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Leis­tungs­ent­gelt ge­mäß § 18 TVöD

Kein TVöD-Leis­tungs­ent­gelt von mehr als sechs Pro­zent oh­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

17.05.2012. Der Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst (TVöD) sieht die Mög­lich­keit vor, dass Ar­beit­neh­mer zu­sätz­lich zu ih­rem Ta­bel­len­ent­gelt ei­ne va­ria­ble und leis­tungs­ori­en­tier­te Ver­gü­tung er­hal­ten. Die Mög­lich­keit ei­nes sol­chen Leis­tungs­ent­gels be­steht auch auf der Grund­la­ge der TVöD-Fas­sung, die für die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber maß­geb­lich ist (§ 18 TVöD / VKA).

Die­se ta­rif­li­che Vor­ga­be setzt al­ler­dings nicht nur vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber ei­nen fi­nan­zi­el­len "Topf" für die Aus­zah­lung der Leis­tungs­ent­gel­te be­reit­stellt, son­dern au­ßer­dem ei­ne be­trieb­li­che Ver­ein­ba­rung. Die­se muss der Be­triebs- oder Per­so­nal­rat mit dem Ar­beit­ge­ber tref­fen. Gibt es kei­ne sol­che be­trieb­li­che Re­ge­lung, sieht der TVöD ei­ne Min­dest­zah­lung von sechs Pro­zent des mo­nat­li­chen Ta­bel­len­ent­gelts vor.

Ges­tern hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über die Fra­ge ent­schie­den, ob die Ar­beit­neh­mer auch dann wei­te­re Zah­lun­gen aus dem "Leis­tungs­ent­gelt-Topf" ver­lan­gen kön­nen, wenn es kei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung über die Vor­aus­set­zun­gen der Leis­tungs­ent­gel­te gibt: BAG, Ur­teil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11.

Volles Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD - auch ohne betriebliche Regelung zu Zielen und Leistungsanforderungen?

In der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu § 18 Abs. 4 TVöD (VKA) heißt es, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei­en dar­in ei­nig, dass ei­ne zügi­ge Einführung des Leis­tungs­ent­gelts sinn­voll und not­wen­dig sei. Da­her sol­len die Be­triebs­par­tei­en recht­zei­tig vor der erst­ma­li­gen An­wen­dung des Leis­tungs­ent­gelts am 01.01.2007 ent­spre­chen­de be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen bzw. "Sys­te­me" ver­ein­ba­ren. Kom­men sol­che be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen bis zum 30.09.2007 nicht zu­stan­de, er­hal­ten die Ar­beit­neh­mer zu­sam­men mit dem De­zem­ber­ge­halt 2008 sechs Pro­zent ih­res re­gulären mo­nat­li­chen Ta­bel­len­ent­gelts, und zwar auf Ba­sis des Sep­tem­ber­ge­hal­tes.

Frag­lich ist, was in ei­nem sol­chen Fall mit dem nicht aus­ge­zahl­ten Teil des Leis­tungs­ent­gelt-Topfs ge­sche­hen soll. In der Pro­to­kollerklärung Nr. 1 zu § 18 Abs. 4 TVöD (VKA) - Satz 4 heißt es da­zu, dass der nicht aus­ge­zahl­te Teil im Topf blei­ben soll, so dass die­ser im Lauf der Zeit im­mer größer wird. Aber ist das auch ei­ne sinn­vol­le Re­ge­lung, wenn die Be­triebs­part­ner über Jah­re hin­weg kei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung zum Leis­tungs­ent­gelt zu­stan­de brin­gen?

Das Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven hat für ei­nen sol­chen Fall ent­schie­den, dass die Ar­beit­neh­mer auch oh­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung ei­nen An­spruch auf die im Leis­tungs­ent­gelt-Topf be­find­li­chen Gel­der ha­ben (Ur­teil vom 23.09.2010, 5 Ca 5142/10). Da­ge­gen spricht al­ler­dings, dass der Ta­rif­ver­trag bzw. die Pro­to­kollerklärung aus­drück­lich nur ei­ne ge­rin­ge­re Pau­scha­le von sechs Pro­zent ei­nes Mo­nat­s­ta­bel­len­ent­gelts vor­sieht.

BAG: Keine vollständige Verteilung des für das Leistungsentgelt zur Verfügung stehenden Gesamtvolumens die Existenz einer Dienst- oder Betriebsvereinbarung voraus

Im Streit­fall hat­te ein So­zi­al­ar­bei­ter aus Wup­per­tal auf Zah­lung ei­nes wei­te­ren Leis­tungs­ent­gelts ge­klagt. Sein Ar­beit­ge­ber war als Mit­glied des Kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len an den ge­sam­ten TVöD/VKA ge­bun­den. Ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung zum Leis­tungs­ent­gelt gab es nicht. Der So­zi­al­ar­bei­ter, der für 2009 be­reits sechs Pro­zent ei­nes mo­nat­li­chen Ta­bel­len­ge­hal­tes als pau­scha­les Leis­tungs­ent­gelt er­hal­ten hat­te, ver­lang­te für die­ses Jahr wei­te­re sechs Pro­zent, d.h. 220,93 EUR.

Das Ar­beits­ge­richt Wup­per­tal und das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf als Be­ru­fungs­ge­richt wie­sen die Kla­ge ab (LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 13.01.2011, 13 Sa 1424/10). Denn oh­ne ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung zu den Zie­len und Leis­tungs­an­for­de­run­gen, die für die Um­set­zung des Leis­tun­gent­gelts maßgeb­lich sein sol­len, gibt es kei­ne An­spruchs­grund­la­ge für ei­ne wei­te­re Zah­lung, so die Ge­rich­te.

Dem hat sich auch das BAG in sei­ner gest­ri­gen Ent­schei­dung an­ge­schlos­sen. Auch das BAG hielt die Kla­ge für un­be­gründet. Da­zu heißt es in der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung des BAG:

Nach § 18 TVöD setzt die vollständi­ge Ver­tei­lung der Gel­der, die für das Leis­tungs­ent­gelt zur Verfügung ste­hen, ei­ne Dienst- oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung vor­aus, so das BAG. Dies folgt nach An­sicht des BAG "aus Wort­laut, Sys­te­ma­tik, Sinn und Zweck und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Ta­rif­re­ge­lung".

Fa­zit: So­lan­ge ei­ne kei­ne Dienst- oder Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum The­ma Leis­tungs­ent­gelt gibt, die Zie­le, Leis­tungs­an­for­de­run­gen und Ver­tei­lungs­re­ge­lun­gen für das Leis­tungs­ent­gelt fest­legt, ha­ben Ar­beit­neh­mer kei­nen An­spruch auf ein höhe­res Leis­tungs­ent­gelt als die ta­rif­lich ga­ran­tier­ten sechs Pro­zent ei­nes mo­nat­li­chen Ta­bel­len­ent­gelts. Für die Be­triebsräte und Per­so­nalräte folgt dar­aus die drin­gen­de Emp­feh­lung, schnellstmöglich sol­che Ver­ein­ba­run­gen ab­zu­sch­ließen.

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Letzte Überarbeitung: 30. Oktober 2014

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