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11/080a Wann liegt beim Be­triebs­teil­über­gang ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit vor?

Mit­ar­bei­ter ei­ner St­absab­tei­lung sind über­ge­hen­den Be­triebs­ab­tei­lun­gen nicht im­mer zu­zu­ord­nen.: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 07.04.2011, 8 AZR 730/09

28.04.2011. Wird ein Be­trieb oder Be­triebs­teil an ei­nen neu­en In­ha­ber ver­kauft oder in an­de­rer Wei­se ver­trag­lich über­tra­gen, tritt der neue In­ha­ber in die Rech­te und Pflich­ten aus den be­ste­hen­den Ar­beits­ver­hält­nis­sen ein.

Die­se ge­setz­li­che Rechts­fol­ge (§ 613a Abs.1 Satz 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) tritt nicht nur dann ein, wenn der ge­sam­te Be­trieb von dem Wech­sel des In­ha­bers be­trof­fen ist, son­dern auch dann, wenn nur ein Be­triebs­teil da­von be­trof­fen ist.

Vor­aus­set­zung ist dann al­ler­dings nach der Recht­spre­chung, dass der über­ge­gan­ge­ne Be­triebs­teil ei­ne ei­gen­stän­di­ge "wirt­schaft­li­che Ein­heit" ist. Au­ßer­dem müs­sen die Ar­beit­neh­mer, die vom Er­wer­ber un­ter Be­ru­fung auf § 613a BGB die Fort­füh­rung ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses ver­lan­gen, die­sem Be­triebs­teil zu­zu­ord­nen sein.

Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sind oft nicht er­füllt, wenn zen­tra­le Un­ter­neh­mens­be­rei­che bei ei­nem Be­triebs­teil­über­gang von dem oder den Er­wer­bern nicht über­nom­men wer­den sol­len. So lag es in ei­nem vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) An­fang des Mo­nats ent­schie­de­nen Fall, der da­her zu Un­guns­ten des kla­gen­den Ar­beit­neh­mers ent­schie­den wur­de: BAG, Ur­teil vom 07.04.2011, 8 AZR 730/09.

Im Streit­fall war der Ar­beit­neh­mer seit 2001 bei ei­ner Was­ser­wer­ke-GmbH be­schäf­tigt, zu­letzt als Ab­tei­lungs­lei­ter im kauf­män­ni­schen Be­reich. Die Was­ser­wer­ke-GmbH war 1996 von zwei kom­mu­na­len Zweck­ver­bän­den ge­grün­det wor­den, näm­lich ei­nem Trink­was­ser­zweck­ver­band und ei­nem Ab­was­ser­zweck­ver­band.

Die Was­ser­wer­ke-GmbH hat­te für die­se bei­den Ge­sell­schaf­ter die Auf­ga­ben der Ver­sor­gung mit Trink­was­ser und der Ab­was­ser­be­sei­ti­gung tech­nisch wie kauf­män­nisch durch­zu­füh­ren. Ent­spre­chend die­sen Auf­ga­ben gab es bei der Was­ser­wer­ke-GmbH ei­ne tech­ni­sche Ab­tei­lung „Trink­was­ser“, ei­ne wei­te­re tech­ni­sche Ab­tei­lung „Ab­was­ser“ und ei­ne kauf­män­ni­sche Ab­tei­lung, die die kauf­män­ni­schen und ver­wal­tungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben für bei­de Ab­tei­lun­gen be­ar­bei­te­te. Da­zu ge­hör­te die Fak­tu­rie­rung der For­de­run­gen, die Rech­nungs­le­gung und das In­kas­so der For­de­run­gen im Na­men der Zweck­ver­bän­de.

Ab 01.01.2007 woll­ten die Zweck­ver­bän­de die Trink­was­ser­ver­sor­gung und Ab­was­ser­be­sei­ti­gung selbst durch­füh­ren. Die da­für er­for­der­li­chen Be­triebs­mit­tel der Was­ser­wer­ke-GmbH wur­den dem­ent­spre­chend auf die Zweck­ver­bän­de über­tra­gen. Au­ßer­dem wur­den fast al­le Tech­ni­ker der Trink­was­ser­ver­sor­gung von dem Trink­was­ser­zweck­ver­band bzw. beim Ab­was­ser­zweck­ver­band auf der Grund­la­ge neu­er Ar­beits­ver­trä­ge über­nom­men. Da­ge­gen wur­den die meis­ten im kauf­män­ni­schen Be­reich der Was­ser­wer­ke-GmbH tä­ti­gen Ar­beit­neh­mer nicht über­nom­men, dar­un­ter der Klä­ger.

Er ar­gu­men­tier­te, er hät­te doch zu 80 Pro­zent Vor­gän­ge aus der Ab­was­ser­be­sei­ti­gung be­ar­bei­tet, und beim Ab­was­ser­zweck­ver­band fie­len die­se Auf­ga­ben auch wei­ter­hin an. Da­her wä­re sein Ar­beits­ver­hält­nis im We­ge des Be­triebs­teil­über­gangs ge­mäß § 613a BGB auf den Ab­was­ser­zweck­ver­band über­ge­gan­gen. Er zog da­her vor das Ar­beits­ge­richt Hal­le und ver­klag­te den Ab­was­ser­zweck­ver­band auf die Fest­stel­lung des Fort­be­ste­hens sei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses. Das Ar­beits­ge­richt wies sei­ne Kla­ge ab (Ur­teil vom 22.01.2008, 4 Ca 712/07), und auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt hat­te er kei­nen Er­folg (Ur­teil vom 09.07.2009, 5 Sa 73/08).

Schließ­lich ent­schied auch das BAG ge­gen den Ar­beit­neh­mer. Zur Be­grün­dung heißt es in der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Pres­se­mit­tei­lung des BAG:

Ei­nen selb­stän­di­gen bzw. über­trag­ba­ren Be­triebs­teil „Kauf­män­ni­sche Ver­wal­tung Ab­was­ser“ gab es bei der Was­ser­wer­ke-GmbH nicht. Die Was­ser­wer­ke-GmbH hat­te viel­mehr nur die tech­ni­schen Ab­tei­lun­gen „Trink­was­ser“ und „Ab­was­ser“ or­ga­ni­sa­to­risch ge­trennt. Da­her hat­ten we­der der be­klag­te Ab­was­ser­zweck­ver­band noch der Trink­was­ser­zweck­ver­band die Ar­beit­neh­mer kraft Ge­set­zes (§ 613a BGB) über­nom­men, die für die­se bei­de Be­rei­che kauf­män­ni­sche Ar­bei­ten er­le­digt hat­ten.

Fa­zit: Das BAG er­ör­tert (lei­der) nicht, un­ter wel­chen Um­stän­den Ar­beit­neh­mer zen­tra­ler Ab­tei­lun­gen den von ih­nen be­treu­ten, vom Er­wer­ber über­nom­me­nen pro­duk­ti­ven Be­triebs­tei­len zu­ge­ord­net wer­den kön­nen bzw. nicht zu­ge­ord­net wer­den kön­nen. Ent­schei­dend für das BAG sind viel­mehr nur klar er­kenn­ba­re äu­ßer­li­che Ge­ge­ben­hei­ten wie das „of­fi­zi­el­le“ Be­ste­hen be­stimm­ter Ab­tei­lun­gen beim Be­triebs­ver­äu­ße­rer, die al­ler­dings leicht ma­ni­pu­lier­bar sind. "Gibt" es sol­che Ab­tei­lun­gen beim Be­triebs­ver­äu­ße­rer nicht, kön­nen sich nicht über­nom­me­ne Ar­beit­neh­mer nur schwer auf ei­nen Be­triebs­teil­über­gang be­ru­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das BAG sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de ver­öf­fent­licht. Das voll­stän­dig be­grün­de­te Ur­teil des BAG fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 21. Mai 2016

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