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Gleich­be­rech­ti­gung für Haus­an­ge­stell­te

Bun­des­re­gie­rung be­schließt Um­set­zung der IAO-Kon­ven­ti­on über men­schen­wür­di­ge Ar­beit für Haus­an­ge­stell­te: Kon­ven­ti­on über men­schen­wür­di­ge Ar­beit für Haus­an­ge­stell­te, Kon­ven­ti­on Nr.189 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (IAO)

06.02.2013. Die recht­li­che und so­zia­le La­ge der welt­weit über 52 Mil­lio­nen - meist weib­li­chen - Haus­an­ge­stell­ten ist oft schlecht. In vie­len Län­dern gibt es noch nicht ein­mal ei­ne voll­stän­di­ge recht­li­che Gleich­stel­lung von Haus­an­ge­stell­ten und "nor­ma­len" Ar­beit­neh­mern.

In Deutsch­land ist ei­ne sol­che rein recht­li­che Gleich­stel­lung zwar ge­ge­ben, aber auch hier­zu­lan­de gibt es Schutz­lü­cken.

Denn zum ei­nen ar­bei­ten vie­le Haus­an­ge­stell­te schwarz, d.h. sie sind nicht bei der So­zi­al­ver­si­che­rung an­ge­mel­det und ha­ben da­her kei­ne Ab­si­che­rung bei län­ge­rer Krank­heit oder Ar­beits­lo­sig­keit. Auch be­zahl­ter Ur­laub oder Ent­gelt­fort­zah­lung bei Er­kran­kun­gen bis zu sechs Wo­chen wird ih­nen meist vor­ent­hal­ten.

Und zum an­de­ren hilft das deut­sche Ar­beits­recht oft nicht, wenn aus­län­di­sche Bot­schaf­ten oder Di­plo­ma­ten Haus­an­ge­stell­te will­kür­lich be­han­deln oder ih­nen den Lohn nicht zah­len.

Die­se Pro­ble­me bei der Durch­set­zung deut­scher Schutz­vor­schrif­ten er­ge­ben sich in vie­len Fäl­len dar­aus, dass aus­län­di­sche Di­plo­ma­ten Im­mu­ni­tät ge­nie­ßen, d.h. in der Re­gel gar nicht vor deut­schen Ge­rich­te ver­klagt wer­den kön­nen (über ei­nen vom BAG aus­nahms­wei­se zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ent­schie­de­nen Fall be­rich­te­ten wir in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/287 Kla­ge ge­gen sau­di­schen Di­plo­ma­ten zu­läs­sig).

In an­de­ren Fäl­len wie­der­um be­ruft sich die Be­klag­ten­sei­te dar­auf, dass der kla­gen­de Haus­an­ge­stell­te "ho­heit­li­che" Auf­ge­ben für die aus­län­di­sche Bot­schaft bzw. den hin­ter ihr ste­hen­den Staat er­füllt ha­ben soll, was eben­falls die Un­zu­stän­dig­keit der deut­schen Ar­beits­ge­rich­te zur Fol­ge hat (auch dar­über wird oft vor Ge­richt ge­strit­ten, vgl. Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/266 Bot­schafts­an­ge­stell­te aus­län­di­scher Staa­ten kön­nen vor deut­schen Ar­beits­ge­rich­ten kla­gen).

Vor die­sem Hin­ter­grund hat die Bun­des­re­gie­rung heu­te be­kannt ge­ge­ben, dass sie die Kon­ven­ti­on Nr.189 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (IAO) be­schlos­sen ha­be, d.h. für de­ren Um­set­zung in Deutsch­land sor­gen will. Die IAO bzw. ILO ("In­ter­na­tio­nal La­bour Or­ga­niza­t­i­on") setzt sich seit lan­gem als Un­ter­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen für die Rech­te von Ar­beit­neh­mern und Ge­werk­schaf­ten ein. Die ILO-Kon­ven­ti­on Nr.189 ver­langt von den Staa­ten, die ihr bei­tre­ten bzw. sie ra­ti­fi­zie­ren, die Durch­set­zung recht­li­cher Min­dest­stan­dards für Haus­an­ge­stell­te.

Hier­zu ge­hö­ren z.B. die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit der Haus­an­ge­stell­ten, das Recht auf ei­nen frei­en Tag pro Wo­che und auf re­gel­mä­ßi­ge Be­zah­lung, der Schutz vor Ge­walt und Be­läs­ti­gun­gen, der Schutz der Pri­vat­sphä­re der mit­woh­nen­den Haus­an­ge­stell­ten, das Ver­bot von Kin­der­ar­beit und die recht­li­che Gleich­stel­lung mit an­de­ren Ar­beit­neh­mern.

Kri­tisch ist an­zu­mer­ken, dass der Be­schluss der Bun­des­re­gie­rung an der rech­ti­chen und so­zia­len La­ge der rund 712.000 Haus­an­ge­stell­ten in Deutsch­land kaum et­was än­dern wird (der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund schätzt die Zahl der Haus­an­ge­stell­ten in Deutsch­land so­gar auf rund 2,6 Mil­lio­nen).

Denn in recht­li­cher Hin­sicht hat Deutsch­land die For­de­run­gen der ILO-Kon­ven­ti­on Nr.189 be­reit jetzt er­füllt: Wer als Gärt­ner, Putz­frau oder Kin­der­mäd­chen in ei­nem deut­schen Haus­halt ar­bei­tet, ist Ar­beit­neh­mer und hat da­her al­le Rech­te, die Ar­beit­neh­mern in Kleinst­be­trie­ben zu­ste­hen, an­ge­fan­gen vom Ar­beits­zeit­schutz über den An­spruch auf re­gel­mä­ßi­ge Ver­gü­tung, be­zahl­ten Ur­laub und Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall bis hin zur Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und zum Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung und (se­xu­el­ler) Be­läs­ti­gung am Ar­beits­platz.

Es fehlt al­so nicht an Rech­ten der Haus­an­ge­stell­ten, son­dern an de­ren Durch­set­zung. Und die be­ste­hen­den Um­set­zungs­de­fi­zi­te wird das Be­kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung zur ILO-Kon­ven­ti­on Nr.189 kaum be­sei­ti­gen, denn die­se Voll­zugs­de­fi­zi­te er­ge­ben sich meist aus der ein­ver­nehm­lich prak­ti­zier­ten Schwarz­ar­beit. So­lan­ge die­se von bei­den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en als vor­teil­haft be­wer­tet wird, wird die Haus­ar­beit in Deutsch­land wohl wei­ter­hin im "ar­beits­recht­li­chen Spar­mo­dus" und un­ter Miss­ach­tung des So­zi­al­ver­si­che­rungs­rechts ab­ge­wi­ckelt wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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