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Ak­tu­el­les Ar­beits­recht 2011: Ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, Ur­tei­le, Be­schlüs­se

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie ak­tu­el­le Be­wer­tun­gen ar­beits­recht­li­cher Ent­schei­dun­gen deut­scher Ge­rich­te, ins­be­son­de­re des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) und der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te (LAGs), aus dem Jahr 2011.

Nach­rich­ten aus der Ar­beits­welt fin­den Sie un­ter "Ar­beit und So­zia­les", In­for­ma­tio­nen zum eu­ro­päi­schen Ar­beits­recht un­ter "Eu­ro­pa­recht" und Kom­men­ta­re zu ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Ge­set­zes­vor­ha­ben und Ge­set­zes­än­de­run­gen un­ter "Ge­setz­ge­bung".

Bei­trä­ge aus an­de­ren Jah­ren fin­den Sie un­ter Ar­beits­recht 2014, Ar­beits­recht 2013, Ar­beits­recht 2012, Ar­beits­recht 2010, Ar­beits­recht 2009, Ar­beits­recht 2008, Ar­beits­recht 2007, Ar­beits­recht 2006, Ar­beits­recht 2005, Ar­beits­recht 2004, Ar­beits­recht 2003, Ar­beits­recht 2002 und un­ter Ar­beits­recht 2001.

11/253 Krankheit: Attest für den ersten Krankheitstag

19.12.2011. Ar­beit­neh­mer sind nach dem Ge­setz nur dann zur Vor­la­ge ei­nes ärzt­li­chen At­tes­tes ver­pflich­tet, wenn ei­ne Krank­heit länger als drei Ka­len­der­ta­ge dau­ert. Der Ar­beit­ge­ber kann aber die Vor­la­ge ei­nes At­tes­tes gemäß § 5 Abs.1 Satz 3 EFZG auch schon früher ver­lan­gen. Aber darf er das auch oh­ne sach­li­che Be­gründung im Ein­zel­fall, d.h. "ein­fach so"? Ja, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln: LAG Köln, Ur­teil vom 14.09.2011, 3 Sa 597/11.

11/251 Stuttgart: Kündigung eines Daimler-Betriebsrats unzulässig

16.12.2011. Das Ar­beits­ge­richt Stutt­gart hat vor zwei Ta­gen sein OK zu ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ei­nes Daim­ler-Be­triebs­rats ver­wei­gert. Denn die Kündi­gung wäre auf der Grund­la­ge der von der Daim­ler AG er­ho­be­nen Vorwürfe des Ar­beits­zeit­be­trugs un­verhält­nismäßig: Ar­beits­ge­richt Stutt­gart, Be­schluss vom 14.12.2011, 31 BV 248/11.

11/250 Überstunden: Bezahlung nicht immer erforderlich - Berliner Anwalt scheitert vor dem BAG

15.12.2011. Wer "Diens­te höhe­rer Art" leis­tet, hat nicht im­mer ei­nen An­spruch auf ge­son­der­te Be­zah­lung sei­ner Über­stun­den. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in dem Fall ei­nes Ber­li­ner Rechts­an­walts mit ei­nem Jah­res­ge­halt von 88.000,00 EUR ent­schie­den: BAG, Ur­teil vom 17.08.2011, 5 AZR 406/10.

11/249 Mitbestimmung bei Streikbrucharbeit?

14.12.2011. Der Be­triebs­rat ei­nes nicht be­streik­ten Be­triebs, des­sen Ar­beit­neh­mer in ei­nen be­streik­ten Be­trieb zu Streik­bruch­ar­bei­ten ver­setzt wer­den sol­len, hat kein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 99 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG), so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ges­tern er­gan­ge­nen Ent­schei­dung: BAG, Be­schluss vom 13.12.2011, 1 ABR 2/10.

11/248 Keine mehrfache Pflegezeit für denselben Angehörigen

13.12.2011. Ar­beit­neh­mer können nicht mehr­fach Pfle­ge­zeit für den­sel­ben An­gehöri­gen ver­lan­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass ei­ne sol­che zeit­li­che Auf­tei­lung von Pfle­ge­zei­ten nur mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers möglich ist: BAG, Ur­teil 15.11.2011, 9 AZR 348/10.

11/245 Antrag auf Teilzeit muss Weisungsrecht respektieren

08.12.2011. Zielt ein An­trag auf Teil­zeit nicht nur auf ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung und ei­ne be­stimm­te Ar­beits­zeit­ver­tei­lung, son­dern auch auf die Verände­rung an­de­rer Ar­beits­be­din­gun­gen, ist er ins­ge­samt kein An­trag nach § 8 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG). Der Ar­beit­ge­ber kann ei­nen sol­chen An­trag schlicht ab­leh­nen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 29.08.2011, 2 Sa 181/11.

11/244 Anfechtung einer Vertragsänderung wegen Drohung mit unzulässiger Lohnkürzung

07.12.2011. Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen seg­net An­fech­tung ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags durch den Ar­beit­neh­mer we­gen un­zulässi­ger Dro­hung ab: Droht der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner recht­lich un­zulässi­gen rück­wir­ken­den Lohnkürzung, kann der Ar­beit­neh­mer die Ver­tragsände­rung, die der Ar­beit­ge­ber mit die­ser Dro­hung er­reicht hat, an­fech­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 19.08.2011, 16 Sa 833/10.

11/240 Anspruch auf Teilzeitarbeit beinhaltet freien Monat

01.12.2011. Ar­beit­neh­mer ha­ben nicht nur ei­nen An­spruch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit, son­dern auch auf ei­ne Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit nach ih­ren Wünschen. Das kann auch ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung "aufs Jahr ge­rech­net" be­inhal­ten, d.h. ei­nen kom­plett ar­beits­frei­en Mo­nat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 25.08.2011, 11 Sa 360/11.

11/239 Vertragsstrafe im Arbeitsvertrag: Zu hohe Strafen machen Klausel unwirksam

30.11.2011. Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Han­no­ver: Ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Ver­trags­strafe­re­ge­lung ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers und da­her in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) un­wirk­sam, wenn mit ihr ein nach­ver­trag­li­ches Wett­be­werbs­ver­bot ab­ge­si­chert wird und die Stra­fe das Sechs­fa­che (!) des Jah­res­um­sat­zes beträgt, den der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner ver­bo­te­nen Kun­den­mit­nah­me er­zie­len könn­te: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 15.09.2011, 7 Sa 1908/10.

11/237 Kündigung mit Abfindungsangebot und später vereinbartem Auflösungsvertrag

28.11.2011. Kündi­gung mit Ab­fin­dungs­an­ge­bot und an­sch­ließend ver­ein­bar­tem Auflösungs­ver­trag: Die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge kann den Ab­fin­dungs­an­spruch aus dem Auflösungs­ver­trag gefähr­den, wenn die Ab­fin­dung vom Un­ter­las­sen ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge abhängt: Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 18.01.2011, 5 Sa 239/10.

11/236 Diskriminierung bei der Bewerbung, wenn sehr gute Deutschkenntnisse gefordert werden?

25.11.2011. Dis­kri­mi­nie­rung bei der Be­wer­bung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft - sehr gu­te Deutsch­kennt­nis­se können in ei­ner Stel­len­an­zei­ge ge­for­dert wer­den, wenn sie für den Job er­for­der­lich sind: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nürn­berg, Ur­teil vom 05.10.2011, 2 Sa 171/11.

11/235 Abfindung und Rente

24.11.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen in Han­no­ver hat klar­ge­stellt, dass So­zi­alpläne den An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung bei be­vor­ste­hen­der Ren­te kürzen dürfen, d.h. ge­rin­ge­re Ab­fin­dun­gen für ren­ten­na­he Ar­beit­neh­mer sind rech­tens: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 29.09.2011, 7 Sa 323/11.

11/231 Kündigung mit Sozialauswahl - Namensliste hilft nicht immer

21.11.2011. Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Düssel­dorf ist ei­ne So­zi­al­aus­wahl "grob feh­ler­haft", wenn Ar­beit­neh­mer von ihr aus­ge­nom­men wer­den, weil sie Ar­bei­ten ver­rich­ten, in die die gekündig­ten Ar­beit­neh­mer erst vier Wo­chen lang ein­ge­ar­bei­tet wer­den müss­ten: LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 06.07.2011, 7 Sa 1859/10.

11/228 Zeugnis - Geheimcode: Wann enthält ein Zeugnis einen geheimen Code?

17.11.2011. Zeug­nis­se dürfen gemäß § 109 Abs.2 Satz Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) kei­ne ver­steck­ten Ne­ga­tiv-Bot­schaf­ten ent­hal­ten, d.h. Ge­heim­codes sind in Zeug­nis­sen ver­bo­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat vor­ges­tern ent­schie­den, dass die oft ge­brauch­te For­mu­lie­rung, man ha­be den Ar­beit­neh­mer als Mit­ar­bei­ter mit be­stimm­ten po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten "ken­nen ge­lernt", kein ver­bo­te­ner Ge­heim­code ist: BAG, Ur­teil vom 15.11.2011, 9 AZR 386/10.

11/226 Kündigung - LAG Berlin segnet betriebsbedingte Kündigung auch bei Einsatzmöglichkeit im Ausland ab

16.11.2011. Be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen wi­der­spre­chen dem Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), wenn der gekündig­te Ar­beit­neh­mer an ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz in dem­sel­ben Be­trieb oder in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens wei­ter­beschäftigt wer­den kann. Ein­satzmöglich­kei­ten im Aus­land schließen ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung in Deutsch­land aber nicht aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 01.06.2011, 4 Sa 218/11.

11/225 Befristeter Arbeitsvertrag - Kündigung möglich bei Vereinbarung von Kündigungsfristen

15.11.2011. Ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag kann nur or­dent­lich gekündigt wer­den, wenn das ver­trag­lich ver­ein­bart ist. Für ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung der or­dent­li­chen Künd­bar­keit genügt nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) be­reits die Ver­ein­ba­rung, dass im Fal­le ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung die ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten gel­ten sol­len: BAG, Ur­teil vom 04.08.2011, 6 AZR 436/10.

11/223 Kein Rücktritt vom Aufhebungsvertrag bei Insolvenz des Arbeitgebers

14.11.2011. Trotz Auf­he­bungs­ver­trags kei­ne Ab­fin­dung: Wird auf­grund ei­ner In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers die im Auf­he­bungs­ver­trag ver­ein­bar­te Ab­fin­dung nicht ge­zahlt, be­steht nach Eröff­nung des vorläufin­gen In­sol­venz­ver­fah­rens kein Recht des Ar­beit­neh­mers zum Rück­tritt vom Auf­he­bungs­ver­trag: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­tei­le vom 10.11.2011, 6 AZR 357/10, 6 AZR 583/10, 6 AZR 342/10.

11/222 Kündigungsschutzklage und Betriebsübergang

11.11.2011. Kündi­gungs­schutz­kla­ge und Be­triebsüber­gang: Die Kündi­gungs­schutz­kla­ge liegt in der Hand des Be­triebs­verkäufers, wenn er die strei­ti­ge Kündi­gung aus­ge­spro­chen hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ur­teil vom 20.09.2011, 5 Sa 333/10.

11/221 Betrug bei Bewerbung - Bewerbungsbetrug führt nur selten zu Ansprüchen auf Lohnrückzahlung

10.11.2011. Be­trug bei der Be­wer­bung durch Vortäuschen von Qua­li­fi­ka­tio­nen kann später zur frist­lo­sen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses führen, nämlich durch An­fech­tung und/oder frist­lo­se Kündi­gung. Scha­dens­er­satz we­gen schlech­ter Leis­tun­gen kann der Ar­beit­ge­ber aber prak­tisch nie ver­lan­gen: Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 24.08.2011, 15 Sa 980/11.

11/220 Weihnachtsgeld – Rückzahlung: Keine Weihnachtsgeldrückzahlung nach betriebsbedingter Kündigung

09.11.2011. In ar­beits­ver­trag­li­chen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ist oft die Pflicht des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten, sein Weih­nachts­geld zurück­zu­zah­len, wenn das Ar­beits­verhält­nis kurz nach Weih­nach­ten en­det. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf hat ent­schie­den, dass sol­che Klau­seln un­wirk­sam sind, wenn sie nicht da­nach un­ter­schei­den, wer für die Ben­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­ant­wort­lich ist (LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 19.07.2011, 16 Sa 607/11).

11/219 Geschäftsführer mit Arbeitsvertrag kann vor Arbeitsgericht klagen

08.11.2011. Wer­den Ar­beit­neh­mer zum GmbH-Geschäftsführer be­stellt und schließen ei­nen schrift­li­chen Geschäftsführer­ver­trag, ist die­ser zu­gleich ein Auf­he­bungs­ver­trag für das bis­he­ri­ge Ar­beits­verhält­nis. Da Geschäftsführer kei­nen Kündi­gungs­schutz be­sit­zen und nicht vor den Ar­beits­ge­rich­ten kla­gen können, lohnt sich ein schrift­li­cher Geschäftsführer­ver­trag nur bei ei­ne deut­li­chen Ge­halts­erhöhung und bei lan­gen Kündi­gungs­fris­ten. An­sons­ten ist ein münd­li­cher Geschäftsführer­ver­trag für den Geschäftsführer bes­ser, da dann nach Ab­be­ru­fung (wie­der) der Weg zum Ar­beits­ge­richt of­fen ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 23.08.2011, 10 AZB 51/10.

11/217 Mitbestimmung des Betriebsrats bei Ethikrichtlinie im Konzern

06.11.2011. Sol­len ein­heit­li­che Ethik-Richt­li­ni­en in al­len Un­ter­neh­men ei­nes Kon­zerns ein­geführt wer­den, steht das Mit­be­stim­mungs­recht aus § 87 Abs.1 Nr.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) dem Kon­zern­be­triebs­rat (KBR) zu und nicht dem ört­li­chen Be­triebs­rat. Wehrt sich der KBR nicht ge­gen ei­ne mit­be­stim­mungs­wid­ri­ge Einführung der Ethik-Richt­li­ni­en, steht dem ört­li­chen Be­triebs­rat kein Un­ter­las­sungs­an­spruch zu - auch nicht in "sei­nem" Be­trieb vor Ort: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 17.05.2011, 1 ABR 121/09

11/216 Kündigungsschutzklage Berlin: Arbeitsgericht großzügig bei Klagefristversäumung

05.11.2011. Wer sich ge­gen ei­ne Kündi­gung mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge weh­ren will, muss schnell sein, da das Ge­setz für Frist von drei Wo­chen für die Er­he­bung der Kla­ge vor­schreibt. Wird die Kla­ge­frist vom An­walt schuld­haft versäumt, hat der Ar­beit­neh­mer nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) Pech ge­habt, da ei­ne nachträgli­che Kla­ge­zu­las­sung dann nicht möglich sein soll. Dem hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin vor kur­zem wi­der­spro­chen: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Ur­teil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11.

11/215 Abmahnung wegen Beleidigung bei respektlosem Abschiedsgruß

04.11.2011. Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer da­zu ver­pflich­tet, im Um­gang mit­ein­an­der ein nor­ma­les Maß an Höflich­keit zu zei­gen. Be­ach­ten Ar­beit­neh­mer das nicht, droht ei­ne Ab­mah­nung. Das kann auch ein Be­triebs­rats­mit­glied tref­fen (Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 23.08.2011, 3 Sa 150/11).

11/214 Sperrzeit nach Aufhebungsvertrag wie nach verhaltensbedingter Kündigung: Bei Pflichtverletzungen droht immer eine Sperrzeit

03.11.2011. Droht ein ka­tho­li­scher Ar­beit­ge­ber we­gen ni­veau­lo­ser Po­le­mik ge­gen den Papst zu­recht ei­ne frist­lo­se ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung an, führt auch ein Auf­he­bungs­ver­trag, mit dem die dro­hen­de Kündi­gung um­gan­gen wird, zu ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be: Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21.10.2011, L 12 AL 2879/09.

11/213 LAG München: Kündigung nach Betrug mit 20 EUR Schaden

02.11.2011. Ein lan­ge beschäftig­ter, schwer­be­hin­der­ter Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der kann we­gen Be­trugs mit ei­nem Scha­den von 20 EUR frist­los gekündigt wer­den, wenn er die Tat heim­lich und mit großer Ziel­stre­big­keit verübt: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Ur­teil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10.

11/212 Altersgrenze bei der Polizei: Beim SEK ist mit 42 Jahren Schluss

01.11.2011. Ber­li­ner Po­li­zis­ten, die im Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­do (SEK) ein­ge­setzt wer­den, wer­den mit Er­rei­chen ei­ner bei 42 Jah­ren lie­gen­den Al­ters­gren­ze wie­der in den nor­ma­len Po­li­zei­dienst ver­setzt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass die­se Höchst­al­ters­gren­ze kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ist (Ur­teil vom 18.08.2011, OVG 4 B 20.10).

11/211 Anhörung des Betriebsrats vor einer Kündigung

31.10.2011. Kündi­gun­gen sind un­wirk­sam, wenn sie oh­ne vor­he­ri­ge ord­nungs­gemäße Anhörung des Be­triebs­ra­tes aus­ge­spro­chen wer­den. Stammt das Anhörungs­schrei­ben nicht vom Ar­beit­ge­ber selbst, son­dern von ei­nem Rechts­an­walt, der den Ar­beit­ge­ber bei der Anhörung ver­tritt, kann der Be­triebs­rat die Anhörung zurück­wei­sen, wenn der An­walt dem Anhörungs­schrei­ben kei­ne Ori­gi­nal­voll­macht bei­legt. Dies hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg vor kur­zem ent­schie­den (Ur­teil vom 27.05.2011, 8 Sa 132/11).

11/210 Arbeitnehmerdatenschutz: E-Mails können im Krankheitsfall gelesen werden

28.10.2011. Ar­beit­neh­mer ha­ben ein Recht auf die Wah­rung der da­ten­schutz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen aus dem Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz (BDSG), Ar­beit­ge­ber hin­ge­gen ha­ben ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an ei­nem un­gestörten Ar­beits­ab­lauf. Über die Fra­ge, ob es den Vor­ga­ben die das BDSG vor­gibt zu­wi­derläuft, wenn ein Ar­beit­ge­ber auf den Email-Ac­count ei­nes Mit­ar­bei­ters zu­greift, um ei­ne aus­rei­chen­de Krank­heits­ver­tre­tung zu gewähr­leis­ten, hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg zu ent­schei­den: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.02.2011, 4 Sa 2132/10.

11/209 Diskriminierung am Arbeitsplatz wegen Verpflichtung zu einem Deutschkurs?

27.10.2011. Ver­langt ein Schwimm­bad­be­trei­ber von ei­ner an der Schwimm­bad­kas­se ar­bei­ten­den, aus Kroa­ti­en stam­men­den Ar­beit­neh­me­rin, dass sie auf­grund von Verständi­gungs­pro­ble­men mit Ba­degästen ei­nen Deutsch­kurs be­sucht, stellt dies kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft dar: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.06.2011, 8 AZR 48/10.

11/208 Kündigung wegen Alkohols am Steuer

26.10.2011. Be­rufs­kraft­fah­rer, die sich pri­vat im be­trun­ke­nen Zu­stand hin­ter das Steu­er set­zen und den Führer­schein ver­lie­ren, ris­kie­ren die Kündi­ung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses. Dann hilft auch die späte­re Wie­derertei­lung der Fahr­er­laub­nis nichts: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11.

11/207 Betriebsübergang und Kündigung: Keine Betriebsratsanhörung bei Kündigung nach Widerspruch

25.10.2011. Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nürn­berg: Bei ei­nem Be­triebsüber­gang können die Ar­beit­neh­mer dem Über­gang ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se von dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber auf den neu­en In­ha­ber wi­der­spre­chen (§ 613a Abs.5, Abs.6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB). Dann ris­kie­ren die wi­der­spre­chen­den Ar­beit­neh­mer aber ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung, und die ist in den meis­ten Fällen recht­lich wirk­sam. Ge­gen die Kündi­gung kann man meist noch nicht ein­mal ein­wen­den, dass sie we­gen feh­ler­haf­ter Anhörung des Be­triebs­rats un­wirk­sam sei: LAG Nürn­berg, Ur­teil vom 09.08.2011, 6 Sa 230/10.

11/206 Kündigung wegen Beleidigung von Kollegen in Romanform?

24.10.2011. Herr Bücker läster­te hef­tig über Kol­le­gen und Vor­ge­setz­te in ei­nem (im Selbst­ver­lag er­schie­ne­nen) "Büroro­man" mit dem reißeri­schen Ti­tel "Wer die Hölle fürch­tet, kennt das Büro nicht". Das nahm der Ar­beit­ge­ber zum An­lass für ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung - und zog vor Ge­richt den Kürze­ren: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 15.07.2011, 13 Sa 436/11.

11/205 Fristlose Kündigung wegen Diensthandy-Missbrauchs?

21.10.2011. Nach ei­nen ak­tu­el­len Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) recht­fer­tigt die miss­bräuch­li­che pri­va­te Nut­zung ei­nes Dienst­te­le­fons bzw. Dienst­han­dys kei­ne frist­lo­se Kündi­gung, wenn der Ar­beit­ge­ber pri­va­te Te­le­fo­na­te über ei­nen lan­gen Zeit­raum dul­det: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10.

11/204 Interessenausgleich und Sozialplan: Leiharbeitnehmer zählen mit

20.10.2011. Nach ei­ner vor­ges­tern er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zählen auch Leih­ar­beit­neh­mer zu den "wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer" im Sin­ne von § 111 Satz 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG): BAG, Ur­teil vom 18.10.2011, 1 AZR 335/10.

11/203 Elternzeit: BAG erleichtert Verlängerung der Elternzeit

19.10.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat mit ei­nem Ur­teil vom gest­ri­gen Ta­ge die Verlänge­rung der El­tern­zeit we­sent­lich er­leich­tert. Künf­tig muss sich der Ar­beit­ge­ber über ei­nen An­trag auf Verlänge­rung der El­tern­zeit stets ernst­haf­te Ge­dan­ken ma­chen und kann ihn nicht ein­fach oh­ne sach­li­che Prüfung ab­schmet­tern: BAG, Ur­teil vom 18.10.2011, 9 AZR 315/10.

11/201 Diskriminierung schwerbehinderter Stellenbewerber: Verletzung der Prüfpflicht reicht als Nachweis

17.10.2010. Schwer­be­hin­der­te Be­wer­ber dürfen nicht we­gen ih­rer Be­hin­de­rung bei der Stel­len­be­set­zung be­nach­tei­ligt wer­den. Das folgt aus § 1 All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) und aus § 81 Abs.2 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass es zum Nach­weis ei­ner be­hin­de­rungs­be­ding­ten Dis­kri­mi­nie­rung im All­ge­mei­er be­reits genügt, wenn der Ar­beit­ge­ber nicht zu­sam­men mit der Ar­beits­agen­tur ge­prüft hat, ob die Stel­le mit ei­nem schwer­be­hin­der­ten Be­we­ber be­wetzt wer­den könn­te: BAG, Ur­teil vom 13.10.2011, 8 AZR 608/10

11/200 Bonus für Banker: BAG urteilt über Bonusstreit bei der ehemaligen Dresdner Bank

14.10.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat vor­ges­tern 17 Ur­tei­le in dem Bo­nus­streit bei der ehe­ma­li­gen Dresd­ner Bank gefällt. Da­nach be­ste­hen Bo­nus­ansprüche für 2008 nur bei An­wend­bar­keit der Be­triebs­ver­ein­ba­rung „Bo­nus im Ta­rif“, nicht aber auf Grund­la­ge ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung, die die Bo­nus­ansprüche ins Er­mes­sen der Bank stellt: BAG, Ur­teil vom 12.10.2011 (10 AZR 756/10), und Ur­teil vom 12.10.2011 (10 AZR 649/10).

11/197 Betriebsrat - Minderheitenliste kann kein eigenes Büro verlangen

11.10.2011. Nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg können Min­der­hei­ten­grup­pie­run­gen im Be­triebs­rat kei­ne ei­ge­nen Räume für sich als Min­der­hei­ten­grup­pe ver­lan­gen: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 19.07.2011, 7 TaBV 764/11.

11/196 Ausschlussklausel in AGB wirkt gegen Arbeitgeber, auch wenn die Frist zu kurz ist

10.10.2011. Aus­schluss­klau­seln in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) wir­ken zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers, auch wenn die Aus­schluss­frist (ein Mo­nat) zu kurz und da­mit un­wirk­sam ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.07.2011, 6 Sa 487/10.

11/195 Lohnansprüche bei Insolvenz - BAG begrenzt Insolvenzanfechtung

07.10.2011. Ar­beit­neh­mer in­sol­ven­ter Un­ter­neh­men müssen Lohn­zah­lun­gen, die sie vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens er­hal­ten ha­ben, in al­ler Re­gel nicht an den In­sol­venz­ver­wal­ter er­stat­ten. Denn ei­ne sol­che Er­stat­tungs­pflicht auf­grund ei­ner "In­sol­ven­ze­an­fech­tung" gemäß § 130 Abs.1 Satz 1 In­sol­venz­ord­nung (In­sO) be­steht nach ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) von vorn­her­ein nicht, wenn mit der Lohn­zah­lung Ar­beits­leis­tun­gen der vor­aus­ge­hen­den drei Mo­na­ten be­gli­chen wer­den. Und auch dann, wenn länger zurück­lie­gen­de Zeiträume be­zahlt wer­den, sind Lohn­zah­lun­gen nur dann an den In­sol­venz­ver­wal­ter zu er­stat­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer zum Zeit­punkt der Lohn­zah­lung die Zah­lungs­unfähig­keit sei­nes Ar­beit­ge­bers auf­grund kaufmänni­schen In­si­der­wis­sens kann­te: BAG, Ur­teil vom 06.10.2011, 6 AZR 262/10.

11/193 Betriebsrat - Kündigung: Fristlose Kündigung eines Betriebsrats wegen Abhörens einer Ausschusssitzung

05.10.2011. Ein vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg ent­schie­de­ner Kündi­gungs­schutz­pro­zess zeigt, dass ein rechts­wid­ri­ger Lausch­an­griff auf an­de­re Be­triebs­rats­mit­glie­der nicht oh­ne wei­te­res die frist­lo­se Kündi­gung ei­nes Be­triebs­rats­mit­glieds recht­fer­tigt: Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 09.09.2011, 17 Sa 16/11.

11/192 Tariflohn-Anhebung auf Tarifniveau „West“: Schuldrechtliche Abrede oder Inhaltsnorm?

04.10.2011. Bei ei­nem Be­triebsüber­gang kommt es oft da­zu, dass der neue In­ha­ber bzw. Ar­beit­ge­ber im Un­ter­schied zum bis­he­ri­gen Be­triebs­in­ha­ber nicht ta­rif­ge­bun­den ist. Für Ge­werk­schafts­mit­glie­der, die in ei­nem sol­chen Be­trieb ar­bei­ten, heißt das, dass die bis­lang auf­grund der nor­ma­ti­ven (ge­setz­tes­glei­chen) Wir­kung des Ta­rif­ver­trags gel­ten­den Ta­ri­fin­hal­te zum In­hal­te des Ar­beits­ver­trags wer­den und da­her im Prin­zip je­der­zeit geändert wer­den können (al­ler­dings nicht vor Ab­lauf ei­nes Jah­res nach dem Be­triebsüber­gang). Das al­les gilt aber nur für sol­che Ta­rif­ver­trags­in­hal­te, die Ansprüche der Ar­beit­neh­mer be­gründen, d.h. für In­halts­nor­men, nicht da­ge­gen für bloße Ab­sichts­erklärun­gen der Ta­rif­par­tei­en (sog. schuld­recht­li­che Ab­re­den). Die künf­ti­ge An­pas­sung des Ta­rif­lohns an das West­ni­veau ist ei­ne sol­che Ab­sichts­erklärung, d.h. ei­ne Schuld­rechts­ab­re­de, falls die­se An­pas­sung nicht kon­kret und zah­lenmäßig im Ta­rif ge­re­gelt ist, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil: BAG, Ur­teil vom 24.08.2011, 4 AZR 566/09.

11/188 CGZP: Arbeitsgericht Berlin bestätigt Tarifunfähigkeit der CGZP von Anfang an

27.09.2011. En­de 2010 bestätig­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG), dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) ta­rif­unfähig ist (wir be­rich­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 11/034 BAG: Die CG­ZP kann kei­ne Ta­rif­verträge ab­sch­ließen). Seit­dem ist um­strit­ten, ob die CG­ZP auch früher schon ta­rif­unfähig war und ab wel­chem Zeit­punkt da­her Leih­ar­beit­neh­mer Lohn­nach­zah­lun­gen aus dem Equal-Pay-Grund­satz (§ 9 Nr. 2 Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­setz - AÜG) her­lei­ten können. Nach ei­nem Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin war die CG­ZP schon En­de 2003 ta­rif­unfähig: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 08.09.2011, 63 BV 9415/08.

11/187 LAG Berlin: Keine Diskriminierung wegen Alters durch Stellenausschreibung „Junior Personalreferent“

26.09.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass die Be­zeich­nung „Ju­ni­or Per­so­nal­re­fe­rent Re­cruit­ing“ in ei­ner Stel­len­aus­schrei­bung kein In­diz für ei­ne al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung älte­rer Be­wer­ber bei der Stel­len­be­set­zung ist (Ur­teil vom 21.07.2011, 5 Sa 847/11).

11/186 LAG Hamburg - Kündigung bei Beschäftigungsmöglichkeit im Ausland

23.09.2011. Wehrt sich ein Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung mit ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge, muss der Ar­beit­ge­ber be­wei­sen, dass künf­tig kein (aus­rei­chen­der) Ar­beits­be­darf mehr be­steht. Das Ar­gu­ment zieht aber nicht, wenn der Ar­beit­neh­mer in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Ar­beit­ge­bers wei­ter­beschäftigt wer­den könn­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ham­burg hat vor kur­zem ent­schie­den, ob das auch bei ei­ner bei ei­ner Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit im Aus­land gilt : LAG Ham­burg, Ur­teil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11.

11/184 Urlaubsabgeltung bei Tod des Arbeitnehmers?

21.09.2011. Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung ist nach der ak­tu­el­len Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) nicht da­von abhängig, dass der Ar­beit­neh­mer bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­sund ist, d.h. auch kran­ke Ar­beit­neh­mer ha­ben ei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung, auch wenn sie ih­ren Ur­laub in Na­tur auf­grund ih­rer Krank­heit gar nicht neh­men könn­ten. Aber ist der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung da­her nichts wei­ter als ein gewöhn­li­cher Geld­an­spruch, der ver­erbt wer­den kann? Das BAG meint, nein: BAG, Ur­teil vom 20.09.2011, 9 AZR 416/10.

11/183 Geschäftsführer: Diskriminierung durch Stellenausschreibung

20.09.2011. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­tet ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen bei bei der Stel­len­aus­schrei­bung. Wer ge­gen da­ge­gen verstößt, muss ho­he Entschädi­gun­gen zah­len. Ein Ur­teil des Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Karls­ru­he zeigt, dass Feh­ler bei der Stel­len­aus­schrei­bung teu­er wer­den können - und dass sich Un­ter­neh­men da­bei nicht im­mer auf ih­ren ju­ris­ti­schen Bei­stand ver­las­sen können: OLG Karls­ru­he, Ur­teil vom 13.09.2011, 17 U 99/10.

11/180 Betriebsrat: Arbeitsbefreiung für Betriebsratsarbeit ohne vorherige Abmeldung?

15.09.2011. Be­triebs­rats­mit­glie­der ha­ben das Recht, im­mer dann der Ar­beit fern­zu­blei­ben, wenn das für ih­re Be­triebs­rats­ar­beit er­for­der­lich ist. Als Ar­beit­neh­mer müssen sie sich aber beim Ar­beit­ge­ber ab­mel­den, da­mit die­ser Störun­gen in den be­trieb­li­chen Abläufen z.B. durch Um­or­ga­ni­sa­ti­on ver­hin­dern kann. Die Ab­mel­de­pflicht be­steht auch dann, wenn das Be­triebs­rats­mit­glied sei­ne Be­triebs­rar­beit vom Ar­beits­platz aus er­le­digt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 29.06.2011, 7 ABR 135/09.

11/177 Kündigung eines Chefarztes wegen Wiederverheiratung?

12.09.2011. In ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den, dass ein ka­tho­li­sches Kran­ken­haus ei­nem Chef­arzt nicht des­halb kündi­gen kann, weil die­ser nach sei­ner Schei­dung zunächst in ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft zu­sam­men­ge­lebt und sei­ne Le­bens­part­ne­rin ei­ni­ge Zeit später stan­des­amt­lich ge­hei­ra­tet hat­te. Zwar liegt hier ein er­heb­li­cher Ver­s­toß ge­gen die ka­tho­li­schen Grundsätze der Le­bensführung vor, die das Kran­ken­haus im All­ge­mei­nen zur Kündi­gung ei­nes Chef­arz­tes be­rech­ti­gen, doch hat­te das Kran­ken­haus hier im Streit­fall die­se Grundsätze nicht kon­se­quent an­ge­wandt: BAG, Ur­teil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10.

11/176 Fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs

09.09.2011. Ei­ne frist­lo­se Kündi­gung we­gen fort­ge­setz­ten Ar­beits­zeit­be­trugs ist auch nach lan­ger Beschäfti­gungs­dau­er möglich, wenn der Ar­beit­neh­mer den Ar­beits­zeit­be­trug sys­te­ma­tisch verübt und bei sei­ner Ar­beits­zeit­er­fas­sung ver­schlei­ert: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10.

11/174 Kündigung wegen Drohung mit Krankschreibung

07.09.2011. Nach über 30jähri­ger be­an­stan­dungs­frei­er Beschäfti­gung genügt die Dro­hung mit ei­ner Krank­schrei­bung ("an­gekündig­tes Krank­ma­chen") nicht im­mer für ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung. Ei­ne Ab­mah­nung kann dann als mil­de­res Mit­tel aus­rei­chen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 11.03.2011, 9 Sa 692/10.

11/173 Bonus - Kündigung: Anspruch auf Bonus trotz Kündigung und Ausscheiden im Folgejahr

06.09.2011. Ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung kann den An­spruch auf ei­nen schon ver­dien­ten, rein leis­tungs­abhängi­gen Bo­nus nicht nachträglich ent­fal­len las­sen, wenn der Ar­beit­neh­mer zu ei­nem Zeit­punkt nach dem Be­zugs­zeit­raum bzw. Geschäfts­jah­res kündigt. Das gilt auch für Ta­rif­verträge und ar­beits­ver­trag­li­che all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­den: BAG, Ur­teil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09

11/172 Betriebsübergang bei Zwangsverwaltung eines Hotelgrundstücks

05.09.2011. Bei ei­nem Be­triebsüber­gang gemäß § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) wird der neu­er Be­triebs­in­ha­ber kraft Ge­set­zes Ar­beit­ge­ber der Ar­beit­neh­mer des Be­trie­bes, wenn der Be­triebsüber­gang „durch Rechts­geschäft“ her­bei­geführt wird, al­so z.B. durch ei­nen Un­ter­neh­mens­kauf oder ei­nen Be­triebs­pacht­ver­trag. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat kürz­lich ent­schie­den, dass ein Be­triebsüber­gang „durch Rechts­geschäft“ auch vor­liegt, wenn der Zwangs­ver­wal­ter ei­nes Ho­tel­grundstücks dem Ho­tel­be­trei­ber kündigt und nach Zwangsräum­ung des Grundstücks den Ho­tel­be­trieb selbst wei­terführt: BAG, Ur­teil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10.

11/171 LAG Berlin: Betriebsratswahl bei GlobeGround in Berlin unwirksam

02.09.2011. Glo­be­Ground ist als Dienst­leis­ter auf den Ber­li­ner Flughäfen tätig und beschäftigt dort un­gefähr 1.650 Ar­beit­neh­mer. Die Wahl des Be­triebs­rats im April 2010 wur­de von 22 Ar­beit­neh­mern ge­richt­lich an­ge­foch­ten. Wie be­reits in der ers­ten In­stanz das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, so hat nun­mehr auch das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat die Wahl für un­wirk­sam erklärt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11.

11/170 Betriebsrat muss bei Leiharbeit die Namen aller Leiharbeiter kennen

01.09.2011. In Un­ter­neh­men mit mehr als 20 Ar­beit­neh­mern muss der Ar­beit­ge­ber vor je­der Ein­stel­lung die Zu­stim­mung des Be­triebs­ra­tes ein­ho­len. Da­bei muss er auch Aus­kunft über „die Per­son“ ge­ben, die er ein­stel­len möch­te. Die­ses Mit­be­stim­mungs­recht gilt auch beim Einatz von Leih­ar­beit­neh­mern. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat nun ent­schie­den, dass dem Be­triebs­rat auch die Na­men der Leih­ar­beit­neh­mer mit­zu­tei­len sind, de­ren Ein­satz ge­plant ist: BAG, Be­schluss vom 09.03.2011, 7 ABR 137/09.

11/169 Kündigung und Krankmeldung

31.08.2011.Frank­fur­ter Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) ur­teilt zu Kündi­gung und Krank­mel­dung: Ar­beit­neh­mer müssen ih­rem Ar­beit­ge­ber un­verzüglich mit­tei­len, wenn sie krank ge­wor­den sind und wie lan­ge sie we­gen die­ser Krank­heit vor­aus­sicht­lich ar­beits­unfähig sein wer­den. Ver­s­toßen Ar­beit­neh­mer ge­gen die­se Pflicht zur schnellstmögli­chen Krank­mel­dung, dro­hen Ab­mah­nung und schlimms­ten­falls ei­ne ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung. Das kann auch lan­ge beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern pas­sie­ren: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10.

11/167 Betriebsübergang trotz Transfergesellschaft als Zwischenstation

29.08.2011. Wech­seln Ar­beit­neh­mer per Auf­he­bungs­ver­trag von ih­rem in­sol­ven­ten Ar­beit­ge­ber bzw. vom In­sol­venz­ver­wal­ter zu ei­ner Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft und pickt sich ein In­ves­tor dann die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer bei der Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft ein­zeln her­aus, mit de­nen er den Be­trieb fortführen will, liegt laut Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) im All­ge­mei­nen kei­ne un­zulässi­ge Um­ge­hung der Rechts­vor­schrif­ten zum Be­triebsüber­gang vor, d.h. kei­ne Um­ge­hung von § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Das ist aber aus­nahms­wei­se dann an­ders, wen der Wech­sel zur Beschäfti­gungs­ge­sell­schaft das Ar­beits­verhält­nis gar nicht endgültig be­en­den soll­te, son­dern nur sei­ner Un­ter­bre­chung dient: BAG, Ur­teil vom 18.08.2011, 8 AZR 312/10.

11/166 Feiertagszuschlag für Ostersonntag und Pfingstsonntag?

26.08.2011. Gewährt ein Ta­rif­ver­trag Zu­schläge für die Ar­beit an ei­nem Fei­er­tag, sind mit "Fei­er­tag" im All­ge­mei­nen nur ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge im je­wei­li­gen Bun­des­land, d.h. am Ar­beits­ort ge­meint - und nicht auch kirch­li­che Fei­er­ta­ge oder die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge an­de­rer Bun­desländer: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.08.2011, 10 AZR 347/10.

11/165 Kündigung in der Probezeit - Heirat einer Chinesin

25.08.2011. Be­steht ein Ar­beits­verhält­nis noch kei­ne sechs Mo­na­te, braucht der Ar­beit­ge­ber für ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung kei­ne Be­gründung, denn es be­steht Kündi­gungs­frei­heit. In sel­te­nen Aus­nah­mefällen kann es aber sein, dass ei­ne Kündi­gung auch oh­ne Kündi­gungs­schutz des Ar­beit­neh­mers we­gen „Sit­ten­wid­ri­gig­keit“ un­wirk­sam ist, so z.B. dann, wenn ein Ar­beit­neh­mer gekündigt wird, weil er ei­ne Chi­ne­sin ge­hei­ra­tet hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11.

11/162 Kleiderordnung und Outfit-Vorgaben per Betriebsvereinbarung

22.08.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat ent­schie­den, dass ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung Ar­beit­neh­mer da­zu ver­pflich­ten kann, mit kur­zen Fin­gernägeln, ge­wa­sche­nen Haa­ren und ei­ner fri­schen Ra­sur bei der Ar­beit zu er­schei­nen. Außer­dem kann das Tra­gen von Un­terwäsche an­ge­ord­net wer­den. Ein Ver­bot künst­li­cher Haar­tei­le (Tou­pets) und ei­ner ver­schie­den­far­bi­gen Fin­ger­na­gel­la­ckie­rung ist da­ge­gen un­zulässig: LAG Köln, Be­schluss vom 18.08.2010, 3 TaBV 15/10.

11/161 Kündigung und Diskriminierung wegen Behinderung

19.08.2011. We­der ei­ne krank­heits­be­ding­ten Kündi­gung noch ein schlecht oder gar nicht durch­geführ­tes be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) sind für sich ge­nom­men In­di­ztat­sa­chen für ei­ne be­hin­de­rungs­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung. Al­lein auf sol­che Umstände können be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer ei­ne Kla­ge auf Entschädi­gung nicht stützen, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung: BAG, Ur­teil vom 28.04.2011, 8 AZR 515/10.

11/160 Arbeitsgericht Berlin - Betriebsrat: Auflösungsantrag wegen Kooperationsverweigerung?

18.08.2011. Der Be­triebs­rat hat ein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Fest­le­gung der tägli­chen Ar­beits­zei­ten und bei der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die Wo­chen­ta­ge (§ 87 Abs.1 Nr.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Wenn er nun bei der Ein­satz­pla­nung im­mer wie­der "mau­ert", ob­wohl er auf­grund meh­re­rer Ver­fah­ren vor der Ei­ni­gungs­stel­le Grund zu der An­nah­me hat, dass sein Ver­wei­ge­rungs­grund "Per­so­nal­knapp­heit" vom Be­trVG nicht ge­deckt ist: Reicht ei­ne sol­che "Ko­ope­ra­ti­ons­ver­wei­ge­rung" schon, um die ge­richt­li­che Auflösung des Be­triebs­rats zu ver­lan­gen? Das Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men H & M mein­te "Ja", mach­te aber vor­ges­tern vor dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin ei­nen Rück­zie­her: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 33/11 vom 16.08.2011: H & M nimmt Auflösungs­an­trag ge­gen Be­triebs­rat zurück.

11/159 LAG Berlin: Fristlose Kündigung wegen Beleidigung

17.08.2011. Die öffent­li­che Be­lei­di­gung des Ar­beit­ge­bers hat oft ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung zur Fol­ge, die meist als außer­or­dent­li­che bzw. als frist­lo­se Kündi­gung aus­ge­spro­chen wird. Denn in sol­chen Fällen steht der Ar­beit­ge­ber auf dem Stand­punkt, dass das Ver­trau­ens­verhält­nis in­fol­ge der Be­lei­di­gung zerstört sei. Kom­men zu ei­ner Be­lei­di­gung des Ar­beit­ge­bers wei­te­re mas­si­ve Ver­trags­verstöße hin­zu, ist ei­ne Ab­mah­nung nicht nötig und ei­ne frist­lo­se Kündi­gung rech­tens, wie ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg zeigt, der ei­nen BVG-Bus­fah­rer be­traf: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 06.05.2011, 6 Sa 2558/10.

11/158 Urlaubsabgeltung und Ausschlussfristen

16.08.2011. Sind Ar­beit­neh­mer über Jah­re krank, wächst seit dem Schultz-Hoff-Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06) ihr Ur­laubs­an­spruch im­mer wei­ter an - und da­her auch der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch im Fal­le der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat vor ei­ni­gen Ta­gen klar­ge­stellt, dass sol­che Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche Aus­schluss­fris­ten un­ter­lie­gen, wo­bei es nicht dar­auf an­kommt, ob die­se in Ar­beits­verträgen, Ta­rif­verträgen oder in Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR) ent­hal­ten sind: BAG, Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 352/10.

11/157 Urlaub und Krankheit: Resturlaub für Krankheitszeiten ist nach Genesung zu nehmen

15.08.2011. Ist ein Ar­beit­neh­mer über Jah­re hin­weg ar­beits­unfähig er­krankt, ver­liert er seit dem grund­le­gen­den Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) in Sa­chen Schultz-Hoff (Ur­teil vom 20.01.2009, C-350/06) sei­nen Ur­laubs­an­spruch nicht für die Zeit sei­ner Er­kran­kung. Der Ur­laubs­an­spruch wächst da­her im Lau­fe der Zeit im­mer wei­ter an. Al­ler­dings muss die­ser an­ge­sam­mel­te „Schultz-Hoff-Ur­laub“ nach Ge­ne­sung des Ar­beit­neh­mers rasch ge­nom­men wer­den, da er nach der Ge­ne­sung des Ar­beit­neh­mers zum En­de des Ka­len­der­jah­res verfällt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.08.2011, 9 AZR 425/10 (Pres­se­mit­tei­lung).

11/156 AGB-Kontrolle einer Arbeitszeitregelung: Arbeitsvertragliche Durchschnittsarbeitszeit ist unklar ohne Ausgleichszeitraum

12.08.2011. Die in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) ent­hal­te­ne Fest­set­zung ei­ner Ar­beits­zeit von 150 St­un­den „im mo­nat­li­chen Durch­schnitt“ ist für den Ar­beit­neh­mer un­klar ("in­trans­pa­rent") und des­halb un­wirk­sam, wenn nicht fest­steht, in­ner­halb wel­ches Zeit­raums sich ein sol­cher Durchnschnitt er­ge­ben soll: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.06.2011, 9 AZR 236/10.

11/155 Kündigung wegen Beleidigung eines Vorgesetzten

11.08.2011. Ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te frist­lo­se Kündi­gung ist in der Re­gel nur möglich, wenn der Ar­beit­neh­mer den zur Kündi­gung führen­den Pflicht­ver­s­toß ver­schul­det hat. Das ist nicht der Fall, wenn der Pflicht­ver­s­toß auf ei­ner (psy­chi­schen) Er­kran­kung be­ruht. In sol­chen Fällen, z.B. bei an­hal­tend ag­gres­si­vem Ver­hal­ten und bei gro­ben Be­lei­di­gun­gen, macht die Recht­spre­chung aber ei­ne Aus­nah­me von der Re­gel, dass ver­hal­tens­be­ding­te frist­lo­se Kündi­gun­gen nur bei Ver­schul­den möglich sind: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 09.06.2011, 5 Sa 509/10.

11/154 Kündigung wegen Beleidigung nicht ohne Abmahnung

10.08.2011. Be­lei­di­gun­gen wer­den nicht mehr durch die Mei­nungs­frei­heit ge­deckt und können zu ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung führen. Dafür ist aber in al­ler Re­gel ei­ne vor­he­ri­ge ein­schlägi­ge Ab­mah­nung er­for­der­lich, d.h. die Be­lei­dung muss ein Wie­der­ho­lungs­fall sein. Auf ei­ne Ab­mah­nung kann erst recht nicht ver­zich­tet wer­den, wenn sich der Ar­beit­neh­mer für die Be­lei­dung ent­schul­digt: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.01.2011, 11 Sa 353/10.

11/153 Betriebsratsschulung auf Englisch

09.08.2011. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat ent­schie­den, dass für eng­lisch­spra­chi­ge Be­triebs­rats­mit­glie­der, die prak­tisch kaum Deutsch können, ei­ne Grund­la­gen­schu­lung auf Eng­lisch er­for­der­lich ist: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 03.03.2011, 24 BV 15046/10.

11/152 LAG Köln: Betriebsbedingte Kündigung und Sozialauswahl

08.08.2011. Bei be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen muss der Ar­beit­ge­ber ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor­neh­men, wenn nur ein Teil der Be­leg­schaft ent­las­sen wer­den soll. An­hand von Be­triebs­zu­gehörig­keit, Le­bens­al­ter, Un­ter­halts­pflich­ten und ei­ner et­wai­gen Schwer­be­hin­de­rung soll er­mit­telt wer­den, wer ei­ne Kündi­gung am ehes­ten bzw. am schlech­tes­ten ver­kraf­ten würde (§ 1 Abs.3 Satz 1 KSchG). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln meint, dass ein 53jähri­ger ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer oh­ne Kin­der auf­grund schlech­testmögli­cher Ar­beits­markt­chan­cen schutz­bedürf­ti­ger ist als 35jähri­ger mit zwei Kin­dern: LAG Köln, Ur­teil vom 18.02.2011, 4 Sa 1122/10.

11/151 Entfernung einer diskriminierenden Ermahnung aus der Personalakte

05.08.2011. Schreibt ei­ne Flug­ge­sell­schaft nur männ­li­chen Pi­lo­ten das Tra­gen ei­ner Cock­pit-Mütze vor, ist die­se Dienst­be­klei­dungs­vor­schrift ge­schlechts­dis­kri­mi­nie­rend und da­her un­wirk­sam. Ein Ver­s­toß ge­gen ei­ne sol­che Be­klei­dungs­vor­schrift darf der Ar­beit­ge­ber we­der zum An­lass für ei­ne Ab­mah­nung noch für ei­ne Er­mah­nung neh­men. Falls doch, kann der be­trof­fe­ne männ­li­che Pi­lot auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung bzw. Er­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te kla­gen: Ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 05.04.2011, 12 Ca 8659/10.

11/150 Arbeitszeugnis - Übergabe: Beweislast für Übergabe des Zeugnisses

04.08.2011. Ar­beit­ge­ber sind auf Ver­lan­gen des Ar­beit­neh­mers ver­pflich­tet, bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ein qua­li­fi­zier­tes Ar­beits­zeug­nis aus­zu­stel­len und es zur Ab­ho­lung be­reit­zu­hal­ten. Ist die­se Pflicht in ei­nem Pro­zess­ver­gleich oder ei­nem Ur­teil fest­ge­schrie­ben, ris­kie­ren sie ei­ne Zwangs­voll­stre­ckung, wenn sie das nicht tun. Mit dem Ver­sen­den des Zeug­nis­ses per Post hat der Ar­beit­ge­ber sei­ne Zeug­nis­pflicht aber noch nicht erfüllt, wenn er den Zu­gang des Zeug­nis­ses nicht be­wei­sen kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Be­schluss vom 15.03.2011, 10 Ta 45/11.

11/149 Computer des Betriebsrats: Über Datenschutz entscheidet der Betriebsrat

03.08.2011. Der Ar­beit­ge­ber muss dem Be­triebs­rat in der Re­gel auf des­sen Wunsch ei­nen Com­pu­ter, d.h. PC samt In­ter­net­zu­gang zur Verfügung stel­len. Über die Kon­fi­gu­ra­ti­on sei­nes PC ein­sch­ließlich der An­mel­de­pro­ze­dur be­stimmt dann der Be­triebs­rat, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg. Er muss je­doch dafür sor­gen, dass der Ar­beit­neh­mer­da­ten­schutz si­cher­ge­stellt ist: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Be­schluss vom 04.03.2011, 10 TaBV 1984/10.

11/148 Kündigung: Zugang einer Kündigung durch Übergabe an den Ehegatten

02.08.2011. Die Kündi­gungs­frist be­ginnt erst ab dem Zeit­punkt zu lau­fen, in dem die Kündi­gung wirk­sam wird. Da­zu muss das Kündi­gungs­schrei­ben dem Gekündig­ten „zu­ge­hen“, d.h. in sei­nen Macht­be­reich (Brief­kas­ten, Haus­flur, Post­fach und dgl.) ge­lan­gen, so dass ein Le­sen der Kündi­gung un­ter nor­ma­len Umständen möglich ist. Auch Ehe­leu­te und Le­bens­part­ner können von dem, der die Kündi­gung erklärt, als "wan­deln­de Briefkästen" ge­nutzt wer­den, und zwar auch außer­halb der ge­mein­sa­men Woh­nung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 687/09.

11/147 LAG Berlin: Keine Diskriminierung durch Verstoß gegen Tarifvertrag bei Beförderung

01.08.2011. Verstößt der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner Beförde­rungs­aus­schrei­bung ge­gen ei­ne Ta­rif­re­ge­lung und lässt auch Be­wer­ber zu, die die ta­rif­li­chen Beförde­rungs­vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen, in­di­ziert das al­lein noch kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung z.B. we­gen des Al­ters, wenn die ta­rif­li­chen Beförde­rungs­re­geln nicht spe­zi­ell dem Ab­bau von Dis­kri­mi­nie­run­gen die­nen. Sol­len ta­rif­li­che Beförde­rungs­vor­aus­set­zun­gen al­lein ei­ne aus­rei­chen­de Be­rufs­er­fah­rung gewähr­leis­ten, kann der Ar­beit­ge­ber auch Be­wer­ber befördern, die die Ta­rif­vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 18.02.2011, 13 Sa 2049/10.

11/146 LAG Köln: Kündigung durch mündliche Abrede im privaten Bereich nicht ausgeschlossen

29.07.2011. Ar­beit­ge­ber können durch ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Zu­sa­ge je­der­zeit auf ihr Recht zur or­dent­li­chen Kündi­gung ver­zich­ten. Das geht theo­re­tisch so­gar münd­lich, doch genügen für ei­nen münd­li­chen Kündi­gungs­ver­zicht all­ge­mei­ne, freund­li­che Wor­te im pri­va­ten Rah­men nicht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 28.09.2010, 5 Sa 814/10.

11/145 Gewerkschaft: Kein Anspruch auf Ausgleich für tarifwidrige Betriebsvereinbarung

28.07.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass Ge­werk­schaf­ten kei­nen ei­ge­nen An­spruch dar­auf ha­ben, dass ein ta­rifbrüchi­ger Ar­beit­ge­ber Nach­tei­le aus­gleicht, die Ar­beit­neh­mern durch ei­ne ta­rif­wid­ri­ge Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­stan­den sind. Als Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung kann sie le­dig­lich ver­lan­gen, dass sol­che Ver­ein­ba­run­gen künf­tig nicht mehr an­ge­wandt wer­den: BAG, Ur­teil vom 17.05.2011, 1 AZR 473/09.

11/144 Dumpinglöhne: Wie weist man das allgemeine Lohnniveau nach?

27.07.2011. Möch­te ein Ar­beit­neh­mer von sei­nem Ar­beit­ge­ber wei­te­ren Lohn und be­ruft sich da­bei auf die Sit­ten­wid­rig­keit der Lohn­ver­ein­ba­rung, muss er die an­ge­streb­te, übli­che Vergütung an­hand ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges oder mit Be­le­gen für das übli­che Lohn­ni­veau nach­wei­sen. Ein „ins Blaue hin­ein“ an­ge­bo­te­ner Sach­verständi­gen­be­weis für das an­geb­lich höhe­re all­ge­mei­ne Lohn­ni­veau genügt nicht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 31.08.2010, 5 Sa 121/10.

11/142 Diskriminierung bei Vertragsverlängerung wegen der ethnischen Herkunft

25.07.2011. Ver­wei­gert ein Ar­beit­ge­ber Aus­kunft über sei­ne Gründe dafür, dass er ei­nen be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nicht in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über­nimmt, kann die­se Aus­kunfts­ver­wei­ge­rung zu­sam­men mit an­de­ren In­di­zi­en zu der Ver­mu­tung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung führen, ur­teil­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 25.03.2011, 9 Sa 678/10.

11/141 Anhörung des Betriebsrats vor Kündigung

22.07.2011. Ei­ne Kündi­gung, die der Ar­beit­ge­ber oh­ne vor­he­ri­ge Anhörung des Be­triebs­ra­tes aus­spricht, ist un­wirk­sam (§ 102 Abs. 1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz - Be­trVG). Kündigt ein Leih­ar­beits­un­ter­neh­men, muss es im All­ge­mei­nen nur den bei ihm ge­bil­de­ten Be­triebs­rat anhören und nicht den Be­trie­brs­rat im ent­lei­hen­den Be­trieb. Das gilt je­den­falls dann, wenn der ent­lei­hen­de "Be­trieb" nur auf dem Pa­pier be­steht, d.h. wenn dort gar kei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Lei­tungs­macht aus­geübt wird: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.06.2011, 6 AZR 132/10.

11/140 Zusage einer Bonuszahlung

21.07.2011. Im Kri­sen­jahr 2008 teil­te die Dresd­ner Bank AG al­len Mit­ar­bei­tern per Rund­schrei­ben (E-Mail) mit, dass der Bank­vor­stand ein Bo­nus­vo­lu­men in Höhe des Vor­jah­res­vo­lu­mens zu­ge­sagt ha­be. Mit die­ser "Ent­schei­dung" ver­bun­den sei der Dank für den Ein­satz der Mit­ar­bei­ter. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München meint, dass sich die Bank da­mit recht­lich ge­bun­den hat und die Bank­an­ge­stell­ten da­her auf die­ser Grund­la­ge Bo­nus­zah­lun­gen ver­lan­gen können: LAG München, Ur­teil vom 20.04.2011, 11 Sa 993/10.

11/139 Erst Abmahnung, dann Kündigung?

20.07.2011. Wie das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) in Frank­furt vor kur­zem klar­ge­stellt hat, ver­zich­ten Ar­beit­ge­ber mit ei­ner Ab­mah­nung in der Re­gel auf ei­ne Kündi­gung we­gen des ab­ge­mahn­ten Fehl­ver­hal­tens. Denn ab­mah­nen heißt, auf künf­ti­ge Bes­se­rung zu hof­fen. An den in der Ab­mah­nung lie­gen­den Kündi­gungs­ver­zicht ist der Ar­beit­ge­ber so­gar dann ge­bun­den, wenn er erst nach der Ab­mah­nung das wah­re Aus­maß der Ver­trags­ver­let­zung erfährt: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.02.2011, 13 Sa 1460/10.

11/138 Einstellungshöchstalter von 37 Jahren für Piloten ist diskriminierend

19.07.2011. Ein Ein­stel­lungshöchst­al­ter ist kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters, wenn es le­gi­ti­men Zie­len dient und da­bei "an­ge­mes­sen und er­for­der­lich" ist. Das ist bei ei­nem Ein­stel­lungshöchst­al­ter von 37 Jah­ren bei Pi­lo­ten nicht der Fall, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG): BAG, Be­schluss vom 08.12.2010, 7 ABR 98/09

11/137 Wechsel von Teilzeit auf Vollzeit durch langfristige Arbeitszeitüberschreitung?

18.07.2011. Teil­zeit­beschäftig­te können auch bei lang­fris­ti­ger, deut­li­cher Über­schrei­tung der ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit nicht da­von aus­ge­hen, dass der Ar­beit­ge­ber ih­nen da­mit ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis an­bie­ten will, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln. Ge­gen ein sol­ches An­ge­bot kann ins­be­son­de­re spre­chen, dass der Wunsch des Ar­beit­neh­mers nach Auf­sto­ckung sei­ner Ar­beits­zeit vom Ar­beit­ge­ber ab­ge­lehnt wur­de: LAG Köln, Ur­teil vom 14.04.2011, 6 Sa 1499/10.

11/136 Weihnachtsgeld trotz Kündigung kraft Betriebsübung

15.07.2011. Be­ruht ein Weih­nachts­geld­an­spruch auf ei­ner Be­triebsübung und wur­den Ar­beit­neh­mer im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis bis­lang im­mer von der Weih­nachts­geld­zah­lung aus­ge­nom­men, ist ei­ne sol­che fak­ti­sche Grup­pen­bil­dung für die Be­leg­schaft in der Re­gel nicht er­kenn­bar. Dann können auch gekündig­te Ar­beit­neh­mer das Weih­nachts­geld be­an­spru­chen, da der vom Ar­beit­ge­ber ge­woll­te Aus­schluss gekündig­ter Ar­beit­neh­mer vom Weih­nachts­geld ih­nen ge­genüber nicht be­kannt ge­macht wur­de: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 11.11.2010, 8 Sa 643/10.

11/135 Kündigung wegen außerdienstlicher NPD-Aktivität

14.07.2011. Betätigt sich ein Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes für ei­ne ver­fas­sungs­feind­li­che Par­tei, kann das den Dienst­herrn je nach der kon­kre­ten Funk­ti­on des Ar­beit­neh­mers zur Kündi­gung be­rech­ti­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer we­gen sei­ner po­li­ti­schen Betäti­gun­gen nicht (mehr) ge­eig­net für sei­ne Tätig­keit ist. Die Mit­glied­schaft in ei­ner ver­fas­sungs­feind­li­chen Par­tei al­lein genügt aber nicht, son­dern führt nur zu Zwei­feln an der Eig­nung. Für ei­ne Kündi­gung müssen wei­te­re, kon­kre­te Be­ein­träch­ti­gun­gen des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­lie­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.05.2011, 2 AZR 479/09.

11/134 Rückzahlung von Fortbildungskosten bei vorzeitiger Kündigung

13.07.2011. Ar­beit­ge­ber dürfen auf der Grund­la­ge vor­for­mu­lier­ter Ver­trags­bin­dungs- und Rück­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen die Kos­ten ei­ner Fort­bil­dung zurück­ver­lan­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer vor Ab­lauf ei­ner ver­ein­bar­ten Ver­trags­bin­dung aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det. Ob­wohl sol­che Rück­zah­lungs­klau­seln nach der Recht­spre­chung un­wirk­sam sind, wenn die Dau­er der vom Ar­beit­neh­mer über­nom­me­nen Ver­trags­bin­dung im Verhält­nis zu Wert und Dau­er der ar­beit­ge­ber­seits be­zahl­ten Fort­bil­dung zu lang ist, führt ei­ne zeit­lich ge­streck­te Fort­bil­dung noch nicht zur Un­an­ge­mes­sen­heit der ge­sam­ten Ver­trags­bin­dungs­dau­er. Fort­bil­dun­gen müssen nicht un­be­dingt „am Stück“ durch­geführt wer­den, son­dern können auch auf meh­re­re, zeit­lich ge­trenn­te Ab­schnit­te ver­teilt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 19.01.2011, 3 AZR 621/08.

11/133 Anhörung des Betriebsrats bei Kündigung mit Auslauffrist

12.07.2011. Sol­len unkünd­ba­re Ar­beit­neh­mer we­gen ei­ner lang an­dau­ern­den Krank­heit oder we­gen Be­triebs­sch­ließung gekündigt wer­den, geht das nur mit ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung gemäß § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB). Sol­che außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen können aber nicht als frist­lo­se Kündi­gun­gen aus­ge­spro­chen wer­den, son­dern der Ar­beit­ge­ber muss ei­ne Aus­lauf­frist gewähren. Auch der Be­triebs­rat muss an­gehört wer­den. Die Anhörungs­frist beträgt nach § 102 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) bei or­dent­li­chen Kündi­gun­gen ei­ne Wo­che und bei außer­or­dent­li­chen drei Ta­ge. Wel­che Frist bei außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen unkünd­ba­rer Ar­beit­neh­mer mit Aus­lauf­frist gilt, ist um­strit­ten. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm meint, ei­ne Wo­che sei die rich­ti­ge Frist: LAG Hamm, Ur­teil vom 05.08.2010, 15 Sa 302/10.

11/132 Keine Diskriminierung bei Onlinebewerbung durch Abfrage von Geschlecht und Geburtsdatum

11.07.2011. Be­wer­ber dürfen bei Stel­len­aus­schrei­bun­gen nicht we­gen ih­res Al­ters oder ih­res Ge­schlechts dis­kri­mi­niert wer­den. Ver­lan­gen ab­ge­lehn­te Be­wer­ber ei­ne Entschädi­gung, müssen sie nicht die Dis­kri­mi­nie­rung selbst be­wei­sen, son­dern nur In­di­zi­en, die ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ver­mu­ten las­sen. Die Ab­fra­ge des Ge­schlechts für die kor­rek­te An­re­de (Herr/Frau) und des Ge­burts­da­tums in ei­nem On­line-Be­wer­bungs-For­mu­lar sind aber noch kei­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­in­di­zi­en: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 15.12.2010, 26 Ca 260/10.

11/131 Betriebsverlagerung ins Ausland als Betriebsübergang

08.07.2011. Wird ein Be­trieb oder Be­triebs­teil ins Aus­land ver­la­gert, kann das ein Be­triebsüber­gang gemäß § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) sein. Dann liegt kei­ne Be­triebs­still­le­gung vor, so dass be­triebs­be­ding­te Kündi­gun­gen aus­ge­schlos­sen sind. Al­ler­dings könen deut­sche Ge­rich­te den Fort­be­stand des (nicht wirk­sam gekündig­ten) Ar­beits­verhält­nis­ses im Aus­land nicht mit Rechts­ver­bind­lich­keit für den ausländi­schen Be­triebs­er­wer­ber fest­stel­len, je­den­falls dann nicht, wenn die­ser vom gekündig­ten Ar­beit­neh­mer gar nicht ver­klagt wird: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 26.05.2011, 8 AZR 37/10 (Pres­se­mit­tei­lung).

11/130 Keine Diskriminierung aufgrund geringerer Abfindung bei Erwerbsminderungsrente

07.07.2011. Wenn der So­zi­al­plan zukünf­ti­ge fi­nan­zi­el­le Nach­tei­le aus­glei­chen soll, kann er ge­rin­ge­re Ab­fin­dun­gen für Be­zie­her ei­ner be­fris­te­ten Er­werbs­min­de­rungs­ren­te vor­se­hen. Dies ist we­der ei­ne al­ters­bding­te Dis­kri­mi­nie­rung beim The­ma Ab­fin­dung noch ei­ne be­hin­de­rungs­be­ding­te Ab­fin­dungs­dis­kri­mi­nie­rung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 07.06.2011, 1 AZR 34/10.

11/129 Dienstwagen: Schadensersatz bei Unfall mit dem Dienstwagen

06.07.2011. Ver­langt der Ar­beit­ge­ber von sei­nem Ar­beit­neh­mer Scha­dens­er­satz we­gen Un­fallschäden, ändert sich nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz der be­son­de­re ar­beits­recht­li­che Haf­tungs­maßstab nicht durch ein Ver­bot, mit ei­nem dienst­lich ge­nutz­ten Fir­men­fahr­zeug - selbst beim Par­ken - nicht oh­ne Hil­fe rückwärts zu fah­ren: LAG Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 26.01.2011, 7 Sa 638/10.

11/127 Frauendiskriminierung: Geldentschädigung im Berliner Sony-Fall

04.07.2011. Frau­en dürfen we­gen ei­ner Schwan­ger­schaft bei Beförde­run­gen nicht be­nach­tei­ligt wer­den. Dies wäre ei­ne ver­bo­te­ne Frau­en­dis­kri­mi­nie­rung, die Entschädi­gungs­ansprüche zur Fol­ge hat. Im Ber­li­ner SO­NY-Fall muss SO­NY nach lan­ger Pro­zess­dau­er ei­ne Gel­dentschädi­gung we­gen Dis­kri­mi­nie­rung ei­ner schwan­ge­ren Ma­na­ge­rin zah­len: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 28.06.2011, 3 Sa 917/11.

11/126 Fristlose Kündigung wegen Drohung mit Strafanzeige

01.07.2011. An sich wiegt die un­be­rech­tig­te Dro­hung mit ei­ner Straf­an­zei­ge so schwer, dass sie ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te außer­or­dent­li­che (frist­lo­se) Kündi­gung recht­fer­ti­gen kann. Ein vom Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) ent­schie­de­ner Fall zeigt je­doch, dass ei­ne sol­che Dro­hung als we­ni­ger schwer­wie­gend an­ge­se­hen wer­den muss, wenn der Ar­beit­neh­mer sie in ei­ner ex­tre­men Druck­si­tua­ti­on äußert: Säch­si­sches LAG, Ur­teil vom 21.01.2011, 3 Sa 181/10.

11/125 Widerrufsvorbehalt in Arbeitsvertrag, der vor 2002 vereinbart wurde

30.06.2011. Seit An­fang 2002 sind vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te ar­beits­ver­trag­li­che Klau­seln (All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen - AGB) nur wirk­sam, wenn sie dem stren­gen neu­en AGB-Recht ent­spre­chen. Ar­beit­ge­ber hat­ten ein Jahr Zeit (vom 01.01.2002 bis zum 31.12.2002), ih­re vor dem 01.01.2002 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge dem neu­en Recht an­zu­pas­sen. Ob aber ab An­fang 2003 das stren­ge neue Recht oh­ne Ab­stri­che für Alt­verträge gilt und Ar­beit­ge­ber mit ih­ren un­wirk­sa­men Alt­ver­trags-Klau­seln da­her auf die Na­se fal­len, ist um­strit­ten. Der fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) will zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers Alt­ver­trags­klau­seln, die nach neu­em Recht un­wirk­sam sind, im We­ge der "ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung" ret­ten: BAG, Ur­teil vom 20.04.2011, 5 AZR 191/10.

11/123 LAG Berlin: Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenstreichung

28.06.2011. Ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung kann auf die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung gestützt wer­den, dass in­fol­ge ei­ner Stel­len­strei­chung der Beschäfti­gungs­be­darf ent­fal­len ist. Das setzt aber vor­aus, dass die­se Stel­len­strei­chung vor der Kündi­gung ein­deu­tig und endgültig ent­schie­den wur­de. Plant der Ar­beit­ge­ber gleich­zei­tig ei­ne mögli­che Stel­len­neu­be­set­zung, liegt ei­ne un­zulässi­ge „Vor­ratskündi­gung“ vor, so das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 29.09.2010, 15 Sa 654/10.

11/122 Kein Verfall von TVöD-Mehrurlaub nach Krankheit

27.06.2011. Nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm sind die Ur­laubs­re­ge­lun­gen des TVöD kein „ei­genständi­ges Ur­laubs­re­gimes“ ge­genüber den ge­setz­li­chen Ur­laubs­re­ge­lun­gen des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes (BUrlG). Krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ner ta­rif­li­cher Mehr­ur­laub nach dem TVöD verfällt da­her nicht bei lang an­dau­ern­der Krank­heit und muss da­her nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab­ge­gol­ten wer­den: LAG Hamm, Ur­teil vom 24.02.2011, 16 Sa 727/10.

11/121 Zeugnis: Bedauernsformel, Dankesformel, Wunschformel

24.06.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Düssel­dorf ist der Auf­fas­sung, dass Ar­beit­neh­mer je­den­falls bei ei­nem über­durch­schnitt­lich gu­ten Zeug­nis An­spruch auf ei­ne ab­sch­ließen­de Dan­kes- und Wunsch­for­mel ha­ben: LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 03.11.2010, 12 Sa 974/10.

11/120 Austritt aus dem Arbeitgeberverband ohne Einhaltung von Fristen

23.06.2011. Ein Ar­beit­ge­ber­ver­band und sein Mit­glied können die Mit­glied­schaft ein­ver­nehm­lich durch ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag be­en­den, wenn das durch die Ver­bands­sat­zung nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 18.05.2011, 4 AZR 457/09.

11/119 Urlaubsabgeltung in der Insolvenz nach langer Krankheit

22.06.2011. Dem Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­fol­ge wer­den vor dem In­sol­venz­ver­fah­ren an­ge­sam­mel­te Ur­laubs­ansprüche in der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers so be­han­delt, als wären sie kom­plett nach In­sol­ven­zeröff­nung ent­stan­den, wo­mit sie als "Mas­se­for­de­run­gen" Vor­rang ge­genüber gewöhn­li­chen "In­sol­venz­for­de­run­gen" ha­ben, d.h. ge­genüber For­de­run­gen, die (eben­falls) vor der In­sol­ven­zeröff­nung ent­stan­den sind. Be­gründet wird dies mit der Fällig­keit der Ur­laubs­ansprüche, die erst nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens ein­tritt. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ulm meint, dass dies auch gilt, wenn sich die Ur­laubs­ansprüche we­gen lan­ger Krank­heit jah­re­lang an­ge­sam­melt ha­ben: ArbG Ulm, Ur­teil vom 20.08.2010, 1 Ca 74/10.

11/118 Nutzungsausfallentschädigung für Entzug des Dienstwagens

21.06.2011. Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) in Han­no­ver ist ei­ne Ver­trags­klau­sel un­wirk­sam, die nach ei­ner Kündi­gung und Frei­stel­lung den so­for­ti­gen entschädi­gungs­lo­sen Ent­zug der Pri­vat­nut­zung des Dienst­wa­gens ermöglicht, oh­ne für das Rück­ga­be­ver­lan­gen ei­ne min­des­tens vierwöchi­ge Ankündi­gungs­frist vor­zu­se­hen: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 14.09.2010, 13 Sa 462/10.

11/117 Betriebsübergang: Fortsetzungsverlangen nach Betriebsübergang bei Verstoß gegen Unterrichtungspflicht

20.06.2011. Ver­langt ein Ar­beit­neh­mer nach ei­nem Be­triebsüber­gang von dem Be­triebs­er­wer­ber die Fort­set­zung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, muss er die glei­chen Fris­ten ein­hal­ten, die für den Wi­der­spruch ge­gen den ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ten Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten. Grundsätz­lich gilt da­her die Mo­nats­frist des § 613a Abs.5 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) nicht, wenn die Ar­beit­ge­ber­sei­te ih­re Un­ter­rich­tungs­pflicht miss­ach­tet, und ei­ne Ver­wir­kung des Fort­set­zungs­an­spruchs kommt nach fünf Mo­na­ten ab Be­triebsüber­gang meist noch nicht in Be­tracht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 27.01.2011, 8 AZR 326/09.

11/116 LAG Berlin: Fristlose Kündigung wegen Diebstahls am Arbeitsplatz

17.06.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat die frist­lo­se Kündi­gung ei­ner Verkäufe­r­in für rech­tens erklärt, weil die­se 50 Eu­ro aus der Kas­se ge­stoh­len und da­durch (nach 13 Jah­ren be­an­stan­dungs­frei­er Tätig­keit) das Ver­trau­en ih­res Ar­beit­ge­bers ver­lo­ren hat­te: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 16.09.2010, 25 Sa 1080/10.

11/115 Kündigung wegen Arbeitsverweigerung aus Glaubensgründen

16.06.2011. Wei­gert sich ein Ar­beit­neh­mer aus re­li­giösen Gründen, ei­ne ihm zu­ge­wie­se­ne Ar­beits­auf­ga­be zu erfüllen, droht ihm die Kündi­gung. Al­ler­dings muss der Ar­beit­ge­ber vor ei­ner Kündi­gung prüfen, ob es Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten gibt, die den Ar­beit­neh­mer nicht in Ge­wis­sens­kon­flik­te brin­gen, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG): BAG, Ur­teil vom 24.02.2011, 2 AZR 636/09 (Pres­se­mit­tei­lung).

11/113 Keine Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch mündlichen Geschäftsführervertrag

14.06.2011. Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) kann durch ei­nen münd­li­chen Geschäftsführer­ver­trag ein be­reits zu­vor be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis nicht wirk­sam auf­ge­ho­ben wer­den: BAG, Be­schluss vom 15.03.2011, 10 AZB 32/10.

11/112 Detektivkosten: Schadensersatzanspruch des Arbeitgebers

10.06.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber De­tek­tiv­kos­ten von dem Ar­beit­neh­mer nicht ver­lan­gen kann, wenn er von des­sen ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­ten be­reits weiß und mit der wei­te­ren Über­wa­chung nicht das Ziel ver­folgt, die­se Ver­tragsstörung zu be­sei­ti­gen oder wei­te­re Schäden zu verhüten: BAG, Ur­teil vom 28.10.2010, 8 AZR 547/09.

11/111 Gleicher Lohn für Betriebsrat gemäß § 37 Abs. 4 BetrVG

09.06.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass der ge­setz­li­che An­spruch von Be­triebsräten auf glei­che Be­zah­lung gemäß § 37 Abs.4 Satz 1 Be­trVG ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten un­terfällt: BAG, Ur­teil vom 08.09.2010, 7 AZR 513/09.

11/109 Freiwilligkeitsvorbehalt und Widerrufsvorbehalt verhindert keine Weihnachtsgeld-Betriebsübung

07.06.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat klar­ge­stellt, dass die Kom­bi­na­ti­on ei­nes Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­tes mit ei­nem Wi­der­rufs­vor­be­halt in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Ar­beit­ge­bers meist da­zu un­ge­eig­net ist, um die Ent­ste­hung ei­nes An­spruchs auf­grund ei­ner Be­triebsübung aus­zu­sch­ließen: Bei drei­ma­li­ger Weih­nachts­geld­zah­lung ent­steht da­her ein An­spruch auf wei­te­re Zah­lung (kraft Be­triebsübung) trotz ei­ner sol­chen Ver­trags­klaus­sel: BAG, Ur­teil vom 08.12.2010, 10 AZR 671/09.

11/108 Bundesverfassungsgericht: Widerspruchsrecht auch bei Privatisierung aufgrund Gesetzes

06.06.2011. Wird ein Be­trieb auf ei­nen neu­en In­ha­ber über­tra­gen, wird die­ser au­to­ma­tisch zum neu­en Ar­beit­ge­ber der in dem Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Sie können dem Über­gang ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se je­doch wi­der­spre­chen. Ist der Staat als öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber zu­gleich Ge­setz­ge­ber, kann er den Be­triebsüber­gang auf ei­nen pri­va­ten Ar­beit­ge­ber per Ge­setz re­geln. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) hat ent­schie­den, dass das Ver­schie­ben von Ar­beit­neh­mern vom öffent­li­chen auf ei­nen pri­va­ten Ar­beit­ge­ber oh­ne Wi­der­spruchs­recht der Ar­beit­neh­mer de­ren Be­rufs­frei­heit ver­letzt: BVerfG, Be­schluss vom 25.01.2011, 1 BvR 1741/09.

11/106 Verhaltensbedingte Kündigung wegen außerdienstlicher Straftat

01.06.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ei­nem Mit­ar­bei­ter des öffent­li­chen Diens­tes frist­los aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen gekündigt wer­den darf, wenn er außer­halb des Diens­tes straf­bar Zuhälte­rei be­treibt und das mit sei­nem ge­rin­gen Ein­kom­men be­gründet: BAG, Ur­teil vom 28.10.2010, 2 AZR 293/09.

11/105 CGZP war auch in der Vergangenheit nicht tariffähig

31.05.2011. En­de 2010 ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG), dass die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal-Ser­vice-Agen­tu­ren (CG­ZP) nicht ta­riffähig ist. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat das jetzt für die Ver­gan­gen­heit fest­ge­stellt. Be­trof­fe­ne Leih­ar­bei­ter können da­her auch für die Ver­gan­gen­heit den glei­chen Lohn wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb for­dern: Ar­beits­ge­richt Ber­lin, Be­schluss vom 30.05.2011, 29 BV 13947/10.

11/104 Rechte des Betriebsrats beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM)

24.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) München hat ent­schie­den, dass Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet sind, den Be­triebs­rat über al­le Beschäftig­ten zu in­for­mie­ren, für die ein Be­trieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BRM) durch­zuführen ist: LAG München, Be­schluss vom 24.11.2010, 11 TaBV 48/10.

11/103 Kind erkrankt im Urlaub - Urlaubstage sind verbraucht

27.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat ent­schie­den, dass Ur­laubs­ta­ge, die durch die Pfle­ge ei­nes im Ur­laub er­krank­ten Kin­des ent­wer­tet sind, auf den Jah­res­ur­laub an­ge­rech­net wer­den. Sie müssen vom Ar­beit­ge­ber nicht nach­gewährt wer­den: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 10.11.2010, 11 Sa 1475/10.

11/102 Dienstwagennutzung nach fristloser Kündigung

26.05.2011. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Hamm müssen Ar­beit­neh­mer ei­nen pri­vat nutz­ba­ren Dienst­wa­gen nach Er­halt ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung aus­nahms­wei­se nicht her­aus­ge­ben, wenn die Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ist: LAG Hamm, Ur­teil vom 09.11.2010, 12 Sa 1376/10.

11/101 Internet und E-Mail für den Betriebsrat

25.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen ent­schied vor kur­zem über die Fra­ge, ob der Be­triebs­rat ei­nen In­ter­net­an­schluss auch dann ver­lan­gen kann, wenn der Ar­beit­ge­ber für sei­ne Ar­beit das In­ter­net aus Prin­zip so gut wie nie nutzt: LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 27.10.2010, 2 TaBV 55/10.

11/100 Befristung des Arbeitsvertrags bis zur Betriebsschließung?

24.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm ent­schied in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil, dass bei ei­nem zweck­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis die Zweck­er­rei­chung al­lein nach ob­jek­ti­ven Tat­sa­chen zu be­stim­men sein muss und des­halb ei­ne Be­fris­tung bis zum „En­de des Be­triebs“ ei­ner Kli­nik un­wirk­sam ist: LAG Hamm, Ur­teil vom 18.11.2010, 17 Sa 1345/10.

11/099 Kündigung mit Freistellung unter Urlaubserteilung

23.05.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat klar­ge­stellt, dass Aus­le­gungs­zwei­fel bei Frei­stel­lungs­erklärun­gen zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers ge­hen. Macht er bei Frei­stel­lung im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis nicht klar, für wie lan­ge dem Ar­beit­neh­mer mit der Frei­stel­lung Ur­laub gewährt wer­den soll, kann der Ar­beit­neh­mer den nicht ein­deu­tig er­teil­ten Ur­laub nachträglich ver­lan­gen (bzw. des­sen Ab­gel­tung): BAG, Ur­teil vom 17.05.2011, 9 AZR 189/10.

11/098 Sachgrundlose Befristung trotz Vereinbarung eines Sachgrundes möglich

20.05.2011. Das Thürin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) hat ent­schie­den, dass die An­ga­be ei­nes Sach­grun­des im Ar­beits­ver­trag noch nicht un­be­dingt be­deu­tet, dass ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung aus­ge­schlos­sen sein soll: Thürin­ger LAG, Ur­teil vom 12.10.2010, 7 Sa 425/09.

11/097 LAG Berlin: Betriebsbedingte Kündigung bei Rationalisierung

19.05.2011. Stel­len­strei­chun­gen können be­trie­bes­be­ding­te Kündi­gun­gen recht­fer­ti­gen, auch wenn nur ei­ne ein­zi­ge Stel­le ge­stri­chen wird, nämlich die des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers. Dann aber muss der Ar­beit­ge­ber den Sinn sei­ner Ra­tio­na­li­sie­rungs­ent­schei­dung schon et­was ge­nau­er erklären als bei ei­ner gewöhn­li­chen be­trie­bes­be­ding­ten Kündi­gung. Dass das nicht so leicht ist, zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ber­lin-Bran­den­burgs: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 25.11.2010,2 Sa 707/10.

11/096 Betriebsrat: Mitbestimmung bei Einstellung

18.05.2011. Möch­te der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer ein­stel­len, muss er den Be­triebs­rat zu­vor um­fas­send über die ge­plan­te Ein­stel­lung un­ter­rich­ten. Auf die­se Wei­se kann der Be­triebs­rat prüfen, ob er ein Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­recht gemäß § 99 Abs.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) hat und ob er sei­ne Zu­stim­mung ver­wei­gern soll. Frag­lich ist, ob der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat bei ei­ner ge­plan­ten be­fris­te­ten Ein­stel­lung auch über den Be­fris­tungs­grund in­for­mie­ren muss: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 27.10.2010, 7 ABR 86/09.

11/095 LAG Frankfurt: Fristlose Kündigung eines Fluglotsen

17.05.2011. Ei­ne außer­or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung ist im All­ge­mei­nen nur wirk­sam, wenn der Ar­beit­neh­mer zu­vor we­gen ei­nes gleich­ar­ti­gen Fehl­ver­hal­tens ab­ge­mahnt wur­de. Bei sehr schwe­ren Pflicht­ver­let­zun­gen ist ei­ne Ab­mah­nung aber nicht nötig, so z.B. wenn ein Flug­lot­se oft und mas­siv Pau­sen über­zieht und da­durch Gefähr­dun­gen des Flug­ver­kehrs in Kauf nimmt: Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.11.2010, 8 Sa 491/10.

11/094 Arbeitsverweigerung wegen behaupteter Diskriminierung

16.05.2011. Kölner Ar­beits­rich­ter: Im ar­beits­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren kann nicht auf die ge­richt­li­che Fest­stel­lung ge­klagt wer­den, dass dem An­trag­stel­ler ein Zurück­be­hal­tungs­recht we­gen ei­ner von ihm be­haup­te­ten Dis­kri­mi­nie­rung zu­steht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 24.11.2010, 5 Ta 361/10.

11/093 Einigungsstelle: Befangenheit des Vorsitzenden

13.05.2011. Befürch­ten Be­triebs­rat oder Ar­beit­ge­ber, dass der Vor­sit­zen­de ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zu­guns­ten der Ge­gen­par­tei be­fan­gen ist, können sie ihn we­gen Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit ab­leh­nen. Lehnt die Ei­ni­gungs­stel­le den Be­fan­gen­heits­an­trag ab, kann ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung be­an­tragt wer­den. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass über sol­che Be­fan­gen­heits­anträge das Ar­beits­ge­richt in ers­ter und letz­ter In­stanz zuständig ist: BAG, Be­schluss vom 17.11.2010, 7 ABR 100/09.

11/092 Aufhebungsvertrag - Anfechtung oder Rücktritt bei Insolvenz?

12.05.2011. Nach An­sicht des nie­dersäch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) hat ein Auf­he­bungs­ver­trag auch bei In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers Be­stand: Ar­beit­neh­mer können nach der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen ih­res Ar­beit­ge­bers nicht mehr von ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag zurück­tre­ten. Auch ei­ne An­fech­tung we­gen Irr­tums ist meist aus­ge­schlos­sen: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 15.12.2010, 2 Sa 742/10.

11/091 Videoüberwachung am Arbeitsplatz - Schmerzensgeld

11.05.2011. Das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) in Frank­furt am Main sprach ei­ner kaufmänni­schen An­ge­stell­ten, die ge­gen ih­ren Wil­len et­wa drei Mo­na­te lang von ih­rem Ar­beit­ge­ber oh­ne vernünf­ti­gen Grund am Ar­beits­platz mit ei­ner Vi­deo­ka­me­ra über­wacht wur­de, ei­ne Schmer­zens­geld in Höhe von 8.000 Eu­ro zu: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 25.10.2010, 7 Sa 1586/09.

11/090 Betriebsrat: Beschlussfassung bei Verhinderung eines Mitglieds

10.05.2011. Ist ein Be­triebs­rats­mit­glied im Rechts­sinn zeit­wei­lig "ver­hin­dert" und stimmt trotz­dem bei ei­nem Be­triebs­rats­be­schluss mit ab, ist die­ser un­wirk­sam. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat sich in dem vor­lie­gen­den Be­schluss mit der Fra­ge be­fasst, wann während ei­ner El­tern­zeit und Zei­ten des Mut­ter­schut­zes ei­ne Ver­hin­de­rung an­ge­nom­men wer­den kann: LAG Hamm, Be­schluss vom 15.10.2010, 10 TaBV 37/10.

11/089 Fristlose Eigenkündigung ohne vorherige Abmahnung?

09.05.2011. Ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Nie­der­sach­sen zeigt, dass ei­ne Ei­genkündi­gung des Ar­beit­neh­mers we­gen ei­nes ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Fehl­ver­hal­tens gut über­legt sein soll­te. Ist die Kündi­gung un­wirk­sam, be­en­det sind nämlich in al­ler Re­gel trotz­dem das Ar­beits­verhält­nis (nur eben frist­ge­recht) und schließt zu­gleich Scha­dens­er­satz­ansprüche we­gen Auflösungs­ver­schul­den des Ar­beit­ge­bers aus: LAG Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 04.10.2010, 9 Sa 246/10.

11/088 Befristung wegen vorübergehenden Bedarfs

06.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Be­fris­tung we­gen vorüber­ge­hen­den Be­darfs im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Pro­jekt zu­sam­men­ge­fasst. Da­nach setzt ei­ne Pro­jekt­be­fris­tung vor­aus, dass es sich um ei­ne vorüber­ge­hen­de und ge­genüber Dau­er­auf­ga­ben ab­grenz­ba­re Zu­satz­auf­ga­be han­delt, de­ren zeit­li­che Dau­er auf ei­ner sorgfälti­gen Pro­gno­se be­ruht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.01.2011, 5 Sa 1237/10.

11/087 Abfindung: Diskriminierung durch Staffelung nach Altersgruppen?

05.05.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ent­schie­den, dass ei­ne so­wohl an­hand von Le­bens­al­ter als auch Be­triebs­zu­gehörig­keit be­rech­ne­te Ab­fin­dungs­zah­lung bei ei­ner Al­ters­staf­fe­lung pro Le­bens­jahr­zehnt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen Al­ters ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.04.2011, 1 AZR 764/09.

11/086 Aufwendungsersatz für das häusliche Arbeitszimmer eines Lehrers?

04.05.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat ent­schie­den, dass ein Leh­rer die Kos­ten für sein häus­li­ches Ar­beits­zim­mer und des­sen Aus­stat­tung nicht als Auf­wen­dungs­er­satz von sei­nem Ar­beit­ge­ber zurück­ver­lan­gen kann: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.04.2011, 9 AZR 14/10 (Pres­se­mit­tei­lung).

11/085 Rhetorik-Schulung für den Betriebsrat

03.05.2011. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass der Be­triebs­rat nicht los­gelöst von ei­nem kon­kre­ten Schu­lungs­ter­min und Schu­lungs­ort fest­stel­len las­sen kann, dass die Teil­nah­me an der Schu­lungs­ver­an­stal­tung ei­nes be­stimm­ten An­bie­ters für ein be­stimm­tes Be­triebs­rats­mit­glied er­for­der­lich ist: BAG, Be­schluss vom 12.01.2011, 7 ABR 94/09.

11/084 Fristlose Kündigung eines Call-Center-Agents wegen Grußformel "Jesus hat Sie lieb"

02.05.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat - an­ders als zu­vor das Ar­beits­ge­richt Bo­chum - ent­schie­den, dass ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Call-Cen­ter-Agent frist­los kündi­gen kann, weil er Kun­den­gespräche be­harr­lich und ent­ge­gen ei­ner Wei­sung des Ar­beit­ge­bers mit der Ab­schieds­for­mel „Je­sus hat Sie lieb!“ be­en­det: LAG Hamm, Ur­teil vom 20.04.2011, 4 Sa 2230/10.

11/083 Kündigung: Anhörung der Mitarbeitervertretung (MAV) gemäß MAVO

29.04.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat klar­ge­stellt, dass ka­tho­li­schen Ein­rich­tun­gen die Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV) vor je­der Kündi­gung anhören müssen. An­dern­falls ist die Kündi­gung un­wirk­sam: LAG Köln, Ur­teil vom 26.10.2010, 12 Sa 936/10.

11/080a Wann liegt beim Betriebsteilübergang eine wirtschaftliche Einheit vor?

28.04.2011. Wird ein Be­triebs­teil an ei­nen neu­en In­ha­ber durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über­tra­gen, tritt der neue In­ha­ber in die Rech­te und Pflich­ten aus den be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Vor­aus­set­zung ist aber, dass der über­ge­gan­ge­ne Be­triebs­teil ei­ne ei­genständi­ge "wirt­schaft­li­che Ein­heit" ist. Die­se Vor­aus­set­zung ist oft nicht erfüllt, wenn zen­tra­le Un­ter­neh­mens­be­rei­che bei ei­nem Be­triebs­teilüber­gang von dem oder den Er­wer­bern nicht über­nom­men wer­den sol­len. So lag es in ei­nem ak­tu­el­len vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ent­schie­de­nen Fall: BAG, Ur­teil vom 07.04.2011, 8 AZR 730/09.

11/080 Anordnung von Kurzarbeit ohne Ankündigungsfrist?

26.04.2011.In ei­nem ar­beit­ge­ber­sei­tig vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trag kann sich der Ar­beit­ge­ber vor­be­hal­ten, ein­sei­tig Kurz­ar­beit ein­zuführen. Al­ler­dings muss ei­ne sol­che Kurz­ar­beits­klau­sel kon­kret deut­lich ma­chen, wann und mit wel­cher Ankündi­gungs­frist der Ar­beit­ge­ber von die­ser Be­fug­nis Ge­brauch ma­chen darf: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 07.10.2010, 2 Sa 1230/10.

11/079 Keine Versetzung einer Teilzeitkraft ins Ausland

21.04.2011. Ar­beit­ge­ber dürfen In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung ein­sei­tig per An­wei­sung be­stim­men. Al­ler­dings müssen Ar­beits­an­wei­sun­gen auch auf die be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers Rück­sicht neh­men. Das hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) ent­schied kürz­lich die Fra­ge, ob ei­ne während der El­tern­zeit teil­zeit­beschäftig­te jun­ge Mut­ter zwei Ta­ge pro Wo­che in Lon­don ar­bei­ten muss: Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 15.02.2011, 13 Sa­Ga 1934/10.

11/078 Befristung: Keine Vertragsverlängerung zusammen mit Änderung der Vertragsbedingungen

20.04.2011. Die sach­grund­lo­se Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen ist bis zu zwei Jah­ren Ge­samt­dau­er möglich und in­ner­halb die­ses Zeit­raums bis zu drei­mal verlänger­bar. Ei­ne "Verlänge­rung" liegt aber nur vor, wenn aus­sch­ließlich das En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses hin­aus­ge­scho­ben wird und die Ver­trags­be­din­gun­gen im Übri­gen gleich blei­ben. An­dern­falls ist die Fol­ge­be­fris­tung un­wirk­sam. Die­se Re­gel wird oft nicht be­ach­tet: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 28.09.2010, 7 Sa 1275/10.

11/077 Personenbedingte Kündigung bei langer Haftstrafe

19.04.2011. Kann ein Ar­beit­neh­mer in­fol­ge in­di­vi­du­el­ler Pro­ble­me sei­ne Ar­beits­leis­tung nicht (mehr) er­brin­gen, kommt ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kündi­gung in Be­tracht, so z.B. bei länge­ren Haft­stra­fen im ge­schlos­se­nen Voll­zug. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat nun die Fra­ge be­ant­wor­tet, ab wel­cher Haft­dau­er dem Ar­beit­ge­ber nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den kann, auf den Ar­beit­neh­mer zu war­ten: BAG, Ur­teil vom 24.03.2011, 2 AZR 790/09.

11/076 Diskriminierung durch falsche Anrede in Bewerbungsabsage?

18.04.2011. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) soll un­ge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gun­gen (Dis­kri­mi­nie­run­gen) im Be­rufs­le­ben ver­hin­dern, wenn die­se aus be­stimm­ten, im Ge­setz ge­nann­ten Gründen (z.B. Ge­schlecht, eth­ni­sche Her­kunft, Re­li­gi­on) verübt wer­den. Be­trof­fe­ne müssen nicht die Be­nach­tei­li­gung selbst be­wei­sen, son­dern nur Tat­sa­chen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung ver­mu­ten las­sen. Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ent­schied kürz­lich über die Fra­ge, ob ei­ne fal­sche An­re­de in ei­nem Ab­leh­nungs­schrei­ben für ei­ne sol­che Ver­mu­tung aus­reicht: Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 22.03.2011, 14 Ca 908/11.

11/075 Kein tarifvertraglicher Zwang zur Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern

15.04.2011. Nach­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Ur­teil vom 18.03.2009 (4 AZR 64/08) ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln in Ta­rif­verträgen für zulässig erklärt hat, be­ant­wor­te­te es nun die Fra­ge, ob auch qua­li­fi­zier­te Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­seln recht­lich un­be­denk­lich sind: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.03.2011, 4 AZR 366/09.

11/074 Sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen erleichtert

14.04.2011. Oh­ne ei­nen sach­li­chen Grund kann ein Ar­beits­ver­trag nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) nur bei Neu­ein­stel­lun­gen be­fris­tet wer­den, d.h. nur dann, wenn die Ver­trags­par­tei­en nicht "be­reits zu­vor ein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis“ hat­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass sol­che Zu­vor-Ar­beits­verhält­nis­se sach­grund­lo­sen Zeit­verträgen nur dann ent­ge­gen­ste­hen, wenn sie mehr als drei Jah­re zurück­li­gen. Da­mit hat das BAG sach­grund­lo­se Zeit­verträge er­heb­lich er­leich­tert: BAG, Ur­teil vom 06.04.2011, 7 AZR 716/09.

11/073 Widerruf der Bestellung eines Datenschutzbeauftragten

13.04.2011. Da­ten­schutz­be­auf­trag­te sol­len auf die Ein­hal­tung von da­ten­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten hin­wir­ken. Da­mit sie das un­be­ein­flusst tun können, dürfen sie nur aus wich­ti­gen Grund im Sin­ne von § 626 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) von die­ser Auf­ga­be ent­bun­den wer­den. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat ent­schie­den, dass ein aus­rei­chend "wich­ti­ger Grund" nicht al­lein dar­in liegt, dass der Ar­beit­ge­ber künf­tig an­stel­le ei­nes in­ter­nen Da­ten­schutz­be­auf­trag­ten ei­ne ex­ter­ne Kraft ein­set­zen möch­te: BAG, Ur­teil vom 23.03.2011, 10 AZR 562/09.

11/069 Vorverurteilung durch Vorgesetzten: Schmerzensgeld wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts

07.04.2011. Die Fürsor­ge­pflicht ver­pflich­tet Ar­beit­ge­ber und Dienst­her­ren, auf ih­re Ar­beit­neh­mer und Be­am­ten Rück­sicht zu neh­men und bei­spiels­wei­se her­ab­set­zen­de Be­mer­kun­gen zu un­ter­las­sen. Al­les an­de­re ver­letzt das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht und kann in schwer­wie­gen­den Fällen zu ei­nem Schmer­zens­geld­an­spruch führen: Land­ge­richt Frank­furt, Ur­teil vom 07.03.2011, 2-04 O 584/09.

11/068 Kein "Nachschieben" von Kündigungsgründen, zu denen die MAV nicht angehört wurde

06.04.2011. Ar­beit­ge­ber müssen den Be­triebs­rat vor je­der Kündi­gung anhören und ihm die Kündi­gungs­gründe mit­tei­len. Die Kündi­gung ist sonst un­wirk­sam. Sie kann außer­dem im Kündi­gungs­schutz­pro­zess nur auf die dem Be­triebs­rat vor­ab mit­ge­teil­ten Gründe gestützt wer­den. Dies gilt auch in evan­ge­li­schen Ein­rich­tun­gen und für die dort statt ei­nes Be­triebs­rats be­ste­hen­de Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV): Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 03.11.2010, 15 Sa 1738/10.

11/066 Tarifliche Rentenaltersklausel in der Regel zulässig

04.04.2011. In Ta­rif­verträgen können Re­ge­lun­gen ent­hal­ten sein, laut de­nen Ar­beits­verhält­nis­se au­to­ma­tisch en­den, wenn der Ar­beit­neh­mer das Ren­ten­al­ter er­reicht hat. Nach der jünge­ren Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes sind sol­che Re­ge­lun­gen eu­ro­pa­recht­lich un­be­denk­lich. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat je­doch in zwei Ent­schei­dun­gen im­mer noch gut be­gründe­te Be­den­ken geäußert. Ei­ne die­ser bei­den Ent­schei­dun­gen wur­de nun vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg über­prüft: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 22.02.2011, 4 Sa 76/10.

11/065 Streikrecht in kirchlichen Einrichtungen mit Tarifbindung

01.04.2011. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ham­burg hat über die Fra­ge ent­schie­den, ob das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht Streiks auch dann aus­sch­ließt, wenn sich ei­ne evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che und ih­re Dia­ko­nie aus­nahms­wei­se für die An­wen­dung von Ta­rif­verträgen ent­schie­den hat: LAG Ham­burg, Ur­teil vom 23.03.2011, 2 Sa 83/10.

11/064 Equal pay-Ansprüche und tarifliche Ausschlussfristen

31.03.2011. Leih­ar­bei­ter können von ih­rem Ver­lei­her die glei­che Vergütung wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Ent­lei­her­be­trieb for­dern ("equal pay"), so­lan­ge kein ech­ter Ta­rif­ver­trag et­was an­de­res vor­sieht. Leih­ar­beit­neh­mer, die gemäß den Schein­ta­rif­verträgen der Christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) be­zahlt wer­den, können equal pay-Ansprüche gel­tend ma­chen. Die Fra­ge, ob sie da­bei auf Aus­schluss­klau­seln in den Ent­lei­her-Ta­rif­verträgen ach­ten müssen, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) be­ant­wor­tet (Ur­teil vom 23.03.2011, 5 AZR 7/10).

11/063 Vorsitzender der Einigungsstelle - wer wirds?

30.03.2011. In Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren hat die Per­son des Vor­sit­zen­den große Be­deu­tung. Beim Streit über die Er­ri­chung der Ei­ni­gungs­stel­le und/oder über die Per­son des Vor­sit­zen­den ent­schei­det das Ar­beits­ge­richt. Um­strit­ten ist, ob das Ge­richt an den vom An­trag­stel­ler vor­ge­schla­ge­nen Vor­sit­zen­den ge­bun­den ist oder nicht. Folgt das Ge­richt die­ser Mei­nung, kann die Par­tei, die am schnells­ten vor Ge­richt zieht, den Vor­sit­zen­den fak­tisch be­stim­men. Aber auch wenn das Ge­richt hier an­de­rer Mei­nung ist, muss die lang­sa­me­re Par­tei zu­min­dest ei­nen per­so­nel­len Ge­gen­vor­schlag ma­chen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Be­schluss vom 30.09.2010, 15 TaBV 4/10.

11/062 Tarifliche Zwangspensionierung verfassungswidrig und frauendiskriminierend?

29.03.2011. Ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen, de­nen zu­fol­ge Ar­beits­verhält­nis­se mit dem Ren­ten­al­ter oh­ne Kündi­gung en­den, sind um­strit­ten. Nach ei­ner im Ok­to­ber 2010 ge­trof­fe­nen Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes (EuGH) sind sie aber wei­test­ge­hend eu­ro­pa­recht­lich un­be­denk­lich. Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg beug­te sich zwar die­ser Auf­fas­sung, be­zwei­felt die Wirk­sam­keit von sol­chen Klau­seln nun aber mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Ar­gu­men­ten und gibt be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern das Recht auf ei­ne Wei­ter­beschäfti­gungs­op­ti­on: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 25.01.2011, 21 Ca 235/08.

11/061 Haushaltsbefristungen bei der Bundesagentur für Arbeit sind unwirksam

28.03.2011. Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges ist möglich, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln für be­fris­te­te Verträge vergütet wird. Öffent­lich-recht­li­che Ar­beit­ge­ber, die ih­re Haus­haltspläne selbst auf­stel­len, ha­ben da­mit an­ders als pri­va­te Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit, selbst Be­fris­tungs­gründe zu schaf­fen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun die Fra­ge be­ant­wor­tet, ob das mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­heits­satz ver­ein­bar ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.03.2011, 7 AZR 728/09.

11/060 Unwirksamkeit einer Abmahnung: Vorbereitung Betriebsratswahl während der Arbeitszeit

25.03.2011. Be­triebsräte sind vom Ge­setz­ge­ber gewünsch­te, von Ar­beit­ge­bern häufig als lästig emp­fun­de­ne Or­ga­ne der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung. Ih­re Gründung wird da­her re­gelmäßig ver­mie­den oder je­den­falls mit Arg­wohn be­trach­tet. Wer ei­nen ge­ringfügi­gen Teil sei­ner Ar­beits­zeit da­zu nutzt, die Wahl ei­nes Be­triebs­ra­tes bzw. ei­nes Wahl­aus­schus­ses vor­zu­be­rei­ten, muss je­doch im­mer­hin nicht fürch­ten, hierfür ei­ne Ab­mah­nung zu er­hal­ten: Ar­beits­ge­richt Kiel, Ur­teil vom 16.09.2010, 5 Ca 1030 d/10.

11/059 Verfall von Resturlaub bei tariflicher Ausschlussfrist

24.03.2011. Nach der neue­ren Recht­spre­chung steht fest, dass seit En­de 2006 we­gen Ar­beits­unfähig­keit nicht gewähr­ter Ur­laub nicht mit dem En­de des je­wei­li­gen Jah­res verfällt. Geklärt ist zwi­schen­zeit­lich auch, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen für den ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub und den ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub tref­fen können. Das kann bei­spiels­wei­se durch Aus­schluss­fris­ten ge­sche­hen. Mehr Ur­laub kann da­mit im Ge­gen­satz zu Min­des­t­ur­laub ver­fal­len. Ist Ur­laub nur teil­wei­se gewährt wor­den, kann da­mit ent­schei­dend sein, ob der ver­fall­ba­re oder der un­ver­fall­ba­re Teil des Ur­laubs gewährt wur­de: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 30.09.2010, 5 Sa 353/10.

11/058 Auflösungsantrag des Arbeitgebers nach außerordentlicher Kündigung

23.03.2011. Ein Auflösungs­an­trag ist ei­ne Möglich­keit, ein Ar­beits­verhält­nis im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses trotz ei­ner un­wirk­sa­men Kündi­gung zu be­en­den. Bei ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung können ihn so­wohl der Ar­beit­neh­mer als auch der Ar­beit­ge­ber stel­len. Hin­ge­gen hat bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes nur der Ar­beit­neh­mer die­se Op­ti­on. Frag­lich kann sein, ob hier­von aus­nahms­wei­se zu Guns­ten des Ar­beit­ge­bers ab­ge­wi­chen wer­den kann: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 30.09.2010, 2 AZR 160/09.

11/057 Tariffähigkeit einer Gewerkschaft bestimmt sich nicht nach der Zahl der Tarifabschlüsse

22.03.2011. Grund­ge­setz­lich geschützt sind al­le Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen. Ta­rif­verträge dürfen aber nur Ge­werk­schaf­ten ab­sch­ließen. Im Ta­rif­ver­trags­ge­setz ist al­ler­dings nicht de­fi­niert, wann ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung tatsächlich ei­ne Ge­werk­schaft ist. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat hier­zu ei­ne Rei­he von Min­dest­vor­aus­set­zun­gen auf­ge­stellt und die­se anläss­lich ei­nes Streits über die Ta­riffähig­keit der Ge­werk­schaft für Kunst­stoff­ge­wer­be und Holz­ver­ar­bei­tung (GKH) präzi­siert: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 05.10.2010, 1 ABR 88/09.

11/056 Weisungsrecht: Änderungskündigung unwirksam

21.03.2011. Kann der Ar­beit­ge­ber an­stel­le ei­ner Ände­rungskündi­gung auch ei­ne Wei­sung er­tei­len, ist die Ände­rungskündi­gung unnötig und da­her un­wirk­sam. Nimmt der Ar­beit­neh­mer das mit der Ände­rungskündi­gung un­ter­brei­te­te Ände­rungs­an­ge­bot aber un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung an (§ 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz - KSchG) und er­hebt Ände­rungs­schutz­kla­ge, kann die­se kei­nen Er­folg ha­ben. Denn die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen ist so oder so rech­tens, letzt­lich schon auf­grund der Wei­sung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 23.09.2010, 11 Sa 213/10.

11/055 Abmahnung: Die Ausübung ihrer Religion am Arbeitsplatz ist Erziehern untersagt

18.03.2011. Ar­beit­ge­ber dürfen ih­ren Ar­beit­neh­mern nur aus­nahms­wei­se re­li­giöse Be­kun­dun­gen während der Ar­beits­zeit ver­bie­ten, da die­se grund­recht­lich geschützt sind. Ei­ne die­ser Aus­nah­men greift nach der Recht­spre­chung aus Gründen staat­li­cher Neu­tra­lität in Schu­len. Dafür muss es al­ler­dings ei­ne ent­spre­chen­de ge­setz­li­che Grund­la­ge, ein so ge­nann­tes "Neu­tra­litäts­ge­bot" ge­ben. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun ent­schie­den, dass die­se Grundsätze auch für Kin­der­ta­gesstätten gel­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.08.2010, 2 AZR 593/09.

11/054 Arbeitszeugnis: Unterschrift nur vom Aussteller persönlich

17.03.2011. Zeug­nis­se sind für das be­ruf­li­che Fort­kom­men von Ar­beit­neh­mern häufig wich­tig und da­her im­mer wie­der ein Streit­punkt am En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses. In al­ler Re­gel geht es nicht um das Zeug­nis als sol­ches, son­dern um kon­kre­te For­mu­lie­run­gen oder "Ge­heim­codes". Letz­te­re ver­s­toßen ge­gen das ge­setz­lich ver­an­ker­te Ge­bot der Zeug­nis­klar­heit. So vielfältig wie die mögli­chen For­mu­lie­run­gen ist auch die Recht­spre­chung zu der Fra­ge, wann ein sol­ches un­zulässi­ges Code­zei­chen vor­liegt: Ar­beits­ge­richt München, Be­schluss vom 18.08.2010, 21 Ca 12890/09.

11/053 Betriebsrat erstreitet Unwirksamkeit eines Beschlusses der Einigungsstelle

16.03.2011. Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz sieht zur Bei­le­gung von Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat die Bil­dung ei­ner in­ner­be­trieb­li­chen Sch­lich­tungs­stel­le vor, bei der es sich ent­we­der um ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le oder um ei­ne auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges ge­bil­de­te ta­rif­li­che Sch­lich­tungs­stel­le han­delt. Das Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren selbst ist ge­setz­lich nur in Grundzügen ge­re­gelt. In­so­weit liegt je­doch ei­ne ver­bind­li­che Hand­lungs­an­lei­tung vor. Verstöße hier­ge­gen können zur Un­wirk­sam­keit des Ei­ni­gungs­stel­len­spru­ches und da­mit zu ei­ner Fort­set­zung des Kon­flik­tes führen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 14.09.2010, 1 ABR 30/09.

11/052 Zur Zulässigkeit der Mitgliederwerbung von Gewerkschaften in Einrichtungen der Kirche

15.03.2011. Die Mit­glie­der­wer­bung ist für Ge­werk­schaf­ten von großer Be­deu­tung. Das gilt auch im Be­reich kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber. Während für "welt­li­che" Be­trie­be das Zu­tritts­recht be­triebs­frem­der Ge­werk­schafts­mit­glie­der zwecks Wer­bung im Prin­zip an­er­kannt ist, ist das bei kirch­li­chen Ar­beit­ge­bern nicht der Fall: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 08.09.2010, 2 Sa 24/10.

11/051 LAG Berlin-Brandenburg: Kündigung nach vorweggenommener Abmahnung

14.03.2011. Ei­ne Ab­mah­nung ist als "Warn­schuss" für den Ar­beit­neh­mer ge­dacht. Ihm soll da­mit vor Au­gen geführt wer­den, dass er sich falsch ver­hal­ten hat und im Wie­der­ho­lungs­fall mit ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen ein­sch­ließlich ei­ner Kündi­gung rech­nen muss. Sie ist prak­tisch ei­ne Vor­stu­fe der ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung und vor die­ser nur aus­nahms­wei­se ent­behr­lich: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.11.2010, 10 Sa 1823/10.

11/050 OT-Mitgliedschaft: Streik trotz fehlender Tarifbindung möglich

11.03.2011. Die Mit­glied­schaft ei­nes Ar­beit­ge­bers in ei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band ist als re­guläre Mit­glied­schaft und als Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung möglich. Der Wech­sel kann je nach Sat­zung auch frist­los als "Blitz­wech­sel" statt­fin­den, so­gar während lau­fen­der Ta­rif­ver­hand­lun­gen. Frag­lich ist im Ein­zel­fall je­doch, ob der Ar­beit­ge­ber dann gleich­wohl noch an das Ver­hand­lungs­er­geb­nis ge­bun­den ist und ob er in den lau­fen­den Ver­hand­lun­gen noch be­streikt wer­den darf: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.11.2010, 8 Sa 446/10.

11/049 Vertragsstrafe für rechtswidrige Vertragsauflösung durch Arbeitnehmer

10.03.2011. In vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträgen dürfen dem Grun­de nach Stra­fen für den Fall ver­trags­wid­ri­gen Ver­hal­tens auf­ge­nom­men wer­den. Der Höhe nach dürfen die­se so ge­nann­ten Ver­trags­stra­fen je­doch den Ar­beit­neh­mer nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Das ist der Fall, wenn die Stra­fe höher als das wirt­schaft­li­che In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Ar­beits­kraft des Ar­beit­neh­mers ist: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 23.09.2010, 8 AZR 897/08.

11/047 Fristlose Kündigung ohne Abmahnung bei unklaren Pflichten des Arbeitnehmers?

08.03.2011. Ei­ne Kündi­gung ist nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on das "letz­te Mit­tel", wenn al­le an­de­ren Möglich­kei­ten aus­geschöpft sind, um künf­ti­ge Pflicht­verstöße ei­nes Ar­beit­neh­mers zu ver­mei­den. In al­ler Re­gel gibt es hier als mil­de­res Mit­tel die Möglich­keit, ei­ne Ab­mah­nung aus­zu­spre­chen. Hin und wie­der kann aber selbst die­se un­verhält­nismäßig sein. Das kommt bei­spiels­wei­se in Be­tracht, wenn der Ar­beit­ge­ber noch nicht ein­mal vernünf­tig klar­ge­stellt hat, wel­ches Ver­hal­ten erwünscht ist bzw. wel­che Pflich­ten der Ar­beit­neh­mer über­haupt hat: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 24.11.2010, 3 Sa 204/10.

11/045 Aufruf zum Streik vom eigenen Arbeitsplatz

04.03.2011. Zu den grund­recht­lich geschütz­ten Ak­ti­vitäten von Ge­werk­schaf­ten und Ge­werk­schafts­mit­glie­dern gehört es, Wer­bung für ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on ma­chen zu dürfen. Auch der Auf­ruf zu ei­nem rechtmäßigen Streik ist er­laubt. Die­se Rech­te können nur im Ein­zel­fall und nur durch die ver­fas­sungsmäßigen Rech­te an­de­rer, bei­spiels­wei­se des Ar­beit­ge­bers, ein­ge­schränkt wer­den. Stets muss ab­ge­wo­gen wer­den, wer schutz­bedürf­ti­ger ist. Für den Fall ei­nes di­gi­ta­len Streik­auf­rufs über das E-Mail-Sys­tem ei­nes Ar­beit­ge­bers tat dies das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 20.08.2010, 19 Sa 1835/09.

11/044 Kündigung bei Betriebsübergang ohne Hinweis auf die Widerspruchsfrist des Arbeitnehmers

03.03.2011. Bei ei­nem Be­triebsüber­gang ge­hen die Ar­beits­verhält­nis­se des Be­trie­bes auf den Be­triebs­er­wer­ber über. Dies gilt al­ler­dings nur, wenn die Ar­beit­neh­mer dem nicht wirk­sam wi­der­spre­chen. In die­sem Fall wer­den die Ar­beits­verhält­nis­se recht­lich so be­han­delt, als wäre der Ar­beit­ge­ber nie­mals "aus­ge­tauscht" wor­den. Frag­lich ist, ob ei­ne in der Zeit zwi­schen dem Über­gang und dem Wi­der­spruch erklärte Kündi­gung des Veräußerers wirk­sam sein kann, ob­wohl er im Zeit­punkt der Kündi­gung tatsächlich nicht Ar­beit­ge­ber war: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 22.10.2010, 6 Sa 1580/10.

11/043 Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei unwirksamer Kündigung

02.03.2011. Auch wenn ei­ne Kündi­gung un­wirk­sam ist, kann sie un­ter Umständen da­zu bei­tra­gen, dass das Ar­beits­verhält­nis trotz­dem be­en­det wird. Ei­ne der Va­ri­an­ten, wie es da­zu kom­men kann, ist ein Auflösungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers. Er ist er­folg­reich, "wenn Gründe vor­lie­gen, die ei­ne den Be­triebs­zwe­cken dien­li­che wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht er­war­ten las­sen". Über die Fra­ge, ob ein sol­cher Grund auch die ag­gres­si­ve Ver­hand­lungsführung des Ar­beit­neh­mer­an­walts sein kann, ent­schied das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit sei­nem Ur­teil vom 09.09.2010, 2 AZR 482/09.

11/042 Verfall des Anspruchs auf Urlaubsgeld nach Renteneintritt

01.03.2011. Seit der grund­le­gen­den Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes in Sa­chen "Schultz-Hoff" steht fest, dass er­krank­te Ar­beit­neh­mer ih­ren Ur­laub über das Ka­len­der­jahr hin­aus an­sam­meln können. Mit dem En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses wan­delt sich der of­fe­ne Ur­laubs­an­spruch in ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch um, der schnell ei­ne be­acht­li­che Höhe er­rei­chen kann. Da­her wer­den ver­schie­de­ne Mo­del­le zur Be­gren­zung der ent­ste­hen­den Ansprüche dis­ku­tiert, bei­spiels­wei­se die An­wen­dung von Aus­schluss­klau­seln auf Ur­laubs­ab­gel­tungs­ansprüche. Frag­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang auch, ob bei ei­nem Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses Ur­laubs­ansprüche über­haupt ent­ste­hen können: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 05.05.2010, 7 Sa 1571/09.

11/041 LAG Köln: Benachteiligung eines Betriebsratsmitgliedes

28.02.2011. Be­triebs­rats­mit­glie­der sol­len ihr Amt un­be­ein­flusst ausüben können. Es ist des­halb ver­bo­ten, sie oh­ne sach­li­chen Grund ge­genüber ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mern zu be­nach­tei­li­gen. Frag­lich kann sein, was in die­sem Zu­sam­men­hang ein aus­rei­chen­der sach­li­cher Grund ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 26.07.2010, 5 Sa­Ga 10/10.

11/040 Diskriminierung wegen Behinderung bei Stellenausschreibung

25.02.2011. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ver­bie­tet, un­ter an­de­rem, Dis­kri­mi­nie­run­gen we­gen ei­ner Be­hin­de­rung. Wer ge­gen die­ses Ver­bot verstößt, muss un­ter Umständen Entschädi­gungs­zah­lun­gen leis­ten. Da­bei muss die Dis­kri­mi­nie­rung an­hand von In­di­zi­en glaub­haft ge­macht wer­den. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun ent­schie­den, dass ein Ver­s­toß ge­gen zwin­gen­de so­zi­al­recht­li­che Ver­fah­rens­vor­schrif­ten sol­che In­di­zi­en sein können: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 17.08.2010, 9 AZR 839/08.

11/039 Kontrolle arbeitsvertraglicher Bestimmungen bei Verweis auf einen Tarifvertrag

24.02.2011. Meist ist es der Ar­beit­ge­ber, der den je­wei­li­gen Ar­beits­ver­trag vor­for­mu­liert. Da­bei ist es üblich, auch ganz oder teil­wei­se auf Ta­rif­verträge zu ver­wei­sen. Die über ei­ne sol­che Ver­wei­sung Teil des Ar­beits­ver­trags ge­wor­de­nen Ta­rif­ver­trags­klau­seln wer­den un­ter Umständen nicht so streng auf ih­re Wirk­sam­keit hin kon­trol­liert wie an­de­re, "ech­te" ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen. An­hand ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen wird deut­lich, dass noch nicht völlig geklärt ist, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das der Fall ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 19.08.2010, 5 Sa 628/10.

11/038 LAG Hamm: Außerordentliche Verdachtskündigung wegen Straftat

23.02.2011. Ei­ne frist­lo­se Kündi­gung ist nicht nur möglich, wenn der Ar­beit­neh­mer zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers nach­weis­bar ei­ne Straf­tat be­gan­gen hat, son­dern auch dann, wenn hierfür nur ein drin­gen­der Ver­dacht be­steht. Ob­wohl die An­for­de­run­gen an ei­ne sol­che "Ver­dachtskündi­gung" stren­ger sind als an ei­ne "Tatkündi­gung", kann sie aus Ar­beit­ge­ber­sicht vor­zu­zie­hen sein, weil die Be­weis­la­ge meist nicht völlig ein­deu­tig ist. Ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm zeigt al­ler­dings, dass der Über­gang zwi­schen Tat­ver­dacht und Tat­nach­weis fließend ist: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 26.08.2010, 17 Sa 537/10.

11/037 Kündigungsschutz nach Beförderung zum Geschäftsführer

22.02.2011. Ein münd­li­cher Geschäftsführer­ver­trag be­sei­tigt ein zu­vor be­reits be­ste­hen­des Ar­beits­verhält­nis nicht: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Be­schluss vom 05.07.2010, 7 Ta 24/09.

11/036 Frauenquote im Management

21.02.2011. Ein männer­do­mi­nier­tes Ma­nage­ment kann ein In­diz für die Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en bei der Beförde­rung sein: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.07.2010, 8 AZR 1012/08.

11/035 Betriebsbedingte Kündigung nach Outsourcing

18.02.2011. Auch ru­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se können aus be­triebs­be­ding­ten Gründen gekündigt wer­den, wenn der Ar­beit­ge­ber den Be­trieb in­fol­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs nicht mehr auf­recht erhält: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 09.09.2010, 2 AZR 493/09.

11/034 BAG: Die CGZP kann keine Tarifverträge abschließen

17.02.2011. Die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP) ist letzt­in­stanz­lich für ta­rif­unfähig erklärt wor­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 14.12.2010, 1 ABR 19/10.

11/033 OT-Mitgliedschaft: BVerfG entscheidet zur Mitgliedschaft ohne Tarifbindung

16.02.2011. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) hat sich zu der Fra­ge geäußert, wel­che recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen erfüllt sein müssen, da­mit Un­ter­neh­men Mit­glied ei­nes Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des wer­den können, oh­ne sich ta­rif­lich zu bin­den: BVerfG, Be­schluss vom 01.12.2010, 1 BvR 2593/09.

11/030 Verlängerung der Arbeitszeit auf Vollzeit

11.02.2011. Das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes soll un­ter an­de­rem Teil­zeit­ar­beit fördern und die Dis­kri­mi­nie­rung von teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern ver­hin­dern. Teil die­ses ge­setz­ge­be­ri­schen Kon­zep­tes ist es, ei­nen möglichst fle­xi­blen Über­gang zwi­schen Voll­zeit und Teil­zeit zu ermögli­chen. Zwar spie­len in der Pra­xis meist Fälle ei­ne Rol­le, in de­nen ein Wech­sel von Voll­zeit zu Teil­zeit gewünscht wird. Es stellt sich hin und wie­der aber auch die Fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Wech­sel von Teil­zeit zu Voll­zeit möglich ist. Pro­ble­ma­tisch kann hier ins­be­son­de­re sein, dass der Ar­beit­ge­ber kei­ne frei­en Ar­beitsplätze hat und auch nicht schaf­fen möch­te: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 17.08.2010, 12 Sa 513/10.

11/029 Kontrolle einer arbeitsvertraglichen Versetzungsklausel

10.02.2011. Ar­beits­verträge wer­den meist vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­liert, oh­ne dass der Ar­beit­neh­mer Ein­flussmöglich­kei­ten hat. Da in Ar­beits­verträgen das grundsätz­lich wei­te Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers ein­ge­schränkt wer­den kann, ist bei­spiels­wei­se bei Ver­set­zungs­klau­seln ent­schei­dend, ob Ar­beits­in­halt und Ar­beits­ort ver­trag­lich wirk­sam fest­ge­legt wur­den oder ob hier ein Spiel­raum be­steht. Im Au­gust 2010 fass­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt die in­so­weit gel­ten­den recht­li­chen Prüfungs­grund­la­gen le­sens­wert zu­sam­men: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 25.08.2010, 10 AZR 275/09.

11/028 Betriebsbedingte Kündigung nach fehlerhafter Massenentlassungsanzeige

09.02.2011. Ar­beit­ge­ber müssen ab ei­ner Be­triebs­größe von mehr als 20 Ar­beit­neh­mern vor ei­nem größeren Per­so­nal­ab­bau der Ar­beits­agen­tur ei­ne sog. Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge ab­ge­ben. Es ist um­strit­ten, ob feh­ler­haf­te An­ga­ben in ei­ner sol­chen An­zei­ge Aus­wir­kun­gen auf die Wirk­sam­keit ei­ner da­nach aus­ge­spro­che­nen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ha­ben können. Bei überhöhten An­ga­ben spricht ei­ni­ges dafür, die Kündi­gung gleich­wohl für wirk­sam zu hal­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 16.09.2010, 11 Sa 35/10.

11/027 Altersdiskriminierung durch tariflichen Urlaubsanspruch

08.02.2011. Die Un­gleich­be­hand­lung von Ar­beit­neh­mern we­gen ih­res Al­ters kann ei­ne un­zulässi­ge Dis­kri­mi­nie­rung sein, wenn mit ihr kein rechtmäßiges, schützens­wer­tes Ziel ver­folgt wird oder das Ziel auf an­de­re Wei­se scho­nen­der er­reicht wer­den kann. Oh­ne stich­hal­ti­gen Grund ist des­halb ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung un­wirk­sam, in der je nach Al­ter höhe­rer Lohn oder länge­rer Ur­laub gewährt wird. Die dann be­ste­hen­de Re­ge­lungslücke wird zu Guns­ten des dis­kri­mi­nier­ten Ar­beit­neh­mers durch ei­ne "An­pas­sung nach oben" ge­schlos­sen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 18.01.2011, 8 Sa 1274/10.

11/026 Keine fristlose Kündigung wegen Bagatelldiebstahls

07.02.2011. Seit dem Ur­teil des BAG im Fall "Em­me­ly (Ur­teil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09) neh­men die Ge­rich­te die Auf­ga­be ei­ner In­ter­es­sen­abwägung im Ein­zel­fall erns­ter als bis­her. Da­her kann ein im All­ge­mei­nen zur frist­lo­sen Kündi­gung aus­rei­chen­der Pflicht­ver­s­toß des Ar­beit­neh­mers wie z.B. ein Ba­ga­tell­dieb­stahl ei­ne sol­che har­te Re­ak­ti­on oft nicht recht­fer­ti­gen. Dies zeigt ei­ne ak­tu­el­le Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein (Ur­teil vom 29.09.2010, 3 Sa 233/10).

11/025 Anfechtung einer Betriebsratswahl

04.02.2011. Bei der Vor­be­rei­tung und Durchführung der Wahl ei­nes Be­triebs­ra­tes müssen ei­ni­ge recht kom­pli­zier­te Vor­schrif­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes und der Wahl­ord­nung be­ach­tet wer­den. Bei Feh­lern droht sonst die Ge­fahr, dass der tatsächlich gewähl­te Be­triebs­rat ent­we­der recht­lich nicht exis­tent ist oder durch ei­ne Wahl­an­fech­tung wie­der auf­gelöst wer­den kann. Wel­cher Feh­ler sich wie auf die Wirk­sam­keit der Be­triebs­rats­wahl aus­wirkt, ist recht­lich nur in Grundzügen un­um­strit­ten. Da­her kommt kei­ne Wahl­an­fech­tung oh­ne ge­naue Kennt­nis­se der Recht­spre­chung aus: Ar­beits­ge­richt We­sel, Be­schluss vom 29.09.2010, 4 BV 34/10.

11/024 Nettolohnvereinbarung bleibt auch nach Heirat unverändert

03.02.2011. In Ar­beits­verträgen wird übli­cher­wei­se ein Brut­to­lohn ver­ein­bart, al­so ein Be­trag, von dem noch zu­las­ten des Ar­beit­neh­mers sei­ne An­tei­le an den So­zi­al­ab­ga­ben und sei­ne Steu­ern vom Ar­beit­ge­ber ab­ge­zo­gen wer­den müssen. Manch­mal wird je­doch auch ver­ein­bart, was der Ar­beit­neh­mer "auf die Hand" be­kom­men soll. Sol­che Net­to­lohn­ver­ein­ba­run­gen be­deu­ten zu­gleich, dass der Ar­beit­ge­ber auch al­lein für sämt­li­che So­zi­al­ab­ga­ben und die Lohn­steu­er auf­kom­men muss. Frag­lich ist, ob das auch wei­ter­hin gilt, wenn sich die Umstände nach Ver­trags­schluss bei­spiels­wei­se durch ei­ne Hei­rat und ei­nen Wech­sel der Lohn­steu­er­klas­se grund­le­gend ändern: Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 24.09.2010, 10 Ca 2697/10.

11/023 LAG Köln: Kündigung - Zugangszeitpunkt bei Einwurf in Briefkasten

02.02.2011. Oft hängt viel da­von ab, wann ei­ne Kündi­gung wirk­sam ge­wor­den ist. Das ist im All­ge­mei­nen der Fall, wenn sie dem Gekündig­ten "zu­ge­gan­gen" ist. Wird das Kündi­gungs­schrei­ben in den Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen, ist je nach Uhr­zeit frag­lich, ob der "Zu­gang" noch am glei­chen Tag oder erst am nächs­ten Tag ein­tritt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Köln hat in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung klar­ge­stellt, dass nach 16:00 Uhr nicht mehr von ei­nem Zu­gang am glei­chen Tag aus­ge­gan­gen wer­den kann: LAG Köln, Ur­teil vom 17.09.2010, 4 Sa 721/10.

11/022 Kündigung als verbotene Maßregelung in einem Kleinbetrieb

01.02.2011. Ar­beits­ge­richt Ham­burg: Ei­ne Kündi­gung ist un­wirk­sam, wenn sie ei­ne ver­bo­te Maßre­ge­lung im Sin­ne von § 612a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ist. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrift sind aber vom Ar­beit­neh­mer nach­zu­wei­sen: Ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 31.08.2010, 19 Ca 215/10.

11/021 Missbrauch einer Tankkarte durch Arbeitnehmer ist strafbar

31.01.2011. Straf­ta­ten des Ar­beit­neh­mers zu­las­ten des Ar­beit­ge­bers be­rech­ti­gen die­sen je­den­falls jen­seits von ein­ma­li­gen Ba­ga­tell­de­lik­ten in al­ler Re­gel zu ei­ner außer­or­dent­lich-frist­lo­sen, ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung. Ne­ben die­sen ein­schnei­den­den ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen müssen die Täter al­ler­dings auch mit schwer­wie­gen­den straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen rech­nen. Dies kann spe­zi­ell bei Vermögens­de­lik­ten wie Be­trug und Un­treue un­abhängig von der kon­kre­ten recht­li­chen Ein­ord­nung der Tat der Fall sein. Pra­xis­nah zei­gen das die so­ge­nann­ten "Tank­kar­tenfälle": Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Be­schluss vom 05.11.2010, 1 Ws 277/10.

11/020 Drittes Jahr Elternzeit im dritten Lebensjahr des Kindes auch ohne Zustimmung des Arbeitgebers

28.01.2011. El­tern, die zu­gleich Ar­beit­neh­mer sind, ha­ben nach Maßga­be des Bun­des­el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­set­zes (BEEG) das Recht, in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren ih­res Kin­des ei­ne Aus­zeit von ih­rer Ar­beit zu neh­men und sich nur ih­rem Kind zu wid­men. Die­se so­ge­nann­te El­tern­zeit (früher: Er­zie­hungs­ur­laub) zwingt den Ar­beit­ge­ber al­ler­dings zu lang­fris­ti­ger Per­so­nal­pla­nung. Die von den El­tern gewünsch­te "Aus­zeit" muss ihm da­her recht­zei­tig vor­her mit­ge­teilt wer­den. Aus dem glei­chen Grund muss der Ar­beit­ge­ber in be­stimm­ten Fall­kon­stel­la­tio­nen der El­tern­zeit auch zu­stim­men. Über ei­ne die­se Si­tua­tio­nen ent­schied kürz­lich mit Au­gen­maß das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf: Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Ur­teil vom 29.09.2010, 4 Ca 4023/10.

11/019 Behauptung "menschenverachtenden Umgangs" wird durch Meinungsfreiheit geschützt

27.01.2011. Die Mei­nungs­frei­heit ist grund­ge­setz­lich geschützt und hat auch im Ar­beits­le­ben große Be­deu­tung. Der Mei­nun­gen auch über­spitzt und ag­gres­siv geäußert wer­den dürfen, kann al­ler­dings bei­spiels­wei­se ei­ne un­sach­li­che Aus­sa­ge über das Ver­hal­ten von Kol­le­gen schnell zu ver­meid­ba­ren Pro­ble­men führen. Aus Sicht des Ar­beit­ge­bers sind hier Ab­mah­nun­gen oder die Ver­trags­be­en­di­gung ei­ne Op­ti­on. Der be­trof­fe­ne Kol­le­ge wie­der­um hat theo­re­tisch eben­falls ver­schie­de­ne Möglich­kei­ten. Doch die Mei­nungs­frei­heit ist ei­ner der Eck­pfei­ler un­se­rer Ge­sell­schaft. An­ge­grif­fe­ne soll­ten sich da­her ge­nau über­le­gen, ob ei­ne be­stimm­te Aus­sa­ge "nur" äußerst un­pas­send oder recht­lich re­le­vant ist: Ar­beits­ge­richt Würz­burg, Ur­teil vom 24.06.2010, 10 Ca 592/10.

11/018 Widerspruch nach Betriebsübergang - Verwirkung durch Abtretung von Lohn

26.01.2011. Bei ei­nem Be­triebsüber­gang müssen der al­te Ar­beit­ge­ber oder der neue Be­triebs­er­wer­ber die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer über des­sen we­sent­li­chen As­pek­te (Zeit­punkt, Grund, Fol­gen) un­ter­rich­ten. Wer­den die stren­gen ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen da­bei nicht erfüllt, ha­ben Ar­beit­neh­mer statt ei­ner Wi­der­spruchs­frist von ei­nem Mo­nat theo­re­tisch so­gar Jah­re später die Möglich­keit, dem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses zu wi­der­spre­chen. Spe­zi­ell bei der In­sol­venz des neu­en Ar­beit­ge­bers kann ei­ne Rück­kehr zum al­ten Ar­beit­ge­ber in­so­weit in­ter­es­sant sein. Auch wenn kei­ne star­re Frist läuft, ist der Wi­der­spruch nicht un­be­grenzt möglich. Die so ge­nann­te Ver­wir­kung bil­det hier je nach den Umständen des Ein­zel­falls ei­ne zeit­li­che Gren­ze: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Ur­teil vom 05.07.2010, 3 Sa141/10.

11/017 Darf der Arbeitgeber zwecks Kündigung nach einer Schwerbehinderung fragen?

25.01.2011. Schwer­be­hin­der­te Men­schen wer­den im mo­der­nen Ar­beits­recht in be­son­de­rer Wei­se recht­lich geschützt. An­er­kannt ist nun­mehr weit­ge­hend, dass bei ei­ner Ein­stel­lung nur un­ter sehr en­gen Vor­aus­set­zun­gen nach der Be­hin­de­rung ge­fragt wer­den darf. Bei der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses greift zu­dem ein Son­der-Kündi­gungs­schutz, d.h. hier muss zunächst die Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­am­tes ein­ge­holt wer­den. Frag­lich ist, ob der Ar­beit­ge­ber un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen nach dem Schwer­be­hin­der­ten­sta­tus fra­gen darf, um die Kündi­gungs­vor­aus­set­zun­gen erfüllen zu können: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 30.06.2010, 2 Sa 49/10.

11/016 LAG Hamm - Unterlassungsanspruch des Betriebsrates bei Betriebsänderungen und unzureichenden Verhandlungen

24.01.2011. Bei Be­triebsände­run­gen in größeren Be­trie­ben sind Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, den bei ih­nen ein­ge­rich­te­ten Be­triebs­rat zu in­for­mie­ren und mit ihm ernst­haft Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich auf­zu­neh­men. Um­strit­ten ist, ob Be­triebsräte ei­nen vorläufi­gen An­spruch auf Un­ter­las­sung der Be­triebsände­rung ha­ben, wenn ge­gen die­se Pflicht ver­s­toßen wird. Ent­schei­dend ist da­her, wel­che Auf­fas­sung das je­weils letzt­in­stanz­lich zuständi­ge Ge­richt ver­tritt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm bei­spiels­wei­se ent­schei­det seit En­de 2003 grundsätz­lich zu Guns­ten des Be­triebs­ra­tes: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 28.06.2010, 13 Ta 372/10.

11/015 Die zehn wichtigsten arbeitsrechtlichen Entscheidungen des Jahres 2010

21.01.2011. Wie in je­dem Jahr stell­te die Kanz­lei für Ar­beits­recht Hen­sche Rechts­anwälte auch für 2010 ei­ne Lis­te der zehn wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen des ver­gan­ge­nen Jah­res zu­sam­men. Ta­rif­verträge und Be­fris­tun­gen spiel­ten ei­ne be­son­de­re Rol­le.

11/014 Kurzarbeit schließt betriebsbedingte Kündigung nicht aus

20.01.2011. In größeren Be­trie­ben, Ar­beit­neh­mer nach sechs Mo­na­ten un­un­ter­bro­che­ner Tätig­keit in den Ge­nuss ei­nes durch das Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) ver­mit­tel­ten all­ge­mei­nen Kündi­gungs­schut­zes, der Kündi­gung nur aus be­son­de­ren Gründen zulässt. Hier­zu gehören so ge­nann­te be­triebs­be­ding­te Gründe, die un­ter an­de­rem vor­aus­set­zen, dass der Be­darf an Ar­beits­kraft im Un­ter­neh­men dau­er­haft ge­sun­ken ist. Dies ein­zuschätzen ist zunächst ein­mal Sa­che des Ar­beit­ge­bers. Führt er Kurz­ar­beit ein, der da­mit re­gelmäßig zu er­ken­nen, dass er nur von ei­nem vorüber­ge­hen­den Min­der­be­darf aus­geht. Frag­lich ist, ob er sei­ne Mei­nung dann später noch ändern darf: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 24.06.2010, 8 Sa 1488/09

11/011 Schutz vor drohender verhaltensbedingter Kündigung durch Einsicht und Reue

17.01.2011. Wer ge­gen sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten verstößt, ris­kiert je nach der Schwe­re sei­nes Fehl­ver­hal­tens nicht nur ei­ne Ab­mah­nung, son­dern so­gar ei­ne außer­or­dent­li­che oder je­den­falls or­dent­li­che Kündi­gung. Seit dem "Pfand­bon"-Fall rund um die Kas­sie­rin "Em­me­ly" ist hier ei­ne neue Ten­denz in ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen zu ent­de­cken - Auf­rich­ti­ges Be­dau­ern kann den Ar­beits­platz ret­ten: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 15.09.2010, 6 Sa 47/10

11/010 Keine pauschale Abgeltung „erforderlicher Überstunden“ mit dem Gehalt

14.01.2011. Ar­beits­verträge wer­den ty­pi­scher­wei­se von Ar­beit­ge­bern vor­for­mu­liert und dem Ar­beit­ge­ber oh­ne ech­te Ver­hand­lungsmöglich­kei­ten zur Un­ter­zeich­nung vor­ge­legt. In die­sem Fall sind die ar­beits­ver­trag­li­chen Klau­seln All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, die nur wirk­sam sind, wenn sie die ent­spre­chen­den, ver­gleichs­wei­se stren­gen ge­setz­li­chen Vor­ga­ben be­ach­ten. Ins­be­son­de­re dürfen sie den Ar­beit­neh­mer nicht übermäßig be­nach­tei­li­gen oder un­verständ­lich sein. Ins­be­son­de­re gilt dies für Be­stim­mun­gen zur Be­zah­lung von Über­stun­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09

11/009 Öffentlicher Widerruf von Abmahnung oder Kündigung?

13.01.2011. Kündi­gun­gen und Ab­mah­nun­gen können das be­ruf­li­che Fort­kom­men des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers nach­hal­tig be­ein­träch­ti­gen. Selbst wenn er sich ge­gen die­se er­folg­reich wehrt, kann bei­spiels­wei­se dann ein "Ma­kel" zurück­blei­ben, wenn die ar­beits­recht­li­che Maßnah­me öffent­lich be­kannt ge­macht wur­de. Frag­lich ist, ob in sol­chen Fällen ein Recht auf öffent­li­chen Wi­der­ruf be­steht: Lan­des­ar­beits­ge­richt München, Ur­teil vom 22.09.2010, 11 Sa 520/09

11/007 Dienstwagen bei Krankheit nur bis zum Ende der Entgeltfortzahlung

11.01.2011. Zum Ar­beits­lohn können ne­ben den übli­chen fi­nan­zi­el­len Zah­lun­gen auch so­ge­nann­te Sach­bezüge gehören. Weit ver­brei­tet ist in­so­weit die Dienst­wa­gen­ge­stel­lung - auch - zu pri­va­ten Zwe­cken. Wird der Ar­beit­neh­mer ar­beits­unfähig krank, be­kommt er zunächst ein­mal nach Maßga­be des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes für bis zu sechs Wo­chen wei­ter sei­nen Lohn, d.h. das Geld und den Dienst­wa­gen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat nun die Fra­ge geklärt, was in­so­weit nach Ab­lauf des Ent­gelt­fort­zah­lungs-Zeit­rau­mes gilt: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 14.12.2010, 9 AZR 631/09

11/005 Erpresserische Verhandlungen über Abfindung sind Kündigungsgrund

07.01.2011. Ent­ge­gen der Vor­stel­lung vie­ler Ar­beit­neh­mer be­steht beim En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht ty­pi­scher­wei­se ein An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung. Tatsächlich ist ein sol­cher die Aus­nah­me von der Re­gel. So­fern er nicht aus­drück­lich ta­rif­ver­trag­lich, ge­setz­lich oder in sons­ti­ger Wei­se ge­re­gelt wur­de, ist es der Zah­lungs­be­reit­schaft des Ar­beit­ge­bers und der Kon­flikt­freu­dig­keit des Ar­beit­neh­mers über­las­sen, ob es sei­ner Zah­lung kommt oder nicht. In al­ler Re­gel gilt hier, wie auch im übri­gen Geschäfts­le­ben, dass ein freund­li­cher Ton und sach­li­che Ar­gu­men­te wei­terführen als Er­pres­ser­me­tho­den: Ar­beits­ge­richt Dort­mund, Ur­teil vom 16.06.2010, 10 Ca 19/10.

11/003 Anspruch eines freigestellten Personalrats auf eine Zulage als IT-Fachbetreuer

05.01.2011. Mit­glie­der von Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tun­gen, ins­be­son­de­re von Be­triebsräten und Per­so­nalräten, dürfen we­gen ih­rer Funk­ti­on nicht be­nach­tei­ligt wer­den. Hier­zu gehört, dass sie ih­ren Lohn in vol­lem Um­fang wei­ter­ge­zahlt be­kom­men. Frag­lich kann da­bei sein, was "Lohn" im Sin­ne ei­nes Ge­gen­wer­tes für die Ar­beits­kraft ist und was le­dig­lich Mehr­auf­wand aus­gleicht, d.h. kein Lohn ist. Da­bei kommt es nicht auf die von den Ver­trags­par­tei­en gewähl­te Be­zeich­nung an, son­dern auf die "wah­re Na­tur" der Zah­lung. Nach­voll­zie­hen lässt sich die­se Un­ter­schei­dung sehr an­schau­lich an fol­gen­der Ent­schei­dung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 07.06.2010, 5 Sa 116/09.

11/002 Insolvenzanfechtung von Lohnzahlungen in aller Regel ungefährlich

04.01.2011. In der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers sind Ar­beit­neh­mer (Klein-)Gläubi­ger wie al­le an­de­ren Gläubi­ger auch. Da sie in kei­ner Wei­se be­vor­zugt wer­den, kann der In­sol­venz­ver­wal­ter auch von ih­nen grundsätz­lich zu un­recht er­hal­te­ne Geld­beträge zurück­for­dern. Dies ge­schieht durch die so­ge­nann­te In­sol­venz­an­fech­tung, die Geschäfte rückgängig ma­chen soll, durch die ein Gläubi­ger ge­genüber an­de­ren Gläubi­gern be­vor­zugt wur­de. Ar­beit­neh­mer, die ver­spätet Lohn­zah­lun­gen be­kom­men, sind in die­sem Sin­ne pri­vi­le­giert. Die Recht­spre­chung for­dert aber darüber hin­aus auch, dass der Ar­beit­neh­mer von der schlech­ten Fi­nanz­la­ge sei­nes Ar­beit­ge­bers wuss­te oder hätte wis­sen können. Die nöti­gen Vor­aus­set­zun­gen sind prak­tisch nie erfüllt und Lohn­zah­lun­gen da­her sel­ten er­folg­reich an­fecht­bar: Thürin­ger Lan­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 04.06.2010, 8 Sa 32/09.

11/001 Fehleinschätzung eines Geschehens kann vor fristloser Kündigung schützen

03.01.2011. Wenn ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Si­tua­ti­on falsch einschätzt, und sich des­halb mehr­mals ver­trags­wid­rig verhält, kann ei­ne Ab­mah­nung oder auch Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen ge­recht­fer­tigt sein. Doch ins­be­son­de­re wenn die Kündi­gung frist­los aus­ge­spro­chen wer­den soll, müssen sich Ar­beit­ge­ber ge­nau über­le­gen, ob es tatsächlich kein an­de­res Mit­tel gibt, um künf­tig für ein un­gestörtes Ar­beits­verhält­nis zu sor­gen und ob die Ta­ten des Ar­beit­neh­mers tatsächlich so schwer wie­gen, dass ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit völlig unmöglich ge­wor­den ist. Bei ei­nem ein­heit­li­chen Ge­sche­hen kann da­bei zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers spre­chen, dass sein Fehl­ver­hal­ten ins­ge­samt auf ei­ne fal­sche Einschätzung zurück­geführt wer­den kann: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 16.06.2010, 3 Sa 144/10.

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