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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Weiterbildungskosten
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 6 AZR 160/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.11.2005
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Koblenz, Urteil vom 21.01.2004, 4 Ca 2779/03
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 11.11.2004, 6 Sa 260/04
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

6 AZR 160/05
6 Sa 260/04
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Rhein­land-Pfalz

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
17. No­vem­ber 2005

UR­TEIL

Schnei­der, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. No­vem­ber 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Arm­brüster und Prof. Dr. Fried­rich so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Knauß und Oye für Recht er­kannt:

 

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1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 11. No­vem­ber 2004 - 6 Sa 260/04 - im Kos­ten­aus­spruch und in­so­weit auf­ge­ho­ben, als es die Kla­ge­ab­wei­sung in Höhe von 4.446,48 Eu­ro nebst Zin­sen bestätigt hat.

2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 21. Ja­nu­ar 2004 - 4 Ca 2779/03 - im Kos­ten­aus­spruch auf­ge­ho­ben und im Übri­gen wie folgt teil-wei­se ab­geändert:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt an die Kläge­rin 4.446,48 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 2. Ju­li 2003 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

3. Die wei­ter­ge­hen­de Re­vi­si­on wird zurück­ge­wie­sen.

4. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin zu 1/4, die Be-klag­te hat sie zu 3/4 zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Rück­zah­lung von Wei­ter­bil­dungs­kos­ten. 

Die Be­klag­te war seit dem 1. Mai 1994 bei dem Rechts­vorgänger der Kläge­rin, dem Ver­ein der B , der in H Träger ei­nes Al­ten- und Pfle­ge­heims war, als Pfle­ge­hel­fe­rin und seit dem 1. Au­gust 1997 als Al­ten­pfle­ge­rin beschäftigt. Aus­weis­lich § 2 des Ar­beits­ver­trags fan­den die „Richt­li­ni­en für Ar­beits­verträge in den Ein­rich­tun­gen des Deut­schen Ca­ri­tas­ver­ban­des“ (nach­fol­gend AVR-Ca­ri­tas) auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung. Die AVR-Ca­ri­tas wer­den von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on der Ca­ri­tas, die pa­ritätisch mit je 28 Ver­tre­tern der Dienst­ge­ber und Mit­ar­bei­ter be­setzt ist, mit 3/4 der Stim­men be­schlos­sen. Die Be­schlüsse bedürfen zu ih­rer Wirk­sam­keit der In­kraft­set­zung durch die Diöze­s­an­bischöfe. Da­bei wirkt die Ar­beits­ge­mein­schaft der Bistümer mit. Wenn sich ein Bi­schof ent­schließt, die Be­schlüsse der Kom­mis­si­on für sei­nen Be­reich nicht in Kraft zu set­zen, ent­fal­ten sie für die Mit­ar­bei­ter der Diöze­se kei­ne Wir­kung.

Be­gin­nend ab Ja­nu­ar 2000 nahm die Be­klag­te an ei­ner Wei­ter­bil­dung Wohn- 

 

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be­reichs­lei­tung/Ver­ant­wort­li­chen Pfle­ge­fach­kraft teil. Die Be­klag­te und der Rechts­vorgänger der Kläge­rin schlos­sen ei­nen „Wei­ter­bil­dungs­ver­trag mit Rück­zah­lungs­klau­sel“, in des­sen § 2 es heißt:

„§ 2 Für die Wei­ter­bil­dung gel­ten die Richt­li­ni­en der AVR
§ 10a All­ge­mei­ner Teil, die wie folgt lau­ten:

(1) Wird ein Mit­ar­bei­ter auf Ver­an­las­sung und im Rah­men des Per­so­nal­be­darfs des Dienst­ge­bers fort- oder wei­ter­ge­bil­det, wer­den, so­fern kei­ne Ansprüche ge­gen an­de­re Kos­tenträger be­ste­hen, vom Dienst­ge­ber

a) dem Mit­ar­bei­ter, so­weit er frei­ge­stellt wer­den muß, für die not­wen­di­ge Fort- oder Wei­ter­bil­dungs­zeit die bis­he­ri­gen Dienst­bezüge (Ab­schnitt II der An­la­ge 1 zu den AVR) fort­ge­zahlt und

b) die Kos­ten der Fort- oder Wei­ter­bil­dung ge­tra­gen.

(2) Der Mit­ar­bei­ter ist ver­pflich­tet, dem Dienst­ge­ber die Auf­wen­dun­gen für ei­ne Fort- oder Wei­ter­bil­dung im Sin­ne des Ab­sat­zes 1 zu er­set­zen, wenn das Dienst­verhält­nis auf Wunsch des Mit­ar­bei­ters oder aus ei­nem von ihm zu ver­tre­ten­den Grund en­det.
Für je­den vol­len Mo­nat der Beschäfti­gung nach dem En­de der Fort- oder Wei­ter­bil­dung wer­den 1/36 des Auf­wen­dungs­be­tra­ges er­las­sen.

Ei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung be­steht nicht, wenn die Mit­ar­bei­te­rin we­gen Schwan­ger­schaft oder we­gen Nie­der­kunft in den letz­ten drei Mo­na­ten gekündigt oder ei­nen Auflösungs­ver­trag ge­schlos­sen hat.

In be­son­ders ge­la­ger­ten Fällen kann von der Rück­zah­lungs­re­ge­lung zu­guns­ten des Mit­ar­bei­ters ab­ge­wi­chen wer­den.“

Im Rah­men der Wei­ter­bil­dung fan­den im Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 2000 bis zum 1. Ju­ni 2001 zehn Kurs­blöcke mit je­weils ei­ner Dau­er von ei­ner Ar­beits­wo­che à 38,5 St­un­den statt. In den Pha­sen zwi­schen den Kurs­blöcken hat­te die Be­klag­te außer­halb ih­rer Ar­beits­zeit Haus­auf­ga­ben an­zu­fer­ti­gen, um sich mit dem Er­lern­ten näher zu beschäfti­gen und ei­ne Nach­be­rei­tung vor­zu­neh­men. Nach Ab­schluss des Block­un­ter­richts nahm die Be­klag­te an dar­auf fol­gen­den acht eintägi­gen Su­per­vi­si­ons­tref­fen teil, zu­letzt am 7. De­zem­ber 2001. Zu­dem wur­de sie be­reits ab dem 1. No­vem­ber 2001 kom­mis­sa­risch als Wohn­be­reichs­lei­te­rin ein­ge­setzt. Die er­folg­rei­che Teil­nah­me am Fort- und Wei­ter­bil­dungs­kurs wur­de der Be­klag­ten am 31. Ja­nu­ar 2002 bestätigt. Der Rechts­vorgänger der Kläge­rin beschäftig­te ab dem 1. No­vem­ber 2002 die Be­klag­te als Wohn­be­reichs­lei­te­rin. Die Be­klag­te kündig­te am 26. Fe­bru­ar 2003 das Beschäfti­gungs­verhält­nis zum 30. Ju­ni 2003 und schied aus. Mit Schrei­ben vom 25. April 2003

 

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ver­lang­te der Rechts­vorgänger der Kläge­rin die Rück­zah­lung von Wei­ter­bil­dungs­kos­ten in Höhe von 5.936,95 Eu­ro. Die Be­klag­te ver­wei­ger­te die Zah­lung. Die Kläge­rin hat die Rück­for­de­rung wie folgt be­gründet:

- Lehr­gangs­gebühren 3.543,25 Eu­ro
- Fahrt­kos­ten 200,07 Eu­ro
- fort­ent­rich­te­te Dienst­bezüge
- Ab­schluss (Zeug­nisüberg­a­be)
fort­ent­rich­te­te Dienst­bezüge 7.207,12 Eu­ro
270,52 Eu­ro
- Fahr­kos­ten 28,00 Eu­ro
- Ge­samt­auf­wen­dun­gen 11.248,96 Eu­ro

Im Rah­men der fort­ent­rich­te­ten Dienst­bezüge in Höhe von 7.477,64 Eu­ro hat die Kläge­rin fol­gen­de Ein­zel­po­si­tio­nen gel­tend ge­macht:

- So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge (je zu glei­chen Tei­len Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­an­tei­le) 2.488,74 Eu­ro
- Steu­er­abzüge 1.265,98 Eu­ro
- Net­to­bezüge 3.722,92 Eu­ro

Von dem Ge­samt­auf­wand hat die Kläge­rin ei­nen Ab­zug von 17/36 der Ge­samt­kos­ten vor­ge­nom­men, da nach ih­rer Mei­nung die Be­klag­te nach Ab­schluss der Fort­bil­dung noch 17 Mo­na­te bei ihr beschäftigt ge­we­sen sei. Die Kläge­rin for­dert die Zah­lung von 19/36 der Ge­samt­kos­ten von 11.248,96 Eu­ro = 5.936,95 Eu­ro von der Be­klag­ten.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 5.936,95 Eu­ro nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 % über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 2. Ju­li 2003 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Wei­ter­bil­dung ha­be nicht erst mit der Zeug­nisüberg­a­be, son­dern mit Ab­schluss des letz­ten Block­un­ter­richts am 1. Ju­ni 2001 ge­en­det, so dass selbst nach der Be­rech­nung der Kläge­rin je­den­falls wei­te­re 7/36 der Ge­samt­kos­ten in Ab­zug zu brin­gen sei­en. Im Übri­gen könne die Kläge­rin nicht den Brut­to­ar­beits­lohn der Be­klag­ten und die Fahrt-kos­ten, son­dern al­len­falls die be­zo­ge­nen Net­to­beträge in Rech­nung stel­len. Der Rück­zah­lungs­an­spruch be­ste­he zu­dem be­reits dem Grun­de nach nicht, da der Wei­ter­bil-

 

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dungs­ver­trag we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen § 307 Abs. 1, § 308 Nr. 7 Buchst. b BGB nich­tig sei. Die AVR-Ca­ri­tas sei­en für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen. Es han­de­le sich um all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Das glei­che müsse für den Wei­ter­bil­dungs­ver­trag gel­ten, der § 10a AVR-Ca­ri­tas wört­lich zi­tie­re. Selbst wenn die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen sei­en, ver­stießen die Rück­zah­lungs­re­ge­lun­gen we­gen der zu lan­gen Bin­dungs­dau­er ge­gen § 308 Nr. 7 Buchst. b BGB, da sie die Be­klag­te ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­lig­ten. Da ei­ne gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on nach § 307 BGB nicht zulässig sei, sei­en die Rück­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen ins­ge­samt un­wirk­sam.

Die Kläge­rin ver­tritt die Auf­fas­sung die §§ 305 ff. BGB sei­en we­der zeit­lich noch sach­lich an­wend­bar. Ei­ne In­halts­kon­trol­le der Rück­zah­lungs­ver­ein­ba­rung sei nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB aus­ge­schlos­sen. Zwar ha­be der Ge­setz­ge­ber kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en nicht aus­drück­lich ge­nannt, im Rah­men ei­ner te­leo­lo­gi­schen Aus­le­gung sei der An­wen­dungs­be­reich der §§ 305 ff. BGB aber auch im Be­reich der AVR-Ca­ri­tas ein­zu­schränken. Dies fol­ge aus der Tat­sa­che, dass die AVR-Ca­ri­tas Aus­druck des ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Selbst­be­stim­mungs­rechts der Kir­che und des­halb den im Ge­setz ge­nann­ten Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen gleich­zu­stel­len sei­en. Da­her könne le­dig­lich ei­ne ein­ge­schränk­te In­halts­kon­trol­le der AVR-Ca­ri­tas, ob sie ge­gen die Ver­fas­sung, an­de­res höher­ran­gi­ges Recht oder ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­stießen, statt­fin­den. Aber selbst wenn man die AVR-Ca­ri­tas ei­ner In­halts­kon­trol­le am Maßstab der §§ 305 ff. BGB un­ter­zie­hen wol­le, würden sie den An­for­de­run­gen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt für Rück­zah­lungs­klau­seln auf­ge­stellt hat, genügen.

Das Ar­beits­ge­richt und das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ih­ren Kla­ge­an­spruch wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist zum Teil be­gründet. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist teil­wei­se auf­zu­he­ben. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin ist das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts teil­wei­se ab­zuändern und die Be­klag­te zur Rück­zah­lung von Fort­bil­dungs­kos­ten be­ste­hend aus Lehr­gangs­gebühren, Fahrt­kos­ten, Net­to­bezüge, Ar­beit­neh­mer­an­tei­len zur So­zi­al­ver­si­che­rung und Steu­er­abzügen in Höhe von 4.446,48 Eu­ro nebst Ne­ben­for­de­run­gen zu ver­ur­tei­len. Im Übri­gen ist die Kla­ge un­be­gründet. Die wei­ter­ge­hen­de Re­vi­si­on ist des­halb zurück­zu­wei­sen.

 

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Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts, das nur ei­ne Bin­dungs­dau­er für die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung der Be­klag­ten von höchs­tens 18 Mo­na­ten an­ge­nom­men hat, ist Rechts­grund­la­ge für den An­spruch der Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te auf Rück­zah­lung der an­tei­li­gen Kos­ten der Wei­ter­bil­dung die Ver­ein­ba­rung ei­ner Bin­dungs­frist von 36 Mo­na­ten gemäß § 10a Abs. 2 Satz 1 AVR-Ca­ri­tas. Die­se Be­stim­mung ist auf Grund der Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en im Ar­beits­ver­trag und im Wei­ter-bil­dungs­ver­trag auf das Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den.

1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat of­fen­ge­las­sen, ob der An­wen­dungs­be­reich der §§ 305 ff. BGB eröff­net ist. Dies ist zu be­ja­hen.

a) Die zeit­li­che An­wend­bar­keit der §§ 305 ff. BGB ist ge­ge­ben. Zwar wur­de der ne­ben den AVR-Ca­ri­tas maßgeb­li­che Wei­ter­bil­dungs­ver­trag mit Rück­zah­lungs­klau­sel be­reits vor dem In-Kraft-Tre­ten der §§ 305 ff. BGB nF am 1. Ja­nu­ar 2002 ge­schlos­sen, je­doch fin­den sie gem. Art. 229 § 5 Satz 2 EGBGB vom 1. Ja­nu­ar 2003 an auf Dau­er­schuld­verhält­nis­se An­wen­dung. Wei­ter­bil­dungs­verträge mit Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung sind auf Grund der Bin­dung und ra­ten­wei­sen Ver­min­de­rung der Höhe der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung Dau­er­schuld­verhält­nis­se. Ver­trau­ens­schutz hat das Ge­setz den Ar­beit­ge­bern nur bis zum 31. De­zem­ber 2002 ein­geräumt.

b) Bei den AVR-Ca­ri­tas han­delt es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSd. §§ 305 ff. BGB. Die AVR-Ca­ri­tas sind für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­te Ver­trags­be­din­gun­gen, wel­che die dem Ca­ri­tas­ver­band an­ge­schlos­se­nen Ar­beit­ge­ber ih­ren Ar­beit­neh­mern stel­len.

aa) Ei­ne In­halts­kon­trol­le von Ver­trags­be­stim­mun­gen nach den §§ 305 ff. BGB un­ter­bleibt gemäß § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB nur bei Verträgen auf dem Ge­biet des Erb-, Fa­mi­li­en- oder Ge­sell­schafts­rechts so­wie bei Ta­rif­verträgen, Be­triebs- oder Dienst­ver­ein­ba­run­gen. Kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­re­ge­lun­gen hat der Ge­setz­ge­ber bei der Neu­re­ge­lung des Rechts All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen in Kennt­nis der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Rechts­qua­lität sol­cher Richt­li­ni­en (vgl. BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282) nicht in die For­mu­lie­rung des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB auf­ge­nom­men. Wenn der Ge­setz­ge­ber, an­ders als zB in § 7 Abs. 4 Arb­ZG, § 21a Abs. 3 JAr­bSchG, nur für Ta­rif­verträge, Be­triebs- und Dienst­ver­ein­ba­run­gen ei­ne be­son­de­re Re­ge­lung ge­trof­fen hat, hat er zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­re­ge­lun­gen grundsätz­lich ei­ner Über­prüfung nach den §§ 305 ff. BGB un­ter­lie­gen.

 

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bb) Teil­wei­se wird in der Li­te­ra­tur die An­sicht ver­tre­ten, § 310 Abs. 4 BGB wei­se ei­ne Re­ge­lungslücke im Hin­blick auf die AVR-Ca­ri­tas auf und die­se sei durch Er­stre­ckung des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB auf die AVR-Ca­ri­tas zu schließen (dafür zB Schaub/Linck ArbR-Hdb. 11. Aufl. § 186 Rn. 180a; Thüsing NZA 2002, 306, 310; ders. Anm. EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 48 mwN; ders. ZTR 2005, 507, 510; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 4. Aufl. § 15 Rn. 42 f.). Hier­ge­gen spricht ne­ben dem Wort­laut des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB auch die Be­schluss­emp­feh­lung des Ge­setz­ge­bers vom 25. Sep­tem­ber 2001, in der das Kirch­li­che Ar­beits­recht als ein Fall der ar­beits­recht­li­chen Be­son­der­hei­ten ge­nannt wur­de, die gemäß § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB bei der An­wen­dung der §§ 305 ff. BGB zu berück­sich­ti­gen sind (BT-Drucks. 14/7052 S. 189; auch BAG 8. Ju­ni 2005 - 4 AZR 412/04 - ZMV 2006, 96 un­ter Hin­weis auf BAG 26. Ja­nu­ar 2005 - 4 AZR 171/03 - AP AVR Dia­ko­ni­sches Werk An­la­ge 18 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 5, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen). Zu­dem han­delt es sich bei kirch­li­chen Ar­beits­ver­trags­re­ge­lun­gen nicht um Ta­rif­verträge im Sin­ne des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes, weil sie nicht nach des­sen Maßga­be zu­stan­de ge­kom­men sind (st. Rspr. BAG 26. Ja­nu­ar 2005 - 4 AZR 171/03 - aaO; BAG 8. Ju­ni 2005 - 4 AZR 412/04 - aaO; 19. Fe­bru­ar 2003 - 4 AZR 11/02 - BA­GE 105, 148, 157; 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - BA­GE 101, 9, 14; 15. No­vem­ber 2001 - 6 AZR 88/01 - EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 48). Kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­re­ge­lun­gen wir­ken je­den­falls oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de kir­chen­ge­setz­li­che Re­ge­lung und oh­ne ei­ne staat­li­che Ver­wei­sungs­norm, wie zB § 4 Abs. 1 TVG, an­ders als Ta­rif­verträge, Be­triebs- und Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen nicht nor­ma­tiv, son­dern bedürfen für ih­re Gel­tung ei­ner in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ein­be­zie­hung (BAG 8. Ju­ni 2005 - 4 AZR 412/04 - aaO).

cc) Die An­sicht der Re­vi­si­on, die Aus­deh­nung des § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB fol­ge aus dem ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che und oh­ne ei­ne Gleich­set­zung der AVR-Ca­ri­tas zu den ge­nann­ten Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen dro­he ei­ne Be­schnei­dung des Selbst­be­stim­mungs­rechts der Kir­chen bis hin zu ei­ner in­halts­lee­ren Worthülse, die den Kir­chen das Selbst­be­stim­mungs­recht for­mell zwar zu­bil­li­ge, bei den ent­schei­den­den ma­te­ri­ell-recht­li­chen Fol­gen die­sen Schritt aber nicht ge­he, zwingt nicht zu ei­ner Gleich­set­zung der AVR-Ca­ri­tas mit den in § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB ge­nann­ten Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen. Viel­mehr hat der Ge­setz­ge­ber durch die For­de­rung nach der an­ge­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­rechts gemäß § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB ei­ne Möglich­keit eröff­net, das ver­fas-

 

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sungs­recht­lich ga­ran­tier­te Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen bei der An­wen­dung der § 305 ff. BGB zu gewähr­leis­ten.

2. Die In­halts­kon­trol­le des § 10a Abs. 2 Sätze 1 und 2 AVR-Ca­ri­tas ist im Be­reich All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen auf Grund­la­ge des § 307 BGB vor­zu­neh­men (ErfK/Preis 5. Aufl. §§ 305-310 BGB Rn. 91). Der An­wen­dungs­be­reich der Absätze 1 und 2 des § 307 BGB ist für die Prüfung der AVR-Ca­ri­tas nicht gemäß § 307 Abs. 3 iVm. § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB ein­ge­schränkt, da § 10a AVR-Ca­ri­tas we­der ei­nen Ta­rif­ver­trag dar­stellt noch aus­drück­lich auf ei­nen Ta­rif­ver­trag Be­zug nimmt (aA Thüsing ZTR 2005, 507, 510 f.). An­ders als in dem der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - (BA­GE 84, 282) zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­halt, wo­nach die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on des Deut­schen Ca­ri­tas-Ver­ban­des die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des BAT hin­sicht­lich der Fort- und Wei­ter­bil­dung von Kran­ken­schwes­tern und -pfle­gern zu ent­spre­chen­den ge­prüften Fach­kräften im Ope­ra­ti­ons­dienst usw. im Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) durch Be­schluss über­nom­men hat­te, lehnt § 10a AVR-Ca­ri­tas sich le­dig­lich an die ta­rif­li­che Rück­zah­lungs­klau­sel an.

3. Die Be­stim­mung in § 10a Abs. 2 AVR-Ca­ri­tas hält un­ter Be­ach­tung der Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­rechts (§ 310 Abs. 4 Satz 2 BGB) ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 BGB stand.

a) Bei der Fra­ge der an­ge­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­rechts iSv. § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB han­delt es sich um die An­wen­dung ei­nes un­be­stimm­ten Rechts­be­griffs, der vom Re­vi­si­ons­ge­richt nur dar­auf über­prüft wer­den kann, ob das an­ge­foch­te­ne Ur­teil den Rechts­be­griff selbst ver­kannt hat, ob es bei der Un­ter­ord­nung des Sach­ver­halts un­ter die Rechts­norm des § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­letzt hat, ob es al­le we­sent­li­chen Umstände berück­sich­tigt hat und ob es in sich wi­der­spruchs­frei ist.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Rah­men der In­halts­kon­trol­le nach §§ 305 ff. BGB zwar die von den Ar­beits­ge­rich­ten ent­wi­ckel­ten Grundsätze der Wirk­sam­keit in­di­vi­du­al­ver­trag­li­cher Rück­zah­lungs­klau­seln be­ach­tet, den be­son­de­ren Cha­rak­ter der AVR-Ca­ri­tas, der aus dem ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen folgt, aber nicht berück­sich­tigt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ge­ra­de im hier maßgeb­li­chen Be­reich der Kon­trol­le von Rück­zah­lungs­klau­seln mehr­fach an­er­kannt, dass in kirch­li­chen Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en von den all­ge­mei­nen Grundsätzen

 

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ab­wei­chen­de Ge­stal­tun­gen zulässig sind (BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282; 28. Ja­nu­ar 1998 - 4 AZR 491/96 - AP AVR Ca­ri­tas­ver­band § 12 Nr. 11 = EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 44).

b) Kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en ent­ste­hen an­ders als Ta­rif­verträge auf dem sog. „Drit­ten Weg“. Für die Ca­ri­tas be­sch­ließt die auf Kir­chen­ver­fas­sungs­recht ge­gründe­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en als ei­ge­ne Re­ge­lungs­wer­ke. Die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ist von der Kir­chen­lei­tung un­abhängig und pa­ritätisch mit gewähl­ten Re­präsen­tan­ten der Ar­beit­neh­mer und der Ar­beit­ge­ber be­setzt. Die Be­schlüsse bedürfen der Mehr­heit von drei Vier­tel der Mit­glie­der der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on. Die Kom­mis­si­ons­mit­glie­der un­ter­lie­gen kei­nen Wei­sun­gen und ha­ben ei­ne glei­cher­maßen un­abhängi­ge Stel­lung wie die An­gehöri­gen der Mit­ar­beit­ver­tre­tun­gen der Kir­chen. Das Mit­tel des Ar­beits­kamp­fes steht kei­ner Sei­te zur Verfügung.

Die­se Un­ter­schie­de ge­genüber der Ent­ste­hung von Ta­rif­verträgen recht­fer­ti­gen es aber nicht, kirch­li­che Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en ei­ner grundsätz­lich an­de­ren In­halts­kon­trol­le zu un­ter­zie­hen, als sie bei Ta­rif­verträgen vor­zu­neh­men wäre. Dies gilt je­den­falls in­so­weit, als sie ein­schlägi­ge ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen ganz oder mit im We­sent­li­chen glei­chen In­hal­ten über­neh­men (vgl. BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282). Die ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr ta­rif­ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen be­ruht nicht primär dar­auf, dass den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en das Mit­tel des Ar­beits­kampfs zur Verfügung steht, son­dern dar­auf, dass sie als gleich­ge­wich­tig durch­set­zungsfähig an­ge­se­hen wer­den. Die zu­letzt ge­nann­te Vor­aus­set­zung ist aber in­ner­halb der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen bei den Kir­chen glei­cher­maßen ge­ge­ben. De­ren pa­ritäti­sche Be­set­zung und die Wei­sungs­un­abhängig­keit ih­rer Mit­glie­der gewähr­leis­tet, dass kei­ne der bei­den Sei­ten das Über­ge­wicht er­rei­chen kann (vgl. auch Thüsing ZTR 2005, 507 f.). Zu­dem er­gibt sich die Rich­tig­keits­gewähr der kirch­li­chen Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en mit­tel­bar, so­weit die­se ein­schlägi­ge ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen über­neh­men (vgl. BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - aaO).

c) Ta­rif­verträge sind al­lein dar­auf­hin zu un­ter­su­chen, ob sie ge­gen die Ver­fas­sung, ge­gen an­de­res höher­ran­gi­ges zwin­gen­des Recht oder ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­s­toßen (BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282; 6. Sep­tem­ber 1995 - 5 AZR 174/94 - BA­GE 81, 5 mwN). Es ist nicht Sa­che der Ge­rich­te zu prüfen, ob je­weils die ge­rech­tes­te oder zweckmäßigs­te Re­ge­lung ge­fun­den wur­de.

 

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Da­bei sind kei­ne an­de­ren Prüfungs­maßstäbe her­an­zu­zie­hen, wenn die Ta­rif­nor­men nicht kraft Ta­rif­ge­bun­den­heit, son­dern kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung an­zu­wen­den sind. Auch in sol­chen Fällen ist zu­min­dest bei der Ver­wei­sung auf ei­nen ge­schlos­se­nen Re­ge­lungs­kom­plex von der grundsätz­li­chen Rich­tig­keits­gewähr der ein­be­zo­ge­nen Ta­rif­ver­trags­nor­men aus­zu­ge­hen (BAG 6. Sep­tem­ber 1995 - 5 AZR 174/94 - BA­GE 81, 5; Preis Grund­fra­gen der Ver­trags­ge­stal­tung im Ar­beits­recht § 14 III 3 e S. 398).

d) Da­nach ist die vor­lie­gen­de Rück­zah­lungs­klau­sel nicht zu be­an­stan­den. Sie ent­spricht in ih­rem Re­ge­lungs­ge­halt den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen des BAT hin­sicht­lich der Son­der­re­ge­lung für An­ge­stell­te in Kran­ken-, Heil-, Pfle­ge- und Ent­bin­dungs­an­stal­ten so­wie in sons­ti­gen An­stal­ten und Hei­men, in de­nen die be­treu­ten Per­so­nen in ärzt­li­cher Be­hand­lung ste­hen (Nr. 7 zu Ab­schnitt VII - Vergütung - des SR 2 a BAT). Nach die­ser Ta­rif­re­ge­lung sind - von hier nicht vor­lie­gen­den Son­derfällen ab­ge­se­hen - die Auf­wen­dun­gen der Fort- und Wei­ter­bil­dung bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf Wunsch des An­ge­stell­ten im ers­ten Jahr nach Be­en­di­gung der Fort- oder Wei­ter­bil­dung voll zurück­zu­zah­len, im zwei­ten Jahr zu zwei Drit­teln und im drit­ten Jahr zu ei­nem Drit­tel zurück­zu­zah­len. § 10a Abs. 2 AVR-Ca­ri­tas weicht da­von le­dig­lich zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers in­so­weit ab, als in be­son­ders ge­la­ger­ten Fällen auf die Kos­ten­er­stat­tung ver­zich­tet wer­den kann und die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung - an­ders als gemäß der grob nach Jah­ren dif­fe­ren­zie­ren­den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung - mo­nat­lich li­ne­ar sinkt.

§ 10a Abs. 2 AVR-Ca­ri­tas verstößt nicht ge­gen zwin­gen­des höher­ran­gi­ges Recht, ob­wohl die Re­ge­lung zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu ein­zel­ver­trag­li­chen Klau­seln über die Rück­zah­lung von Fort-und Wei­ter­bil­dungs­kos­ten ab­weicht. Ins­be­son­de­re liegt kein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Be­rufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) vor. Sie be­nach­tei­ligt die Be­klag­te nicht un­an­ge­mes­sen ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben nach § 307 Abs. 1, 2 BGB. Dies gilt auch dann, wenn die Fort- und Wei­ter­bil­dung nicht kon­ti­nu­ier­lich, son­dern in zeit­lich aus­ein­an­der lie­gen­den Blöcken statt­fin­det, wenn da­durch - wie hier - die Bin­dungs­dau­er nicht willkürlich und un­zu­mut­bar verlängert wird. Die Be­stim­mung in § 10a Abs. 2 Sätze 1 und 2 AVR-Ca­ri­tas ist klar, verständ­lich und ih­rem Wort­laut nach ein­deu­tig.

 

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4. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Rück­zah­lungs­an­spruch der Kläge­rin in Höhe von 16/36 der auf­ge­wen­de­ten Wei­ter­bil­dungs­kos­ten gemäß § 10a Abs. 1 AVR-Ca­ri­tas lie­gen vor.

a) Die Be­klag­te ist auf Ver­an­las­sung des Rechts­vorgängers der Kläge­rin im Rah­men des­sen Per­so­nal­be­darfs auf des­sen Kos­ten wei­ter­ge­bil­det wor­den. Die Wei­ter­bil­dung der Be­klag­ten zur Wohn­be­reichs­lei­tung/Ver­ant­wort­li­chen Pfle­ge­fach­kraft war auch vergütungs­re­le­vant. Sie ist Vor­aus­set­zung für ei­ne Beschäfti­gung als Wohn­be­reichs­lei­te­rin und ermöglicht in ei­ni­gen Ein­rich­tun­gen auch die Beschäfti­gung als Pfle­ge­dienst­lei­te­rin oder stell­ver­tre­ten­de Pfle­ge­dienst­lei­te­rin. Das Dienst­verhält­nis der Par­tei­en en­de­te nach der Be­en­di­gung der Wei­ter­bil­dung auf ei­ge­nen Wunsch der Be­klag­ten. Sie kündig­te am 26. Fe­bru­ar 2003 das Dienst­verhält­nis zum 30. Ju­ni 2003.

b) Der An­spruch der Kläge­rin gemäß § 10a Abs. 2 AVR-Ca­ri­tas um­fasst die Auf­wen­dun­gen der Fort- und Wei­ter­bil­dung iSd. Ab­satz 1, dh. die Wei­ter­bil­dungs­kos­ten und die für die Zeit der Frei­stel­lung für die Wei­ter­bil­dung fort­ge­zahl­ten Dienst­bezüge. Es sind die von der Kläge­rin ge­for­der­ten Lehr­gangs­gebühren in Höhe von 3.543,25 Eu­ro und die Fahrt­kos­ten in Höhe von ins­ge­samt 228,07 Eu­ro in An­satz zu brin­gen, da es sich hier­bei um Auf­wen­dun­gen han­delt, wel­che sie für die Be­klag­te zur Durchführung der Fort­bil­dung er­bracht hat. Da­zu kom­men die Net­to­bezüge in Höhe von 3.722,92 Eu­ro, die Steu­er­abzüge in Höhe von 1.265,98 Eu­ro und die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le zur So­zi­al­ver­si­che­rung in Höhe von 1.244,37 Eu­ro. Folg­lich ist dem Grun­de nach ein er­stat­tungsfähi­ger Fort- und Wei­ter­bil­dungs­auf­wand in Höhe von 10.004,59 Eu­ro ent­stan­den.

c) Nach § 10a Abs. 2 Satz 2 AVR-Ca­ri­tas wird der Be­klag­ten für je­den vol­len Mo­nat der Beschäfti­gung nach dem En­de der Fort- und Wei­ter­bil­dung 1/36 des Auf­wen­dungs­be­tra­ges er­las­sen. Die Fort- und Wei­ter­bil­dung wur­de nicht be­reits zum 1. Ju­ni 2001 - dem Ab­schluss der zehn Kurs­blöcke - be­en­det, da nach den der Fort-und Wei­ter­bil­dung zu­grun­de­lie­gen­den Se­mi­n­ar­be­din­gun­gen die Teil­nah­me an ei­ner ca. 6 Mo­na­te dau­ern­den Su­per­vi­si­ons­pha­se wei­te­rer Be­stand­teil der Fort- und Wei­ter­bil­dung war. In die­ser Pha­se wur­de das Er­lern­te in be­glei­ten­der und ge­lenk­ter Form ver­tieft. Die Teil­nah­me an den Su­per­vi­sio­nen war Vor­aus­set­zun­gen für den er­folg­rei­chen Ab­schluss der Fort­bil­dung.

Da­bei kann je­doch die Tat­sa­che, dass der Rechts­vorgänger der Kläge­rin die Be­klag­te be­reits ab dem 1. No­vem­ber 2001 als Wohn­be­reichs­lei­te­rin ein­setz­te, bei der

 

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Be­rech­nung des Rück­zah­lungs­an­spruchs nicht un­berück­sich­tigt blei­ben. Zu­min­dest seit die­sem Zeit­punkt, mit­hin 20 Mo­na­te bis zur Be­en­di­gung des Dienst­verhält­nis­ses, nutz­te der Rechts­vorgänger der Kläge­rin die von der Be­klag­ten im Rah­men der Fort-und Wei­ter­bil­dung er­wor­be­nen Kennt­nis­se und do­ku­men­tier­te da­mit, dass die Be­klag­te spätes­tens ab die­sem Zeit­punkt über die für ei­ne Beschäfti­gung als Wohn­be­reichs­lei­te­rin er­for­der­li­chen und durch die Fort- und Wei­ter­bil­dung ver­mit­tel­ten Kennt­nis­se verfügte. Nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) kann sich die Be­klag­te nicht dar­auf be­ru­fen, dass die letz­te Su­per­vi­si­on und die Bestäti­gung der er­folg­rei­chen Kurs­teil­nah­me erst später er­folg­ten.

Dem­ent­spre­chend hat die Kläge­rin von den un­ter Außer-Acht-Las­sung der Ar­beit­ge­ber­an­tei­le zur So­zi­al­ver­si­che­rung er­mit­tel­ten Kos­ten in Höhe von 10.004,59 Eu­ro ei­nen Ab­zug in Höhe von 20/36 (= 5.558,11 Eu­ro) vor­zu­neh­men. Der Rücker­stat­tungs­an­spruch beträgt 4.446,48 Eu­ro. Die Zins­for­de­run­gen be­ru­hen auf § 286 Abs. 1 und 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB. So­weit die Kläge­rin die Rück­zah­lung wei­te­rer Lehr­gangs­gebühren, Fahrt­kos­ten, Net­to­bezüge, Steu­er­abzüge und Ar­beit­neh­mer­an­tei­le zur So­zi­al­ver­si­che­rung ver­langt, ist die Kla­ge un­be­gründet.

d) So­weit die Kläge­rin darüber hin­aus die von ihr ge­leis­te­ten Ar­beit­ge­ber­beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung in Höhe von 1.244,37 Eu­ro in An­satz bringt, ist die Kla­ge eben­falls un­be­gründet. Die Kläge­rin kann die im Rah­men der fort­ent­rich­te­ten Lohn­bezüge ab­geführ­ten Ar­beit­ge­ber­an­tei­le zur So­zi­al­ver­si­che­rung nicht von der Kläge­rin for­dern; die­se sind nicht er­stat­tungsfähig. Ei­ne Ver­ein­ba­rung, nach der ein Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber auch die an­tei­li­gen Ar­beit­ge­ber­beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung zu er­stat­ten hat, ist nach § 32 SGB I we­gen Ver­s­toßes ge­gen die zwin­gen­den Be­stim­mun­gen der §§ 20, 22 SGB IV nich­tig (BAG 6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282, 293; 11. April 1984 - 5 AZR 430/82 - AP BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 8 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 4).

5. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 ZPO. 

Fi­scher­mei­er 

Dr. Arm­brüster 

Fried­rich

D. Knauß 

Oye

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