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Bild­mi­sche­rin bei ei­nem Fern­seh­sen­der: Ar­beit­neh­me­rin oder Freie Mit­ar­bei­te­rin?

Ab­gren­zung Ar­beit­neh­mer / Frei­er Mit­ar­bei­ter im Rund­funk: Lan­des­ar­beits­ge­richt Mün­chen, Ur­teil vom 11.06.2010, 5 Sa 582/09
30.12.2010. Wer Ar­beit­neh­mer ist, kann so­zia­le und ma­te­ri­el­le Si­cher­heit be­an­spru­chen. Denn Ar­beit­neh­mer ha­ben ge­setz­li­che An­sprü­che auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall (§ 3 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz - Ent­gFG) und auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub (§ 1 Bun­des­ur­laubs­ge­setz - BUrlG). Au­ßer­dem ge­nie­ßen Ar­beit­neh­mer nor­ma­ler­wei­se Kün­di­gungs­schutz auf der Grund­la­ge des Kün­di­gungs­schutz­ge­set­zes (KSchG).

Ar­beit­neh­mer sind prak­tisch im­mer auch "Be­schäf­tig­te" im Sin­ne des So­zi­al­ver­si­che­rungs­rechts und sind da­mit in al­len fünf Zwei­gen der So­zi­al­ver­si­che­rung (Ren­ten­ver­si­che­rung, Kran­ken­ver­si­che­rung, Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, Pfle­ge­ver­si­che­rung, Un­fall­ver­si­che­rung) ver­si­chert.

Freie Mit­ar­bei­ter sind da­ge­gen Auf­trag­neh­mer, die sich nur auf ih­re ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung be­ru­fen kön­nen und sich selbst um ih­re so­zia­le Ab­si­che­rung küm­mern müs­sen.

In ei­nem Ur­teil vom 11.06.2010 be­fasst sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Mün­chen mit der Fra­ge, wann ein tech­ni­scher Mit­ar­bei­ter ei­ner Rund­funk­an­stalt als Ar­beit­neh­mer an­zu­se­hen ist und wann da­ge­gen als Frei­er Mit­ar­bei­ter (Selb­stän­di­ger) (LAG Mün­chen, Ur­teil vom 11.06.2010, 5 Sa 582/09). Ge­klagt hat­te ei­ne Bild­mi­sche­rin, die seit 1984 auf Ho­no­rar­ba­sis bei ei­nem Rund­funk­sen­der tä­tig war. Bei sei­ner Ent­schei­dung legt das LAG die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zur Ab­gren­zung der bei­den Tä­tig­keits­sar­ten im Rund­funk zu­grun­de.

Frei­er Mit­ar­bei­ter und ab­hän­gig be­schäf­tig­ter Ar­beit­neh­mer un­ter­schei­den sich da­nach durch den Grad der per­sön­li­chen Ab­hän­gig­keit, in der sich der zur Dienst­leis­tung Ver­pflich­te­te be­fin­det. Ar­beit­neh­mer ist, wer ei­nem an­de­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Ar­beit in per­sön­li­cher Ab­hän­gig­keit ver­pflich­tet ist. Das Wei­sungs­recht kann In­halt, Durch­füh­rung, Zeit, Dau­er und Ort der Tä­tig­keit be­tref­fen.

Ar­beit­neh­mer ist da­bei, wer sei­ne Ar­beit nicht frei ge­stal­ten kann und den Vor­ga­ben des Auf­trag­ge­bers in punc­to Ar­beits­zeit fol­gen muss. Da­bei kommt es auf die rea­len Ver­hält­nis­se an und nicht et­wa auf die Be­zeich­nung, die die Par­tei­en ih­rem Ver­trag ge­ge­ben ha­ben. Letzt­lich kommt es auf das "Ge­samt­bild" der Tä­tig­keit und auf al­le Um­stän­de des Ein­zel­falls an.

Im Rund­funk­be­reich ist da­bei auch die Rund­funk­frei­heit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) wich­tig. Sie schützt ei­ne Pro­gramm­ge­stal­tung, die mög­lichst frei von frem­der Ein­fluss­nah­me sein soll­te. Und da man Ar­beit­neh­mer nicht so leicht los wird, ent­schei­den die Ge­rich­te die Fra­ge "Ar­beit­neh­mer oder Selb­stän­di­ger?" bei Mit­ar­bei­tern, die Ein­fluss auf die ge­sen­de­ten In­hal­te neh­men kön­nen, im Zwei­fel im Sin­ne der Selb­stän­dig­keit.

Soll hei­ßen: Wer das ge­sen­de­te Pro­gramm bzw. des­sen In­hal­te (mit)ge­stal­tet, ist nur im Aus­nah­me­fall wei­sungs­ge­bun­den und da­her im Zwei­fels­fall frei­er Mit­ar­bei­ter. Im Un­ter­schied da­zu wir­ken be­triebs­tech­ni­sche und Ver­wal­tungs-Mit­ar­bei­ter in al­ler Re­gel nicht am Pro­gramm mit. Da­her sind sie meist kei­ne frei­en Mit­ar­bei­ter, son­dern Ar­beit­neh­mer.

Nach die­sen Maß­stä­ben ist ei­ne Bild­mi­sche­rin, die le­dig­lich tech­ni­sche As­pek­te des Pro­gramms be­treut, kei­ne pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­te­rin und da­mit Ar­beit­neh­me­rin. Die­se Ein­ord­nung konn­te das LAG in dem von ihm ent­schie­de­nen Fall be­stä­ti­gen. Die Klä­ge­rin war durch ei­nen Dienst­plan ört­lich so­wie letzt­lich auch zeit­lich an das Stu­dio ge­bun­den und un­ter­lag fach­li­chen An­wei­sun­gen hin­sicht­lich der in­halt­li­chen An­for­de­run­gen. Sie war in die be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­glie­dert, weil sie auf die tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen und die ar­beits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit mit den an­de­ren Mit­ar­bei­tern des Sen­ders an­ge­wie­sen war. Es wur­de schließ­lich auch er­war­tet, dass sie ih­ren Dienst per­sön­lich er­bringt.

Da sich die Par­tei­en nie­mals auf ein ge­nau­es Ar­beits­pen­sum ge­ei­nigt hat­ten, griff das LAG auf die Da­ten der letz­ten drei Jah­ren vor dem Pro­zess zu­rück. Die­se Rück-Be­trach­tung, so das LAG, ist lang ge­nug, um au­ßer­ge­wöhn­li­che Jah­re nur im Rah­men der Durch­schnitts­bil­dung mit ein­zu­be­zie­hen, und auch kurz ge­nug, um das Ty­pi­sche des ak­tu­ell prak­ti­zier­ten Ver­trags­ver­hält­nis­ses zu er­fas­sen.

Fa­zit: Ob je­mand ab­hän­gig be­schäf­tig­ter Ar­beit­neh­mer oder frei­er Mit­ar­bei­ter ist, hängt da­von ab, ob er wei­sungs­ge­bun­den ist oder ob er sei­ne Tä­tig­keit frei ge­stal­ten kann. Pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­ter bei Funk und Fern­se­hen sind in den meis­ten Fäl­len nicht wei­sungs­ab­hän­gig und da­mit kei­ne Ar­beit­neh­mer, wäh­rend nicht pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­ter mit tech­ni­schen und/oder ad­mi­nis­tra­ti­ven Auf­ga­ben in der Re­gel Ar­beit­neh­mer sind. Steht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft ein­mal fest, hängt der Um­fang der Be­schäf­ti­gung, den der Rund­funk­mit­ar­bei­ter ver­lan­gen kann, von der fak­ti­schen Ver­trags­durch­füh­rung der letz­ten Jah­re ab.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. Februar 2014

Bewertung: Bild­mi­sche­rin bei ei­nem Fern­seh­sen­der: Ar­beit­neh­me­rin oder Freie Mit­ar­bei­te­rin? 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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