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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Altersteilzeit, Insolvenz des Arbeitgebers
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 Sa 1744/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 23.08.2006
   
Leit­sätze:

1. Die Ar­beits­verhält­nis­se von Ar­beit­neh­mern, die sich in der Frei­stel­lungs­pha­se ei­nes Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses be­fin­den, ge­hen gemäß § 613 a BGB auf ei­nen Be­triebs­er­wer­ber über - dies gilt auch dann, wenn über den Be­triebs­veräußerer ein In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net ist.

2. Auch sol­che Ansprüche auf Al­ters­teil­zeit­vergütung die auf Ar­beits­leis­tun­gen vor In­sol­ven­zeröff­nung be­ru­hen, sind von ei­nem Er­wer­ber, der ei­nen Be­trieb vom In­sol­venz­ver­wal­ter er­wirbt, zu erfüllen, so­weit sie nach dem Be­triebsüber­gang fällig wer­den (Ab­wei­chung von BAG v. 19.10.04 9 AZR 645/03 ).

3. Ge­genüber dem In­sol­venz­ver­wal­ter können sol­che Ansprüche nur als In­sol­venz­for­de­rung gel­tend ge­macht wer­den.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen
Urt. v. 23.08.2006, Az.: 8 Sa 1744/05

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Te­nor:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 16.06.2005 - 4 Ca 69/05 - ab­geändert:

1. Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te zu 1) ver­pflich­tet ist, über den 01.01.2005 hin­aus bis zum 31.07.2006 (En­de der Frei­stel­lungs­pha­se der Kläge­rin) ih­re Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus dem Al­ters­teil­zeit­ar­beits­ver­trag vom 12.07.2000, verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12.06./24.07.2001 und noch­mals verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12.12.2002 in vol­ler Höhe zu erfüllen.

2. Die Be­klag­te zu 1) wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.740,25 EUR (in Wor­ten: Drei­tau­send­sie­ben­hun­dert­vier­zig und 25/100 Eu­ro) brut­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner 885,30 EUR (in Wor­ten: Acht­hun­dertfünf­und­acht­zig und 30/100 Eu­ro) net­to zu zah­len zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.01.2005.

3. Die Be­klag­te zu 1) wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.740,25 EUR (in Wor­ten: Drei­tau­send­sie­ben­hun­dert­vier­zig und 25/100 Eu­ro) brut­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner 885,30 EUR (in Wor­ten: Acht­hun­dertfünf­und­acht­zig und 30/100 Eu­ro) net­to zu zah­len zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 28.02.2005.

4. Die Be­klag­te zu 1) wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.740,25 EUR (in Wor­ten: Drei­tau­send­sie­ben­hun­dert­vier­zig und 25/100 Eu­ro) brut­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner 885,30 EUR (in Wor­ten: Acht­hun­dertfünf­und­acht­zig und 30/100 Eu­ro) net­to zu zah­len zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.03.2005.

5. Die Be­klag­te zu 1) wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.740,25 EUR (in Wor­ten: Drei­tau­send­sie­ben­hun­dert­vier­zig und 25/100 Eu­ro) brut­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner 885,30 EUR (in Wor­ten: Acht­hun­dertfünf­und­acht­zig und 30/100 Eu­ro) net­to zu zah­len zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 30.04.2005.

6. Die Be­klag­te zu 1) wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 3.740,25 EUR (in Wor­ten: Drei­tau­send­sie­ben­hun­dert­vier­zig und 25/100 Eu­ro) brut­to abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner 885,30 EUR (in Wor­ten: Acht­hun­dertfünf­und­acht­zig und 30/100 Eu­ro) net­to zu zah­len zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.05.2005.

7. Hin­sicht­lich der wei­ter­ge­hen­den Zins­for­de­rung wird die Kla­ge ge­gen die Be­klag­te zu 1) ab­ge­wie­sen.8. Die Kla­ge ge­gen den Be­klag­ten zu 2) wird ab­ge­wie­sen.

9. Erst­in­stanz­li­chen Kos­ten: Die Be­klag­te zu 1) hat 79 % der Ge­richts­kos­ten so­wie der außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Kläge­rin zu tra­gen. 21 % der Ge­richts­kos­ten so­wie die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Be­klag­ten zu 2), hat die Kläge­rin zu tra­gen. Im übri­gen trägt je­de Par­tei ih­re außer­ge­richt­li­chen Kos­ten selbst.

10. Kos­ten der Be­ru­fung: Die Kläge­rin trägt 51 % und die Be­klag­te zu 1) 49 % der Ge­richts­kos­ten. Die Kläge­rin trägt die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Be­klag­ten zu 2) und 51 % der ei­ge­nen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten, die Be­klag­te zu 1) trägt die ei­ge­nen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten und 49 % der­je­ni­gen der Kläge­rin.

11. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­ten der Kläge­rin während der Frei­stel­lungs­pha­se der Al­ters­teil­zeit wei­ter­hin die Vergütung zu zah­len ha­ben.

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Die am ... Sep­tem­ber 1944 ge­bo­re­ne Kläge­rin trat 1985 in die Diens­te der A GmbH, der In­sol­venz­schuld­ne­rin. Mit die­ser schloss die Kläge­rin am 11. Ju­li 2000 ei­ne Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­rung (An­la­ge K 6 zur Kla­ge­schrift) für die Zeit ab 01.08.2000. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten ein sog. Block­mo­dell. Da­nach be­trug die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit die Hälf­te der bis­he­ri­gen. Die Ar­beits­zeit war so zu ver­tei­len, dass sie in der ers­ten Hälf­te des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses ge­leis­tet wird und die Kläge­rin an­sch­ließend ent­spre­chend der er­wor­be­nen Zeit­gut­ha­ben von der Ar­beit oh­ne Ar­beits­ver­pflich­tung frei­ge­stellt wird (vgl. § 2 der Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­rung, Bl. 74 d.A.). Die Kläge­rin soll­te für die Dau­er des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses das Ent­gelt für Al­ters­teil­zeit er­hal­ten, wo­bei sich Ent­geltände­run­gen auch während der Frei­stel­lungs­pha­se auf das Ar­beits­ent­gelt aus­wir­ken soll­ten. Wei­ter soll­te die Klägern Auf­sto­ckungs­zah­lun­gen er­hal­ten, wo­durch das Ar­beits­ent­gelt auf min­des­tens 85% des Net­to­ar­beits­ent­gelts oh­ne Ein­tritt in die Al­ters­teil­zeit auf­ge­stockt wer­den soll­te. Nach meh­re­ren Verlänge­run­gen wur­de das En­de des Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses auf den 30.07.2006 fest­ge­legt. Bis zum 30.07.2003 ar­bei­te­te die Kläge­rin mit vol­ler Ar­beits­zeit und trat zum 01.08.2004 in die Frei­stel­lungs­pha­se. Am 31.07.2004 wur­de das In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen der A GmbH eröff­net und der Be­klag­te zu 2. zum In­sol­venz­ver­wal­ter be­stimmt. Die­ser zahl­te bis zum 31.12.2004 wei­ter­hin die mo­nat­li­che Al­ters­teil­zeit­vergütung von € 3.740,29 brut­to. Zum 01. Ja­nu­ar 2005 über­nahm die Be­klag­te zu 1. den Be­trieb der In­sol­venz­schuld­ne­rin. Die Be­klag­te zu 1. lehn­te es ab, der Kläge­rin Al­ters­teil­zeit­vergütung zu zah­len.

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te zu 1. sei ver­pflich­tet, ihr ab Ja­nu­ar 2005 bis zum En­de des Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses Al­ters­teil­zeit­vergütung zu zah­len. Als Be­triebsüber­neh­me­rin sei die Be­klag­te zu 1. in die Ver­pflich­tun­gen aus dem Al­ters­teil­zeit­verhält­nis ein­ge­tre­ten und ha­be die­se zu erfüllen. So­weit das Bun­des­ar­beits­ge­richt dies an­ders ent­schie­den ha­be, ver­s­toße die­se Recht­spre­chung ge­gen die den §§ 613 a BGB zu­grun­de lie­gen­den EG-Richt­li­ni­en, zu­letzt Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len ( Richt­li­nie 2001/23 ). Art. 5 Abs. 2 die­ser Richt­li­nie er­lau­be nur, vor dem Über­gang bzw. vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens fälli­ge Ver­bind­lich­kei­ten des Veräußerers vom Über­gang auf die­sen aus­zu­neh­men, wenn in ei­nem Mit­glieds­staat die Vor­schrif­ten über den Be­triebsüber­gang auch während ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens ge­gen den Veräußerer gel­ten. Die nach der Veräußerung an die Be­klag­te zu 1. fälli­gen Al­ters­teil­zeit­vergütun­gen könn­ten dem­nach nicht von der Wir­kung des § 613 a BGB aus­ge­nom­men wer­den.

Die Al­ters­teil­zeit­vergütung sei als Mas­se­for­de­rung an­zu­se­hen, die je­den­falls bis En­de De­zem­ber vom Be­klag­ten zu 2. erfüllt wur­den. Der Be­klag­te zu 2. haf­te als Ge­samt­schuld­ner ne­ben der Be­klag­ten zu 1. Von bei­den ver­langt sie Zah­lung der Al­ters­teil­zeit­vergütung für die Zeit von Ja­nu­ar 2005 bis Mai 2005 abzüglich Ar­beits­lo­sen­gel­des.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt:

1. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te zu 1. ver­pflich­tet ist, über den 01. Ja­nu­ar 2005 hin­aus bis zum 31. Ju­li 2006 (En­de der Frei­stel­lungs­pha­se der Kläge­rin) ih­re Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus dem Al­ters­teil­zeit­ar­beits­ver­trag vom 12. Ju­li 2000, verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12. Ju­ni/24. Ju­li 2001 und noch­mals verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12. De­zem­ber 2002 in vol­ler Höhe zu erfüllen;

2. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.01.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

3. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 28.02.2005, abzüglich von der

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Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

4. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.03.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

5. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 30.04.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

6. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.05.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len.

Die Be­klag­ten ha­ben Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ih­re Haf­tung als Be­triebsüber­neh­me­rin sei nach in­sol­venz­recht­li­chen Grundsätzen ein­ge­schränkt. Die Ansprüche auf die Al­ters­teil­zeit­vergütung für die Frei­stel­lungs­pha­se sei in den Diens­ten der Kläge­rin für die In­sol­venz­schuld­ne­rin ent­stan­den. Es han­de­le sich da­bei um In­sol­venz­for­de­run­gen und kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten.

Der Be­klag­te zu 2. ver­tritt eben­falls die­se Rechts­auf­fas­sung. Da es sich um kei­ne Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten han­de­le, könne er nicht zur Zah­lung ver­ur­teilt wer­den. Die Zah­lung von Al­ters­teil­zeit­vergütung nach In­sol­ven­zeröff­nung sei letzt­lich rechts­grund­los er­folgt.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen mit Ur­teil vom 16. Ju­ni 2005, auf das Be­zug ge­nom­men wird.

Ge­gen die­ses Ur­teil rich­tet sich die Be­ru­fung der Kläge­rin. We­gen der für die Zulässig­keit der Be­ru­fung er­heb­li­chen Da­ten wird auf das Pro­to­koll der Sit­zung vom 28. Ju­ni 2006 (Bl. 296 d.A.) ver­wie­sen.

Die Kläge­rin wie­der­holt und ver­tieft ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen.

Nach Rück­nah­me zwi­schen­zeit­li­cher Kla­ge­er­wei­te­run­gen be­an­tragt die Kläge­rin:

1. Fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te zu 1. ver­pflich­tet ist, über den 01. Ja­nu­ar 2005 hin­aus bis zum 31. Ju­li 2006 (En­de der Frei­stel­lungs­pha­se der Kläge­rin) ih­re Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus dem Al­ters­teil­zeit­ar­beits­ver­trag vom 12. Ju­li 2000, verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12. Ju­ni/24. Ju­li 2001 und noch­mals verlängert durch Ver­ein­ba­rung vom 12. De­zem­ber 2002 in vol­ler Höhe zu erfüllen;

2. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.01.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

3. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 28.02.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

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4. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.03.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

5. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 30.04.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len;

6. die Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ge­samt­schuld­ne­risch € 3.740,25 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB aus die­sem Be­trag, be­gin­nend mit dem 31.05.2005, abzüglich von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit er­hal­te­ner € 885,30 net­to zu zah­len.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist teil­wei­se be­gründet. Die Kla­ge ge­gen die Be­klag­te zu 1. ist be­gründet, die Leis­tungs­kla­ge ge­gen den Be­klag­ten zu 2. ist un­zulässig.

I.

Die Be­klag­te zu 1. ist ver­pflich­tet, der Kläge­rin ab Ja­nu­ar 2005 bis zum En­de des Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses die Al­ters­teil­zeit­vergütung gemäß dem Al­ters­teil­zeit­ver­trag vom 12. Ju­li 2000 zu leis­ten. Sie hat der Kläge­rin ab Ja­nu­ar 2005 bis ein­sch­ließlich Mai 2005 mo­nat­lich € 3.740,25 brut­to abzüglich der von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ge­zahl­ten € 885,30 net­to an die Kläge­rin zu zah­len.

1. Die Be­klag­te ist zur Erfüllung des zwi­schen der Kläge­rin und der In­sol­venz­schuld­ne­rin im Jahr 2000 ge­schlos­se­nen Al­ters­teil­zeit­ver­trags ver­pflich­tet gem. § 613 a Abs. 1 BGB . Da­nach tritt der Über­neh­mer ei­nes Be­trie­bes in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Die Be­klag­te zu 1. hat den Be­trieb der In­sol­venz­schuld­ne­rin auf­grund Ver­tra­ges mit dem Be­klag­ten zu 2. zum 01.01.2005 über­nom­men. In die­sem Be­trieb war die Kläge­rin als Ar­beit­neh­me­rin beschäftigt ge­we­sen. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin en­de­te auch nicht mit Be­ginn des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses. Rechts­verhält­nis­se in Al­ters­teil­zeit sind Ar­beits­verhält­nis­se, für die die all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Re­ge­lun­gen gel­ten, so­weit sich aus dem Recht der Al­ters­teil­zeit nichts an­de­res er­gibt (BAG vom 19.10.2004 - 9 AZR 947/03 - BA­GE 112, 214 - 222 = AP Nr. 5 zu § 55 In­sO mit Anm. Ha­nau; vom 27.04.2004 - 9 AZR 18/03 ). Mit der Über­nah­me des Be­trie­bes ist da­mit das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin gem. § 613 a BGB mit al­len be­ste­hen­den ver­trag­li­chen Rech­ten und Pflich­ten auf die Be­klag­te zu 1. über­ge­gan­gen.

2. Dar­an ändert der Um­stand nichts, dass die Kläge­rin zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs sich be­reits in der Frei­stel­lungs­pha­se be­fand, sie im Be­trieb nicht mehr ar­bei­te­te, weil sie auf­grund des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges von der Ar­beit frei­ge­stellt war. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­nem Ur­teil vom 09. Ok­to­ber 2004 - 9 AZR 645/03 - NZA 2005, S. 527 of­fen ge­las­sen, ob ein Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis auf den Be­triebsüber­neh­mer über­geht, wenn der Ar­beit­neh­mer sich zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs be­reits in der Frei­stel­lungs­pha­se be­fand (ab­leh­nend: Ha­nau, RdA 2003, S. 230, 231; Sieg/Wasch­mann, Un­ter­neh­mens­um­struk­tu­rie­rung aus ar­beits­recht­li­cher Sicht, 2005, Rn 111). Es be­steht al­ler­dings kein Grund, Ar­beits­verhält­nis­se, bei de­nen die Ar­beits­pflicht auf­grund ei­nes Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges ruht, von der An­wen­dung des § 613 a BGB aus­zu­neh­men. Die­se Vor­schrift be­zieht sich oh­ne Ein­schränkung auf die im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se. Es ist nicht Vor­aus­set­zung, dass bis zum Zeit­punkt

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des Über­gangs ei­ne Ar­beits­pflicht be­steht oder der Ar­beit­neh­mer ei­nen be­stimm­ten Ar­beits­platz im Be­trieb hat. Hin­sicht­lich der El­tern­zeit hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 02.12.1999 (NZA 2000 S. 369 [BAG 02.12.1999 - 8 AZR 796/98] ) zu­tref­fend fest­ge­stellt, dass trotz Ru­hens der Ver­pflich­tun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis die­ses bei ei­nem Be­triebs­in­ha­ber­wech­sel über­geht. Für die sons­ti­gen Fälle, in de­nen die Ar­beits­ver­pflich­tung ruht, ist nicht um­strit­ten, dass § 613 a BGB an­zu­wen­den ist. So ge­hen auch die Ar­beits­verhält­nis­se über, bei de­nen die Ar­beits­ver­pflich­tung rückt sei es kurz­zei­tig wie bei Ur­laub, Beschäfti­gungs­ver­bo­ten we­gen Schwan­ger­schaft, Kurz­er­kran­kun­gen und sons­ti­gen Frei­stel­lun­gen oder lang­fris­tig bei lang an­dau­ern­den Er­kran­kun­gen, der Frei­stel­lung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern, lang­fris­ti­gen Frei­stel­lun­gen, un­be­zahl­ter Ur­laub. Es ist auch kein sach­li­cher Grund er­kenn­bar, wie­so dies an­ders sein soll­te. Die Richt­li­nie 77/187/EWG vom 14. Fe­bru­ar 1977, auf der § 613 a BGB be­ruht, be­nennt ganz all­ge­mein als Zweck sei­ner Be­stim­mun­gen die Ar­beit­neh­mer bei ei­nem In­ha­ber­wech­sel zu schützen und ins­be­son­de­re die Wah­rung ih­rer Ansprüche zu gewähr­leis­ten. Im Hin­blick dar­auf er­gibt sich kein Un­ter­schied, ob die Ar­beits­ver­pflich­tun­gen des Ar­beit­neh­mers zum Zeit­punkt des Über­gangs kurz­fris­tig, lang­fris­tig oder auf Dau­er ruht. Das Al­ters­teil­zeit­verhält­nis der Kläge­rin und die Ver­pflich­tun­gen dar­aus sind so­mit gem. § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB zum 01. Ja­nu­ar 2005 auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen.

3. Die Ansprüche auf die in der Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­rung ge­re­gel­ten Leis­tun­gen schei­tert auch nicht an in­sol­venz­recht­li­chen Ein­schränkun­gen der Haf­tung, weil der Be­trieb in der In­sol­venz er­wor­ben wur­de.

a) Al­ler­dings hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 19. Ok­to­ber 2004 (9 AZR 645/0 a.a.O.) ent­schie­den, dass sich aus den Ver­tei­lungs­grundsätzen des In­sol­venz­rechts ergäbe, dass die Ansprüche auf Al­ters­teil­zeit­vergütung während der Frei­stel­lungs­pha­se In­sol­venz­for­de­run­gen sei­en, so­weit sie auf Ar­beits­leis­tun­gen vor In­sol­ven­zeröff­nung be­ru­hen und die­se nicht auf den Be­triebs­er­wer­ber über­gin­gen.

b) Ei­ner der­ar­ti­gen Ein­schränkung der Haf­tung nach § 613 a Abs. 1 BGB steht je­doch Art. 5 Abs. 2 a der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 ent­ge­gen.

Dort ist be­stimmt:

„Ar­ti­kel 5
1. So­fern die Mit­glied­staa­ten nichts an­de­res vor­se­hen, gel­ten Ar­ti­kel 3 und 4 nicht für Übergänge von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len, bei de­nen ge­gen den Veräußerer un­ter der Auf­sicht ei­ner zuständi­gen öffent­li­chen Stel­le (wor­un­ter auch ein von ei­ner zuständi­gen Behörde ermäch­tig­ter In­sol­venz­ver­wal­ter ver­stan­den wer­den kann) ein Kon­kurs­ver­fah­ren oder ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren mit dem Ziel der Auflösung des Vermögens des Veräußerers eröff­net wur­de.

2. Wenn die Ar­ti­kel 3 und 4 für ei­nen Über­gang während ei­nes In­sol­venz­ver­fah­ren ge­gen den Veräußerer (...) gel­ten und die­ses Ver­fah­ren un­ter der Auf­sicht ei­ner zuständi­gen öffent­li­chen Stel­le (... auch In­sol­venz­ver­wal­ter) steht, kann ein Mit­glied­staat vor­se­hen, dass:
a) un­ge­ach­tet des Ar­ti­kels 3 Abs. 1 die vor dem Über­gang bzw. vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens fälli­gen Ver­bind­lich­kei­ten des Veräußerers auf­grund von Ar­beits­verträgen oder Ar­beits­verhält­nis­sen nicht auf den Er­wer­ber über­ge­hen, so­fern die­ses Ver­fah­ren nach dem Recht des be­tref­fen­den Mit­glied­staa­tes ei­nen Schutz gewährt, der dem von der Richt­li­nie 80/987/EWG des Ra­tes vom 20.10.1980 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über den Schutz der Ar­beit­neh­mer bei Zah­lungs­unfähig­keit des Ar­beit­ge­bers vor­ge­se­he­nen Schutz zu­min­dest gleich­wer­tig ist, und/oder
b) ...“

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Die Richt­li­nie be­stimmt so­mit in Ar­ti­kel 5 Abs. 1, dass die Vor­schrif­ten über die Wah­rung der Ansprüche und Rech­te der Ar­beit­neh­mer in Art. 3 Abs. 1 grundsätz­lich nicht für Be­triebsübergänge im In­sol­venz­ver­fah­ren gel­ten, so­fern die Mit­glied­staa­ten nichts an­de­res vor­se­hen. In Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie ist ge­re­gelt, dass die Rech­te und Pflich­ten des Veräußerers aus ei­nem zum Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag oder Ar­beits­verhält­nis auf­grund des Über­gangs auf den Er­wer­ber über­ge­hen. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gilt die den Art. 3 und 4 ent­spre­chen­de Vor­schrift des § 613 a BGB auch beim Be­triebsüber­gang in der In­sol­venz (vgl. BAG, a.a.O., ständi­ge Recht­spre­chung seit BAG vom 17. Ja­nu­ar 1980 - 3 AZR 160/79 - AP Nr. 18 zu § 613 a BGB). Gemäß Art. 5 Abs. 2 der Richt­li­nie kann in die­sem Fall ein Mit­glieds­staat vor­se­hen, dass un­ge­ach­tet des Art. 3 Abs. 1 die vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens fälli­gen Ver­bind­lich­kei­ten des Veräußerers nicht auf den Er­wer­ber über­ge­hen. Die Richt­li­nie ge­stat­tet mit­hin nur, vor Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­ren oder des Be­triebsüber­gangs fälli­ge Ver­bind­lich­kei­ten vom Über­gang auf den Er­wer­ber aus­zu­neh­men. Die Aus­nah­men von den Art. 3 und 4 der Richt­li­nie, die den Mit­glied­staa­ten ge­stat­tet sind, zählt Art. 5 Abs. 2 a) und b) ein­zeln auf. Da­nach können Ver­bind­lich­kei­ten des Veräußerers die vor dem Über­gang ent­stan­den nicht vom Über­gang aus­ge­nom­men wer­den. Nur für früher fälli­ge Ansprüche ist dies ge­stat­tet. Die Richt­li­nie nennt aus­drück­lich nur fälli­ge Ver­bind­lich­kei­ten. Sie zählt die Aus­nah­men ein­zeln auf. Ansprüche auf Al­ters­teil­zeit­vergütung während der Frei­stel­lungs­pha­se wer­den - un­abhängig da­von, dass sie in der Ar­beits­pha­se ent­stan­den sein mögen - mo­nat­lich während der Frei­stel­lungs­pha­se fällig. So­weit sie nach dem Be­triebsüber­gang fällig wer­den, er­laubt Art. 5 Abs. 2 a) der Richt­li­nie nicht, sie vom Über­gang aus­zu­neh­men.

c) Das deut­sche In­sol­venz­recht ist richt­li­ni­en­kon­form da­hin aus­zu­le­gen, dass bei ei­nem Be­triebsüber­gang in der In­sol­venz nur bis da­hin fälli­ge, nicht aber al­le vor In­sol­ven­zeröff­nung ent­stan­de­ne Ver­bind­lich­kei­ten aus Ar­beits­leis­tung vom Über­gang aus­zu­neh­men sind. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat Ansprüche auf Al­ters­teil­zeit­vergütung während der Frei­stel­lungs­pha­se vom Über­gang bei ei­ner Be­triebs­veräußerung im Kon­kurs aus­ge­nom­men, so­weit die Ar­beit dafür vor Kon­kurseröff­nung ge­leis­tet wor­den war. Es hat dies mit den Ver­tei­lungs­grundsätzen des In­sol­venz­ver­fah­rens be­gründet, auf die sich die zu­grun­de lie­gen­de Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 17.01.1980 (3 AZR 160/79 – BA­GE 32, 326) hin­sicht­lich be­trieb­li­cher Al­ters­ver­sor­gung be­zog. Es kann da­hin­ste­hen, ob dem zu fol­gen ist. Je­den­falls las­sen sich die­se Ver­tei­lungs­grundsätze und die Vor­schrif­ten der In­sol­venz­ord­nung auch da­hin aus­le­gen, dass nach Be­triebsüber­gang fälli­ge Al­ters­teil­zeit­vergütung in der Frei­stel­lungs­pha­se auf den Be­triebs­er­wer­ber über­ge­hen. Es be­steht kei­ne ge­setz­li­che Vor­schrift des deut­schen Rechts, die das aus­drück­lich aus­schlösse. Viel­mehr be­ruht die­ser Aus­schluss auf der Aus­le­gung der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts. Die Vor­in­stan­zen wa­ren hin­sicht­lich der den Ur­tei­len des BAG vom 19. Ok­to­ber 2004 zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te zu an­de­ren, mit der Richt­li­nie zu ver­ein­ba­ren­den Er­geb­nis­sen ge­kom­men. Es er­scheint durch­aus mit dem deut­schen In­sol­venz­recht als ver­ein­bar, die Pflich­ten aus Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­sen auf ei­nen Be­triebs­er­wer­ber über­ge­hen zu las­sen. Dies mag zwar zu ei­ner Erlösschmäle­rung hin­sicht­lich des zu veräußern­den Be­trie­bes führen. Dies gilt aber nur dann, wenn ent­ge­gen den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ei­ne Si­che­rung der Ver­pflich­tun­gen für die Frei­stel­lungs­pha­se durch die In­sol­venz­schuld­ne­rin zu­vor un­ter­blie­ben war. Be­steht nämlich ei­ne sol­che Si­che­rung, muss der Über­neh­mer kei­ne Kos­ten für frei­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer in der Al­ters­teil­zeit­pha­se befürch­ten oder er kann da­von frei­ge­stellt wer­den. Ist ei­ne sol­che Si­che­rung aber un­ter­blie­ben, sind die ent­spre­chen­den Mit­tel dem Vermögen der In­sol­venz­schuld­ne­rin ver­blie­ben und können in­so­weit auch den an­de­ren In­sol­venzgläubi­gern zu­gu­te kom­men. Dass ein Über­neh­mer auch in der In­sol­venz Ar­beit­neh­mer über­neh­men muss, die auf­grund von Frei­stel­lun­gen oder Krank­heit nicht ar­bei­ten ist un­um­strit­ten. Auch dies er­schwert die Über­tra­gung von Be­trie­ben. Sch­ließlich be­steht ein ent­schei­den­der Un­ter­schied zur Pro­ble­ma­tik auf­grund de­ren der 3. Se­nat mit sei­ner Ent­schei­dung vom 17.01.1980 (BA­GE 32, S. 326 ff.) die in­sol­venz­recht­li­che Ein­schränkung des Über­gangs von An­wart­schaf­ten auf Be­triebs­ren­te im Kon­kurs be­gründe­te. Hin­sicht­lich die­ser An­wart­schaf­ten sind die Ar­beit­neh­mer ge­setz­lich geschützt nach § 7 Be­trAVG durch die Haf­tung des Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­eins. Zum an­de­ren be­tref­fen die Richt­li­ni­en zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Be­triebs­tei­len nicht die Rech­te der Ar­beit­neh­mer auf Leis­tun­gen bei Al­ter, bei In­va­li­dität oder für Hin­ter­blie­be­ne aus be­trieb­li­chen Zu­satz­ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen (Art. 4 a) der Richt­li­nie vom 12. März 2001, Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie von 1977).

- 7 -

d) Da das deut­sche Recht je­den­falls ei­ne Aus­le­gung zulässt, die nicht im Wi­der­spruch steht zu Art. 5 Abs. 2 a) der Richt­li­nie, ist die­ser der Vor­zug zu ge­ben. Das hat der Eu­ropäische Ge­richts­hof in ständi­ger Recht­spre­chung be­gründet ( EuGH, Ur­teil vom 13.11.1990 - Rs. C-106/89 , Slg. 1990, I-4135-Mar­lea­sing) und ist in der deut­schen Recht­spre­chung an­er­kannt (vgl. nur BAG vom 02.04.1996 - 1 ABR 47/95 - BA­GE 82, 349, 361; Ker­ber, Das eu­ropäische Ge­mein­schafts­recht und die Recht­spre­chung der deut­schen Ar­beits­ge­rich­te, 2003, § 5).

§ 613 a Abs. 1 BGB ist so­mit da­hin aus­zu­le­gen, dass die nach ei­nem Be­triebsüber­gang fälli­gen Ansprüche auch aus ei­nem Al­ters­teil­zeit­verhält­nis in der Ru­hens­pha­se vom Be­triebsüber­neh­mer zu erfüllen sind.

4. Die Be­klag­te zu 1., auf die das Al­ters­teil­zeit­verhält­nis der Kläge­rin durch den Be­triebsüber­gang zum 01. Ja­nu­ar 2005 über­ge­gan­gen ist, hat dem­nach die ab die­sem Zeit­punkt fälli­gen Ansprüche der Kläge­rin zu erfüllen die sie mit ih­rer Kla­ge gel­tend ge­macht hat und bleibt da­zu bis zum 31. Ju­li 2006 ver­pflich­tet.

II.

1. Die Kla­ge ge­gen den Be­klag­ten zu 2. ist un­zulässig. Der Be­klag­te zu 2. haf­tet zwar gem. § 613 a Abs. 2 Satz 1 BGB bis En­de 2005 noch ne­ben der Be­klag­ten zu 1. für Ver­pflich­tun­gen aus dem Al­ters­teil­zeit­ver­trag. Ge­genüber dem Be­klag­ten zu 2. han­delt es sich da­bei aber um In­sol­venz­for­de­run­gen, die nur nach den Vor­schrif­ten der In­sol­venz­ord­nung, d.h. durch An­mel­dung zur Ta­bel­le und nicht durch Zah­lungs­kla­ge gel­tend ge­macht wer­den können ( § 87 , 174 In­sO ). Die Ansprüche auf Al­ters­teil­zeit­vergütung während der Frei­stel­lungs­pha­se sind nämlich kei­ne Mas­se­for­de­run­gen, die in der Ar­beits­pha­se vor In­sol­ven­zeröff­nung er­ar­bei­tet wur­den. Das er­gibt sich aus den §§ 55 Abs. 1 Nr. 2 In­sO , § 108 Abs. 2 In­sO . Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in ständi­ger Recht­spre­chung ent­schie­den (vgl. BAG vom 23.02.2005 - 10 AZR 600/03 - AP Nr. 1 zu § 108 In­sO; BAG vom 19.10.2004 - 9 AZR 647/03 - AP Nr. 5 zu § 55 In­sO). Die Kam­mer folgt die­ser Recht­spre­chung. Die während der Frei­stel­lungs­pha­se zu zah­len­de Al­ters­teil­zeit­vergütung ist Ent­gelt für die über die ver­rin­ger­te Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­de Ar­beit. Le­dig­lich die Fällig­keit ist hin­aus­ge­scho­ben und die Be­rech­nung in ei­ner für Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­se ty­pi­schen Wei­se mo­di­fi­ziert. Auch die Verände­run­gen in der Frei­stel­lungs­pha­se, die sich dar­aus er­ge­ben können, dass die Al­ters­teil­zeit­vergütung an ei­nen Ta­rif­ver­trag ge­bun­den ist, können als Fol­ge der auf­ge­scho­be­nen Zah­lung - ge­wis­ser­maßen Ver­zin­sung - an­ge­se­hen wer­den. Die Al­ters­teil­zeit­vergütung in der Frei­stel­lungs­pha­se ist da­mit für die Zeit, in der ge­ar­bei­tet wur­de, ge­schul­det und wird nur später fällig. Da­mit ist sie in­sol­venz­recht­lich als In­sol­venz­for­de­rung und nicht als Mas­se­ver­bind­lich­keit an­zu­se­hen, so­weit die Ar­beits­leis­tung vor In­sol­ven­zeröff­nung er­folg­te.

2. Et­was an­de­res er­gibt sich auch nicht aus den Vor­schrif­ten über die Aus­wir­kun­gen ei­ner Be­triebsüber­nah­me auf die be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se. Sie be­sa­gen nichts darüber, wie Ar­beit­neh­meransprüche in der In­sol­venz zu be­han­deln sind. Sie zwin­gen ins­be­son­de­re nicht da­zu, For­de­run­gen, die nach dem In­sol­venz­recht als In­sol­venz­for­de­run­gen zu be­trach­ten sind, im In­sol­venz­ver­fah­ren des­halb an­ders zu be­han­deln, weil ein Be­triebsüber­gang statt­ge­fun­den hat. Es be­ste­hen auch kei­ne Be­den­ken, den glei­chen An­spruch, der ge­gen den Be­triebsüber­neh­mer ein Zah­lungs­an­spruch ist im In­sol­venz­ver­fah­ren als In­sol­venz­for­de­rung zu be­han­deln. Der An­spruch bzw. die Haf­tung für die­se bleibt die glei­che. Das In­sol­venz­ver­fah­ren sieht le­dig­lich ei­ne be­son­de­re Form der Gel­tend­ma­chung und der Be­frie­di­gung vor. So kann der An­spruch auf Al­ters­teil­zeit­vergütung ge­gen den Be­triebsüber­neh­mer bei des­sen In­sol­venz wie­der­um als In­sol­venz­for­de­rung gel­tend zu ma­chen sein, während bei ei­ner Quo­te von 100% der An­spruch aus ei­ner Haf­tung nach § 613 a Abs. 2 BGB vom veräußern­den In­sol­venz­ver­wal­ter vollständig zu erfüllen wäre.

III.

- 9 -

Die Kos­ten sind im Verhält­nis des je­wei­li­gen Ob­sie­gens und Un­ter­lie­gens un­ter Berück­sich­ti­gung der Kla­gerück­nah­me ver­teilt.

Die Re­vi­si­on war schon we­gen der auf­ge­zeig­ten Ab­wei­chung von der Recht­spre­chung des
Bun­des­ar­beits­ge­richts zu­zu­las­sen.

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