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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 16 Sa 2254/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.08.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Offenbach, Urteil vom 4.12.2008, 3 Ca 375/08
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
   

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 04. De­zem­ber 2008 – 3 Ca 375/08 – teil­wei­se ab­geändert.

Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 25. Au­gust 2008 nicht auf­gelöst wor­den ist.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 1.855,48 EUR (in Wor­ten: Ein­tau­sen­dacht­hun­dertfünf­undfünf­zig und 48/100 Eu­ro) brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz aus 407,50 EUR (in Wor­ten: Vier­hun­dert­sie­ben und 50/100 Eu­ro) seit dem 16. Ja­nu­ar 2009, aus 423,80 EUR (in Wor­ten: Vier­hun­dert­drei­und­zwan­zig und 80/100 Eu­ro) seit dem 16. Fe­bru­ar 2009, aus 326,00 EUR (in Wor­ten: Drei­hun­dert­sechs­und­zwan­zig und 00/100 Eu­ro) seit dem 16. März 2009 und aus 698,18 EUR (in Wor­ten: Sechs­hun­dert­acht­und­neun­zig und 18/100 Eu­ro) seit dem 16. April 2009 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen.

Von den Kos­ten des ers­ten Rechts­zu­ges ha­ben die Kläge­rin 33 % und die Be­klag­te 67 % zu tra­gen.

Von den Kos­ten der Be­ru­fung ha­ben die Kläge­rin 31 % und die Be­klag­te 69 % zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin nicht zu­ge­las­sen und für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten im Be­ru­fungs­rechts­zug noch über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung, über An­nah­me­ver­zugs­vergütungs­ansprüche für die Zeit von Sep­tem­ber 2008 bis ein­sch­ließlich März 2009 so­wie über Ansprüche auf Ur­laubs­ab­gel­tung für das Jahr 2008 und 2009.

Die im Mai 1948 ge­bo­re­ne Kläge­rin war seit dem 01. April 2008 im Rah­men ei­nes bis zum 31. März 2009 be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses als In­nen- und Un­ter­halts­rei­ni­ge­rin für die in A ansässi­ge Be­klag­te an sechs Ta­gen pro Wo­che je zwei St­un­den pro Tag tätig. Ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Pro­be­zeit von sechs Mo­na­ten, während de­rer das Ar­beits­verhält­nis mit ei­ner zweiwöchi­gen Kündi­gungs­frist gekündigt wer­den soll­te, ei­ne Pau­schal­vergütung in Höhe von € 350,00 so­wie die Gel­tung der Ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk, so­weit sie für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt sind. Ziff. 14 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges lau­tet wie folgt: "Ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kann auch durch den Ob­jekt­lei­ter / Nie­der­las­sungs­lei­ter aus­ge­spro­chen wer­den."Mit Schrei­ben vom 25. Au­gust 2008 (An­la­ge zur Kla­ge­schrift / Bl. 10 d. A.), das un­ter­schrie­ben war mit "i. V. B, Nie­der­las­sungs­lei­ter", wur­de das Ar­beits­verhält­nis durch die Be­klag­te or­dent­lich zum 08. Sep­tem­ber 2008 gekündigt. Mit Schrei­ben vom 28. Au­gust 2008 (An­la­ge zur Kla­ge­schrift / Bl. 11 d. A.) wies die Kläge­rin die Kündi­gung "we­gen feh­len­der Kündi­gungs­be­vollmäch­ti­gung und Nicht­vor­la­ge der Voll­machts­ur­kun­de" zurück.

Mit ih­rer am 05. Sep­tem­ber 2008 beim Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach am Main ein­ge­gan­ge­nen und am 12. Sep­tem­ber 2008 der Be­klag­ten zu­ge­stell­ten Kla­ge hat die Kläge­rin die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung so­wie die Fest­stel­lung be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände en­det und ein Zwi­schen­zeug­nis ver­langt. Mit der Kla­ge­be­gründung hat sie zu­gleich "al­le Ansprüche auf rückständi­ges und zukünf­ti­ges Ar­beits­ent­gelt so­wie Ur­laub gel­tend ge­macht".

Die Kläge­rin hat die Kündi­gung gemäß § 174 Satz 1 BGB für un­wirk­sam ge­hal­ten, weil sie nicht da­von in Kennt­nis ge­setzt wor­den sei, dass der die Kündi­gung un­ter­zeich­nen­de Herr B, der ihr we­der nach Per­son noch nach sei­ner Funk­ti­on für die Be­klag­te be­kannt ge­we­sen sei, Nie­der­las­sungs­lei­ter sei.

We­gen des wei­te­ren un­strei­ti­gen Sach­ver­halts, des Vor­trags der Par­tei­en im ers­ten Rechts­zug so­wie der dort ge­stell­ten Anträge wird im Übri­gen ergänzend auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und der durch die­sen in Be­zug ge­nom­me­nen Schriftsätze gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach am Main hat mit Ur­teil vom 04. De­zem­ber 2008 – 3 Ca 375/08 – die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung der Ab­wei­sung des Kündi­gungs­schutz­an­tra­ges hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Kündi­gung sei wirk­sam, weil sie un­ter Ein­hal­tung der für die ver­ein­bar­te Pro­be­zeit maßgeb­li­chen Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen aus­ge­spro­chen wor­den und ei­ne so­zia­le Recht­fer­ti­gung man­gels Erfüllung der War­te­zeit nicht er­for­der­lich sei. Ei­ne wirk­sa­me Zurück­wei­sung gemäß § 174 BGB sei nicht er­folgt. Die Zurück­wei­sung sei gemäß § 174 Abs. 2 BGB aus­ge­schlos­sen, da die Kläge­rin von der Be­vollmäch­ti­gung des Herrn B in Kennt­nis ge­setzt wor­den sei. Dafür genüge die Be­ru­fung in die Stel­lung als Nie­der­las­sungs­lei­ter. We­gen der vollständi­gen Ent­schei­dungs­gründe wird im Übri­gen auf S. 3 - 6 des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (Bl. 46 - 49 d. A.) eben­falls gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ergänzend Be­zug ge­nom­men.

Mit am 30. De­zem­ber 2008 ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz hat die Kläge­rin Pro­zess­kos­ten­hil­fe zur Durchführung ei­ner Be­ru­fung ge­gen das ihr am 16. De­zem­ber 2008 zu­ge­stell­te Ur­teil be­an­tragt. Nach Zu­gang des die Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­wil­li­gen­den Be­schlus­ses vom 24. Fe­bru­ar 2009 am 27. Fe­bru­ar 2009 hat sie noch mit am 27. Fe­bru­ar 2009 ein­ge­gan­ge­nem und der Be­klag­ten am 10. März 2009 zu­ge­stell­tem Schrift­satz Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 04. De­zem­ber 2008 – 3 Ca 375/08 – be­schränkt auf die Zurück­wei­sung des Kündi­gungs­schutz­an­tra­ges ein­ge­legt und die Be­ru­fung auch zeit­gleich be­gründet so­wie Wie­der­ein­set­zung in die versäum­te Be­ru­fungs­frist be­an­tragt. Kla­ge­er­wei­ternd hat sie darüber hin­aus die Zah­lung von € 1.287,70 brut­to als Vergütung für 50 Ar­beits­stun­den aus dem De­zem­ber 2008 und für 52 Ar­beits­stun­den aus dem Ja­nu­ar 2009 un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­ner ta­rif­li­chen Brut­to­stun­den­vergütung in Höhe von € 8,15 so­wie Scha­den­er­satz für er­lo­sche­nen Ta­ri­fur­laub für das Jahr 2008 von 28 Ta­gen à zwei St­un­den à € 8,15 be­gehrt. Mit Schrift­satz vom 08. April 2009 hat sie so­dann die Kla­ge um Vergütung für 40 Ar­beits­stun­den des Mo­nats Fe­bru­ar 2009 so­wie 44 Ar­beits­stun­den des Mo­nats März 2009 un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­ner ta­rif­li­chen Brut­to­stun­den­vergütung von € 8,15 so­wie die Ab­gel­tung von sie­ben ta­rif­li­chen Ur­laubs­ta­gen des Jah­res 2009 un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­ner Ar­beits­zeit von zwei St­un­den pro Tag und ei­ner maßgeb­li­chen Vergütung von € 8,15 ver­langt. Mit Schrift­satz vom 16. Ju­ni 2009 hat sie die Kla­ge in Be­zug auf die für das Jahr 2008 ge­for­der­te Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe ei­nes Teil­be­tra­ges von € 65,20 zurück­ge­nom­men und kla­ge­er­wei­ternd Vergütung für 26 Ar­beits­ta­ge des Mo­nats Sep­tem­ber 2008, 28 Ar­beits­ta­ge des Mo­nats Ok­to­ber 2008 und 25 Ar­beits­ta­ge des Mo­nats No­vem­ber 2008 je­weils un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­ner Ar­beits­zeit von zwei St­un­den pro Tag und ei­ner ta­rif­li­chen Brut­to­stun­den­vergütung von € 8,15 ver­langt.

Die Kläge­rin ist wei­ter der Auf­fas­sung, die Kündi­gung sei gemäß § 174 BGB un­wirk­sam, da sie von der Kündi­gungs­be­fug­nis des Herrn B nicht in Kennt­nis ge­setzt wor­den sei. Die Be­ru­fung in die Stel­lung als Nie­der­las­sungs­lei­ter genüge nicht, da ihr Herr B we­der als Per­son be­kannt sei noch sie zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung Kennt­nis da­von ge­habt ha­be, dass er für die Be­klag­te ar­bei­te, noch dass er als Nie­der­las­sungs­lei­ter für die Be­klag­ten tätig ge­we­sen sei. Auf­grund des fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses sei die Be­klag­te auch zur Zah­lung der ein­ge­klag­ten Vergütung für die Zeit vom 01. Sep­tem­ber 2008 bis 31. März 2009 un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges ver­pflich­tet. Die­sem An­spruch ste­he § 22 des Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung auch für die Mo­na­te Sep­tem­ber bis No­vem­ber 2008 nicht ent­ge­gen. So­wohl die ers­te als auch die zwei­te Stu­fe der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist sei be­reits durch Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge im Sep­tem­ber 2008 ge­wahrt wor­den.

Die Par­tei­en ha­ben den Rechts­streit in Be­zug auf die für das Jahr 2008 ein­ge­klag­te Ur­laubs­ab­gel­tung in Höhe ei­nes Teil­be­tra­ges von € 165,72 nach Zah­lung durch die Be­klag­te übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. ihr ge­gen die Versäum­ung der Be­ru­fungs­frist und der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand zu gewähren,

2. un­ter teil­wei­ser Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 04. De­zem­ber 2008 – 3 Ca 375/08 – fest­zu­stel­len, dass ihr Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 25. Au­gust 2008 nicht auf­gelöst wor­den ist und

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie € 3.341,18 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz aus € 407,50 seit dem 16.01., aus € 423,80 seit dem 16.02., aus € 326,00 seit dem 16.03. und aus € 698,40 seit dem 16.04.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung ins­ge­samt zurück­zu­wei­sen.

Sie hält an ih­rer Auf­fas­sung fest, dass die Zurück­wei­sung der oh­ne Voll­machts­vor­la­ge aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung durch die Kläge­rin gemäß § 174 Satz 2 BGB aus­ge­schlos­sen sei, weil sie Herrn B im April 2000 zum Nie­der­las­sungs­lei­ter be­stellt und die Kläge­rin durch Ziff. 14 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges von der Kündi­gungs­be­fug­nis des Nie­der­las­sungs­lei­ters un­ter­rich­tet ha­be. Die Kennt­nis von der Per­son des je­wei­li­gen Nie­der­las­sungs­lei­ters sei nicht er­for­der­lich. We­gen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung stünden der Kläge­rin kei­ne wei­te­re Vergütung und auch kei­ne Ansprüche auf wei­te­re Ur­laubs­ab­gel­tung zu. Et­wai­ge Ansprüche sei­en zu­dem auch zum Teil ver­fal­len.

We­gen des vollständi­gen Vor­trags der Par­tei­en im Be­ru­fungs­rechts­zug wird im Übri­gen auf die Be­ru­fungs­be­gründung ins­ge­samt (Bl. 71 - 75 d. A.), auf den kläge­ri­schen Schrift­satz vom 08. April 2009 (Bl. 88, 89 d. A.) so­wie auf den kläge­ri­schen Schrift­satz vom 16. Ju­ni 2009 (Bl. 95 d. A.) und auf die Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung (Bl. 85 - 87 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 04. De­zem­ber 2008 – 3 Ca 375/08 – ist zulässig.
16 Als Rechts­mit­tel in ei­ner Be­stands­strei­tig­keit ist die Be­ru­fung gemäß §§ 8 Abs. 2 , 64 Abs. 2 c ArbGG un­abhängig vom Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des statt­haft. Sie ist auch als form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet im Sin­ne der §§ 66 Abs. 1 , 64 Abs. 6 ArbGG , 519 , 520 Abs. 1 , 3 , 5 ZPO an­zu­se­hen. Die Versäum­ung der Fris­ten zur Ein­le­gung und Be­gründung der Be­ru­fung ( § 66 Abs. 1 Satz 1, 2 ArbGG ) ste­hen der Zulässig­keit nicht ent­ge­gen, da der Kläge­rin gemäß § 233 ZPO Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand zu gewähren ist. Die Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand ist gemäß § 233 ZPO bei Versäum­ung der Not­frist zur Be­ru­fungs­ein­le­gung ( §§ 64 Abs. 6 ArbGG , 517 ZPO ) eben­so statt­haft, wie ge­gen die Versäum­ung der aus­drück­lich in § 233 ZPO ge­nann­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist. Die Kläge­rin hat die Wie­der­ein­set­zung bezüglich der versäum­ten Be­ru­fungs­frist auch form- und frist­ge­recht im Sin­ne der §§ 234 , 236 ZPO bin­nen zwei Wo­chen ab dem mit Be­wil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe weg­ge­fal­le­nen Hin­der­nis zur Be­ru­fungs­ein­le­gung be­an­tragt. Dass erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein aus­drück­li­cher An­trag auf Wie­der­ein­set­zung we­gen der versäum­ten Be­ru­fungs­be­gründungs­frist ge­stellt wur­de, ist unschädlich. So­weit nicht schon im We­ge der Aus­le­gung von ei­ner vor­he­ri­gen An­trag­stel­lung aus­zu­ge­hen ist, ist gemäß § 236 Abs. 2 Satz 2 ZPO in­so­weit Wie­der­ein­set­zung auch oh­ne An­trag zu gewähren, da die versäum­te Be­gründung in der Wie­der­ein­set­zungs­frist von 4 Wo­chen ( § 234 Abs. 1 Satz 2 ZPO ) nach­ge­holt wur­de und die die Wie­der­ein­set­zung be­gründen­den Tat­sa­chen of­fen­kun­dig sind (vgl. Zöller/Gre­ger, ZPO, 27. Aufl. 2009, § 236 RdN. 5 m. w. N.). Die Kläge­rin hat durch die zur Ak­te ge­reich­ten Pro­zess­kos­ten­hil­fe­un­ter­la­gen glaub­haft ge­macht, dass sie auf­grund ih­rer wirt­schaft­li­chen Verhält­nis­se nicht in der La­ge ist, die Kos­ten für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren aus ei­ge­nen Mit­teln auf­zu­brin­gen und hat den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag auch, wie er­for­der­lich ( BAG, U. v. 30.05.1972 – 2 AZR 298/71 – AP Nr. 1 zu § 174 BGB; BGH NjW-RR 2005, 1586), in­ner­halb der Be­ru­fungs­frist ge­stellt.

Die im Be­ru­fungs­rechts­zug er­folg­ten Kla­ge­er­wei­te­run­gen sind gemäß § 533 ZPO zulässig. Auf die in der Einführung der neu­en Streit­ge­genstände lie­gen­de nachträgli­che Kla­gehäufung sind die Vor­schrif­ten über die Kla­geände­rung ent­spre­chend an­wend­bar (vgl. Zöller/Gre­ger, a. a. O., § 263 RdN. 2). Die Er­wei­te­rung ist sach­dien­lich im Sin­ne des § 533 Nr. 1 ZPO , da sie ge­eig­net ist, den Streit schon im Rah­men des anhängi­gen Ver­fah­rens aus­zuräum­en und wei­te­re Rechts­strei­tig­kei­ten zu ver­mei­den. Sie kann auf Tat­sa­chen gestützt wer­den, die oh­ne­hin nach § 529 ZPO der Ent­schei­dung über die Be­ru­fung zu­grun­de zu le­gen sind. Die Ansprüche hängen vom Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses und da­mit von der Wirk­sam­keit der Kündi­gung ab, die oh­ne­hin zur Ent­schei­dung steht.

Die Be­ru­fung hat auch in der Sa­che über­wie­gend Er­folg. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ist teil­wei­se ab­zuändern, weil das Ar­beits­ge­richt die Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen hat. Die Kündi­gung ist gemäß § 174 Satz 1 ZPO un­wirk­sam. Auf­grund des Fort­be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der Be­fris­tung am 31. März 2009 ist die Be­klag­te un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges auch zur Zah­lung der Vergütung für die Mo­na­te De­zem­ber 2008 bis ein­sch­ließlich März 2009 in ein­ge­klag­ter Höhe so­wie zur Ab­gel­tung von 24 Ur­laubs­ta­gen für das Jahr 2008 und von sie­ben Ur­laubs­ta­gen für das Jahr 2009 ver­pflich­tet. Un­be­gründet und da­her zurück­zu­wei­sen ist die Be­ru­fung je­doch, so­weit die Kläge­rin An­nah­me­ver­zugs­vergütung für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2008 bis No­vem­ber 2008 ver­langt. Die­se Ansprüche sind man­gels recht­zei­ti­ger Gel­tend­ma­chung un­ter Wah­rung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist ver­fal­len.

1.

Die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 25. Au­gust 2008 ist gemäß § 174 Satz 1 BGB un­wirk­sam.

Nach § 174 Satz 1 BGB ist ein ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft, das ein Be­vollmäch­tig­ter ei­nem An­de­ren ge­genüber vor­nimmt, un­wirk­sam, wenn der Be­vollmäch­tig­te ei­ne Voll­machts­ur­kun­de nicht vor­legt und der an­de­re das Rechts­geschäft aus die­sem Grund un­verzüglich zurück­weist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt.

Die Kündi­gung ist ei­ne ein­sei­ti­ge emp­fangs­bedürf­ti­ge Wil­lens­erklärung. Die­se ist im Streit­fall nicht durch den Geschäftsführer der Be­klag­ten als ih­rem ge­setz­li­chen Ver­tre­ter, son­dern durch ei­nen Drit­ten, Herrn B, aus­ge­spro­chen wor­den. Die­ser hat sei­ne Be­vollmäch­ti­gung ge­genüber der Kläge­rin beim Aus­spruch der Kündi­gung nicht durch Vor­la­ge ei­ner Voll­machts­ur­kun­de nach­ge­wie­sen. Aus die­sem Grund hat die Kläge­rin die Kündi­gung un­verzüglich im Sin­ne des § 121 Abs. 1 Satz 1 BGB durch das Schrei­ben ih­rer Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 28. Au­gust 2008 zurück­ge­wie­sen. Die Zeit zwi­schen dem Zu­gang des Kündi­gungs­schrei­bens am 25. Au­gust 2008 und der Zurück­wei­sung am 28. Au­gust 2008 ist nach den von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen ( BAG Ur­teil vom 30.Mai 1978 – 2 AZR 633/76 – AP Nr. 2 zu § 174 BGB; Hess. LAG Ur­teil vom 20.Ju­ni 2000 – 9 Sa 1899/99 – NZA-RR 2000, 585 m. w. N.) als an­ge­mes­se­ne Über­le­gungs­frist an­zu­se­hen.

Die Zurück­wei­sung war auch nicht gemäß § 174 Satz 2 BGB aus­ge­schlos­sen. Gemäß § 174 Satz 2 BGB ist ei­ne Zurück­wei­sung aus­ge­schlos­sen, wenn der Voll­macht­ge­ber den An­de­ren von der Be­vollmäch­ti­gung in Kennt­nis ge­setzt hat. Der Kündi­gungs­empfänger soll nach § 174 BGB nur dann zur Zurück­wei­sung der Kündi­gungs­erklärung be­fugt sein, wenn er kei­ne Ge­wiss­heit hat, ob der Erklären­de wirk­lich be­vollmäch­tigt ist und der Ver­tre­te­ne die Erklärung ge­gen sich gel­ten las­sen muss ( BAG Ur­teil vom 20. Au­gust 1997 – 2 AZR 518/96 – AP Nr. 11 zu § 620 BGB Kündi­gungs­erklärung m. w. N.). In den Mo­ti­ven zum BGB (vgl. Mo­ti­ve zu dem Ent­wur­fe ei­nes Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches für das deut­sche Reich I, S. 240 zu § 122 BGB ) wird zur Be­gründung der Re­ge­lung aus­geführt, wenn je­mand ein ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft, z. B. ei­ne Kündi­gung, ge­genüber ei­nem Be­tei­lig­ten als Be­vollmäch­tig­ter im Na­men ei­nes An­de­ren vor­neh­me, oh­ne sich über die er­teil­te Voll­macht aus­zu­wei­sen, so ge­ra­te der Be­tei­lig­te in­so­fern in ei­ne ungüns­ti­ge La­ge, als er kei­ne Ge­wiss­heit darüber ha­be, ob das Rechts­geschäft von ei­nem wirk­lich Be­vollmäch­tig­ten aus­ge­he und der Ver­tre­te­ne das­sel­be ge­gen bzw. für sich gel­ten las­sen müsse. Es er­schei­ne an­ge­mes­sen, dem Drit­ten da­durch zu Hil­fe zu kom­men, dass ihm das Recht ge­ge­ben wer­de, ein oh­ne Vor­le­gung ei­ner Voll­machts­ur­kun­de ihm ge­genüber vor­ge­nom­me­nes ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft der frag­li­chen Art so­fort bei der Vor­nah­me oder bei Geschäften un­ter Ab­we­sen­den oh­ne schuld­haf­tes Zögern nach der Vor­nah­me we­gen man­geln­den Nach­wei­ses der Voll­macht zurück­zu­wei­sen. Die Vor­schrift ent­spre­che ei­ner bil­li­gen Rück­sicht­nah­me, während an­de­rer­seits von der­sel­ben ei­ne Be­en­gung des Ver­keh­res und na­ment­lich ei­ne Er­schwe­rung der Er­le­di­gung der Geschäfte durch Ver­mitt­lung von Rechts­anwälten kaum zu be­sor­gen ste­he.

Ei­ne sol­che Un­ge­wiss­heit, ob der Erklären­de wirk­lich be­vollmäch­tigt war und der Be­vollmäch­ti­gen­de die­se Erklärung ge­gen sich gel­ten las­sen muss, kann bei Aus­spruch ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung dann nicht be­ste­hen, wenn der Ar­beit­ge­ber die Ar­beit­neh­mer all­ge­mein darüber in Kennt­nis ge­setzt hat, dass ein be­stimm­ter Mit­ar­bei­ter zu der­ar­ti­gen Erklärun­gen wie ei­ner Kündi­gung be­vollmäch­tigt ist. Dies kann et­wa da­durch ge­sche­hen, dass der be­tref­fen­de Mit­ar­bei­ter in ei­ne Stel­lung be­ru­fen wird, mit der das Kündi­gungs­recht re­gelmäßig ver­bun­den ist, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer po­si­ti­ve Kennt­nis von der da­mit ver­bun­de­nen Kündi­gungs­be­fug­nis ha­ben muss ( BAG Ur­teil vom 20. Au­gust 1997 – 2 AZR 518/96 – a.a.O.; BAG Ur­teil vom 30. Mai 1972 – 2 AZR 298/71 – a.a.O.; BAG Ur­teil vom 22. Ja­nu­ar 1998 – 2 AZR 267/97 – AP Nr. 11 zu § 174 BGB). Das In­kennt­nis­set­zen im Sin­ne des § 174 Satz 2 BGB liegt ge­genüber Be­triebs­an­gehöri­gen in der Re­gel dar­in, dass der Ar­beit­ge­ber be­stimm­te Mit­ar­bei­ter, z. B. durch die Be­stel­lung zum Pro­ku­ris­ten, Ge­ne­ral­be­vollmäch­tig­ten oder Lei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung, in ei­ne Stel­lung be­ruft, mit der das Kündi­gungs­recht ver­bun­den zu sein pflegt ( BAG Ur­teil vom 30. Mai 1972 – 2 AZR 298/71 – a.a.O.; BAG Ur­teil vom 29. Ju­ni 1989 – 2 AZR 482/88 – AP Nr. 7 zu § 174 BGB; BAG Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2006 – 6 AZR 82/06 – AP Nr. 19 zu § 174 BGB m.w.N.). Hat der Ar­beit­neh­mer, dem ge­genüber ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen wird, Kennt­nis da­von, dass der die Kündi­gung Erklären­de die be­son­de­re Stel­lung in­ne­hat­te, dann ist ihm zu­zu­rech­nen, dass er des­sen Be­vollmäch­ti­gung ge­kannt hat ( BAG Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2006 – 6 AZR 82/06 – a.a.O.). Er­for­der­lich ist da­nach je­doch, dass der Erklärungs­empfänger auch da­von in Kennt­nis ge­setzt war, dass der Erklären­de ei­ne Stel­lung in­ne­hat, die mit der Kündi­gungs­be­fug­nis ver­bun­den ist. § 174 Satz 2 BGB ver­langt kei­ne Nach­for­schun­gen vom Erklärungs­empfänger über die Be­vollmäch­ti­gung des Erklären­den, son­dern ein In­kennt­nis­set­zen und da­mit ein Han­deln des Ver­tre­te­nen zur In­for­ma­ti­on des Erklärungs­empfängers ( BAG Ur­teil vom 20. Au­gust 1997 – 2 AZR 518/96 – a.a.O.; BAG Ur­teil vom 20. Sep­tem­ber 2006 – 6 AZR 82/06 – a.a.O.). In der Re­gel wird für die In­kennt­nis­set­zung ge­genüber Be­triebs­an­gehöri­gen die Be­ru­fung in die Stel­lung genügen, weil da­von aus­zu­ge­hen ist, dass ih­nen die Über­tra­gung der Stel­lung zur Kennt­nis ge­langt (BAG Ur­teil vom 09. Mai 1985 – 2 AZR 355/84 – n.v., ju­ris). Nach Sinn und Zweck des § 174 BGB , wie er ins­be­son­de­re auch in den Mo­ti­ven zum Aus­druck kommt, reicht die Über­tra­gung des Am­tes als Be­kannt­ga­be der Be­vollmäch­ti­gung aber nicht ge­ne­rell aus (a.A. LAG Köln Ur­teil vom 23. Ja­nu­ar 2008 – 7 Sa 1027/07 – ju­ris). Für die In­kennt­nis­set­zung reicht die Be­ru­fung in die Stel­lung dann nicht, wenn nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass dem Erklärungs­empfänger da­durch die Über­tra­gung der Stel­le zur Kennt­nis ge­langt. Dem­gemäß hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt im Ur­teil vom 09. Mai 1985 (– 2 AZR 355/94 – a.a.O.) die Be­stel­lung des Be­vollmäch­tig­ten zum Pro­ku­ris­ten ge­genüber ei­nem frei­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer nicht aus­rei­chen las­sen, da die­sem ge­genüber die Über­tra­gung der Stel­le nicht zur Kennt­nis ge­langt war. Auch das LAG Rhein­land-Pfalz hat in sei­nem Ur­teil vom 04. Ju­ni 2008 (– 7 Sa­Ga 4/08 – ju­ris) für den Aus­schluss der Zurück­wei­sung gemäß § 174 Abs. 2 BGB die bloße Über­tra­gung ei­ner Per­so­nal­lei­ter­funk­ti­on nicht aus­rei­chen las­sen, son­dern auch die In­kennt­nis­set­zung von der Über­tra­gung ge­for­dert. Dass ei­ne In­kennt­nis­set­zung von der Über­tra­gung der Stel­lung, mit der das Kündi­gungs­recht ver­bun­den zu sein pflegt, grundsätz­lich ent­behr­lich wäre, lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten aus der Recht­spre­chung im Übri­gen nicht ent­neh­men. Al­lein das LAG Köln ver­weist in der ge­nann­ten Ent­schei­dung oh­ne nähe­re Be­gründung dar­auf, dass al­lein in der Über­tra­gung des Am­tes ei­ne Be­kannt­ga­be der Be­vollmäch­ti­gung im Sin­ne des § 174 Satz 2 BGB zu se­hen sei, oh­ne dass es dar­auf an­kom­me, dass ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer des Un­ter­neh­mens kon­kret über die Über­nah­me des Am­tes durch ei­ne be­stimm­te Per­son in­for­miert wer­den. In den übri­gen Ent­schei­dun­gen wird zwar nicht aus­drück­lich die In­kennt­nis­set­zung von der Stel­lenüber­tra­gung ge­for­dert. Hier­aus lässt sich je­doch auch nicht der Schluss zie­hen, dass ei­ne sol­che als ge­ne­rell ent­behr­lich an­ge­se­hen wor­den wäre. In den zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fällen war nicht die Stel­len­in­ha­ber­schaft strei­tig oder un­be­kannt, son­dern al­lein, ob mit der be­kann­ten Über­tra­gung der Stel­le Kündi­gungs­voll­macht ver­bun­den war (vgl. u. a. Hess. LAG, Ur­teil vom 20. Ju­ni 2000 – 9 Sa 1899/99 – a.a.O.; BAG Ur­teil vom 30. Mai 1972 – 2 AZR 298/71 – a.a.O.; Hess. LAG Ur­teil vom 19. April 2002 – 9 Sa 865/01 – ju­ris; BAG Ur­teil vom 03. Ju­li 2003 – 2 AZR 235/02 – AP Nr. 45 zu § 1 KSchG 1969 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung; LAG Meck­len­burg-Vor­pom­mern Ur­teil vom 01. De­zem­ber 2006 – 3 Sa 309/05 – ju­ris).

Bei An­wen­dung der vor­ge­nann­ten Grundsätze war ei­ne Zurück­wei­sung der Kündi­gung durch die Kläge­rin im Streit­fall nicht gemäß § 174 Satz 2 BGB aus­ge­schlos­sen, da die Kläge­rin bei Aus­spruch der Kündi­gung nicht von der Be­vollmäch­ti­gung des Herrn B in Kennt­nis ge­setzt wor­den. Zwar hat die Be­klag­te die Kläge­rin durch Ziff. 14 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges da­von in Kennt­nis ge­setzt, dass auch Nie­der­las­sungs­lei­ter zur Kündi­gung be­rech­tigt sind. Da­von, dass die Kläge­rin auch da­von in Kennt­nis ge­setzt wor­den ist, dass Herr B in die Stel­lung des Nie­der­las­sungs­lei­ters be­ru­fen wor­den ist, kann je­doch nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Die Kläge­rin hat un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen, dass ihr Herr B we­der vom Na­men noch von der Per­son her be­kannt ge­we­sen sei und dass sie auch kei­ne Kennt­nis da­von ge­habt ha­be, dass es sich bei ihm um ei­nen Beschäftig­ten der Be­klag­ten ge­han­delt hat und erst Recht nicht da­von, dass er Nie­der­las­sungs­lei­ter der Be­klag­ten war. Ei­ne In­kennt­nis­set­zung lässt sich auch aus den Umständen nicht ent­neh­men. Ins­be­son­de­re wur­de der Ar­beits­ver­trag nicht durch Herrn C. un­ter­zeich­net. Auf­grund der Be­son­der­hei­ten des Per­so­nal­ein­sat­zes in Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men, bei de­nen die Mit­ar­bei­ter nicht in den ei­ge­nen Be­triebsräum­lich­kei­ten, son­dern in den Räum­lich­kei­ten der je­wei­li­gen Kun­den ein­ge­setzt wer­den und der Kon­takt der Ar­beit­neh­mer sich in der Re­gel auf Kon­tak­te zu den in den glei­chen Ob­jek­ten ein­ge­setz­ten Kol­le­gen und den je­wei­li­gen Ob­jekt­ver­ant­wort­li­chen be­schränkt, kann an­ders als in an­de­ren Be­trie­ben auch nicht oh­ne Wei­te­res als Re­gel un­ter­stellt wer­den, dass den be­triebs­an­gehöri­gen Mit­ar­bei­tern die Über­tra­gung be­stimm­ter Führungs­auf­ga­ben durch die Tätig­keit der be­tref­fen­den Mit­ar­bei­ter zur Kennt­nis ge­langt. Umstände, aus de­nen die Kläge­rin die Über­tra­gung der Nie­der­las­sungs­lei­tung auf Herrn B hätte be­kannt sein müssen, hat die Be­klag­te nicht dar­ge­tan. Durch Ziff. 14 Abs. 3 des Ar­beits­ver­tra­ges ist sie le­dig­lich abs­trakt da­von in Kennt­nis ge­setzt wor­den, dass Nie­der­las­sungs­lei­ter zur Kündi­gung be­rech­tigt sind, je­doch nicht da­von, dass es sich bei Herrn B um ei­nen solch kündi­gungs­be­rech­tig­ten Nie­der­las­sungs­lei­ter han­delt.

2.

Der Kläge­rin steht ge­genüber der Be­klag­ten auch ein An­spruch auf Zah­lung von € 1.515,90 brut­to als Ar­beits­vergütung für die Zeit vom 01. De­zem­ber 2008 bis zum 31. März 2009 un­ter dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges auf­grund des Ar­beits­ver­tra­ges i. V. m. §§ 611 , 615 BGB zu.

Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat im vor­ge­nann­ten Zeit­raum fort­be­stan­den. Auf­grund der Un­wirk­sam­keit der be­klag­ten­seits mit Schrei­ben vom 25. Au­gust 2008 aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ist es nicht mit Ab­lauf des 8. Sep­tem­ber 2008 be­en­det wor­den. Auch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände, die zu ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 31. März 2009 geführt hätten, sind nicht er­sicht­lich.

Für die vor­ge­nann­te Zeit ist die Be­klag­te gemäß § 615 BGB zur Vergütungs­zah­lung ver­pflich­tet, ob­wohl die Kläge­rin kei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht hat, weil die Be­klag­te sich in die­ser Zeit in An­nah­me­ver­zug be­fun­den hat. Ein Ar­beit­ge­ber gerät durch den Aus­spruch ei­ner un­wirk­sa­men or­dent­li­chen Kündi­gung mit Ab­lauf der Kündi­gungs­frist in An­nah­me­ver­zug, oh­ne dass es auch nur ei­nes wört­li­chen Ar­beits­an­ge­bo­tes des Ar­beit­neh­mers be­darf ( BAG Ur­teil vom 13. Ju­li 2005 – 5 AZR 578/04 – in AP Nr. 112 zu § 615 BGB; BAG Ur­teil vom 05. No­vem­ber 2003 – 5 AZR 562/02 – AP Nr. 106 zu § 615 BGB m.w.N.). Ein An­ge­bot ist gemäß § 296 BGB ent­behr­lich, weil der Ar­beit­ge­ber durch die Kündi­gung auf die Ar­beits­leis­tung nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist ver­zich­tet und der ihm ob­lie­gen­den Mit­wir­kungs­hand­lung, für die ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit ei­nen funk­ti­onsfähi­gen Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len, nicht nach­kommt. Vor­lie­gend ist die Be­klag­te dem­zu­fol­ge durch Aus­spruch der Kündi­gung vom 25. Au­gust 2008 mit Ab­lauf des 8. Sep­tem­ber 2008 in An­nah­me­ver­zug ge­ra­ten.

Gemäß § 615 BGB kann die Kläge­rin für die in­fol­ge des An­nah­me­ver­zu­ges aus­ge­fal­le­ne Ar­beits­zeit die ihr nach dem Ar­beits­ver­trag zu­ste­hen­de Vergütung ver­lan­gen. Da­nach ste­hen der Kläge­rin Vergütungs­an­spru­che in der gel­tend ge­mach­ten Höhe zu.

Nach dem Vor­brin­gen der Par­tei­en ist von ei­ner maßgeb­li­chen Ar­beits­zeit von zwei St­un­den pro Tag ver­teilt auf sechs Ta­ge pro Wo­che aus­zu­ge­hen. Die Be­klag­te hat die Be­haup­tung die Kläge­rin zur tägli­chen Ar­beits­zeit aus­drück­lich bestätigt und ist der Be­haup­tung die Kläge­rin, die­se tägli­che Ar­beits­zeit ha­be sie an sechs Ta­gen pro Wo­che zu er­brin­gen ge­habt, nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Da­her ist die­ses Vor­brin­gen gemäß § 138 ZPO als zu­ge­stan­den an­zu­se­hen. Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser Ar­beits­zeit ent­fie­len auf den Mo­nat De­zem­ber 2008 oh­ne Berück­sich­ti­gung der Fei­er­ta­ge 25 Ar­beits­ta­ge, auf den Mo­nat Ja­nu­ar 2009 26, auf den Mo­nat Fe­bru­ar 2009 24 und auf den Mo­nat März 2009 26 Ar­beits­ta­ge. Die Kläge­rin kann da­her für die be­gehr­ten 50 Ar­beits­stun­den des Mo­nats De­zem­ber 2008 so­wie für die 52 Ar­beits­stun­den des Mo­nats Ja­nu­ar 2009 und je­den­falls für die zu­grun­de ge­leg­ten 40 Ar­beits­stun­den des Mo­nats Fe­bru­ar 2009 und die 44 Ar­beits­stun­den des Mo­nats März 2009, in der sie in Fol­ge des An­nah­me­ver­zu­ges der Be­klag­ten kei­ne Ar­beits­leis­tung er­bracht hat, Ar­beits­vergütung ver­lan­gen. Zu­grun­de­zu­le­gen ist da­bei ein Brut­to­stun­den­lohn in Höhe von € 8,15. Zwar ha­ben die Par­tei­en im Ar­beits­ver­trag ei­ne Pau­schal­vergütung von € 350,00 ver­ein­bart. Nach dem Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Min­destlöhne für ge­werb­li­che Ar­beit­neh­mer in der Gebäuderei­ni­gung im Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (TV Min­dest­lohn) vom 29. Fe­bru­ar 2008, der auf­grund zum 1. März 2008 hin er­folg­ter All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung un­abhängig von ei­ner Ta­rif­bin­dung kraft Ver­bands­zu­gehörig­keit gemäß § 5 Abs. 4 Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG) auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zur An­wen­dung kommt, steht der Kläge­rin ei­ne Brut­to­stun­den­vergütung in Höhe von € 8,15 zu. Vom Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen sind gemäß § 4 Abs. 4 TVG nur zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers ge­stat­tet. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Pau­schal­vergütung bleibt je­doch hin­ter der der Kläge­rin auf­grund des Ta­rif­ver­tra­ges zu­ste­hen­den Vergütung zurück.

Die vor­ge­nann­ten Ansprüche hat die Kläge­rin auch un­ter Wah­rung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Auf­grund zum 01. April 2004 er­folg­ter All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung fin­det auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en auch der Rah­men­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung vom 04. Ok­to­ber 2003 (RTV) gemäß § 5 Abs. 4 TVG An­wen­dung. Gemäß § 22 RTV ver­fal­len al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, wenn sie nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den und im Fal­le der Ab­leh­nung durch die Ge­gen­par­tei bzw. Nichterklärung bin­nen zwei Wo­chen nach Gel­tend­ma­chung des An­spruchs nicht bin­nen wei­te­rer zwei Mo­na­te nach Ab­leh­nung oder Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den. Gemäß § 8 Ziff. 2 RTV ist ein ver­ein­bar­ter Mo­nats­lohn spätes­tens am 15. des Fol­ge­mo­nats fällig. Die Vergütungs­ansprüche für die Mo­na­te De­zem­ber 2008 und Ja­nu­ar 2009 wa­ren da­mit am 15. Ja­nu­ar 2009 bzw. 15. Fe­bru­ar 2009 fällig. Die­se Ansprüche hat die Kläge­rin durch die der Be­klag­ten am 10. März 2009 zu­ge­stell­te Be­ru­fungs­schrift, mit der die Kläge­rin auch Vergütung für die Mo­na­te De­zem­ber 2008 und Ja­nu­ar 2009 ein­ge­klagt hat, un­ter Wah­rung bei­der Stu­fen der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist gel­tend ge­macht und die Vergütungs­ansprüche der Mo­na­te Fe­bru­ar 2009 und März 2009 durch die Kla­ge­er­wei­te­rung vom 08. April 2009.

Der Zins­an­spruch folgt aus den §§ 286 , 288 BGB . Die Be­klag­te ist durch bloße Nicht­zah­lung der für die je­wei­li­gen Mo­na­te am 15. der Fol­ge­mo­na­te fällig ge­wor­de­nen Vergütung mit Wir­kung ab dem je­wei­li­gen Fol­ge­tag in Ver­zug ge­ra­ten, oh­ne dass es ei­ner ver­zugs­be­gründen­den Mah­nung be­durf­te, weil für die Zah­lung auf­grund der maßgeb­li­chen ta­rif­li­chen Be­stim­mung des § 8 Ziff. 2 RTV ein Zeit­punkt nach dem Ka­len­der be­stimmt war ( § 286 BGB ). Ei­ne Geld­schuld ist gemäß § 288 BGB im Ver­zug mit dem aus­ge­ur­teil­ten ge­setz­li­chen Zins­satz zu ver­zin­sen.

3.

Vergütung für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2008 bis No­vem­ber 2008 kann die Kläge­rin von der Be­klag­ten al­ler­dings nicht ver­lan­gen, weil ent­stan­de­ne Vergütungs­ansprüche man­gels recht­zei­ti­ger Gel­tend­ma­chung gemäß § 22 RTV ver­fal­len sind.

Wie dar­ge­legt, er­fas­sen die Rechts­nor­men des RTV auf­grund er­folg­ter All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­erklärung gemäß § 5 Abs. 4 TVG auch die nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Par­tei­en des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens. Zur Wah­rung der Vergütungs­ansprüche der Mo­na­te Sep­tem­ber 2008 bis No­vem­ber 2008 hätte es da­her der Gel­tend­ma­chung die­ser Ansprüche gemäß § 22 RTV be­durft. Mit der er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat die Kläge­rin zwar noch die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­frist für die Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung für die Zeit ab Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 08. Sep­tem­ber 2008 ge­wahrt. Die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge wahrt aber schon nicht mehr die ers­te Stu­fe der Ver­fall­klau­sel hin­sicht­lich der Vergütungs­ansprüche für die Zeit vom 01. bis 08. Sep­tem­ber 2008. Ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­inhal­tet die wirk­sa­me Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen aus An­nah­me­ver­zug, wenn die ta­rif­li­che Ver­fall­klau­sel nur die form­lo­se oder schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen for­dert ( BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – AP Nr. 188 zu § 4 TVG Aus­schluss­fris­ten mwN). Das Ge­samt­ziel der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist in der Re­gel nicht auf den Er­halt des Ar­beits­plat­zes be­schränkt, son­dern zu­gleich auf die Si­che­rung von Ansprüchen ge­rich­tet, die durch den Ver­lust der Ar­beits­stel­le mögli­cher­wei­se ver­lo­ren ge­hen. Mit der Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist der Ar­beit­ge­ber aus­rei­chend vom Wil­len des Ar­beit­neh­mers un­ter­rich­tet, die durch die Kündi­gung be­droh­ten Ent­gelt­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis auf­recht zu er­hal­ten ( BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – a.a.O.). Von die­ser Gel­tend­ma­chung nicht er­fasst sind je­doch Ansprüche für Zei­ten vor Ab­lauf der Kündi­gungs­frist, da die­se nicht vom Er­geb­nis des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens abhängen.

Die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge wahrt je­doch auch für die vom Er­geb­nis des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens abhängen­den An­nah­me­ver­zugs­vergütungs­ansprüche nicht die zwei­te Stu­fe der der ta­rif­li­chen Ver­fall­klau­sel des § 22 RTV , mit der ei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen ver­langt wird. Die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Vergütungs­ansprüchen setzt die Ein­rei­chung ei­ner Kla­ge vor­aus, de­ren Streit­ge­gen­stand die­se Ansprüche sind. Ge­gen­stand ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung. Sie enthält auch dann kei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Zah­lungs­ansprüchen, wenn die­se vom Be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängen ( BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – a.a.O.). Auf die Ent­schei­dung des BAG vom 19. März 2008 – (5 AZR 429/07 – AP Nr. 11 zu § 305 BGB) kann die Kläge­rin sich nicht be­ru­fen. Da­nach genügt zwar für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen zur Wah­rung von Aus­schluss­fris­ten die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge, um das Erlöschen der vom Aus­gang des Kündi­gungs­schutz­rechts­streits abhängi­gen An­nah­me­ver­zugs­vergütungs­ansprüche des Ar­beit­neh­mers zu ver­hin­dern. Dies gilt je­doch nur für sol­che Aus­schluss­fris­ten, die in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ge­re­gelt sind. Die­se Ent­schei­dung lässt sich we­gen der un­ter­schied­li­chen Prüfungs­maßstäbe je­doch nicht auf ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten an­wen­den.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, als wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind ( BAG Ur­teil vom 19. März 2008 – 5 AZR 429/07 – a.a.O.). Maßge­bend sind die Verständ­nismöglich­kei­ten des ty­pi­scher­wei­se bei Verträgen der ge­re­gel­ten Art zu er­war­ten­den nicht rechts­kun­di­gen Ver­trags­part­ners. Der Ver­wen­der ist dem­gemäß ver­pflich­tet, die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. Sie müssen so ge­stal­tet sein, dass der nicht rechts­kun­di­ge Durch­schnitts­ar­beit­neh­mer die be­nach­tei­li­gen­de Wir­kung oh­ne Ein­ho­lung von Rechts­rat er­ken­nen kann. Ist der Wort­laut ei­nes For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­text aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss ( BAG Ur­teil vom 19.03.2008 – 5 AZR 429/07 – a.a.O.). Die in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für Aus­schluss­fris­ten gewähl­te For­mu­lie­rung, wo­nach Ansprüche ein­zu­kla­gen oder ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen sind, kann von ei­nem nicht rechts­kun­di­gen Durch­schnitts­ar­beit­neh­mer nicht so ver­stan­den wer­den, dass nur die Er­he­bung der be­zif­fer­ten Leis­tungs­kla­ge dem Er­for­der­nis genügt. Er darf sie viel­mehr so ver­ste­hen, dass je­de pro­zes­sua­le Aus­ein­an­der­set­zung über den An­spruch sei­ne Ob­lie­gen­heit erfüllt (BAG Ur­teil vom 19.03.2008 – a.a.O.).

Die nor­ma­ti­ven Tei­le von Ta­rif­verträgen sind dem­ge­genüber wie Ge­set­ze aus­zu­le­gen. Da­bei ist zunächst vom Ta­rif­wort­laut aus­zu­ge­hen, wo­bei der maßgeb­li­che Sinn der Erklärung zu er­for­schen ist, oh­ne am Buch­sta­ben zu haf­ten. Bei ei­nem nicht ein­deu­ti­gen Ta­rif­wort­laut ist der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit­zu­berück­sich­ti­gen, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Ab­zu­stel­len ist stets auf den ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang, weil die­ser An­halts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en lie­fert und nur so Sinn und Zweck der Ta­rif­norm er­mit­telt wer­den kann. Lässt dies zwei­fels­freie Aus­le­gungs­er­geb­nis­se nicht zu, dann können oh­ne Bin­dung an ei­ne Rei­hen­fol­ge wei­te­re Kri­te­ri­en wie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ta­rif­ver­tra­ges, ggf. auch die prak­ti­sche Ta­rifübung ergänzend her­an­ge­zo­gen wer­den. Auch die Prak­ti­ka­bi­lität denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Ta­rif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung führt ( BAG Ur­teil vom 29. Au­gust 2001 – 4 AZR 337/00 – AP Nr. 174 zu § 1 TVG Aus­le­gung; BAG Ur­teil vom 16. Ju­ni 2004 – 4 AZR 408/03 – AP Nr. 24 zu § 4 TVG Ef­fek­tiv­klau­sel; BAG Ur­teil vom 06. Ju­li 2006 – 2 AZR 587/05 – AP Nr. 201 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge Me­tall­in­dus­trie). So­weit sich die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en der ju­ris­ti­schen Fach­spra­che be­die­nen, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass sie die ent­spre­chen­den Be­grif­fe in der Be­deu­tung der Fach­spra­che ver­wen­den (Er­fur­ter Kom­men­tar/Fran­zen, 9. Aufl. 2009, § 1 TVG RdN. 97; BAG Ur­teil vom 9.08.1987 – 4 AZR 128/87 – AP Nr. 3 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge Fern­ver­kehr). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nach ständi­ger bis in das Jahr 1985 zurück­rei­chen­der Recht­spre­chung die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von vom Aus­gang ei­nes Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens abhängen­der An­nah­me­ver­zugs­vergütungs­ansprüche nicht aus­rei­chen las­sen, son­dern die Ein­rei­chung ei­ner Kla­ge ver­langt, de­ren Streit­ge­gen­stand die­se Ansprüche sind ( BAG Ur­teil vom 08. Au­gust 1985 – 2 AZR 459/84 – AP Nr. 94 zu § 4 TVG Aus­schluss­fris­ten; BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – a.a.O.). Auf­grund die­ser über Jah­re ge­fes­tig­ten Recht­spre­chung ist von ei­nem ent­spre­chen­den Verständ­nis der ju­ris­ti­schen Fach­krei­se aus­zu­ge­hen, die nur ei­ne dem­ent­spre­chen­de Aus­le­gung ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten, die die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen for­dert, zulässt.

Ein­ge­klagt hat die Kläge­rin die Vergütung für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2008 bis No­vem­ber 2008 erst­mals mit Kla­ge­er­wei­te­rung vom 16. Ju­ni 2009 und da­mit weit nach Ver­fall der Ansprüche. Die Be­klag­te hat die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs­vergütungs­ansprüche spätes­tens mit dem in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 4. De­zem­ber 2008 ge­stell­ten Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag ab­ge­lehnt. Eben­so wie der Ar­beit­ge­ber ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ent­neh­men muss, dass der Ar­beit­neh­mer Zah­lungs­ansprüche, die sich aus dem fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben, gel­tend ma­chen will, hat der Ar­beit­neh­mer den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers im Rah­men des Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass der Ar­beit­ge­ber die­se Ansprüche zurück­weist und ih­re Erfüllung ab­lehnt ( BAG Ur­teil vom 14. Au­gust 2002 – 5 AZR 341/01 – BA­GE 102, 161, 164; BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – a.a.O.). Der Zweck von Aus­schluss­fris­ten, über das Be­ste­hen von Ansprüchen nach Frist­ab­lauf nicht mehr strei­ten zu müssen, be­steht für bei­de Sei­ten in glei­cher Wei­se. Der je­wei­li­ge Schuld­ner soll sich dar­auf ver­las­sen können, dass nach Ab­lauf der Aus­schluss­frist ge­gen ihn kei­ne Ansprüche mehr er­ho­ben wer­den ( BAG Ur­teil vom 26. April 2006 – 5 AZR 403/05 – a.a.O.). Aus­ge­hend von ei­ner Ab­leh­nung der Vergütungs­ansprüche durch die Be­klag­te durch den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag vom 4. De­zem­ber 2008 hätte ei­ne Vergütungs­kla­ge bin­nen zwei Mo­na­ten ab die­sem Zeit­punkt, d.h. spätes­tens bis zum 4. Fe­bru­ar 2009 er­ho­ben wer­den müssen. Da die Vergütungs­ansprüche der Mo­na­te Sep­tem­ber 2008 bis No­vem­ber 2008 be­reits bei Stel­lung des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­tra­ges für ei­ne sol­che Kla­ge mit Schrift­satz vom 27. Fe­bru­ar 2009 ver­fal­len wa­ren, be­darf es vor­lie­gend auch kei­ner Ent­schei­dung, ob der Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag als ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung der Ansprüche zur Wah­rung der zwei­ten Stu­fe der Ver­fall­frist genügt hätte.

4.

Der Kläge­rin steht ge­genüber der Be­klag­ten je­doch ein An­spruch auf Zah­lung von € 114,10 brut­to als Ab­gel­tung für sie­ben Ur­laubs­ta­ge des Jah­res 2009 gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG zu.

Gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG ist der Ur­laub, der we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht gewährt wer­den kann, ab­zu­gel­ten.

Auf­grund des in der Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2009 bis zum 31. März 2009 fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses hat die Kläge­rin gemäß den §§ 14 Ziff. 1.1 c i. V. m. Ziff. 1.4 Abs. 2 RTV ei­nen an­tei­li­gen ta­rif­li­chen Jah­res­ur­laub in Höhe von 3/12 von 28 Ar­beits­ta­gen = 6,9 Ur­laubs­ta­ge, die gemäß § 5 Abs. 2 BUrlG auf sie­ben vol­le Ta­ge auf­zu­run­den sind, er­wor­ben. Die­ser Ur­laub ist der Kläge­rin im Rah­men des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht gewährt wor­den und kann nun­mehr auch we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung mit Ab­lauf des 31. März 2009 auch nicht mehr gewährt wer­den. Ihr ist da­her ein fi­nan­zi­el­ler Aus­gleich zu gewähren.

Die Höhe der zu zah­len­den Ur­laubs­ab­gel­tung be­stimmt sich vor­lie­gend nach § 14 Ziff. 2.1 i. V. m. Ziff. 2.2 b RTV. Da­nach ist der Durch­schnitts­ver­dienst der letz­ten 12 Mo­na­te zu­grun­de zu le­gen. Bei ei­ner re­gelmäßigen Ar­beits­zeit von zwei St­un­den pro Tag ver­teilt auf ei­ne sechs-Ta­ge-Wo­che und ei­ner auch schon mit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses am 01. April 2008 maßgeb­li­chen ta­rif­li­chen Brut­to­stun­den­vergütung in Höhe von € 8,15 er­rech­net sich bei sie­ben Ur­laubs­ta­gen der zu­ge­spro­che­ne Be­trag.

Den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch hat die Kläge­rin durch ih­ren Kla­ge­er­wei­te­rungs­schrift­satz vom 08. April 2009 auch recht­zei­tig un­ter Wah­rung der zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­frist des § 22 RTV vor Ver­fall gel­tend ge­macht.

Auf die­sen Be­trag hat die Be­klag­te ab dem 16. April 2009 auch, wie be­an­tragt, Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu zah­len. Die­ser An­spruch folgt aus §§ 286 , 288 BGB . Der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch war mit der Vergütung für den Mo­nat März 2009 am 15. April 2009 fällig. Da da­nach für die Leis­tung ein Zeit­punkt nach dem Ka­len­der be­stimmt war, ist die Be­klag­te durch bloße Nicht­zah­lung bei Fällig­keit in Ver­zug ge­ra­ten, oh­ne dass es ei­ner ver­zugs­be­gründen­den Mah­nung be­durf­te ( § 286 BGB ). Ei­ne Geld­schuld ist im Ver­zug, wie dar­ge­legt, gemäß § 288 BGB mit dem aus­ge­ur­teil­ten ge­setz­li­chen Zins­satz zu ver­zin­sen.

5.

Der Kläge­rin steht ge­genüber der Be­klag­ten auch ein An­spruch auf fi­nan­zi­el­len Aus­gleich für den nicht gewähr­ten ge­setz­li­chen Ur­laub des Jah­res 2008 in Höhe von € 225,48 als Scha­dens­er­satz gemäß §§ 280 , 283 , 287 Satz 2 BGB aus dem Ge­sichts­punkt des Ver­zu­ges zu. Da­nach hat ein Schuld­ner bei von ihm zu ver­tre­ten­der Unmöglich­keit der Leis­tung Scha­dens­er­satz zu leis­ten.

Die Kläge­rin hat für das Jahr 2008 trotz erst zum 10. April 2008 be­gon­ne­nem Ar­beits­verhält­nis auf­grund Erfüllung der sechs­mo­na­ti­gen War­te­zeit des § 4 BUrlG ih­ren vol­len ge­setz­li­chen Jah­res­ur­laub von 24 Werk­ta­gen ( § 3 Abs. 1 BUrlG ) er­wor­ben. Nach Ab­lauf der War­te­zeit re­du­ziert sich der Jah­res­ur­laub gemäß § 5 Abs. 1 c BUrlG nur, wenn der Ar­beit­neh­mer nach erfüll­ter War­te­zeit in der ers­ten Hälf­te ei­nes Ka­len­der­jah­res aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det.

Die­ser ge­setz­li­che Min­des­t­ur­laub steht der Kläge­rin trotz Be­ginn des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses im Lau­fe des Ur­laubs­jah­res auch gemäß § 14 Ziff. 1.4 Abs. 3 RTV zu.

Die­ser Ur­laubs­an­spruch ist zwar gemäß § 7 Abs. 3 Satz 1 BUrlG , nach dem der Ur­laub im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den muss, mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2008 un­ter­ge­gan­gen. Die für ei­ne Über­tra­gung des Ur­laubs auf das ers­te Quar­tal des Jah­res 2009 gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen sind nicht dar­ge­tan wor­den.

Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der sich die Kam­mer an­sch­ließt, kann ein Ar­beit­neh­mer je­doch ei­nen der Ur­laubs­ab­gel­tung ent­spre­chen­den Geld­be­trag als Scha­den­er­satz für den zwi­schen­zeit­lich in Fol­ge Frist­ab­laufs er­lo­sche­nen Ur­laub for­dern, so­weit er sei­nen Ar­beit­ge­ber zu­vor da­durch in Ver­zug ge­setzt hat, dass er sei­nen Ur­laub so recht­zei­tig for­dert, dass die­ser noch vor Erlöschen des Ur­laubs­an­spruchs mit Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res bzw. mit Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums gewährt wer­den könn­te ( BAG Ur­teil vom 17. Ja­nu­ar 1995 – 9 AZR 664/93 – AP Nr. 66 zu § 7 BUrlG Ab­gel­tung; BAG Ur­teil vom 11. April 2006 – 9 AZR 523/05 – AP Nr. 28 zu § 7 BUrlG Über­tra­gung). Ei­ne sol­che In­ver­zug­set­zung ist mit Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch die Kläge­rin er­folgt. Zwar stellt die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge grundsätz­lich kei­ne Gel­tend­ma­chung von Ur­laubs­ansprüchen dar. Auch im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ob­liegt es dem Ar­beit­neh­mer da­her, die für die Fest­le­gung nach § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG maßgeb­li­chen Ur­laubswünsche zu äußern ( BAG Ur­teil vom 21. Sep­tem­ber 1999 – 9 AZR 705/98 – AP Nr. 77 zu § 7 BUrlG Ab­gel­tung). Die Kläge­rin hat je­doch im Rah­men der Kla­ge­be­gründung aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie zu­gleich mit der Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge auch ih­re Ansprüche auf Ur­laub gel­tend macht. Da­mit hat die Kläge­rin je­den­falls ih­ren Ur­laub des Jah­res 2008 hin­rei­chend ein­deu­tig ein­ge­for­dert und die Be­klag­te in Ver­zug ge­setzt. Zwar hat die Kläge­rin da­mit kei­nen nach Dau­er und zeit­li­cher Fest­le­gung kon­kre­ti­sier­ten Ur­laubs­an­trag ge­stellt. Sie hat je­doch deut­lich ge­macht, dass sie die be­klag­ten­seits aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung nicht ak­zep­tiert und vom Fort­be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses aus­geht und trotz be­ab­sich­tig­ter Be­en­di­gung auf ih­rem Ur­laub be­steht. Da­mit hat für die Be­klag­te hin­rei­chen­der An­lass be­stan­den, der Kläge­rin ggf. un­ter Auf­recht­er­hal­tung der Rechts­auf­fas­sung zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­sorg­lich Ur­laub zu gewähren, um zu ver­mei­den, bei er­folg­rei­cher Kündi­gungs­schutz­kla­ge zusätz­lich zur An­nah­me­ver­zugs­vergütung auch noch Ur­laub gewähren oder ab­gel­ten zu müssen.

Als Er­satz für den un­ter­ge­gan­ge­nen Ur­laubs- und Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch steht der Kläge­rin, wie dar­ge­legt, gemäß § 14 Ziff. 2.1 i. V. m. 2.2 b RTV ein Be­trag ent­spre­chend dem un­ter Zu­grun­de­le­gung der Durch­schnitts­vergütung zu er­mit­teln­der Ur­laubs­lohn zu. Bei 24 Ur­laubs­ta­gen und ei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit von zwei St­un­den er­rech­net sich dar­aus un­ter Zu­grun­de­le­gung ei­ner maßgeb­li­chen Brut­to­stun­den­vergütung von € 8,15 ein Brut­to­be­trag in Höhe von € 391,20. Abzüglich des auf den Ur­laub für das Jahr 2008 ge­zahl­ten Be­tra­ges von € 165,72, we­gen dem die Par­tei­en den Rechts­streit teil­wei­se in der Haupt­sa­che für er­le­digt erklärt ha­ben, ver­bleibt noch ein Be­trag in Höhe von € 225,48.

Hier­auf hat die Be­klag­te gemäß §§ 286 , 288 BGB aus den dar­ge­leg­ten Gründen Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz zu ent­rich­ten.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf den §§ 46 Abs. 2 ArbGG , 92 Abs. 1 , 269 Abs. 3 Satz 2 , 91 a Abs. 1 ZPO.

Die Kos­ten des ers­ten Rechts­zu­ges sind nach Abände­rung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung auf die Be­ru­fung hin ent­spre­chend dem Un­ter­lie­gens­an­teil der Par­tei­en in der Haupt­sa­che verhält­nismäßig zu tei­len.

Die Kos­ten der Be­ru­fung hat die Kläge­rin gemäß § 269 Abs. 3 Satz 2 ZPO zu tra­gen, so­weit sie die Kla­ge teil­wei­se zurück­ge­nom­men hat. So­weit die Par­tei­en den Rechts­streit übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt ha­ben, sind die Kos­ten gemäß § 91 a Abs. 1 ZPO un­ter Berück­sich­ti­gung des bis­he­ri­gen Sach- und Streit­stan­des nach bil­li­gem Er­mes­sen der Be­klag­ten auf­zu­er­le­gen, da die­se, wie dar­ge­legt, oh­ne das er­le­di­gen­de Er­eig­nis un­ter­le­gen wäre. Durch die nach Rechtshängig­keit er­folg­te Zah­lung ei­nes Teils der be­gehr­ten Ur­laubs­ab­gel­tung für das Jahr 2008 hat sie die­sen Teil­an­spruch auch an­er­kannt und sich in die Rol­le der un­ter­le­ge­nen Par­tei be­ge­ben hat. Die übri­gen Kos­ten der Be­ru­fung sind ent­spre­chend dem Un­ter­lie­gens­an­teil der Par­tei­en in der Haupt­sa­che gemäß § 92 Abs. 1 ZPO verhält­nismäßig zu tei­len.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG . Für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on für die Kläge­rin be­stand kei­ne ge­setz­lich be­gründe­te Ver­an­las­sung.

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