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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Hausverbot, Bürohund
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 9 Sa 1207/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.03.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf - 8 Ca 7883/12
   


9 Sa 1207/13
8 Ca 7883/12
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf  

Verkündet am 24.03.2014

Dr. Ul­rich, Vor­sit­zen­der
Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt

als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

der Frau D. van de X., V. Str. 58, E.,

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Dr. Lu­kas­sen & Kol­le­gen, Brücken­str. 24, 47574 Goch,

g e g e n

die U. E. GmbH Wer­be­agen­tur, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer Dr. T. H. C. u.a., T. str. 54 a, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte CMS Ha­sche, Sig­le u. a., Kran­haus 1 / Im Zoll­ha­fen 18, 50678 Köln,

hat die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf

auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 24.03.2014
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ul­rich als

Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Ku­lok und den eh­ren­amt­li­chen

Rich­ter Hart­mann

für R e c h t er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 04.09.2013, Az. 8 Ca 7883/12 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

- 2 -

T a t b e s t a n d:

Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch der Kläge­rin auf Mit­nah­me ih­rer Hündin Ka­ya in das Büro.

Die Be­klag­te be­treibt ei­ne Wer­be­agen­tur.

Die Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten seit 16 Jah­ren beschäftigt, zu­letzt als persönli­che As­sis­ten­tin der Geschäftsführung.

Seit 2009, d.h. seit drei Jah­ren brach­te die Kläge­rin ih­ren drei­bei­ni­gen, aus Russ­land stam­men­den Hund Ka­ya mit der Chip­num­mer 64309410009528 mit in die Be­triebsräume der Be­klag­ten. Ne­ben der Kläge­rin brin­gen auch an­de­re Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten ih­re Hun­de mit in die Agen­tur.

Ein ers­tes Gespräch über das Ver­hal­ten des Hun­des fand am 07.04.2011 statt. Un­ter der Ru­brik „PART II 360° Be­wer­tung“ in dem am 15.04.2011 u.a. von der Kläge­rin un­ter­zeich­ne­ten „App­rai­sal“ (Blatt 134 bis 136 der Ge­richts­ak­te) heißt es un­ter an­de­rem:

„D. soll­te sich ih­rer Rol­le als PA mehr be­wusst ma­chen: sie ist das „Vor­zim­mer“ zu un­se­ren GFs und da­her soll­te es im­mer auf­geräumt und sau­ber sein und der Hund muss sich der Um­ge­bung an­pas­sen (kein Knur­ren, kein of­fe­nes Hun­de­fut­ter im Büro etc.)“

Un­ter der Ru­brik „Zie­le & Fel­der für D. van den X. Ent­wick­lung“ in die­sem „App­rai­sal“ heißt es dann wei­ter:

„GE­NE­RELL
- ...
- Mit­tel­fris­ti­ges Ziel: Hund verhält sich so­zi­al kom­pa­ti­bel mit Mit­ar­bei­tern (bellt und knurrt nicht, wird nicht im Büro gefüttert)

Kon­kre­te Next Steps:


- ...
- Tier­trai­ner für den Hund, der ins Büro kommt und dort die Si­tua­ti­on vor Ort ana­ly­siert und ver­bes­sert“

Mit Schrei­ben vom 16.11.2012 (Blatt 5 der Ge­richts­ak­te) teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin Fol­gen­des mit:

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„Lie­be D.,

hier­mit ver­bie­ten wir Dir, Dei­nen Hund ab dem 01.12.2012 in die Agen­tur mit­zu­brin­gen. Wir wol­len Dir mit die­sem Ter­min die Ge­le­gen­heit ge­ben, ei­ne Be­treu­ung für den Hund zu or­ga­ni­sie­ren.

Es tut uns leid, ei­ne sol­che Maßnah­me er­grei­fen zu müssen, aber die Gründe ha­ben wir be­reits ausführ­lich, u.a. am 10.10.2012 und 12.10.2012 be­spro­chen und wir se­hen ins­be­son­de­re aus Ver­ant­wor­tung ge­genüber den Kol­le­gen und Be­su­chern kei­ne al­ter­na­ti­ve Möglich­keit.“

Mit ih­rer am 19.12.2012 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge, die der Be­klag­ten am 29.12.2012 zu­ge­stellt wor­den ist, mach­te die Kläge­rin zunächst den An­spruch auf Zu­tritt zum Büro ge­mein­sam mit ih­rem Hund gel­tend. Die­sen präzi­sier­te sie später wei­ter und for­mu­lier­te Hilfs­anträge.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, sie sei aus Gründen der Gleich­be­hand­lung be­rech­tigt, ih­re Hündin wei­ter­hin mit in das Büro der Be­klag­ten zu brin­gen. Die Hündin sei nicht ver­hal­tens­auffällig und ha­be nie­man­den be­droht. Die ob­jek­ti­ve Un­gefähr­lich­keit er­ge­be sich auch aus dem Gut­ach­ten des Lei­ters der Po­li­zei­dienst­hun­de­staf­fel W., G. S., Bl. 86 bis 103 GA. Sie be­strei­tet, dass sich Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten von ih­rem Hund be­droht fühl­ten. So­weit dies tatsächlich der Fall sein soll­te, be­daue­re sie dies. Je­den­falls sei ihr ei­ne un­wi­der­ruf­li­che Zu­sa­ge er­teilt wor­den. Die mehrjähri­ge Ge­stat­tung der Mit­nah­me be­gründe je­den­falls ei­ne kon­klu­den­te Zu­sa­ge. Ein Ver­bot sei auch ver­wirkt. Denn trotz der Be­an­stan­dun­gen seit April 2011 ha­be sie Ka­ya mit in das Büro brin­gen dürfen. Seit dem 07.04.2011 ha­be es auch kei­ne ne­ga­ti­ve Ver­hal­tensände­rung des Hun­des ge­ge­ben. Je­den­falls hätte sie die Be­klag­te zunächst ein­mal ab­mah­nen müssen. Das Haus­ver­bot sei da­her un­verhält­nismäßig und ihr sei ei­ne Chan­ce zu ge­ben, die Ver­hal­ten­s­an­for­de­run­gen der Be­klag­ten zu erfüllen.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr zu­sam­men mit ih­rem Hund mit der Chip­num­mer 64309410009528 Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. zu gewähren,

2. hilfs­wei­se, für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem Haupt­an­trag zu 1),

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die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. im Bei­sein des Sach­verständi­gen, Lei­ter der Po­li­zei­dienst­hun­de­staf­fel W. für zwei Ta­ge von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr zu gewähren, um ein et­wai­ges ag­gres­si­ves ter­ri­to­ria­les Ver­hal­ten des im Haupt­an­trag ge­nann­ten Hun­des auf­zu­he­ben und ihr Ver­hal­tens­auf­la­gen zur ord­nungs­gemäßen Führung des Hun­des zu ge­ben,

3. höchst vor­sorg­lich, für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem Haupt­an­trag zu 1) und dem Hilfs­an­trag zu 2), die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. mit der Maßga­be zu gewähren, dass der im Haupt­an­trag ge­nann­te Hund im Büro der Kläge­rin in ei­nem 1,20 m x 1,20 m Git­ter­lauf­stall ge­hal­ten wird und außer­halb des Büros von der Kläge­rin an ei­ner 1 m lan­gen Lei­ne geführt wird und ei­nen Maul­korb trägt. Die Kos­ten des Lauf­stalls und der Lauf­stall­in­stal­la­ti­on trägt die Kläge­rin.

Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie sei be­rech­tigt, der Kläge­rin das Mit­brin­gen des Hun­des zu un­ter­sa­gen. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Hun­den im Be­trieb ver­hal­te sich die Hündin der Kläge­rin ver­hal­tens­auffällig und ag­gres­siv. Be­reits in dem Gespräch am 07.04.2011 sei die Kläge­rin auf das gefähr­li­che so­zia­le und ter­ri­to­ria­le Ver­hal­ten des Hun­des im Büro an­ge­spro­chen wor­den. Die dar­auf­hin er­folg­te Ein­schal­tung des Tier­trai­ners sei er­geb­nis­los ver­lau­fen. Die Hündin ha­be ihr Ver­hal­ten nicht geändert. Des­halb müsse die Bürotüre der Kläge­rin stets ge­schlos­sen sein, was in der Funk­ti­on der Kläge­rin als persönli­che As­sis­ten­tin der Geschäftsführer nicht trag­bar sei. Der Hund las­se bis auf ei­ni­ge we­ni­ge Aus­nah­men nie­man­den ins Büro, so dass Un­ter­la­gen teil­wei­se un­ter der Tür durch­ge­scho­ben oder di­rekt bei den Geschäftsführern im Büro ab­ge­ge­ben würden. Dass die Mit­ar­bei­ter Angst vor dem Hund hätten, er­ge­be sich aus zahl­rei­chen Ein­z­elfällen. Im Ju­li 2012 sei­en die Zeu­gin­nen I. und T. auf dem Weg zu ei­nem Gespräch mit der Geschäftsführe­rin H. ge­we­sen und hätten sich bei der Kläge­rin an­mel­den wol­len, de­ren Tür of­fen ge­stan­den ha­be. Als die Zeu­gin­nen aus dem Fahr­stuhl ge­tre­ten sei­en, sei der

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Hund zähne­flet­schend und knur­rend schnell auf bei­de zu­ge­lau­fen und ha­be da­bei so gefähr­lich ge­wirkt, dass bei­de zurück in den Fahr­stuhl hätten ren­nen müssen. Be­son­ders ag­gres­siv sei der Hund ge­genüber ih­rem ehe­ma­li­gen Geschäftsführer K., der we­der in das Büro sei­ner Se­kretärin noch oh­ne Ge­fahr über den Flur ge­hen könne, da der Hund ihn je­des Mal zähne­flet­schend an­k­nur­re. Im Ju­ni/Ju­li 2011 ha­be Ka­ya die Zeu­gin T. an­ge­knurrt, die sich nun nicht mehr auf die drit­te Eta­ge traue. Auch der Zeu­ge L., der für die War­tung der Rech­ner und die In­stal­la­ti­ons­ar­bei­ten an Com­pu­tern zuständig sei, fürch­te sich vor dem Hund der Kläge­rin. Als er Ar­bei­ten am PC der Kläge­rin ha­be ausführen wol­len, sei der Hund auf­ge­sprun­gen, ha­be ge­bellt und sei in Rich­tung der geöff­ne­ten Tür ge­rannt. Er ha­be deut­lich ge­macht, an­grei­fen zu wol­len. Für Herrn L. sei es im­mer wie­der mit Schre­cken ver­bun­den, wenn er das Büro der Kläge­rin be­tre­ten müsse. Im Rah­men der jähr­li­chen Mit­ar­bei­ter­gespräche für das Jahr 2012 ha­be sich ge­zeigt, dass die hin­sicht­lich des Hun­des im Vor­jahr ver­ein­bar­ten Maßnah­men kei­nen Er­folg ge­habt hätten. Be­son­ders schwer wie­ge, dass die Kläge­rin kei­ne Ein­sicht zei­ge, son­dern ih­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen dafür ver­ant­wort­li­che ma­che, wenn sie von dem Hund an­ge­knurrt und be­droht würden. So ha­be die Kläge­rin die­sen vor­ge­wor­fen, „die fal­schen Schu­he an­zu­ha­ben“ oder mit ih­ren „Pa­pie­ren zu ra­scheln“ und da­durch den Hund zu pro­vo­zie­ren.

Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung der Zeu­gin­nen I., T., und T. so­wie des Zeu­gen L.. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 04.09.2013, Blatt 236 bis 243 der Ge­richts­ak­te Be­zug ge­nom­men. Es hat nach durch­geführ­ter Be­weis­auf­nah­me die Kla­ge ab­ge­wie­sen und ent­schie­den, dass die Kläge­rin un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­nen An­spruch ge­gen die Be­klag­te dar­auf ha­be, dass die­se ih­rem Hund Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße gewähre. Der An­spruch er­ge­be sich nicht aus dem all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Denn das Haus­ver­bot für den Hund der Kläge­rin sei durch ei­nen sach­li­chen Grund ge­recht­fer­tigt. Dies sei das Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me. Denn es ge­be im Be­trieb der Be­klag­ten Mit­ar­bei­ter, die sich aus gu­tem Grund vor dem Hund der Kläge­rin fürch­te­ten. In­so­weit hätten die Zeu­gen übe­rein­stim­mend ge­schil­dert, dass der Hund sie in kon­kre­ten Vorfällen an­ge­knurrt ha­be und sie sich da­durch be­droht gefühlt hätten. So sei Ka­ya im Ju­li 2012 bei­spiels­wei­se der Zeu­gin I. knur­rend und zähne­flet­schend ent­ge­gen­ge­kom­men, was die­se zur Flucht ver­an­lasst ha­be. Auch ha­be die Zeu­gin I. be­kun­det, dass es ei­ne Viel­zahl von Gesprächen we­gen des Hun­des ge­ge­ben ha­be, in de­nen sich die Kläge­rin im­mer un­ein­sich­tig ge­zeigt ha­be. Seit dem Vor­fall be­tre­te sie das Büro der Kläge­rin nicht mehr und wi­cke­le Do­ku­men­te ent­we­der über das Post­fach ab oder mit den Geschäftsführern di­rekt. Auch die Zeu­gin T. ha­be be­kun­det, dass sie von Ka­ya re­gelmäßig an­ge­knurrt wer­de. Die Kläge­rin ha­be dafür auch ihr, der Zeu­gin, die Schuld ge­ge­ben, weil sie zu fest auf­tre­te oder
 


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ih­re Schu­he ge­klap­pert ha­ben sol­len. Das Ar­beits­ge­richt hat die Zeu­gen selbst für glaubwürdig und de­ren Aus­sa­gen für glaub­haft ge­hal­ten. Denn de­ren Aus­sa­gen sei­en im We­sent­li­chen schlüssig und in sich wi­der­spruchs­frei. Zwar hätten sie bei den Vorfällen die Po­si­ti­on des Hun­des un­ter­schied­lich be­schrie­ben. Dies sei je­doch nicht un­gewöhn­lich, da der Fall länger zurück­lie­ge. Bei­de Zeu­gin­nen hätten auch ei­ne Si­tua­ti­on be­schrie­ben, in der sie sich zu Recht vor dem Hund fürch­te­ten. Hin­zu kom­me, dass auch die Zeu­gin T. ei­nen Vor­fall aus Ju­ni/Ju­li 2011 ge­schil­dert ha­be, in der sie sich vom Hund der Kläge­rin be­droht gefühlt ha­be. Auch die­se Zeu­gin hat das Ar­beits­ge­richt für glaubwürdig, de­ren Aus­sa­ge für glaub­haft ge­hal­ten. Nichts an­de­res gel­te für den Zeu­gen L., der im Rah­men sei­ner Ar­bei­ten am Com­pu­ter der Kläge­rin mit Ka­ya in Kon­takt ge­kom­men sei. Er ha­be bei die­sen Ar­bei­ten im Büro der Kläge­rin ständig ein Knur­ren im Ohr ge­habt und sich nicht si­cher gefühlt. Auch die­ser Zeu­ge sei glaubwürdig und des­sen Aus­sa­ge glaub­haft. Ins­ge­samt er­ge­be sich, dass al­le Zeu­gen auf­grund der von ih­nen ge­schil­der­ten Si­tua­tio­nen kon­kre­te Angst vor dem Hund der Kläge­rin ha­ben. Dies sei auch nach­voll­zieh­bar. Der Hund sei kein klei­ner Hund und durch­aus in der La­ge, zu­zu­beißen. Sein Knur­ren könne Angst ein­flößen. In­so­weit sei die Be­klag­te im Rah­men ih­rer Fürsor­ge­pflicht ge­hal­ten ge­we­sen, den Mit­ar­bei­tern ei­nen „angst­frei­en“ Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len. Da die vor­he­ri­gen Ver­su­che in Form von Gesprächen eben­so we­nig wie die Ein­schal­tung ei­nes Tier­trai­ners zum Er­folg geführt hätten, ha­be die Be­klag­te dem Hund der Kläge­rin den Zu­tritt zur Agen­tur ver­bie­ten können. Auch sei mit ei­ner kurz­fris­ti­ge­ren Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on auf­grund des von den Zeu­gen übe­rein­stim­mend ge­schil­der­ten Ver­hal­tes der Kläge­rin nicht zu rech­nen. Al­le vier Zeu­gen hätten be­kun­det, dass die Kläge­rin kein Verständ­nis für ih­re Ängs­te ge­habt und ih­nen die Schuld ge­ge­ben ha­be. Auch auf ei­ne Zu­sa­ge der Be­klag­ten könne sie ihr Zu­gangs­recht nicht stützen. Trotz ei­ner et­wai­gen Zu­sa­ge könne der Kläge­rin die Mit­nah­me ih­res Hun­des we­gen der kon­kre­ten Be­dro­hungs­si­tua­ti­on un­ter­sagt wer­den. Die­ses Recht ha­be die Be­klag­te auch nicht ver­wirkt. Selbst wenn das Zeit­mo­ment erfüllt sein soll­te, bestünde kein Ver­trau­en­stat­be­stand. Seit April 2011 ge­be es Be­an­stan­dun­gen hin­sicht­lich des Hun­des und es soll­te die Hil­fe ei­nes Tier­trai­ners we­gen des Bel­lens und Knur­rens des Hun­des in An­spruch ge­nom­men wer­den. Das er­teil­te Ver­bot sei auch nicht un­verhält­nismäßig. Ins­be­son­de­re sei kei­ne Ab­mah­nung er­for­der­lich. Da sich das Haus­ver­bot für den Hund in kei­ner Wei­se auf den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­wir­ke, sei es die we­ni­ger ein­schnei­den­de Maßnah­me und da­mit das mil­de­re Mit­tel. Auch die Hilfs­anträge sei­en un­be­gründet. Es sei schon nicht er­sicht­lich, wel­che An­spruchs­grund­la­ge der Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. im Bei­sein des Sach­verständi­gen, Lei­ter der Po­li­zei­dienst­hun­de­staf­fel W. für zwei Ta­ge von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr ge­ben soll­te. Auch bestünde kei­ne An­spruchs­grund­la­ge für ein Hal­ten des Hun­des in ei­nem 1,20 m x 1,20 m Git­ter-
 


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lauf­stall und ei­nen Lei­nenzwang nebst Maul­korb. Denn die Be­klag­te ha­be der Kläge­rin zu Recht die Mit­nah­me des Hun­des un­ter­sagt.

Ge­gen das ihr am 02.10.2013 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin mit ei­nem am 28.10.2013 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­ru­fung bis zum 02.01.2014 - mit ei­nem am 23.12.2013 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Die Kläge­rin ver­folgt mit der Be­ru­fung ihr ursprüng­li­ches Be­geh­ren wei­ter. Sie meint, das Ar­beits­ge­richt sei rechts­feh­ler­haft da­von aus­ge­gan­gen, dass die Be­klag­te ih­rem Hund den Zu­tritt zum Büro ver­wei­gern könne. Ihr An­spruch auf Mit­nah­me des Hun­des er­ge­be sich aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz so­wie der er­teil­ten Zu­sa­ge. Un­zu­tref­fend ha­be das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass sich die Mit­ar­bei­ter aus gu­tem Grund vor dem Hund fürch­te­ten. In­so­weit ha­be das Ar­beits­ge­richt das Gut­ach­ten vom 20.12.2012 nicht hin­rei­chend gewürdigt. Auch ha­be das Ar­beits­ge­richt die Verhält­nismäßig­keit nicht aus­rei­chend ge­prüft. Der Hund sei ob­jek­tiv un­gefähr­lich. Dies er­ge­be sich ge­ra­de aus dem be­reits vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten. Der Gut­ach­ter S. ha­be in die­sem Gut­ach­ten aus­geführt, dass der Hund sämt­li­che Stan­dard­si­tua­tio­nen mit gut und sehr gut ab­sol­viert ha­be und sich auch in Stress­si­tua­tio­nen ein­wand­frei ver­hal­ten ha­be. Erst bei räum­li­cher Ein­schränkung und star­ker Droh­be­las­tung ha­be er mit Flucht­ver­hal­ten re­agiert. Das Ver­hal­ten des Hun­des stel­le des­halb auch ob­jek­tiv kei­nen Grund dar, sich vor ihm zu fürch­ten. Letzt­lich hätten die Mit­ar­bei­ter auch kei­ne Angst vor Ka­ya, wie de­ren Gut­schei­ne und Glück­wunsch­kar­ten aus der Ver­gan­gen­heit be­leg­ten. Hin­zu käme, dass ihr vom ehe­ma­li­gen Geschäftsführer die Er­laub­nis er­teilt wor­den sei, Ka­ya mit ins Büro zu brin­gen. Die­se Er­laub­nis sei vor­be­halt­los er­teilt wor­den, wo­durch ei­ne geschütz­te Rechts­po­si­ti­on be­gründet wor­den sei. Je­den­falls er­ge­be sich die­se ver­fes­tig­te Rechts­po­si­ti­on auch aus ei­ner be­trieb­li­chen Übung, die wie­der­um nicht mit ei­nem Vor­be­halt ver­se­hen wor­den sei. Selbst wenn ein Wi­der­rufs­vor­be­halt ver­ein­bart wor­den wäre, fehl­te es an ei­nem sach­li­chen Grund für den Wi­der­ruf. Ins­be­son­de­re sei die Verhält­nismäßig­keit nicht ge­wahrt. Denn das strik­te Ver­bot, Ka­ya mit ins Büro zu brin­gen, sei ein un­verhält­nismäßiger Ein­griff in ih­re Rech­te. Es rei­che zur Wah­rung der In­ter­es­sen der übri­gen Mit­ar­bei­ter aus, wenn die im Hilfs­an­trag be­schrie­be­nen Maßnah­men er­grif­fen würden, weil dann kei­ner­lei Ge­fahr mehr von Ka­ya aus­ge­he. Das er­teil­te Ver­bot ver­let­ze auch den all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Denn für die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen er­laub­ten und ver­bo­te­nen Hun­den ge­be es kei­ne sach­li­chen Gründe. Be­son­ders zu be­den­ken sei, dass der ei­gent­li­che An­lass für das Haus­ver­bot der Wunsch des neu­en Geschäftsführers K. nach ei­ner an­de­ren persönli­chen As­sis­ten­tin sei. Die Maßnah­me die­ne des­halb aus­sch­ließlich da­zu, sie, die Kläge­rin, aus dem Ar­beits­verhält­nis zu drängen. Al­ler­dings sei Herr K. zwi­schen-

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zeit­lich aus­ge­schie­den, so dass auch in­so­weit künf­tig wie­der be­schwer­de­frei mit­ein­an­der ge­ar­bei­tet wer­den könne.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. Die Be­klag­te wird un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 04.09.2013 – 8 Ca 7783/12, ver­ur­teilt, der Kläge­rin zu­sam­men mit ih­rem Hund mit der Chip­num­mer 64309410009528 Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. zu gewähren,

2. Hilfs­wei­se, für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 1.:

Die Be­klag­te wird un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 04.09.2013 – 8 Ca 7783/12, ver­ur­teilt, der Kläge­rin Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten in der T. straße 54a, E. mit der Maßga­be zu gewähren, dass der im Haupt­an­trag ge­nann­te Hund im Büro der Kläge­rin in ei­nem auf ih­re Kos­ten an­zu­le­gen­den 1,20 m x 1,20 m großen Git­ter­lauf­stall ge­hal­ten wird und außer­halb die­ses Büro­raums an ei­ner 1 m lan­gen Lei­ne geführt wird und ei­nen Maul­korb trägt.


Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt in ers­ter Li­nie das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und macht un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ergänzend gel­tend: Das Ver­bot, die Hündin Ka­ya mit zum Ar­beits­platz zu brin­gen ver­let­ze den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht. Denn sach­li­che Gründe können ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung im Rah­men des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes be­gründen. Ent­spre­chen­de sach­li­che Gründe lägen vor. Denn es ge­be – wie die Be­weis­auf­nah­me er­ge­ben ha­be – Mit­ar­bei­ter, die sich vor dem Hund fürch­ten. Die­se Furcht bestünde ge­genüber den an­de­ren im Hau­se be­find­li­chen Hun­den nicht. Die sub­jek­ti­ven Emp­fin­dun­gen der Mit­ar­bei­ter sei­en auch ent­schei­dend. Denn der Ar­beit­ge­ber sei ver­pflich­tet, ih­nen ein angst­frei­es Ar­bei­ten zu ermögli­chen. Dem stünde auch das von der Kläge­rin ein­ge­reich­te Gut­ach­ten nicht ent­ge­gen. Denn die­ses be­fas­se sich nicht mit der Re­ak­ti­on des Hun­des in ih­ren Geschäftsräum­en. Auch die nun­mehr vor­ge­leg­ten Gut­schei­ne und Glück­wunsch­kar­ten zeig­ten nicht, dass sich die Mit­ar­bei­ter nicht fürch­te­ten. Aus­sch­ließli­cher Grund für das Ver­bot sei das Ver­hal­ten des Hun­des. Ins­be­son­de­re be­strei­tet sie, dass der
 


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Geschäftsführer ver­sucht ha­be, die Kläge­rin aus dem Beschäfti­gungs­verhält­nis zu drängen und weist die Mob­bing­vorwürfe zurück. Sie, die Be­klag­te, ha­be auch kei­ne un­wi­der­ruf­li­che und vor­be­halt­lo­se Ge­neh­mi­gung zur Mit­nah­me des Hun­des er­teilt. Of­fen­sicht­lich gel­te ei­ne ent­spre­chen­de Zu­sa­ge nicht vor­be­halt­los und für al­le Zeit. Denn der Ar­beit­ge­ber müsse selbst­verständ­lich auf ne­ga­ti­ve Ver­hal­tensände­run­gen des Hun­des re­agie­ren können. Die Er­laub­nis ha­be des­halb von vorn­her­ein nur un­ter der Be­din­gung ge­stan­den, dass vom Hund kei­ne Ge­fahr aus­ge­he. Dies zei­ge auch der Ein­satz des Hun­de­trai­ners. Auch ei­ne be­trieb­li­che Übung sei nicht be­gründet wor­den. Denn die Mit­nah­me ei­nes Hun­des sei ei­ner be­trieb­li­chen Übung nicht zugäng­lich. Die Kläge­rin ha­be auch kei­nen An­spruch dar­auf, den Hund im Büro in ei­nem Zwin­ger zu hal­ten, an­zu­lei­nen und mit ei­nem Maul­korb zu ver­se­hen. Der Ar­beit­ge­ber könne schon nicht ge­zwun­gen wer­den, in sei­nen Räum­lich­kei­ten den Ein­bau ei­nes Zwin­gers zu dul­den. Auch un­terläge die Hal­tung tier­schutz­recht­li­chen Be­den­ken ei­ner art­ge­rech­ten Hal­tung. Aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz könne sie auch in­so­weit nichts her­lei­ten, weil sich die­ser nur auf die Mit­nah­me von un­gefähr­li­chen Hun­den ge­rich­tet hätte, nicht auf das Hal­ten von Hun­den in ei­nem Zwin­ger und mit Lei­ne und Maul­korb.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e:

I.

Die Be­ru­fung ist zulässig, ins­be­son­de­re un­ter Be­ach­tung der Vor­ga­ben der §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Sie ist aber un­be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge der Kläge­rin auf Gewährung von Zu­tritt zum Büro der Be­klag­ten ge­mein­sam mit ih­rem Hund ab­ge­wie­sen. Eben­so zu­tref­fend ist auch der Hilfs­an­trag der Kläge­rin ab­ge­wie­sen wor­den, ih­ren Hund in den Büroräum­lich­kei­ten in ei­nem Zwin­ger zu hal­ten. Der Ar­beit­ge­ber hat mit der Wei­sung, den Hund Ka­ya künf­tig nicht mehr mit in das Büro zu brin­gen, sein Di­rek­ti­ons­recht wirk­sam aus­geübt. Da­bei un­ter­lag er kei­nen Ein­schränkun­gen im Rah­men des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes, weil ei­ne sach­li­che Dif­fe­ren­zie­rung er­folgt. Denn für die Kam­mer steht fest, dass der Hund der Kläge­rin die be­trieb­li­chen Abläufe stört und von ei­ni­gen Mit­ar­bei­tern als Be­dro­hung emp­fun­den wird. Dies hat die Be­weis­auf­nah­me in ers­ter In­stanz er­ge­ben, ge­gen die kei­ne sub­stan­ti­ier­ten Ein­wen­dun­gen vor­ge­bracht wor­den sind. So­weit ei­ne Zu-
 


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sa­ge er­folgt sein soll­te, hat der Ar­beit­ge­ber die­se wirk­sam wi­der­ru­fen. Denn sie stand von vor­her­ein für die Kläge­rin er­sicht­lich of­fen­bar un­ter dem Vor­be­halt, dass der Hund die be­trieb­li­chen Abläufe nicht stört.

Im Ein­zel­nen:

1. Die Kläge­rin hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch dar­auf, dass ihr die Be­klag­te Zu­tritt zu den Büroräum­lich­kei­ten ge­mein­sam mit ih­rer Hündin Ka­ya gewährt. Denn die Wei­sung der Be­klag­ten vom 16.11.2012, die Hündin ab dem 01.12.2012 nicht mehr mit in die Agen­tur zu brin­gen, ist wirk­sam. Es han­delt sich um ei­ne be­rech­tig­te ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Di­rek­ti­on. Ei­ne ver­fes­tig­te Rechts­po­si­ti­on durch ei­ne Zu­sa­ge oder be­trieb­li­che Übung ist nicht be­gründet wor­den.


a) Die Wei­sung des Ar­beit­ge­bers, Ka­ya künf­tig nicht mehr mit in die Agen­tur zu brin­gen, ist Ge­gen­stand des ihm zu­ste­hen­den Di­rek­ti­ons­rech­tes.


aa) Der Ar­beit­ge­ber ist auf Grund­la­ge des Di­rek­ti­ons­rech­tes be­rech­tigt, die nur rah­menmäßig um­schrie­be­ne Leis­tungs­pflicht ei­nes Ar­beit­neh­mers nach Zeit, Ort und Art näher zu be­stim­men. Da­bei gehört das auf dem Ar­beits­ver­trag be­ru­hen­de Wei­sungs­recht zum we­sent­li­chen In­halt ei­nes je­den Ar­beits­verhält­nis­ses. Die ver­trag­li­che Leis­tungs­pflicht wird durch An­wei­sung des Ar­beit­ge­bers in Ausübung sei­nes Di­rek­ti­ons- oder Wei­sungs­rech­tes kon­kre­ti­siert. Da­bei fin­det das Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers sei­ne ge­setz­li­che Rechts­grund­la­ge in § 106 Ge­wO. Da­nach kann der Ar­beit­ge­ber In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher be­stim­men, so­weit die­se Ar­beits­be­din­gun­gen nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten fest­ge­legt sind. Der Um­fang des Di­rek­ti­ons­rech­tes lässt sich al­so nicht ge­ne­rell fest­le­gen. Er ist abhängig von der zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­nen ein­zel­ver­trag­li­chen Re­ge­lung, aber auch von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen und kann da­her mehr oder we­ni­ger weit sein. Je en­ger die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers so­wie die Ein­zel­hei­ten sei­ner Beschäfti­gung, der Ein­satz­ort oder Um­fang und La­ge der Ar­beits­zeit fest­ge­schrie­ben sind, um­so ge­rin­ger ist der Spiel­raum des Ar­beit­ge­bers zur Ausübung sei­nes Di­rek­ti­ons­rech­tes (BAG v. 15.09.2009 – 9 AZR 757/08, DB 2009, 2551; BAG v. 21.07.2009 – 9 AZR 378/08, AP Nr. 30 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge: Luft­fahrt; BAG v. 19.04.2007 – 2 AZR 78/06, AP Nr. 77 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht; ErfK/Preis, § 611 BGB Rd­nr.277; LAG Köln v. 26.10.1984, NZA 1985, 258). Da­bei ist der Ar­beit­ge­ber bei der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes nicht frei. So­weit das Di­rek­ti­ons­recht nicht oh­ne­hin durch Ge­setz, Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder auch durch ein­zel­ver­trag­li­che Ab­re­de be­schränkt ist, darf es gemäß § 106 Ge­wO, § 315 BGB auch im Übri­gen nur nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­geübt wer­den (BAG v. 21.07.2009 – 9 AZR 378/08, AP Nr. 30 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge: Luft­fahrt; BAG


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v. 19.4.2007 – 2 AZR 78/06, AP Nr. 77 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht; BAG v. 27.3.1980, EZA § 611 Di­rek­ti­ons­recht Nr. 2; BAG v. 12.12.1984, EZA Nr. 29 zu § 315 BGB). Da­zu gehört, dass al­le we­sent­li­chen Umstände des Fal­les ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt sind.

bb) Ge­gen­stand des Di­rek­ti­ons­rech­tes ist al­so die Leis­tungs­pflicht des Ar­beit­neh­mers hin­sicht­lich Zeit, Ort und Art der Ar­beit. In­so­weit geht es im We­sent­li­chen um die in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Da­bei kann sich das Di­rek­ti­ons­recht auch auf Ord­nung und Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers im Be­trieb be­zie­hen (vgl. nur ErfK/Preis, § 106 Ge­wO Rz. 2). In­so­weit um­fasst das Di­rek­ti­ons­recht al­so so­wohl das Ar­beits- als auch das Ord­nungs­ver­hal­ten. Es geht um das be­trieb­li­che Zu­sam­men­wir­ken und Zu­sam­men­le­ben, das der Ar­beit­ge­ber kraft sei­nes Di­rek­ti­ons­rech­tes und sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se be­ein­flus­sen und ko­or­di­nie­ren kann. In­so­fern un­ter­liegt dem Di­rek­ti­ons­recht bei­spiels­wei­se die Fra­ge, ob am Ar­beits­platz Ra­dio gehört (BAG v. 14.01.1986 – 1 ABR 75/83, NZA 1986, 435), oder ge­raucht (LAG Hes­sen v. 11.08.2000 – 2 Sa 1000/99) wer­den darf oder ob der Ar­beit­neh­mer pri­va­te Fern­seh­geräte mit­brin­gen darf (LAG Köln v. 12.04.2006 - 7 TaBV 68/05, NZA-RR 2007, 80). Eben­so, ob die Be­triebs­mit­tel pri­vat ge­nutzt wer­den dürfen (vgl. BAG v. 12.01.2006 – 2 AZR 179/05, NZA 2006, 980) oder ob der Ar­beit­neh­mer Be­triebs­klei­dung zu tra­gen hat. In­so­weit um­fasst das Di­rek­ti­ons­recht als sol­che sämt­li­che Umstände der Ar­beits­er­brin­gung und Ord­nung im Be­trieb und da­mit oh­ne wei­te­res auch die Fra­ge, ob die Mit­ar­bei­ter ih­ren Hund mit ins Büro brin­gen dürfen. Es be­trifft den Kern des Wei­sungs­rech­tes des Ar­beit­ge­bers.

b) Die Wei­sung, die Hündin Ka­ya künf­tig nicht mehr mit in die Agen­tur zu brin­gen, ist vom Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers ge­deckt. Es liegt we­der ei­ne Zu­sa­ge vor, noch ist ei­ne be­trieb­li­che Übung ent­stan­den. Zu­dem ist die Wei­sung auch ma­te­ri­ell rechtmäßig.


aa) Der Kläge­rin ist zu­zu­ge­ben, dass die Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes durch ent­ge­gen­ste­hen­de ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen be­grenzt sein kann. Denn es ist all­ge­mein an­er­kannt, dass sich der Um­fang des Di­rek­ti­ons­rech­tes nicht ge­ne­rell fest­le­gen lässt. Er ist abhängig von der zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­nen ein­zel­ver­trag­li­chen Re­ge­lung, aber auch von Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen und kann da­her mehr oder we­ni­ger weit sein. Hier ist in­des kein An­spruch der Kläge­rin dar­auf be­gründet wor­den, dass sie ih­ren Hund mit ins Büro brin­gen darf.

(1) In­so­weit ist in ei­nem ers­ten Schritt durch Aus­le­gung der In­halt der ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls zu er­mit­teln. Da­bei ist ins­be­son­de­re fest­zu­stel­len, ob ein be­stimm­ter In­halt der Ar­beit ver­trag­lich fest­ge­legt ist.
 


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Grundsätz­lich sind Verträge gemäß § 157 BGB so aus­zu­le­gen, wie Treu und Glau­ben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te es er­for­dern. Da­bei ist nach § 133 BGB der wirk­li­che Wil­le des Erklären­den zu er­for­schen und nicht am buchstäbli­chen Sinn des Aus­drucks zu haf­ten. Bei der Aus­le­gung sind al­le tatsächli­chen Be­gleit­umstände der Erklärung zu berück­sich­ti­gen, die für die Fra­ge von Be­deu­tung sein können, wel­chen Wil­len der Erklären­de bei sei­ner Erklärung ge­habt hat und wie die Erklärung von ih­rem Empfänger zu ver­ste­hen war (BAG v. 02.07.2009 – 3 AZR 501/07, DB 2009, 1939; BAG v. 17.01.2008 – 2 AZR 902/06, NZA 2008, 872; BAG v. 13.12.2006 – 10 AZR 787/05, NZA 2007, 408; BAG v. 20.09.2006 – 10 AZR 770/05, AP Nr. 41 zu § 1 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag). Die Aus­le­gung hat trotz des in § 133 BGB ent­hal­te­nen Ver­bo­tes der Buch­sta­benin­ter­pre­ta­ti­on vom Wort­laut aus­zu­ge­hen. Maßge­bend ist im Zwei­fel der all­ge­mei­ne Sprach­ge­brauch. Nach der Er­mitt­lung des Wort­sinns sind in ei­nem zwei­ten Schritt die Be­gleit­umstände her­an­zu­zie­hen, ins­be­son­de­re die Ent­ste­hungs­ge­schich­te so­wie die Äußerun­gen der Par­tei­en so­wie In­ter­es­sen­la­ge und Zweck. Ge­bo­ten ist ei­ne nach bei­den Sei­ten in­ter­es­sen­ge­rech­te Aus­le­gung. Im Zwei­fel ist der Aus­le­gung der Vor­zug zu ge­ben, die zu ei­nem vernünf­ti­gen, wi­der­spruchs­frei­en und den In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­part­ner ge­recht wer­den­den Er­geb­nis führt (BAG v. 02.07.2009 – 3 AZR 501/07, DB 2009, 1939; BAG v. 13.11.2007 – 3 AZR 636/06, AP Nr. 50 zu § 1 Be­trAVG; BGH v. 13.07.2007 – IV ZR 330/05, NJW 2007, 2320; Pa­landt-Hein­richs, § 133 BGB Rd­nr.14 ff; MüKo/Bus­sche, § 133 Rz. 60).

(2) Auf die­ser Grund­la­ge ha­ben die Par­tei­en kei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die Mit­nah­me der Hündin Ka­ya in das Büro ge­trof­fen.

(i) Zunächst liegt kei­ne Zu­sa­ge des Ar­beit­ge­bers vor, we­der ein­zeln an die Kläge­rin noch als Ge­samt­zu­sa­ge.

Zu­zu­ge­ben ist der Kläge­rin, dass - wie ge­se­hen - ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en das Di­rek­ti­ons­recht be­schränken kann. Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung kommt zu­stan­de durch zwei sich de­cken­de, in Be­zug zu­ein­an­der ab­ge­ge­be­nen Wil­lens­erklärun­gen, An­ge­bot und An­nah­me. In­so­weit ist er­for­der­lich, dass sich die Par­tei­en ver­bind­lich dar­auf verständigt ha­ben, dass die Kläge­rin ih­ren Hund Ka­ya mit ins Büro brin­gen darf. Dem­ge­genüber ist ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge die an al­le Ar­beit­neh­mer in all­ge­mei­ner Form ge­rich­te­te Erklärung des Ar­beit­ge­bers, zusätz­li­che Leis­tun­gen zu er­brin­gen (vgl. nur BAG v. 24.10.2006 – 9 AZR 681/05 –, ju­ris; BAG v. 18.11.2003 - 9 AZR 659/02 – ju­ris). Sie schafft ei­ne all­ge­mei­ne Ord­nung, die für al­le von ihr er­fass­ten Ar­beit­neh­mer ein­heit­lich zu be­ur­tei­len ist. Die Ar­beit­neh­mer er­wer­ben ei­nen ein­zel­ver­trag­li­chen An­spruch auf die ver­spro­che­nen Leis­tun­gen, wenn sie die vom Ar­beit­ge­ber ge­nann­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen erfüllen. Das in der Ge­samt­zu­sa­ge
 


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lie­gen­de An­ge­bot, des­sen aus­drück­li­che An­nah­me gem. § 151 BGB ent­behr­lich ist, wird ergänzen­der In­halt des Ar­beits­ver­tra­ges. Ob ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge vor­liegt und wel­chen In­halt sie hat, rich­tet sich gem. §§ 133, 157 BGB nach den für Wil­lens­erklärun­gen gel­ten­den Re­geln (BAG v. 24.10.2006 – 9 AZR 681/05 –, ju­ris; BAG v. 15.02.2005 - 9 AZR 116/04 - BA­GE 113, 327).


Hier nun be­haup­tet die Kläge­rin zwar wie­der­ho­lend, ihr sei ei­ne Zu­sa­ge er­teilt wor­den. Wer ge­nau was kon­kret wann in Be­zug auf den Hund im Sin­ne ei­ner Ver­ein­ba­rung zu­ge­sagt ha­ben soll, er­sch­ließt sich nicht. In­so­weit fehlt es schon am re­le­van­ten Tat­sa­chen­vor­trag. Dass der Ar­beit­ge­ber ge­ne­rell die Mit­nah­me von Hun­den ge­stat­tet, ist in­des we­der ei­ne Ver­ein­ba­rung noch ei­ne Ge­samt­zu­sa­ge. Denn dem Ar­beit­ge­ber ging es er­sicht­lich nicht dar­um, für die Kläge­rin und die übri­gen Mit­ar­bei­ter ei­ne kon­kre­te Ver­ein­ba­rung über die Mit­nah­me von Hun­den zu tref­fen und die­se zu­zu­sa­gen. Auch ei­ne all­ge­mei­ne Ord­nung ist durch das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers nicht be­gründet wor­den. In­so­fern fehlt of­fen­sicht­lich der er­for­der­li­che Rechts­bin­dungs­wil­le. Viel­mehr han­delt es sich le­dig­lich um die all­ge­mei­ne Wei­sung als Aus­fluss des Di­rek­ti­ons­rech­tes, dass Hun­de mit ins Büro mit­ge­bracht wer­den dürfen. Eben­so wie der Ar­beit­ge­ber es ge­stat­tet, Ra­dio zu hören, am Ar­beits­platz zu rau­chen, ei­nen Was­ser­ko­cher mit­zu­brin­gen oder ei­ne Mi­kro­wel­le an­zu­sch­ließen, ent­steht kein ver­fes­tig­ter An­spruch, so­lan­ge darüber nicht ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wird. Die Wei­sung ist in­so­fern von der Zu­sa­ge ab­zu­gren­zen. Denn nicht je­de Ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Aus­ge­stal­tung des Wei­sungs­rech­tes führt zu ei­ner Ver­ein­ba­rung. Dies wird schon dar­an deut­lich, dass die Zu­wei­sung ei­ner Tätig­keit nicht oh­ne wei­te­res zu ei­nem An­spruch auf die­se Tätig­keit führt. Er­for­der­lich wäre ei­ne kon­kre­te Par­tei­ver­ein­ba­rung, die­se Tätig­keit zur Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ma­chen. Dass durch die Ge­stat­tung der Mit­nah­me von Hun­den, ins­be­son­de­re auch Ka­ya, ein recht­lich ver­bind­li­cher An­spruch be­gründet wor­den sein soll­te, ist al­so schon des­halb nicht er­sicht­lich, weil sich der Ar­beit­ge­ber in­so­fern ei­nes Teils sei­nes Di­rek­ti­ons­rech­tes be­ge­ben hätte. In­des muss für den Aus­schluss des Di­rek­ti­ons­rech­tes ein kon­kre­ter Rechts­bin­dungs­wil­le fest­ge­stellt wer­den. Die­ser ist dem in­so­weit tat­sa­chen­ar­men Sach­vor­trag der Kläge­rin nicht zu ent­neh­men. Ein Ar­beit­neh­mer, der aus persönli­chen Gründen an ei­ner be­stimm­ten Aus­ge­stal­tung der Di­rek­ti­on des Ar­beit­ge­bers in­ter­es­siert ist, muss da­her mit dem Ar­beit­ge­ber ver­ein­ba­ren, dass die­se nur ein­ver­nehm­lich geändert wer­den kann (so aus­drück­lich BAG v. 15.09.2009 – 9 AZR 757/08 –, BA­GE 132, 88). Die­se Ver­ein­ba­rung liegt nicht vor. We­der als In­di­vi­du­al­ver­ein­ba­rung noch im We­ge der Ge­samt­zu­sa­ge.


(ii) Auch lie­gen we­der ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung noch ei­ne be­trieb­li­che Übung vor.

Ei­ne Be­gren­zung des Di­rek­ti­ons­rech­tes ent­steht auch nicht da­durch, dass die Kläge­rin über meh­re­re Jah­re ih­re Hündin mit ins Büro brin­gen konn­te. Ins­be-
 


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son­de­re ist kei­ne Kon­kre­ti­sie­rung ein­ge­tre­ten. Denn ei­ne Ände­rung der ursprüng­lich ver­ein­bar­ten Rech­te und Pflich­ten durch sog. Kon­kre­ti­sie­rung in ei­nen ein­sei­tig nicht veränder­li­chen Ver­trags­in­halt tritt nicht al­lein da­durch ein, dass der Ar­beit­neh­mer länge­re Zeit in der­sel­ben Wei­se be­han­delt wird (so aus­drück­lich BAG v. 15.09.2009 – 9 AZR 757/08 –, BA­GE 132, 88). Da­bei ist hier zu be­den­ken, dass der zu­grun­de lie­gen­de Zeit­raum von et­wa drei Jah­ren schon nicht aus­reicht, ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung an­zu­neh­men. Auch die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen lie­gen of­fen­sicht­lich nicht vor, weil auch in­so­weit kei­ner­lei Bin­dungs­wil­le zum Ver­zicht auf das Di­rek­ti­ons­recht er­sicht­lich ist.

Auch ei­ne be­trieb­li­che Übung liegt nicht vor. Un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung wird die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers ver­stan­den, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder Vergüns­ti­gung auf Dau­er gewährt wer­den. Dem Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers wird ei­ne kon­klu­den­te Wil­lens­erklärung ent­nom­men, die vom Ar­beit­neh­mer gemäß § 151 BGB still­schwei­gend an­ge­nom­men wer­den kann. Da­durch wird ein ver­trag­li­ches Schuld­verhält­nis ge­schaf­fen, aus dem bei Ein­tritt der ver­ein­bar­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen ein ein­klag­ba­rer An­spruch auf die üblich ge­wor­de­ne Vergüns­ti­gung erwächst. Ob ei­ne für den Ar­beit­ge­ber bin­den­de be­trieb­li­che Übung auf­grund der Gewährung von Leis­tun­gen an sei­ne Ar­beit­neh­mer ent­stan­den ist, ist da­nach zu be­ur­tei­len, in­wie­weit die Ar­beit­neh­mer aus dem Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Be­gleit­umstände auf ei­nen Bin­dungs­wil­len des Ar­beits­ge­bers schließen durf­ten (BAG v. 10.02.2009 – 3 AZR 653/07, EzA Be­trVG § 1 Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 6; BAG v. 28.02.2008 – 10 AZR 274/07, AP Nr. 80 zu § 242 BGB be­trieb­li­che Übung; BAG v. 30.07.2008 – 10 AZR 606/07, BA­GE 127, 185; BAG v. 28.07.2004 – 10 AZR 19/04, AP Nr. 257 zu § 611 BGB Gra­ti­fi­ka­ti­on). So­weit Leis­tun­gen jähr­lich an die ge­sam­te Be­leg­schaft er­bracht wer­den, gilt die Re­gel, dass ei­ne drei­ma­li­ge vor­be­halt­lo­se Gewährung zu ei­nem Rechts­an­spruch auf die Leis­tun­gen führt (BAG v. 05.08.2009 – 10 AZR 483/08, AP Nr. 85 zu § 242 BGB be­trieb­li­che Übung).

Auch in­so­weit fehlt es of­fen­sicht­lich am Bin­dungs­wil­len. Denn für die Kläge­rin er­sicht­lich woll­te der Ar­beit­ge­ber nicht auf sein Di­rek­ti­ons­recht ver­zich­ten, son­dern hat le­dig­lich die Umstände kon­kre­ti­siert, un­ter de­nen die Ar­beit ge­leis­tet wer­den soll. Dies ist kein an­spruchs­be­gründen­der Um­stand, son­dern le­dig­lich die Ausübung des ihm zu­ste­hen­den Wei­sungs­rech­tes.

bb) Die Wei­sung ist vom Di­rek­ti­ons­recht ge­deckt. Sie ist ins­be­son­de­re nicht un­verhält­nismäßig.

Die Wah­rung bil­li­gen Er­mes­sens setzt vor­aus, dass die we­sent­li­chen Umstände des Fal­les ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück-
 


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sich­tigt wor­den sind (BAG v. 21.7.2009 - 9 AZR 404/08 - EzA § 4 TVG Luft­fahrt Nr. 18; BAG v. 3.12.2008 – 5 AZR 62/08 - NZA-RR 2009, 527; BAG v. 24.4.1996, AP Nr. 48 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht; BAG v. 23.6.1993 AP Nr. 42 zu § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht). Ob dies ge­sche­hen ist, un­ter­liegt der ge­richt­li­chen Kon­trol­le, § 315 Abs. 3 Satz 2 BGB. Un­bil­lig ist die Wei­sung z.B. dann, wenn der Ar­beit­ge­ber al­lein sei­ne In­ter­es­sen durch­zu­set­zen ver­sucht (BAG v. 19.5.1992, NZA 1992, 384). Im Rah­men des Wei­sungs­rech­tes sind auch Grund­rech­te des Ar­beit­neh­mers, ins­be­son­de­re Ge­wis­sens­kon­flik­te zu beach-ten. Auch auf Be­hin­de­run­gen ist Rück­sicht zu neh­men, § 106 Satz 3 Ge­wO.

Im Rah­men die­ser Prüfung be­darf es ei­nes be­rech­tig­ten An­las­ses für die Wei­sung, den Hund künf­tig nicht mehr ins Büro zu brin­gen. Darüber hin­aus muss auch die tatsächli­che Ausübung, al­so die in­halt­li­che Wei­sung selbst bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen.

Der be­rech­tig­te An­lass, die Mit­nah­me des Hun­des künf­tig zu un­ter­sa­gen, hat sei­ne Ur­sa­che im Ver­hal­ten des Hun­des, der bei ei­ni­gen Mit­ar­bei­tern Ängs­te aus­gelöst hat. Aus die­sem Grund ist die Wei­sung auch in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den. Sie ent­spricht in je­der Hin­sicht bil­li­gem Er­mes­sen. Dies steht fest auf­grund der vom Ar­beits­ge­richt durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, gibt es im Be­trieb der Be­klag­ten Mit­ar­bei­ter, die sich vor der Hündin Ka­ya fürch­ten. Dies ha­ben die Zeu­gin­nen I., T. und T. so­wie der Zeu­ge L. ein­deu­tig aus­ge­sagt. Ka­ya ha­be sie an­ge­knurrt und sie hätten sich da­durch be­droht gefühlt.

(1) Die Kläge­rin hat kei­ne aus­rei­chen­den und kon­kre­ten An­halts­punk­te auf­ge­zeigt, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Vollständig­keit der Tat­sa­chen­er­he­bung oder -fest­stel­lung des Ar­beits­ge­rich­tes be­gründen könn­ten (§ 520 Abs. 3 Nr. ZPO). Der­ar­ti­ge Zwei­fel sind nicht in aus­rei­chen­dem Maße er­sicht­lich. Gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO hat das Be­ru­fungs­ge­richt sei­ner Ver­hand­lung und Ent­schei­dung die vom Ge­richt des ers­ten Rechts­zu­ges fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen zu­grun­de zu le­gen, so­weit nicht kon­kre­te An­halts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Vollständig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lung be­gründen und des­halb ei­ne er­neu­te Fest­stel­lung ge­bie­ten. Die­se mit der Zi­vil­pro­zess­re­form im Jah­re 2001 ein­geführ­te Be­stim­mung be­deu­tet zwar nicht, dass die Prüfungs­kom­pe­tenz des Be­ru­fungs­ge­rich­tes be­zo­gen auf die erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen nur auf Ver­fah­rens­feh­ler in Form ei­ner Re­vi­si­ons­kon­trol­le be­schränkt wären. Es kommt je­doch der Wil­le des Ge­setz­ge­bers zum Aus­druck, das Be­ru­fungs­ge­richt grundsätz­lich an die erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen zu bin­den. Ei­ne er­neu­te Tat­sa­chen­fest­stel­lung durch das Be­ru­fungs­ge­richt ist nach der Ge­set­zes­for­mu­lie­rung die Aus­nah­me ("so­weit nicht ...", vgl. Ge­set­zes­ent­wurf
 


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der Bun­des­re­gie­rung, Bun­des­druck­sa­che 14/4722, S. 100). Aus den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en folgt, dass die zwecks Ent­las­tung der Be­ru­fungs­ge­rich­te vor­ge­se­he­ne grundsätz­li­che Bin­dung an die erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen sich auf sol­che Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen be­zieht, wel­che die ers­te In­stanz be­reits vollständig und über­zeu­gend ge­trof­fen hat (so zu­tref­fend auch LAG Rhein­land-Pfalz v. 22.09.2001 – 11 Sa 198/11).

Die An­for­de­run­gen an die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner er­neu­ten Tat­sa­chen­fest­stel­lung durch das Be­ru­fungs­ge­richt dürfen je­doch im Hin­blick auf den Grund­ge­dan­ken der ma­te­ri­el­len Ge­rech­tig­keit nicht über­spannt wer­den. Vernünf­ti­ge Zwei­fel lie­gen da­her nicht nur dann vor, wenn die erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen ver­fah­rens­feh­ler­haft er­ho­ben wor­den sind, son­dern auch dann, wenn kon­kre­te An­halts­punk­te dafür be­ste­hen, dass die Fest­stel­lun­gen un­vollständig oder un­rich­tig sind (LAG Rhein­land-Pfalz v. 22.09.2001 – 11 Sa 198/11; BGH v. 9.3.2005 - VII ZR 2 66/03, NJW 2005, 972). Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Vollständig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen können sich aus der Möglich­keit un­ter­schied­li­cher Wer­tung (BVerfG 12.06.2003 - 1 BVR 2385/02, NJW 2003, 2534) dann er­ge­ben, wenn das Be­ru­fungs­ge­richt das Er­geb­nis ei­ner erst­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me an­ders würdigt, als das Ge­richt der Vor­in­stanz. Kon­kre­te An­halts­punk­te, wel­che die Bin­dung des Be­ru­fungs­ge­rich­tes an die erst­in­stanz­li­che ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ent­fal­len lässt, können sich auch er­ge­ben, wenn die Be­weiswürdi­gung nicht den An­for­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO genügt, weil sie un­vollständig oder in sich wi­dersprüchlich ist oder ge­gen Denk- und Er­fah­rungs­ge­set­ze verstößt (BGH v. 12.03.2004 – V ZR 257/03, NJW 2004, 845). Gemäß § 286 Abs. 1 ZPO ist bei um­fas­sen­der Würdi­gung der er­ho­be­nen Be­wei­se Ziel der Würdi­gung die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob ei­ne strei­ti­ge Be­haup­tung als er­wie­sen an­ge­se­hen wer­den kann, d.h. das Ge­richt von der Wahr­heit der be­haup­te­ten Tat­sa­che über­zeugt ist. Dies ist der Fall, wenn ei­ne Ge­wiss­heit be­steht, die Zwei­feln schwei­gen ge­bie­tet, oh­ne sie letzt­end­lich vollständig aus­sch­ließen zu können. We­ni­ger als Über­zeu­gung von der Wahr­heit reicht für das Be­wie­sen­sein da­bei nicht aus. Ein bloßes Glau­ben, Wähnen, für wahr­schein­lich hal­ten, be­rech­tigt den Rich­ter nicht zur Be­ja­hung des strei­ti­gen Tat­be­stands­merk­mals. Mehr als sub­jek­ti­ve Über­zeu­gung ist je­doch letzt­end­lich nicht ge­for­dert. Ab­so­lu­te Ge­wiss­heit ist nicht zu ver­lan­gen (vgl. Zöller, § 286, Rn. 18 und 19).

(2) Ge­mes­sen an die­sen An­for­de­run­gen sind An­halts­punk­te für Zwei­fel an der Rich­tig­keit der erst­in­stanz­li­chen Tat­sa­chen­fest­stel­lung nicht be­gründet. Die Be­ru­fungs­kam­mer teilt viel­mehr die vom Ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Wer­tung. Die Be­weiswürdi­gung ist frei von Wi­dersprüchen, verstößt nicht ge­gen Denk­ge­set­ze und Er­fah­rungssätze. Al­le vernünf­ti­ger­wei­se in Be­tracht kom­men­den Umstände sind wi­der­spruchs­frei be­ach­tet wor­den. Die Einwände
 


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der Kläge­rin sind nicht ge­eig­net, die Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Ar­beits­ge­rich­tes in Zwei­fel zu zie­hen.

Das Ar­beits­ge­richt hat aus­geführt, die Zeu­gin I. ha­be ei­nen Vor­fall be­tref­fend ei­ner Be­spre­chung ge­schil­dert, die sie ge­mein­sam mit Frau T. er­lebt ha­be. Da-bei sei ihr der Hund knur­rend und zähne­flet­schend ent­ge­gen­ge­kom­men, was bei ihr große Angst aus­gelöst ha­be. We­gen ih­rer Er­fah­run­gen mit dem Hund sei es so, dass Un­ter­la­gen nicht mehr im Büro der Kläge­rin ab­ge­ge­ben, son­dern un­ter der Tür durch­ge­scho­ben wor­den sei­en. Zwar ha­be sich Frau T. an die­sen Vor­fall nicht mehr gut er­in­nern können und die Po­si­ti­on des Hun­des ab­wei­chend be­schrie­ben. Gleich­wohl bestünden an der Glaubwürdig­keit der Zeu­gin­nen und der Glaub­haf­tig­keit ih­rer Aus­sa­gen kei­ne Zwei­fel. Die Aus­sa­gen sei­en in sich wi­der­spruchs­frei und schlüssig. Dass die Po­si­ti­on des Hun­des in die­ser Si­tua­ti­on nicht mehr in al­len Ein­zel­hei­ten im Gedächt­nis ge­blie­ben sei, sei an­ge­sichts der Häufig­keit des Knur­rens nach­voll­zieh­bar. Die Zeu­gin T. ha­be ei­nen Vor­fall aus Ju­ni/Ju­li 2011 ge­schil­dert, in der sie kon­kre­te Angst vor dem Hund ge­habt ha­be, der vor dem Büro der Kläge­rin ge­le­gen ha­be. Sie ha­be den Ein­druck ge­habt, der Hund ha­be sein Ter­ri­to­ri­um ver­tei­di­gen wol­len. Auch die­se Aus­sa­ge sei in sich schlüssig und wi­der­spruchs­frei. Die Zeu­gin sei auch glaubwürdig und ha­be auch auf Nach­fra­gen si­cher ant­wor­ten können. Nichts an­de­res gel­te für den Zeu­gen L., der Angst ha­be, er­for­der­li­che War­tungs­ar­bei­ten im Büro der Kläge­rin in An­we­sen­heit des Hun­des durch­zuführen. Er wer­de vom Hund in sei­nem Re­vier an­ge­knurrt und an­ge­bellt. Auch die­se Aus­sa­ge sei in sich schlüssig und wi­der­spruchs­frei. Ins­be­son­de­re stünde nicht ent­ge­gen, dass sich der Zeu­ge außer­halb des Büros nicht vor dem Hund fürch­te, weil es le­dig­lich um das Ver­hal­ten des Hun­des im Büro ge­he.

Die­sen Würdi­gun­gen schließt sich die Kam­mer an. Zu­dem ist im Rah­men der Be­weiswürdi­gung zu be­ach­ten, dass ei­ne ab­so­lu­te Ge­wiss­heit für die Über­zeu­gung des Ge­rich­tes von der strei­ti­gen Tat­sa­che nicht ver­langt wird. Von ei­ner hin­rei­chen­den rich­ter­li­chen Über­zeu­gung ist be­reits dann aus­zu­ge­hen, wenn für das Be­wei­s­er­geb­nis ein so ho­her Grad von Wahr­schein­lich­keit spricht, dass vernünf­ti­ger Wei­se in Be­tracht kom­men­de Zwei­fel aus­ge­schlos­sen sind. Er­for­der­lich ist ein ho­her Grad von Wahr­schein­lich­keit, der „Zwei­feln Schwei­gen ge­bie­tet, oh­ne sie völlig aus­zu­sch­ließen“ (vgl. auch BAG v. 16.1.2008 - 7 AZR 603/06, NZA 2008, 702; so ins­be­son­de­re: BGH VersR 1986, S. 34).

Dem steht auch nicht der Vor­trag der Kläge­rin in der Be­ru­fungs­be­grünung ent­ge­gen. Die Kläge­rin wen­det le­dig­lich ein, der Hund sei ob­jek­tiv un­gefähr­lich, wie sich aus dem Gut­ach­ten von Herrn S. er­ge­be. Auch in Stress­si­tua­tio­nen ha­be er sich ein­wand­frei Ver­hal­ten. Mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on ver­kennt die Kläge­rin die Ent­schei­dungs­grund­la­gen. Es geht nicht dar­um, ob der Hund ob­jek­tiv un­gefähr­lich ist. Im Rah­men der Abwägung bil­li­gen Er­mes­sens kommt es auf

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die Umstände des Ein­zel­falls an und eben auch – wor­auf das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend ab­ge­stellt hat – dar­auf, dass sich ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter sub­jek­tiv fürch­ten. Dies aber ist ge­ra­de durch die Be­weis­auf­nah­me bestätigt wor­den. Auch so­weit die Kläge­rin meint, die Mit­ar­bei­ter hätten sich gar nicht vor dem Hund gefürch­tet, wie die von ihr vor­ge­leg­ten Gut­schei­ne, Glück­wunsch­kar­ten und Bil­der be­leg­ten, irrt sie. Denn aus den Un­ter­la­gen er­gibt sich nichts. Ins­be­son­de­re sind sie kein tragfähi­ger An­griff ge­gen die erst­in­stanz­lich durch­geführ­te Be­weis­auf­nah­me. Dass man in ei­nem Büro ei­ne Glück­wunsch­kar­te zum Ge­burts­tag erhält, auf der die Mit­ar­bei­ter un­ter­schrei­ben, ist nicht un­gewöhn­lich. Dass auf den Kar­ten und Gut­schei­nen Ka­ya ab­ge­bil­det ist, ist hin­ge­gen we­nig trenn­scharf. Ins­be­son­de­re er­gibt sich dar­aus nichts für die sub­jek­ti­ve Un­gefähr­lich­keit oder Gründe wes­halb die Be­weis­auf­nah­me un­zu­tref­fend sein soll­te. Denn es liegt na­he der Kläge­rin als Hun­de­lieb­ha­be­rin Din­ge mit Be­zug zu ih­rer Hündin zu­zu­wen­den. Hier­aus er­gibt sich nichts. Auch wenn der Hund von der Mehr­heit der Be­leg­schaft als un­gefähr­lich an­ge­se­hen wer­den soll­te, ha­ben dies je­den­falls die vier in ers­ter In­stanz ver­nom­men Zeu­gen an­ders be­schrie­ben. So­weit die Kläge­rin meint, der wah­re An­lass für das Ver­bot sei die Be­stel­lung des Herrn K. zum Geschäftsführer, wird da­mit gleich­falls nicht kon­kret be­gründet, wes­halb die Be­weis­auf­nah­me un­vollständig sein soll­te. In­so­weit sind die Be­haup­tun­gen der Kläge­rin zu ei­nem Mob­bing oh­ne je­de Sub­stanz. Die Kläge­rin meint, die Aus­sa­gen er­schei­nen „in ei­nem an­de­ren Licht“ und sol­len zu re­la­ti­vie­ren sein. In­so­weit ver­moch­te die Kam­mer wie­der­um kei­nen tragfähi­gen An­griff ge­gen die erst­in­stanz­li­che Be­weis­auf­nah­me zu er­ken­nen. Auch dass kein wei­te­res Gut­ach­ten ein­ge­holt wor­den sei, ist ir­re­le­vant. Denn es kommt – es sei noch­mals be­tont – nicht auf die ob­jek­ti­ve Gefähr­lich­keit des Hun­des an.

Vor die­sem Hin­ter­grund steht zur Über­zeu­gung der Kam­mer fest, dass sich die Zeu­gen I., T., T. und L. aus be­gründe­tem An­lass vor dem Hund der Kläge­rin gefürch­tet ha­ben. Stets war Auslöser das Ver­hal­ten des Hun­des, ins­be­son­de­re durch Knur­ren. Da­bei gab die Kläge­rin die Schuld für das Ver­hal­ten der Hündin stets den Mit­ar­bei­tern.

In die­ser Si­tua­ti­on ent­spricht es bil­li­gem Er­mes­sen, der Kläge­rin die Mit­nah­me ih­res Hun­des in das Büro zu un­ter­sa­gen. Hier­zu hat das Ar­beits­ge­richt be­reits zu­tref­fend her­aus­ge­ar­bei­tet, dass es die Fürsor­ge­pflicht des § 241 Abs. 2 ZPO ge­bie­te, den Mit­ar­bei­tern, die sich vor dem Hund fürch­ten, ei­nen angst­frei­en Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len.

Die er­ken­nen­de Kam­mer folgt in­so­weit den zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts und sieht zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG von ei­ner Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­gründe ab. Die Kläge­rin hat zweit­in­stanz­lich zur Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers auch kei­ne Tat­sa­chen
 


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vor­ge­tra­gen, die im Hin­blick auf die­sen Ge­sichts­punkt An­lass zu ei­ner an­de­ren recht­li­chen Be­ur­tei­lung ge­ben.

Denn ent­schei­dend ist, dass das Di­rek­ti­ons­recht in ei­ner Wei­se aus­geübt wird, die die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung ermöglicht. Das Mit­brin­gen ei­nes Hun­des ist für die Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung nicht not­wen­dig. Wenn an­de­rer­seits aber die Mit­ar­bei­ter Angst vor dem Hund ha­ben und in der Er­brin­gung ih­rer Ar­beits­leis­tung be­ein­träch­tigt wer­den, weil sie Post durch die Türe schie­ben und zu­dem An­spruch auf ei­nen angst­frei­en Ar­beits­platz ha­ben, hat der Ar­beit­ge­ber mit der Ent­schei­dung, den Hund künf­tig zu Hau­se zu las­sen, ei­ne Ent­schei­dung im Rah­men bil­li­gen Er­mes­sens ge­trof­fen. Er hat ins­be­son­de­re die In­ter­es­sen der übri­gen Mit­ar­bei­ter be­ach­tet, an­der­seits die In­ter­es­sen der Kläge­rin in die Be­trach­tung mit ein­ge­stellt. Dies zeigt sich schon dar­an, dass er nicht so­gleich das Ver­bot aus­ge­spro­chen hat, son­dern zu­war­te­te. Es gab ei­ne Viel­zahl von Gesprächen und so­gar ein Hun­de­trai­ner wur­de ein­ge­schal­tet. Vor die­sem Hin­ter­grund war das Haus­ver­bot für den Hund ei­ne sach­ge­rech­te und an­ge­mes­se­ne Ent­schei­dung. Sie war ins­be­son­de­re auch verhält­nismäßig. Denn mil­de­re Mit­tel stan­den nicht zur Verfügung und wa­ren dem Ar­beit­ge­ber je­den­falls nicht zu­mut­bar. Denn die Ent­schei­dung, dem Hund den Zu­tritt zum Büro zu ver­wei­gern ermöglicht das angst­freie Ar­bei­ten im Büro. Dem­ge­genüber sind Maul­korb, Lei­nenzwang und ein Zwin­ger zwar gleich­falls Maßnah­men, ein angst­frei­es Ar­bei­ten zu ermögli­chen. Ins­be­son­de­re die Er­rich­tung ei­nes Zwin­gers in sei­nen Büroräum­lich­kei­ten braucht kein Ar­beit­ge­ber zu dul­den, nur um dem Mit­ar­bei­ter die Mit­nah­me ei­nes Hun­des zu ermögli­chen. Denn der Ar­beit­ge­ber ist In­ha­ber des Haus­rech­tes. Er be­stimmt, wie sei­ne Räum­lich­kei­ten aus­ge­stal­tet sind. Das Auf­stel­len ei­nes Zwin­gers braucht er selbst dann nicht zu dul­den, wenn da­durch die Mit­nah­me des Hun­des möglich wäre. Denn so­weit die Di­rek­ti­on aus­geübt wor­den ist, ge­stat­tet die­se nur die Mit­nah­me des Hun­des, nicht die Mit­nah­me des Hun­des in ei­nem Zwin­ger mit Maul­korb und Lei­ne. Ei­ne der­ar­tig weit­rei­chen­de Ein­schränkung sei­nes Di­rek­ti­ons­rech­tes kann nicht an­ge­nom­men wer­den, weil es nicht der Ausübung bil­li­gen Er­mes­sens ent­spre­chen würde, ent­spre­chen­de Ein­schränkun­gen vor­zu­se­hen. Die Kläge­rin ver­kennt, dass sie in ers­ter Li­ne da­zu ver­pflich­tet ist, die ihr ob­lie­gen­de Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen. Der Ar­beit­ge­ber ist nicht da­zu ver­pflich­tet, ihr un­ter al­len Umständen zu ermögli­chen, dies un­ter Mit­nah­me ih­res Hun­des zu tun. Die­se Di­rek­ti­on ist – we­gen der sub­jek­tiv emp­fun­de­nen Be­dro­hung – zu recht vollständig un­ter­sagt wor­den. Der Ar­beit­ge­ber hat die Be­lan­ge der Kläge­rin an­ge­mes­sen berück­sich­tigt. Dass er die Be­lan­ge der übri­gen Mit­ar­bei­ter höher be­wer­tet hat als die der Kläge­rin, ist an­ge­sichts der ge­sam­ten Umstände des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re um ein angst­frei­es Ar­bei­ten zu ermögli­chen, nicht zu be­an­stan­den. Nur am Ran­de sei an­ge­merkt, dass das Hal­ten des Hun­des in dem von der Kläge­rin mit dem Hilfs­an­trag gel­tend ge­mach­ten „Lauf­stall“ der Tier­schutz­hun­de­ver­ord­nung in der Fas­sung vom 02.05.2001 wi­der­spricht. Denn nach § 6 Abs. 2 TierSch­HuV

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muss dem Hund in ei­nem Zwin­ger ent­spre­chend sei­ner Wi­der­risthöhe ei­ne kon­kret de­fi­nier­te un­ein­ge­schränkt be­nutz­ba­re Bo­den­fläche zur Verfügung ste­hen, wo­bei die Länge je­der Sei­te min­des­tens der dop­pel­ten Körperlänge des Hun­des ent­spre­chen muss und kei­ne Sei­te kürzer als zwei Me­ter sein darf. Schon die­sen Um­fang er­reicht der gewünsch­te Git­ter­lauf­stall nicht, so dass auch aus die­sem Grun­de kei­ne ent­spre­chen­der An­spruch bestünde.

(3) Bei der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes ist der all­ge­mein ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht ver­letzt wor­den.

aa) Ein Ar­beit­ge­ber ist grundsätz­lich in sei­ner Ent­schei­dung frei, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er sei­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne ver­trag­lich nicht ver­ein­bar­te Leis­tung frei­wil­lig gewährt. Bei ei­ner sol­chen Gewährung ist er aber an den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ge­bun­den, wenn er die frei­wil­li­ge Leis­tung nach von ihm selbst ge­setz­ten all­ge­mei­nen Re­ge­lun­gen gewährt. Der ge­wohn­heits­recht­lich an­er­kann­te ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­bie­tet die sach­frem­de Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge eben­so wie ei­ne sach­frem­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Grup­pen von Ar­beit­neh­mern. Da­bei greift das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung ein, wenn der Ar­beit­ge­ber Leis­tun­gen auf­grund ge­ne­rel­ler Re­ge­lun­gen für be­stimm­te Zwe­cke gewährt. Zahlt er bei­spiels­wei­se auf­grund ei­ner abs­trak­ten Re­ge­lung ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung nach ei­nem er­kenn­bar ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip und legt er ent­spre­chend dem mit der Leis­tung ver­folg­ten Zweck die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für die­se Leis­tung fest, darf er ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer von der Leis­tung nur aus­neh­men, wenn dies den sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spricht. Ar­beit­neh­mer wer­den nicht sach­fremd be­nach­tei­ligt, wenn nach dem Zweck der Leis­tung Gründe vor­lie­gen, die es un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, ih­nen die an­de­ren Ar­beit­neh­mern gewähr­ten Leis­tun­gen vor­zu­ent­hal­ten (BAG v. 12.10.2011 – 10 AZR 510/10, NZA 2012, 680; BAG v. 05.08.2009 – 10 AZR 666/08 – BB 2009, 1805; BAG v. 01.04.2009 – 10 AZR 353/08 – BB 2009, 1413; BAG v. 18.03.2009 – 10 AZR 289/08 – NZA 2009, 535; BAG v. 30.07.2008 – 10 AZR 497/07 – EzA Nr. 17 zu § 242 BGB Gleich­be­hand­lung; BAG v. 14.03.2007 – 5 AZR 420/06 – NZA 2007, 862).


bb) Auch so­weit der all­ge­mei­ne ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz das Di­rek­ti­ons­recht be­schränken kann, ist zu be­ach­ten, dass sach­li­che Dif­fe­ren­zie­run­gen möglich sind. Die­se sach­li­che Dif­fe­ren­zie­rung aber er­gibt sich ge­ra­de dar­aus, dass je­den­falls der Hund der Kläge­rin – wie die Be­weis­auf­nah­me er­ge­ben hat – von ei­ni­gen Mit­ar­bei­tern als Be­dro­hung emp­fun­den wird, die übri­gen Hun­de hin­ge­gen nicht. In­so­fern er­gibt sich aus der sub­jek­tiv emp­fun­de­nen Gefähr­lich­keit ge­ra­de die Zulässig­keit der sach­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung. Es han­delt sich um un­ter­schied­li­che Sach­ver­hal­te. Hier­zu wird in vol­lem Um­fang auf


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die be­reits vor­ge­nom­me­ne Abwägung Be­zug ge­nom­men, aus der sich die Zulässig­keit der Dif­fe­ren­zie­rung er­gibt.

(4) Die Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes ist auch nicht ver­wirkt. Denn es fehlt so­wohl am Zeit- als auch am Um­stands­mo­ment.

Dar­auf hat das Ar­beits­ge­richt be­reits hin­ge­wie­sen. Die er­ken­nen­de Kam­mer folgt in­so­weit den zu­tref­fen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts und sieht auch in­so­weit zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG von ei­ner Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­gründe ab. Die Kläge­rin hat zweit­in­stanz­lich zur Ver­wir­kung kei­ne Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die im Hin­blick auf die­sen Ge­sichts­punkt An­lass zu ei­ner an­de­ren recht­li­chen Be­ur­tei­lung ge­ben.

2. Auch so­weit man ent­ge­gen der un­ter Zif­fer 1. ver­tre­te­nen Auf­fas­sung von ei­ner der Kläge­rin er­teil­ten Zu­sa­ge aus­ge­hen woll­te, hätte die Be­klag­te die­se be­rech­tig­ter­wei­se wi­der­ru­fen.

Ent­schließt sich ein Ar­beit­ge­ber zusätz­li­che Leis­tun­gen zu gewähren, stellt sich die Fra­ge, ob und in wel­cher Wei­se sich ein Ar­beit­ge­ber von ei­ner Zu­sa­ge wie­der lösen kann. Da­bei ist im Be­reich der ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen an­er­kannt, dass oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de ver­trag­li­che Vor­sor­ge­re­ge­lung kein Wi­der­ruf möglich ist. Er­for­der­lich ist, dass sich der Ar­beit­ge­ber den Wi­der­ruf aus­drück­lich vor­be­hal­ten hat (vgl. BAG v. 28.04.2004 – 10 AZR 481/03 –, ju­ris; BAG v. 14.06.1995 – 10 AZR 25/94, NZA 1995, 1034).

Dies gilt je­doch außer­halb von ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen nicht stets und aus-schließlich. Es kommt außer­halb ent­gelt­li­cher Leis­tun­gen dar­auf an, wie der Empfänger ei­ner Erklärung die­se nach §§ 133, 157 BGB ver­ste­hen muss (BAG v. 28.04.2004 – 10 AZR 481/03 –, ju­ris). So­weit tatsächlich ei­ne Zu­sa­ge vor­han­den ge­we­sen wäre, hätte die­se von vorn­her­ein sach­lo­gisch un­ter dem Vor-be­halt ge­stan­den, dass der Hund die Ar­beits­abläufe nicht stört und ins­be­son­de­re nicht als Be­dro­hung emp­fun­den wird. Ge­ra­de bei Zu­sa­gen im Be­reich des Ver­hal­tens der Mit­ar­bei­ter im Be­trieb kann der Ar­beit­neh­mer nicht dar­auf ver­trau­en, dass ihm von vorn­her­ein ei­ne vor­be­halt­lo­se Zu­sa­ge er­teilt wird. Im Be­reich der Mit­nah­me von Tie­ren im Büro be­steht sach­lo­gisch im­mer ein Vor­be­halt, weil für den Ar­beit­neh­mer er­sicht­lich der Ar­beit­ge­ber dar­auf re­agie­ren können muss, wenn sich das Tier – aus wel­chen Gründen auch im­mer – nicht mehr so verhält, wie in der Zu­sa­ge zu­grun­de ge­legt. Es wäre ge­ra­de In­halt der Zu­sa­ge ge­we­sen, dass vom Hund kei­ne Ge­fahr aus­geht bzw. die­ser von den Mit­ar­bei­tern nicht als Ge­fahr an­ge­se­hen wird. In­so­weit steht die Zu­sa­ge je­den­falls un­ter dem Vor­be­halt, dass sie wi­der­ru­fen wer­den kann, wenn sich die Zu­sa­ge­vor­aus­set­zun­gen grund­le­gend geändert ha­ben. Be­zo­gen auf die be­haup­te­te Zu­sa­ge der Kläge­rin kann die­se im­mer dann wi­der­ru­fen wer­den, wenn das
 


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Ver­hal­ten des Hun­des die Ar­beits­abläufe stört. Auch das Ar­beits­ge­richt hat zu-tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, dass es sich in kei­nem Fal­le um ei­ne ver­fes­ti­ge Zu-sa­ge ge­han­delt hätte. Ei­ne sol­che hätte im kon­kre­ten Ein­zel­fall aus­drück­lich ver­ein­bart wer­den müssen.

Auch bei Zu­sa­gen ist ei­ne Ausübungs­kon­trol­le des Wi­der­rufs er­for­der­lich. Die­se rich­tet sich nach § 315 BGB. Sie muss al­so bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen. Dass der Wi­der­ruf bil­li­gem Er­mes­sen ent­sprach, ist be­reits im Rah­men der Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes dar­ge­legt wor­den. In­so­weit er­ge­ben sich bei der Abwägung bil­li­gem Er­mes­sen auf Grund­la­ge des § 106 Ge­wO kei­ne Un­ter­schie­de. Auch hier hat die Be­klag­te – wie die Be­weis­auf­nah­me in ers­ter In­stanz er­ge­ben hat – die Grundsätze bil­li­gen Er­mes­sens zu­tref­fend an­ge­wen­det. Dar­auf wird Be­zug ge­nom­men.

3. Auch so­weit man ent­ge­gen der un­ter Zif­fer 1. ver­tre­te­nen Auf­fas­sung von ei­ner zu­guns­ten der Kläge­rin ent­stan­de­nen be­trieb­li­chen Übung aus­ge­hen woll­te, hätte die Be­klag­te die­se be­rech­tig­ter­wei­se wi­der­ru­fen. Denn auch die Be­trieb­li­che Übung wäre mit dem be­reits un­ter Zif­fer 2) dar­ge­leg­ten Wi­der­rufs­vor­be­halt ver­se­hen und die Be­klag­te hätte die­sen Wi­der­rufs­vor­be­halt ent­spre­chend bil­li­gem Er­mes­sen aus­geübt. Da­bei ist zu be­den­ken, dass die Kläge­rin ge­ra­de der be­trieb­li­chen Übung nicht hätte ent­neh­men können, dass trotz Weg­fall der der be­trieb­li­chen Übung zu­grun­de lie­gen­den Vor­aus­set­zun­gen ein ver­fes­tig­ter An­spruch be­ste­hen soll­te. Denn es wäre ge­ra­de In­halt der be­trieb­li­chen Übung, dass vom Hund kei­ne Ge­fahr aus­geht bzw. die­ser von den Mit­ar­bei­tern nicht als Ge­fahr an­ge­se­hen wird und die be­trieb­li­chen Abläufe nicht stört.


4. Auch aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz kann die Kläge­rin kei­ne Rech­te her­lei­ten. Dies wur­de be­reits un­ter Zif­fer 1. dar­ge­legt.

5. Die Kläge­rin hat auch kei­nen An­spruch dar­auf, dass ihr Hund Ka­ya in ei­nem auf ih­re Kos­ten an­zu­le­gen­den 1,20 m x 1,20 m großen Git­ter­lauf­stall ge­hal­ten wird und außer­halb die­ses Büro­raums an ei­ner 1 m lan­gen Lei­ne geführt wird und ei­nen Maul­korb trägt. Der gel­tend ge­mach­te An­spruch schei­tert schon am vom Ar­beit­ge­ber aus­geübten Di­rek­ti­ons­recht. In­so­weit kann auf die Ausführun­gen un­ter Zif­fer 1. in vol­lem Um­fang Be­zug ge­nom­men wer­den. Der ent­spre­chen­de An­spruch er­gibt sich auch nicht aus dem Verhält­nismäßig­keits­prin­zip. In die­sem Zu­sam­men­hang ist der Ar­beit­ge­ber, als In­ha­ber des Haus­rech­tes und der Be­triebs­mit­tel of­fen­sicht­lich nicht da­zu ver­pflich­tet, ei­nen Zwin­ger zu dul­den, oder den Zu­tritt mit Lei­ne und Maul­korb zu ermögli­chen. Dies wur­de be­reits oben dar­ge­legt und ergänzend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­se Hal­tung auch nicht der Tier­schutz­hun­de­ver­ord­nung in der Fas­sung vom 02.05.2001 ent­spricht.
 


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II.


Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 525, 91, 97 Abs. 1 ZPO. Da­nach fal­len die Kos­ten ei­nes oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Rechts­mit­tels der Per­son zur Last, die es ein­ge­legt hat.

III.

Die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt lie­gen nicht vor. Es ist we­der über Rechts­fra­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung zu ent­schei­den, § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG, noch liegt ei­ne di­ver­gen­te Ent­schei­dung der Kam­mer zu ei­ner di­ver­genzfähi­gen Ent­schei­dung ei­nes Di­ver­genz­ge­rich­tes vor. Sch­ließlich ist auch kein ab­so­lu­ter Re­vi­si­ons­grund gem. § 547 Nr. 1 bis 5 ZPO oder ei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ver­let­zung des An­spruchs auf recht­li­ches Gehör er­sicht­lich, § 72 Abs. 2 Nr. 3 ArbGG.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. We­gen der Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wird auf § 72a ArbGG ver­wie­sen.


Dr. Ul­rich 

Ku­lok 

Hart­mann

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