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Frist­lo­se Kün­di­gung we­gen ei­gen­mäch­ti­ger Un­ter­schrift

Ei­gen­mäch­ti­ge Be­auf­tra­gung von Lie­fe­ran­ten recht­fer­tigt ei­ne Kün­di­gung nur nach vor­he­ri­ger Ab­mah­nung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11

24.01.2012. Der Ar­beit­ge­ber kann ei­ne au­ßer­or­dent­li­che frist­lo­se Kün­di­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Grün­den nur als letz­tes Mit­tel in Be­tracht zie­hen, um auf wirk­lich schwer­wie­gen­de Ver­trags­stö­run­gen zu re­agie­ren. Könn­te er auch mit ei­nem we­ni­ger ein­schnei­den­den Maß­nah­men er­rei­chen, dass der Ar­beit­neh­mer künf­tig wie­der sei­ne Ver­trags­pflich­ten er­füllt, wä­re ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung zu hart bzw. „un­ver­hält­nis­mä­ßig“ und des­halb un­wirk­sam.

In vie­len Fäl­len ist da­her ei­ne Ab­mah­nung des Ar­beit­neh­mers als mil­de­re Re­ak­ti­on aus­rei­chend. Erst wenn ein ver­gleich­ba­rer Pflicht­ver­stoß schon ein­mal ab­ge­mahnt wor­den ist, ist ei­ne wei­te­re Ab­mah­nung nicht mehr er­folg­ver­spre­chend und der Weg zur Kün­di­gung ge­mäß § 626 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) ist frei.

Wer da­her z.B. als kauf­män­ni­scher An­ge­stell­ter ei­nen Feh­ler macht und dem Ar­beit­ge­ber da­durch ver­se­hent­lich ei­nen Scha­den zu­fügt, kann auch bei ho­hen Schä­den nicht oh­ne wei­te­res frist­los ge­kün­digt wer­den. Auch ein­ma­li­ge gro­ße „Dumm­hei­ten“ rei­chen meist nicht für ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung. Das gilt erst recht, wenn die dem Ar­beit­neh­mer vor­ge­wor­fe­ne Fehl­leis­tung (auch) da­durch be­dingt ist, dass nicht ganz klar war, was der An­ge­stell­te darf und was nicht. Bei un­kla­rer Pflich­ten­la­ge schei­det ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung da­her aus, wie ein ak­tu­el­ler Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz wie­der ein­mal deut­lich ge­macht hat (Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11).

Im Streit­fall hat­te ein As­sis­tent der Ge­schäfts­lei­tung für sei­nen Ar­beit­ge­ber, ei­ne GmbH, bei ei­nem Lie­fe­ran­ten ei­nen Auf­trag über die Lie­fe­rung von So­lar­mo­du­len im Wert von et­was mehr als 1,6 Mio. EUR un­ter­zeich­net, und zwar mit der Maß­ga­be, dass sein Ar­beit­ge­ber Vor­kas­se leis­ten soll­te. Am glei­chen Tag hat die GmbH den Auf­trag stor­niert. Das be­auf­trag­te Un­ter­neh­men ver­lang­te dar­auf­hin 10 Pro­zent der Auf­trags­sum­me als Stor­no­ge­bühr und mahn­te Zah­lung an, teil­te dann aber spä­ter mit, dass es kei­ne An­sprü­che aus der stor­nier­ten Be­stel­lung mehr gel­tend ma­che.

Auf­grund die­ses Vor­gangs sprach der Ar­beit­ge­ber ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung aus, ge­gen die sich der An­ge­stell­te da­mit ver­tei­dig­te, er sei vom Ge­schäfts­füh­rer aus­drück­lich an­ge­wie­sen wor­den, den Auf­trag aus­zu­lö­sen. Au­ßer­dem war un­strei­tig, dass der An­ge­stell­te in Ver­gan­gen­heit auch selbst oft Auf­trä­ge un­ter­zeich­net hat­te, al­ler­dings nicht mit so ho­hen Auf­trags­sum­men, son­dern "nur" mit Auf­trä­gen un­ter 100.000,00 EUR. Das Ar­beits­ge­richt Kai­sers­lau­tern (Ur­teil vom 01.02.2011, 8 Ca 1504/10) und das LAG Rhein­land-Pfalz ent­schie­den für den Ar­beit­neh­mer (Ur­teil vom 22.08.2011, 5 Sa 107/11), d.h. sie ga­ben der Kün­di­gungs­schutz­kla­ge statt.

Be­grün­dung des LAG: Der Ar­beit­ge­ber hat­te be­reits den an­geb­li­chen Pflicht­ver­stoß des An­ge­stell­ten nicht deut­lich ge­nug dar­ge­legt. Denn es blieb bis zu­lezt un­klar, wel­che Be­fug­nis­se der Klä­ger denn nun tat­säch­lich hat­te und wel­che nicht. Der Ar­beits­ver­trag ent­hielt nur die Auf­ga­ben­be­zeich­nung "As­sis­tent der Ge­schäfts­lei­tung", und im üb­ri­gen war un­strei­tig, dass der Klä­ger selbst Auf­trä­ge aus­ge­löst hat­te. Aber auch wenn der An­ge­stell­te sei­ne Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten ha­ben soll­te, wä­re zu­nächst ein­mal ei­ne Ab­mah­nung er­for­der­lich ge­we­sen.

Fa­zit: Ei­ne ein­ge­mäch­ti­ge Un­ter­schrift kann nicht nur teu­er für den Ar­beit­ge­ber wer­den, falls sich dar­aus rechts­gül­ti­ge Zah­lungs­an­sprü­che ex­ter­ner Fir­men er­ge­ben, die vom Ar­beit­ge­ber er­füllt wer­den müs­sen. Teu­er kann dies auch den Ar­beit­neh­mer zu ste­hen kom­men, falls er des­halb ab­ge­mahnt oder gar ge­kün­digt wird. Ei­ne Kün­di­gung setzt al­ler­dings zu­min­dest ei­ne kla­re (am bes­ten schrift­li­che und vom Ar­beit­neh­mer ab­ge­zeich­ne­te) Voll­machts­be­schrän­kung vor­aus. Und auch dann be­rech­tigt nicht je­de Über­schrei­tung der Voll­macht schon zur Kün­di­gung

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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