­gem Er­mes­sen ent­spricht. Hier­von ge­hen das Ar­beits­ge­richt aus­drück­lich und das Lan­des­ar­beits­ge­richt un­aus­ge­spro­chen aus, da es sich

 

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an­dern­falls nicht mit der Fra­ge der Höhe ei­ner fest­zu­set­zen­den Leis­tung hätte beschäfti­gen dürfen. Die Be­klag­te hat sich nicht da­zu geäußert, ob sie sich für das Geschäfts­jahr 2011 für ein Bo­nus­sys­tem und/oder ei­nen De­fer­ral Plan ent­schie­den hat. Eben­so we­nig hat sie dar­ge­legt, in wel­chem Um­fang sie Mit­tel zur Verfügung ge­stellt hat, ob­wohl der In­halt des Schrei­bens vom 23. Fe­bru­ar 2012 hier­auf hin­deu­tet und un­strei­tig ei­nem Teil der Ar­beit­neh­mer ent­spre­chen­de Leis­tun­gen gewährt wur­den. Auch hat sie nicht vor­ge­tra­gen, wel­che Ar­beit­neh­mer nach wel­chen Kri­te­ri­en an ei­nem sol­chen Sys­tem teil­neh­men soll­ten. Al­lein der Hin­weis auf ei­nen in die­sem Geschäfts­jahr er­ziel­ten Ver­lust kann nähe­ren Sach­vor­trag nicht er­set­zen (vgl. da­zu auch BAG 19. März 2014 - 10 AZR 622/13 - Rn. 62, BA­GE 147, 322).

3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten hat die teil­wei­se Ab­wei­sung der Aus­kunfts­kla­ge im Teil­ur­teil des Ar­beits­ge­richts nicht zur Fol­ge, dass nun-mehr der Kläger die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die Un­bil­lig­keit der von der Be­klag­ten ge­trof­fe­nen Leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 BGB trägt. Die Aus­kunfts­kla­ge und die Kla­ge auf rich­ter­li­che Er­satz­leis­tungs­be­stim­mung ha­ben un­ter­schied­li­che Streit­ge­genstände. Die im Rah­men ei­ner Stu­fen­kla­ge er­gan­ge­ne Ent­schei­dung über den Aus­kunfts­an­spruch erwächst im Hin­blick auf den auf der letz­ten Stu­fe ver­folg­ten An­spruch nicht in Rechts­kraft und ent­fal­tet in­so­weit auch kei­ne Bin­dung iSv. § 318 ZPO. Da­mit ist es recht­lich nicht aus­ge­schlos­sen, dass die maßgeb­li­chen Vor­fra­gen im wei­te­ren Ver­fah­ren über die­sen An­spruch an­ders als im Teil­ur­teil be­ur­teilt wer­den (BGH 16. Ju­ni 2010 - VIII ZR 62/09 - Rn. 24; Wiec­zo­rek/Schütze/Ass­mann ZPO 4. Aufl. § 254 Rn. 76; St­ein/Jo­nas/Roth ZPO 22. Aufl. § 254 Rn. 31). Un­ge­ach­tet der teil­wei­sen Ab­wei­sung der vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­kunfts­kla­ge hat des­halb die Be­klag­te als be­stim­men­de Par­tei die Umstände da­zu­le­gen und zu be­wei­sen, die ih­re Leis­tungs­be­stim­mung und de­ren Bil­lig­keit tra­gen (vgl. Stau­din­ger/Rieb­le (2015) BGB § 315 Rn. 388). Er­bringt der Ar­beit­ge­ber, der sich ei­ne sol­che ein­sei­ti­ge Leis­tungs­be­stim­mung vor­behält, kei­nen oder kei­nen hin­rei­chen­den Vor­trag da­zu, war­um ei­ne be­stimm­te Leis­tungs­fest­set­zung bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen soll, ist die ge­setz­li­che Fol­ge nach § 315 Abs. 3 BGB die Un­ver­bind­lich­keit der vom Be­stim­mungs­be­rech­tig­ten ge­trof­fe­nen Leis­tungs­be­stim­mung.

 

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III. Auf­grund der Un­ver­bind­lich­keit der Leis­tungs­be­stim­mung der Be­klag­ten hat gemäß § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB die Be­stim­mung der Höhe des An­spruchs für das Geschäfts­jahr 2011 durch Ur­teil zu er­fol­gen (BAG 11. De­zem­ber 2013 - 10 AZR 364/13 - Rn. 33 ff.). Ei­ne sol­che Leis­tungs­be­stim­mung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­feh­ler­haft un­ter­las­sen. Die Leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB ist we­gen der zu berück­sich­ti­gen­den Umstände des Ein­zel­falls vor­ran­gig den Tat­sa­chen­ge­rich­ten vor­be­hal­ten (BAG 15. Mai 2013 - 10 AZR 679/12 - Rn. 35 mwN; vgl. auch BAG 18. Mai 2016 - 10 AZR 183/15 - Rn. 42 [zu § 319 Abs. 1 Satz 2 BGB]). Ei­ne Ent­schei­dung durch das Re­vi­si­ons­ge­richt kommt nur aus­nahms­wei­se in Be­tracht, wenn al­le maßgeb­li­chen Tat­sa­chen fest­ste­hen (vgl. zu ei­nem sol­chen Fall BAG 11. De­zem­ber 2013 - 10 AZR 364/13 - Rn. 30). Hier­an fehlt es vor­lie­gend, da das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­ne hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen zu den für die Be­stim­mung maßgeb­li­chen Umständen ge­trof­fen hat. Das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil ist des­halb auf­zu­he­ben und die Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 ZPO).

1. Die rich­ter­li­che Er­satz­leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB ist vom Ge­richt auf Grund­la­ge des Vor­trags der Par­tei­en zu tref­fen (BGH 8. No­vem­ber 2011 - EnZR 32/10 - Rn. 24; 20. Ju­li 2010 - EnZR 23/09 - Rn. 39). Durch rich­ter­li­che Er­mes­sens­ent­schei­dung wird di­rekt über den gel­tend ge­mach­ten An­spruch ent­schie­den und nicht nur - et­wa im Sin­ne ei­ner Rechts­kon­trol­le - über­prüft, ob die Fest­set­zung des Leis­tungs­be­rech­tig­ten zu-trifft. Die­se Prüfung hat be­reits in der ers­ten Stu­fe nach § 315 Abs. 3 Satz 1 BGB statt­zu­fin­den und ist Vor­aus­set­zung dafür, dass es über­haupt zu ei­ner ge­richt­li­chen Leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB kom­men kann. Die Ausübung des ei­ge­nen rich­ter­li­chen Er­mes­sens fin­det auf Grund­la­ge des ge­sam­ten Pro­zess­stoffs statt. Ei­ne Dar­le­gungs- und Be­weis­last im pro­zes­sua­len Sinn be­steht in­so­weit nicht, doch ist je­de Par­tei ge­hal­ten, die für ih­re Po­si­ti­on spre­chen­den Umstände vor­zu­tra­gen, weil das Ge­richt nur die ihm be­kann­ten Umstände in sei­ne Be­stim­mung ein­brin­gen kann (Stau­din­ger/Rieb­le § 315 Rn. 521; BGB-RGRK/Ball­haus 12. Aufl. § 315 BGB Rn. 19; BAG 18. Mai 2016 - 10 AZR 183/15 - Rn. 44 [zu § 319 Abs. 1 Satz 2 BGB]). Bringt der Be­stim­mungs­be­rech­tig­te be­stimm­te As­pek­te, die in sei­nem Kon­zept der Leis-

 

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tungs­be­stim­mung mögli­cher­wei­se zu berück­sich­ti­gen wären, nicht ein, können sie nicht berück­sich­tigt wer­den (vgl. BGH 20. Ju­li 2010 - EnZR 23/09 - Rn. 40 [zur feh­len­den Of­fen­le­gung der Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­gen ei­nes Netz­be­trei­bers]). Dies geht zu sei­nen Las­ten. Feh­len­der Vor­trag des Be­stim­mungs­be­rech­tig­ten führt nicht zur Ent­ste­hung ei­ner be­son­de­ren Dar­le­gungs­last für den An­spruch­stel­ler. Die­ser hat le­dig­lich im ei­ge­nen In­ter­es­se die Ob­lie­gen­heit, die für ihn güns­ti­gen Umstände vor­zu­tra­gen. Des­halb kann der An­spruch­stel­ler re­gelmäßig auch nicht auf die Er­he­bung ei­ner Aus­kunfts­kla­ge ver­wie­sen wer­den (da­zu Stau­din­ger/Rieb­le § 315 Rn. 388). Es ist viel­mehr Sa­che des Ge­richts, auf Grund­la­ge des vor­han­de­nen Pro­zess­stoffs und des Vor­trags bei­der Par­tei­en die Leis­tungs­be­stim­mung vor­zu­neh­men und den ver­trag­lich vor­ge­ge­be­nen Rah­men aus­zufüllen (MüKoBGB/Würdin­ger 7. Aufl. § 315 Rn. 51). Le­dig­lich aus­nahms­wei­se hat in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 287 ZPO ei­ne Fest­set­zung zu un­ter­blei­ben, wenn es auch nach vollständi­ger Ausschöpfung des Pro­zess­stoffs an jeg­li­chen greif­ba­ren An­halts­punk­ten für die Leis­tungs­be­stim­mung fehlt (vgl. BGH 8. No­vem­ber 2011 - EnZR 32/10 - Rn. 25).

2. Die­se Grundsätze hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt rechts­feh­ler­haft ver­kannt. Es hat un­berück­sich­tigt ge­las­sen, dass die Be­klag­te als Be­stim­mungs­be­rech­tig­te kei­nen hin­rei­chen­den Vor­trag zum Bo­nus­sys­tem bzw. De­fer­ral Plan für das Geschäfts­jahr 2011 ge­hal­ten hat. Statt­des­sen hat es vom Kläger Vor­trag zu Tat­sa­chen ver­langt, wie bei­spiels­wei­se zur Höhe ei­nes Bo­nustop­fes, die ein Ar­beit­neh­mer im Re­gel­fall nicht kennt. Fak­tisch hat es dem Kläger da­mit rechts­feh­ler­haft ei­ne Dar­le­gungs­last für Umstände auf­er­legt, die die Be­klag­te im Rah­men der ge­richt­li­chen Er­satz­leis­tungs­be­stim­mung nach § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB im ei­ge­nen In­ter­es­se hätte vor­tra­gen können und müssen, wenn sie die­se Umstände hätte berück­sich­tigt wis­sen wol­len. Darüber hin­aus hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den vor­han­de­nen Pro­zess­stoff nicht aus­geschöpft. Es ist von den Par­tei­en zur Höhe der Bo­nus­zah­lun­gen in der Ver­gan­gen­heit, zum Um­fang von Leis­tun­gen an an­de­re Ar­beit­neh­mer, zum Un­ter­neh­mens­er­folg, zur Leis­tung des Klägers und zu den Umsätzen in sei­ner Ab­tei­lung vor­ge­tra­gen wor­den. Darüber hin­aus hätte es den zu­letzt er­folg­ten Vor­trag des Klägers zum Um­fang des Bo­nustop­fes in den Blick neh­men müssen.

 

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3. Dies führt zur Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Der Se­nat macht da­bei von der Möglich­keit der Zurück­ver­wei­sung an ei­ne an­de­re Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts gemäß § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 563 Abs. 1 Satz 2 ZPO Ge­brauch.

IV. Für das wei­te­re Ver­fah­ren ist auf Fol­gen­des hin­zu­wei­sen: 

1. Teil des Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts der Be­klag­ten ist die Ent­schei­dung, ob der Kläger am je­weils gülti­gen Bo­nus­sys­tem und/oder am De­fer­ral Plan der Ge­sell­schaft für außer­ta­rif­li­che An­ge­stell­te teil­nimmt (§ 4 Ziff. 1 Ar­beits­ver­trag). Nach dem bis­he­ri­gen Sach­vor­trag der Be­klag­ten dürf­te die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts nicht zu be­an­stan­den sein, die Be­klag­te ha­be bis zum Zeit­punkt der Fällig­keit des An­spruchs (§ 4 Ziff. 4 Ar­beits­ver­trag) die Leis­tungs­be­stim­mung hin­sicht­lich der Art der Leis­tung nicht vor­ge­nom­men und da­mit die Be­stim­mung iSv. § 315 Abs. 3 Satz 2 letz­ter Halbs. BGB verzögert. Im Hin­blick auf das zwi­schen­zeit­lich er­folg­te Aus­schei­den des Klägers liegt es des­halb na­he, ei­nen mögli­chen Bo­nus­an­spruch als Geld­leis­tung und nicht als De­fer­ral Award fest­zu­set­zen. Soll­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt dies an­ders se­hen, wird es nach § 139 ZPO ei­nen ent­spre­chen­den Hin­weis zu er­tei­len und dem Kläger Ge­le­gen­heit zu ge­ben ha­ben, sei­nen An­trag an­zu­pas­sen.

2. Im Fall ei­ner ge­richt­li­chen Leis­tungs­be­stim­mung können die in den Vor­jah­ren ge­zahl­ten Bo­ni ei­nen wich­ti­gen Fak­tor dar­stel­len, da durch sie re­gelmäßig zum Aus­druck ge­bracht wird, wel­che Höhe ei­ne sol­che Leis­tung un­ter wel­chen kon­kre­ten Umständen (Leis­tung des Ar­beit­neh­mers, Un­ter­neh­mens­er­folg etc.) er­rei­chen kann. In­so­weit hat das Ar­beits­ge­richt al­ler­dings rechts­feh­ler­haft an­ge­nom­men, dass der Kläger im Ka­len­der­jahr 2010 ei­nen Bo­nus in Höhe von 209.920,00 Eu­ro er­hal­ten hat. Viel­mehr er­folg­te für das Geschäfts­jahr 2010 nur ei­ne Bo­nus­zah­lung in Höhe von 9.920,00 Eu­ro (vgl. Schrei­ben der Be­klag­ten vom 24. Fe­bru­ar 2011). Der ga­ran­tier­te Bo­nus wur­de hin­ge­gen nach der ein­deu­ti­gen ver­trag­li­chen Re­ge­lung, dem In­halt des Schrei­bens vom 26. Fe­bru­ar 2010 und dem Zeit­punkt der Teil­leis­tun­gen, die zur Hälf­te noch im Jah­re 2010 er­folg­ten, für 2009 ge­zahlt. Selbst wenn der kläge­ri­sche Vor­trag zu­träfe, wo­nach ihm mit­ge­teilt wor­den sei, die An­ga­be des Jah­res 2009 sei aus „bi­lanz-

 

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tech­ni­schen Gründen“ er­folgt, führ­te dies zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Auch und ge­ra­de die bi­lanz­tech­ni­sche Zu­ord­nung zu ei­nem be­stimm­ten Ka­len­der­jahr bringt je­den­falls zum Aus­druck, dass die Zah­lung nicht für ein Fol­ge­jahr er­fol­gen soll. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers spielt auch kei­ne Rol­le, dass er im Geschäfts­jahr 2009 noch nicht für die Be­klag­te tätig war. Die Ver­ein­ba­rung ei­nes ent­spre­chen­den Leis­tungs­an­spruchs ist im Rah­men der Ver­trags­frei­heit oh­ne Wei­te­res möglich. Die Par­tei­en brin­gen da­mit je­den­falls zum Aus­druck, wel­che Bo­nushöhe der Kläger, wäre er im Jahr 2009 be­reits für die Be­klag­te bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin tätig ge­we­sen, in die­sem Ka­len­der­jahr in der ge­ge­be­nen wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on des Un­ter­neh­mens hätte er­zie­len können. Im Übri­gen war nach § 1 Ziff. 1 des Ar­beits­ver­trags ei­ne Tätig­keits­auf­nah­me vor dem 1. Ja­nu­ar 2010 als Möglich­keit vor­ge­se­hen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten er­ge­ben sich aus dem Ar­beits­ver­trag vom 19. Au­gust 2009 aber auch kei­ne An­halts­punk­te dafür, die Leis­tung an den Kläger als rei­ne An­tritts­prämie (Sign-On-Bo­nus) oh­ne Leis­tungs­be­zug zu wer­ten. Der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung gibt für ei­ne sol­che An­nah­me nichts her. Viel­mehr wird die Leis­tung nach § 16 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags aus­drück­lich den Re­geln des De­fer­ral Plans (§ 4 Ziff. 1 Ar­beits­ver­trag) un­ter­stellt und es wird in § 16 Abs. 5 des Ar­beits­ver­trags hin­sicht­lich der Ver­fallmöglich­kei­ten ei­nes Teils des ga­ran­tier­ten Bo­nus ein deut­li­cher Leis­tungs­be­zug her­ge­stellt.

3. Als wei­te­res Ele­ment für die ge­richt­li­che Leis­tungs­be­stim­mung wird der Vor­trag des Klägers zu sei­nen Leis­tun­gen und zu den Um­satz­zah­len sei­ner Ab­tei­lung her­an­zu­zie­hen sein. Glei­ches gilt für die Höhe der Leis­tun­gen an an­de­re Ar­beit­neh­mer. Darüber hin­aus wird der Vor­trag der Par­tei­en zu den wirt­schaft­li­chen Kenn­zah­len der Be­klag­ten zu berück­sich­ti­gen sein, wo­bei der Um­stand wird Be­ach­tung fin­den müssen, dass der Kläger für das Geschäfts­jahr 2009 trotz er­heb­li­cher Ver­lus­te ei­nen Bo­nus in er­heb­li­cher Höhe er­hal­ten hat. Sch­ließlich wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt ggf. dem zu­letzt er­folg­ten Vor­trag des Klägers zum Um­fang des Bo­nustop­fes für das Geschäfts­jahr 2011 nach­zu­ge­hen ha­ben. Soll­ten aus Sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts re­le­van­te Fak­to­ren von den Par­tei­en un­ter­schied­lich vor­ge­tra­gen wer­den, so wird es ggf. Be­weis zu er­he­ben ha­ben, um ei­ne rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung hin­sicht­lich der

 

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maßgeb­li­chen Fak­to­ren her­bei­zuführen. Von wei­te­ren Hin­wei­sen sieht der Se­nat in­so­weit ab.

4. Mögli­che Ansprüche des Klägers auf Grund­la­ge des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes sind nicht mehr Ver­fah­rens­ge­gen­stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sich mit sol­chen Ansprüchen aus­ein­an­der­ge­setzt und de­ren Vor­lie­gen ver­neint. Der Kläger hat sich im Rah­men sei­ner Re­vi­si­on hier­ge­gen nicht ge­wandt, so dass hierüber im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht mehr zu ent­schei­den war.

Linck 

Bru­ne 

W. Rein­fel­der

A. Ef­fen­ber­ger 

Schürmann

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