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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Streik: Kirche, Streik, Kirchenarbeitsrecht
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 AZR 179/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.11.2012
   
Leit­sätze: Verfügt ei­ne Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft über ein am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­tes Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­ren, bei dem die Dienst­neh­mer­sei­te und die Dienst­ge­ber­sei­te in ei­ner pa­ritätisch be­setz­ten Kom­mis­si­on die Ar­beits­be­din­gun­gen der Beschäftig­ten ge­mein­sam aus­han­deln und ei­nen Kon­flikt durch den neu­tra­len Vor­sit­zen­den ei­ner Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on lösen (sog. Drit­ter Weg), dürfen Ge­werk­schaf­ten nicht zu ei­nem Streik auf­ru­fen. Das gilt je­doch nur, so­weit Ge­werk­schaf­ten in die­ses Ver­fah­ren or­ga­ni­sa­to­risch ein­ge­bun­den sind und das Ver­hand­lungs­er­geb­nis für die Dienst­ge­ber­sei­te als Min­dest­ar­beits­be­din­gung ver­bind­lich ist.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bielefeld, Urteil vom 03.03.2010, 3 Ca 2958/09
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 13.01.2011, 8 Sa 788/10
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 AZR 179/11
8 Sa 788/10
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
20. No­vem­ber 2012

UR­TEIL

Klapp, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

1.

Kläge­rin zu 1., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 1.,

2.

Kläger zu 2., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 2. und Re­vi­si­onskläger zu 2.,

3.


Kläge­rin zu 3., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 3. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 3.,

4.

Kläger zu 4., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 4., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 1. und Re­vi­si­onskläger zu 4.,

- 2 -


5.

Kläger zu 5., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 5., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 2. und Re­vi­si­onskläger zu 5.,

6.

Kläge­rin zu 6., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 6., An­schluss­be­ru­fungskläge­rin zu 3. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 6.,

7.

Kläger zu 7., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 7., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 4. und Re­vi­si­onskläger zu 7.,

8.

Kläger zu 8., Be­ru­fungs­be­klag­ter zu 8., An­schluss­be­ru­fungskläger zu 5. und Re­vi­si­onskläger zu 8.,

9.

Kläge­rin zu 9., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 9., An­schluss­be­ru­fungskläge­rin zu 6. und Re­vi­si­onskläge­rin zu 9.,

pp.
 

- 3 -

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, An­schluss­be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. No­vem­ber 2012 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Schwit­zer und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Hann für Recht er­kannt:

1. Die Re­vi­sio­nen der Kläger ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 13. Ja­nu­ar 2011 - 8 Sa
788/10 - wer­den zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläger ha­ben die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Zulässig­keit von Ar­beitskämp­fen in Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie.

Die Kläge­rin zu 1), die Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus Bie­le­feld gGmbH, beschäftigt an ih­ren bei­den Stand­or­ten in Bie­le­feld ca. 4.200 Mit­ar­bei­ter. Sie ist Mit­glied beim Kläger zu 5), dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1) sind ne­ben dem Kläger zu 2) die kirch­li­chen Stif­tun­gen Be­thel, Sa­rep­ta und Na­za­reth. Nach dem
 


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Ge­sell­schafts­ver­trag erfüllt sie Auf­ga­ben der Kran­ken­pfle­ge und an­de­re so­zia­le Auf­ga­ben in Wahr­neh­mung des kirch­lich-dia­ko­ni­schen Auf­trags.


Der Kläger zu 2), das Evan­ge­li­sche Jo­han­nes­werk, Bie­le­feld, ist ein Zu­sam­men­schluss von Trägern dia­ko­ni­scher An­stal­ten und Ein­rich­tun­gen in der Rechts­form ei­nes e. V. (im Fol­gen­den: Jo­han­nes­werk). In mehr als 70 Ein­rich­tun­gen beschäfti­gen die Mit­glie­der des Klägers zu 2) ca. 6.000 Ar­beit­neh­mer. Sei­nen ka­ri­ta­ti­ven Zweck ver­wirk­licht er nach sei­ner Sat­zung durch den Be­trieb von Kran­kenhäusern, Al­ten- und Pfle­ge­hei­men, Werkstätten für Be­hin­der­te so­wie in der pädago­gi­schen Ar­beit mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen. Er ist Mit­glied beim Kläger zu 5). Dem Ver­wal­tungs­rat des Klägers zu 2) gehören Amts­träger der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len, der Kläge­rin zu 6), an.

Die Kläge­rin zu 3), die Evan­ge­li­sche Ju­gend­hil­fe Frie­dens­hort GmbH Hei­mat für Hei­mat­lo­se, beschäftigt bun­des­weit ca. 850 Mit­ar­bei­ter. Nach dem Ge­sell­schafts­ver­trag ist Zweck der Ge­sell­schaft, die Kin­der-, Ju­gend-, Al­ten-, und Fa­mi­li­en­hil­fe zu fördern. Sie ver­steht ih­re Ar­beit als Le­bens- und We­sensäußerung der evan­ge­li­schen Kir­che und als Auf­trag zur Ausübung christ­li­cher Nächs­ten­lie­be im Sin­ne der Dia­ko­nie in christ­lich-kirch­li­cher Ver­ant­wor­tung. Die Kläge­rin zu 3) ist Mit­glied beim Kläger zu 5).


Der Kläger zu 4), das Dia­ko­ni­sche Werk Chris­to­pho­rus, Göttin­gen, wid­met sich in der Rechts­form ei­nes e. V. der Förde­rung, Pfle­ge und Be­treu­ung von geis­tig, körper­lich und see­lisch be­hin­der­ten Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen so­wie der Pfle­ge älte­rer Men­schen. Er ist Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V., dem Kläger zu 8).


Der Kläger zu 5), Dia­ko­ni­sches Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V., bil­det den Zu­sam­men­schluss von ca. 1.250 Trägern dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Diens­te im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len. Er ver­wirk­licht sei­nen dia­ko­ni­schen Auf­trag durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit. Grund­la­ge sei­ner Ar­beit ist die Sat­zung vom 18. Ju­li 1977 idF vom 12. De­zem­ber 2011 so­wie das Kir­chen­ge-
 


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setz über die Ord­nung der dia­ko­ni­schen Ar­beit in der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 13. No­vem­ber 2003 (Dia­ko­nieG-West­fa­len). Da­nach wird der dia­ko­ni­sche Auf­trag durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit wahr­ge­nom­men, die sich im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len als Lan­des­ver­band zu­sam­men­sch­ließen. Die­se sind teils pri­vat­recht­lich, teils öffent­lich-recht­lich or­ga­ni­siert. Nach § 9 Nr. 1 Buchst. b Dia­ko­nieG-West­fa­len ist die Sat­zung des Klägers zu 5) durch die Kläge­rin zu 6), die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len, zu ge­neh­mi­gen.


Die Kläge­rin zu 6), die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len, ist die als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts or­ga­ni­sier­te westfäli­sche Lan­des­kir­che. Die Ver­bin­dung zum Kläger zu 5) ist durch das Dia­ko­nieG-West­fa­len ge­re­gelt.

Der Kläger zu 7), der Dia­ko­nie Rhein­land-West­fa­len-Lip­pe e. V., ist der größte re­gio­na­le kirch­li­che So­zi­al­ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge in Deutsch­land. Zu sei­nen Gründungs­mit­glie­dern gehören ua. die Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe so­wie die­se drei Lan­des­kir­chen. In den Ein­rich­tun­gen der Mit­glie­der sind ca. 135.000 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Zweck des Ver­eins ist nach § 2 Abs. 1 der Sat­zung die „Be­schaf­fung von Mit­teln zur Förde­rung al­ler Ge­bie­te der Dia­ko­nie als Re­li­gi­ons­ausübung der Evan­ge­li­schen Kir­che“. Die­ser Zweck wird durch die Un­terstützung sei­ner Mit­glie­der, na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe, so­wie de­ren Mit­glie­dern ver­wirk­licht. Der Ver­ein berät die­se in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Gemäß § 2 Abs. 2 der Sat­zung ist we­sent­li­che Auf­ga­be des Klägers zu 7), in überg­rei­fen­den Grund­satz­fra­gen der dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­schen Ar­beit und in Fra­gen der Zu­ord­nung zu den Kir­chen die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen über de­ren drei Dia­ko­ni­sche Wer­ke nach dem glied­kirch­li­chen Recht zu gewähr­leis­ten.

Der Kläger zu 8), Dia­ko­ni­sches Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V., un­terstützt und ko­or­di­niert als Dach­ver­band die ihm an­ge­schlos­se­nen Verbände und Ein­rich­tun­gen. In ih­nen wer­den et­wa 40.000 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Grund­la­ge der Tätig­keit ist das Kir­chen­ge­setz über die Ord­nung der dia­ko­ni­schen Ar­beit vom 19. Ju­li 1978 (Dia­ko­nieG-Han­no­vers)
 


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so­wie das Kir­chen­ge­setz der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen zur Re­ge­lung des Ar­beits­rechts für Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz Dia­ko­nie, ARRGD-Nie­der­sach­sen) vom 11. Ok­to­ber 1997. Ände­run­gen der Sat­zung des Klägers zu 8) bedürfen des Ein­ver­neh­mens mit dem Kir­chen­se­nat der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers.


Die Kläge­rin zu 9), die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers, ist ei­ne Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts.

Der Rat der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­lands (EKD) hat in ei­ner Richt­li­nie vom 8. Ok­to­ber 1976 emp­foh­len, die Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst auf der Grund­la­ge ei­nes von ihm ver­ab­schie­de­ten Mus­ter­ent­wurfs ei­nes Kir­chen­ge­set­zes über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst zu re­geln. Dem sind die meis­ten Lan­des­kir­chen ge­folgt, wo­bei die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Kir­chen­ge­set­ze Un­ter­schie­de auf­weist. Die Syn­ode der EKD hat am 9. No­vem­ber 2011 das Kir­chen­ge­setz über die Grundsätze zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in der Dia­ko­nie (ARRG-Dia­ko­nie-EKD) be­schlos­sen. Die­ses gilt in den Glied­kir­chen der EKD nach de­ren Zu­stim­mung. Ar­beits­be­din­gun­gen für die Dienst­verhält­nis­se wer­den hier­nach in ei­ner pa­ritätisch ge­bil­de­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on und ei­ner Schieds­kom­mis­si­on fest­ge­legt (sog. Drit­ter Weg). Streik und Aus­sper­rung sind gemäß § 1 Abs. 3 Satz 5 ARRG-Dia­ko­nie-EKD aus­ge­schlos­sen.


Für die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len und ih­re Dia­ko­ni­schen Wer­ke wer­den die Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen nach dem Kir­chen­ge­setz über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst vom 15. No­vem­ber 2001 idF vom 17. No­vem­ber 2011 (Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­setz, ARRG-West­fa­len) durch ei­ne pa­ritätisch be­setz­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on und ei­ne Schieds­kom­mis­si­on ge­re­gelt. Vor­aus­set­zung der Mit­glied­schaft in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ist die Befähi­gung zum Amt ei­nes Pres­by­ters oder ei­nes Kir­chenältes­ten in ei­ner Glied­kir­che der EKD bzw. ein ent­spre­chen­des Amt. Zwei Drit­tel der von
 


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Mit­ar­bei­ter­ver­ei­ni­gun­gen ent­sand­ten Ver­tre­ter - al­so ins­ge­samt sechs - müssen im kirch­li­chen Dienst tätig sein. Der un­par­tei­ische Vor­sit­zen­de der Schieds­kom­mis­si­on wird grundsätz­lich durch Be­schlüsse der ent­sen­den­den Stel­len be­stimmt. Persönli­che Vor­aus­set­zung ist die Befähi­gung zum Rich­ter­amt. Im We­sent­li­chen Ent­spre­chen­des gilt für den Be­reich der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers.


Die Kläger zu 1) bis 3) sind nach § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und der Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Der Kläger zu 4) hat nach § 8 Abs. 2 Buchst. e Un­ter­punkt 5 der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen für Ein­rich­tun­gen, die sich dem ARRGD-Nie­der­sach­sen an­ge­schlos­sen ha­ben, oder ein an­de­res kirch­li­ches Ar­beits­ver­trags­recht in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung an­zu­wen­den. Das Präsi­di­um kann auf An­trag ein Mit­glied von die­ser Ver­pflich­tung be­frei­en, wenn ein zwin­gen­der Grund vor­liegt.


Die be­klag­te Ge­werk­schaft ver.di hat­te im Jahr 2009 die Beschäftig­ten der Kläger zu 1) bis 3) zu Warn­streiks auf­ge­ru­fen. Des Wei­te­ren hat es bei der B Ju­gend­hil­fe gGmbH, Han­no­ver, die Mit­glied des Klägers zu 8) ist, am 4. Mai und am 24. Sep­tem­ber 2009 von der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­te Streiks ge­ge­ben. Dem Kläger zu 4) teil­te die Be­klag­te am 7. Au­gust 2009 Fol­gen­des mit:


„...


da die Ver­hand­lun­gen der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on des Dia­ko­ni­schen Wer­kes der EKD zu Vergütungs­fra­gen nach wie vor ge­schei­tert sind, möch­ten wir Sie darüber in­for­mie­ren, dass auch Sie als Ein­rich­tung der Dia­ko­nie die Möglich­keit ha­ben, mit uns als ei­ner in ih­rer Dienst­stel­le ver­tre­te­nen Ge­werk­schaft, Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men. Un­ter Be­zug­nah­me auf un­ser Schrei­ben an den VdDD vom 29.08.2008 for­dern wir Sie hier­mit auf, mit uns den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen auf der Grund­la­ge des
 


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TVöD zu ver­han­deln.

Soll­ten Sie die Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ab­leh­nen oder un­ser Schrei­ben bis Frei­tag, den 28. Au­gust 2009, 12.00 Uhr, nicht be­ant­wor­ten, muss ih­re Ein­rich­tung da­mit rech­nen, in Ar­beits­kampf­maßnah­men zur Durch­set­zung von Ta­rif­verträgen bei den Dia­ko­ni­schen Wer­ken ein­be­zo­gen zu wer­den.


...“

Zu den an­ge­streb­ten Ta­rif­ver­hand­lun­gen ist es nicht ge­kom­men. 


Die Kläger ha­ben gel­tend ge­macht, Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ver­letz­ten das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV. Die­ses er­lau­be der ver­fass­ten Kir­che und ih­ren dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die pri­vat­recht­lich be­gründe­ten Rechts­verhält­nis­se am Leit­bild der christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten. Die Dienst­ge­mein­schaft be­ru­he auf dem Be­kennt­nis, dass al­le in ei­ner dia­ko­ni­schen Ein­rich­tung beschäftig­ten Dienst­neh­mer ge­mein­sam mit dem dor­ti­gen Dienst­ge­ber den dia­ko­ni­schen Auf­trag der Kir­che erfüllen. Die­se ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für den Dienst der Kir­che ver­pflich­te zu ei­ner ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit und ge­bie­te ei­ne kon­sen­sua­le Lösung ar­beits­recht­li­cher Kon­flik­te um den In­halt von Ar­beits­be­din­gun­gen. Das ver­lan­ge nach ei­nem kol­lek­ti­ven Re­ge­lungs­ver­fah­ren, das die von der Dienst­ge­mein­schaft ge­bo­te­nen Grundsätze der Part­ner­schaft und Ko­ope­ra­ti­on wah­re. Die­ses gewähr­leis­te der sog. Drit­te Weg, bei dem die Ar­beits­be­din­gun­gen in pa­ritätisch be­setz­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen ver­bind­lich aus­ge­han­delt und im Kon­flikt­fall durch ei­ne Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on mit ei­nem neu­tra­len Vor­sit­zen­den fest­ge­setzt würden. Mit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft sei­en Ver­hand­lun­gen um den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags, die sys­tem­not­wen­dig mit der Möglich­keit des Ar­beits­kamp­fes ver­bun­den sei­en, un­ver­ein­bar. Die­ser zerstöre die Dienst­ge­mein­schaft und hin­de­re die Kir­che für des­sen Dau­er an der Er­brin­gung des dia­ko­ni­schen Auf­trags. Die Erfüllung des re­li­giösen Auf­trags könne nicht un­ter dem Vor­be­halt ei­nes auf Kon­fron­ta­ti­on an­ge­leg­ten Ar­beits­kamp­fes ge­stellt wer­den. Ein Ar­beits­kampf in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ver­stieße auch ge­gen den Grund­satz der Kampf­pa­rität, da ein auf Kon­ti­nuität an­ge­leg­ter dia­ko­ni­scher Dienst sie
 


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an Be­triebs­still­le­gun­gen wie Aus­sper­run­gen hin­de­re. Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen sei­en dem­nach un­ge­ach­tet ih­res kon­kre­ten Ver­laufs rechts­wid­rig. Sie könn­ten da­her von der Be­klag­ten die Un­ter­las­sung von Ar­beitskämp­fen ver­lan­gen.


Die Kläger zu 1) bis 3) ha­ben be­an­tragt: 


1. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 1. a):

1. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1) bis 3) mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit¬ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 1. b):

1. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1) bis 3) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die Kläger zu 1) bis 3) mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a

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BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 1. a) bis 1. c):

1. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer der Kläger zu 1), bzw. zu 2), bzw. zu 3), in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


2. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 1. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Der Kläger zu 4) hat be­an­tragt:

3. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 3. a):

3. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4) mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh-

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mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung sol­cher Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart hat, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.


Hilfs­wei­se zu 3. b):

3. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4) zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 4) zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit der Kläger zu 4) mit sei­nen nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart hat.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 3. a) und 3. c):

3. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer des Klägers zu 4), in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


4. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 3. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

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Die Kläger zu 5) und 6) ha­ben be­an­tragt:


5. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 5. a):

5. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 5. b):

5. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw.

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aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 5. c):

5. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 5) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge 5. a) und 5. d):

5. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und

- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5) ist und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist,

zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che

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Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

6. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 5. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.

Der Kläger zu 7) hat be­an­tragt:

7. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 7. a):

7. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.
Hilfs­wei­se zu 7. b):

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7. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, das dem Kläger zu 7) an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 7. c):

7. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks sind, das dem Kläger zu 7) an­gehört, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.

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Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 7. a) und 7. d):


7. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und


- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied ei­nes Dia­ko­ni­schen Werks ist, wel­ches dem Kläger zu 7) an­gehört, und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder des Rhei­nisch-Westfälisch-Lip­pi­schen BAT-KF/
MTArb-KF in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ist, zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.

8. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 7. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Die Kläger zu 8) und 9) ha­ben be­an­tragt:

9. a) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen.

Hilfs­wei­se zu 9. a):

9. b) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger

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zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung von Ar­beits­be­din­gun­gen ver­ein­bart ha­ben, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet.

Hilfs­wei­se zu 9. b):

9. c) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in Ein­rich­tun­gen, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zuführen, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se zu 9. c):

9. d) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die in sol­chen kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind, de­ren Recht­sträger Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu Streiks, Warn­streiks und sons­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen auf­zu­ru­fen so­wie Streiks, Warn­streiks und sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG, de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der des Klägers zu 8) sind, zu or­ga­ni­sie­ren und durch­zufüh-


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ren, so­lan­ge und so­weit die je­wei­li­gen Ein­rich­tungs­träger mit ih­ren nicht den Dienst­stel­len­lei­tun­gen im Sin­ne der gel­ten­den MVG und nicht der Grup­pe der Chefärz­tin­nen und Chefärz­te an­gehören­den Ar­beit­neh­mern - vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB) - re­gel­haft die An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die AVR-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung oder die Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ver­ein­bart ha­ben.


Hilfs­wei­se für den Fall der Ab­wei­sung der Anträge zu 9. a) und 9. d):

9. e) Die Be­klag­te wird ver­pflich­tet, es zu un­ter­las­sen, ih­re Mit­glie­der und an­de­re Ar­beit­neh­mer, die

- in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG beschäftigt sind und

- de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 8) ist und

- in de­ren Ar­beits­verträgen die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD (AVR-DW-EKD) in der AVR-Konföde­ra­ti­on oder der Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on, je­weils in der gel­ten­den Fas­sung, ver­ein­bart ist,

zu Streiks auf­zu­ru­fen und es zu un­ter­las­sen, Streik-auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. AVR-Konföde­ra­ti­on bzw. Dienst­ver­trags­ord­nung-Konföde­ra­ti­on be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten.


10. Der Be­klag­ten wird für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Un­ter­las­sungs­pflicht nach Ziff. 9. ein Ord­nungs­geld bis zu ei­ner Höhe von 250.000,00 Eu­ro, er­satz­wei­se Ord­nungs­haft, zu voll­zie­hen am Vor­sit­zen­den des Vor­stands der Be­klag­ten, an­ge­droht.


Die Be­klag­te hat zur Be­gründung ih­res Ab­wei­sungs­an­trags aus­geführt, die Un­ter­las­sungs­anträge der Kläger zu 4) bis 9) sei­en schon des­halb un­be-
 


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gründet, weil es in­so­weit an ei­ner Wie­der­ho­lungs- oder Erst­be­ge­hungs­ge­fahr feh­le. Der Kläger zu 4) sei zwar zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf­ge­for­dert wor­den, bei ihm sei es je­doch nicht zu Streiks oder kon­kre­ten Strei­kan­dro­hun­gen ge­kom­men. In Be­zug auf die Kläger zu 5) bis 9) ha­be es we­der ei­ne Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen noch Strei­kankündi­gun­gen ge­ge­ben. Im Übri­gen ste­he das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft Ta­rif­ver­hand­lun­gen und Ar­beitskämp­fen in kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen nicht ent­ge­gen. Auch Ta­rif­ver­hand­lun­gen sei­en dar­auf ge­rich­tet, die un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te in ei­nem Ver­trag zu­sam­men­zuführen und zu be­frie­den. Der Drit­te Weg sei dem nicht ebenbürtig. Das zei­ge schon ein Ver­gleich mit Ar­beits­be­din­gun­gen, die in ver­gleich­ba­ren Ta­rif­verträgen wie den für den öffent­li­chen Dienst ge­re­gelt und für des­sen Beschäftig­ten durch­weg güns­ti­ger sei­en. In den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Sch­lich­tungs­ausschüssen würden die Ar­beit­neh­mer auch nicht gleich­be­rech­tigt be­tei­ligt, weil oh­ne die Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers Re­ge­lun­gen nicht ge­trof­fen wer­den und Vor­sit­zen­de nicht er­nannt wer­den könn­ten. Sch­ließlich sei das Streik­recht aus Art. 9 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­tet. Als Teil des ord­re pu­blic set­ze es dem aus Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV her­ge­lei­te­ten kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht Gren­zen und ge­he die­sem vor, da die­ses nur in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes gewähr­leis­tet sei. Der Vor­rang des Streik­rechts fol­ge auch aus Art. 6 der Eu­ropäischen So­zi­al­char­ta (ESC), Art. 11 der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) so­wie dem Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87). Im Rah­men ei­ner völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes sei­en die­se völker­recht­li­chen Be­stim­mun­gen zu berück­sich­ti­gen. Sch­ließlich sei das Streik­recht auch durch Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (GRC) gewähr­leis­tet.


Das Ar­beits­ge­richt hat den Anträgen zu 1. a), 3. c), 5. d), 7. d) und 9. d) ent­spro­chen und im Übri­gen die Kla­gen ab­ge­wie­sen. Auf die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt un­ter Zurück­wei­sung der An­schluss­be­ru­fung der Kläger das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­gen ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt


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zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­fol­gen die Kläger ihr Be­geh­ren un­ein­ge­schränkt wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­sio­nen sind un­be­gründet. 


A. In der ge­bo­te­nen Aus­le­gung sind die Anträge nur teil­wei­se zulässig. 


I. Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO sind Anträge, mit de­nen die Un­ter­las­sung von Hand­lun­gen ver­langt wird, so ge­nau zu be­zeich­nen, dass der In­an­spruch­ge­nom­me­ne im Fal­le ei­ner statt­ge­ben­den ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ein­deu­tig er­ken­nen kann, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen was von ihm ver­langt wird, um sich künf­tig rechtmäßig ver­hal­ten zu können (BAG 14. März 2012 - 7 ABR 67/10 - Rn. 9, EzA SGB IX § 95 Nr. 4). Der Un­ter­las­sungs­an­trag darf nicht der­art un­ge­nau ge­fasst sein, dass Ge­gen­stand und Um­fang der Ent­schei­dungs­be­fug­nis des Ge­richts (§ 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO) nicht er­kenn­bar ab­ge­grenzt sind und letzt­lich die Ent­schei­dung darüber, was dem Be­klag­ten ver­bo­ten ist, dem Voll­stre­ckungs­ge­richt über­las­sen blie­be (vgl. BAG 14. Sep­tem­ber 2010 - 1 ABR 32/09 - Rn. 14, EzA ZPO 2002 § 253 Nr. 4). Des­sen Auf­ga­be ist es zu klären, ob der Schuld­ner ei­ner Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men ist, und nicht, wie die­se aus­sieht. Gleich­wohl sind bei Un­ter­las­sungs­anträgen bis­wei­len ge­ne­ra­li­sie­ren­de For­mu­lie­run­gen un­ver­meid­lich. An­dern­falls würde die Möglich­keit, ge­richt­li­chen Rechts­schutz zu er­lan­gen, durch pro­zes­sua­le An­for­de­run­gen un­zu­mut­bar er­schwert, wenn nicht gar be­sei­tigt. Dem­ent­spre­chend sind die Ge­rich­te auch ver­pflich­tet, Anträge nach Möglich­keit so aus­zu­le­gen, dass ei­ne Sach­ent­schei­dung er­ge­hen kann (vgl. BAG 22. Mai 2012 - 1 ABR 11/11 - Rn. 15 mwN, DB 2012, 2351). Die Ver­wen­dung aus­le­gungs­bedürf­ti­ger Be­grif­fe ist des­halb hin­nehm­bar und im In­ter­es­se ei­ner sach­ge­rech­ten Ver­ur­tei­lung zweckmäßig, wenn über den Sinn­ge­halt der ver­wen­de­ten Be­grif­fe kein Zwei­fel be­steht, so dass die Reich­wei­te von An­trag und Ur­teil fest­steht (BGH 22. No­vem­ber 2007 - I ZR 12/05 - Rn. 22, GRUR 2008, 357). Et­was an­de­res


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gilt je­doch, wenn zwi­schen den Par­tei­en Streit be­steht, ob das be­an­stan­de­te Ver­hal­ten un­ter den ver­wen­de­ten Be­griff fällt und des­sen Merk­ma­le auch im We­ge der Aus­le­gung nicht hin­rei­chend deut­lich fest­zu­stel­len sind. In die­sem Fall kann der Be­griff nicht in der Ur­teils­for­mel ver­wen­det wer­den, weil sonst der im Er­kennt­nis­ver­fah­ren bei­zu­le­gen­de Streit in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert würde (vgl. BGH 1. De­zem­ber 1999 - I ZR 49/97 - zu I 1 der Gründe, BGHZ 143, 214).


II. Die­sen Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen wer­den die Anträge nur zum Teil ge­recht.

1. Der An­trag zu 1. a) der Kläger zu 1) bis 3) ist hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Es han­delt sich um ei­nen Glo­balan­trag, der ei­ne un­be­stimm­te Viel­zahl mögli­cher zukünf­ti­ger Fall­ge­stal­tun­gen er­fasst. Dies steht sei­ner Be­stimmt­heit nicht ent­ge­gen, weil er auf aus­nahms­los al­le denk­ba­ren Fälle ge­rich­tet ist. Ob der An­trag für sämt­li­che Fälle be­rech­tigt ist, be­trifft die Be­gründet­heit und nicht des­sen Zulässig­keit (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 25, BA­GE 122, 134).

b) Was Streiks und Warn­streiks sind, ist im Ein­zel­fall oh­ne Wei­te­res fest­stell­bar. Hierüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en auch kein Streit. Mit dem Merk­mal „sons­ti­ge Ar­beits­nie­der­le­gun­gen“ wol­len die Kläger er­kenn­bar sons­ti­ge Ar­beits­kampf­for­men in den An­trag ein­be­zie­hen, die von ei­nem ge­werk­schaft­li­chen Kampf­auf­ruf er­fasst sind.

c) Eben­so ist der Be­griff „Ein­rich­tung“ hin­rei­chend kon­kret. Hier­un­ter sind or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­hei­ten mit ka­ri­ta­ti­ver Ziel­set­zung in kirch­li­cher oder dia­ko­ni­scher Träger­schaft zu ver­ste­hen, in de­nen Mit­ar­bei­ter auf­grund von Dienst­verträgen tätig sind. Er er­fasst al­le Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten kirch­li­cher und ka­ri­ta­ti­ver Art, wie et­wa Kran­kenhäuser, Hei­me und Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen. Von ihm ist der Be­griff des „Recht­strägers“ zu un­ter­schei­den, der ei­ne oder meh­re­re Ein­rich­tun­gen ha­ben kann (BAG 9. Sep­tem­ber 2010 - 2 AZR 582/09 -
 


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Rn. 35, EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 16). Der Be­griff „Ein­rich­tung“ ent­spricht da­mit im We­sent­li­chen dem des Be­triebs. In Be­zug auf das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus in Bi hat die Kläge­rin zu 1) den Be­griff „Ein­rich­tung“ im zwei­ten Rechts­zug wei­ter da­hin kon­kre­ti­siert, dass da­mit al­lein das Kran­ken­haus mit sei­nen bei­den dor­ti­gen Stand­or­ten und 28 Fach­ab­tei­lun­gen in Bi ge­meint sei. Der An­trag be­zieht sich da­ge­gen nicht auf die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten W GmbH, Z GmbH, M GmbH, S GmbH und K GmbH.

2. Die Anträge zu 1. b) und 1. c) genügen nicht den An­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Das in die­sen Anträgen ent­hal­te­ne Merk­mal „re­gel­haft“ ist nicht hin­rei­chend be­stimmt. Nach Auf­fas­sung der Kläger soll mit die­sem Be­griff zum Aus­druck ge­bracht wer­den, dass das Ar­beits­kampf­ver­bot be­reits dann ein­grei­fe, wenn die ganz über­wie­gen­de Zahl der Ar­beit­neh­mer in Ein­rich­tun­gen der Kläger zu 1) bis 3) nach Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs beschäftigt wer­de. Auch mit die­ser Erläute­rung der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Se­nat bleibt je­doch die Quan­ti­fi­zie­rung des Re­gel­haf­ten im Un­ge­wis­sen. Es ist nicht hin­rei­chend be­stimmt fest­stell­bar, wann kon­kret Ar­beit­neh­mer „re­gel­haft“ nach den auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Be­stim­mun­gen beschäftigt wer­den. Nach­dem zwi­schen den Par­tei­en über den In­halt des Be­griffs „re­gel­haft“ Streit be­steht und die­ser ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung der Anträge zu 1. b) und 1. c) dar­stellt, kann die Klärung der Fra­ge, ob die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­be­din­gun­gen „re­gel­haft“ ver­ein­bart sind, nicht dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger führt die­ses Verständ­nis nicht zu ei­ner Ver­let­zung des Ge­bots ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes. In­so­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Kläger im Ein­zel­fall im­mer noch die Möglich­keit ha­ben, im We­ge des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ge­gen Ar­beits­kampf­maßnah­men der Be­klag­ten in Ein­rich­tun­gen vor­zu­ge­hen, in de­nen ih­rer Auf­fas­sung nach die An­wen­dung der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­ver­trags­be­din­gun­gen auf die Ar­beits­verhält­nis­se der Beschäftig­ten ver­ein­bart ist.


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b) Als nicht hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO er­weist sich des Wei­te­ren der in den Anträgen zu 1. b) und 1. c) ent­hal­te­ne Ein­schub „vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen (bspw. aus § 613a BGB)“.

aa) So­weit sich der Vor­be­halt bei­spiel­haft auf § 613a BGB be­zieht, genügt er al­ler­dings den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen. Der Ver­weis auf § 613a BGB macht deut­lich, dass hier­von die Fälle ei­nes Be­triebsüber­gangs im Sin­ne der ge­setz­li­chen Be­stim­mung er­fasst sein sol­len. Auch wenn im Ein­zel­fall strei­tig sein mag, ob der Tat­be­stand des § 613a BGB erfüllt ist, führt das ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht zur Un­be­stimmt­heit des An­trags. Viel­mehr hat das Voll­stre­ckungs­ge­richt dann zu klären, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. In­so­weit gilt für den Rechts­be­griff „Be­triebsüber­gang“ nichts an­de­res als für den Be­griff „Be­triebsände­rung“ (vgl. da­zu BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 40, BA­GE 122, 134). Der Be­stimmt­heit die­ses Vor­be­halts steht je­doch ent­ge­gen, dass nicht klar ist, was die Kläger zu 1) bis 3) un­ter „an­ders-lau­ten­den ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen“ ver­ste­hen. Es ist schon nicht er­kenn-bar, ob hier­mit nur staat­lich ge­setz­te Be­stim­mun­gen oder auch kir­chen­ge­setz­li­che Vor­schrif­ten ge­meint sind.

bb) Un­klar ist fer­ner, was in dem An­trag zu 1. b) un­ter ei­nem „kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren“ zu ver­ste­hen ist, das auf „struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet“. Die­se For­mu­lie­rung knüpft of­fen­bar an § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Da­nach sind die Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, wel­ches auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und der Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Wann ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren vor­liegt und wel­che An­for­de­run­gen an die­ses zu stel­len sind, ist in­des­sen un­be­stimmt. Es gibt kei­ne abs­trak­ten Merk­ma­le, an­hand de­rer ge­prüft wer­den kann, ob ein kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­tes Ver­fah­ren vor­liegt, das auf „struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der
 


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Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ruht und ein ge­re­gel­tes Sch­lich­tungs­ver­fah­ren be­inhal­tet“. Hier­bei han­delt es sich - an­ders als beim Be­griff des „Be­triebsüber­gangs“ oder der „Be­triebsände­rung“ - auch nicht um ei­nen Ge­set­zes-be­griff, der durch die Recht­spre­chung näher aus­ge­formt wor­den ist. Die Klärung die­ser An­for­de­run­gen darf des­halb nicht in das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den.


3. Der An­trag zu 1. d) der Kläger zu 1) bis 3) genügt in der ge­bo­te­nen Aus­le­gung den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO und ist des­halb zulässig.


a) So­weit der An­trag vor­aus­setzt, dass in den Ar­beits­verträgen die „voll­umfäng­li­che An­wen­dung der Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en des Dia­ko­ni­schen Werks der EKD“ (AVR) ver­ein­bart ist, ist dies da­hin zu ver­ste­hen, dass da­mit die un­ein­ge­schränk­te Gel­tung die­ser AVR ge­meint ist und dem­zu­fol­ge Fälle ei­ner nur teil­wei­sen ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me hier­auf vom An­trag nicht er­fasst sein sol­len. Die­ser be­zieht sich al­ler­dings auch auf die Fälle, in de­nen die Kläger in den Ar­beits­verträgen auf die AVR ver­wei­sen und die­se da­mit voll­umfäng­lich gel­ten, ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer je­doch - wie et­wa die bei der Kläge­rin zu 1) beschäftig­ten Ärz­te - darüber hin­aus ei­ne Dif­fe­renz­zu­la­ge zu den Ta­bel­len­wer­ten des TVöD-K er­hal­ten. Ent­schei­dend ist in­so­weit, dass die AVR ins­ge­samt gel­ten. Darüber hin­aus gewähr­te zusätz­li­che Leis­tun­gen ste­hen dem nicht ent­ge­gen.


b) Der letz­te Satz­teil des An­trags zu 1. d), wo­nach die Be­klag­te ver­pflich­tet wer­den soll, es zu un­ter­las­sen, „Streik­auf­ru­fe, die kei­ne auf die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der AVR-DW-EKD bzw. BAT-KF/MTArb-KF be­zo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­rung ent­hal­ten, zu ver­brei­ten“, ist nach dem Vor­trag der Kläger zu 1) bis 3) so zu ver­ste­hen, dass jeg­li­che Streik­auf­ru­fe aus­drück­lich nur an sol­che Ar­beit­neh­mer ge­rich­tet wer­den dürfen, mit de­nen ar­beits­ver­trag­lich kei­ne voll­umfäng­li­che An­wen­dung der ge­nann­ten Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs ver­ein­bart ist. Die­se An­for­de­rung ist ob­jek­tiv be­stimm­bar. Dass die Be­klag­te vor ei­nem Streik­auf­ruf nicht zu­verlässig fest­stel­len kann, wel­che Ar­beit­neh­mer der­ar­ti­ge ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen ha­ben, führt nicht zur

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Un­zulässig­keit des An­trags. Die Durchführ­bar­keit die­ser Ver­pflich­tung be­trifft viel­mehr ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit des An­trags.


4. Der An­trag zu 3. a) des Klägers zu 4) ist zulässig. In­so­weit gilt das für die Kläger zu 1) bis 3) zum An­trag zu 1. a) Aus­geführ­te ent­spre­chend. Die Anträge zu 3. b) bis 3. c) sind aus den zu den Anträgen zu 1. b) und 1. c) aus­geführ­ten Gründen un­zulässig. Der An­trag zu 3. d) ist da­ge­gen aus den zum An­trag zu 1. d) aus­geführ­ten Gründen zulässig.

5. In der ge­bo­te­nen Aus­le­gung sind die Anträge zu 5. a) und 5. e) der Kläger zu 5) und 6) zulässig, die Anträge zu 5. b) bis 5. d) da­ge­gen un­zulässig.


a) Die Anträge zu 5. a) bis 5. d) sind auf­grund des pro­zes­sua­len Vor­brin­gens der Kläger teil­wei­se ein­schränkend aus­zu­le­gen.


aa) Die Anträge 5. a) bis 5. d) sind auf­grund der Ausführun­gen der Kläger im zwei­ten Rechts­zug zunächst da­hin aus­zu­le­gen, dass mit dem dort ver­wen­de­ten Be­griff „Mit­glie­der des Klägers zu 5)“ nur „Voll­mit­glie­der“ ge­meint sind. Hier­durch soll ei­ne Ab­gren­zung von Gast­mit­glie­dern (§ 5 der Sat­zung des Klägers zu 5)) und ru­hen­den Mit­glied­schaf­ten (§ 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5)) er­fol­gen, die vom An­trag nicht er­fasst sind.

bb) Nach dem Vor­trag der Kläger zu 5) und 6) ist in Be­zug auf die zu 5. a) bis 5. c) ge­stell­ten Anträge des Wei­te­ren die for­mel­le Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. maßgeb­lich. Dies er­gibt sich ins­be­son­de­re aus den Ausführun­gen im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010. Dort ha­ben die Kläger mit Blick auf den Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) gel­tend ge­macht, das vom Bun­des­ar­beits­ge­richt dort be­an­stan­de­te Feh­len von Per­so­nen, die auf­grund ei­nes kirch­li­chen Auf­trags in ent­schei­dungs­be­fug­ten Or­ga­nen der Ein­rich­tung mit­wirk­ten, ha­be ei­nen Son­der­fall be­trof­fen, der hier nicht vor­lie­ge. Die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on wer­de durch die wei­te­ren Hilfs­anträge Rech­nung ge­tra­gen. Da­mit er­fas­sen die Anträge zu 5. a) bis 5. c) als Glo­balanträge auch Recht­sträger von Ein­rich­tun­gen, in de­nen nicht si­cher­ge­stellt ist, dass die
 


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ver­fass­te Kir­che aus­rei­chen­de Ein­flussmöglich­kei­ten be­sitzt, um dau­er­haft ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit kirch­li­chen Zie­len si­cher­zu­stel­len. Nur bei ei­nem sol­chen An­trags­verständ­nis macht der im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010 an­ge­brach­te Hilfs­an­trag zu 5. d) Sinn.

cc) Die Anträge zu 5. a) bis 5. c) be­tref­fen nur Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten in Ein­rich­tun­gen des Klägers zu 5), de­ren Recht­sträger Voll­mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks sind. Nicht er­fasst sind da­ge­gen Auf­ru­fe zu Ar­beits­kampf­maßnah­men bei den Klägern zu 5) und 6) selbst. Da­mit ist ein Streik­auf­ruf der Be­klag­ten beim Kläger zu 5), der als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein ei­ne ei­genständi­ge ju­ris­ti­sche Per­son dar­stellt und da­mit nach dem Verständ­nis der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­ber ei­ne mögli­che Ta­rif­ver­trags­par­tei (§ 3 Abs. 1 TVG), nicht vom Un­ter­las­sungs­be­geh­ren um­fasst. Glei­ches gilt für die Kläge­rin zu 6) als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts.

b) So ver­stan­den ist der An­trag zu 5. a) zulässig, ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

aa) Die for­mel­le Voll­mit­glied­schaft ei­nes Recht­strägers beim Kläger zu 5) ist hin­rei­chend be­stimm­bar. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Gast- und Voll­mit­glie­dern ist zunächst grundsätz­lich nach außen sicht­bar. Die Mit­glie­der sind nach § 4 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 5) ge­hal­ten, das Kro­nen­kreuz als ein­geführ­tes Mar­ken­zei­chen der Dia­ko­nie zu führen. Gast­mit­glie­der sind dem­ge­genüber nach § 5 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 5) da­zu in der Re­gel eben­so we­nig be­rech­tigt wie den Be­zeich­nun­gen ih­rer Ein­rich­tun­gen ei­nen Ver­merk hin­zu­zufügen, aus dem sich die Zu­gehörig­keit zum Dia­ko­ni­schen Werk er­gibt. Ent­schei­dend ist je­doch, dass nach § 3 Abs. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5) - ab­ge­se­hen von Kir­chen­ge­mein­den, Kir­chen­krei­sen so­wie Verbänden von Kir­chen­ge­mein­den und Kir­chen­krei­sen der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len - die Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. auf­grund ei­nes Auf­nah­me­an­trags er­wor­ben wird, der ge­genüber dem Vor­stand ab­zu­ge­ben ist und über den der Vor­stand ent­schei­det. Ei­ne ei­nem sol­chen An­trag statt­ge­ben­de Ent­schei­dung bestätigt die - for­mel­le - Mit­glied­schaft beim Kläger zu 5). Ob ei­ne der­ar­ti­ge Ent­sch­ei-
 


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dung ge­trof­fen wor­den ist, ist in der Zwangs­voll­stre­ckung fest­stell­bar. Ent­spre­chen­des gilt für die Ent­schei­dung des Vor­stands des Klägers zu 5) nach § 4 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 der Sat­zung des Klägers zu 5), die Mit­glied­schafts­rech­te ei­nes Mit­glieds ru­hen zu las­sen. In die­sem Fall darf im Übri­gen auch das Kro­nen­kreuz nicht mehr ver­wen­det wer­den.

bb) Der An­trag zu 5. a) ist in Be­zug auf die Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ein­zel­ner Mit­glie­der hin­rei­chend be­stimmt. Ent­schei­dend ist auch in­so­weit al­lein, ob die­se for­mal Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks sind. Ob dies ma­te­ri­ell­recht­lich aus­rei­chend ist, ist ei­ne Fra­ge der Be­gründet­heit der Anträge.


cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten be­ste­hen ge­gen die Be­stimmt­heit des Be­griffs „Recht­sträger“ kei­ne Be­den­ken. Die Kläger ha­ben die­sen Be­griff da­hin erläutert, dass hier­mit ge­kenn­zeich­net wer­de, wel­cher ju­ris­ti­schen Per­son ei­ne recht­lich selbständi­ge oder un­selbständi­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit zu­ge­ord­net ist. Das genügt den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.


c) Die Anträge zu 5. b) bis 5. d) sind un­zulässig. Wie be­reits zu den Anträgen zu 1. b) und 1. c) aus­geführt, sind der dar­in ent­hal­te­ne Be­griff „re­gel­haft“ so­wie der Ein­schub „vor­be­halt­lich an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen“ nicht hin­rei­chend be­stimmt.


d) Der An­trag zu 5. e) ist in der das pro­zes­sua­le Vor­brin­gen der Kläger zu 5) und 6) berück­sich­ti­gen­den Aus­le­gung hin­rei­chend be­stimmt und da­mit zulässig.


So­weit der An­trag vor­aus­setzt, dass Ar­beit­neh­mer in „kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG“ beschäftigt sind und de­ren Ar­beit­ge­ber Voll­mit­glied des Klägers zu 5) ist, be­zieht er sich auf ka­ri­ta­ti­ve und er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tun­gen, die der Kläge­rin zu 6) in­sti­tu­tio­nell zu­ge­ord­net sind. Für die­ses An­trags­verständ­nis ist maßgeb­lich, dass die Kläger zu 5) und 6) die­se For­mu­lie­rung erst­mals im ers­ten Rechts­zug im Schrift­satz vom 23. Fe­bru­ar 2010 in den Hilfs­an­trag zu 5. d) auf­ge­nom­men und dann später im Hilfs­an­trag zu 5. e) wie­der­holt ha­ben, nach­dem die Be­klag­te zu­vor un­ter Hin­weis auf den


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Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) gerügt hat­te, al­lein aus der Zu­gehörig­keit zum Dia­ko­ni­schen Werk könne nicht ge­schlos­sen wer­den, dass es sich bei der je­wei­li­gen Ein­rich­tung um ei­ne sol­che der Evan­ge­li­schen Kir­che han­de­le. Hier­nach setzt die Zu­ord­nung zur Kir­che iSd. § 118 Abs. 2 Be­trVG ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le Ver­bin­dung zwi­schen der Kir­che und der Ein­rich­tung vor­aus, auf­grund de­rer die Kir­che über ein Min­dest­maß an Ein­flussmöglich­kei­ten verfügt, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen gewähr­leis­ten zu können. Die Kir­che muss in der La­ge sein, ei­nen et­wai­gen Dis­sens in re­li­giösen An­ge­le­gen­hei­ten zwi­schen ihr und der Ein­rich­tung zu un­ter­bin­den. Be­ste­hen da­nach aus­rei­chen­de in­halt­li­che und per­so­nel­le Ein­flussmöglich­kei­ten der Kir­che auf die re­li­giöse Tätig­keit der Ein­rich­tung, ist das tatsächli­che Maß der Ein­fluss­nah­me oder Kon­trol­le durch die Amts­kir­che oh­ne Be­deu­tung für die Zu­ord­nung iSd. § 118 Abs. 2 Be­trVG (BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 31 f., aaO un­ter Be­zug­nah­me auf BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 b aa bis kk der Gründe, BVerfGE 46, 73). Im Hin­blick dar­auf ist der An­trag zu 5. e) so zu ver­ste­hen, dass „kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen iSv. § 118 Abs. 2 Be­trVG“ nur sol­che sind, die den dar­ge­stell­ten An­for­de­run­gen ge­recht wer­den. Auch wenn dies im Ein­zel­fall nicht ein­fach fest­stell­bar sein wird, führt dies nicht zur Un­be­stimmt­heit des An­trags (vgl. BAG 23. Ok­to­ber 2002 - 7 ABR 59/01 - zu B I 1 der Gründe, BA­GE 103, 163). In­so­weit gilt nichts an­de­res als für die im Ein­zel­fall schwie­ri­ge Fest­stel­lung der Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs oder ei­ner Be­triebsände­rung durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt.

6. Die Anträge zu 7. a) bis 7. e) des Klägers zu 7) ent­spre­chen im We­sent­li­chen de­nen der Kläger zu 5) und 6). Al­le Anträge set­zen je­doch zusätz­lich vor­aus, dass die Ar­beit­neh­mer in Ein­rich­tun­gen beschäftigt sind, „de­ren Recht­sträger zu­gleich Mit­glie­der ei­nes dem Kläger zu 7) an­gehören­den Dia­ko­ni­schen Werks sind“. Da­mit nimmt der Kläger zu 7) dar­auf Be­dacht, dass er ein von den Dia­ko­ni­schen Wer­ken des Rhein­lands, von West­fa­len und der Lip­pi­schen Lan­des­kir­che ge­bil­de­ter rechtsfähi­ger Ver­ein ist. Auch für die­sen An­trag gilt, dass von ihm Streik­auf­ru­fe beim Kläger zu 7) selbst nicht er­fasst sind. Aus den
 


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zum An­trag zu 5. a) aus­geführ­ten Gründen ist der An­trag zu 7. a) als Glo­balan­trag zulässig, die Anträge zu 7. b) bis 7. d) sind da­ge­gen we­gen des un­be­stimm­ten Be­griffs „re­gel­haft“ und des nicht hin­rei­chend be­stimm­ten Vor­be­halts an­ders­lau­ten­der ge­setz­li­cher Ver­pflich­tun­gen un­zulässig. Der An­trag zu 7. e) ist zulässig.

7. Die Anträge zu 9. a) bis 9. d) der Kläger zu 8) und 9) ent­spre­chen im We­sent­li­chen den Anträgen der Kläger zu 5) und 6). Dem­zu­fol­ge ist der An­trag zu 9. a) als Glo­balan­trag zulässig. Die Anträge zu 9. b) bis 9. d) sind al­ler­dings aus den in Be­zug auf die Kläger zu 5) und 6) dar­ge­leg­ten Gründen un­zulässig, der An­trag zu 9. e) ist da­ge­gen zulässig.

III. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass je­der der Kläger ge­gen die Be­klag­te ei­nen ei­ge­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend macht und nicht et­wa - wie noch im ers­ten Rechts­zug erörtert - ei­nen ge­mein­sa­men, den be­tref­fen­den Klägern als Ge­samtgläubi­ger zu­ste­hen­den An­spruch im We­ge der sub­jek­ti­ven Kla­gehäufung ver­folgt. Da­mit er­wei­sen sich die Be­den­ken der Be­klag­ten ge­gen ei­ne un­zulässi­ge Mehr­fachti­tu­lie­rung als un­be­gründet. Die ört­li­che Zuständig­keit für die Anträge der Kläger zu 3), 4), 5), 7), 8) und 9) war in der Re­vi­si­on nicht zu prüfen (§ 73 Abs. 2, § 65 ArbGG).


B. Die Anträge sind - so­weit zulässig - un­be­gründet. Als An­spruchs­grund­la­ge für die von den Klägern gel­tend ge­mach­ten Un­ter­las­sungs­ansprüche kommt al­lein § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB in Be­tracht. In Be­zug auf den Kläger zu 7) fehlt schon die er­for­der­li­che Ak­tiv­le­gi­ti­ma­ti­on, weil er durch die Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten nicht in ei­nem ei­ge­nen ab­so­lu­ten Recht ver­letzt ist. Beim Kläger zu 4) so­wie den Klägern zu 8) und 9) be­steht nicht die Be­sorg­nis wei­te­rer Be­ein­träch­ti­gun­gen iSd. § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten. Bezüglich der Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) fehlt es hin­sicht­lich der Glo­balanträge zu 1. a) und 5. a) an der Ge­fahr ei­ner aus­nahms­lo­sen Be­ein­träch­ti­gung ei­nes ab­so­lu­ten Rechts. Im Hin­blick auf die zulässi­gen Hilfs­anträge zu 1. d) und 5. e) be­steht nicht die Sor­ge wei­te­rer Be­ein­träch­ti­gun­gen durch die dort be­zeich­ne­ten Ver­let­zungs­hand­lun­gen.
 


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I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, in Be­zug auf die Kläger zu 1) bis 3) könn­te ein von der Be­klag­ten geführ­ter rechts­wid­ri­ger Streik ei­nen Ein­griff in de­ren ein­ge­rich­te­te und aus­geübte Ge­wer­be­be­trie­be dar­stel­len, der als „sons­ti­ges Recht“ iSd. § 823 Abs. 1 BGB geschützt sei. Ob dies im Hin­blick auf die Ge­meinnützig­keit die­ser Kläger zu­trifft, kann da­hin­ste­hen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird mit die­sem Verständ­nis des Pro­zess­vor­trags der Kläger de­ren Dar­le­gun­gen nicht ge­recht. Die­se ha­ben zur Be­gründung ih­rer Un­ter­las­sungs­anträge aus­sch­ließlich dar­auf ab­ge­stellt, durch Ar­beits­kampf­maßnah­men in ih­rem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt zu wer­den. Die­ses aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV fol­gen­de Recht ist ein de­liktsrecht­lich geschütz­tes sons­ti­ges Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB, zu des­sen Schutz § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB ana­log an­zu­wen­den ist.

1. Der An­wen­dungs­be­reich des § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB ist nicht auf Ei­gen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen be­schränkt, son­dern er­streckt sich auf al­le de­liktsrecht­lich geschütz­ten Rechtsgüter und er­fasst auch ab­so­lu­te Rech­te (BGH 13. März 1998 - V ZR 190/97 - zu II 2 a der Gründe, NJW 1998, 2058). Letz­te­res setzt vor­aus, dass es dem Gläubi­ger zu­ge­ord­net ist und ge­genüber je­der­mann un­abhängig von ei­ner rechts­geschäft­li­chen Ver­bun­den­heit wirkt (Münch­KommBGB/Wag­ner 5. Aufl. § 823 Rn. 142).


2. Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV erfüllt die An­for­de­run­gen ei­nes ab­so­lu­ten Rechts.


a) Die durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV gewähr­leis­te­te freie Ord­nung und Ver­wal­tung der ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ei­ne not­wen­di­ge, recht­lich selbständi­ge Gewähr­leis­tung, die der Frei­heit des re­li­giösen Le­bens und Wir­kens der Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten die zur Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­ben un­erläss­li­che Frei­heit der Be­stim­mung über Or­ga­ni­sa­ti­on, Norm­set­zung und Ver­wal­tung hin­zufügt (BVerfG 14. Mai 1986 - 2 BvL 19/84 - [Be­rufs­bil­dung] zu C 1 der Gründe, BVerfGE 72, 278). Bei­de Gewähr­leis­tun­gen ent­stam­men ei­nem vom Ver­fas-
 


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sungs­ge­ber an­er­kann­ten un­an­tast­ba­ren Frei­heits­raum, der nicht et­wa vom Staat zur Verfügung ge­stellt oder von ihm ab­ge­lei­tet ist (BVerfG 17. Fe­bru­ar 1981 - 2 BvR 384/78 - [Vol­marstein] zu C II 2 der Gründe, BVerfGE 57, 220). Sie kom­men nicht nur den Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und de­ren recht­lich selbständi­gen Tei­len zu­gu­te, son­dern al­len der ver­fass­ten Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (vgl. BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 2 a der Gründe, BVerfGE 53, 366).


Die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV sind un­mit­tel­ba­re Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, die die­sen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen lei­ten die­ses Recht von ih­nen ab. Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten ver­mit­teln es ih­nen, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 a der Gründe, BVerfGE 70, 138). Maßstab für das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen ist das Aus­maß der in­sti­tu­tio­nel­len Ver­bin­dung mit ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft oder die Art der mit der Ver­ei­ni­gung ver­folg­ten Zie­le (vgl. BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 46, 73; 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 2 a der Gründe, BVerfGE 53, 366).

b) Hier­nach erfüllt das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht aus Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV die An­for­de­run­gen, die an ein ab­so­lu­tes Recht iSd. § 823 Abs. 1 BGB ge­stellt wer­den (vgl. BGH 11. Fe­bru­ar 2000 - V ZR 271/99 - zu II 2 der Gründe, NJW 2000, 1555). Es ist Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und al­len ih­nen in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen und da­mit auch den Dia­ko­ni­schen Wer­ken und den die­sen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen zu­ge­wie­sen. Die­se können sich hier­auf auch ge­genüber Drit­ten be­ru­fen.
 


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3. Die Kläger zu 1) bis 6) so­wie zu 8) und 9) sind Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts und des­halb ak­tiv­le­gi­ti­miert, ei­ne Ver­let­zung die­ses Rechts gel­tend zu ma­chen, nicht da­ge­gen der Kläger zu 7).

a) Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht steht zunächst den Klägern zu 6) und 9) zu. Die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che von West­fa­len und die Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers sind in der Rechts­form von Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts (Art. 4 der Kir­chen­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 1. De­zem­ber 1953 idF der Be­kannt­ma­chung vom 14. Ja­nu­ar 1999 und Art. 2 Abs. 2 der Ver­fas­sung der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers vom 1. Ju­li 1971) Teil der ver­fass­ten Kir­che und da­mit un­mit­tel­ba­re Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts.


b) Den wei­te­ren Klägern zu 1) bis 5) und zu 8) wird die­ses Recht durch die ver­fass­te Kir­che ver­mit­telt, da sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen.


aa) Die Zu­ord­nung des Klägers zu 5) zur Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len er­gibt sich zunächst aus der Kir­chen­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len vom 1. De­zem­ber 1953 idF der Be­kannt­ma­chung vom 14. Ja­nu­ar 1999 (im Fol­gen­den: Kir­chen­ord­nung). Nach Art. 164 Kir­chen­ord­nung ge­schieht der Dienst der Verkündung und der Lie­be, zu dem al­le Glie­der der Kir­che ge­ru­fen sind, in be­son­de­rer Wei­se durch die mis­sio­na­risch-dia­ko­ni­schen Wer­ke der Kir­che. Die­se ha­ben gemäß Art. 165 Kir­chen­ord­nung in­ner­halb der kirch­li­chen Ord­nung die Frei­heit, ih­re Ar­beit so zu ge­stal­ten, wie es ih­rem be­son­de­ren Auf­trag und ih­rer Ge­schich­te ent­spricht. Die Ver­bin­dung der ein­zel­nen Wer­ke mit der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len ist ent­spre­chend Art. 166 Kir­chen­ord­nung durch das Dia­ko­nieG-West­fa­len vom 13. No­vem­ber 2003 ge­ord­net. Nach § 2 Dia­ko­nieG-West­fa­len wird der dia­ko­ni­sche Auf­trag durch die Kir­chen­ge­mein­den, durch recht­lich selbständi­ge Träger dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­scher Ar­beit, die sich im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len als Lan­des­ver­band zu­sam­men­sch­ließen, und durch die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len in Ver­bin­dung mit dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen

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Kir­che von West­fa­len wahr­ge­nom­men. Da­bei hat die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len gemäß § 8 Abs. 1 Dia­ko­nieG-West­fa­len die Ver­ant­wor­tung für die dia­ko­ni­sche Aus­rich­tung der kirch­li­chen Ar­beit und für die Förde­rung dia­ko­ni­scher Ar­beit in ih­rem Be­reich. Nähe­res re­gelt die Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks. De­ren Er­lass, Ände­rung und Auf­he­bung kann wie­der­um nur im Ein­ver­neh­men mit der Kir­chen­lei­tung er­fol­gen (§ 9 Nr. 1 Buchst. b Dia­ko­nieG-West­fa­len). Eben­so er­folgt die Wahl des Vor­sit­zen­den des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks im Ein­ver­neh­men mit der Kir­chen­lei­tung (§ 9 Nr. 1 Buchst. e Dia­ko­nieG-West­fa­len). Der Haupt­ver­samm­lung des Dia­ko­ni­schen Werks gehören gemäß § 10 Dia­ko­nieG-West­fa­len bis zu zehn von der Lan­des­syn­ode ent­sand­te Ver­tre­ter an. Da­ne­ben gehören dem Ver­wal­tungs­rat des Dia­ko­ni­schen Werks der Präses und ein Be­auf­trag­ter der Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len an. In die­sen kir­chen­recht­li­chen Re­ge­lun­gen kommt ei­ne hin­rei­chen­de in­sti­tu­tio­nel­le Ver­bun­den­heit zwi­schen dem Dia­ko­ni­schen Werk und der Evan­ge­li­schen Kir­che zum Aus­druck (da­zu BVerfG 11. Ok­to­ber 1977 - 2 BvR 209/76 - [Goch] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 46, 73; BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 35, BA­GE 125, 100). Die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len ist in den Or­ga­nen des Klägers zu 5) ver­tre­ten. Sie hat da­mit aus­rei­chen­de Ein­flussmöglich­kei­ten, um auf Dau­er ei­ne Übe­rein­stim­mung der re­li­giösen Betäti­gung der Ein­rich­tung mit den kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen zu gewähr­leis­ten.


bb) Glei­ches gilt für das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers (Kläger zu 8)). Die in­sti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Ver­bun­den­heit mit der Lan­des­kir­che folgt aus kir­chen­ge­setz­li­chen und sat­zungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen. Nach § 2 Dia­ko­nieG-Han­no­ver ist das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers mit den ihm an­gehören­den Ein­rich­tun­gen, Wer­ken, Verbänden und sons­ti­gen Diens­ten auf der Grund­la­ge sei­ner Sat­zung gemäß Art. 118 Abs. 1 der Kir­chen­ver­fas­sung als lan­des­kirch­li­ches Werk an­er­kannt. Es erfüllt sei­ne Auf­ga­ben in Bin­dung an die Kir­chen­ver­fas­sung und un­ter Mit­wir­kung der kir­chen­lei­ten­den Or­ga­ne der Lan­des­kir­che. Nach § 10 Abs. 1 Dia­ko­nieG-Han­no­ver ach­ten die­se im Rah­men ih­rer Auf­ga­ben dar­auf, dass die Ar­beit des Dia­ko­ni­schen Werks auf der Grund-


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la­ge die­ses Kir­chen­ge­set­zes ge­schieht. Gemäß § 2 Abs. 1 der Sat­zung des Klägers zu 8) nimmt das Dia­ko­ni­sche Werk dia­ko­ni­sche Auf­ga­ben der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers wahr und sorgt für die Aus­rich­tung kirch­li­cher Ar­beit in dia­ko­ni­scher Ver­ant­wor­tung. Gemäß § 13 Abs. 1 und Abs. 2 der Sat­zung des Klägers zu 8) müssen die Mit­glie­der des Präsi­di­ums evan­ge­li­schen Be­kennt­nis­ses sein. Zwei Mit­glie­der des Präsi­di­ums wer­den da­bei vom Lan­des­kir­chen­amt ent­sandt. Der Lan­des­bi­schof ist nach § 13 Abs. 5 der Sat­zung des Klägers zu 8) zu den Sit­zun­gen des Präsi­di­ums ein­zu­la­den. Er kann da­bei je­der­zeit das Wort er­grei­fen und Anträge stel­len. Nach § 18 Abs. 3 der Sat­zung des Klägers zu 8) fällt bei Auflösung oder Auf­he­bung des Dia­ko­ni­schen Werks des­sen Vermögen der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers zu (vgl. da­zu BAG 5. De­zem­ber 2007 - 7 ABR 72/06 - Rn. 35 mwN, BA­GE 125, 100).


cc) Des Wei­te­ren kann sich die Kläge­rin zu 1) auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen.

(1) Sie ist Mit­glied im Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Auf­grund der Re­ge­lun­gen des Ge­sell­schafts­ver­trags hat die Evan­ge­li­sche Kir­che von West­fa­len hin­rei­chen­de in­sti­tu­tio­nel­le und per­so­nel­le Möglich­kei­ten, um ei­ne Übe­rein­stim­mung der Betäti­gung der Kläge­rin zu 1) mit kirch­li­chen Vor­stel­lun­gen si­cher­zu­stel­len.

(a) Nach § 6 Abs. 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags sind die An­stalt Be­thel, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die Westfäli­sche Dia­ko­nis­sen­an­stalt Sa­rep­ta, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die Westfäli­sche Dia­ko­nen­an­stalt Na­za­reth, kirch­li­che Stif­tung des pri­va­ten Rechts und das Jo­han­nes­werk Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1). Nach § 2 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel ist Zweck die­ser Stif­tung die Un­terstützung hilfs­bedürf­ti­ger Per­so­nen, die Förde­rung der Wohl­fahrts­pfle­ge, des öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sens, der Ju­gend-und Al­ten­hil­fe, der Bil­dung und Er­zie­hung, der Wis­sen­schaft und For­schung. Die Stif­tung ver­folgt aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Sie ist Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. Nach § 7 Nr. 2 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel sol­len im Ver­wal­tungs­rat in an­ge­mes­se-
 


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ner Wei­se die Ver­bin­dung der Stif­tung mit Kir­che und Dia­ko­nie, die Zu­sam­men­ar­beit mit Re­präsen­tan­ten des öffent­li­chen und wirt­schaft­li­chen Le­bens, fach­li­che Be­ra­tungsmöglich­kei­ten des Vor­stands so­wie Mit­ver­ant­wor­tung und Mit­ar­beit zum Aus­druck kom­men. Der Ver­wal­tungs­rat be­stellt nach § 8 Nr. 1 der Sat­zung der Stif­tung Be­thel die ein­zel­nen Vor­stands­mit­glie­der und auch den Vor­stands­vor­sit­zen­den. Die­ser soll Pas­tor sein. Ent­spre­chen­des gilt für die Sat­zun­gen der Stif­tun­gen Na­za­reth und Sa­rep­ta. Auch die­se ver­fol­gen aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke und gehören der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len und dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Eben­so wie bei der Stif­tung Be­thel soll auch in die­sen bei­den Stif­tun­gen der Vor­stands­vor­sit­zen­de ein Pas­tor sein.

(b) Der vier­te Ge­sell­schaf­ter der Kläge­rin zu 1), das Jo­han­nes­werk, will nach sei­ner Sat­zung als ka­ri­ta­ti­ve und er­zie­he­ri­sche Ein­rich­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len Men­schen in leib­li­cher Not, see­li­scher Be­dräng­nis und in so­zi­al be­las­te­ten Verhält­nis­sen hel­fen. Die­ser Sat­zungs­zweck wird ins­be­son­de­re ver­wirk­licht durch den Be­trieb von Kran­kenhäusern, Wohn­hei­men, Wohn- und Pfle­ge­hei­men so­wie Werkstätten für Be­hin­der­te. Das Jo­han­nes­werk ver­folgt ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Den Or­ga­nen des Ver­eins, Mit­glie­der­ver­samm­lung und Ver­wal­tungs­rat, können nach § 5 Abs. 2 der Sat­zung des Jo­han­nes­werks nur Per­so­nen an­gehören, die Mit­glied der Evan­ge­li­schen Kir­che oder ei­ner an­de­ren der in der Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen in der Bun­des­re­pu­blik e. V. ver­tre­te­nen evan­ge­li­schen Kir­che sind. Der Vor­stand des Jo­han­nes­werks be­steht aus bis zu fünf Mit­glie­dern, die vom Ver­wal­tungs­rat be­ru­fen wer­den. Der Vor­sit­zen­de oder sein Stell­ver­tre­ter muss or­di­nier­ter Theo­lo­ge sein. Die Be­ru­fung oder Ab­be­ru­fung der ein­zel­nen Mit­glie­der des Vor­stands er­folgt nach Be­ra­tung mit dem Vor­sit­zen­den Geschäftsführer des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. und im Be­neh­men mit der Lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len (§ 8 Abs. 1 und Abs. 2 der Sat­zung des Jo­han­nes­werks).


(c) Dem Auf­sichts­rat der Kläge­rin zu 1) ob­liegt nach § 18 Abs. 1 des Ge­sell­schafts­ver­trags die Über­wa­chung der Geschäftsführung. Er ist zuständig



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für die Be­stel­lung, Ab­be­ru­fung und Ent­las­tung der Geschäftsführung. Die­se benötigt im In­nen­verhält­nis für al­le Geschäfte, die über den gewöhn­li­chen Be­trieb des Un­ter­neh­mens hin­aus­ge­hen, die vor­he­ri­ge Zu­stim­mung des Auf­sichts­rats. Die­ser hat ein Ve­to­recht bei der Ein­stel­lung und Ent­las­sung lei­ten­der Ärz­te ein­sch­ließlich späte­rer Ände­run­gen ih­rer An­stel­lungs­verträge (§ 18 Abs. 3 Buchst. b des Ge­sell­schafts­ver­trags). Gemäß § 16 Abs. 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags wer­den drei Auf­sichts­rats­mit­glie­der von den Stif­tun­gen Be­thel, Na­za­reth und Sa­rep­ta no­mi­niert und zwei wei­te­re Auf­sichts­rats­mit­glie­der vom Jo­han­nes­werk. Dem Han­dels­re­gis­ter ist zu ent­neh­men, dass der­zeit drei Pas­to­ren, ein Di­plom-Kauf­mann und ein Ju­rist dem Auf­sichts­rat an­gehören.


(2) Auf­grund die­ser Ge­sell­schaf­ter­struk­tur und Be­set­zung des Auf­sichts­rats ist ein aus­rei­chen­der per­so­nel­ler Ein­fluss der Kir­che auf die Ar­beit der Kläge­rin zu 1) si­cher­ge­stellt. An­ders als in dem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt am 5. De­zem­ber 2007 (- 7 ABR 72/06 - BA­GE 125, 100) ent­schie­de­nen Fall, in dem ei­ne nicht kirch­li­che Stif­tung Al­lein­ge­sell­schaf­te­rin ei­nes Kran­ken­hau­ses war und ei­ne Be­tei­li­gung von Ver­tre­tern der Evan­ge­li­schen Kir­che oder ih­res Dia­ko­ni­schen Werks in den ent­schei­dungs­be­fug­ten Or­ga­nen der Ar­beit­ge­be­rin nicht vor­ge­se­hen war, ist hier auf­grund der Ge­sell­schaf­ter­struk­tur und der Vor­schrif­ten über die Be­stel­lung des Auf­sichts­rats be­reits ei­ne aus­rei­chen­de Ein­fluss­nah­me der Kir­che si­cher­ge­stellt. Darüber hin­aus ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei der Kläge­rin zu 1) um ei­ne his­to­risch mit der Evan­ge­li­schen Kir­che ver­bun­de­ne Ein­rich­tung han­delt. Die­se ist im Jah­re 2005 nach ei­ner Fu­si­on des evan­ge­li­schen Kran­ken­hau­ses Gi­lead und des Jo­han­nes-Kran­ken­hau­ses ent­stan­den. Bei die­sen bei­den han­delt es sich um evan­ge­li­sche Kran­kenhäuser mit ei­ner zum Teil über hun­dertjähri­gen kirch­li­chen Tra­di­ti­on.

dd) Auch der Kläger zu 2) (Jo­han­nes­werk) kann sich auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen. Er gehört dem Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. an. Wie be­reits aus­geführt, er­gibt sich aus sei­ner Sat­zung ei­ne hin­rei­chen­de Ein­flussmöglich­keit der Lan­des­kir­che auf die Ar­beit die­ses Ver­eins.
 


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ee) Sch­ließlich können sich auch die Kläger zu 3) und 4) auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen.

(1) Die Kläge­rin zu 3) (Evan­ge­li­sche Ju­gend­hil­fe Frie­dens­hort GmbH Hei­mat für Hei­mat­lo­se) ver­folgt nach ih­rem Ge­sell­schafts­ver­trag den Zweck, die Kin­der-, Ju­gend-, Al­ten- und Fa­mi­li­en­hil­fe zu fördern. Die Ge­sell­schaft ver­steht ih­re Ar­beit als Le­bens- und We­sensäußerung der evan­ge­li­schen Kir­che und als Auf­trag zur Ausübung christ­li­cher Nächs­ten­lie­be im Sin­ne der Dia­ko­nie in christ­lich-kirch­li­cher Ver­ant­wor­tung (§ 2 des Ge­sell­schafts­ver­trags). Die Stamm­ein­la­ge wird nach § 3 des Ge­sell­schafts­ver­trags der Kläge­rin zu 3) von der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort ge­hal­ten. Die Ge­sell­schaft ver­folgt nach § 4 ih­res Ge­sell­schafts­ver­trags aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung gehören nach § 6 des Ge­sell­schafts­ver­trags der Kläge­rin zu 3) ne­ben dem Vor­stand der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort die Mit­glie­der ih­res Ku­ra­to­ri­ums an. Nach § 9 des Ge­sell­schafts­ver­trags wer­den zu Geschäftsführern die­je­ni­gen Per­so­nen be­stellt, die dem Vor­stand der Dia­ko­nis­sen­mut­ter­haus Stif­tung Frie­dens­hort an­gehören. Da­mit ist so­wohl per­so­nell wie in­sti­tu­tio­nell ein aus­rei­chen­der Ein­fluss der Kir­che auf die Ar­beit der Ge­sell­schaft gewähr­leis­tet.

(2) Der Kläger zu 4) (Dia­ko­ni­sches Werk Chris­to­pho­rus e. V.) wid­met sich nach § 2 sei­ner Sat­zung der Förde­rung, Pfle­ge und Be­treu­ung von geis­tig, körper­lich, see­lisch und mehr­fach be­hin­der­ten Kin­dern, Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen mit dem Ziel, ein Höchst­maß an Selbständig­keit und Le­bens­qua­lität zu ver­mit­teln. Der Ver­ein ist nach § 3 Nr. 2 sei­ner Sat­zung Mit­glied des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. und ver­folgt nach § 4 Nr. 1 der Sat­zung aus­sch­ließlich ge­meinnützi­ge Zwe­cke. Die Mit­glie­der des Auf­sichts­rats müssen nach § 8 Nr. 1 der Sat­zung des Klägers zu 4) ei­ner christ­li­chen Kir­che an­gehören und in ih­rer Mehr­heit Mit­glie­der der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers sein. Ein Mit­glied des Auf­sichts­rats soll Pas­tor und In­ha­ber ei­ner Pfarr­stel­le sein. Nach § 10 Nr. 1 der Sat­zung des Klägers zu 4) fällt das Vermögen im Fal­le der Auflösung oder Auf­he­bung des Ver­eins oder bei Weg­fall sei­nes bis­he­ri­gen
 


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Zwecks an ei­nen an­de­ren dia­ko­ni­schen oder kirch­li­chen Recht­sträger, der die Ver­eins­zwe­cke wei­ter­ver­folgt. Auf­grund die­ser Sat­zungs­be­stim­mun­gen ist in­sti­tu­tio­nell und per­so­nell ein hin­rei­chen­der kirch­li­cher Ein­fluss auf die Ver-eins­ar­beit gewähr­leis­tet.


c) Der Kläger zu 7) (Dia­ko­nie Rhein­land-West­fa­len-Lip­pe e. V.) kann sich nicht auf das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht be­ru­fen. Der Sat­zung ist nicht zu ent­neh­men, dass er die Auf­ga­be hat, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen.


aa) Nach der Präam­bel der Sat­zung des Klägers zu 7) sind das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e. V., das Dia­ko­ni­sche Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. und das Dia­ko­ni­sche Werk der Lip­pi­schen Lan­des­kir­che e. V. auf­grund der so­zia­len, öko­no­mi­schen und fi­nan­zi­el­len Ent­wick­lung überein­ge­kom­men, den Kläger zu 7) zu bil­den (da­zu im Ein­zel­nen Linz­bach KuR 2008, 155, 156 ff.). Nach § 2 der Sat­zung des Klägers zu 7) ist Zweck des Ver­eins ins­be­son­de­re die Be­schaf­fung von Mit­teln zur Förde­rung al­ler Ge­bie­te der Dia­ko­nie als Re­li­gi­ons­ausübung der Evan­ge­li­schen Kir­che, na­ment­lich zur Förde­rung der Re­li­gi­on, der Ju­gend- und Al­ten­hil­fe, des öffent­li­chen Ge­sund­heits­we­sens und der öffent­li­chen Ge­sund­heits­pfle­ge, der Bil­dung und Er­zie­hung, des Wohl­fahrts­we­sens und des Schut­zes der Fa­mi­lie. Die­ser Zweck wird sat­zungs­gemäß ins­be­son­de­re ver­wirk­licht durch die Un­terstützung der Mit­glie­der des Ver­eins, na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe. Da­zu berät der Ver­ein in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. In Grund­satz­fra­gen der dia­ko­nisch-mis­sio­na­ri­schen Ar­beit und in Fra­gen der Zu­ord­nung zu den Kir­chen or­ga­ni­siert der Ver­ein die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen über de­ren Dia­ko­ni­sche Wer­ke nach glied­kirch­li­chem Recht. Der Ver­ein ist gemäß § 3 sei­ner Sat­zung aus­sch­ließlich ge­meinnützig tätig. Der Vor­stand be­steht nach § 12 der Sat­zung des Klägers zu 7) aus min­des­tens zwei Per­so­nen, von de­nen je­weils ei­ne vom Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land e. V. und ei­ne vom Dia­ko­ni­schen Werk der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. vor­ge­schla­gen wird. Der Spre­cher muss or­di­nier­ter Theo­lo­ge sein. Dem Ver­wal­tungs­rat


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gehören nach § 9 Abs. 1 der Sat­zung des Klägers zu 7) der je­wei­li­ge Vor­sitz und der stell­ver­tre­ten­de Vor­sitz des Dia­ko­ni­schen Rats des Dia­ko­ni­schen Werks Rhein­land und des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks West­fa­len an so­wie zwei wei­te­re Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Rats des Dia­ko­ni­schen Werks Rhein­land und des Ver­wal­tungs­rats des Dia­ko­ni­schen Werks West­fa­len so­wie ein Mit­glied der Kir­chen­lei­tung der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land, das wie­der­um dem Dia­ko­ni­schen Rat des Dia­ko­ni­schen Werks an­gehört.

bb) Auf­grund die­ser Sat­zungs­be­stim­mun­gen ist zwar da­von aus­zu­ge­hen, dass ein per­so­nel­ler Ein­fluss der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len auf den Kläger zu 7) gewähr­leis­tet ist. Dem in § 2 der Sat­zung des Klägers zu 7) be­schrie­be­nen Ver­eins­zweck ist je­doch nicht zu ent­neh­men, dass der Kläger zu 7) da­zu be­ru­fen ist, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men oder zu erfüllen. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehört ge­ra­de nicht ein ka­ri­ta­ti­ves Wir­ken im Sin­ne täti­ger Nächs­ten­lie­be, son­dern die Be­ra­tung na­ment­lich der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Des Wei­te­ren ko­or­di­niert er die Ab­stim­mung mit den drei Lan­des­kir­chen. Auf­ga­be des Klägers zu 7) ist dem­zu­fol­ge nicht, sich der Men­schen in leib­li­cher Not, see­li­scher Be­dräng­nis und in so­zi­al un­ge­rech­ten Verhält­nis­sen an­zu­neh­men und die Ur­sa­che die­ser Nöte zu be­he­ben, wie es nach § 1 Dia­ko­nieG-West­fa­len Auf­trag der Dia­ko­nie ist. Die­ser voll­zieht sich nach die­ser Be­stim­mung in Wort und Tat als ganz­heit­li­cher Dienst mit und an den Men­schen. Er rich­tet sich an Ein­zel­ne und Grup­pen un­ge­ach­tet des Ge­schlechts, der Ab­stam­mung, der Her­kunft oder der Re­li­gi­on. Mit al­len die­sen Ziel­set­zun­gen der Dia­ko­nie hat der Kläger zu 7) nichts ge­mein. Es han­delt sich bei ihm letzt­lich um ei­ne Art „Un­ter­neh­mens­be­ra­tung“ in der Rechts­form ei­nes ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins, des­sen Auf­ga­be die Be­ra­tung der drei glied­kirch­li­chen Dia­ko­ni­schen Wer­ke Rhein­land, West­fa­len und Lip­pe in fach­li­cher, recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht ist (§ 2 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 der Sat­zung des Klägers zu 7)).

cc) Ist der Kläger zu 7) da­nach nicht Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, ist sei­ne Kla­ge un­be­gründet und schon des­halb im vol­len Um­fang



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ab­zu­wei­sen, weil die Ver­let­zung die­ses ab­so­lu­ten Rechts nicht zu be­sor­gen ist. Ei­ne Be­ein­träch­ti­gung durch Ver­let­zung an­de­rer ab­so­lu­ter Rech­te hat der Kläger zu 7) nicht be­haup­tet. Im Übri­gen ist die Kla­ge aus den­sel­ben Gründen ab­zu­wei­sen wie die der Kläger zu 5) und 6) (da­zu un­ten zu B III 11 a dd und ee der Gründe).

II. Wei­te­re Auf­ru­fe zu Ar­beits­kampf­maßnah­men und dar­aus nach Auf­fas­sung der Kläger fol­gen­de wei­te­re Be­ein­träch­ti­gun­gen des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts (§ 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB) ha­ben nur die Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) zu be­sor­gen, nicht da­ge­gen die Kläger zu 4), 8) und 9).

1. Künf­ti­ge Be­ein­träch­ti­gun­gen ei­nes geschütz­ten Rechts sind grundsätz­lich zu be­sor­gen, wenn sie auf ei­ner be­reits er­folg­ten Ver­let­zungs­hand­lung be­ru­hen (Wie­der­ho­lungs­ge­fahr) oder ei­ne sol­che ernst­haft zu befürch­ten ist (Erst­be­ge­hungs­ge­fahr).


a) Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist die ob­jek­ti­ve Ge­fahr der er­neu­ten Be­ge­hung ei­ner kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung. Sie ist nicht auf die iden­ti­sche Ver­let­zungs­form be­schränkt, son­dern um­fasst al­le im Kern gleich­ar­ti­gen Ver­let­zungs­for­men (st. Rspr., vgl. BGH 9. Sep­tem­ber 2004 - I ZR 93/02 - zu II 4 b der Gründe, GRUR 2005, 443).


b) Ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr be­steht, wenn ein rechts­wid­ri­ger Ein­griff in ein ab­so­lu­tes Recht oder ein sonst vom Recht geschütz­tes Gut oder In­ter­es­se un­mit­tel­bar be­vor­steht. Dafür muss die Be­ein­träch­ti­gung ei­nes geschütz­ten Rechts kon­kret dro­hen (vgl. BGH 18. Sep­tem­ber 2009 - V ZR 75/08 - Rn. 12, NJW 2009, 3787), sie muss ernst­haft und greif­bar zu befürch­ten sein (BGH 15. April 1999 - I ZR 83/97 - zu II 2 b der Gründe, NJW-RR 1999, 1563). Berühmt sich ei­ne Par­tei ei­nes Rechts, be­gründet dies ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr, wenn den Erklärun­gen bei Würdi­gung der Ein­zel­umstände des Fal­les auch die Be­reit­schaft zu ent­neh­men ist, sich un­mit­tel­bar oder in na­her Zu­kunft in die­ser Wei­se zu ver­hal­ten (BGH 4. De­zem­ber 2008 - I ZR 94/06 - Rn. 14, GRUR-RR 2009, 299). An­ders als bei der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr spricht für das Vor­lie­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr kei­ne Ver­mu­tung, so dass der­je­ni­ge, der sie gel­tend
 


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macht, al­le Umstände dar­le­gen und be­wei­sen muss, aus de­nen sie sich im kon­kre­ten Fall er­ge­ben soll (Te­plitz­ky Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprüche und Ver­fah­ren 10. Aufl. Kap. 10 Rn. 8 mwN).

2. Bei der Erst­be­ge­hungs- und der Wie­der­ho­lungs­ge­fahr han­delt es sich um ma­te­ri­el­le An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des Un­ter­las­sungs­an­spruchs (vgl. BGH 19. Ok­to­ber 2004 - VI ZR 292/03 - zu II 3 a der Gründe, NJW 2005, 594). Stützt der Kläger sein Un­ter­las­sungs­be­geh­ren so­wohl auf ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr we­gen ei­ner be­haup­te­ten Ver­let­zungs­hand­lung als auch auf ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr we­gen be­stimm­ter Erklärun­gen des Be­klag­ten, han­delt es sich um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­genstände, da die ein­heit­li­che Rechts­fol­ge aus un­ter­schied­li­chen Le­bens­sach­ver­hal­ten her­ge­lei­tet wird (BGH 23. Fe­bru­ar 2006 - I ZR 272/02 - Rn. 25, BGHZ 166, 253). Hat der Kläger sein Un­ter­las­sungs­be­geh­ren zunächst nur mit ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­gründet, kann er sich in der Re­vi­si­on nicht auf ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr stützen, da in das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren kein neu­er Streit­ge­gen­stand ein­geführt wer­den kann (vgl. BGH 30. April 2009 - I ZR 191/05 - Rn. 58, NJW-RR 2009, 1558).


3. Die Be­ur­tei­lung der Erst­be­ge­hungs­ge­fahr eben­so wie die ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist im We­sent­li­chen tatsäch­li­cher Na­tur und in der Re­vi­si­ons­in­stanz nur be­schränkt dar­auf nach­prüfbar, ob das Be­ru­fungs­ge­richt von rich­ti­gen recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten aus­ge­gan­gen ist und kei­ne we­sent­li­chen Tat­umstände außer Acht ge­las­sen hat (BGH 24. April 1986 - I ZR 56/84 - zu B II 1 b der Gründe, GRUR 1987, 45).


4. Nach die­sen Grundsätzen be­steht bei den Klägern zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) hin­sicht­lich der in den Anträgen zu 1. a) und 5. a) be­zeich­ne­ten Ar­beits­kampf­maßnah­men we­gen in der Ver­gan­gen­heit be­reits durch­geführ­ten Streiks die Ge­fahr, dass die Be­klag­te zu der­ar­ti­gen Ar­beits­nie­der­le­gun­gen er­neut auf­ru­fen wird. Für die in den Anträgen zu 1. d) und 5. e) be­schrie­be­nen Streiks be­steht ei­ne der­ar­ti­ge Ge­fahr da­ge­gen nicht.


a) In Be­zug auf den An­trag zu 1. a) der Kläge­rin zu 1) ist von ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­zu­ge­hen. De­ren Beschäftig­te wur­den im Ok­to­ber 2008



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und im Mai 2009 von der Be­klag­ten zu ei­nem be­fris­te­ten Warn­streik auf­ge­ru­fen. Dies be­gründet die Ver­mu­tung, dass es zukünf­tig zu wei­te­ren Streik­auf­ru­fen kom­men kann, da die Be­klag­te nicht erklärt hat, künf­tig kei­ne Streiks mehr durchführen zu wol­len. Von der Ver­mu­tung er­fasst wer­den nicht nur be­fris­te­te Warn­streiks, son­dern auch die wei­te­ren im An­trag be­zeich­ne­ten Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten. Im Hin­blick auf die Ver­let­zung des Selbst­be­stim­mungs­rechts han­delt es sich hier­bei um im Kern glei­che Ver­let­zungs­hand­lun­gen. Ent­spre­chen­des gilt für den Kläger zu 2) und die Kläge­rin zu 3). De­ren Beschäftig­te hat die Be­klag­te im Mai und Sep­tem­ber 2009 zu Warn­streiks auf­ge­ru­fen. Da die Kläger zu 1) bis 3) ihr Selbst­be­stim­mungs­recht von der ver­fass­ten Kir­che ab­lei­ten, be­gründet die bei ih­nen be­ste­hen­de Wie­der­ho­lungs­ge­fahr zu­gleich in Be­zug auf den An­trag zu 5. a) ei­ne Be­ge­hungs­ge­fahr bei den Klägern zu 5) und 6), da die­se den Klägern zu 1) bis 3) auf­grund de­ren Zu­ord­nung zur Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len die­se Rechts­po­si­ti­on ab­ge­stuft ver­mit­teln.

b) Bezüglich der Anträge zu 1. d) und 5. e) be­steht da­ge­gen kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr. Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten, die sich nur an sol­che Ar­beit­neh­mer rich­ten, die ar­beits­ver­trag­lich die voll­umfäng­li­che An­wen­dung der im An­trag ge­nann­ten Re­ge­lun­gen des Drit­ten Wegs ver­ein­bart ha­ben, hat es in der Ver­gan­gen­heit nicht ge­ge­ben. Hier­bei han­delt es sich auch nicht um Streik­auf­ru­fe, die mit den be­reits er­folg­ten im Kern gleich­ar­tig sind. Während sich die­se - wie üblich - auf al­le Beschäftig­ten der Kläger zu 1) bis 3) be­zo­gen ha­ben, würde ein den Anträgen zu 1. d) und 5. e) ent­spre­chen­der Auf­ruf ei­ne Per­so­nen­grup­pe er­fas­sen, de­ren Größe die Be­klag­te im Vor­aus nicht ein­mal annähernd be­stim­men kann, weil sie die ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen der Beschäftig­ten nicht kennt und auch nicht rechts­si­cher in Er­fah­rung brin­gen kann. Der in die­sem An­trag for­mu­lier­te Streik­auf­ruf weicht des­halb von den ty­pi­schen Auf­ru­fen zu Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ganz er­heb­lich ab und ist letzt­lich wirk­lich­keits­fremd. Für das Be­ste­hen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr ha­ben die Kläger nichts vor­ge­tra­gen.
 


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5. Für den Kläger zu 4) hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­ne Wie­der­ho­lungs- und Erst­be­ge­hungs­ge­fahr in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se ver­neint.


a) Das Be­ru­fungs­ge­richt hat zur Be­gründung aus­geführt, es ha­be bis­lang beim Kläger zu 4) noch kei­ne Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­ge­ben. Ei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr be­ste­he des­halb nicht. Auch ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr sei nicht fest­stell­bar. Die­se set­ze ei­nen ak­tu­ell dro­hen­den Ein­griff vor­aus, was sich aus be­reits be­gon­ne­nen Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen er­ge­ben könne. Die Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen könne je­doch nicht als Vor­be­rei­tungs­hand­lung zu Streik­maßnah­men ver­stan­den wer­den. Zwar könne sich ei­ne Erst­be­ge­hungs­ge­fahr im Ein­zel­fall auch schon dar­aus er­ge­ben, dass der Geg­ner sich ei­ner dies­bezügli­chen Be­rech­ti­gung berühme. Vor­aus­set­zung für ei­ne aus der bloßen Berühmung fol­gen­de Be­ge­hungs­ge­fahr sei je­doch, dass der ab­zu­weh­ren­de An­griff al­lein vom Wil­len des Geg­ners abhänge. An­dern­falls feh­le es trotz des Berühmens an ei­ner ak­tu­el­len Be­ge­hungs­ge­fahr. Die­se Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 7. Au­gust 2009 nicht ent­neh­men können. Dies ent­hal­te ei­ne Auf­for­de­rung zur Auf­nah­me von Ta­rif­ver­hand­lun­gen ver­bun­den mit der ganz all­ge­mein ge­hal­te­nen An­dro­hung von Ar­beits­kampf­maßnah­men. Auch wenn es für die Durchführung von Warn­streiks kei­ner Ur­ab­stim­mung bedürfe und im Übri­gen die Rechtmäßig­keit von Streiks im Verhält­nis zum Geg­ner nicht von der Ein­hal­tung sat­zungsmäßiger Re­ge­lun­gen der Ge­werk­schaft abhänge, bedürfe es doch vor Durchführung ei­nes Streiks zu­min­dest der Klärung, ob tatsächlich in der Be­leg­schaft ei­ne aus­rei­chen­de Zahl von Per­so­nen vor­han­den ist, wel­che zu of­fen be­kun­de­tem Pro­test be­reit sei­en und Kamp­fes­wil­len be­ken­nen woll­ten. An­ders als bei über­wie­gend ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­trie­ben könne dies bei Ein­rich­tun­gen in kirch­li­cher Träger­schaft nicht als selbst­verständ­lich an­ge­se­hen wer­den. Dem­ent­spre­chend fol­ge aus der Ver­knüpfung zwi­schen der Auf­for­de­rung zu Ta­rif­ver­hand­lun­gen und der all­ge­mei­nen An­dro­hung von Maßnah­men ei­nes Ar­beits­kamp­fes noch kei­ne ak­tu­el­le Be­ge­hungs­ge­fahr. An­de­res käme in Be­tracht, wenn die Ge­werk­schaft nach Zurück­wei­sung der

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Ver­hand­lungs­auf­for­de­rung „nun­mehr“ mit Kampf­maßnah­men dro­he und ih­re in der Ein­rich­tung täti­gen Mit­glie­der zur Teil­nah­me auf­for­de­re.


b) Die hier­ge­gen von der Re­vi­si­on er­ho­be­nen Rügen sind un­be­gründet. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist in sei­nen Obersätzen von rich­ti­gen recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten aus­ge­gan­gen und hat kei­ne we­sent­li­chen Tat­umstände außer Acht ge­las­sen. So­weit der Kläger zu 4) un­ter Be­zug auf die Se­nats­recht­spre­chung ver­sucht, ei­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts auf­zu­zei­gen, über­sieht er, dass es in den von ihm hier­bei an­geführ­ten Fällen in der Ver­gan­gen­heit ent­we­der ei­nen kon­kre­ten Streik­auf­ruf ge­ge­ben hat oder so­gar Streik­ak­tio­nen statt­ge­fun­den ha­ben. Dies war je­doch beim Kläger zu 4) nach den in­so­weit nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit nach § 559 Abs. 1 ZPO bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ge­ra­de nicht der Fall. So­weit die Re­vi­si­on ausführt, bei le­bens­na­her Be­trach­tung des Schrei­bens vom 7. Au­gust 2009 ha­be ein verständi­ger Ar­beit­ge­ber da­von aus­ge­hen können, dass nach frucht­lo­sem Ab­lauf des Ul­ti­ma­tums Streik­maßnah­men fol­gen, setzt sie le­dig­lich ih­re Auf­fas­sung an die Stel­le der Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts. Dies genügt nicht, weil nicht auf­ge­zeigt wird, aus wel­chen kon­kre­ten Gründen die vom Be­ru­fungs­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Sach­ver­haltswürdi­gung feh­ler­haft sein soll. Die Rüge der Re­vi­si­on, die Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, auf­grund des nied­ri­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons­grads beim Kläger zu 4) sei auch die Streik­be­reit­schaft ge­ring, sei nicht nach­voll­zieh­bar und bloße Spe­ku­la­ti­on, viel na­he-lie­gen­der sei viel­mehr die An­nah­me, die Be­klag­te ha­be ge­ra­de den Kläger zu 4) zum Op­fer von Streik­maßnah­men aus­er­ko­ren, weil dort sämt­li­che Mit­glie­der der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung zu­gleich Mit­glie­der der Be­klag­ten sei­en, genügt nicht zur Be­gründung ei­ner Erst­be­ge­hungs­ge­fahr. Auch wenn man die­se An­nah­me als zu­tref­fend un­ter­stellt, er­gibt sich dar­aus noch kein hin­rei­chend kon­kre­ter An­halts­punkt für ei­nen un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­den, greif­bar na­hen Streik. Die bloße Mit­glied­schaft der Mit­glie­der ei­ner Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung bei der Be­klag­ten ist auch in der Zu­sam­men­schau mit dem Schrei­ben vom 7. Au­gust 2009 nicht ge­eig­net, ei­nen sol­chen zu be­gründen.
 


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6. Da es in Be­zug auf den Kläger zu 4) an ei­ner Be­ge­hungs­ge­fahr fehlt, kann er sie auch nicht den Klägern zu 8) und 9) (Dia­ko­ni­sches Werk der Ev.-luth. Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. und Evan­ge­lisch-lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers) ver­mit­teln. In Be­zug auf die­se ist auch aus an­de­ren Gründen nicht von ei­ner Wie­der­ho­lungs­ge­fahr aus­zu­ge­hen.

a) Nach dem Vor­trag bei­der Par­tei­en hat es im Be­reich der B Ju­gend­hil­fe gGmbH, Han­no­ver, im Mai und Sep­tem­ber 2009 Streiks ge­ge­ben. Hier­auf ha­ben sich die Kläger auch aus­drück­lich be­ru­fen. Die­se Streiks sind zwar an sich ge­eig­net, die tatsächli­che Ver­mu­tung ei­ner er­neu­ten Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts zu be­gründen. Die Kläger ha­ben je­doch nicht dar­ge­legt, dass es sich bei die­ser Ge­sell­schaft um ei­ne der Kir­che zu­ge­ord­ne­te Ein­rich­tung han­delt, die nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck und ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen ist, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men oder zu erfüllen. Hier­zu fehlt jeg­li­cher Vor­trag. Die bloße Mit­glied­schaft der B Ju­gend­hil­fe gGmbH beim Kläger zu 8) genügt hierfür nicht. Die Kläger hätten viel­mehr auf­zei­gen müssen, dass der Kir­che ein hin­rei­chen­der in­sti­tu­tio­nel­ler und per­so­nel­ler Ein­fluss auf die B Ju­gend­hil­fe gGmbH ermöglicht ist. Dies ist in­des nicht er­folgt.


b) Ein Hin­weis an die Kläger nach § 139 Abs. 2 ZPO war nicht ge­bo­ten. Die­sen ist nach dem ge­sam­ten Ak­ten­in­halt be­kannt, dass nach der ein­schlägi­gen Rech­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ar­beits­ge­richts die bloße Mit­glied­schaft im Dia­ko­ni­schen Werk kei­ne hin­rei­chen­de Be­din­gung für die Zu­ord­nung ei­ner Ein­rich­tung zur Kir­che dar­stellt. Des Wei­te­ren be­stand für die Kläger zu 4), 8) und 9) auf­grund der im zwei­ten Rechts­zug ge­wech­sel­ten Schriftsätze hin­rei­chen­de Ver­an­las­sung, hier­zu wei­te­ren Vor­trag zu hal­ten. Es lag da­mit an ih­nen, den Vor­trag zu ver­vollständi­gen.


III. Die von den Klägern zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) zu be­sor­gen­den wei­te­ren Auf­ru­fe der Be­klag­ten zu Ar­beits­kampf­maßnah­men im Sin­ne der als Glo­balanträge ge­stell­ten Un­ter­las­sungs­anträge zu 1. a) und 5. a) führen nicht aus­nahms­los zu ei­ner rechts­wid­ri­gen Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst-be­stim­mungs­rechts. Zwar ist die Ent­schei­dung der be­trof­fe­nen Kir­chen, ih­re

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kol­lek­ti­ve Ar­beits­rechts­ord­nung nicht mit Ge­werk­schaf­ten durch er­streik­ba­re Ta­rif­verträge zu ge­stal­ten, son­dern pa­ritätisch be­setz­ten, am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen zu über­las­sen (sog. Drit­ter Weg), von ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht um­fasst. Doch führt ein Ar­beits­kampf in ih­ren dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zur Durch­set­zung von Ta­rif­for­de­run­gen nur dann zu ei­ner rechts­wid­ri­gen Be­ein­träch­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, wenn in den je­wei­li­gen Ein­rich­tun­gen die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen ver­bind­lich sind und Ge­werk­schaf­ten in die­ses Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­ren or­ga­ni­sa­to­risch ein­ge­bun­den wer­den.

1. Der Schutz­be­reich des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts er­fasst die in­di­vi­du­al­recht­li­che wie kol­lek­tiv­recht­li­che Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.

a) Nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV ord­net und ver­wal­tet je­de Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft ih­re An­ge­le­gen­hei­ten in­ner­halb der Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze. Hier­zu gehören al­le Maßnah­men, die in Ver­fol­gung der vom kirch­li­chen Grund­auf­trag her be­stimm­ten Auf­ga­ben zu tref­fen sind, wie zB Vor­ga­ben struk­tu­rel­ler Art, aber auch die Per­so­nal­aus­wahl und die mit die­sen Ent­schei­dun­gen un­trenn­bar ver­bun­de­ne Vor­sor­ge zur Si­cher­stel­lung der „re­li­giösen Di­men­si­on“ des Wir­kens im Sin­ne kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses. Dies schließt die recht­li­che Vor­sor­ge für die Wahr­neh­mung kirch­li­cher Diens­te durch den Ab­schluss pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verträge ein (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 b bis c der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf. Sie darf des­halb die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes, das kirch­li­che Pro­pri­um, nicht in Fra­ge stel­len. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt da­her für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 d der Gründe, aaO).
 


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b) Er­streckt sich der Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts auf die Ent­schei­dung, die Ar­beits­verhält­nis­se kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer ein­heit­lich aus­zu­ge­stal­ten, al­so das „Ob“, kann die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft auch das „Wie“ der Aus­ge­stal­tung be­stim­men. Da­zu gehört die Ent­schei­dung über die Art und Wei­se der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung, al­so der Ge­stal­tungs­mit­tel. Da­nach kann ei­ne Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft grundsätz­lich darüber be­fin­den, ob sie die Ar­beits­be­din­gun­gen durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen re­gelt oder in Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen ver­ein­bart (von Cam­pen­hau­sen/de Wall Staats­kir­chen­recht 4. Aufl. S. 184; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 326; Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 42; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 27 ff.; Schu­bert RdA 2011, 270, 274).


2. Ent­schei­det sich ei­ne christ­li­che Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft da­zu, das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten, wird auch die­se Ent­schei­dung vom Selbst­be­stim­mungs­recht um­fasst. Das gilt un­abhängig da­von, ob die­ser Be­griff in sei­nem theo­lo­gi­schen Ur­sprung völlig geklärt oder im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che völlig ein­heit­lich ist oder nicht (vgl. da­zu Ju­ri­na Zev­KR 1984, 171 ff.; Hei­nig Zev­KR 2009, 62 f., 72; Jous­sen RdA 2007, 328, 331; Lührs Die Zu­kunft der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen S. 115 ff.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 34 ff.).


a) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gehört zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten der Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, dass die­se der Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes auch dann, wenn sie ihn auf der Grund­la­ge von Ar­beits­verträgen re­geln, das Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ih­rer Mit­ar­bei­ter zu­grun­de le­gen können (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 d der Gründe, BVerfGE 70, 138). Die Dienst­ge­mein­schaft wur­zelt nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­che ei­ner­seits im Pries­ter­tum al­ler Gläubi­gen, in dem mit der Tau­fe ein­her­ge­hen­den Auf­trag, Gott in geis­ti­ger Ein­kehr und Zu­wen­dung an die Welt zu die­nen, an­de­rer­seits knüpft sie funk­tio­nal an den Mis­si­ons­auf­trag der Kir­che an (Hei­nig Zev­KR 2009,
 


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62, 73; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 35). Sie ver­bin­det al­le am kirch­li­chen Auf­trag Teil­neh­men­den un­abhängig da­von, auf wel­cher ver­trag­li­chen Grund­la­ge und in wel­cher Ein­rich­tung sie tätig sind (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Mit Dienst­ge­mein­schaft wird da­mit das theo­lo­gisch ge­prägte Selbst­verständ­nis des Diens­tes der Gläubi­gen in der Kir­che und durch die Kir­che an der Welt um­schrie­ben, nach dem je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht. Aus­fluss des­sen ist ei­ne ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung der je­wei­li­gen Dienst­ge­ber und der Dienst­neh­mer für das ge­deih­li­che Wir­ken der Kir­che und ih­rer Dia­ko­nie (vgl. KGH-EKD 9. Ok­to­ber 2006 - II-0124/M35-06 - Rn. 58, NZA 2007, 761).


b) Da­nach ver­langt das Be­ste­hen ei­ner Dienst­ge­mein­schaft kei­ne kon­fes­sio­nel­le Ge­bun­den­heit al­ler Beschäftig­ten zu ei­ner christ­li­chen - hier zur evan­ge­li­schen - Kir­che. Es ist viel­mehr Aus­druck des kirch­li­chen Diens­tes selbst, der durch den Auf­trag be­stimmt wird, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden. Hier­an wir­ken al­le Beschäftig­ten durch ih­re Tätig­keit und dem­nach un­ge­ach­tet ih­res in­di­vi­du­el­len Glau­bens oder ih­rer welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen mit (vgl. Ham­mer Kirch­li­ches Ar­beits­recht S. 175; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 4 Rn. 24). Die Dienst­ge­mein­schaft hängt des­halb nicht da­von ab, ob oder in wel­chem Um­fang nicht evan­ge­li­sche Chris­ten oder Nicht­chris­ten in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung beschäftigt sind. Eben­so we­nig kommt es dar­auf an, ob die je­wei­li­gen Ar­beits­verhält­nis­se verkündi­gungs­na­he oder verkündi­gungs­fer­ne Tätig­kei­ten be­tref­fen. Auch in­so­weit ent­schei­det die Kir­che darüber, was Teil ih­res Be­kennt­nis­ses ist, ob ei­ne sol­che Dif­fe­ren­zie­rung ih­rem Be­kennt­nis ent­spricht und sich auf die Dienst­ge­mein­schaft aus­wirkt (vgl. BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).


c) Die Aus­rich­tung des kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ver­fah­rens am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft be­zweckt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht die Si­che­rung ei­ner sog. haus­haltsmäßigen Be­weg­lich­keit, al­so die Förde­rung wirt­schaft­li­cher Be­lan­ge (da­zu BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 4 a der Gründe, BVerfGE 70, 138). Es ist
 


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sei­ner Zweck­set­zung nach auf das Ge­gen­teil ge­rich­tet, nämlich ei­ner al­lein an wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen der Dienst­ge­ber­sei­te ori­en­tier­ten Fest­set­zung der Ar­beits­be­din­gun­gen und der ein­sei­ti­gen Ent­gelt­fin­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken.

3. Das Selbst­be­stim­mungs­recht er­fasst auch die Er­stre­ckung des Drit­ten Wegs auf die Ar­beit­neh­mer dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen. Zu den ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten iSd. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV gehört nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis das dia­ko­ni­sche Wir­ken als Aus­druck des christ­li­chen Be­kennt­nis­ses (vgl. BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - [Kran­ken­hausG-NRW] zu C I 3 der Gründe, BVerfGE 53, 366). Da­bei kommt es nicht dar­auf an, in wel­cher Wei­se ei­ne Ein­rich­tung ih­ren dia­ko­ni­schen Auf­trag wahr­nimmt. Er­fasst sind viel­mehr al­le der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck oder ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 1 a der Gründe mwN, BVerfGE 70, 138). Oh­ne Be­deu­tung ist des­halb, ob sich der Be­trieb ei­ner dia­ko­ni­schen Ein­rich­tung sub­stan­zi­ell von dem nicht­kirch­li­cher Träger un­ter­schei­det. Die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft hat grundsätz­lich die Kom­pe­tenz zur Qua­li­fi­zie­rung ei­ner An­ge­le­gen­heit als ei­ge­ne (Hes­se in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 1 S. 521, 541 f.; Käst­ner in Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 Rn. 304). Sie ent­schei­det darüber, wie sie ihr Glau­bens­be­kennt­nis lebt. Da sie ihr Wir­ken in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen als täti­ge Nächs­ten­lie­be und so­zia­len Dienst am Men­schen be­greift, ist dies zu­gleich Aus­druck ih­res Glau­bens­be­kennt­nis­ses (Schu­bert RdA 2011, 270, 273). Dies gilt auch dann, wenn die Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft beim Be­trieb dia­ko­ni­scher Ein­rich­tun­gen im Wett­be­werb mit nicht­kirch­li­chen Trägern steht.


Der Ein­wand der Be­klag­ten, die Kir­che be­die­ne sich wie die Pri­vat­wirt­schaft der In­stru­men­te der Aus­glie­de­rung und der Leih­ar­beit durch ei­ge­ne Per­so­nal­ser­vice­ge­sell­schaf­ten, be­trifft nicht den Um­fang des Schutz­be­reichs, son­dern ist bei der Prüfung zu berück­sich­ti­gen, ob sol­che Ein­rich­tun­gen Träger des Selbst­be­stim­mungs­rechts sein können, al­so ih­rer Zweck­set­zung nach der
 


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Glau­bens­ver­wirk­li­chung die­nen. Nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land steht sub­sti­tu­ie­ren­de Leih­ar­beit dem We­sen der Dienst­ge­mein­schaft ent­ge­gen (KGH-EKD 9. Ok­to­ber 2006 - II-0124/M35-06 - Rn. 58, NZA 2007, 761). Ist Ge­gen­stand ei­ner Ein­rich­tung das Ver­lei­hen von Ar­beit­neh­mern für dia­ko­ni­sche Ein­rich­tun­gen (Ser­vice­ge­sell­schaf­ten) oder set­zen Ein­rich­tun­gen Leih­ar­beit­neh­mer dau­er­haft ein, kann die­se Form der Per­so­nal­ge­stel­lung oder des Per­so­nal­ein­sat­zes Aus­wir­kun­gen auf das Be­ste­hen ei­ner Dienst­ge­mein­schaft ha­ben oder die Ein­ord­nung als dia­ko­ni­sche Ein­rich­tung in Fra­ge stel­len. Auf die In­halts­be­stim­mung der grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts hat das je­doch kei­nen Ein­fluss.

4. Die Aus­rich­tung der kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den.


a) Die Be­haup­tung ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft, ei­ne An­ge­le­gen­heit sei ih­re ei­ge­ne, un­ter­liegt ei­ner ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Plau­si­bi­litätskon­trol­le. Genügen die ein­zel­nen Vor­ga­ben ei­ner der­ar­ti­gen Kon­trol­le, sind staat­li­che Ge­rich­te hier­an ge­bun­den, es sei denn, sie begäben sich da­durch in Wi­der­spruch zu Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG), so­wie den gu­ten Sit­ten iSd. § 138 BGB oder dem sog. ord­re pu­blic ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - [Loya­litäts­pflich­ten] zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 70, 138).


b) Da­nach be­trifft die Ent­schei­dung der Kir­che, ih­re kol­lek­ti­ve Ar­beits­rechts­ord­nung auf dem Drit­ten Weg zu re­geln, ei­ne ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit iSd. Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 iVm. Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 3 WRV. Es ist nach­voll­zieh­bar, dass es nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis Auf­trag des kirch­li­chen Diens­tes ist, das Evan­ge­li­um in Wort und Tat zu verkünden, hier­bei Dienst­ge­ber und Dienst­neh­mer ei­ne Dienst­ge­mein­schaft bil­den und dar­in ver­su­chen, die nicht zu leug­nen­den In­ter­es­sen­kon­flik­te ko­ope­ra­tiv und nicht kon­fron­ta­tiv zu lösen. Das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­ord­nung ste­hen auch
 


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nicht im Wi­der­spruch zu sons­ti­gen Prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten sind grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen und da­mit auch Art. 9 Abs. 3 GG nicht oh­ne Wei­te­res Teil des ord­re pu­blic (so aber Kühling AuR 2001, 241, 243 f.). Ein sol­ches Verständ­nis führ­te zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Grund­rechts­bin­dung der Kir­chen. Die­se könn­ten ihr Selbst­be­stim­mungs­recht nur in­so­weit in An­spruch neh­men, wie an­de­re grund­recht­li­che Gewähr­leis­tun­gen hier­von nicht be­ein­träch­tigt wer­den. Ei­ne der­ar­ti­ge Grund­rechts­bin­dung käme ei­ner von Art. 1 Abs. 3 GG für die staat­li­che Ge­walt an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung weit­ge­hend gleich und gin­ge darüber hin­aus, als sie be­reits den Schutz­be­reich des Selbst­be­stim­mungs­rechts be­grenz­te. Kon­flik­te des Selbst­be­stim­mungs­rechts mit an­de­ren grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen be­tref­fen je­doch nicht den Schutz­be­reich, son­dern des­sen Be­schränk­bar­keit (da­zu BVerfG 19. De­zem­ber 2000 - 2 BvR 1500/97 - [Zeu­gen Je­ho­vas] zu C V 1 b der Gründe, BVerfGE 102, 370).

5. Die Ent­schei­dung der be­tei­lig­ten Kir­chen, das Ver­fah­ren ih­rer kol­lek­ti­ven Ar­beits­rechts­set­zung am be­kennt­nismäßigen Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­zu­rich­ten und nach den Grundsätzen ei­ner part­ner­schaft­li­chen Lösung von In­ter­es­sen­ge­gensätzen aus­zu­ge­stal­ten, schließt den Ar­beits­kampf zur Ge­stal­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen durch Ta­rif­ver­trag aus.


a) Nach der am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ori­en­tier­ten Ver­fah­rens­kon­zep­ti­on des Drit­ten Wegs ob­liegt es Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen, Re­ge­lun­gen zu schaf­fen, die den Ab­schluss, den In­halt und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­tref­fen. Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­sio­nen sind pa­ritätisch mit Ver­tre­tern der Dienst­neh­mer- und der Dienst­ge­ber­sei­te be­setzt und können von bei­den Sei­ten an­ge­ru­fen wer­den. Kommt es zu kei­ner Ei­ni­gung, kann je­de Sei­te ei­ne eben­falls pa­ritätisch be­setz­te Schieds­stel­le (Sch­lich­tungs­kom­mis­si­on) mit der strei­ti­gen An­ge­le­gen­heit be­fas­sen. Die­ser sitzt ein neu­tra­ler Drit­ter vor. Die in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen und Sch­lich­tungs­kom­mis­sio­nen ge­fun­de­nen Re­ge­lun­gen wir­ken zwar nicht nor­ma­tiv (st. Rspr., vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2011 - 6 AZR 634/09 - Rn. 21 mwN, AP BGB § 611 Kir­chen­dienst Nr. 57 = EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 18),
 


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doch hat der Dienst­ge­ber sie kraft kir­chen­recht­li­cher oder sat­zungs­recht­li­cher Ver­pflich­tung an­zu­wen­den, in­dem er sie durch ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me zur Gel­tung bringt.

b) Ent­spre­chend dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft sol­len da­mit die In­ter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern nicht im We­ge wech­sel­sei­ti­ger Kon­fron­ta­ti­on, son­dern durch Ko­ope­ra­ti­on un­ter Wah­rung des Ge­bots der Pa­rität ver­bind­lich zum Aus­gleich ge­bracht wer­den (Jous­sen RdA 2007, 328, 333). Die­se Kon­zep­ti­on be­ruht auf der Über­zeu­gung, dass nach dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen je­de Ar­beits­leis­tung ein Stück kirch­li­chen Auf­trags in der Welt ver­wirk­licht und in ei­ner dar­auf ge­rich­te­ten Dienst­ge­mein­schaft In­ter­es­sen­ge­gensätze durch Ver­hand­lun­gen und wech­sel­sei­ti­ges Nach­ge­ben ggf. mit Hil­fe ei­nes neu­tra­len Drit­ten über­wun­den wer­den.

c) Ein sol­ches Ver­fah­ren kol­lek­ti­ver Ar­beits­rechts­set­zung schließt den Ar­beits­kampf zur Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen durch ei­nen Ta­rif­ver­trag aus. Die­ser ist dar­auf ge­rich­tet, durch das Vor­ent­hal­ten von Ar­beits­kraft und ei­nen hier­durch aus­gelösten wirt­schaft­li­chen Scha­den Druck auf die Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zuüben, da­mit die­se über die Ar­beits­be­din­gun­gen über­haupt ver­han­delt und so­mit je­nes Kräfte­gleich­wicht ge­schaf­fen wird, das ein Zu­stan­de­kom­men ei­ner Re­ge­lung und die sach­ge­rech­te Lösung des zu­grun­de lie­gen­den In­ter­es­sen­kon­flikts erst ermöglicht. Die­se Kampfmöglich­keit wi­der­spricht je­doch dem Grund­ge­dan­ken der Dienst­ge­mein­schaft. Die da­mit ver­bun­de­ne Ar­beits­nie­der­le­gung würde nicht nur den kirch­li­chen Dienst am Nächs­ten sus­pen­die­ren und da­mit die Erfüllung des Mis­si­ons­auf­trags hin­dern, son­dern aus Sicht der Kir­chen auch ei­ne be­ste­hen­de Ge­mein­sam­keit von Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern auflösen (Jous­sen RdA 2007, 328, 333).


6. Ein Aus­schluss von Ar­beits­kampf­maßnah­men in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen kol­li­diert mit der durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft, mit dem Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der kol­lek­tiv im We­ge von Ta­rif­verträgen aus­zu­han­deln und hierfür Ar­beitskämp­fe zu führen.
 


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a) Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­tet nicht nur die Bil­dung und den Be­stand ei­ner Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on, son­dern auch de­ren ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung. Der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts ist da­bei nicht von vorn­her­ein auf ei­nen Kern­be­reich ko­ali­ti­onsmäßiger Betäti­gun­gen be­schränkt, die für die Si­che­rung des Be­stands der Ko­ali­tio­nen un­erläss­lich sind, er er­streckt sich viel­mehr auf al­le ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens­wei­sen (BVerfG 6. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvR 978/05 - Rn. 21 ff., BVerfGK 10, 250). Da­zu gehört auch die Ta­rif­au­to­no­mie als das Recht, Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­zu­han­deln und durch Verträge ver­bind­lich für die Mit­glie­der zu re­geln. Die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen in Kol­lek­tiv­verträgen dient der Ver­wirk­li­chung der In­ter­es­sen der struk­tu­rell un­ter­le­ge­nen Ar­beit­neh­mer. Ei­ne wir­kungs­vol­le In­ter­es­sen­durch­set­zung ist den Ge­werk­schaf­ten nur möglich, wenn sie ih­ren For­de­run­gen durch Streiks Nach­druck ver­lei­hen können. Der Ar­beits­kampf ist des­halb funk­tio­nal auf die Ta­rif­au­to­no­mie be­zo­gen und in­so­weit grund­recht­lich geschützt (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - zu C I 1 a der Gründe, BVerfGE 84, 212; 10. Sep­tem­ber 2004 - 1 BvR 1191/03 - zu B II 1 der Gründe, BVerfGK 4, 60). Ein Grund­recht auf Streik, los­gelöst von sei­ner funk­tio­na­len Be­zug­nah­me auf die Ta­rif­au­to­no­mie, gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG nicht.

b) In den Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG ist grundsätz­lich auch die ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ein­be­zo­gen. Die­ses Grund­recht ent­fal­tet gemäß Art. 9 Abs. 3 Satz 2 GG un­mit­tel­ba­re Dritt­wir­kung ge­genüber pri­vat­recht­lich als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein oder ge­meinnützi­ge GmbH oder in sons­ti­ger Wei­se or­ga­ni­sier­te kirch­li­che Ein­rich­tun­gen (Ri­char­di in HdbSt­Kir­chR 2. Aufl. Bd. 2 S. 929 f.; Schu­bert RdA 2011, 270, 272). Be­die­nen sich die­se zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen des Pri­vat­rechts, neh­men sie grundsätz­lich in Be­zug auf ih­re Beschäftig­ten ei­ne Ar­beit­ge­ber­stel­lung ein. In­so­weit gewähr­leis­tet Art. 9 Abs. 3 GG den Ge­werk­schaf­ten auch das Recht, mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te über Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der zu ver­han­deln, ver­bind­li­che Ab­re­den vor al­lem durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zu tref­fen und ih­ren For­de­run­gen nach der Auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen und der Durch­set­zung be­stimm­ter Re­ge­lun­gen mit Streik Nach­druck zu ver­lei­hen.
 


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7. Für die Auflösung die­ser Kol­li­si­ons­la­ge ist es oh­ne Be­lang, ob Art. 9 Abs. 3 GG we­gen sei­ner un­mit­tel­ba­ren Dritt­wir­kung den An­for­de­run­gen des Schran­ken­vor­be­halts aus Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV genügt oder nicht. Die­se im Schrift­tum kon­tro­vers dis­ku­tier­te Fra­ge be­darf kei­ner Ent­schei­dung des Se­nats (ab­leh­nend Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 9 Rn. 30 f.; Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 55 f.; auch Ko­rioth in Maunz/Dürig Komm. z. GG Stand No­vem­ber 2012 Art. 140 GG/Art. 137 WRV Rn. 45; zwei­felnd of­fen­bar Ri­char­di/Thüsing AuR 2002, 94, 96; dies befürwor­tend Os­wald Streik­recht im kirch­li­chen Dienst und in an­de­ren ka­ri­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen S. 88; Czy­choll Anm. LA­GE GG Art. 9 Ar­beits­kampf Nr. 88; Kühling AuR 2001, 241, 247; Ga­mill­scheg FS Zeu­ner S. 39, 45; Wald­hoff GS Hein­ze S. 995, 1004). In bei­den Fällen wären die Ar­beits­ge­rich­te we­gen ih­rer durch Art. 1 Abs. 3 GG an­ge­ord­ne­ten Grund­rechts­bin­dung ge­hin­dert, bei ei­ner - wie vor­lie­gend - Aus­le­gung und An­wen­dung ei­ner zi­vil­recht­li­chen Un­ter­las­sungs­norm das völli­ge Zurück­wei­chen ei­nes Grund­rechts zu­guns­ten ei­nes an­de­ren hin­zu­neh­men. Sie sind viel­mehr ge­hal­ten, im We­ge ei­ner Güter­abwägung nach dem Grund­satz der prak­ti­schen Kon­kor­danz ei­nen Aus­gleich der je­weils kon­fli­gie­ren­den grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen her­bei­zuführen. Die­se Pflicht entfällt nicht schon des­we­gen, weil es sich bei Art. 9 Abs. 3 GG eben­so wie bei Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG um vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­rech­te han­delt. Das hin­dert ein Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung zum Schutz ei­ner an­de­ren nicht. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts können auch vor­be­halt­los gewähr­te Grund­rech­te zum Schutz an­de­rer Grund­rech­te oder grund­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen ein­ge­schränkt wer­den (vgl. BVerfG 24. No­vem­ber 2010 - 1 BvF 2/05 - Rn. 147, BVerfGE 128, 1). In die­sem Sin­ne hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt et­wa die Kol­li­si­on des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts mit der durch Art. 5 Abs. 3 GG vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Wis­sen­schafts­frei­heit un­ter Her­an­zie­hung des Grund­sat­zes der prak­ti­schen Kon­kor­danz auf­gelöst (BVerfG 28. Ok­to­ber 2008 - 1 BvR 462/06 - [Lüde­mann] Rn. 47, 65, BVerfGE 122, 89).


8. Der Grund­satz prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt nach ei­nem scho­nen­den Aus­gleich der ge­genläufi­gen, glei­cher­maßen ver­fas­sungs­recht­lich ge-


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schütz­ten In­ter­es­sen mit dem Ziel ih­rer Op­ti­mie­rung (BVerfG 7. März 1990 - 1 BvR 266/86 ua. - zu B II 2 a der Gründe, BVerfGE 81, 278). Die durch die Rück­sicht­nah­me auf kol­li­die­ren­de Ver­fas­sungs­wer­te not­wen­dig wer­den­de Annäherung kann nicht ge­ne­rell, son­dern nur im Ein­zel­fall durch Güter­abwägung vor­ge­nom­men wer­den. Ei­ne da­mit ein­her­ge­hen­de Be­gren­zung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter In­ter­es­sen darf da­bei nicht wei­ter ge­hen, als es not­wen­dig ist, um die Kon­kor­danz kon­fli­gie­ren­der Rechtsgüter her­zu­stel­len (Hes­se Grundzüge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 20. Aufl. Rn. 72; eben­so Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. III/2 S. 656). Das Zurück­wei­chen ei­ner grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tung muss zum Schutz der an­de­ren ge­bo­ten sein (vgl. Ja­rass in Ja­rass/Pie­roth GG 11. Aufl. Vorb. vor Art. 1 Rn. 52). Für die er­for­der­li­che Abwägung gibt die Ver­fas­sung kein be­stimm­tes Er­geb­nis vor, ver­wehrt aber pau­scha­le Vor­ran­gent­schei­dun­gen, wie sie die Par­tei­en des Ver­fah­rens je­weils für sich in An­spruch neh­men (für die Kläger ins­be­son­de­re Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 26 ff.; Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 6. Aufl. § 10 Rn. 20 f.; Stern Das Staats­recht der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Bd. IV/1 S. 2091; Kem­per in v. Man­goldt/Klein/St­arck GG Bd. I 6. Aufl. Art. 9 Abs. 3 Rn. 200; Man­ter­feld KuR 2011, 86, 100; für die Be­klag­te Kühling AuR 2001, 241 ff.).


9. Die hier­nach vor­zu­neh­men­de Güter­abwägung be­trifft nicht den ge­sam­ten Be­reich der je­wei­li­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen, son­dern ist auf den Aus­gleich der kon­kre­ten Kol­li­si­ons­la­ge be­schränkt. Das Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ner Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft und die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ei­ner Ge­werk­schaft schließen sich nicht wech­sel­sei­tig völlig aus. Zur Kol­li­si­on führt viel­mehr erst die Ausübung ei­ner be­stimm­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung. Das ist hier die Ent­schei­dung für ein be­stimm­tes Ver­fah­ren zur kol­lek­ti­ven Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen von Beschäftig­ten, die auf der Grund­la­ge pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se in der Dia­ko­nie tätig sind und staat­li­chem Ar­beits­recht un­ter­lie­gen (Schu­bert RdA 2011, 270, 274). Während die Kir­che sich hier­zu ei­nes am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­ten ko­ope­ra­ti­ven Ver­fah­rens be­dient, in dem letzt­lich die Möglich­keit ei­ner Sch­lich­tung durch ei­nen neu­tra­len Drit­ten, al­so den Vor­sit­zen­den ei­ner Sch­lich­tungs-



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kom­mis­si­on ei­nen fai­ren In­ter­es­sen­aus­gleich ga­ran­tie­ren soll, setzt die Ge­werk­schaft auf das da­mit un­ver­ein­ba­re Re­ge­lungs­mo­dell des staat­li­chen Ta­rif­rechts, in dem erst durch Druck und Ge­gen­druck an­ge­mes­se­ne Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se er­reicht wer­den. Das Ge­bot prak­ti­scher Kon­kor­danz ver­langt da­her nur ei­nen Ver­gleich die­ser bei­den Re­ge­lungs­kon­zep­te und de­ren scho­nen­ds­te Annäherung.

Ein Ver­gleich bei­der Re­ge­lungs­mo­del­le zeigt, dass sie sich nicht im Ziel, son­dern nur in der Wahl der zu des­sen Er­rei­chung ge­bo­te­nen Mit­tel un­ter­schei­den. So­wohl das Re­ge­lungs­ver­fah­ren der Kir­che als auch das der Ko­ali­tio­nen ist dar­auf ge­rich­tet, den von der staat­li­chen Rechts­ord­nung frei ge­las­se­nen Raum des Ar­beits­le­bens sinn­voll zu ord­nen, in­dem der ty­pi­sche In­ter­es­sen­ge­gen­satz zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer durch kol­lek­ti­ves Han­deln zu ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich ge­bracht wird. Die­ses In­ter­es­sen­ge­gen­sat­zes wie der struk­tu­rel­len Un­ter­le­gen­heit des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers ist sich auch die Kir­che be­wusst (Rob­bers Streik­recht in der Kir­che S. 16; Schu­bert RdA 2011, 270, 277). Sie zu über­win­den be­darf auch aus ih­rer Sicht ei­nes kol­lek­ti­ven Aus­gleichs­me­cha­nis­mus, der die schwäche­re Ver­hand­lungs­po­si­ti­on des Ar­beit­neh­mers ge­genüber der des Ar­beit­ge­bers kom­pen­siert. Die­se Grun­d­er­kennt­nis, auf der die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung von Ko­ali­ti­ons­frei­heit mit Ta­rif­au­to­no­mie und Ar­beitskämp­fen auf­baut (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - [Aus­sper­rung] zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212), will die Kir­che al­ler­dings mit ei­nem Re­ge­lungs­kon­zept er­fas­sen, das sich mit dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ver­ein­ba­ren lässt und da­mit ih­rem durch Art. 4 GG geschütz­ten Be­kennt­nis Rech­nung trägt. Ein sol­ches Re­ge­lungs­mo­dell ist zwar zum Schutz re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit von Ver­fas­sungs we­gen zu re­spek­tie­ren. Doch sind die Kir­chen in der Aus­ge­stal­tung die­ses Kon­zep­tes nicht völlig frei, son­dern müssen Rück­sicht auf die ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 9 Abs. 3 GG neh­men. Ihr Re­ge­lungs­mo­dell darf die Ko­ali­ti­ons­frei­heit und das Kon­zept der Ta­rif­au­to­no­mie nur in­so­weit ver­drängen, wie es für die Wah­rung ih­res Leit­bil­des von der Dienst­ge­mein­schaft er­for­der­lich ist und das an­ge­streb­te Ziel ei­nes fai­ren, sach­ge­rech­ten und ver­bind­li­chen In­ter­es­sen­aus­gleichs tatsächlich und in



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kohären­ter Wei­se er­reicht. Nur in­so­weit ist es mit dem so­zi­al­staat­li­chen Ge­samt­kon­zept, das Art. 9 Abs. 3 GG zu­grun­de liegt, ver­ein­bar.


a) Ein fai­rer und an­ge­mes­se­ner Aus­gleich wi­der­strei­ten­der Ar­beits­ver­trags­in­ter­es­sen im We­ge kol­lek­ti­ver Ver­hand­lun­gen ver­langt nach annähernd glei­cher Ver­hand­lungsstärke und Durch­set­zungs­kraft (vgl. BVerfG 26. Ju­ni 1991 - 1 BvR 779/85 - [Aus­sper­rung] zu C I 3 b aa der Gründe, BVerfGE 84, 212). Die­se las­sen sich we­der for­mal und si­tua­ti­ons­un­ge­bun­den fest­stel­len noch nor­ma­tiv an­ord­nen (BAG 10. Ju­ni 1980 - 1 AZR 822/79 - zu A IV 1 a der Gründe, BA­GE 33, 140). Im Sys­tem der Ko­ali­tio­nen und der Ta­rif­au­to­no­mie wer­den sie durch die An­dro­hung oder den Ein­satz von Kampf­maßnah­men ge­si­chert. Ein Re­ge­lungs­mo­dell, das den Ar­beits­kampf aus­sch­ließt, muss die­se Funk­ti­ons­be­din­gung ei­nes an­ge­mes­se­nen und sach­lich rich­ti­gen In­ter­es­sen­aus­gleichs durch ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­ge­stal­tung gewähr­leis­ten. Da­zu muss es dar­auf an­ge­legt sein, die struk­tu­rel­le Ver­hand­lungs­schwäche der Dienst­neh­mer aus­zu­glei­chen. Pa­ritäti­sche Be­set­zungs­re­geln genügen hierfür al­lein nicht. Viel­mehr be­darf es wei­te­rer In­stru­men­te, die ge­eig­net sind, Ver­hand­lungs­blo­cka­den zu lösen und die Kom­pro­miss­be­reit­schaft der Ge­gen­sei­te zu fördern. Die­ser Er­kennt­nis ver­sch­ließt sich der Drit­te Weg grundsätz­lich nicht. Auch er ist letzt­lich dar­auf an­ge­legt, ein Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht zu schaf­fen. Kommt es in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen nicht zu ei­ner Ei­ni­gung, wer­den die ge­schei­ter­ten Ver­hand­lun­gen pa­ritätisch be­setz­ten Schieds­kom­mis­sio­nen über­tra­gen, die ein un­abhängi­ger und neu­tra­ler Drit­ter lei­tet und mit sei­ner Stim­me zu ei­nem Er­geb­nis führt. Ein sol­ches Sch­lich­tungs­ver­fah­ren kann dem Grun­de nach zur Her­stel­lung ei­nes Ver­hand­lungs­gleich­ge­wichts ge­eig­net sein, wenn die mit des­sen Ent­schei­dungs­struk­tu­ren ver­bun­de­nen Unwägbar­kei­ten so­wie die Ver­la­ge­rung der Kon­fliktlösung auf ei­ne an­de­re Ver­hand­lungs­ebe­ne schon in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen die Be­reit­schaft zum Kom­pro­miss fördert und so ein „kol­lek­ti­ves Bet­teln“ der Dienst­neh­mer­sei­te aus­sch­ließt. Das setzt aber vor­aus, dass die An­ru­fung der Schieds­kom­mis­si­on und die Über­lei­tung des Ver­fah­rens in die­ses Gre­mi­um der Dienst­neh­mer­sei­te un­ein­ge­schränkt of­fen­steht und im Fal­le ei­ner Nicht­ei­ni­gung bei­der Sei­ten die Un­abhängig­keit und Neu­tra­lität des Vor­sit­zen­den der Sch­lich-

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tungs­kom­mis­si­on nicht in Fra­ge steht und auch durch das Be­stel­lungs­ver­fah­ren gewähr­leis­tet wird.

b) Ein am Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft aus­ge­rich­te­tes kol­lek­ti­ves Re­ge­lungs­ver­fah­ren steht zu­dem ei­ner ge­werk­schaft­li­chen Un­terstützung der Dienst­neh­mer­sei­te nicht ent­ge­gen. Das Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ist nicht dar­auf ge­rich­tet, Ge­werk­schaf­ten von Ver­hand­lun­gen in den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen oder Schieds­kom­mis­sio­nen fern­zu­hal­ten und sie dar­an zu hin­dern, auf­grund ei­ge­ner Ent­schei­dung ihr Sach- und Fach­wis­sen in das Ver­fah­ren zu­guns­ten der Dienst­neh­mer ein­zu­brin­gen. Ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­bin­dung von Ge­werk­schaf­ten in das Ver­fah­ren des Drit­ten Wegs zu re­geln ist zwar Auf­ga­be der Kir­che, der hier­bei ein Ge­stal­tungs­spiel­raum zur Verfügung steht. Sie darf die­sen je­doch nicht da­zu nut­zen, Ge­werk­schaf­ten durch Be­set­zungs­re­geln für Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­sio­nen und Schieds­kom­mis­sio­nen von ei­ner frei gewähl­ten Mit­wir­kung am Drit­ten Weg aus­zu­sch­ließen. Das würde die durch Art. 9 Abs. 3 GG gewähr­leis­te­te Frei­heit ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­scher Betäti­gung über Gebühr be­schnei­den. Die­se vom Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft nicht ge­bo­te­ne Be­schränkung ist von be­son­de­rem Ge­wicht, da sie sich auch ver­zer­rend auf die Ta­rif­po­li­tik der ein­zel­nen Ge­werk­schaf­ten aus­wirkt. Die At­trak­ti­vität und Wirk­kraft ei­ner Ge­werk­schaft wird er­heb­lich ein­ge­schränkt, wenn sie ge­hin­dert wird, die In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber im We­ge von Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu ver­fol­gen. Denn von der Zahl ih­rer Mit­glie­der hängt nicht nur die fi­nan­zi­el­le Leis­tungsfähig­keit ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on ab, son­dern auch die Wahr­neh­mung ih­rer ur­ei­gens­ten Auf­ga­be, die Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu fördern. Das wiegt um­so schwe­rer, als die in Dia­ko­nie und Ca­ri­tas Beschäftig­ten mit et­wa 1,3 Mio. Ar­beit­neh­mern kei­ne Rand­grup­pe dar­stel­len.

c) Das Ver­fah­rens­kon­zept des Drit­ten Wegs ist dar­auf ge­rich­tet, das auch im kirch­li­chen und dia­ko­ni­schen Be­reich vor­han­de­ne Kräfte­ungleich­ge­wicht zwi­schen Dienst­neh­mern und Dienst­ge­bern un­ter Be­ach­tung der be­kennt­nismäßigen Be­son­der­hei­ten des kirch­li­chen oder dia­ko­ni­schen Diens­tes aus­zu­glei­chen. Die­ses Ziel kann je­doch nur er­reicht wer­den, so­weit das Er­geb­nis



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die­ser Ver­hand­lun­gen ein­sch­ließlich ei­ner dar­auf ge­rich­te­ten Sch­lich­tung für die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­bind­lich und ei­ner ein­sei­ti­gen Abände­rung durch den Dienst­ge­ber ent­zo­gen ist. Im Kon­zept der Ta­rif­au­to­no­mie wird die­ses Ziel durch § 4 Abs. 1 TVG er­reicht, der den Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags, die den In­halt, den Ab­schluss oder die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses be­tref­fen, zwi­schen den Ta­rif­ge­bun­de­nen un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung ver­leiht. Aus­nah­men hier­von lässt § 4 TVG nur zu, so­weit der Ta­rif­ver­trag sie ge­stat­tet oder es sich um Ände­run­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers han­delt (§ 4 Abs. 3 TVG). Die­se, die Ta­rif­au­to­no­mie aus­ge­stal­ten­de und si­chern­de Re­ge­lung des staat­li­chen Rechts, steht für den Drit­ten Weg nicht zur Verfügung. Dem trägt die Kir­che dem Grun­de nach Rech­nung, in­dem die je­wei­li­gen Dienst­ge­ber durch Kir­chen- oder Sat­zungs­recht ver­pflich­tet wer­den, das Er­geb­nis der Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen des Drit­ten Wegs durch ein­zel­ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me zur Gel­tung zu brin­gen. Bei­de Re­ge­lungs­kon­zep­te er­rei­chen durch un­ter­schied­li­che Re­gu­la­ri­en, dass die von Re­präsen­tan­ten der Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te aus­ge­han­del­ten Ver­trags­be­din­gun­gen das ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis ge­stal­ten. Die­ses Ziel wird al­ler­dings ver­fehlt, wenn der Dienst­ge­ber­sei­te die Möglich­keit eröff­net ist, zwi­schen meh­re­ren auf ei­nem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen wählen zu können. Ein sol­ches Wahl­recht ver­la­gert fak­tisch die Fest­le­gung von Ar­beits­be­din­gun­gen auf die je­wei­li­ge Ein­rich­tungs­ebe­ne und überlässt sie dem Dienst­ge­ber. Nicht ei­ne im Vor­aus fest­ste­hen­de Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on, in der die Re­präsen­tan­ten der Ein­rich­tung mit­wir­ken, be­stimmt über die Ar­beits­be­din­gun­gen der Dienst­neh­mer, son­dern der dor­ti­ge Dienst­ge­ber. Das ist mit den Struk­tur­prin­zi­pi­en des Drit­ten Wegs eben­so un­ver­ein­bar wie kir­chen- oder sat­zungs­recht­lich ge­re­gel­te ein­sei­ti­ge Ab­wei­chungs­be­fug­nis­se für Ein­rich­tun­gen (vgl. Jous­sen in Es­se­ner Gespräche zum The­ma Staat und Kir­che Bd. 46 [2012] S. 53, 75; Schlie­mann NZA 2011, 1189, 1193). In all die­sen Fällen wird ge­ra­de nicht dem Leit­bild der Dienst­ge­mein­schaft ent­spre­chend ge­mein­sam durch Ver­tre­ter der Dienst­ge­ber- und Dienst­neh­mer­sei­te in ei­nem von der Ein­rich­tung los­gelösten Gre­mi­um über den In­halt von Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen gleich­be­rech­tigt ver­han­delt. Viel­mehr legt der Dienst­ge­ber ein­sei­tig die Ar­beits­be­din­gun­gen für sei­ne Ein­rich­tung fest
 


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(sog. Ers­ter Weg, vgl. BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - zu III 2 b cc (2) der Gründe, BA­GE 101, 9). Solch ein­sei­ti­ge Be­stim­mungs­rech­te sind mit der Kon­zep­ti­on des Drit­ten Wegs un­ver­ein­bar und bedürfen zu­guns­ten re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit kei­nes Schut­zes. Wählt ei­ne Kir­che oder ei­ne ih­rer Ein­rich­tun­gen die­sen Weg, stellt sie sich ei­nem sons­ti­gen Ar­beit­ge­ber gleich, der sich nach der Wer­tent­schei­dung des Grund­ge­set­zes Ver­hand­lun­gen mit ei­ner Ge­werk­schaft über den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags nicht ent­zie­hen und ggf. durch ei­nen Ar­beits­kampf hier­zu ge­zwun­gen wer­den kann. Für ein Zurück­wei­chen des Rechts ei­ner Ge­werk­schaft, sich ko­ali­ti­onsmäßig zu betäti­gen und ih­ren For­de­run­gen mit Streik­maßnah­men Nach­druck zu ver­lei­hen, fehlt es in ei­nem sol­chen Fall an ei­nem schützens­wer­ten Bedürf­nis der Kir­che.


10. Die­se Güter­abwägung steht im Ein­klang mit Uni­ons- und Völker­recht.


a) Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on (Grund­rech­te­char­ta, GRC) ist vor­lie­gend nicht an­wend­bar.

aa) Nach die­ser Vor­schrift ha­ben al­le Ar­beit­neh­mer so­wie die Ar­beit­ge­ber oder ih­re je­wei­li­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten das Recht, Ta­rif­verträge auf den ge­eig­ne­ten Ebe­nen aus­zu­han­deln und zu schließen so­wie bei In­ter­es­sen­kon­flik­ten kol­lek­ti­ve Maßnah­men zur Ver­tei­di­gung ih­rer In­ter­es­sen, ein­sch­ließlich Streiks, zu er­grei­fen (da­zu Bry­de SR 2012, 2, 9 ff.; Thüsing/Traut RdA 2012, 65). Al­ler­dings ist der Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts nicht eröff­net. Die Eu­ropäische Uni­on hat gemäß Art. 153 Abs. 5 AEUV kei­ne Kom­pe­tenz zur Re­ge­lung des Ko­ali­ti­ons­rechts, Streik­rechts so­wie des Aus­sper­rungs­rechts. Gemäß Art. 51 Abs. 2 GRC dehnt die Grund­rech­te­char­ta den Gel­tungs­be­reich des Uni­ons­rechts auch nicht über die Zuständig­kei­ten der Uni­on hin­aus aus und be­gründet we­der neue Zuständig­kei­ten noch neue Auf­ga­ben für die Uni­on und ändert auch nicht die in den Verträgen fest­ge­leg­ten Zuständig­kei­ten und Auf­ga­ben. Der Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on über­prüft le­dig­lich im Licht der Grund­rech­te­char­ta das Uni­ons­recht in den Gren­zen der der Uni­on über­tra­ge­nen Zuständig­kei­ten (EuGH 15. No­vem­ber 2011 - C-256/11 - [De­re­ci] Rn. 71, NVwZ 2012, 97).
 


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bb) Ei­ne An­wen­dungs­pflicht für Uni­ons­recht wird auch nicht durch Art. 6 Abs. 3 EUV eröff­net. Zwar sind nach Art. 6 Abs. 3 EUV die Grund­rech­te der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die dar­in ge­re­gel­te Re­li­gi­ons-und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit als all­ge­mei­ne Grundsätze Teil des Uni­ons­rechts. Doch re­gelt die­se Vor­schrift nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on nicht das Verhält­nis zwi­schen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und den Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten und be­stimmt auch nicht, wel­che Kon­se­quen­zen ein na­tio­na­les Ge­richt aus ei­nem Wi­der­spruch zwi­schen den durch die Kon­ven­ti­on gewähr­leis­te­ten Rech­ten und ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts zu zie­hen hat. Die in Art. 6 Abs. 3 EUV ent­hal­te­ne Ver­wei­sung auf die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ge­bie­tet ei­nem na­tio­na­len Ge­richt nicht, im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs zwi­schen ei­ner Re­ge­lung des na­tio­na­len Rechts und der Kon­ven­ti­on de­ren Be­stim­mun­gen un­mit­tel­bar an­zu­wen­den und ei­ne mit ihr un­ver­ein­ba­re na­tio­na­le Re­ge­lung un­an­ge­wen­det zu las­sen (EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - [Kam­be­r­aj] Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).

cc) Zur An­wend­bar­keit der GRC und des EUV ist kein Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren nach Art. 267 Abs. 3 AEUV durch­zuführen. Auf­grund der Ent­schei­dung des EuGH vom 16. Ja­nu­ar 2008 (- C-361/07 - [Po­lier] Slg. 2008, I-6) ist hin­rei­chend geklärt, dass ein na­tio­na­ler Sach­ver­halt oh­ne An­knüpfungs­punkt an das Uni­ons­recht den Gel­tungs­be­reich der GRC nicht eröff­net. Glei­ches gilt für die aus Art. 6 EUV fol­gen­den An­wen­dungs­pflich­ten na­tio­na­ler Ge­rich­te (vgl. EuGH 24. April 2012 - C-571/10 - [Kam­be­r­aj] Rn. 62 f., NVwZ 2012, 950).


b) Die ge­bo­te­ne völker­rechts­freund­li­che Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes for­dert eben­falls kein an­de­res Er­geb­nis.

aa) Die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ih­re Zu­satz­pro­to­kol­le sind eben­so wie die Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grundsätze des Grund­ge­set­zes als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­zu­zie­hen. Dies ver­langt al­ler­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Gleich­set­zung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes


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mit de­nen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men der Wer­tun­gen der Kon­ven­ti­on, so­weit dies me­tho­disch ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist. Das Grund­ge­setz setzt der völker­rechts­freund­li­chen Aus­le­gung al­ler­dings auch Gren­zen: Die­se darf nicht zu ei­ner Be­schränkung des durch das Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten Grund­rechts­schut­zes führen. Das schließt auch Art. 53 EM­RK aus (BVerfG 4. Mai 2011 - 2 BvR 2333/08 ua. - [Si­che­rungs­ver­wah­rung] Rn. 93 f. mwN, BVerfGE 128, 326).

bb) Vor­lie­gend sind die durch Art. 9 EM­RK gewähr­leis­te­te Re­li­gi­ons­frei­heit und die durch Art. 11 EM­RK geschütz­te Ver­samm­lungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit zu berück­sich­ti­gen.


(1) Gemäß Art. 9 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht auf Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit. Die­se Frei­heits­rech­te dürfen nach Abs. 2 die­ser Be­stim­mung nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die öffent­li­che Si­cher­heit, zum Schutz der öffent­li­chen Ord­nung, Ge­sund­heit oder Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ist die in Art. 9 EM­RK ga­ran­tier­te Ge­dan­ken-, Ge­wis­sens- und Re­li­gi­ons­frei­heit ei­ner der Grund­pfei­ler der „de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft“ im Sin­ne der Kon­ven­ti­on. Sie ist in ih­rer re­li­giösen Di­men­si­on ei­nes der wich­tigs­ten Ele­men­te, das die Iden­tität der Gläubi­gen und ih­re Auf­fas­sung vom Le­ben be­stimmt. Aus dem Recht des Gläubi­gen auf Re­li­gi­ons­frei­heit ein­sch­ließlich des Rechts, sei­ne Re­li­gi­on in Ge­mein­schaft mit an­de­ren zu be­ken­nen, folgt die Er­war­tung, dass Gläubi­ge sich frei und oh­ne willkürli­che staat­li­che Ein­grif­fe zu­sam­men­sch­ließen können. Das un­abhängi­ge Be­ste­hen von Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ist un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für den Plu­ra­lis­mus in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft und da­mit Kernstück des durch Art. 9 EM­RK gewähr­ten Schut­zes (EGMR [I. Sek­ti­on] 5. April 2007 - 18147/02 - [Sci­en­to­lo­gy Kir­che Mos­kau/Russ­land] Rn. 71 f., NJW 2008, 495). Das Recht auf Re­li­gi­ons­frei­heit schließt da­bei je­de Be­ur­tei­lung der Le­gi­ti­mität der re­li­giösen Über­zeu­gun­gen oder de­ren Aus-


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drucks­for­men durch den Staat aus (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 74).


(2) Nach Art. 11 Abs. 1 EM­RK hat je­de Per­son das Recht, sich frei und fried­lich mit an­de­ren zu ver­sam­meln und sich frei mit an­de­ren zu­sam­men­zu­sch­ließen; da­zu gehört auch das Recht, zum Schutz sei­ner In­ter­es­sen Ge­werk­schaf­ten zu gründen oder ih­nen bei­zu­tre­ten. Nach Abs. 2 die­ser Be­stim­mung darf die Ausübung die­ser Rech­te nur Ein­schränkun­gen un­ter­wor­fen wer­den, die ge­setz­lich vor­ge­se­hen und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die na­tio­na­le oder öffent­li­che Si­cher­heit, zur Auf­recht­er­hal­tung der Ord­nung oder zur Verhütung von Straf­ta­ten, zum Schutz der Ge­sund­heit oder der Mo­ral oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer. Das Recht, Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit dem Ar­beit­ge­ber zu führen, ist nach der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ein we­sent­li­ches Ele­ment des in Art. 11 EM­RK ga­ran­tier­ten Rechts (da­zu EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] Rn. 144, 154, NZA 2010, 1425; EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] Rn. 24, NZA 2010, 1423; da­zu Clau­dia Schu­bert AöR 137 [2012] S. 92 ff.). Al­ler­dings kann ein Ar­beit­ge­ber, des­sen Be­rufs­ethos auf der Re­li­gi­on be­ruht, von sei­nen An­ge­stell­ten be­son­de­re Loya­litäts­pflich­ten ver­lan­gen, so­weit die­se nach ei­ner Abwägung der maßgeb­li­chen In­ter­es­sen ei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung stand­hal­ten (EGMR [V. Sek­ti­on] 23. Sep­tem­ber 2010 - 1620/03 - [Schüth] Rn. 69, NZA 2011, 279).

cc) Da­nach ist die von den Klägern ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung, das­kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht schließe von vorn­her­ein die Ko­ali­ti­ons­betäti­gungs­frei­heit der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen aus, nicht halt­bar (eben­so Jous­sen in Es­se­ner Gespräche zum The­ma Staat und Kir­che Bd. 46 [2012] S. 53, 89 f.; Wal­ter Zev­KR 2012, 233, 259 f.). Der Eu­ropäische Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te hat mit sei­nen Ent­schei­dun­gen zu Art. 11 EM­RK viel­mehr ver­deut­licht, dass an die Recht­fer­ti­gung ei­ner Ein­schränkung der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und des da­mit ver­bun­de­nen Streik­rechts nicht un­er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len sind. Gleich­wohl kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung

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der Be­klag­ten der Ent­schei­dung in der Sa­che „Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun“ (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 -) so­wie den zum Streik­recht im öffent­li­chen Dienst er­gan­ge­nen Ur­tei­len (EGMR [Große Kam­mer] 12. No­vem­ber 2008 - 34503/97 - [De­mir u. Bay­ka­ra] NZA 2010, 1425 und EGMR [III. Sek­ti­on] 21. April 2009 - 68959/01 - [En­er­ji Ya­pi-Yol Sen] NZA 2010, 1423) nicht die un­ein­ge­schränk­te Zulässig­keit von Streiks in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen ent­nom­men wer­den. In Be­zug auf Letz­te­re lässt die Be­klag­te außer Acht, dass sich Kir­chen - an­ders als der öffent­li­che Dienst - ih­rer­seits auf die durch die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on geschütz­te Re­li­gi­ons­frei­heit be­ru­fen können. Dem­ent­spre­chend for­dert der Ge­richts­hof bei ei­ner Kol­li­si­on die­ser bei­den Rech­te ei­ne verhält­nismäßige Abwägung (EGMR [III. Sek­ti­on] 31. Ja­nu­ar 2012 - 2330/09 - [Sin­di­ca­tul Pas­to­rul cel Bun] Rn. 79 f.). Das geht über die An­for­de­run­gen ei­ner Abwägung zur Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz für die Auflösung ei­ner kon­kre­ten Grund­rechts­kol­li­si­on nicht hin­aus.


c) Der Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen steht schließlich we­der die Eu­ropäische So­zi­al­char­ta (ESC, BGBl. 1964 II S. 1262) noch das ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 ent­ge­gen.

aa) Die ESC stellt ei­ne von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­gan­ge­ne völker­recht­li­che Ver­pflich­tung dar, de­ren Re­geln die Ge­rich­te be­ach­ten müssen, wenn sie die im Ge­set­zes­recht bezüglich der Ord­nung des Ar­beits­kamp­fes be­ste­hen­den Lücken an­hand von Wer­tent­schei­dun­gen der Ver­fas­sung ausfüllen (BAG 10. De­zem­ber 2002 - 1 AZR 96/02 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 104, 155; Be­p­ler FS Wißmann S. 97, 106). Ei­ne Ein­schränkung oder Be­gren­zung des in Teil II Art. 6 Nr. 4 ESC an­er­kann­ten Streik­rechts ist nach Teil V Art. 31 Abs. 1 ESC nur zulässig, wenn die­se ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben und in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer oder zum Schutz der öffent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung, der Si­cher­heit des Staa­tes, der Volks­ge­sund­heit und der Sitt­lich­keit not­wen­dig ist (BAG 12. Sep­tem­ber 1984 - 1 AZR 342/83 - zu B II 2 c der Gründe, BA­GE 46, 322). Rech­te und Frei­hei­ten an­de­rer, die ge­eig­net sind, das Streik­recht ein­zu­schrän-
 


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ken, er­ge­ben sich aus der ver­fas­sungs­recht­lich und völker­recht­lich an­er­kann­ten Re­li­gi­ons­frei­heit. In­so­weit be­darf es auch hier ei­ner verhält­nismäßigen Abwägung bei­der Gewähr­leis­tun­gen.

bb) Auch das ILO-Übe­r­ein­kom­men Nr. 87 über die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und den Schutz des Ver­ei­ni­gungs­rech­tes vom 9. Ju­li 1948 lässt ei­ne Be­schränkung des Streik­rechts der Be­klag­ten in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen zu. Es gehört zum ein­fa­chen in­ner­staat­li­chen Recht (Zu­stim­mungs­ge­setz vom 20. De­zem­ber 1956, BGBl. II S. 2072, in Kraft seit dem 20. März 1958 laut Be­kannt­ma­chung vom 2. Mai 1958, BGBl. II S. 113). Sei­ne Gewähr­leis­tun­gen ge­hen je­doch nicht über die Grundsätze hin­aus, die oh­ne­hin durch Art. 9 Abs. 3 GG ver­fas­sungs­recht­lich gel­ten (BVerfG 20. Ok­to­ber 1981 - 1 BvR 404/78 - zu B I 5 c der Gründe, BVerfGE 58, 233).


11. Nach die­sen Grundätzen gilt für die zulässi­gen Kla­ge­anträge Fol­gen­des:

a) Der An­trag zu 1. a) der Kläger zu 1) bis 3) ist als Glo­balan­trag un­be­gründet. Die Kläger wer­den durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten man­gels Ver­bind­lich­keit der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen schon nicht aus­nahms­los in ih­rem durch die Kläger zu 5) und 6) ver­mit­tel­ten Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt.


aa) Die kir­chen­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len ord­nen für die in dia­ko­ni­schen Ein­rich­tun­gen Beschäftig­ten kei­ne aus­rei­chend ver­bind­li­che Gel­tung der in ei­ner be­stimm­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on oder de­ren Schieds­kom­mis­si­on be­schlos­se­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen an. Nach § 2 Abs. 2 ARRG-West­fa­len hat die für die­sen Be­reich ge­bil­de­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on die Auf­ga­be, Re­ge­lun­gen zu fin­den, die den In­halt, die Be­gründung und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­tref­fen. Kommt es hier­bei zu kei­ner Ei­ni­gung, ent­schei­det die nach § 16 ARRG-West­fa­len ge­bil­de­te Schieds­kom­mis­si­on. Auf die­sem Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Re­ge­lun­gen sind zwar nach § 3 Abs. 1 Satz 1 ARRG-West­fa­len ver­bind­lich. Auch dürfen nach Abs. 2 die­ser Vor­schrift nur Ar­beits­verhält­nis­se ge­schlos­sen
 


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wer­den, de­nen sol­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen zu­grun­de lie­gen. Die­se Vor­schrif­ten gel­ten je­doch nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der EKD nicht für die ein­zel­nen Dienst­stel­len oder Ein­rich­tun­gen der Träger dia­ko­ni­schen Wir­kens, auch wenn sie Mit­glie­der des Dia­ko­ni­schen Werks sind, da der in § 23 Abs. 1 ARRG-West­fa­len ge­re­gel­te Gel­tungs­be­reich nur die Beschäftig­ten der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len selbst und die bei de­ren Dia­ko­ni­schem Werk un­mit­tel­bar Beschäftig­ten er­fasst (vgl. KGH-EKD 23. Sep­tem­ber 2009 - I-0124/R12-09 - zu II 2 b der Gründe, ZMV 2010, 91 zur wort­glei­chen Re­ge­lung im Be­reich der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land).

bb) Die vom Prin­zip der prak­ti­schen Kon­kor­danz ge­for­der­te Ver­bind­lich­keit folgt auch nicht aus sat­zungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. (Kläger zu 5)), die nach § 2 Abs. 1 ARRG-Dia­ko­nie-EKD den nach die­sem Ge­setz ge­trof­fe­nen Re­ge­lun­gen vor­ge­hen. Nach § 4 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len e. V. sind des­sen Mit­glie­der le­dig­lich ver­pflich­tet, die Mit­ar­bei­ten­den nach Ar­beits­be­din­gun­gen zu beschäfti­gen, die in ei­nem kir­chen­ge­setz­lich an­er­kann­ten Ver­fah­ren ge­setzt wer­den, das auf struk­tu­rel­lem Gleich­ge­wicht der Dienst­ge­ber- und Dienst­neh­mer­sei­te be­ruht. Hier­durch wird den Dienst­ge­bern nach der Recht­spre­chung des Kir­chen­ge­richts­hofs der EKD zu­min­dest ein stich­tag­be­zo­ge­nes Wahl­recht zwi­schen un­ter­schied­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­wer­ken eröff­net (KGH-EKD 23. Sep­tem­ber 2009 - I-0124/R12-09 - zu II 2 c der Gründe, ZMV 2010, 91 zu ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung im Be­reich des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land). Ei­ne der­ar­ti­ge ein­sei­ti­ge Aus­wahlmöglich­keit für die Dienst­ge­ber­sei­te, die durch ei­ne ent­spre­chen­de ein­zel­ver­trag­li­che Ge­stal­tung von Be­zug­nah­me­klau­seln noch er­wei­tert wer­den kann und be­reits durch die übli­che Per­so­nal­fluk­tua­ti­on auch tatsächlich er­wei­tert wird, kommt dem sog. Ers­ten Weg gleich, bei dem der kirch­li­che Dienst­ge­ber die Ar­beits­be­din­gun­gen letzt­lich ein­sei­tig fest­setzt (da­zu BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - zu III 2 b cc (2) der Gründe, BA­GE 101, 9).
 


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cc) Die Kläger zu 1) bis 3) können sich zur Be­gründung ei­ner ge­ne­rel­len Rechts­wid­rig­keit von Kampf­maßnah­men nicht auf den Grund­satz der Ar­beits­kampf­pa­rität be­ru­fen. Das von der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­wi­ckel­te Prin­zip zur Be­stim­mung des äußeren Rah­mens ei­nes auf Art. 9 Abs. 3 GG be­ru­hen­den Ar­beits­kampf­sys­tems (da­zu ErfK/Die­te­rich 13. Aufl. Art. 9 GG Rn. 112 ff.) fin­det in dem da­von ab­wei­chen­den Re­ge­lungs­mo­dell des Drit­ten Wegs kei­ne An­wen­dung und lässt sich we­gen der un­ter­schied­li­chen Re­gu­la­ri­en zur Her­stel­lung von Ver­hand­lungs­pa­rität hier­auf auch nicht über­tra­gen. Fehlt es an ei­ner ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­ge­stal­tung des Drit­ten Wegs oder weicht ei­ne Ein­rich­tung hier­von ab, be­steht für ei­nen wei­ter­ge­hen­den Schutz re­li­giöser Betäti­gungs­frei­heit kein Raum (Schu­bert RdA 2011, 270, 279).


dd) Aus den vor­ste­hen­den Gründen ist auch der An­trag zu 5. a) der Kläger zu 5) und 6) ab­zu­wei­sen. Eben­so ist der An­trag zu 7. a) des Klägers zu 7) selbst dann als un­be­gründet ab­zu­wei­sen, wenn man ihn als Träger des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts an­sieht und bei ihm ei­ne durch die Kläger zu 1) bis 3) ver­mit­tel­te Be­ge­hungs­ge­fahr be­jaht. In­so­weit gilt nichts an­de­res als für die Kläger zu 5) und 6).


ee) Die Hilfs­anträge zu 1. d) und 5. e) der Kläger zu 1) bis 3) so­wie zu 5) und 6) sind - wie oben dar­ge­legt - we­gen feh­len­der Be­ge­hungs­ge­fahr un­be­gründet und da­her ab­zu­wei­sen. Ent­spre­chen­des gilt im Übri­gen für den An­trag zu 7. e).

b) Selbst wenn beim Kläger zu 4) die für den er­ho­be­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch er­for­der­li­che Be­ge­hungs­ge­fahr vorläge, wären die Anträge zu 3. a) und 9. a) der Kläger zu 4), 8) und 9) ab­zu­wei­sen. Auch die­se Kläger wer­den durch Streik­auf­ru­fe der Be­klag­ten man­gels Ver­bind­lich­keit der nach dem dort gel­ten­den Kir­chen­recht zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen nicht aus­nahms­los in ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht ver­letzt. Es kann des­halb da­hin­ste­hen, ob das für die­se Kläger gel­ten­de Ver­fah­ren des Drit­ten Wegs ge­eig­net ist, ei­ne gleich­ge­wich­ti­ge Kon­fliktlösung zu gewähr­leis­ten und ob sich Ge­werk­schaf­ten in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se dar­in ein­brin­gen können.

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Nach § 8 Abs. 2 Buchst. e der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. sind des­sen Mit­glie­der le­dig­lich ver­pflich­tet, die un­mit­tel­bar gel­ten­den oder die vom Präsi­di­um oder der Mit­glie­der­ver­samm­lung für das Dia­ko­ni­sche Werk über­nom­me­nen Rechts­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re die Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on evan­ge­li­scher Kir­chen in Nie­der­sach­sen für Ein­rich­tun­gen, die sich dem ARRGD-Nie­der­sach­sen an­ge­schlos­sen ha­ben, oder ein an­de­res kirch­li­ches Ar­beits­ver­trags­recht in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung an­zu­wen­den. Hier­durch wird der Dienst­ge­ber­sei­te ein Wahl­recht ein­geräumt, weil die von den zuständi­gen Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen nach § 2 Abs. 2 ARRGD-Nie­der­sach­sen be­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en der Konföde­ra­ti­on, die nach § 3 Satz 1 ARRGD-Nie­der­sach­sen an sich ver­bind­lich sind, nicht zwin­gend auf die Ar­beits­verhält­nis­se der im Zuständig­keits­be­reich der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on Beschäftig­ten zur An­wen­dung kom­men. Hin­zu kommt, dass nach § 8 Abs. 2 Buchst. e der Sat­zung des Dia­ko­ni­schen Werks der Evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers e. V. des­sen Präsi­di­um auf An­trag ein Mit­glied von der dort ge­re­gel­ten Ver­pflich­tung be­frei­en kann, wenn ein zwin­gen­der Grund vor­liegt. Auch dies ist mit der ge­for­der­ten Ver­bind­lich­keit nicht zu ver­ein­ba­ren, da nicht die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on oder die zuständi­ge Schieds­kom­mis­si­on hierüber be­fin­det, son­dern die Dienst­ge­ber­sei­te.


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