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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Oberarzt, TV-Ärzte
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 6 AZR 357/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.12.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 5.08.2008, 34 Ca 16919/07
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 18.02.2009, 10 Sa 874/08
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


6 AZR 357/09
10 Sa 874/08
Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
16. De­zem­ber 2010

UR­TEIL

Gaßmann, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16. De­zem­ber 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Spel­ge so­wie den eh­ren­amt-
 


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li­chen Rich­ter Klap­proth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Jer­chel für Recht er­kannt:


1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 18. Fe­bru­ar 2009 - 10 Sa 874/08 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob der Kläger vor dem In­kraft­tre­ten des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­kenhäusern im Be­reich der Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände vom 17. Au­gust 2006 (TV-Ärz­te/VKA) am 1. Au­gust 2006 ei­ne oberärzt­li­che Tätig­keit im Sin­ne die­ses Ta­rif­ver­trags aus­geübt hat und ob ge­ge­be­nen­falls die­se Tätig­keit auf die dreijähri­ge Lauf­zeit zum Er­rei­chen der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III der An­la­ge A zum TV-Ärz­te/VKA an­zu­rech­nen ist.


Die Be­klag­te ist ein städti­sches Kli­ni­kum. Der 1947 ge­bo­re­ne Kläger ist seit dem 1. Fe­bru­ar 1986 auf­grund ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­trags vom 17. De­zem­ber 1985 bei der Be­klag­ten bzw. ih­rer Rechts­vorgänge­rin im Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie der Ab­tei­lung Rönt­gen­dia­gnos­tik und Nu­kle­ar­me­di­zin im Kli­ni­kum B als Ober­arzt beschäftigt. Er verfügt über die Wei­ter­bil­dungs­be­rech­ti­gung im Be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie und ist Mit­glied im Prüfungs­aus­schuss der Baye­ri­schen Lan­desärz­te­kam­mer. Kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit fin­den seit dem 1. Au­gust 2006 die Be­stim­mun­gen des TV-Ärz­te/VKA und des Ta­rif­ver­trags zur Über­lei­tung der Ärz­tin­nen und Ärz­te an kom­mu­na­len Kran­kenhäusern in den TV-Ärz­te/VKA und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts vom 17. Au­gust 2006 (TVÜ-Ärz­te/VKA) auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung.

Im TV-Ärz­te/VKA heißt es ua.:


„Ab­schnitt III. Ein­grup­pie­rung und Ent­gelt
§ 15 All­ge­mei­ne Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen.


(1) 1Die Ein­grup­pie­rung der Ärz­tin­nen und Ärz­te rich­tet sich nach den Tätig­keits­merk­ma­len des § 16. ...
...


§ 16 Ein­grup­pie­rung.


Ärz­tin­nen und Ärz­te sind wie folgt ein­grup­piert:

a) Ent­gelt­grup­pe I:

Ärz­tin/Arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keit.

b) Ent­gelt­grup­pe II:

Fachärz­tin/Fach­arzt mit ent­spre­chen­der Tätig­keit
...

c) Ent­gelt­grup­pe III:


Oberärz­tin/Ober­arzt

Pro­to­kollerklärung zu Buchst. c:

Oberärz­tin/Ober­arzt ist die­je­ni­ge Ärz­tin/der­je­ni­ge Arzt, der/dem die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für selbstständi­ge Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che der Kli­nik bzw. Ab­tei­lung vom Ar­beit­ge­ber aus­drück­lich über­tra­gen wor­den ist.
...


§ 18 Ta­bel­len­ent­gelt.


(1) 1Die Ärz­tin/Der Arzt erhält mo­nat­lich ein Ta­bel­len­ent­gelt. 2Die Höhe be­stimmt sich nach der Ent­gelt­grup­pe, in die sie/er ein­grup­piert ist, und nach der für sie/ihn gel­ten­den Stu­fe.
...


§ 19 Stu­fen der Ent­gelt­ta­bel­le.


(1) Ärz­tin­nen und Ärz­te er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe - in Abhängig­keit von ih­rer Leis­tung gemäß § 20 Abs. 2 - nach den Zei­ten ei­ner Tätig­keit in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe bei ih­rem Ar­beit­ge­ber (Stu­fen­lauf­zeit) und zwar in

a) Ent­gelt­grup­pe I


Stu­fe 2: nach einjähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit

Stu­fe 3: nach zweijähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit

 

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Stu­fe 4: nach drei­ein­halbjähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit


Stu­fe 5: nach fünfjähri­ger ärzt­li­cher Tätig­keit,


b) Ent­gelt­grup­pe II


Stu­fe 2: nach dreijähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit

Stu­fe 3: nach sechsjähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit

Stu­fe 4: nach zehnjähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit

Stu­fe 5: nach fünf­zehnjähri­ger fachärzt­li­cher Tätig­keit,

 

c) Ent­gelt­grup­pe III


Stu­fe 2: nach dreijähri­ger oberärzt­li­cher Tätig­keit.


(2) 1Bei der An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen wer­den in der Ent­gelt­grup­pe I Zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit an­ge­rech­net. 2Eine Tätig­keit als Ärz­tin/Arzt im Prak­ti­kum gilt als ärzt­li­che Tätig­keit. 3In der Ent­gelt­grup­pe II wer­den Zei­ten fachärzt­li­cher Tätig­keit in der Re­gel an­ge­rech­net. 4Zeiten ei­ner vor­her­ge­hen­den be­ruf­li­chen Tätig­keit können an­ge­rech­net wer­den, wenn sie für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit förder­lich sind.
...“


Im TVÜ-Ärz­te/VKA ist ua. ge­re­gelt:


„Ab­schnitt II. Über­lei­tungs­re­ge­lun­gen

...

§ 6 Stu­fen­zu­ord­nung der An­ge­stell­ten.


(1) ...


(2) 1Soweit die Ärz­tin/der Arzt die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe III oder IV erfüllt, er­folgt zunächst die Zu­ord­nung in die Ent­gelt­grup­pe II nach den Re­geln der §§ 4 bis 6 und an­sch­ließend die Höher­grup­pie­rung nach den Re­geln des TV-Ärz­te/VKA. ... 3Der wei­te­re Stu­fen­auf­stieg rich­tet sich nach den Re­ge­lun­gen des TV-Ärz­te/VKA.


Nie­der­schrifts­erklärung zu § 6 Ab­satz 2:

1Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­hen da­von aus, dass Ärz­te, die am 31. Ju­li 2006 die Be­zeich­nung ‚Oberärz­tin/ Ober­arzt’ führen, oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Ein­grup­pie­rung als Oberärz­tin/Ober­arzt nach § 16 TV-Ärz­te/VKA zu erfüllen, die Be­rech­ti­gung zur Führung ih­rer bis­he­ri­gen Be­zeich­nung nicht ver­lie­ren. 2Eine Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe III ist hier­mit nicht ver-


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bun­den.

...“


Im Rund­schrei­ben der VKA vom 18. De­zem­ber 2006 (- R 413/2006 -) an ih­ren Grup­pen­aus­schuss für Kran­kenhäuser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und ih­re Mit­glieds­verbände heißt es ua.:


„Für die Zu­ord­nung zur Stu­fe 2 der EG III nach § 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA gilt, dass als Ober­arzt vor dem 1. Au­gust 2006 zurück­ge­leg­te Zei­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber auf die in Stu­fe 2 ge­for­der­te Vor­aus­set­zung der dreijähri­gen Tätig­keit als Ober­arzt an­zu­rech­nen sind.“


Die Be­klag­te über­trug dem Kläger mit ei­nem vom Di­rek­tor des Kli­ni­kums un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben vom 13. Ju­ni 2007 rück­wir­kend zum 1. Au­gust 2006 die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für den selbständi­gen Funk­ti­ons-/Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie in der Ab­tei­lung In­sti­tut für Dia­gnos­ti­sche und In­ter­ven­tio­nel­le Ra­dio­lo­gie und Nu­kle­ar­me­di­zin im Kli­ni­kum B. In ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom sel­ben Tag teil­te sie dem Kläger sei­ne Höher­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe III, Stu­fe 1, der An­la­ge A zum TV-Ärz­te/VKA mit. Der Kläger ver­lang­te dar­auf­hin von der Be­klag­ten oh­ne Er­folg mit ei­nem Schrei­ben vom 14. Ju­li 2007 die Zu­ord­nung zur Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III der An­la­ge A zum TV-Ärz­te/VKA.


Der Kläger hat ge­meint, ihm ste­he seit dem 1. Au­gust 2006 Vergütung der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III der An­la­ge A zum TV-Ärz­te/VKA zu. Er ha­be die Tätig­keit ei­nes Ober­arz­tes bei der Be­klag­ten be­reits seit Fe­bru­ar 1986 aus­geübt. Gemäß der Bestäti­gung des Chef­arz­tes Prof. Dr. med. H vom 21. Au­gust 2007 und der Bestäti­gung des Chef­arz­tes Prof. Dr. I vom 30. Au­gust 2006 ha­be er den Teil­be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie in der Ab­tei­lung für Rönt­gen­dia­gnos­tik und Nu­kle­ar­me­di­zin ver­ant­wort­lich be­treut. Die Be­klag­te müsse sich das Han­deln ih­rer Chefärz­te un­ter dem Ge­sichts­punkt der Dul­dungs­voll­macht zu­rech­nen las­sen. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf ei­ne feh­len­de aus­drück­li­che Über­tra­gung der Tätig­keit wäre rechts­miss­bräuch­lich. Die Be­klag­te ver­s­toße zu­dem ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, weil am Kli­ni­kum Ha ver­gleich­ba­re Oberärz­te nach der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III vergütet würden.
 


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Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt:


Es wird fest­ge­stellt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger für den Zeit­raum vom 1. Au­gust 2006 bis zum 31. Ju­li 2009 Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe III, Stu­fe 2 (Oberärz­tin/Ober­arzt), gemäß § 16 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA zu zah­len.


Die Be­klag­te hat zu ih­rem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die Auf­fas­sung ver­tre­ten, vor dem In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA am 1. Au­gust 2006 ha­be es ei­ne oberärzt­li­che Tätig­keit iSv. § 16 Buchst. c die­ses Ta­rif­ver­trags nicht ge­ge­ben. Der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag ha­be kei­ne Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen für ei­nen Ober­arzt ent­hal­ten. Die Be­rech­ti­gung zur Führung der Be­zeich­nung „Ober­arzt“ sei da­mit nicht vergütungs­re­le­vant ge­we­sen. Der Kläger sei zwar als Ober­arzt ein­ge­stellt wor­den, je­doch sei da­mit nur die Be­rech­ti­gung ver­bun­den ge­we­sen, die Be­zeich­nung „Ober­arzt“ zu führen. Aus den von ihm vor­ge­leg­ten Bestäti­gun­gen der Chefärz­te Prof. Dr. med. H und Prof. Dr. I er­ge­be sich nicht, dass sie ihm die me­di­zi­ni­sche Ver­ant­wor­tung für den Be­reich Neu­ro­ra­dio­lo­gie über­tra­gen ha­ben. Die für die Ein­grup­pie­rung in die Ent­gelt­grup­pe III er­for­der­li­che aus­drück­li­che Über­tra­gung der me­di­zi­ni­schen Ver­ant­wor­tung für selbständi­ge Teil- oder Funk­ti­ons­be­rei­che sei erst mit ih­rem Schrei­ben vom 13. Ju­ni 2007 rück­wir­kend zum 1. Au­gust 2006 er­folgt. Im Übri­gen sei bei ei­nem Ober­arzt iSv. § 16 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA ei­ne ob­li­ga­to­ri­sche An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen in § 19 TV-Ärz­te/VKA nicht vor­ge­se­hen.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger die Wie­der­her­stel­lung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts, so­weit die­ses der Kla­ge für die Zeit vom 1. Au­gust 2006 bis zum 31. Ju­li 2009 statt­ge­ge­ben hat. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on des Klägers zurück­zu­wei­sen.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet. Die Be­klag­te war nicht ver­pflich­tet, dem Kläger vom 1. Au­gust 2006 bis zum 31. Ju­li 2009 Vergütung nach der Ent­gelt­grup­pe III, Stu­fe 2 (Ober­arzt nach dreijähri­ger oberärzt­li­cher Tätig­keit), der An­la­ge A TV-Ärz­te/VKA zu zah­len. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge des­halb zu Recht ab­ge­wie­sen.


I. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig. Trotz ih­res Ver­gan­gen­heits­be­zugs liegt das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor. Der ver­lang­te Ge­gen­warts­be­zug wird da­durch her­ge­stellt, dass der Kläger die Erfüllung kon­kre­ter Vergütungs­ansprüche aus ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­raum und da­mit ei­nen ge­genwärti­gen recht­li­chen Vor­teil er­strebt. Das an­ge­streb­te Fest­stel­lungs­ur­teil ist ge­eig­net, den Kon­flikt der Par­tei­en endgültig bei­zu­le­gen und wei­te­re Pro­zes­se zwi­schen ih­nen zu ver­mei­den. Es kann von ei­nem städti­schen Kli­ni­kum, auch wenn die­ses in der Rechts­form ei­ner GmbH be­trie­ben wird, eben­so wie von ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts er­war­tet wer­den, dass es ei­nem statt­ge­ben­den Fest­stel­lungs­ur­teil nach­kom­men wird (vgl. Se­nat 22. April 2010 - 6 AZR 484/08 - Rn. 9, EzTöD 240 TV-Ärz­te/TdL § 16 Nr. 2; 21. Ja­nu­ar 2010 - 6 AZR 449/09 - Rn. 14 mwN, AP BGB § 611 Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te Nr. 78 = EzTöD 100 TVöD-AT § 2 Dienst­ord­nungs-An­ge­stell­te Nr. 3).


II. Nach § 18 Abs. 1 iVm. § 15 Abs. 1, § 16 Buchst. c, § 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA stand dem Kläger vom 1. Au­gust 2006 bis zum 31. Ju­li 2009 nur Vergütung der Ent­gelt­grup­pe III, Stu­fe 1, der An­la­ge A TV-Ärz­te/VKA zu. Für die An­rech­nung der bis zum 31. Ju­li 2006 vom Kläger zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­zeit auf die nach § 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA zum Er­rei­chen der Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III er­for­der­li­che Stu­fen­lauf­zeit von drei Jah­ren oberärzt­li­cher Tätig­keit fehlt ei­ne An­spruchs­grund­la­ge.


1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass nach dem Wort­laut des § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/VKA die er­for­der­li­che Zeit für das
 


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Er­rei­chen der nächs­ten Stu­fe in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe grundsätz­lich nicht vor der Ein­grup­pie­rung in die­se Ent­gelt­grup­pe zu lau­fen be­ginnt. Dies wird aus der For­mu­lie­rung in die­ser Vor­schrift „Ärz­tin­nen und Ärz­te er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe ... nach den Zei­ten ei­ner Tätig­keit in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe bei ih­rem Ar­beit­ge­ber (Stu­fen­lauf­zeit) ...“ deut­lich.


2. So­fern die An­rech­nungs­re­ge­lun­gen in § 19 Abs. 2 TV-Ärz­te/VKA nicht nur auf Vor­beschäfti­gun­gen bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber, son­dern auch auf Vor­zei­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber und auch bei der Über­lei­tung der Ar­beits­verhält­nis­se von Ärz­tin­nen und Ärz­ten in den TV-Ärz­te/VKA An­wen­dung fin­den soll­ten, be­gründe­ten sie kei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, die vom Kläger bis zum 31. Ju­li 2006 zurück­ge­leg­te Beschäfti­gungs­zeit als Vor­beschäfti­gung auf die dreijähri­ge Stu­fen­lauf­zeit der Ent­gelt­grup­pe III an­zu­rech­nen. Dies gölte auch dann, wenn der Kläger be­reits vor dem 1. Au­gust 2006 ei­ne oberärzt­li­che Tätig­keit iSv. § 16 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA aus­geübt hätte.


a) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in § 19 Abs. 2 TV-Ärz­te/VKA zwi­schen ärzt­li­cher Tätig­keit (Ent­gelt­grup­pe I), fachärzt­li­cher Tätig­keit (Ent­gelt­grup­pe II) und vor­her­ge­hen­der be­ruf­li­cher Tätig­keit un­ter­schie­den. Die An­rech­nung von Zei­ten ei­ner Vor­beschäfti­gung auf die Stu­fen­lauf­zeit in der Ent­gelt­grup­pe III ha­ben sie nicht ge­re­gelt, ob­wohl sie in § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/VKA bei der Fest­le­gung der Stu­fen­lauf­zei­ten nicht nur zwi­schen ärzt­li­cher und fachärzt­li­cher, son­dern auch oberärzt­li­cher Tätig­keit dif­fe­ren­ziert ha­ben. Dar­aus folgt im Um­kehr­schluss, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en an­ders als bei der ärzt­li­chen und fachärzt­li­chen Tätig­keit bei der oberärzt­li­chen Tätig­keit be­wusst von der Re­ge­lung ei­ner ob­li­ga­to­ri­schen oder fa­kul­ta­ti­ven An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen auf die Stu­fen­lauf­zeit ab­ge­se­hen ha­ben. Ob dies dar­auf be­ruh­te, dass der Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag kei­ne Ein­grup­pie­rungs­re­ge­lun­gen für ei­nen Ober­arzt ent­hal­ten hat oder die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aus an­de­ren Gründen ei­ne An­rech­nung von Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit auf die Stu­fen­lauf­zeit der Ent­gelt­grup­pe III nicht für an­ge­mes­sen ge­hal­ten ha­ben, ist oh­ne Be­deu­tung. Maßge­bend ist, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit die­ser


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Ent­schei­dung die Gren­zen ih­rer au­to­no­men Re­ge­lungs­macht nicht über­schrit­ten ha­ben.


b) Al­ler­dings könn­te dem Wort­laut nach an sich ei­ne vor dem 1. Au­gust 2006 von ei­nem Ober­arzt aus­geübte Tätig­keit auch ei­ne vor­her­ge­hen­de be­ruf­li­che Tätig­keit sein. Zei­ten ei­ner sol­chen Tätig­keit können gemäß § 19 Abs. 2 Satz 4 TV-Ärz­te/VKA an­ge­rech­net wer­den, wenn sie für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit förder­lich sind. Aus dem ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang er­gibt sich je­doch, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­ter ei­ner vor­her­ge­hen­den be­ruf­li­chen Tätig­keit iSv. § 19 Abs. 2 Satz 4 TV-Ärz­te/VKA nicht auch ei­ne ärzt­li­che, fachärzt­li­che oder oberärzt­li­che Tätig­keit ver­stan­den ha­ben, son­dern aus­sch­ließlich ei­ne nichtärzt­li­che Tätig­keit. Für die­ses Verständ­nis spricht, dass die Vor­schrift auch die An­rech­nung von vor­her­ge­hen­den be­ruf­li­chen Tätig­kei­ten auf die Stu­fen­lauf­zei­ten der Ent­gelt­grup­pen I und II er­fasst. In § 19 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 TV-Ärz­te/VKA ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en je­doch die An­rech­nung vor­her­ge­hen­der Zei­ten ärzt­li­cher bzw. fachärzt­li­cher Tätig­keit auf die Stu­fen­lauf­zei­ten der Ent­gelt­grup­pen I und II aus­drück­lich und ab­sch­ließend ge­re­gelt.


3. Dem Kläger ist ein­zuräum­en, dass der In­halt des Rund­schrei­bens der VKA vom 18. De­zem­ber 2006 (- R 413/2006 -) an ih­ren Grup­pen­aus­schuss für Kran­kenhäuser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und ih­re Mit­glieds­verbände für die von ihm ver­lang­te An­rech­nung spricht. In die­sem Schrei­ben hat die VKA ua. mit­ge­teilt, für die Zu­ord­nung zur Stu­fe 2 der Ent­gelt­grup­pe III gel­te nach § 19 Abs. 1 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA, dass vor dem 1. Au­gust 2006 als Ober­arzt zurück­ge­leg­te Zei­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber auf die in Stu­fe 2 ge­for­der­te Vor­aus­set­zung der dreijähri­gen Tätig­keit als Ober­arzt an­zu­rech­nen sei­en. Selbst wenn zu­guns­ten des Klägers an­ge­nom­men wird, dass die­ses Rund­schrei­ben Rück­schlüsse auf ei­nen übe­rein­stim­men­den Re­ge­lungs­wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­las­sen könn­te, hätte aber doch ein sol­cher Re­ge­lungs­wil­le we­der im Wort­laut des § 19 TV-Ärz­te/VKA, der die Stu­fen­lauf­zei­ten in den Ent­gelt­grup­pen und die An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen fest­legt, noch im Wort­laut des § 6 Abs. 2 TVÜ-Ärz­te/VKA, der ua. die Über­lei­tung von Ärz­ten in den TV-Ärz­te/VKA re­gelt, die die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe III er-

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füllen, kei­nen aus­rei­chen­den Nie­der­schlag ge­fun­den. Bei nicht ein­deu­ti­gem Ta­rif­wort­laut ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. 22. April 2010 - 6 AZR 962/08 - Rn. 17 mwN, EzTöD 300 TVÜ-Bund § 12 Nr. 1) der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei der Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils ei­nes Ta­rif­ver­trags zwar mit zu berück­sich­ti­gen, aber nur, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat.


4. Der Wort­laut der Re­ge­lung in § 6 Abs. 2 Satz 1 TVÜ-Ärz­te/VKA zwingt viel­mehr zu der An­nah­me, dass in der Ent­gelt­grup­pe III bis zum In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA am 1. Au­gust 2006 zurück­ge­leg­te Beschäfti­gungs­zei­ten auf die dreijähri­ge Stu­fen­lauf­zeit nicht an­zu­rech­nen sind.


a) In die­ser Vor­schrift ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ua. ge­re­gelt, dass, so­weit die Ärz­tin/der Arzt die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe III erfüllt, zunächst die Zu­ord­nung in die Ent­gelt­grup­pe II nach den Re­geln der §§ 4 bis 6 und an­sch­ließend die Höher­grup­pie­rung nach den Re­geln des TV-Ärz­te/VKA er­folgt. Gemäß § 6 Abs. 2 Satz 3 TVÜ-Ärz­te/VKA rich­tet sich der wei­te­re Stu­fen­auf­stieg nach den Re­ge­lun­gen des TV-Ärz­te/VKA. Wenn aber ein Arzt, der be­reits vor dem 1. Au­gust 2006 die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe III und da­mit die in § 16 Buchst. c TV-Ärz­te/VKA und der Pro­to­kollerklärung zu die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt hat, mit dem In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA nicht so­fort in die Ent­gelt­grup­pe III, son­dern zunächst nur in die Ent­gelt­grup­pe II ein­zu­grup­pie­ren war, und sich der wei­te­re Stu­fen­auf­stieg nach der aus­drück­li­chen An­ord­nung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 6 Abs. 2 Satz 3 TVÜ-Ärz­te/VKA nach den Re­ge­lun­gen des TV-Ärz­te/VKA rich­ten soll­te, wird dar­aus deut­lich, dass auch ei­ne Arzt, der be­reits vor dem 1. Au­gust 2006 drei Jah­re oder länger die Vor­aus­set­zun­gen der Ent­gelt­grup­pe III erfüllt hat, nicht der Stu­fe 2 die­ser Ent­gelt­grup­pe zu­ge­ord­net wer­den, son­dern auch ei­ne sol­che Vor­beschäfti­gung für die Stu­fen­lauf­zeit in der Ent­gelt­grup­pe III oh­ne Be­deu­tung sein soll­te.


b) Be­reits aus die­sem Grund trägt das Ar­gu­ment des Klägers nicht, die je­wei­li­ge Ent­gelt­grup­pe sei in § 16 TV-Ärz­te/VKA nicht abs­trakt, son­dern kon­kret aus­ge­stal­tet, es kom­me des­halb nicht dar­auf an, ob es die Ent­gelt-
 


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grup­pe schon ge­ge­ben ha­be, son­dern nur dar­auf, ob er be­reits vor dem In­kraft­tre­ten des TV-Ärz­te/VKA ei­ne min­des­tens dreijähri­ge oberärzt­li­che Tätig­keit aus­geübt ha­be. Ge­gen die Rechts­auf­fas­sung des Klägers spricht im Übri­gen die von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 19 Abs. 2 ge­trof­fe­ne Re­ge­lung zur An­rech­nung von Vor­beschäfti­gun­gen auf die Stu­fen­lauf­zeit. Müss­ten vor dem 1. Au­gust 2006 bei dem­sel­ben oder ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber zurück­ge­leg­te Zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit schon nach § 19 Abs. 1 TV-Ärz­te/VKA auf die Stu­fen­lauf­zei­ten der Ent­gelt­grup­pe I (§ 19 Abs. 1 Buchst. a TV-Ärz­te/VKA) an­ge­rech­net wer­den, wäre die Re­ge­lung in § 19 Abs. 2 Satz 1 TV-Ärz­te/VKA überflüssig. In der Ent­gelt­grup­pe II müss­ten Zei­ten fachärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­lauf­zeit berück­sich­tigt und nicht nur in der Re­gel an­ge­rech­net wer­den, wie dies § 19 Abs. 2 Satz 3 TV-Ärz­te/VKA an­ord­net.


III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

Fi­scher­mei­er 

Brühler 

Spel­ge

Klap­proth 

Jer­chel

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