Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Elternzeit: Verlängerung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 10 Sa 59/09
Typ: Teilurteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.04.2010
   
Leit­sätze: Stimmt ein Ar­beit­ge­ber ei­ner be­an­trag­ten Verlänge­rung der El­tern­zeit im Rah­men des § 15 II BEEG nicht zu, ist nicht zu prüfen, ob die Ab­leh­nung des Ar­beit­ge­bers nach § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG bil­li­gem Er­mes­sen ent­spricht. Die Ab­leh­nung durch den Ar­beit­ge­ber be­darf bis zur Be­gren­zung durch den Rechts­miss­brauch kei­ner Be­gründung.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 01.09.2009, 8 Ca 109/09
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 315/10
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

- Kam­mern Frei­burg -

 

Verkündet

am 14.04.2010

Ak­ten­zei­chen:

10 Sa 59/09

8 Ca 109/09 (ArbG Frei­burg - Kn. Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen) (Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

S.
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Teil­ur­teil

In dem Rechts­streit

- Be­klag­te/Be­ru­fungskläge­rin -

Proz.-Bev.:

ge­gen

- Kläge­rin/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Proz.-Bev.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern
Frei­burg - 10. Kam­mer -
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Ar­nold,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lerch
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Merz
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.04.2010

für Recht er­kannt:

1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg vom 01.09.2009, Az. 8 Ca 109/09 wie folgt ab­geändert:
a) Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen, so­weit die Kläge­rin
die Zu­stim­mung zur Verlänge­rung der El­tern­zeit über den 02.01.2009 hin­aus bis zum 02.01.2010 be­gehrt.
b) Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen, so­weit die Kläge­rin
die Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 26.02.2009 aus der Per­so­nal­ak­te be­gehrt.
2. Die Kos­ten­ent­schei­dung bleibt dem Schlus­s­ur­teil vor­be­hal­ten.
3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

- 2 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um den An­spruch der Kläge­rin auf Verlänge­rung der El­tern­zeit.

Die 35 Jah­re al­te le­di­ge Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten seit Ok­to­ber 2005 als Ar­bei­te­rin in Voll­zeit zu ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ent­gelt von € 2.000,00 beschäftigt. Die Kläge­rin mit 4 min­derjähri­gen Kin­dern hat am 03.01.2008 ein wei­te­res Kind ge­bo­ren. Auf ih­ren schrift­li­chen An­trag vom 04.03.2008 wur­de der Kläge­rin un­ter Hin­weis auf die Nicht­ein­hal­tung der Ankündi­gungs­frist im Hin­blick auf die fa­mi­liäre Si­tua­ti­on die El­tern­zeit für die Zeit vom 03.01.2008 bis zum 02.01.2009 bestätigt.

Mit am 08.12.2008 bei der Be­klag­ten ein­ge­gan­ge­nen Schrei­ben hat die Kläge­rin dar­um ge­be­ten, die be­ste­hen­de El­tern­zeit um 1 Jahr zu verlängern, da es ihr ge­sund­heit­lich nach der letz­ten Schwan­ger­schaft nicht gut ge­he und sie häufig krank sei. Die­sen An­trag hat die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 11.12.2008 ab­ge­lehnt und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Ar­beits­be­ginn nach En­de der El­tern­zeit am Mon­tag, den 05.01.2009 sei.

Mit Schrei­ben vom 30.12.2008 hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin der Be­klag­ten mit­ge­teilt, dass die­se der Auf­for­de­rung, die Tätig­keit auf­zu­neh­men, nicht nach­kom­men könne. Es lie­ge zwar kein schrift­li­ches Ein­ver­neh­men im Sin­ne des § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG be­treffs Verlänge­rung der El­tern­zeit vor. Sie ha­be je­doch An­spruch auf Verlänge­rung aus wich­ti­gem Grund nach § 16 Abs. 3 S. 4 BEEG, da ih­re Toch­ter ernst­haft und akut er­krankt sei und ei­ne ernst­haf­te Herz­er­kran­kung ver­mu­tet wer­de. Da­her müsse sie auch nicht die Ankündi­gungs­frist nach § 16 Abs. 1 S. 1 BEEG ein­hal­ten.

Der Be­klag­ten­ver­tre­ter hat mit Schrei­ben vom 15.01.2009 mit­ge­teilt, dass ein An­spruch nicht be­ste­he. Das Verlänge­rungs­be­geh­ren sei spätes­tens 7 Wo­chen vor En­de der El­tern­zeit ein-zu­rei­chen ge­we­sen. Ein wich­ti­ger Grund für ei­ne Verlänge­rung be­ste­he nicht.

Mit Schrei­ben vom 05.02.2009 wur­de die Kläge­rin we­gen un­ent­schul­dig­tem Feh­len am Ar-beits­platz ab­ge­mahnt.

Mit am 25.02.2009 er­ho­be­ner Kla­ge hat die Kläge­rin gel­tend ge­macht, dass sich bei ih­rer Toch­ter En­de des Jah­re 2008 ei­ne ernst­haf­te und aku­te Er­kran­kung ge­zeigt ha­be, wel­che

 

- 3 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

da­zu führen würde, dass die Toch­ter aschen­fahl wer­de und die Lip­pen blau an­lau­fen würden. Sol­che Vorfälle hätten sich un­re­gelmäßig z. B. En­de De­zem­ber 2008, 20.01.2009 und zu­letzt am 06.02.2009 ge­zeigt. An­ge­sichts der Kin­des­er­kran­kung ha­be sie die Ankündi­gungs­frist nicht ein­hal­ten müssen. Da die be­an­trag­te Verlänge­rung der El­tern­zeit rechtmäßig ge­we­sen sei, lie­ge auch oh­ne Zu­stim­mung der Be­klag­ten der­zeit El­tern­teil­gewährung vor, da­her sei auch die Ab­mah­nung rechts­un­wirk­sam.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass auch über den 02. Ja­nu­ar 2009 hin­aus­ge­hend bis auf wei­te­res der Kläge­rin El­tern­zeit zu­steht und ge­nom­men hat.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass die Ar­beit­ge­be­r­ab­mah­nung vom 06.02.2009 we­gen Fehl­zeit rechts­un­wirk­sam ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Verlänge­rung der El­tern­zeit nach § 16 Abs. 3 kom­me nur in Be­tracht, wenn ein Wech­sel in der Per­son des An­spruchs­be­rech­tig­ten vor­lie­gen würde. Dies sei nicht der Fall. Ei­ne Ver-kürzung der 7-Wo­chen­frist sei zu­dem nur aus drin­gen­den Gründen nur bei der erst­ma­li­gen Gel­tend­ma­chung des An­spru­ches zulässig.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge mit fol­gen­dem Ent­schei­dungs­te­nor statt­ge­ge­ben:
1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, zu­zu­stim­men in die Verlänge­rung der El­tern­zeit über den 02.01.2009 hin­aus bis auf wei­te­res, längs­tens bis zum 02.01.2011.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Ab­mah­nung vom 26.02.2009 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

Der An­spruch auf Verlänge­rung der El­tern­zeit er­ge­be sich aus § 16 Abs. 3 S. 1 2. Hs i. V. m. § 15 Abs. 2 BEEG. Es würden Gründe für die Verlänge­rung der El­tern­zeit nach § 15 Abs. 2 BEEG vor­lie­gen, da die Herz­er­kran­kung der Toch­ter ei­ne be­son­de­re Härte dar­stel­le. Die Zu­stim­mung zur Verlänge­rung der El­tern­zeit könne da­her nur aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen ver­wei­gert wer­den, wel­che nicht dar­ge­tan sei­en. Unschädlich sei, dass die 7-Wo­chen­frist nicht ge­wahrt sei. Aus der Re­ge­lung des § 16 Abs. 2 BEEG er­ge­be sich ein all-ge­mei­ner Grund­satz, dass bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des die 7-Wo­chen­frist nicht zu wah­ren sei.

- 4 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Da die Kläge­rin An­spruch auf Verlänge­rung der El­tern­zeit ha­be, sei die Ab­mah­nung un­zulässig.

Ge­gen das der Be­klag­ten am 15.09.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 30.09.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 14.10.2009 be­gründet. Die Nicht­ein­hal­tung der Frist ha­be sie be­rech­tigt, den An­trag auf Verlänge­rung der El­tern­zeit ab­zu­leh­nen. Im Übri­gen lie­ge kein Fall des § 16 Abs. 2 BEEG vor. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung die­ser Frist schei­de aus. Ein An­spruch auf Verlänge­rung nach § 16 Abs. 3 S. 4 BEEG schei­de aus, da die Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lie­gen würden. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung bei sons­ti­gen wich­ti­gen Gründen schei­de aus. Im Übri­gen lie­ge der be­haup­te­te wich­ti­ge Grund so nicht vor. Die Kläge­rin ha­be bei dem An­trag am 03.12.2008 auf vor­her­ge­hen­de ge­sund­heit­li­che Störun­gen ab­ge­stellt. So­weit es um die Er­kran­kung des Kin­des ge­he, sei­en die Rech­te der Kläge­rin durch die Rechts­ord­nung in an­de­rer Wei­se hin­rei­chend berück­sich­tigt. So ha­be sie nach § 45 Abs. 1 SGB IV ei­nen An­spruch auf Kin­der­pfle­ge-Kran­ken­geld und auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung, so­weit sie durch ärzt­li­che Be­schei­ni­gung die Er­kran­kung des Kin­des nach­wei­se.

Es be­ste­he auch kein An­spruch auf Verlänge­rung nach § 16 Abs. 3 Satz 3 BGB. Sie ha­be fest mit der Ar­beits­kraft der Kläge­rin ge­rech­net. Die Auf­ga­ben der Kläge­rin sei­en als Fol­ge des Weg­blei­bens von zwei Leih­ar­bei­te­rin­nen über­nom­men wor­den, die zu­vor seit Ok­to­ber 2008 im Rah­men ver­schie­de­ner Großauf­träge im Be­reich Wa­re­n­an­nah­me tätig ge­we­sen sei. Zwei Leih­ar­beits­kräfte sei­en nötig ge­we­sen, da un­ge­lern­te Ar­beits­kräfte für das Auf­ga­ben­ge­biet der Kläge­rin (Ein- und Aus­la­gern so­wie Kon­fek­tio­nie­ren und Ätzen) ei­ne ent­spre­chen­de Ein­ar­bei­tung benöti­gen würden, ver­bun­den mit ei­nem Ef­fi­zi­enz­ver­lust von min­des­tens 50 bis 70 %. Bei übri­gen Kol­le­gen sei ei­ne Ar­beits­ver­dich­tung ein­ge­tre­ten.

Die Be­klag­te be­an­tragt:
1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg, Kn. Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen vom 01.09.2009, Az.: 8 Ca 109/09 wird ab­geändert.
2. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kla­ge­an­trag Zif­fer 2 wird mit der Kläge­rin da­bei auf Hin­weis wie folgt ge­stellt:
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der von der Kläge­rin be­an­trag­ten Verlänge­rung der El­tern-
zeit über den 02.01.2009 hin­aus bis zum 02.01.2011 zu­zu­stim­men.

 

- 5 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Das Ar­beits­ge­richt ha­be der Kla­ge mit zu­tref­fen­den Gründen statt­ge­ge­ben. Die Be­klag­te könne drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ge­gen die Verlänge­rung nicht vor­wei­sen. Die Be­klag­te stel­le auf Förm­lich­kei­ten ab. Ihr An­spruch er­ge­be sich aus § 16 Abs. 2 BEEG. Die schwe­re ernst­haf­te Er­kran­kung der Toch­ter sei akut An­fang De­zem­ber 2008 ge­wor­den. Ei­ne Ver­sa­gung sei rechts­miss­bräuch­lich ver­wei­gert wor­den im Hin­blick auf den be­son­de­ren Härte­fall auf­grund der Er­kran­kung der Toch­ter. Das BEEG sei of­fen für jed­we­de Härtefälle, wel­che das Le­ben schrei­be. Mit Nicht­wis­sen wer­de be­strit­ten, dass die Be­klag­te mit ih­rer Rück­kehr ge­rech­net und die Ar­beits­leis­tung ein­ge­plant ha­be. Der ein­zi­ge zu­mut­ba­re Be­helf als Fol­ge der Nichtrück­kehr ha­be dar­in be­stan­den, ei­ne adäqua­te Zeit­ar­beit als Kraft ein­zu­stel­len. Es sei auch wi­dersprüchlich, wenn die Be­klag­te zu­gleich be­haup­te, zwei Zeit­ar­beits­kräfte er-satz­wei­se zu beschäfti­gen, ver­bun­den mit ei­ner zusätz­li­chen Ar­beits­ver­dich­tung bei der übri­gen Mit­ar­bei­ter­schaft. Die An­stel­lung für zwei Leih­ar­bei­te­rin­nen im Ok­to­ber 2008 las­se auch klar er­ken­nen, dass sich die Be­klag­te auf die feh­len­de Ar­beits­kraft ein­ge­stellt ha­be und da­von aus­ge­gan­gen wer­de, dass es sich um zwei Teil­zeit­kräfte han­de­le, die ih­ren Ar­beits­platz ausfüllen würden. Oder aber sei es so, dass, soll­te es sich um Voll­zeit­ar­beits­kräfte han­deln, die­se noch wei­te­re Tätig­kei­ten ausüben würden. Der Ef­fi­zi­enz­ver­lust von 50 bis 70 % sei nicht nach­voll­zieh­bar. Die be­haup­te­te Ar­beits­ver­dich­tung sei nicht schlüssig dar­ge­stellt.

Die Be­klag­te hat in der Fol­ge das Ar­beits­verhält­nis mit Kündi­gung vom 10.03.2009 zum 30.04.2009 gekündigt. Das Ver­fah­ren ist bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss die­ses Ver­fah­rens aus­ge­setzt.

 

- 6 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist be­gründet.

I.

Die nach § 64 Abs. 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist ins­be­son­de­re gemäß § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i. V. m. den §§ 517, 519 Abs. 1, 2 ZPO frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II.

Die zulässi­ge Be­ru­fung der Be­klag­ten ist be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf die En­de 2008 be­an­trag­te Verlänge­rung der El­tern­zeit um 1 Jahr, die Ge­gen­stand die­ses Teil­ur­teils ist.

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten hat nicht be­reits des­halb Er­folg, weil das Ar­beits­ge­richt bei sei­ner Ent­schei­dung ge­gen § 308 Abs. 1 ZPO ver­s­toßen hat. Der Ver­s­toß ge­gen § 308 Abs. 1 ZPO ist ge­heilt.

Nach § 308 Abs. 1 S. 1 ZPO ist ein Ge­richt nicht be­fugt, ei­ner Par­tei et­was zu­zu­spre­chen, was nicht be­an­tragt ist. Das ist Aus­druck der den Zi­vil­pro­zess be­herr­schen­den Dis­po­si­ti­ons­ma­xi­me. Das Ge­richt darf der kla­gen­den Par­tei we­der quan­ti­ta­tiv mehr noch qua­li­ta­tiv et­was an­de­res zu­er­ken­nen. Ein er­folg­ter Ver­s­toß ge­gen § 308 I 1. ZPO ist im Rechts­mit­tel von Amts we­gen zu be­ach­ten (vgl. BAG, Urt. v. 28.02.2006, 1 AZR 460/04, NZA 2006, 798).

Vor­lie­gend hat das Ar­beits­ge­richt der Kläge­rin qua­li­ta­tiv et­was an­de­res zu­ge­spro­chen, als die­se be­an­tragt hat­te. Der An­trag der Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich dar­auf ab­ge­stellt, dass die­se für die Verlänge­rung der El­tern­zeit der Zu­stim­mung der Ge­gen­sei­te nicht be­darf, viel­mehr auf ih­ren An­trag die El­tern­zeit au­to­ma­tisch verlängert wird. Dass die Kläge­rin da­von aus­ge­gan­gen ist, zeigt sich auch dar­an, dass die Kläge­rin oh­ne Vor­lie­gen der Zu­stim­mung der Ge­gen­sei­te nach dem 03.01.2009 auch nicht vorüber­ge­hend bis zur Klärung die Tätig­keit auf­ge­nom­men hat.

 

- 7 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Zu­ge­spro­chen hat das Ar­beits­ge­richt der Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Verlänge­rung der El­tern­zeit, d. h. auf Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung durch die Be­klag­te. Das Ar­beits­ge­richt hat wei­ter ge­gen § 308 Abs. 1 S. 1 ZPO ver­s­toßen, als es die Be­klag­te da­zu ver­ur­teilt hat, der Verlänge­rung der El­tern­zeit über den 02.01.2009 bis auf wei­te­res, längs­tens bis zum 02.01.2011, zu­zu­stim­men. Der An­trag der Kläge­rin be­durf­te in­so­weit erst­in­stanz­lich der Aus­le­gung. Be­an­tragt hat­te die Kläge­rin vor­pro­zes­su­al die Verlänge­rung der El­tern­zeit um 1 wei­te­res Jahr. Im Rah­men der ge­bo­te­nen Hin­weis­pflicht hätte das Ar­beits­ge­richt aufklären müssen, was die Kläge­rin meint, wenn die­se die Fest­stel­lung be­an­tragt, dass ihr „bis auf wei­te­res“ El­tern­zeit zu­ste­he. Zu­min­dest hätte das Ar­beits­ge­richt während des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens, in dem kein An­trag auf Verlänge­rung der El­tern­zeit über das 2. Jahr hin­aus im Raum stand, die Ent­schei­dung auf das be­an­trag­te Jahr der Verlänge­rung für 1 Jahr be­gren­zen müssen und nicht, wie ge­sche­hen, bis zum 02.01.2011 im Hin­blick auf ein wei­te­res mögli­ches 3. Jahr der El­tern­zeit.

Der Ver­s­toß des Ar­beits­ge­rich­tes ge­gen § 308 Abs. 1 S. 1 ZPO wur­de je­doch im Be­ru-fungs­ver­fah­ren ge­heilt. Die Ver­let­zung des § 308 I ZPO kann nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Schrift­tum da­durch ge­heilt wer­den, dass die kla­gen­de Par­tei sich die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung im zwei­ten Rechts­zug durch den An­trag auf Zurück­wei­sung zu ei­gen macht (vgl. BAG, Urt. v. 28.02.2006, 1 AZR 460/04, NZA 2006, 798).

2. Der An­trag auf Zu­stim­mung zur Verlänge­rung der El­tern­zeit ist zulässig. Seit In­kraft­tre­ten des § 311 a BGB kommt die Ver­ur­tei­lung zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung in Be­tracht, mit der ein Ver­trags­an­ge­bot an­ge­nom­men wer­den soll, das rück­wir­kend auf ei­ne Ver­tragsände­rung zu ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­punkt ge­rich­tet ist. Es geht vor­lie­gend um ei­ne Ver­tragsände­rung mit Rück­wir­kung und nicht, was un­zulässig wäre, um ei­ne Rück­da­tie­rung des Ände­rungs­ver­tra­ges (rück­wir­ken­der Ver­trags­schluss; vgl. BAG, Urt. v. 17.12.2009, 6 AZR 242/09, NZA 2010 S. 273; BAG, Urt. v. 15.09.2009, 9 AZR 608/08, NZA 2010 S. 32).

3. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Verlänge­rung der El­tern­zeit für das 2. Le­bens­jahr des Kin­des. Den An­spruch hat das Ar­beits­ge­richt un­ter Ver­ken­nung der Sys­te­ma­tik des § 16 Abs. 3 zu Un­recht be­jaht. Zwar ist das Ar­beits­ge­richt zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass nach § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG die El­tern­zeit im Rah­men des § 15 Abs. 2 BEEG

- 8 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

verlängert wer­den kann, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­stimmt und die­sen nicht rechts­miss­bräuch­lich ver­wei­gern dürfe. Über­prüft hat das Ar­beits­ge­richt je­doch nicht, ob die Ver­wei­ge­rung durch die Be­klag­te rechts­miss­bräuch­lich war, viel­mehr, ob der Zu­stim­mung der Verlänge­rung drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen ste­hen. Dies ist ein un­ter-schied­li­cher und an­de­rer Prüfungs­maßstab, der sich aus dem Ge­setz nicht er­gibt.
a) Nach dem im BEEG in der Fas­sung ab 01.01.2001 muss ein Ar­beit­neh­mer im Ge­gen­satz zur frühe­ren Rechts­la­ge mit Bin­dungs­wir­kung nach § 16 Abs. 1 S. 1 BBEG El­tern­zeit nur noch mit Bin­dungs­wir­kung für den Zeit­raum der ers­ten zwei Jah­re be­an­tra­gen. Die An­ga­ben zu den Zeiträum­en bis zur Voll­endung des 2. Le­bens­jah­res des Kin­des sind zwin­gend vor­ge­schrie­ben und grundsätz­lich für bei­de Par­tei­en ver­bind­lich (vgl. ErfK/Dörner, § 16 BEEG Rz. 4). Die­se für Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber ver­bind­li­che Fest­le­gung der El­tern­zeit für 2 Jah­re stellt ei­nen Kom­pro­miss zwi­schen den Dis­po­si­ti­ons­in­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ei­ner­seits und den In-ter­es­sen der El­tern an ei­ner möglichst fle­xi­blen Ge­stal­tung der El­tern­zeit dar (vgl. Lin­de­mann/Si­mon, NJW 2001 S. 260). Für den Ar­beit­neh­mer be­deu­tet dies, dass, wenn ursprüng­lich El­tern­zeit für 12 Mo­na­te seit der Ge­burt des Kin­des gel­tend ge-macht wur­de, die­ser im dop­pel­ten Sin­ne für die ers­ten 2 Jah­re ge­bun­den ist. Er muss 12 Mo­na­te tatsächlich in El­tern­zeit und er kann später für die un­mit­tel­bar an-schließen­den 12 Mo­na­te mit Rück­sicht auf die 2 Jah­re Bin­dungs­wir­kung kei­nen Er­zie­hungs­ur­laub mehr ver­lan­gen (vgl. Sof­ka, NZA 2000 S. 1185 mit ei­nem die­sem Sach­ver­halt iden­ti­schen Bei­spiel).
b) Den An­spruch auf Verände­rung der fest­ge­leg­ten Zeiträume bis zur Voll­endung des 2. Le­bens­jah­res des Kin­des kann sich nur aus § 16 Abs. 3 BEEG er­ge­ben. Nach § 16 Abs. 3 S. 4 BEEG be­steht ein An­spruch auf ei­ne Verlänge­rung nur dann, wenn ein vor­ge­se­he­ner Wech­sel in der An­spruchs­be­rech­ti­gung aus ei­nem wich­ti­gen Grund nicht er­fol­gen kann. Die­ser Sach­ver­halt liegt nicht vor. Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung die­ser für ei­nen Son­der­fall vor­ge­se­he­nen Aus­nah­me­re­ge­lung schei­det aus.
c) Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Zu­stim­mung nach § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG. Die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung der Be­klag­ten ist nicht an den Grundsätzen des bil­li­gen Er­mes­sens (§ 315 BGB) zu mes­sen, viel­mehr nur nach dem Maßstab des Rechts­miss­brau­ches.
Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes zu § 15 Abs. 2 S. 4 BEEG ist nicht über­trag­bar.
Nach § 15 Abs. 2 S. 4 BEEG sind 12 Mo­na­te der El­tern­zeit mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers auf die Zeit bis zur Voll­endung des 8. Le­bens­jah­res über­trag­bar. Die-

 

- 9 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

se Re­ge­lung ist zu se­hen im Zu­sam­men­hang mit der ab 01.01.2001 gel­ten­den Ge­set­zes­la­ge, wo­nach im Ge­gen­satz zur al­ten Ge­set­zes­la­ge die ver­bind­li­che Fest­set­zung auf ei­nen Zeit­raum von 2 Jah­ren re­du­ziert wur­de. Ge­set­zes­zweck der Re­ge­lung ist nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers, über ei­ne fle­xi­bi­li­sier­te El­tern­zeit zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf bei­zu­tra­gen und die be­ruf­li­che Mo­ti­va­ti­on jun­ger El­tern zu erhöhen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat aus die­sem Ge­set­zes­zweck ge­schlos­sen, dass, auch wenn der Ge­setz­ge­ber ge­se­hen hat, dass die Über­tra­gung auf ei­nen späte­ren Zeit­raum nach der Voll­endung des 3. Le­bens­jah­res des Kin­des mit be­trieb­li­chen In­ter­es­sen kol­li­die­ren kann, die Ent­schei­dung über die Zu­stim­mung nicht im frei­en Be­lie­ben des Ar­beit­ge­bers steht, viel­mehr die­se Ab­leh­nung ei­ne In­ter­es­sen­abwägung gemäß § 315 Abs. 3 S. 1 BGB vor­aus­setzt (vgl. BAG, Urt. v. 21.04.2009, 9 AZR 391/08, NJW 2010 S. 695).

An­ge­sichts des un­ter­schied­li­chen Norm­zwe­ckes ist die Ent­schei­dung nicht auf § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG über­trag­bar. Die Über­tra­gung ei­nes Teils der El­tern­zeit nach § 15 Abs. 2 S. 4 BEEG dient, auch im Hin­blick auf die da­mit be­ste­hen­de Möglich­keit, den El­tern bei ei­ner kur­zen Ge­bur­ten­fol­ge den Er­halt der vol­len El­tern­zeit­ansprüche zu ermögli­chen, der Fle­xi­bi­li­sie­rung der El­tern­zeit. Im Ge­gen­satz hier­zu ist auch zum Schutz der Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers die Fest­le­gung der El­tern­zeit in­ner­halb der ers­ten 2 Jah­re bin­dend. Aus die­sem Grund wird auch in der Li­te­ra­tur, so­weit er­sicht­lich, zwi­schen der Über­prüfung der Ab­leh­nung auf bil­li­ges Er­mes­sen bei § 15 Abs. 2 S. 4 BEEG und auf Rechts­miss­brauch bei § 16 Abs. 3 S. 1 BEEG un­ter­schie­den (vgl. z.B. ErfK/Dörner, BEEG, § 15 Rz. 7; § 16 Rz. 4; Kütt­ner, Per­so-nal­hand­buch, El­tern­zeit, Rz. 9 ei­ner­seits, Rz. 17 an­de­rer­seits; Rancke, BEEG, § 15 Rz. 45 ei­ner­seits, § 16 Rz. 12 an­de­rer­seits; Buch­ner/Be­cker, § 15 Rz. 16 ei­ner­seits, § 16 Rz. 21 an­de­rer­seits, a. A. DFL/Böck, 2. Auf­la­ge 2009, BEEG, § 16 Rz. 6).

Da­her ist der Ar­beit­ge­ber bis zur Gren­ze des Rechts­miss­brau­ches in der Ent­schei­dung, ob er in­ner­halb der Fest­le­gung mit Bin­dungs­wir­kung für 2 Jah­ren ei­nem Verände­rungs­wunsch (vor­zei­ti­ge Be­en­di­gung oder Verlänge­rung) zu­stimmt, wenn kei­ner der Son­derfälle nach § 16 Abs. 3 S. 2, 4 BEEG vor­liegt. Es be­steht da­her für den Ar­beit­neh­mer nur die Möglich­keit, nach Ab­lauf von 2 Jah­ren selbst ei­ne „Verlänge­rung“ der El­tern­zeit für das 3. Jahr her­bei­zuführen, in­dem er für das 3. Jahr El­tern­zeit in An­spruch nimmt.

 

- 10 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Die Ausübung ei­nes Rech­tes kann im Ein­zel­fall un­zulässig sein, wenn ein Be­rech­tig­ter kein schutzwürdi­ges Ei­gen­in­ter­es­se ver­folgt oder über­wie­gen­de schutzwürdi­ge In­ter­es­sen der Ge­gen­par­tei ent­ge­gen ste­hen und die Rechts­ausübung im Ein­zel­fall zu ei­nem grob un­bil­li­gen, mit der Ge­rech­tig­keit nicht mehr zu ver­ein­ba­ren­den Er­geb­nis führen würde.

Nicht rechts­miss­bräuch­lich ist es, wenn sich die Be­klag­te auf die Bin­dungs­wir­kung im Hin­blick auf die da­mit geschütz­te Dis­po­si­ti­ons­frei­heit be­ruft. Es mag sein, dass die von der Be­klag­ten vor­ge­brach­ten Gründe ei­ner Über­prüfung nach § 315 BGB an­hand von bil­li­gem Er­mes­sen nicht genügen. Dies macht die Ab­leh­nung nicht rechts­miss­bräuch­lich. Ob und wann über­wie­gen­de schutzwürdi­ge In­ter­es­sen der Ge­gen­par­tei ei­nen Rechts­miss­brauch be­gründen können, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Es genügt nicht, dass ei­ne Rechts­ausübung die Ge­gen­sei­te hart trifft. Es müssen zu­min­dest Umstände hin­zu­kom­men, die die Rechts­ausübung im Ein­zel­fall als ei­ne grob un­bil­li­ge, mit der Ge­rech­tig­keit nicht zu ver­ein­ba­ren­de Be­nach­tei­li­gung er­schei­nen las­sen (vgl. zur un­ter­schied­li­chen Fall­ge­stal­tun­gen Jau­er­nig, BGB, 12. Auf­la­ge, § 242 Rz. 41 m. w. N.). Dies ist nicht der Fall. Auf­fal­lend ist zunächst, dass die Kläge­rin ih­ren An­trag vom 03.12.2008 nicht auf ei­ne Er­kran­kung des Kin­des gestützt hat, viel­mehr die ei­ge­ne ge­sund­heit­li­che Si­tua­ti­on. Der späte­re Hin­weis auf die Er­kran­kung des Kin­des (das At­test vom 23.03.2009 spricht vom drin­gen­den Ver­dacht ei­nes Herz­feh­lers des Kin­des) genügt nicht. Es ist ins­be­son­de­re über­haupt nicht er­kenn­bar, in­wie­weit sich als Fol­ge der Er­kran­kung die Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on geändert hat. Die Kläge­rin hat meh­re­re min­derjähri­ge Kin­der. Es ist be­reits nicht er­kenn­bar, wel­che Pla­nun­gen und Über­le­gun­gen die Kläge­rin hin­sicht­lich des 2. Le­bens­jah­res des neu­ge­bo­re­nen Kin­des an­ge­stellt hat­te und ob und in­wie­weit die­se als Fol­ge der Er­kran­kung nicht mehr rea­li­sier­bar sind.

Der strei­ti­ge An­spruch auf Verlänge­rung der El­tern­zeit für das 2. Le­bens­jahr des Kin­des ist da­her un­be­gründet.

4. Der An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 26.02.2009 ist gleich­falls un­be­gründet. Nach ge­fes­tig­ter Recht­spre­chung kann der Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber die Ent­fer­nung ei­ner un­ge­recht­fer­tig­ten Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen (vgl. z.B. BAG, Urt. v. 05.08.1992, 5 AZR 531/91, AP Nr. 8 zu § 611 BGB - Ab­mah­nung). Ein ent­spre­chen­der An­spruch be­steht u.a. dann, wenn die Ab­mah­nung auf un­zu­tref­fen­den Tat-

 

- 11 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

sa­chen be­ruht. Für die Rich­tig­keit der Tat­sa­chen, die der Ab­mah­nung zu­grun­de­lie­gen, ist in vol­lem Um­fang der Ar­beit­ge­ber dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig.

Nach die­sen Maßstäben hat die Kläge­rin kei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te.

So­weit es, wie hier, dar­um geht, dass ei­nem Ar­beit­neh­mer ei­ne Ver­let­zung sei­ner ar-beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten vor­ge­wor­fen wird, kommt es nicht dar­auf an, ob die­ser Pflicht­ver­s­toß dem Ar­beit­neh­mer sub­jek­tiv vor­werf­bar ist. Es reicht aus, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen ob­jek­ti­ven Ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers ge­gen sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten rügt (vgl. BAG, Urt .v. 07.09.1998, 5 AZR 625/87, NZA 1997 S. 145; v. 30.05.1996, 6 AZR 537/95, NZA 1997 S. 145). Die Fra­ge des Ver­schul­dens und der Schwe­re des Ver­schul­dens mag ei­ne Rol­le spie­len im Zu­sam­men­hang mit der in der Fol­ge aus­ge­spro­che­nen or­dent­li­chen Kündi­gung durch die Be­klag­te, nicht je­doch im Rah­men der Ab­mah­nung. Da die Kläge­rin, wie aus­geführt, kei­nen An­spruch auf Zu­stim­mung zur Verlänge­rung der El­tern­zeit hat­te, hat die­se ab 05.01.2009 un­be­rech­tigt ge­fehlt. Dem Vor­trag der Kläge­rin kann auch nicht ent­nom­men wer­den, dass ihr die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung nach § 275 Abs. 3 BGB unmöglich ge­wor­den ist. Hier­zu sind, wie be­reits oben aus­geführt, die Aus­wir­kun­gen des Ver­dachts der Herz­er­kran­kung des Kin­des auf die Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung nach En­de der für 1 Jahr be­an­trag­ten El­tern­zeit nicht näher dar­ge­legt.

III.

Die Kos­ten des Rechts­streits hat die un­ter­lie­gen­de Kläge­rin zu tra­gen. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on er­folgt nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

 

- 12 -

Teil­ur­teil vom 14.04.2010 - 10 Sa 59/09 -

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1. Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. nach Maßga­be ih­rer Zu­las­sung im Ur­teils­te­nor schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re-vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

a. Rechts­anwälte,
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

In den Fällen der lit. b und c müssen die han­deln­den Per­so­nen die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

2. Für d. Bekl. ist ge­gen die­ses Ur­teil ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 10 Sa 59/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880