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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Nürnberg
Akten­zeichen: 4 Sa 673/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.03.2008
   
Leit­sätze:

So­weit ob­jek­tiv die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG vor­lie­gen, kann sich ein Verlänge­rungs­ver­trag gem. § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG zeit­lich auch an ei­ne Be­fris­tung mit sach­li­chem Grund (hier: be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis gem. § 14 Abs. 1 Satz 2 Ziff. 5 Tz­B­fG) an­sch­ließen.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Nürnberg
   

4 Sa 673/07
8 Ca 1759/07 A

(Nürn­berg)

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT NÜRN­BERG

IM NA­MEN DES VOL­KES
UR­TEIL
in dem Rechts­streit


A...


- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ...


g e g e n


Fir­ma B... GmbH,
- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te-

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: ...


we­gen Kündi­gung u.a.
 


Die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg hat durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg R o t h und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Oberst und Wag­ner auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. März 2008


für Recht er­kannt:


1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg, Ge­richts­tag Ans­bach, vom 14.08.2007, Az.: 8 Ca 1759/07 A, wird auf Kos­ten des Be­ru­fungsführers zurück­ge­wie­sen.


2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d :


Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fungs­in­stanz noch über den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über den 18.06.2007 hin­aus und die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur tatsächli­chen Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers.


Der am 13.02.1950 ge­bo­re­ne, schwer­be­hin­der­te Kläger war bei der Be­klag­ten auf der Grund­la­ge des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 19.06.2006 (Ko­pie Bl. 30-32 d.A.) ab die­sem Tag als „Fach­kraft in der Pfle­ge“ ge­gen ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt in Höhe von EUR 3.177,96 beschäftigt.
In § 1 Abs. 2 Satz 1 tra­fen die Par­tei­en fol­gen­de Ver­ein­ba­rung: „ Das Ar­beits­verhält­nis wird für die Dau­er von sechs Mo­na­ten zur Pro­be ab­ge­schlos­sen und en­det mit der Pro­be­zeit, so­fern es nicht zu­vor verlängert wird“.


Mit schrift­li­chem Zu­satz­ver­trag vom 28.11.2006 (Ko­pie Bl. 38 d.A.) ver­ein­bar­ten die Par­tei­en, dass die Pro­be­zeit um ein hal­bes Jahr verlängert wird und am 18.06.2007 en­det. Die übri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen soll­ten un­verändert fort­be­ste­hen.


Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit Schrei­ben vom 27.02.2007 (Ko­pie Bl. 40 d.A.) or­dent­lich zum 31.03.2007.
Hier­ge­gen hat der Kläger mit dem beim Ar­beits­ge­richts Nürn­berg am 09.03.2007 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 08.03.2007 Kündi-gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben, den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses über den 31.03.2007 gel­tend ge­macht und sei­ne tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung so­wie die Er­tei­lung ei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses be­gehrt.
Mit kla­ge­er­wei­tern­dem Schrift­satz vom 08.06.2007, beim Ar­beits­ge­richt Nürn­berg ein­ge­gan­gen am 11.06.2007, hat der Kläger zu­dem die Fest­stel­lung be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tung zum 18.06.2007 be­en­det wird.

We­gen der Anträge der Par­tei­en und ih­res nähe­ren Vor­brin­gens im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren wird auf den Tat­be­stand der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.


Das Ar­beits­ge­richt Nürn­berg hat mit En­dur­teil vom 14.08.2007 fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung vom 27.02.2007 zum 31.03.2007 be­en­det wor­den ist son­dern erst auf­grund der Be­fris­tung zum 18.06.2007 ge­en­det hat. Es hat des Wei­te­ren die Be­klag­te zur Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­zeug­nis­ses ver­ur­teilt und im Übri­gen die Kla­ge ab­ge­wie­sen.


Ge­gen das den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers am 14.09.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil ha­ben die­se mit Te­le­fax vom 15.10.2007 (= Mon­tag) Be­ru­fung ein­ge­legt und sie mit wei­te­rem Te­le­fax vom 13.11.2007 be­gründet.

Die Be­klag­te ih­rer­seits hat mit Schrift­satz ih­rer Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 15.02.2008 (Ab­schrift Bl. 145, 146 d.A.) hilfs­wei­se und vor­sorg­lich die An­fech­tung des Ar­beits­ver­tra­ges erklärt und sie da­mit be­gründet, der Kläger ha­be bei der Ein­stel­lung ein ge­gen ihn lau­fen­des Straf­ver­fah­ren we­gen fahrlässi­ger Tötung ver­schwie­gen.
Der Kläger hat mit kla­ge­er­wei­tern­dem Schrift­satz sei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 10.03.2008 die Fest­stel­lung be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die An­fech­tung der Be­klag­ten nicht rechts­wirk­sam be­en­det wor­den ist.


Der Kläger meint, die Par­tei­en hätten kei­ne wirk­sa­me Be­fris­tung zum 18.06.2007 ver­ein­bart, denn § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG ge­stat­te nur die Verlänge­rung ei­nes zu­vor gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Im vor­lie­gen­den Fall hätten die Par­tei­en je­doch ei­ne Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung mit dem sach­li­chen Grund der Er­pro­bung gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 5 Tz­B­fG ge­trof­fen und auch in dem Zu­satz­ver­trag auf die­sen Sach­grund ab­ge­stellt. Ein aus­rei­chen­der Grund für die Verlänge­rung der Pro­be­zeit als sol­che und ei­ne Ge­samt­dau­er der Pro­be­zeit von ei­nem Jahr lie­ge nicht vor. Durch die Ver­ein­ba­run­gen im Zu­satz­ver­trag, dass das Ge­halt un­verändert blei­be, wer­de der ursprüng­li­che Ar­beits­ver­trag in­halt­lich ab­geändert, da zusätz­li­che Vergütungs­be­stand­tei­le, die erst nach Ab­lauf der ursprüng­li­chen Pro­be­zeit zu­ge­sagt wor­den sind, nun­mehr zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt ge­schul­det würden. In­so­weit er­weist sich die zwei­te Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung we­der gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG als rechts­wirk­sam noch nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 5 Tz­B­fG.
Die An­fech­tungs­erklärung der Be­klag­ten ge­he ins Lee­re, da der Kläger bei sei­ner Ein­stel­lung nicht un­ge­fragt auf ein lau­fen­des Straf­ver­fah­ren hätte hin­wei­sen müssen.

Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt:

I. In Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg
vom 14.08.2007, Az: 8 Ca 1759/07 A, wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht auf Grund ei­ner Be­fris­tung zum 18.06.2007 be­en­det ist, son­dern als un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über die­sen Zeit­punkt hin­aus fort­be­steht.

II. In Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 14.08.2007, Az: 8 Ca 1759/07 A, wird die Be­klag­te ver­ur­teilt, den Kläger für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu Zif­fer I zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Pfle­ger gemäß dem Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 19.06.2006 bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag wei­ter­zu­beschäfti­gen.

III. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.


IV. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en we­der durch die An­fech­tung der Be­klag­ten vom 18.02.2008 noch auf Grund an­de­rer Be­en­di­gungs­tat­bestände be­en­det wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht.


Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.


Zur Be­gründung trägt sie vor, der Verlänge­rungs­ver­trag sei gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG wirk­sam, den An­knüpfungs­punkt für ei­nen sol­chen Ver­trag könne auch ei­ne zu­vor ver­ein­bar­te Be­fris­tung mit sach­li­chem Grund sein. Der mit der Verlänge­rungsmöglich­keit ver­folg­te ge­setz­ge­be­ri­sche Zweck der er­leich­ter­ten Ein­stel­lung von Ar­beit­neh­mern wer­de auch bei die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on er­reicht. In­so­weit könne in­ner­halb des Ge­samt­zeit­rah­mens von zwei Jah­ren auch ei­ne Sach­be­fris­tung in­te­griert sein. Die ge­trof­fe­ne Zu­satz­ver­ein­ba­rung las­se sämt­li­che übri­gen Ver­trags­be­din­gun­gen un­berührt und sei des­halb als Verlänge­rungs­ver­trag wirk­sam.
Da sie erst am 19.02.2007 durch den Be­scheid des Land­rats­am­tes vom 15.02.2007 da­von in Kennt­nis ge­setzt wor­den sei, dass ge­gen den Kläger ein Straf­ver­fah­ren we­gen fahrlässi­ger Tötung geführt wer­de, könne sie das Ver­trags­verhält­nis noch frist­ge­recht durch die An­fech­tung be­en­den.


Hin­sicht­lich wei­te­rer Ein­zel­hei­ten wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ver­wie­sen.


Im Ver­hand­lungs­ter­min vom 19.03.2008 hat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten im Hin­blick auf die Wir­kung der An­fech­tung ex-nunc noch­mals aus­drück­lich auf den vor­sorg­li­chen Cha­rak­ter des Aus­spruchs der An­fech­tung hin­ge­wie­sen.
Von den Par­tei­en ist un­strei­tig ge­stellt wor­den, dass zwi­schen ih­nen vor Ab­schluss des ers­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges zu kei­nem Zeit­punkt ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat.


Von ei­ner wei­ter­ge­hen­den Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se­hen.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :


I.


Die Be­ru­fung ist zulässig.
Sie ist statt­haft, § 64 Abs. 1, Abs. 2 c ArbGG, und auch in der ge­setz­li­chen Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO.


II.

Die Be­ru­fung ist sach­lich nicht be­gründet.

Das Erst­ge­richt hat mit zu­tref­fen­der Be­gründung fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nur bis zum 18.06.2007 fort­be­stand hat, da es zu die­sem Ter­min wirk­sam be­fris­tet wor­den ist. Auf­grund der wirk­sa­men Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses ist die Be­klag­te nicht ver­pflich­tet, den Kläger über den 18.06.2007 hin­aus tatsächlich aus Fach­kraft in der Pfle­ge zu beschäfti­gen.


1. Mit dem Zu­satz­ver­trag vom 28.11.2006 ha­ben die Par­tei­en die bis­he­ri­ge Lauf­zeit des Ver­trags­verhält­nis­ses, die gemäß § 1 Abs. 2 Satz des Ver­tra­ges vom 19.06.2006 zum 18.12.2006 ge­en­det hätte, um ein hal­bes Jahr verlängert.


In die­sem Sin­ne ist vom Erst­ge­richt Ab­satz 1 des Zu­satz­ver­tra­ges zu­tref­fend gemäß der §§ 133, 157 BGB aus­legt wor­den.
Zwar ist in der Ver­trags­klau­sel nur von ei­ner Verlänge­rung der Pro­be­zeit die Re­de, je­doch knüpft die Aus­gangs­re­ge­lung in § 1 Abs. 2 Satz 1 des Ver­tra­ges den Be­stand des Ver­trags­verhält­nis­ses zunächst an die Dau­er der ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit. Die­se Ver­knüpfung ha­ben die Par­tei­en in dem Zu­satz­ver­trag nicht auf­ge¬ho­ben, denn sie ha­ben voll­umfäng­lich auf den In­halt des bis­he­ri­gen Ver­tra­ges ver­wie­sen. Mit der Neu­re­ge­lung der Dau­er der Pro­be­zeit ha­ben sie da­mit gleich­zei­tig den Be­stand des Ver­trags­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der verlänger­ten Pro­be­zeit be­grenzt.
Dies soll­te nach dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten im Schrift­satz vom 31.05.2007 (Bl. 69, 70 d.A.) zwi­schen den Par­tei­en bei Ab­schluss der Zu­satz­ver­ein­ba­rung aus­drück­lich so be­spro­chen wor­den sein. So hat die­se Ver­trags­klau­sel auch das Erst­ge­richt aus­ge­legt, was recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist.
Der Be­ru­fungsführer selbst wen­det sich in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht mehr ge­gen die­se recht­li­che Ein­ord­nung des Zu­satz­ver­tra­ges; viel­mehr geht er selbst in der Be­ru­fungs­be­gründung von ei­ner „zwei­ten Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung“ aus.

2. Die in dem Zu­satz­ver­trag vor­ge­nom­me­ne Verlänge­rung des ursprüng­lich bis 18.12.2006 be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ist rechts­wirk­sam, wes­halb das Ver­trags­verhält­nis der Par­tei­en zum 18.06.2007 en­de­te.

a) Die Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung in dem Zu­satz­ver­trag erfüll­te die ge­setz­li­che Schrift­form des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG.


b) Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob der Er­pro­bungs­zweck die Verlänge­rung des Ver­trags­verhält­nis­ses um sechs Mo­na­te gemäß § 14 Abs. 1 Satz 2 Zif­fer 5 Tz­B­fG recht­fer­ti­gen könn­te, wofür sehr we­nig spricht.

Der Ar­beit­ge­ber kann sich nämlich selbst dann auf das Vor­lie­gen ei­nes Verlänge­rungs­ver­tra­ges i.S.d. § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG stützen, wenn in dem Verlänge­rungs­ver­trag ein sach­li­cher Grund an­ge­ge­ben wird. Da das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nicht für den der Be­fris­tung zu­grun­de lie­gen­den sach­li­chen Grund gilt (vgl. BAG vom 23.06.2004 – 7 AZR 636/03 – NZA 2004, 1333) kann die Wirk­sam­keit selbst dann auf § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG gestützt wer­den, wenn in dem Ver­trag ein Sach­grund für die Be­fris­tung ge­nannt ist, so­lan­ge nur bei Ver­trags­schluss die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ob­jek­tiv vor­ge­le­gen ha­ben (so Gräfl in Ar-nold/Gräfl u.a., Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz, 2. Aufl., § 14 Rz. 241).


c) Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ver­trags­verhält­nis­ses gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG ha­ben bei Ab­schluss des Ver­tra­ges ob­jek­tiv vor­ge­le­gen.

Zwi­schen den Par­tei­en hat vor Ab­schluss des Ver­tra­ges vom 19.06.2006 noch kein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­stan­den, so dass ei­ne Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG zulässig ist, § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG.


Die Neu­ein­stel­lung des Klägers er­folg­te ab 19.06.2006 zunächst für die Dau­er von sechs Mo­na­ten.
Während der Lauf­zeit die­ses be­fris­te­ten Ver­trags­verhält­nis­ses ha­ben die Par­tei­en mit dem Zu­satz­ver­trag vom 28.11.2006 die Verlänge­rung des Ver­trags­verhält­nis­ses um ein hal­bes Jahr ver­ein­bart.
In dem Verlänge­rungs­ver­trag ha­ben die Par­tei­en auch kei­ne wei­ter­ge­hen­de Re­ge­lung hin­sicht­lich der Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen ge­trof­fen. Dies ha­ben sie durch die Re­ge­lun­gen in den Absätzen 2 – 4 des Zu­satz­ver­tra­ges noch­mals aus­drück­lich be­tont. In­so­fern woll­ten sie der Recht­spre­chung des 7. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts Rech­nung tra­gen (vgl. Ur­teil vom 18.01.2006 – 7 AZR 178/05 – NZA 2006, 605; vom 23.08.2006 - 7 AZR 12/06 – NZA 2007, 204). Hier­an ändert nichts, wenn in dem ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Leis­tun­gen, die erst bei Be­gründung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ein­set­zen sol­len, da­mit zeit­lich hin­aus­ge­scho­ben wer­den. Auch hin­sicht­lich die­ser Ver­trags­klau­sel bleibt der ursprüng­li­che Ver­trag un­verändert und es wirkt sich nur die Exis­tenz ei­nes be­fris­te­ten Verlänge­rungs­ver­tra­ges ver­trags­recht­lich aus.

d) Der Ab­schluss ei­nes Verlänge­rungs­ver­tra­ges bis zur Ge­samt­dau­er von zwei
Jah­ren ist gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG auch dann möglich, wenn es sich bei dem ers­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag um ei­nen sol­chen mit sach­li­chem Grund gemäß § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­han­delt hat.


Die Zu­las­sung sach­grund­lo­ser Be­fris­tun­gen über die Ge­samt­dau­er von sechs Mo­na­ten hin­aus (War­te­frist des § 1 Abs. 1 KSchG) durch § 1 BeschFG und die Nach­fol­ge­re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Tz­B­fG dient vor­ran­gig den vom Ge­setz­ge­ber mit die­sen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen ver­folg­ten ar­beits­markt­po­li­ti­schen Zwe­cken. Da­mit soll die Neu­ein­stel­lung bzw. Wei­ter­beschäfti­gung sonst ar­beits­lo­ser Ar­beit­neh­mer bei (noch) nicht pro­gnos­ti­zier­ba­rer Dau­er­beschäfti­gung ermöglicht und gefördert wer­den.


Die­ser ge­setz­ge­be­ri­sche Zweck wird auch dann er­reicht, wenn im An­schluss an ei­ne Sach­be­fris­tung zunächst ein wei­te­rer be­fris­te­ter Ar­beit­ver­trag bis zu ei­ner zulässi­gen Ge­samt­dau­er al­ler be­fris­te­ten Verträge von zwei Jah­ren ab­ge­schlos­sen wird. Bei noch nicht ge­woll­ter dau­er­haf­ter Bin­dung des Ar­beit­ge­bers wird durch die Möglich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung auch bei die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on die Wahr­schein­lich­keit erhöht, dass der neu ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­ter zu­min­dest zeit­wei­se wei­ter­beschäftigt wird oh­ne er­neut in die Ar­beits­lo­sig­keit ent­las­sen zu wer­den. In­so­weit kann an der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Vorgänger­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 BeschFG (vgl. Ur­tei­le vom 04.12.2007 – 7 AZR 545/01 – AP Nr. 17 zu § 1 BeschFG 1996; vom 05.06.2002 – 7 AZR 241/01 – AP Nr. 13 zu § 1 BeschFG 1996; vom 24.01.2001 – 7 AZR 686/00 – AP Nr. 11 zu § 1 BeschFG 1996) an­ge­knüpft wer­den.
Dies wird auch von der wohl herr­schen­den An­sicht in der Li­te­ra­tur ver­tre­ten (vgl. Dörner, Der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag, Rz. 570 ff.; ErfK/Müller-Glöge, 6. Aufl., § 4 Tz­B­fG Rz. 124; KR-Lip­ke, 8. Aufl., § 14 Tz­B­fG Rz. 294 a; Ar-nold/Gräfl u.a., Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz, 2. Aufl., Rz. 241, 252; Lauks/Schlach­ter, Tz­B­fG, § 14 Rz. 92).


Es genügt für die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung, wenn ob­jek­tiv die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG vor­ge­le­gen ha­ben und es ge­reicht dem Ar­beit­ge­ber nicht zu sei­nem Nach­teil, wenn er in dem ers­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag oder in dem Verlänge­rungs­ver­trag ei­nen (an sich überflüssi­gen) Sach­grund an­gibt. Un­abhängig ob ei­ne sol­cher Sach­grund ge­ge­ben ist oder nicht, steht dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit of­fen, bei ei­ner ge­ge­be­nen Neu­ein­stel­lung ei­nes Mit­ar­bei­ters bis zur Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren auch oh­ne Vor­lie­gen ei­nes Sach­grun­des ei­nen Mit­ar­bei­ter be­fris­tet zu beschäfti­gen.
Woll­te man die Möglich­keit des Ab­schlus­ses ei­nes Verlänge­rungs­ver­tra­ges nach vor­he­ri­ger Be­fris­tung mit Sach­grund un­ter­bin­den, lie­fe der Mit­ar­bei­ter an­sons­ten Ge­fahr, statt ei­nen un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag zu er­hal­ten wie­der ar­beits­los zu wer­den. Dies woll­te der Ge­setz­ge­ber ge­ra­de ver­mei­den.

Mit der Auf­nah­me ei­nes Sach­grun­des in ei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag woll­ten die Par­tei­en in der Re­gel die Möglich­keit ei­ner sach­grund­lo­sen be­fris­te­ten Wei­ter­beschäfti­gung nicht ab­be­din­gen (vgl. hier­zu BAG vom 05.06.2002, a.a.O., zur Vorgänger­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 BeschFG).


3. We­gen der wirk­sa­men Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 18.06.2007 braucht auf die mit Schrei­ben vom 15.02.2008 nur hilfs­wei­se und vor­sorg­lich aus­ge­spro­che­ne An­fech­tung des Ar­beits­ver­tra­ges zum 19.06.2006 nicht ein­ge­gan­gen zu wer­den.

Auf­grund der im Recht des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten­den Wir­kung der An­fech­tung ex-nunc (vgl. BAG vom 20.05.1999 – 2 AZR 320/98 – NZA 1999, 975) soll­te die An­fech­tung nur für den Fall erklärt wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht be­reits vor dem 15.02.2008 auf­grund der im Streit be­find­li­chen Be­fris­tung rechts­wirk­sam be­en­det wor­den ist. Dies ist im Ver­hand­lungs­ter­min vom 19.03.2008 erörtert und von dem Be­klag­ten­ver­tre­ter noch­mals klar­ge­stellt wor­den.


4. Die Be­klag­te ist nicht ver­pflich­tet, den Kläger über den 18.06.2006 hin­aus tatsächlich wei­ter zu beschäfti­gen.
We­gen der wirk­sa­men Be­en­di­gung des Ver­trags­verhält­nis­ses zum 18.06.2006 en­den die beid­sei­ti­gen Rech­te und Ver­pflich­tun­gen aus dem be­stan­de­nen Ar­beits­verhält­nis und da­mit auch der An­spruch des Klägers auf tatsächli­che Beschäfti­gung.
Ein Schuld­verhält­nis nur für die Dau­er des Be­stands­streits ist zwi­schen den Par­tei­en we­der ge­setz­lich noch kol­lek­tiv- oder ein­zel­ver­trag­lich zu­stan­de ge­kom­men.


III.


1. Der Kläger hat die Kos­ten sei­nes er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO.


2. Die Re­vi­si­on ist gemäß § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da der hier ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge der Zulässig­keit ei­nes Verlänge­rungs­ver­tra­ges gem. § 14 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 2 Tz­B­fG nach ei­ner vor­aus­ge­gan­ge­nen Be­fris­tung mit sach­li­chem Grund grundsätz­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen wird.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:


Ge­gen die­ses Ur­teil kann von dem Kläger Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.


Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1,99084 Er­furt (Te­le­fax-Nr. 0361/2636 - 20 00) ein­ge­legt und in glei­cher Wei­se in­ner­halb von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils.


Die Re­vi­si­ons- und die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.


Roth, Vor­sit­zen­der Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt


Oberst, Eh­ren­amt­li­cher Rich­ter

Wag­ner, Eh­ren­amt­li­cher Rich­ter


Verkündet am 19. März 2008

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