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Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2008: Ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, Ur­tei­le, Be­schlüs­se

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Be­wer­tun­gen ar­beits­recht­li­cher Ent­schei­dun­gen deut­scher Ge­rich­te, ins­be­son­de­re des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) und der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te (LAGs), aus dem Jahr 2008.

Nach­rich­ten aus der Ar­beits­welt fin­den Sie un­ter "Ar­beit und So­zia­les", In­for­ma­tio­nen zum eu­ro­päi­schen Ar­beits­recht un­ter "Eu­ro­pa­recht" und Kom­men­ta­re zu ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Ge­set­zes­vor­ha­ben und Ge­set­zes­än­de­run­gen un­ter "Ge­setz­ge­bung".

Bei­trä­ge aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2011, Ar­beits­recht 2010, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.

08/139 Arbeitsverträge von Hartz IV-Sachbearbeitern wirksam befristet

23.12.2008. Ar­beits­verträge von Hartz IV-Sach­be­ar­bei­tern können gemäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) wirk­sam be­fris­tet wer­den, wenn es ei­nen ent­spre­chen­den Haus­halts­ti­tel der Bun­des­agen­tur gibt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08.

08/138 Grenzen der konzerninternen Arbeitnehmerüberlassung

22.12.2008. Über­las­sen Kon­zern­un­ter­neh­men an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men vorüber­ge­hend Ar­beit­neh­mer, gel­ten die Be­schränkun­gen des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes (AÜG) nur ein­ge­schränkt (§ 1 Abs.3 Nr.2 AÜG). Die­ses Kon­zern­pri­vi­leg gilt aber nicht, wenn das ent­lei­hen­de "Kon­zern­un­ter­neh­men" nur auf dem Pa­pier steht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Be­schluss vom 18.06.2008, 3 TaBV 8/08.

08/137 Betriebsübergang in der Insolvenz: Haftung für Altersteilzeit-Wertguthaben

19.12.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im An­schluss an sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung klar­ge­stellt, dass der Er­werb ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils aus der In­sol­venz­mas­se nicht zur Fol­ge hat, dass der Er­wer­ber für die Erfüllung von Wert­gut­ha­ben aus Al­ters­teil­zeit­verträgen haf­tet. Hier ist der Ar­beit­neh­mer der Dum­me: BAG, Ur­teil vom 30.10.2008, 8 AZR 54/07.

08/136 Gläserne Decken auf dem Weg nach oben

18.12.2008. Ei­ne bei der Beförde­rung ge­genüber ei­nem männ­li­chen Mit­be­wer­ber zurück­ge­setz­te Ar­beit­neh­me­rin kann zum Be­leg für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts auf die sta­tis­ti­sche Un­ter­zahl von Frau­en in Führungs­po­si­tio­nen ver­wei­sen, d.h. dar­in kann ein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung lie­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.11.2008, 15 Sa 517/08.

08/134 Diskriminierung: Abfindungskürzung für Arbeitnehmer im rentennahen Alter

16.12.2008. Wie ein ak­tu­el­les Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) bestätigt hat, können die Be­triebs­part­ner bei So­zi­alplänen auch künf­tig Ab­fin­dungs­ansprüche von Ar­beit­neh­mern in "ren­ten­na­hem" Al­ter sehr weit­ge­hen­dem Um­fang nach ih­rem Er­mes­sen kürzen. Hier­in liegt kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters: BAG, Ur­teil vom 11.11.2008, 1 AZR 475/07.

08/131 Zustimmungsverweigerung des Betriebsrates zu personellen Maßnahmen auch per E-Mail?

11.12.2008. Ver­wei­gert der Be­triebs­rat die Zu­stim­mung zu ei­ner vom Ar­beit­ge­ber ge­plan­ten per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me, muss er dies gemäß § 99 Abs.3 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) schrift­lich tun. In ei­nem ak­tu­el­len Be­schluss war das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg der An­sicht, dass ei­ne E-Mail die Schrift­form nicht wahrt: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 01.08.2008, 5 TaBV 8/07.

08/125 Nochmals zur Frage des diskriminierenden Charakters von Lebensaltersstufen

01.12.2008. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil mein­te das Ar­beits­ge­richt Mar­burg, dass die Staf­fe­lung der Vergütung nach dem Le­bens­al­ter im Bun­des­an­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) zulässig sei, d.h. kei­ne un­zulässi­ge al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung jünge­rer Ar­beit­neh­mer sei. Da­mit weicht das Ar­beits­ge­richt von Ent­schei­dun­gen des Ar­beits­ge­richts Ber­lin (Ur­teil vom 22.08.2007, 86 Ca 1696/07) und des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ab (LAG, Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07): Ar­beits­ge­richt Mar­burg, Ur­teil vom 26.09.2008, 2 Ca 183/08.

08/123 Folgen einer objektiv falschen Antwort des Arbeitnehmers auf die Frage nach vorangegangenen Beschäftigungen

27.11.2008. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main trägt der Be­wer­ber bei der Be­set­zung ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags das Ri­si­ko ei­ner un­rich­ti­gen An­ga­be auf die Fra­ge nach ei­ner vor­he­ri­gen Beschäfti­gung beim Ar­beit­ge­ber, und zwar auch dann, wenn der Ar­beit­ge­ber in der Ver­gan­gen­heit sei­ne Fir­men­be­zeich­nung geändert hat. Ist die Ant­wort des Be­wer­bers auf die Fra­ge ei­ner Vor­beschäfti­gung ob­jek­tiv falsch, kann sich der Ar­beit­neh­mer nicht auf die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung (§ 14 Abs.2 Satz 2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG) be­ru­fen: Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main, Ur­teil vom 09.04.2008, 7 Ca 8061/07.

08/122 Besteht für das einzelne Betriebsratsmitglied ein Anspruch auf einen eigenen Internetzugang?

26.11.2008. Zu den Sach­mit­teln, die der Ar­beit­ge­ber dem Be­triebs­rat zur Verfügung zu stel­len muss, gehört auch ein Zu­gang zum In­ter­net. Der Be­triebs­rat kann nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düssel­dorf auch ver­lan­gen, dass je­des ein­zel­ne Be­triebs­rats­mit­glied ei­nen In­ter­net­zu­gang erhält: LAG Düssel­dorf, Be­schluss vom 02.09.2008, 9 TaBV 8/08.

08/121 Ist ein nach dem Lebensalter gestaffelter Tariflohn diskriminierend?

25.11.2008.Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ist die bes­se­re Be­zah­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer auf der grund­la­ge der BAT-Al­ters­stu­fen ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Ar­beit­neh­mern we­gen des Al­ters. Da­her können die be­nach­tei­lig­ten jünge­ren Ar­beit­neh­mer ei­ne An­glei­chung nach oben ver­lan­gen, d.h. Be­zah­lung nach der höchs­ten BAT-Le­bens­al­ters­stu­fe: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 11.09.2008, 20 Sa 2244/07.

08/119 Abschied von der Gleichstellungsabrede - Teil III

21.11.2008. Seit der zum 01.01.2002 in Kraft ge­tre­te­ne Schul­rechts­re­form gel­ten stren­ge­re Re­geln für die Aus­le­gung des "Klein­ge­druck­ten" im Ar­beits­ver­trag. Ver­wei­se auf Ta­rif­verträge ha­ben da­her auf der Grund­la­ge ei­ner 2007 geänder­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) rechts­be­gründen­de Wir­kung, auch wenn die Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­ge­bers wegfällt. Das gilt für Ar­beits­verträge, die am 01.01.2002 oder später ver­ein­bart wur­den, auch dann, wenn da­mit ein schon länger be­ste­hen­des, d.h. vor dem 31.12.2001 be­gründe­tes Ar­beits­verhält­nis ge­re­gelt wird: BAG, Ur­teil vom 22.10.2008, 4 AZR 793/07.

08/118 Rechtsanwaltskosten bei angedrohter Kündigung

20.11.2008. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 19.11.2008 ent­schie­den, dass Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen bei ei­ner vom Ar­beit­ge­ber an­ge­droh­ten (rechts­wid­ri­gen) Kündi­gung die dem Ar­beit­neh­mer ent­stan­den An­walts­kos­ten über­neh­men müssen. Da­mit hat der BGH die Chan­cen ver­si­cher­ter Ar­beit­neh­mer, bei Ver­hand­lun­gen über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ef­fek­tiv und mit an­walt­li­cher Hil­fe ih­re Rech­te zu wah­ren, er­heb­lich gestärkt: BGH, Ur­teil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07.

08/116 Kündigungsschutz und Altersdiskriminierung - Revisionsentscheidung in Sachen Karmann

19.11.2008. Nach ei­nem vor zwei Wo­chen er­gan­ge­nen Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) sind die Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) auch bei Kündi­gun­gen zu be­ach­ten. Das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung (§§ 1, 10 AGG) be­deu­tet aber nicht, dass man bei der So­zi­al­aus­wahl nicht sog. Al­ters­grup­pen bil­den dürf­te, um auf die­se Wei­se das Ge­wicht des Le­bens­al­ters bei der So­zi­al­aus­wahl zu be­gren­zen. Ei­ne sol­che Min­de­rung der Be­deu­tung des Al­ters bei der So­zi­al­aus­wahl ist kei­ne ver­bo­te­ne Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Ar­beit­neh­mer: BAG, Ur­teil vom 06.11.2008, 2 AZR 701/07.

08/115 Verschmelzen Zeitarbeitsunternehmen, erlischt die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung.

05.11.2008. Die Er­laub­nis zur ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­merüber­las­sung er­lischt, wenn sich ein Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men im We­ge der ge­sell­schafts­recht­li­chen Ver­schmel­zung mit ei­ner an­de­ren Ge­sell­schaft ver­bin­det. Ei­ne Über­g­angs­frist ist da­bei nicht zu gewähren. Da­her muss rech­tei­tig vor der Ein­tra­gung der Ver­schmel­zung ein neu­er An­rag ge­stellt wer­den. Lan­des­ar­beis­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2008, 17 Sa 153/08.

08/114 Berufung des Arbeitgebers auf rechtswidrig erlangte Erkenntnisse im Arbeitsgerichtsprozess

04.11.2008. Manch­mal wer­den Diebstähle nur auf­ge­deckt, in­dem der Ar­beit­ge­ber sei­ne Ar­beit­neh­mer mit Vi­deo­ka­me­ras über­wacht, oh­ne zu­vor dar­auf gemäß § 6b Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG) hin­ge­wie­sen zu ha­ben. Kündigt er dann frist­los, kann er sei­ne Er­kennt­nis­se, die er durch die ver­bo­te­ne Vi­deoüber­wa­chung er­langt hat, nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Sach­sen-An­halt im Kündi­gungs­schutz­pro­zess vor­tra­gen. Erst wenn die­ser Vor­trag be­strit­ten wird, kann die Rechts­wid­rig­keit der Vi­deoüber­wa­chung zu ei­nem Ver­bot der Ver­wen­dung der Vi­de­obänder als Be­weis­mit­tel führen ("Be­weis­ver­wer­tungs­ver­bot"): LAG Sach­sen-An­halt, Ur­teil vom 15.04.2008, 11 Sa 522/07.

08/113 Unwirksamkeit von Vertragsklauseln, die Überstunden mit dem Lohn pauschal abgelten

31.10.2008. Mit ei­ner ein­sei­tig aus­ge­ar­bei­te­ten und dem Ar­beit­neh­mer vor­ge­ge­be­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Klau­sel kann der Ar­beit­ge­ber nicht die ge­son­der­te Be­zah­lung von Über­stun­den all­ge­mein aus­sch­ließen. Ei­ne sol­che for­mu­lar­ar­beits­ver­trag­li­che Über­stun­den­klau­sel ist un­wirk­sam ist. Sie verstößt nach An­sicht des Ge­richts ge­gen das in § 307 Abs.1 Satz 2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ent­hal­te­ne Trans­pa­renz­ge­bot: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 11.07.2008, 9 Sa 1958/07.

08/112 AiP-Zeiten als Vorzeiten ärztlicher Tätigkeit gemäß dem TV-Ärzte

30.10.2008. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung die Mei­nung ver­tre­ten, dass Zei­ten als Arzt im Prak­ti­kum (AiP) als Vor­zei­ten ärzt­li­cher Tätig­keit im Sin­ne des TV-Ärz­te an­zu­er­ken­nen sind. Da­mit setzt sich das LAG al­ler­dings in Wi­der­spruch zu den Ent­schei­dun­gen ei­ni­ger an­de­rer Lan­des­ar­beits­ge­rich­te: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.08.2008, 9 Sa 114/08.

08/111 Schadensersatz bei rechtswidriger Verweigerung von Arbeitszeitverlängerung

29.10.2008. Teil­zeit­kräfte ha­ben ei­nen An­spruch dar­auf, bei der Be­set­zung frei­er Voll­zeit­stel­len ge­genüber an­de­ren Stel­len­be­wer­bern be­vor­zugt zu wer­den, falls sie eben­so gut ge­eig­net sind wie die an­de­ren Stel­len­be­wer­ber (§ 9 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG). Ar­beit­ge­ber, die die­sen An­spruch auf Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit rechts­wid­rig ver­wei­gern, ris­kie­ren die Be­las­tung mit Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen. Denn der vom Teil­zeit­ar­beit­neh­mer er­lit­te­ne Ver­dienst­aus­fall ist ein zu er­set­zen­der Scha­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.09.2008, 9 AZR 781/07.

08/110 Keine Altersgrenzen für Einstellung in den Justizvollzugsdienst als Angestellter

27.10.2008. Will der Staat ei­nen Be­wer­ber für ei­ne Ar­beit­neh­mer­po­si­ti­on im Jus­tiz­voll­zugs­dienst un­ter An­wen­dung ei­nes Ein­stel­lungshöchst­al­ters (25 bzw. 27 Jah­re) nicht ein­stel­len, liegt ei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Be­wer­bern we­gen ih­res Al­ters vor. Auf die va­ge Möglich­keit, die ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer später ins Be­am­ten­verhält­nis zu über­neh­men, wo dann be­am­ten­recht­li­che Al­ters­gren­zen für die Ver­be­am­tung ei­ne Rol­le spie­len könn­ten, kann sich der Ar­beit­ge­ber nicht be­ru­fen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 07.08.2008, 11 Sa 284/08.

08/107 Kein Stimmrecht von Betriebsratsmitgliedern in sie persönlich betreffenden Angelegenheiten

22.10.2008. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg hat ent­schie­den, dass sich frei­ge­stell­te Be­triebs­rats­mit­glie­der bei Be­schlüssen des Be­triebs­rats der Stim­me ent­hal­ten müssen, wenn es um die Ein­grup­pie­rung von Ar­beit­neh­mern geht, de­ren Ge­halt als Ver­gleichs­maßstab für die Ge­halts­ent­wick­lung der frei­ge­stell­ten Be­triebs­rats­mit­glie­der dient: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 30.06.2008, 4 TaBV 1/08.

08/105 Keine Überschreitung der 400-Euro-Grenze, wenn ein Minijobber seinen Monatslohn von ca. 350 EUR bereits nach zwei Wochen erarbeitet hat

06.10.2008. Ar­bei­tet ein Mi­ni­job­ber im letz­ten Mo­nat sei­ner Beschäfti­gung nur zwei Wo­chen und wird dann frei­ge­stellt, führt es nicht zur Über­schrei­tung der ge­setz­li­chen 400-Eu­ro-Gren­ze, wenn er während der zwei Wo­chen so viel ar­bei­tet, dass sein Lohn hoch­ge­rech­net auf den Mo­nat mehr als 400,00 EUR brut­to be­tra­gen würde. Denn ent­schei­dend für die Mi­ni­job-Gren­ze ist nur der mo­nat­li­che Lohn und nicht der Um­fang oder die Dau­er der Ar­beits­leis­tung im ab­ge­rech­ne­ten Mo­nat: Ar­beits­ge­richt Mar­burg, Ur­teil vom 25.04.2008, 2 Ca 9/08.

08/104 Hervorhebung der Belastbarkeit im Zeugnis eines Zeitungsredakteurs

02.10.2008. Be­rufs­spe­zi­fi­sche Merk­ma­le der Tätig­keit und der zu er­war­ten­den Leis­tun­gen gehören zwin­gend in ein qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis. Zu die­sen Merk­ma­len kann im Fall ei­ner Zei­tungs­re­dak­teurs auch die Be­last­bar­keit un­ter Stress gehören: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.08.2008, 9 AZR 632/07.

08/103 Verwirkung des Rechts zum Widerspruch gegen die Folgen eines Betriebsübergangs

01.10.2008. Wird der Ar­beit­neh­mer über ei­nen Be­triebsüber­gang nicht kor­rekt in­for­miert, kann er auch noch nach Ab­lauf der ge­setz­li­chen Ein­mo­nats­frist des § 613a Abs.6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Er­wer­ber wi­der­spre­chen. Ob­wohl das Wi­der­spruchs­recht dann un­be­grenzt be­steht, kann es ver­wir­ken, wenn der Ar­beit­neh­mer ein Jahr nach dem Be­triebsüber­gang mit dem Er­wer­ber ei­nen ar­beits­ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ver­ein­bart und ein wei­te­res Jahr da­nach sei­nen Wi­der­spruch erklärt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 08.05.2008, 1 Sa 318/07.

08/102 Umstellung einer kirchlichen Gesamtversorgung auf das Punktemodell des öffentlichen Dienstes

29.09.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil die Ablösung der für die Ar­beit­neh­mer der ka­tho­li­schen Kir­che und der Ca­ri­tas bis­lang gel­ten­den Ge­samt­ver­sor­gung durch ein Punk­te­mo­dell für zulässig erklärt. Während die Be­triebs­ren­ten bis­lang end­ge­halts­be­zo­gen be­rech­net wur­den und da­her we­gen der übli­chen Ge­halts­stei­ge­run­gen am En­de des Er­werbs­le­bens zu ho­hen Be­triebs­ren­ten führ­ten, gilt künf­tig ein Punk­te­mo­dell, dem zu­fol­ge der Ar­beit­neh­mer im Lau­fe sei­nes Ar­beits­le­bens je nach sei­nem ak­tu­el­len Ver­dienst Bau­stei­ne für ei­ne Be­triebs­ren­te er­wirb­ht. Das neue Punk­te­mo­dell gilt rück­wir­kend ab dem 01.01.2002. Es ist für die Ar­beit­neh­mer we­ni­ger at­trak­tiv, aber recht­lich zulässig: BAG, Ur­teil vom 19.08.2008, 3 AZR 383/06.

08/101 Informationspflichten beim Betriebsübergang: Bezeichnung des Erwerbers als „neue GmbH“ genügt nicht.

26.09.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nen Be­trieb oder Be­triebs­teil im We­ge des Be­triebs(teil)über­gangs auf ei­ne neu zu gründen­de GmbH aus­glie­dern, muss er den­noch die ge­setz­li­chen In­for­ma­ti­ons­rech­te der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wah­ren. Die Mit­tei­lung an die Ar­beit­neh­mer, ih­re Ar­beits­verhält­nis­se würden auf ei­ne "neue GmbH" über­ge­hen, genügt nicht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.08.2008, 8 AZR 407/07.

08/100 Abschied vom Annahmeverzugslohn?

24.09.2008. Nimmt der Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­leis­tung ent­ge­gen, ob­wohl er müss­te, hat der Ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf An­nah­me­ver­zugs­lohn. Das kommt vor al­lem nach un­wirk­sa­men Kündi­gun­gen vor. Der An­spruch auf An­nah­me­ver­zugs­lohn setzt aber Leis­tungs­be­reit­schaft auf sei­ten des Ar­beit­neh­mers vor­aus, und zwar auch dann, wenn es um ei­ne Schon­ar­beit geht, die der Ar­beit­ge­ber vor dem Hin­ter­grund ei­ner länge­rer Krank­heit hätte an­bie­ten müssen. An­nah­me­ver­zugs­lohn ist nicht zu zah­len, wenn die Schon­ar­beit un­ter­blie­ben ist, weil der Ar­beit­neh­mer von ihr nichts wis­sen will: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 27.08.2008, 5 AZR 16/08.

08/094 Kein formularvertraglicher Ausschluss des Annahmeverzugslohns für Zeiten des Auftragsmangels

26.08.2008. Der Ar­beit­ge­ber trägt nach dem Ge­setz das Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls we­gen tech­ni­scher oder wirt­schaft­li­cher Be­triebsstörun­gen. Da­zu gehört auch der Auf­trags­man­gel. In sol­chen Fällen muss der Ar­beit­ge­ber auch dann den Lohn be­zah­len, wenn kei­ne Ar­beit zu ver­rich­ten ist. Die­ses Ri­si­ko kann er nicht "im Klein­ge­druck­ten" auf den Ar­beit­neh­mer abwälzen, wenn die Ar­beits­pflicht auch in um­satz­schwa­chen Zei­ten nach dem Ver­trag fort­be­steht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.07.2008, 5 AZR 810/07.

08/093 Bundesarbeitsgericht beschränkt Freiwilligkeitsvorbehalte bei Sonderzahlungen

25.08.2008. Be­zeich­net der Ar­beit­ge­ber in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) ei­ne Leis­tung als "frei­wil­lig und je­der­zeit wi­der­ruf­lich", ist die­se Klau­sel nicht klar und verständ­lich und da­her un­wirk­sam. Ein Wi­der­rufs­vor­be­halt und ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt schließen sich ge­gen­sei­tig aus. Der Spiel­raum für Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­te wird da­mit zu­neh­mend en­ger: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 30.07.2008, 10 AZR 606/07.

08/092 Regelungen zum Schutz von Hinweisgebern ("Whistleblower") unterliegen der Mitbestimmung.

22.08.2008. Ethik­richt­li­ni­en sind auf dem Vor­marsch. Im­mer mehr Un­ter­neh­mer ent­wer­fen um­fang­rei­che Ver­hal­tens­richt­li­ni­en, die Ar­beit­neh­mern un­ter an­de­rem vor­schrei­ben, den Ar­beit­ge­ber über das Fehl­ver­hal­ten an­de­rer Mit­ar­bei­ter zu in­for­mie­ren. Sol­che Vor­ga­ben zum "Ver­pfei­fen" bzw. "Whist­leb­lo­wing" be­tref­fen das Ord­nungs­ver­hal­ten. Da­her hat der Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht. Sol­che Re­ge­lun­gen, die der Mit­be­stim­mung un­ter­lie­gen, ma­chen um­fang­rei­che Ethik-Richt­li­ni­en aber nicht ins­ge­samt mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Die Fra­ge nach der Mit­be­stim­mungs­pflicht ist für je­de Re­ge­lung ge­trennt zu be­ur­tei­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 22.07.2008, 1 ABR 40/07.

08/091 Keine Vertragspflicht zum Führen von Vertragsverhandlungen

21.08.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ein Per­so­nal­gespräch zum Zwe­cke ei­ner Ände­rung des Ar­beits­ver­trags führen, be­stellt er ihn ein und ist ver­schnupft, wenn der Ar­beit­neh­mer mit ihm ver­han­deln will. Da­her liegt es na­he, den Ar­beit­neh­mer "of­fi­zi­ell", d.h. per Ar­beits­an­wei­sung, zu ei­nem sol­chen Gespräch ein­zu­be­stel­len. Ei­ne sol­che An­wei­sung ist aber nicht vom Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers ge­deckt, denn der Ar­beit­neh­mer hat kei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht, Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit dem Ar­beit­ge­ber zu führen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 03.06.2008, 3 Sa 1041/07.

08/089 Kündigung: Keine Kündigung eines Busfahrers wegen des Entzugs einer „betrieblichen Fahrerlaubnis“

05.08.2008. Ei­ne vom Ar­beit­ge­ber er­teil­te "be­trieb­li­che Fahr­er­laub­nis" ist kei­ne recht­lich not­wen­di­ge Be­din­gung für den Ein­satz ei­nes an­ge­stell­ten Bus­fah­rers bei der Per­so­nen­beförde­rung. Ihr Ent­zug durch ei­nen Be­triebs­lei­ter recht­fer­tigt we­der ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung noch ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung ei­nes Bus­fah­rers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 05.06.2008, 2 AZR 984/06.

08/088 Männliche Erzieher im Mädcheninternat?

01.08.2008. In Stel­len­aus­schrei­bun­gen darf nicht ge­zielt nach Männern oder Frau­en ge­sucht wer­den, denn das wäre ei­ne ver­bo­te­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung. An­ders ist es aber dann, wenn es ei­nen trif­ti­gen Sach­grund dafür gibt, nur Männer oder nur Frau­en für ei­ne be­stimm­te Ar­beit ein­stel­len zu wol­len. Das kann z.B. der Fall sein, wenn ei­ne Frau als be­treu­en­de Pädago­gin für ein Mädchen­in­ter­nat ge­sucht wird: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.03.2008, 2 Sa 51/08.

08/087 Fälligkeit des Abfindungsanspruchs aus gerichtlichem Vergleich

31.07.2008. Wird in ei­nem ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ei­ne Ab­fin­dung ver­spro­chen und ist das Ar­beits­verhält­nis bei Ver­gleichs­ab­schluss schon be­en­det, wird der Ab­fin­dungs­an­spruch so­fort fällig und nicht et­wa erst beim nächs­ten re­gulären Lohn­lauf: Ar­beits­ge­richt Frei­burg, Ur­teil vom 04.07.2008, 3 Ca 263/08.

08/082: Überraschende Probezeitbefristungsklausel

24.07.2008. Mit Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 132/07 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass die Kom­bi­na­ti­on ei­ner zwölf­mo­na­ti­gen Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags mit ei­ner sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit­be­fris­tung un­wirk­sam ist, wenn sie in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers "ver­steckt" wird. Die­ses Ur­teil hat­ten wir im Mai auf der Grund­la­ge ei­ner Pres­se­mel­dung des BAG vom 16.04.2008 für Sie kom­men­tiert (Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/52: Dop­pel­be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges). Die zwi­schen­zeit­lich veröffent­lich­ten Ur­teils­gründe ma­chen deut­lich, dass Ar­beit­neh­mer­anwälte bei ei­ner Ent­fris­tungs­kla­ge in der­ar­ti­gen Fällen sorgfältig ar­bei­ten müssen.

08/081 Führungsämter auf Zeit sind verfassungswidrig.

23.07.2008. Karls­ru­he setzt der Stärkung des Leis­tungs­prin­zips im Be­am­ten­recht Gren­zen. Die vorüber­ge­hen­de Über­tra­gung von Führungs­auf­ga­ben an Be­am­te ist ein zu schwe­rer Ein­griff in das Le­bens­zeit­prinzp: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Be­schluss vom 28.05.2008, 2 BvL 11/07.

08/080: Kopftuchverbot bei den Cellitinnen zur Heiligen Maria

22.07.2008. Ein ka­tho­li­sche Pfle­ge­ein­rich­tung kann ei­ner mus­li­mi­schen Kran­ken­schwes­ter nicht oh­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen kündi­gen, weil sie dar­auf be­steht, bei der Ar­beit ein is­la­mi­sches Kopf­tuch zu tra­gen: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 06.03.2008, 19 Ca 7222/07.

08/079: Kundenwünsche gehen vor Bestandsschutz

21.07.2008. Ist das Ar­beits­verhält­nis ei­nes Wach­man­nes gemäß Ver­trag von der Be­din­gung abhängig, dass der ein­zi­ge Auf­trag­ge­ber des Ar­beit­ge­bers die für den Wach­mann persönlich er­teil­te Ein­satz­ge­neh­mi­gung nicht wi­der­ruft, so wird das Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch mit dem Wi­der­ruf der Ein­satz­ge­neh­mi­gung be­en­det. Denn dann ist die ver­trags­auflösen­de Be­din­gung ein­ge­tre­ten. Ob der Wi­der­ruf auf ei­nem Fehl­ver­hal­ten des Wach­manns be­ruht oder nicht, spielt für die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kei­ne Rol­le: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.03.2008, 7 AZR 1033/06.

08/078 Sittenwidrig geringe Vergütung bei Textildiscounter

18.07.2008. Ein St­un­den­lohn von 5,20 EUR brut­to für ei­ne An­ge­stell­te im Ein­zel­han­del mit Ver­kaufs­auf­ga­ben ist sit­ten­wid­rig ge­ring und stellt da­her ei­ne un­wirk­sa­me Lohn­ver­ein­ba­rung dar. Er un­ter­schrei­tet nämlich den Ta­rif­lohn in der Ein­zel­han­dels­bran­che - hier: für Nord­rhein-West­fa­len - um mehr als 30 Pro­zent: Ar­beits­ge­richt Dort­mund, Ur­teil vom 28.05.2008, 4 Ca 274/08.

08/077 Tarifliche Auflösung von Arbeitsverhältnissen mit Erreichen des Rentenalters

17.07.2008. Der­zeit ist hef­tig um­strit­ten, ob Ta­rif­verträge und auf sie ver­wei­sen­den Ar­beits­verträge vor­se­hen können, dass Ar­beit­neh­mer mit Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters au­to­ma­tisch ih­ren Job ver­lie­ren, d.h. un­abhängig von ih­rem Wil­len "zwangs­pen­sio­niert" wer­den. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) stel­len sol­che ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen kei­ne ver­bo­te­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar und sind da­her wirk­sam: BAG, Ur­teil vom 18.06.2008, 7 AZR 116/07.

08/076 Keine Beschränkung des gesetzlichen Teilzeitanspruchs durch freiwillige Betriebsvereinbarungen

16.07.2008. Der Ar­beit­ge­ber kann den Wunsch ei­nes Ar­beit­neh­mers nach Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit und auf ei­ne be­stimm­te Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit nicht mit der Be­gründung ab­leh­nen, dass der Wunsch des Ar­beit­neh­mers nicht den in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Teil­zeit­mo­del­len ent­spricht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.06.2008, 9 AZR 313/07.

08/075 Bindung des Arbeitnehmers an die gewünschte Arbeitszeitverteilung

15.07.2008. Ver­langt der Ar­beit­neh­mer zu­sam­men mit dem Wunsch nach ei­ner Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit auch ei­ne be­stimm­te Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit auf die Ta­ge der Ar­beits­wo­che, muss er sich an die­sem Ver­tei­lungs­wunsch später fest­hal­ten las­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.06.2008, 9 AZR 514/07.

08/073 Fortsetzung der Zwangsvollstreckung bei fehlender Lohnabrechnung

11.07.2008. Nach ei­nem ak­tu­el­len Be­schluss des Amts­ge­richts Saarbrücken kann der Ar­beit­neh­mer, der ei­nen auf Zah­lung ei­ner Brut­to­sum­me lau­ten­den Ti­tel (Ur­teil, Ver­gleich) erstrit­ten hat, bei Teil­zah­lun­gen den nicht aus­be­zahl­ten Rest der ti­tu­lier­ten Brut­to­for­de­rung durch (wei­te­re) Maßnah­men der Zwangs­voll­stre­ckung bei­trei­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber kei­ne nach­voll­zieh­ba­re Ab­rech­nung über den ti­tu­lier­ten Be­trag über­reicht, aus der der Ar­beit­neh­mer ent­neh­men kann, dass die an ihn ge­flos­se­ne Net­to­zah­lung recht­lich und rech­ne­risch rich­tig ist: Amts­ge­richt Saarbrücken, Be­schluss vom 01.07.2008, 108 M 4/08 I.

08/070 Überforderungsschutz bei Altersteilzeit und Gleichbehandlung

07.07.2008. Mit­te April 2008 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass der ge­setz­li­che Über­for­de­rungs­schut­zes den Ar­beit­ge­ber zwar zu ei­ner Ein­schränkung sei­ner bis­he­ri­gen Be­wil­li­gungs­pra­xis be­reich­tigt, nicht aber zu ei­nem "willkürli­chen" Stopp wei­te­rer Al­ters­teil­zeit­ver­ein­ba­run­gen. Die­ses Ur­teil hat­ten wir im Mai auf der Grund­la­ge ei­ner Pres­se­mel­dung des BAG vom 15.04.2008 für Sie kom­men­tiert (Ar­beits­recht ak­tu­ell: 08/050 Schutz des Ar­beit­ge­bers vor fi­nan­zi­el­ler Über­for­de­rung durch Al­ters­teil­zeit con­tra Gleich­be­hand­lung). Die am 02.07.2008 be­kannt ge­wor­de­nen Ur­teils­gründe be­to­nen die Pflicht zur recht­zei­ti­gen In­for­ma­ti­on der Ar­beit­neh­mer über ei­ne Sich­tags­re­ge­lung: BAG, Ur­teil vom 15.04.2008, 9 AZR 111/07.

08/068 Fiktive Berechnung des Arbeitslosengeldes nach Elternzeit

02.07.2008. Wenn Ar­beit­neh­mer nach Be­en­di­gung ei­ner El­tern­zeit ar­beits­los wer­den und da­her zu die­sem Zeit­punk in­ner­halb der letz­ten zwei Jah­re nicht min­des­tens 150 Ta­ge ge­ar­bei­tet und ein Ar­beits­ein­kom­men er­zielt ha­ben, wird bei der Be­rech­nung des Ar­beits­lo­sen­gel­des ein fik­ti­ves Ge­halt zu­grun­de ge­legt (§ 152 Abs.1 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch – Ar­beitsförde­rung – (SGB III)). Das führt oft zu ei­ner fi­nan­zi­el­len Schlech­ter­stel­lung im Ver­gleich zum "nor­ma­len" Ar­beits­lo­sen­geld auf Ba­sis des vor der El­tern­zeit er­ziel­ten Ein­kom­mens. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) die­se Ge­set­zes­la­ge für ver­fas­sungs­gemäß erklärt: BSG, Ur­teil vom 30.05.2008, B 11a AL 23/07R.

08/067 Sachgrundlose Anschlussbefristung nach befristetem Probearbeitsverhältnis

01.07.2008. Ar­beits­verhält­nis­se dürfen bei Neu­ein­stel­lun­gen bis zu höchs­tens zwei Jah­ren oh­ne Sach­grund be­fris­te­tet wer­den. Aber auch bei Neu­ein­stel­lun­gen ist es nicht ver­bo­ten, ei­ne Be­fris­tung auf ei­nen sach­li­chen Grund gemäß § 14 Abs.1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) zu stützen, z.B. auf die Er­pro­bung des Ar­beit­neh­mers. Mit ei­ner sol­chen Vor­ge­hens­wei­se hat man sich aber nicht auf die Sach­grund­be­fris­tung fest­ge­legt. Viel­mehr kann man nach ei­ner Sach­grund­be­fris­tung wie­der um­schwen­ken auf ei­ne sach­grund­lo­se Ab­schluss­be­fris­tung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 19.03.2008, 4 Sa 673/07.

08/066 Abmahnung wegen Tragens einer „islamischen Baskenmütze“:

30.06.2008. Seit Au­gust 2006 gilt in Nord­rhein-West­fa­len ein ge­setz­li­ches Neu­tra­litäts­ge­bot für Leh­rer (§ 57 Abs.4 Satz 1 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len). Die­sem Ge­bot zu­fol­ge dürfen Leh­rer in der Schu­le kei­ne re­li­giösen Be­kun­dun­gen ab­ge­ben, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber den Schülern und El­tern zu gefähr­den oder zu stören. Un­ter Be­ru­fung auf die­se Ge­set­zes­la­ge hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf die Ab­mah­nung ei­ner mus­li­mi­schen Schul­mit­ar­bei­te­rin we­gen be­harr­li­chen Tra­gens ei­ner "mus­li­mi­schen Bas­kenmütze" für rechtmäßig erklärt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 10.04.2008, 5 Sa 1836/07.

08/065 Tätigkeit als Arzt im Praktikum ist keine „Vorzeit ärztlicher Tätigkeit“ im Sinne des TV-Ärzte.

27.06.2008. Gemäß § 16 Abs.2 Satz 2 des Ta­rif­ver­trags für Ärz­tin­nen und Ärz­te an Uni­ver­sitätskli­ni­ken (TV-Ärz­te) können Zei­ten als "Arzt im Prak­ti­kum (AiP)" vom Ar­beit­ge­ber als als Zei­ten der Be­rufs­er­fah­rung aus nichtärzt­li­cher Tätig­keit bei der Stu­fen­fin­dung berück­sich­tigt wer­den. Ei­ne sol­che Be­wer­tung von AiP-Zei­ten führt zu ei­ner höhe­ren Dienst­al­ters­stu­fe und da­mit zu ei­nem höhe­ren Ge­halt des ta­rif­lich vergüte­ten Kran­ken­haus­arz­tes. Frag­lich ist, ob dem Uni­ver­sitätskli­ni­kum bei die­ser Fra­ge ein Er­mes­sen zu­steht, so dass es sich auch für ei­ne Nicht-An­rech­nung ent­schei­den kann. Nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düssel­dorf kann das Kli­ni­kum so ver­fah­ren: LAG Düssel­dorf , Ur­teil vom 16.04.2008, 12 Sa 2237/07.

08/064 Kein Verfall von Resturlaubsansprüchen bei Anschluss-Elternzeit

26.06.2008. Hat ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ih­ren Ur­laub vor dem Be­ginn ei­ner El­tern­zeit nicht oder nicht vollständig er­hal­ten, ist der Rest­ur­laub gemäß § 17 Abs.2 Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz (BEEG) nach der El­tern­zeit im lau­fen­den oder im nächs­ten Ur­laubs­jahr zu gewähren. Nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ver­fiel der Rest­ur­laub al­ler­dings, wenn er nach dem En­de der ers­ten El­tern­zeit we­gen ei­ner sich naht­los an­sch­ließen­den wei­te­ren El­tern­zeit nicht ge­nom­men wer­den konn­te. Die­se Recht­spre­chung hat das BAG in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung auf­ge­ge­ben. Dem­nach kann der Rest­ur­laub jetzt auch noch nach ei­ner wei­te­ren El­tern­zeit ge­nom­men wer­den: BAG, Ur­teil vom 20.05.2008, 9 AZR 219/07.

08/063 Doppelte Schriftformklausel fällt bei AGB-Kontrolle durch

25.06.2008. Vor­for­mu­lier­te Ar­beits­verträge ent­hal­ten oft ei­ne Klau­sel, der zu­fol­ge Ver­tragsände­run­gen nur wirk­sam sind, wenn sie schrift­lich fest­ge­hal­ten wer­den. Sol­che Schrift­form­klau­seln können auch dop­pelt genäht wer­den und heißen dann "dop­pel­te" bzw. „qua­li­fi­zier­te“ Schrift­form­klau­seln. Sie be­sa­gen, dass nicht nur Ver­tragsände­run­gen, son­dern auch ein Ver­zicht auf die Ein­hal­tung der Schrift­form nur wirk­sam ist, wenn er schrift­lich ver­ein­bart wird. Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) ha­ben sol­che Klau­seln kei­nen recht­li­chen Be­stand: BAG, Ur­teil vom 20.05.2008, 9 AZR 382/07.

08/062 Funktionsnachfolge oder Betriebsübergang?

24.06.2008. Die ein­zel­ver­trag­li­che Über­nah­me sämt­li­cher Rei­ni­gungs­kräfte ei­nes Kran­ken­hau­ses durch ei­ne kran­ken­haus­ei­ge­ne Ser­vice-GmbH ist als Be­triebs­teilüber­gang zu be­wer­ten, wenn die über­nom­me­nen Kräfte nach ih­rer Über­nah­me in die Ser­vice-GmbH von die­ser an den Kran­ken­haus­träger zurück­ver­lie­hen wer­den und wenn die­se Ar­beit­neh­merüber­las­sung der ein­zi­ge Zweck der Ser­vice-GmbH ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.05.2008, 8 AZR 481/07.

08/056 Sozialversicherungspflicht: Bauleiter einer Ein-Personen-Limited ist i.d.R. kein Arbeitnehmer

28.05.2008. Der Ge­sell­schaf­ter-Geschäftsführer ei­ner Ein-Per­so­nen-Li­mi­ted (Ltd.) ar­bei­tet nicht wei­sungs­abhängig und un­ter­liegt da­her nicht der So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht, wenn er in Ausführung ei­nes von sei­ner Ltd. aus­zuführen­den Auf­trags im Be­trieb des Kun­den der Ltd. tätig wird und da­bei nicht nur den Ein­satz von Pro­duk­ti­ons­mit­teln und Mit­ar­bei­tern über­wacht, son­dern auch die Kal­ku­la­ti­on über­nimmt, Bau­vor­ha­ben ei­genständig ab­ge­wi­ckelt so­wie Ab­nah­men und Ab­rech­nun­gen der Wer­ke vor­nimmt: Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Ur­teil vom 21.04.2008, L 1 KR 153/04.

08/055 Tarifwechsel bei Betriebsübergang

27.05.2008. Der Be­trei­ber ei­ner Kran­ken­hausküche, der Ar­beit­neh­mer ei­nes zu­vor an den Gebäuderei­ni­ger-Ta­rif ge­bun­de­nen Be­triebs­veräußerers im We­ge des Be­triebs­teilüber­gangs gemäß § 613a BGB über­nimmt, fällt nicht un­ter den (all­ge­mein­ver­bind­li­chen) Ta­rif des Ho­tel- und Gaststätten­ge­wer­bes. Da­her muss der Er­wer­ber wei­ter­hin den (teu­re­ren) Gebäuderei­ni­ger-Ta­rif an­wen­den und kann ihn nicht durch die bil­li­ge­ren Ta­rif­be­stim­mun­gen des Ho­tel- und Gaststätten­ge­wer­bes er­set­zen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.04.2008, 4 AZR 164/07.

08/053 Gegenzeichnung eines befristeten Arbeitsvertrages erst nach Arbeitsaufnahme

23.05.2008. Die bloße Ar­beits­auf­nah­me vor Ge­gen­zeich­nung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags durch den Ar­beit­neh­mer führt nicht zur wirk­sa­men Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges durch schlüssi­ges Ver­hal­ten, wenn der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer schon vor Ar­beits­an­tritt ei­nen vor­un­ter­zeich­ne­ten Ver­trags­ent­wurf mit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de vor­ge­legt hat: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 1048/06.

08/052 Doppelbefristung eines Arbeitsvertrages während der Probezeit

22.05.2008. Wird in ei­nem vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Mus­ter­ar­beits­ver­trag ei­ne Klau­sel, der zu­fol­ge das Ar­beits­verhält­nis auf ein Jahr be­fris­tet sein soll, durch Fett­druck her­vor­ge­ho­ben, so muss der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner zusätz­li­chen, druck­tech­nisch nicht her­vor­ge­ho­be­nen Pro­be­be­zeit­fris­tung für sechs Mo­na­te nicht rech­nen, so dass die­se Pro­be­be­zeit­fris­tung un­wirk­sam ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.04.2008, 7 AZR 132/07.

08/051 Keine Verpflichtung zur Staffelung von Kündigungsfristen in Tarifverträgen

21.05.2008. Nach § 622 Abs.2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) sind die vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­den Kündi­gungs­fris­ten um so länger, je länger das Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat. Von die­ser ge­setz­li­chen Staf­fe­lung der Kündi­gungs­fris­ten je nach der Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses können die Ta­rif­par­tei­en auf­grund ei­ner ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gung aber in ei­nem Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen. Die­se Ab­wei­chungs­be­fug­nis geht so weit, dass ta­rif­ver­trag­li­che Kündi­gungs­fris­ten auf die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses gar kei­ne Rück­sicht neh­men müssen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.04.2008, 2 AZR 21/07.

08/050 Schutz des Arbeitgebers vor finanzieller Überforderung durch Altersteilzeit contra Gleichbehandlung

20.05.2008. Wenn über fünf Pro­zent der Ar­beit­neh­mer des Be­triebs Al­ters­teil­zeit in An­spruch neh­men wol­len, kann sich der Ar­beit­ge­ber auf die Ge­fahr ei­ner Über­for­de­rung be­ru­fen und wei­te­re Al­ters­teil­zeit­verträge ab­leh­nen. Will er da­her von sei­ner bis­he­ri­gen Be­wil­li­gungs­pra­xis abrücken, muss er al­ler­dings den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ach­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.04.2008, 9 AZR 111/07.

08/049 Beweislastverteilung bei geschlechtsspezifischer Diskriminierung

16.05.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat im Ber­li­ner SO­NY-Fall über die Be­weis­last­ver­tei­lung bei ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­run­gen zu­guns­ten der nicht beförder­ten schwan­ge­ren Ma­na­ge­rin ent­schie­den. Da­bei hat das BAG klar­ge­stellt, dass es die von der Ma­na­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen In­di­ztat­sa­chen für ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung eher großzügig, d.h. im Sin­ne der Be­trof­fe­nen be­wer­tet se­hen will: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.04.2008, 8 AZR 257/07.

08/045 Ist der „Praktikant“ ein Arbeitnehmer, kann er einen entsprechenden Lohn verlangen.

25.04.2008. Wird ein „Prak­ti­kant“ aus­ge­bil­det und zu­gleich zu re­gulären Tätig­kei­ten her­an­ge­zo­gen, liegt ein Prak­ti­kum nur vor, wenn Aus­bil­dung und Ler­nen deut­lich im Vor­der­grund ste­hen. Legt der "Prak­ti­kums­ver­trag" dem­ge­genüber gewöhn­li­che Ar­beits­pflich­ten fest, muss der Ar­beit­ge­ber nach­wei­sen, dass die Aus­bil­dung ent­ge­gen dem ers­ten An­schein über­wiegt. Ge­lingt der Nach­weis nicht, ist die ver­ein­bar­te Vergütung in der Re­gel viel zu ge­ring und da­her "sit­ten­wid­rig", da der Schein-Prak­ti­kant in Wahr­heit Ar­beit­neh­mer ist und den übli­chen Ar­beits­lohn ver­lan­gen kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 08.02.2008, 5 Sa 45/07.

08/044 Angemessene Vergütung auch für Auszubildende im Krankenpflegebereich

24.04.2008. Ein­rich­tun­gen der Kran­ken­pfle­ge müssen ih­ren Aus­zu­bil­den­den ei­ne „an­ge­mes­se­ne Vergütung“ gewähren (§ 12 Abs. 1 Kran­ken­pfle­ge­ge­setz - KrPflG). Da­bei gel­ten die Grundsätze, nach de­nen auch sonst die An­ge­mes­sen­heit ei­ner Aus­bil­dungs­vergütung be­ur­teilt wird, d.h. es gel­ten die­sel­ben Grundsätze wie bei der An­wen­dung vo § 17 Abs.1 Be­rufs­bil­dungs­ge­setz (BBiG) . Un­ter­schrei­tet die Aus­bil­dungs­vergütung das Ta­rif­ni­veau um mehr als 20 Pro­zent, ist sie in der Re­gel un­an­ge­mes­sen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.02.2008, 9 AZR 1091/06.

08/043 Anhörung „light“ genügt bei Vorkenntnissen des Arbeitnehmers für Verdachtskündigung.

23.04.2008. Oh­ne vor­he­ri­ge Anhörung zu den Ver­dachts­mo­men­ten, auf die ei­ne Ver­dachtskündi­gung gestützt wer­den soll, ist ei­ne sol­che Kündi­gung un­wirk­sam. Da­her muss der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner sol­chen Anhörung die Kar­ten auf den Tisch le­gen. Al­ler­dings muss er da­bei nicht un­be­dingt die ihm be­kann­ten In­hal­te ei­ner Er­mitt­lungs­ak­te der Staats­an­walt­schaft of­fen­le­gen, d.h. er muss dem Ar­beit­neh­mer nicht den ge­nau­en Sach­stand ei­ner sol­chen Er­mitt­lungs­ak­te mit­tei­len, wenn der Ar­beit­neh­mer die von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft er­ho­be­nen Vorwürfe schon aus ei­ner an­de­ren Quel­le kennt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2008, 2 AZR 961/06.

08/042 Zulässige Fremdvergabe oder unzulässige Austauschkündigung?

22.04.2008. Können Ar­beit­ge­ber auf die Kon­trol­le von Zeit und Ort der Ar­beits­leis­tung ver­zich­ten und auch da­mit le­ben, dass ih­re Mit­ar­bei­ter nicht in Per­son ar­bei­ten müssen, son­dern Er­satz­kräfte stel­len dürfen, können sie oh­ne großes ar­beits­recht­li­ches Ri­si­ko ih­ren Ar­beit­neh­mern be­triebs­be­dingt kündi­gen und ih­nen zu­gleich die Fort­set­zung der bis­he­ri­gen Tätig­keit auf ei­ner geänder­ten Ba­sis als freie Mit­ar­bei­ter als Ein­mann-Un­ter­neh­mer vor­schla­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2008, 2 AZR 1037/06.

08/041 Prozessstandschaft für die Bundesagentur

21.04.2008. Oft springt die Ar­beits­agen­tur während ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses mit dem Ar­beits­lo­sen­geld für den ei­gent­lich lohn­zah­lungs­pflich­ti­gen Ar­beit­ge­ber ein, weil sich die­ser auf ei­ne un­wirk­sa­me Kündi­gung be­ruft oder Kündi­gungs­fris­ten zu Un­recht verkürzt hat. Dann wird die Ar­beits­agen­tur kraft Ge­set­zes In­ha­be­rin der Lohn­ansprüche, für die sie Ar­beits­lo­sen­geld im We­ge der "Gleich­wohl­gewährung" ge­leis­tet hat. Ge­lingt es der Ar­beits­agen­tur später, den Ar­beit­ge­ber zur Zah­lung die­ser Lohn­ansprüche bzw. zur Er­stat­tung des gleich­wohl­gewähr­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des zu be­we­gen, verlängert sich die Dau­er des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs. Hier kann der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer nach ei­ner Grund­satz­ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) der Agen­tur hel­fen, in­dem er den auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ge­gan­ge­nen Teil der Lohn­ansprüche im ei­ge­nen Na­men für die Bun­des­agen­tur ein­klagt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.03.2008, 5 AZR 432/07.

08/037 Kein Widerspruchsrecht bei Erlöschen des bisherigen Arbeitgebers

31.03.2008. Manch­mal ist die Über­lei­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen auf ei­nen neu­en Be­triebs­in­ha­ber mit dem recht­li­chen Erlöschen des al­ten Be­triebs­in­ha­bers ver­bun­den, so z.B. dann, wenn ei­ner von zwei Ge­sell­schaf­tern ei­ner Per­so­nen­ge­sell­schaft aus der Ge­sell­schaft aus­schei­det. Dann be­steht kein Recht der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, der Über­lei­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se auf den neu­en Be­triebs­in­ha­ber gemäß § 613a Abs.6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) zu wi­der­spre­chen. Ein gleich­wohl erklärter Wi­der­spruch hat kei­ne Rechts­wir­kun­gen, d.h. er geht ins Lee­re und lässt sich auch nicht in ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung um­deu­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.02.2008, 8 AZR 157/07

08/034 Betriebsrentenversprechen in Form einer Gesamtversorgungszusage bleiben gefährlich

19.03.2008. Ver­spricht ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Be­triebs­ren­te in Form ei­ner Ge­samt­ver­sor­gung, ist er bei ei­ner Störung der Geschäfts­grund­la­ge da­zu be­rech­tigt, ei­ne An­pas­sung der Ver­sor­gungs­re­ge­lun­gen zu sei­nen Guns­ten zu ver­lan­gen, wenn sei­ne fi­nan­zi­el­len Be­las­tun­gen in ex­tre­mer Wei­se aus dem Ru­der ge­lau­fen sind. Das ist nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts aber erst der Fall, wenn die bei der Ver­sor­ungs­zu­sa­ge zu­grun­de ge­leg­ten künf­ti­gen Las­ten des Ar­beit­ge­bers um mehr als 50 Pro­zent über­schrit­ten wer­den. Ge­rin­ge­re Mehr­be­las­tun­gen hat der Ar­beit­ge­ber hin­zu­neh­men: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.02.2008, 3 AZR 743/05.

08/028 Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird.

21.02.2008. Das Dia­ko­ni­sche Werk in Ham­burg schrieb ei­ne zeit­lich be­fris­te­te So­zi­al­ar­bei­ter­stel­le aus, die mit Mit­teln des Eu­ropäischen So­zi­al­fonds und der BRD zum Zwe­cke der be­ruf­li­chen In­te­gra­ti­on von Ein­wan­de­rern fi­nan­ziert wur­de. Die Stel­len­aus­schrei­bung ver­lang­te von den Be­wer­bern die Zu­gehörig­keit zu ei­ner christ­li­chen Kir­che. Ei­ne gebürti­ge Türkin und Mos­le­min be­warb sich um die Stel­le und wur­de ab­ge­lehnt, nach­dem sie den ihr na­he­ge­leg­ten Kir­chen­bei­tritt ver­wei­ger­te. Die dar­auf­hin ein­ge­klag­te Gel­dentschädi­gung we­gen we­gen glau­bens­be­ding­ten Dis­kri­mi­nie­rung (§ 15 Abs.2 AGG) sprach das Ar­beits­ge­richt Ham­burg in Höhe von drei Mo­nats­gehältern zu (Ur­teil vom 04.12.2007, 20 Ca 105/07).

08/027 Mit der fristlosen Kündigung in den Urlaub?

20.02.2008. Nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann der Ar­beit­ge­ber auch dann ("vor­sorg­lich") Rest­ur­laub gewähren, nach­dem er dem Ar­beit­neh­mer frist­los gekündigt hat­te. Soll­te sich dann später vor Ge­richt in ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess her­aus­stel­len, dass die Kündi­gung un­wirk­sam war und dass das Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt be­en­det wurd, ver­min­dert der Ar­beit­ge­ber die Be­las­tung mit dem An­nah­me­ver­zugs­lohn. Denn den müss­te er sonst für die ge­sam­te Zeit der wi­der­recht­li­chen Ent­las­sung zah­len, d.h. zusätz­lich zur Ur­laubs­ab­gel­tung: BAG, Ur­teil vom 14.08.2007, 9 AZR 934/06.

08/026 Aktienoptionen als Arbeitsentgelt – Gleichbehandlung von Betriebsratsmitgliedern

19.02.2008. Ein frei­ge­stell­tes Mit­glied des Be­triebs­rats kann vom Ar­beit­ge­ber die Ver­schaf­fung von Ak­ti­en­op­tio­nen ver­lan­gen, wenn er zum Zwe­cke der lang­fris­ti­gen Ge­halts­si­che­rung ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Gleich­stel­lung mit be­stimm­ten ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern ge­trof­fen hat und wenn die­se Ak­ti­en­op­tio­nen er­hal­ten. Dies gilt auch dann, wenn die Ak­ti­en­op­tio­nen auf­grund ih­rer Gewährung durch die Mut­ter­ge­sell­schaft des Ar­beit­ge­bers als Leis­tun­gen Drit­ter an­zu­se­hen sind. Vor­aus­set­zung für ei­ne Ver­schaf­fungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers ist, dass er die Gewährung von Ak­ti­en­op­tio­nen - als Leis­tun­gen Drit­ter - ver­spro­chen hat. Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2008, 7 AZR 887/06.

08/025 Keine „Verlängerung“ sachgrundlos befristeter Arbeitsverträge bei Vertragsänderung

18.02.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne ständi­ge Recht­spre­chung bestätigt, wo­nach die "Verlänge­rung" ei­nes oh­ne Sach­grund be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nur dann als Verlänge­rung im Sin­ne von § 14 Abs.2 Satz 1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) an­zu­se­hen ist, wenn die Ver­ein­ba­rung ne­ben dem Hin­aus­schie­ben des End­ter­mins kei­ne wei­te­ren Ver­tragsände­run­gen enthält. Wer­den sol­che Ände­run­gen ver­ein­bart, ist die "Verlänge­rung" recht­lich als Ab­schluss ei­nes neu­en be­fris­te­ten Ar­beit­ver­trags an­zu­se­hen. Die­ser ist nur dann wirk­sam be­fris­tet, wenn es dafür ei­nen Sach­grund gibt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 16.01.2008, 7 AZR 603/06.

08/024 Kündigung leistungsschwacher Arbeitnehmer

15.02.2008. Will der Ar­beit­ge­ber ei­nem leis­tungs­schwa­chen Ar­beit­neh­mer ("low per­for­mer") ver­hal­tens­be­dingt kündi­gen, muss er zunächst die Leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers über ei­nen länge­ren Zeit­raum be­ob­ach­ten und in ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren, ob­jek­ti­ven Wei­se mit den Leis­tun­gen an­de­rer Ar­beit­neh­mer ver­glei­chen. Ei­ne deut­lich erhöhte Feh­ler­quo­te beim mas­sen­haf­ten Ver­pa­cken von Ver­sand­wa­re kann ei­ne sol­che Leis­tungs­schwäche be­le­gen. Dann ist es im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren Auf­ga­be des Ar­beit­neh­mers nach­zu­wei­sen, dass die Feh­ler(quo­ten) durch Krank­hei­ten, Über­for­de­rung oder be­trieb­li­che Ur­sa­chen be­dingt sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.01.2008, 2 AZR 536/06.

08/023 Achtung bei Freistellung mit Gehaltsfortzahlungsklausel

14.02.2008. Wird ein gekündig­ter Ar­beit­neh­mer auf­grund ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses "un­ter Fort­zah­lung der Bezüge" von der Ar­beit frei­ge­stellt, kann der Ar­beit­ge­ber die Vergütung un­ter Umständen trotz­dem ver­wei­gern. Denn ei­ne ein­ver­nehm­li­che Frei­stel­lung un­ter Ge­halts­fort­zah­lung lässt nur die Ar­beits­pflicht ent­fal­len und er­wei­tert nicht oh­ne wei­te­res die Zah­lungs­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers. Ist der Ar­beit­neh­mer während der ver­ein­bar­ten Frei­stel­lung länger als sechs Wo­chen krank, be­steht da­her kei­ne Zah­lungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.01.2008, 5 AZR 393/07.

08/022 Kündigung in der Probezeit mit längerer Frist als zwei Wochen?

13.02.2008. Bei ei­ner ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit gemäß § 622 Abs.3 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) gilt ei­ne verkürz­te Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen. Ei­ne sol­che Pro­be­zeit kann nach dem Ge­setz "höchs­tens" sechs Mo­na­te be­tra­gen. Da­her stellt sich die Fra­ge, ob die­se ge­setz­li­che Höchst­frist im­mer "aus­ge­reizt" wer­den kann, vor al­lem dann, wenn das in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) fest­ge­legt ist. Mögli­cher­wei­se darf ei­ne in AGB ent­hal­te­ne Pro­be­zeit bei ein­fa­chen Tätig­kei­ten nicht ganz so lang sein son­dern z.B. nur drei oder vier Mo­na­te be­tra­gen. Sol­chen Über­le­gun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung ei­ne Ab­sa­ge er­teilt: BAG, Ur­teil vom 24.01.2008, 6 AZR 519/07.

08/013 Keine Abfindung gemäß § 1a KSchG bei Rücknahme der Kündigungsschutzklage

22.01.2008. Bie­tet der Ar­beit­ge­ber in ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung un­ter Ver­weis auf § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ei­ne Ab­fin­dung an für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, so be­steht kein Ab­fin­dungs­an­spruch, wenn der Ar­beit­neh­mer zunächst klagt, die Kla­ge dann aber später zurück­nimmt. Die Re­ge­lung des § 269 Abs.3 Satz 1 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO), wo­nach der Rechts­streit bei ei­ner Kla­gerück­nah­me als "nicht anhängig ge­wor­den" an­zu­se­hen ist, hilft dem Ar­beit­neh­mer in die­sem Fall nicht wei­ter: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 971/06.

08/012 Beziffertes Abfindungsangebot bei gleichzeitigem Verweis auf § 1a KSchG

21.01.2008. Be­zif­fert der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ein im Kündi­gungs­schrei­ben un­ter­brei­te­tes Ab­fin­dungs­an­ge­bot, das für den Fall des Un­ter­las­sens ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge gel­ten soll, und ver­weist er zu­gleich auf § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), so ris­kiert er die in­halt­li­che Un­klar­heit sei­nes Ab­fin­dungs­an­ge­bots. Ist das be­zif­fer­te An­ge­bot da­her ge­rin­ger als die Ab­fin­dung, die sich aus § 1a KSchG er­rech­net, kann das An­ge­bot im Sin­ne von § 1a KSchG, d.h. im Sin­ne ei­ner höhe­ren Ab­fin­dung aus­zu­le­gen sein. Un­klar­hei­ten über die Höhe der Ab­fin­dung ge­hen hier zu Las­ten des Ar­beit­ge­bers: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.12.2007, 2 AZR 807/06.

08/009 Top 10 der arbeitsgerichtlichen Entscheidungen 2007

16.01.2008. Im Ar­beits­recht wird ständig über neue Ur­tei­le dis­ku­tiert. Im Jah­resrück­blick zeigt sich, wel­che wirk­lich be­deut­sam wa­ren. Wir ge­ben ei­ne kur­ze Zu­sam­men­fas­sung über die zehn wich­tigs­ten ar­beits­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen des Jah­res 2007.

08/008 Bonuszahlung bei unterlassener Zielvereinbarung

15.01.2008. Ar­beits­verträge ent­hal­ten oft das Pro­gramm für bei­de Ver­trags­par­tei­en, jähr­lich ge­mein­sam neue Zie­le fest­zu­le­gen, die der Ar­beit­ne­mer so­dann er­rei­chen muss, um nach Ab­lauf des Jah­res und nach Aus­wer­tung des Gra­des der Ziel­er­rei­chung ei­ne Ziel­ver­ein­ba­rungs-Prämie zu er­hal­ten. Bis­lang um­strit­ten ist die Fra­ge, wel­che Fol­gen es hat, wenn der Ar­beit­ge­ber ver­trags­wid­rig die Fest­le­gung ei­ner jähr­li­chen Ziel­vor­ga­be ver­wei­gert. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die­se Fra­ge geklärt: BAG, Ur­teil vom 12.12.2007, 10 AZR 97/07.

08/003 Steuerfreiheit von Zukunftssicherungsleistungen des Arbeitgebers auf Grund eines für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages

04.01.2008. Ein­nah­men, die Ar­beit­neh­mer im Rah­men des Ar­beits­verhält­nis­ses vom Ar­beit­ge­ber be­zie­hen, sind im All­ge­mei­nen der Lohn­steu­er zu un­ter­wer­fen. Da­zu gehören nicht nur die mo­nat­li­chen Lohn- bzw. Ge­halts­zah­lun­gen, son­dern auch an­de­re Zu­wen­dun­gen wie z.B. Leis­tun­gen der sog. Zu­kunfts­si­che­rung, al­so ins­be­son­de­re Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen des Ar­beit­ge­bers zu Guns­ten der Ar­beit­neh­mer (vgl. § 2 Abs. 2 Nr. 3 Lohn­steu­er-Durchführungs­ver­ord­nung - LSt­DV). In ei­nem ak­tu­el­len Fall hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass Leis­tun­gen der Zu­kunfts­si­che­rung steu­er­frei sind, wenn sie auf­grund ei­nes all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trags er­bracht wer­den: BFH, Ur­teil vom 13.09.2007, VI R 16/06.

08/001 Arbeitgeber dürfen „Spitzenverdiener“ von der betrieblichen Altersversorgung ausnehmen

02.01.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil den Spiel­raum für die Aus­ge­stal­tung von Be­triebs­ren­ten­sys­te­men er­wei­tert. Vergütun­gen, die weit über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen, ermögli­chen ei­ne Ei­gen­vor­sor­ge und recht­fer­ti­gen den Aus­schluss von ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Ein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung liegt dann nicht vor: BAG, Ur­teil vom 21.08.2007, 3 AZR 269/06.

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