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Ver­län­ge­rung des Mut­ter­schafts­ur­laubs vor und nach der Ge­burt von 14 auf 18 Wo­chen

Die EU-Kom­mis­si­on schlägt ein Maß­nah­men­pa­ket zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie vor: Vor­schlag für ei­ne Richt­li­nie des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und Ra­tes zur Än­de­rung der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19.10.1992 über die Durch­füh­rung von Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit

02.12.2008. Die EU-Kom­mis­si­on stell­te am 03.10.2008 ein Pa­ket von Initia­ti­ven zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie vor. Das Maß­nah­men­pa­ket be­inhal­tet un­ter an­de­rem ei­nen Vor­schlag zur Än­de­rung der Mut­ter­schutz­richt­li­nie, d.h. der Richt­li­nie 92/85/EWG des Ra­tes vom 19.10.1992 über die Durch­füh­rung von Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Si­cher­heit und des Ge­sund­heits­schut­zes von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen am Ar­beits­platz (zehn­te Ein­zel­richt­li­nie im Sin­ne des Ar­ti­kels 16 Ab­satz 1 der Richt­li­nie 89/391/EWG).

Die Kom­mis­si­on ver­folgt mit der vor­ge­schla­ge­nen Re­form der Mut­ter­schutz­richt­li­nie das Ziel, die Si­cher­heit und den Ge­sund­heits­schutz von schwan­ge­ren Ar­beit­neh­me­rin­nen, Wöch­ne­rin­nen und stil­len­den Ar­beit­neh­me­rin­nen zu ver­bes­sern. Da­mit soll Ar­beit­neh­me­rin­nen ge­hol­fen wer­den, sich von den un­mit­tel­ba­ren Fol­gen der Ent­bin­dung zu er­ho­len. Au­ßer­dem soll es Müt­tern leich­ter ge­macht wer­den, am En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs auf den Ar­beits­markt zu­rück­zu­keh­ren.

Um die­se Zie­le zu er­rei­chen, wer­den im We­sent­li­chen vier Än­de­run­gen vor­ge­schla­gen:

Ers­tens soll der be­zahl­te Mut­ter­schafts­ur­laub von der­zeit min­des­tens 14 Wo­chen auf min­des­tens 18 Wo­chen ver­län­gert wer­den (Än­de­rung von Art.8 der Mut­ter­schutz­richt­li­nie). Wäh­rend der Mut­ter­schafts­ur­laub der­zeit ge­mäß Art.8 Abs.2 der Richt­li­nie ei­nen ob­li­ga­to­ri­schen Teil von min­des­tens zwei Wo­chen um­fas­sen muss, der sich ent­spre­chend den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten oder Ge­pflo­gen­hei­ten auf die Zeit vor und/oder nach der Ent­bin­dung auf­tei­len kann, müs­sen nach der ge­plan­ten Än­de­rung sechs der ins­ge­samt 18 Wo­chen Ur­laub nach der Ge­burt ge­nom­men wer­den. Im üb­ri­gen kann die Ar­beit­neh­me­rin frei ent­schei­den, ob sie die rest­li­chen 12 Wo­chen vor oder nach der Ent­bin­dung in An­spruch nimmt.

Zwei­tens soll der zu­guns­ten von Schwan­ge­ren und jun­gen Müt­tern be­ste­hen­de Kün­di­gungs­schutz er­wei­tert wer­den. Da­zu wird vor­ge­schla­gen, Art.10 der Mut­ter­schutz­richt­li­nie in der Wei­se zu än­dern, dass Kün­di­gun­gen durch den Ar­beit­ge­ber nicht nur - wie jetzt be­reits - vom Be­ginn der Schwan­ger­schaft bis zum En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs ver­bo­ten sind, son­dern dass auch Vor­be­rei­tun­gen ei­ner Kün­di­gung für un­zu­läs­sig er­klärt wer­den müs­sen. Au­ßer­dem soll das Kün­di­gungs­ver­bot zwar nach wie vor schon mit dem En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs en­den (wäh­rend es nach deut­schem Recht erst vier Mo­na­te nach der Ent­bin­dung en­det), doch soll der Ar­beit­ge­ber künf­tig da­zu ver­pflich­tet wer­den, auf Ver­lan­gen der Ar­beit­neh­me­rin schrift­lich „ge­büh­rend nach­ge­wie­se­ne Kün­di­gungs­grün­de“ mit­zu­tei­len, wenn die Kün­di­gung bin­nen sechs Mo­na­ten nach dem En­de des Mut­ter­schafts­ur­laubs er­folgt.

Drit­tens müs­sen die Mit­glied­staa­ten künf­tig si­cher­stel­len, dass Ar­beit­neh­me­rin­nen nach Be­en­di­gung ih­res Mut­ter­schafts­ur­laubs an den­sel­ben oder ei­nen gleich­wer­ti­gen Ar­beits­platz zu­rück­keh­ren kön­nen, und zwar zu Be­din­gun­gen, die nicht un­güns­ti­ger sind als zu­vor. Die­se Än­de­rung be­trifft Art.11 der Mut­ter­schutz­richt­li­nie. Zu­dem müs­sen an den Ar­beits­platz zu­rück­keh­ren­de Ar­beit­neh­me­rin­nen An­spruch auf al­le zwi­schen­zeit­lich ein­ge­führ­ten Ver­bes­se­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen ha­ben. Die­se Re­ge­lung ist al­ler­dings be­reits jetzt in be­ste­hen­den Richt­li­ni­en ent­hal­ten, näm­lich in Art.2 Abs.7 der Richt­li­nie 76/207/EWG in Ge­stalt der Richt­li­nie 2002/73/EG des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments und des Ra­tes vom 23.09.2002 (Richt­li­nie 2002/73/EG).

Vier­tens soll Ar­beit­neh­me­rin­nen die Wahr­neh­mung ih­rer Rech­te, die ih­nen im Zu­sam­men­hang mit dem Mut­ter­schutz zu­ste­hen, durch ei­ne Be­weis­last­um­kehr zu ih­ren Guns­ten er­leich­tert wer­den. Die­se Be­weis­last­re­ge­lung ist Ge­gen­stand ei­nes neu in die Mut­ter­schutz­richt­li­nie ein­ge­führ­ten Art.12a.

Kri­tisch ist zu dem Än­de­rungs­vor­schlag an­zu­mer­ken, dass der Kern des Re­form­vor­ha­bens, näm­lich die ge­plan­te Ver­län­ge­rung des Mut­ter­schafts­ur­laubs von der­zeit 14 auf 18 Mo­na­te, nicht be­grün­det wird. Die von der Kom­mis­si­on mit­ge­teil­ten Er­wä­gun­gen für ih­ren Än­de­rungs­vor­schlag wir­ken da­her - wie oft auch in an­de­ren Fäl­len - ein we­nig wie die rou­ti­ne­mä­ßi­ge Ab­ar­bei­tung ei­ner Wie­der­vor­la­ge.

An­ge­sichts der er­heb­li­chen Ver­län­ge­rung der Schutz­fris­ten hät­te es au­ßer­dem na­he­ge­le­gen, ent­spre­chend dem deut­schen Ge­setz zum Schut­ze der er­werbs­tä­ti­gen Mut­ter (Mut­ter­schutz­ge­setz - MuSchG) auch ei­ne ge­wis­se Zeit vor dem er­rech­ne­ten Ent­bin­dungs­ter­min als zwin­gen­den bzw. nicht zur Dis­po­si­ti­on ste­hen­den Ur­laub aus­zu­ge­stal­ten. Er­fah­rungs­ge­mäß ist Er­werbs­ar­beit den meis­ten Schwan­ge­ren in den letz­ten Wo­chen vor der Ge­burt nicht zu­zu­mu­ten oder so­gar mit mas­si­ven Ge­sund­heits­ge­fah­ren ver­bun­den, wes­halb wer­den­de Müt­ter nach der­zeit gel­ten­dem deut­schem in den letz­ten sechs Wo­chen vor der Ge­burt ge­mäß § 3 Abs.2 MuSchG auch ge­ne­rell nicht be­schäf­tigt wer­den dür­fen. Was ge­gen die­se oder ei­ne ähn­li­che, d.h. zwin­gen­de ge­setz­li­che Schutz­vor­schrift und für die von der Kom­mis­si­on be­für­wor­te­te "freie" Ent­schei­dungs­mög­lich­keit der Schwan­ge­ren spricht, hat die Kom­mis­si­on bis­lang nicht be­grün­det.

Soll es Schwan­ge­ren nach der ge­än­der­ten Richt­li­nie frei­ste­hen, über die La­ge ih­res 18wöchigen Mut­ter­schafts­ur­laubs - ab­ge­se­hen von den fest­lie­gen­den sechs Wo­chen nach der Ge­burt - be­lie­big zu ent­schei­den, wer­den sich vie­le für ei­ne voll­stän­di­ge In­an­spruch­nah­me nach der Ge­burt ent­schei­den, da sie - je­den­falls in Deutsch­land - vor der Ge­burt oh­ne­hin durch die Mög­lich­keit ei­nes vom Frau­en­arzt aus­zu­spre­chen­den kon­kre­ten Be­schäf­ti­gungs­ver­bots ge­schützt (§ 3 Abs.1 MuSchG) sind. Da Zei­ten ei­nes kon­kre­ten Be­schäf­ti­gungs­ver­bots auf die bis­lang 14wöchigen Schutz­fris­ten nicht an­zu­rech­nen sind, lädt die ge­plan­te Frei­heit bei der zeit­li­chen Fest­le­gung des ver­län­ger­ten Mut­ter­schafts­ur­laubs zu vor­ge­burt­li­chen Krank­mel­dun­gen oder vor­ge­burt­li­chen kon­kre­ten Be­schäf­ti­gungs­ver­bo­ten mit dem Ziel ei­ner Aus­wei­tung der be­zahl­ten Frei­stel­lung über 18 Wo­chen hin­aus ge­ra­de­zu ein.

Auf­grund des ge­setz­li­chen An­spruchs auf be­zahl­te El­tern­zeit im An­schluss an die Mut­ter­schutz­fris­ten wird die Richt­li­ni­en­än­de­rung schließ­lich auch kaum zu ei­ner Ver­bes­se­rung der Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf füh­ren. Al­ler­dings dürf­ten die fi­nan­zi­el­len Las­ten, die mit Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen für Schwan­ge­re und jun­ge Müt­ter ver­bun­den sind, vom Staat hin zu den Kran­ken­kas­sen ver­scho­ben wer­den: Da in Deutsch­land nach der­zeit gel­ten­dem Recht die Kran­ken­kas­sen für die be­zahl­te Frei­stel­lung wäh­rend der ge­setz­li­chen Schutz­fris­ten auf­kom­men und da die be­zahl­ten nach­ge­burt­li­chen Schutz­fris­ten auf die El­tern­zeit an­zu­rech­nen sind, wird ei­ne Aus­wei­tung der nach­ge­burt­li­chen Schutz­fris­ten die Kran­ken­kas­sen be­las­ten und den Staat ent­las­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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