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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigung: Betriebsbedingt, Kündigung: Außerordentlich, Outsourcing, Unkündbarkeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 7 Sa 2164/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 07.02.2012
   
Leit­sätze:

1. Ver­ein­bart der Ar­beit­ge­ber über die An­wen­dung von Ta­rif­verträgen den Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung, muss er die­se ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­ne Ver­pflich­tung auch bei der Ver­trags­be­en­di­gung berück­sich­ti­gen.(Rn.35)

2. Al­lein die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten von zwei Ar­beit­neh­mern, die or­dent­lich unkünd­bar sind, nicht mehr durch ei­ge­ne Ar­beit­neh­mer ausführen zu las­sen, mit der Fol­ge, dass die zwei Ar­beitsplätze der Rei­ni­gungs­kräfte in Weg­fall ge­ra­ten, ist für sich ge­nom­men noch nicht als wich­ti­ger Grund im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB an­zu­se­hen. Es be­darf in ei­nem sol­chen Fall noch wei­te­rer Umstände auf Ar­beit­ge­ber­sei­te, die der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung über die Prüfung nach § 1 Abs. 2 KSchG hin­aus das Ge­wicht ei­nes wich­ti­gen Grun­des ver­lei­hen.(Rn.38)

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 29.08.2011, 19 Ca 4676/11
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 7. Fe­bru­ar 2012

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

7 Sa 2164/11

19 Ca 4676/11
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

H., GB
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp.

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 7. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 7. Fe­bru­ar 2012
durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt R. als Vor­sit­zen­de
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter A. und S.

für Recht er­kannt:

I. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin
vom 29.08.2011 - 19 Ca 4676/11 - un­ter Zurück­wei­sung der Be­ru­fung im
Übri­gen teil­wei­se ab­geändert und zur Klar­stel­lung wie folgt ge­fasst:

1.
Es wird fest­ge­stellt, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­ver-
hält­nis nicht durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom
16.03.2011 be­en­det wor­den ist.

2.
Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 421,90 € brut­to (vier­hun­dert-
ein­und­zwan­zig 90/100) nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über
dem Ba­sis­zins­satz seit dem 22.07.2011 zu zah­len.

3.
Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

4.
Von den Kos­ten des Recht­streits trägt die Kläge­rin 49 %, die Be­klag­te 51 %.

II. Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist so­wie über Vergütungs­ansprüche der Kläge­rin bis zum Ab­lauf der Kündi­gungs­frist.

Die am …1964 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist auf der Grund­la­ge ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 24.07.1984 (Bl. 142 und 143 d. A.) bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin als Rei­ni­gungs­kraft tätig. Sie ist mit ei­nem Grad von 30 als schwer­be­hin­der­ter Mensch an­er­kannt. Die Kläge­rin ist auf­grund an­wend­ba­rer ta­rif­li­cher Vor­schrif­ten we­gen ih­res Al­ters und ih­rer Beschäfti­gungs­zeit or­dent­lich unkünd­bar.

Die Be­klag­te wur­de als lan­des­ei­ge­ne Ge­sell­schaft ge­gründet und bie­tet Büro- und Ge­wer­beflächen zur Mie­te an bzw. ver­wal­tet die­se. Im Jah­re 2007 wur­de sie an die O. ver­kauft, die sich auf Ge­wer­be­im­mo­bi­li­en so­wie auf As­set Ma­nage­ment und Pro­jekt­ent­wick­lung kon­zen­triert.

Auf­grund ei­ner ne­ga­ti­ven wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ent­schloss sich die Be­klag­te zu Um­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men. Sie trat dar­auf­hin in Ver­hand­lun­gen mit dem bei ihr ge­bil­de­ten Be­triebs­rat, die am 29.06.2010 im Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs münde­ten. Die­ser sah ver­schie­de­ne Maßnah­men zur Re­du­zie­rung der be­ste­hen­den Mit­ar­bei­ter­ka­pa­zitäten vor, für die im Ein­zel­nen auf die An­la­ge B5 zum Schrift­satz der Be­klag­ten vom 14.04.2011 (Bl. 178 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men wird. U. a. war dort vor­ge­se­hen ne­ben ei­nem Be­triebs­teil „Haus­meis­ter­diens­te“ auch ei­nen Be­triebs­teil „Rei­ni­gungs­diens­te“ mit den bei­den bei der Be­klag­ten beschäftig­ten Rei­ni­gungs­kräften zu bil­den, der dann im We­ge ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs auf ei­nen neu­en In­ha­ber über­tra­gen wer­den soll­te. Nach Durchführung der an­ge­dach­ten Maßnah­men in dem In­ter­es­sen­aus­gleich soll­te die Mit­ar­bei­ter­ka­pa­zitäten von 84,5 auf 62 re­du­ziert wer­den.

Am 28.06.2010/29.06.2010 ent­schloss sich die Geschäftsführung auch zur Um­set­zung der im In­ter­es­sen­aus­gleich be­schlos­se­nen Maßnah­men. Sie schloss da­zu mit ei­nem von ihr schon für an­de­re Rei­ni­gungs­ar­bei­ten be­auf­trag­tem Un­ter­neh­men mit et­wa 1.500 Mit­ar­bei­tern ei­nen Ver­trag über die Er­brin­gung von Rei­ni­gungs­dienst­leis­tun­gen für die von der Kläge­rin und der an­de­ren Rei­ni­gungs­kraft be­treu­ten Ob­jek­te ab dem 01.12.2010. Mit Schrei­ben vom 01.12.2010 un­ter­rich­te­te die Be­klag­te die Kläge­rin über ei­nen Be­triebs­teilüber­gang und über den Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die­ses Un­ter­neh­men so­wie die sich dar­aus er­ge­ben­den Rechts­fol­gen. Für die Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf die An­la­ge B6 des Schrift­sat­zes der Be­klag­ten vom 14.04.2011 (Bl. 191 bis 193 d. A.) Be­zug ge­nom­men. Die Kläge­rin wi­der­sprach ei­nem Über­gang ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit Schrei­ben vom 28.12.2010 (Bl. 194 d. A.).

 

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Nach­dem die wei­te­ren Ver­hand­lun­gen der Par­tei­en über ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin bei dem be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men er­folg­los ge­blie­ben wa­ren, hörte die Be­klag­te ih­ren Be­triebs­rat mit Schrei­ben vom 04.03.2011, für des­sen Ein­zel­hei­ten auf die An­la­ge B4 des Schrift­sat­zes der Be­klag­ten vom 14.04.2011 (Bl. 163 bis 177 d. A.) Be­zug ge­nom­men wird, zu ei­ner außer­or­dent­li­chen (be­triebs­be­ding­ten) Kündi­gung der Kläge­rin mit so­zia­ler Aus­lauf­frist an. Das Anhörungs­schrei­ben ging dem Be­triebs­rat am 07.03.2011 zu. Der Be­triebs­rat wi­der­sprach mit Schrei­ben vom 09.03.2011 (Bl. 22 und 23 d. A.) der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung mit der Be­gründung, auch nach Weg­fall der Tätig­keit der Kläge­rin bestünden hin­rei­chen­de Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten u. a. im Be­reich der Haus­meis­ter­diens­te oder der Rei­ni­gung von Leer­stands­flächen, die die Be­klag­te an­sons­ten an­der­wei­tig ver­ge­ben würde.

Nach­dem das Lan­des­amt für Ge­sund­heit und So­zia­les mit Be­scheid vom 14.03.2011 (Bl. 24 und 25 d. A.) die Zu­stim­mung für die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung er­teilt hat­te, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 16.03.2011, ihr zu­ge­gan­gen am 16.03.2011, außer­or­dent­lich mit so­zia­ler Aus­lauf­frist zum 30.09.2011, hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Ter­min (Bl. 3 bis 19 d. A.). Mit Schrei­ben vom 01.03.2011 (Bl. 296 d. A.) stell­te die Be­klag­te die Kläge­rin zunächst bis auf wei­te­res wi­der­ruf­lich von ih­rer Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei. Nach Aus­spruch der Kündi­gung stell­te die Be­klag­te die Kläge­rin mit ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom 24.03.2011 (Bl. 297 d. A.) un­ter An­rech­nung noch be­ste­hen­der Ur­laubs­ansprüche und Ansprüche auf Frei­zeit­aus­gleich und un­ter Fort­zah­lung der Vergütung bis zum Ab­lauf des 31.03.2011 un­wi­der­ruf­lich, ab dem 01.04.2011 wi­der­ruf­lich von ih­rer Ar­beits­ver­pflich­tung frei. Im An­schluss dar­an bot die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 28.03.2011 (Bl. 298 und 299 d. A.) ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag bei dem die Auf­träge über­neh­men­den Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men an. In die­sem Schrei­ben teil­te sie mit, dass sie die Kläge­rin für den Fall, dass sie die­ses Ar­beits­ver­trags­an­ge­bot an­neh­me, ab dem 01.04.2011 für die Dau­er ih­rer Beschäfti­gung von ih­rer Ar­beits­ver­pflich­tung un­wi­der­ruf­lich frei­stel­le und in die­sem Fall § 615 Satz 2 BGB fort­gel­te, d. h. der dort er­ziel­te Zwi­schen­ver­dienst auf ih­re Vergütungs­ansprüche an­ge­rech­net wer­de. Die Kläge­rin nahm den ihr an­ge­bo­te­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag an und setz­te ab dem 01.04.2011 ih­re Tätig­keit auf ih­rer bis­he­ri­gen Ar­beits­stel­le für den Auf­trag­neh­mer fort.

Mit der vor­lie­gen­den, beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin am 28. März 2011 ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 1. April 2011 zu­ge­stell­ten Kla­ge wen­det sich die Kläge­rin ge­gen die Kündi­gung. Mit der beim Ar­beits­ge­richt am 20. Ju­li 2011 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge­er­wei­te­rung be­gehrt sie darüber hin­aus die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Vergütung für den Zeit­raum von April bis Ju­ni 2011

 

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mit der Be­gründung, der bei dem an­de­ren Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men er­ziel­te Zwi­schen­ver­dienst sei im Hin­blick auf die er­folg­te Frei­stel­lung durch die Be­klag­te nicht an­zu­rech­nen.

Die Kläge­rin hat das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung gerügt. Die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung der Be­klag­ten zur Fremd­ver­ga­be der Rei­ni­gungs­ar­bei­ten sei im Hin­blick auf den be­ste­hen­den Kündi­gungs­schutz of­fen­sicht­lich rechts­miss­bräuch­lich. Für die Be­klag­ten hätten an­de­re Möglich­kei­ten be­stan­den, das mit der Kläge­rin be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis fort­zu­set­zen, wie z.B. die Per­so­nal­ge­stel­lung bei dem be­auf­trag­ten Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men oder bei ei­nem an­de­ren Kon­zern­un­ter­neh­men. Darüber hin­aus sei die Kläge­rin als Haus­meis­te­rin oder Haus­meis­te­ras­sis­ten­tin ein­setz­bar und dort mit ver­schie­de­nen Auf­ga­ben aus dem Be­reich der Haus­meis­ter­diens­te zu be­trau­en ge­we­sen. Außer­dem hat die Kläge­rin die ord­nungs­gemäße Anhörung des Be­triebs­rats be­strit­ten.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin hat be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 16.03.2011 mit Aus­lauf­frist zum 30.09.2011 und auch nicht hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Ter­min be­en­det wor­den ist.

2. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 6.549,69 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen von 5 % Punk­ten über den Ba­sis­zins­satz seit dem 22.07.2011 zu zah­len.


Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung zur Fremd­ver­ga­be der Rei­ni­gungstätig­kei­ten u.a. mit der Be­gründung ver­tei­digt, Ausfälle bei Krank­heit und Ur­laub sei­en leich­ter zu über­brücken und dar­auf ver­wie­sen, dass im Hin­blick auf den vor­ge­se­he­nen Be­triebsüber­gang der Ar­beits­ver­trag der Kläge­rin mit un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bei ei­nem sol­ven­ten Un­ter­neh­men fort­ge­setzt wor­den wäre. An­de­re Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten bei der Be­klag­ten bestünden nicht. Man­gels ent­spre­chen­der Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten sei die Kläge­rin nicht als Sach­be­ar­bei­te­rin oder Se­kretärin ein­zu­set­zen. Auch kom­me ei­ne Tätig­keit als Haus­meis­te­rin nicht in Be­tracht. In die­sem Be­reich könn­ten ein­zel­ne Ar­bei­ten nicht sinn­voll aus dem Auf­ga­ben­be­reich ins­ge­samt her­aus­gelöst wer­den, um die­se der Kläge­rin zu über­tra­gen, zu­mal die Haus­meis­ter in zahl­rei­chen ver­schie­de­nen Höfen ein­ge­setzt sei­en. Ähn­li­ches gel­te

 

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auch für die übri­gen Ab­tei­lun­gen. Bei an­de­ren Ge­sell­schaf­ten der Fir­men­grup­pe gäbe es eben­falls kei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten, da die­se kei­ne Rei­ni­gungs­kräfte beschäfti­gen würden und auch sonst kei­ne für die Kläge­rin ge­eig­ne­ten Ar­beitsplätze zur Verfügung stünden. Ei­ne Per­so­nal­ge­stel­lung ha­be das Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men u.a. we­gen der da­mals be­vor­ste­hen­den Ände­run­gen des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes ab­ge­lehnt.

Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin hat mit Ur­teil vom 29.08.2011, auf des­sen Tat­be­stand we­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens Be­zug ge­nom­men wird, die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, der Be­klag­ten ste­he ein wich­ti­ger Grund für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist zur Sei­te, da die Be­klag­te die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen ha­be, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten nicht mehr durch ei­ge­ne Ar­beits­kräfte durchführen zu las­sen. Die­se Ent­schei­dung sei nicht rechts­miss­bräuch­lich. Die Kläge­rin könne auch nicht an an­de­rer Stel­le im Be­trieb oder Un­ter­neh­men der Be­klag­ten wei­ter­beschäftigt wer­den, da sol­che Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten nicht bestünden. Ei­ne So­zi­al­aus­wahl ha­be nicht statt­fin­den müssen, da die Kläge­rin und ih­re Kol­le­gin die ein­zi­gen Rei­ni­gungs­kräfte der Be­klag­ten ge­we­sen sei­en. Außer­dem sei die Kündi­gung auch nicht we­gen feh­ler­haf­ter Be­triebs­rats­anhörung un­wirk­sam. Der gel­tend ge­mach­te Zah­lungs­an­spruch be­ste­he des­halb nicht, weil sich die Kläge­rin den bei dem Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men er­ziel­ten Zwi­schen­ver­dienst an­rech­nen las­sen müsse, wor­auf die Be­klag­te bei der un­wi­der­ruf­li­chen Frei­stel­lung ab April 2011 aus­drück­lich hin­ge­wie­sen ha­be. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung wird auf das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen die­ses der Kläge­rin am 30. Sep­tem­ber 2011 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich ih­re Be­ru­fung, die sie mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 26.10.2011 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz ein­ge­legt und mit ei­nem beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 30.11.2011 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet hat.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin be­haup­tet un­ter Ergänzung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens auch in der Be­ru­fungs­in­stanz, die von der Be­klag­ten vor­ge­tra­ge­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fremd zu ver­ge­ben, sei rechts­miss­bräuch­lich und könne ei­nen wich­ti­gen Grund für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung nicht dar­stel­len. Un­ge­ach­tet die­ser un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung könne sie bei der Be­klag­ten wei­ter­beschäftigt wer­den. Et­was an­de­res ha­be die Be­klag­te nicht hin­rei­chend dar­ge­tan. In Be­tracht kämen hier ins­be­son­de­re Tätig­kei­ten im Be­reich des Im­mo­bi­li­en­ma­nage­ments, der Buch­hal­tung oder im Be­reich des Se­kre­ta­ri­ats, für die es aus­rei­chen würde, wenn die Be­klag­te der Kläge­rin Kennt­nis­se ver­mit­teln würde, auf­grund de­rer es ihr möglich wäre, mit ein­fa­chen Tätig­kei­ten den voll aus­ge­bil­de­ten Kräften zu­zu­ar­bei­ten.

 

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Darüber hin­aus könne sie auch als Haus­meis­te­ras­sis­ten­tin tätig wer­den. Hier sei ei­ne Um­or­ga­ni­sa­ti­on möglich und von der Be­klag­ten nicht aus­rei­chend ge­prüft wor­den, wie sich auch aus dem Wi­der­spruch des Be­triebs­ra­tes im Ein­zel­nen er­ge­ben würde. Dass ihr für die­se Tätig­kei­ten nicht – wie von der Be­klag­ten be­haup­tet – die er­for­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on feh­le, zei­ge sich schon dar­an, dass die Be­klag­te drei weib­li­che Haus­meis­ter beschäfti­ge, die u. a. zu­vor als Rei­ni­gungs­kräfte beschäftigt ge­we­sen sei­en. Außer­dem könne sie als Rei­ni­gungs­kraft für Tätig­kei­ten im Rah­men der End­rei­ni­gung von Flächen nach Be­en­di­gung der Miet­verhält­nis­se oder für die Zwi­schen­rei­ni­gung bei Leerständen und die An­fangs­rei­ni­gung bei Neu­ver­mie­tung ein­ge­setzt wer­den und auch in den aus­ge­la­ger­ten Ser­vice-Cen­tern tätig wer­den. Dort würden ein­fa­che Tätig­kei­ten über­wie­gend von Leih­ar­beit­neh­mern er­bracht. Wei­ter­hin rügt die Kläge­rin die Be­triebs­rats­anhörung als feh­ler­haft und hält an ih­rem Zah­lungs­an­spruch fest un­ter Hin­weis dar­auf, dass die Frei­stel­lung kei­nen An­nah­me­ver­zugs­an­spruch be­gründen könne, mit der Fol­ge, dass auch die ge­setz­li­chen An­rech­nungs­re­ge­lun­gen nicht an­wend­bar wären.

Die Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin be­an­tragt,

un­ter Ände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 29.08.2011

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch außer­or­dent­li­che Kündi­gung vom 16.03.2011 mit Aus­lauf­frist zum 30.09.2011 und auch nicht hilfs­wei­se zum nächstmögli­chen Ter­min be­en­det wor­den ist.

2. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 6.549,69 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen von 5 %-Punk­ten über den Ba­sis­zins­satz seit dem 22.07.2011 zu zah­len.

Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Ver­weis auf ih­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung zur Fremd­ver­ga­be der Rei­ni­gungs­ar­bei­ten, mit ergänzen­den Ausführun­gen zu den feh­len­den Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten der Kläge­rin. In Be­zug auf die Haus­meis­ter be­haup­tet sie, ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung dort käme auch des­halb nicht in Be­tracht, weil die­se ei­ne höher­wer­ti­ge Tätig­keit ausüben würden und ent­spre­chend höher ta­rif­lich ein­grup­piert sei­en.

 

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We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des zweit­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auch das Vor­brin­gen in der münd­li­chen Be­ru­fungs­ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.

 

Ent­schei­dungs­gründe

1. Die gemäß §§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1 und 2 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist von ihr frist­gemäß und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 519, 520 Abs. 1 und 3 ZPO, § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG).

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist da­her zulässig.

2. Die Be­ru­fung der Kläge­rin hat in der Sa­che teil­wei­se Er­folg. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten mit so­zia­ler Aus­lauf­frist ver­moch­te das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­zulösen, da sich die­se als rechts­un­wirk­sam er­weist (2.1). Der Kläge­rin ste­hen in­des die gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­ansprüche nur teil­wei­se zu (2.2).

2.1 Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten mit so­zia­ler Aus­lauf­frist ist un­wirk­sam, weil ein wich­ti­ger Grund im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB nicht ge­ge­ben war.

2.1.1 Die Wirk­sam­keit der Kündi­gung ist nach § 626 Abs. 1 BGB zu über­prüfen. Die Be­klag­te hat ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit so­zia­ler Aus­lauf­frist erklärt, weil die Kläge­rin nach den für das Ar­beits­verhält­nis maßgeb­li­chen Ta­rif­verträgen or­dent­lich unkünd­bar ist. Dies steht zwi­schen den Par­tei­en außer Streit.

2.1.2 Mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richt (vgl. zu­letzt BAG vom 18.03.2010 – 2 AZR 337/08 – EZA § 626 BGB 2002 Unkünd­bar­keit Nr. 17 m. w. N.; BAG vom 10.05.2007 – 2 AZR 626/05 – EZA § 626 BGB 2002 Unkünd­bar­keit Nr. 15) ist im Grund­satz da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne auf be­trieb­li­che Gründe gestütz­te außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit ei­ner – not­wen­dig ein­zu­hal­ten­den – Aus­lauf­frist nur in Aus­nah­mefällen in Be­tracht kom­men kann. Zu dem vom Ar­beit­ge­ber zu tra­gen­den Un­ter­neh­mer­ri­si­ko zählt auch die Ein­hal­tung der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist. Die Wei­ter­beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers kann dem Ar­beit­ge­ber aber ins­be­son­de­re dann un­zu­mut­bar sein, wenn ei­ne or­dent­li­che Kündi­gungsmöglich­keit aus­ge­schlos­sen ist und der Ar­beit­ge­ber des­halb dem Ar­beit­neh­mer über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin sein Ge­halt wei­ter­zah­len müss­te, ob­wohl er z. B. we­gen Be­triebs­still­le­gung für des­sen Ar­beits­kraft kei­ne Ver­wen­dung mehr hat („Hei­zer auf der E-Lok“,

 

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vgl. BAG vom 18.05.2005 – 2 AZR 207/05 – AP Nr. 5 zu § 55 BAT; BAG vom 05.02.1998 – 2 AZR 227/97 – AP Nr. 143 zu § 626 BGB). Es geht hier im We­sent­li­chen dar­um zu ver­mei­den, dass der ta­rif­li­che Aus­schluss der or­dent­li­chen Kündi­gung dem Ar­beit­ge­ber Unmögli­ches oder evi­dent Un­zu­mut­ba­res aufbürdet (vgl. BAG vom 05.02.1998 – 2 AZR 227/97 – BA­GE 88,10 – 22). Da­bei ist ein stren­ger Prüfungs­maßstab an­zu­le­gen. In er­heb­lich wei­te­rem Um­fang als bei ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung ist es dem Ar­beit­ge­ber bei ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist ge­genüber ei­nem ta­rif­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mer zu­mut­bar, die Kündi­gung durch ge­eig­ne­te an­de­re Maßnah­men zu ver­mei­den (ständi­ge Recht­spre­chung vgl. BAG vom 10.05.2007 – 2 AZR 626/05 – NZA 2007, 2278 ff.; vom 18.05.2006 – 5 AZR 207/05 – AP Nr. 55 zu § 55 BAT).

Wei­ter­hin ist im Grund­satz da­von aus­zu­ge­hen, dass Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen des Ar­beit­ge­bers, die sich auf den Ar­beits­platz des (unkünd­ba­ren) Ar­beit­neh­mers aus­wir­ken, nicht auf ih­re sach­li­che Recht­fer­ti­gung und Zweckmäßig­keit über­prüft wer­den können, son­dern nur dar­auf, ob sie of­fen­bar un­sach­lich, un­vernünf­tig oder willkürlich sind und ob sie ursächlich für den vom Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­mach­ten Weg­fall des Ar­beits­plat­zes sind (ständi­ge Recht­spre­chung des BAG vgl. z. B. BAG vom 18.10.2006 – 2 AZR 434/05 – NZA 2007, 552 ff.).

Die un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit gilt je­doch nicht schran­ken­los. Die Be­rufs­frei­heit des Art. 12 Abs. 1 GG schützt nicht nur die un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit, son­dern gewährt auch ei­nen Min­dest­be­stands­schutz für den Ar­beit­neh­mer. Zwar ist mit der durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­ten Be­rufs­wahl­frei­heit kein un­mit­tel­ba­rer Schutz ge­gen den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes auf Grund pri­va­ter Dis­po­si­ti­on ver­bun­den. In­so­fern ob­liegt dem Staat aber ei­ne aus dem Grund­recht des Art. 12 Abs. 1 GG fol­gen­de Schutz­pflicht, der so­wohl der Ge­setz­ge­ber als auch die Ge­rich­te Rech­nung tra­gen müssen. Der ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Min­dest­be­stands­schutz für ein Ar­beits­verhält­nis strahlt auf die Aus­le­gung und An­wen­dung der Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes aus. Die Ge­rich­te ha­ben von Ver­fas­sungs we­gen zu prüfen, ob von ih­rer An­wen­dung im Ein­zel­fall das Grund­recht des Art. 12 Abs. 1 GG berührt wird. Trifft das zu, dann ha­ben die Ge­rich­te die Vor­schrif­ten des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes im Lich­te der Grund­rech­te aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den (BVerfG vom 19.03.1998 – 1 BvR 10/97 – NZA 1998, 587; BAG v. 26.09.2002 – 2 AZR 636/01 – NZA 2003, 549). Der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 26.09.2002 (2 AZR 636/01 – NZA 2003, 549 - „Rheum­akli­nik“) aus die­sen Grundsätzen ge­fol­gert, dass bei der An­wen­dung des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes auf ei­ne an sich „freie“ Un­ter­neh­mer­ent­schei­dung stets ei­ne ein­ge­schränk­te Prüfung des un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zepts vor­ge­nom­men wer­den müsse, da bei ei­ner schran­ken­lo­sen Hin­nah­me jeg­li­cher un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung als für den Kündi­gungs­schutz­pro­zess bin­dend der Kündi­gungs­schutz der Ar­beit­neh­mer teil­wei­se leer­lau­fen würde.

 

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Der Ar­beit­ge­ber muss da­her be­reits bei der Er­stel­lung des un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zepts die in Form von ver­ein­bar­ten Kündi­gungs­aus­schlüssen be­ste­hen­den ar­beits­ver­trag­lich über­nom­me­nen Ga­ran­ti­en eben­so wie an­de­re schuld­recht­li­che Bin­dun­gen berück­sich­ti­gen (vgl. BAG vom 26.03.2009 - 2 AZR 879/07 - NZA 2009, 679-684; vom 02.03.2006 – 2 AZR 64/05 – AP Nr. 84 zu § 2 KSchG 1969). Mit dem Aus­schluss der or­dent­li­chen Künd­bar­keit ist er ei­ne weit­rei­chen­de Ver­pflich­tung und – da­mit ein­her­ge­hend – ein ho­hes Ri­si­ko ein­ge­gan­gen. Dass ei­ne sol­che lang­fris­ti­ge Bin­dung grundsätz­lich zulässig ist, zeigt § 624 BGB. Dann muss der Ar­beit­ge­ber die­ser von ihm selbst ein­ge­gan­ge­nen Bin­dung ins­be­son­de­re bei der Prüfung der Fra­ge, wel­che Ver­tragsände­run­gen er dem Ar­beit­neh­mer im Rah­men der Ände­rungskündi­gung mit dem Ände­rungs­an­ge­bot zu­mu­ten kann, ge­recht wer­den. Erst recht muss er die­se Bin­dung aber auch bei der Prüfung der Ver­trags­be­en­di­gung berück­sich­ti­gen. Nicht je­de mit dem Fest­hal­ten am Ver­trags­in­halt ver­bun­de­ne Last kann ei­nen wich­ti­gen Grund zur außer­or­dent­li­chen Ände­rungskündi­gung, und erst recht auch nicht zur Be­en­di­gungskündi­gung bil­den. Es ist in die­sem Zu­sam­men­hang zu berück­sich­ti­gen, dass der Ar­beit­ge­ber auch an­de­ren lang­fris­tig ein­ge­gan­ge­nen Ver­trags­bin­dun­gen nur un­ter en­gen Vor­aus­set­zun­gen ein En­de set­zen kann (vgl. BAG vom 02.03.2006 – 2 AZR 64/05- a. a. O. un­ter Hin­weis auf Bröhl „die außer­or­dent­li­che Kündi­gung mit not­wen­di­ger Aus­lauf­frist“; LAG Ber­lin vom 05.07.2007 – 2 AZR 578/07 – NZA-RR 2008, 237 ff.).

2.1.3 Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze konn­te das Be­ru­fungs­ge­richt ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB für die außer­or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Kläge­rin mit so­zia­ler Aus­lauf­frist nicht fest­stel­len.

2.1.3.1 Die Be­klag­te be­gründet die Kündi­gung da­mit, auf­grund ih­rer un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung, die – nach wie vor er­for­der­li­chen - Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fremd zu ver­ge­ben, sei der Ar­beits­platz der Kläge­rin weg­ge­fal­len. Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten bestünden nicht, da sie ihr auch kei­ne an­de­ren Tätig­kei­ten im Be­reich der Haus­meis­ter in sinn­vol­ler Wei­se über­tra­gen könne, dort kei­ne frei­en Ar­beitsplätze vor­han­den sei­en und der Auf­trag­ge­ber ei­ne Per­so­nal­ge­stel­lung ab­ge­lehnt hat.

2.1.3.2 Nach den ge­nann­ten Grundsätzen ist al­lei­ne die­ses „au­to­no­me“ un­ter­neh­me­ri­sche Kon­zept, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten nicht mehr durch ei­ge­ne Ar­beit­neh­mer ausführen zu las­sen, mit der Fol­ge, dass die zwei Ar­beitsplätze der Rei­ni­gungs­kräfte in Weg­fall ge­ra­ten, für sich ge­nom­men noch nicht als wich­ti­ger Grund im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB an­zu­se­hen. Es hat zunächst ein­mal kein an­de­res Ge­wicht als die im Rah­men ei­ner or­dent­li­chen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ge­trof­fe­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung der ex­ter­nen Ver­ga­be von Ar­bei­ten, die bis­her von ei­ge­nen Ar­beit­neh­mern aus­geführt wur­den.

 

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Die von der Be­klag­ten mit der Ver­ein­ba­rung des Aus­schlus­ses der or­dent­li­chen Kündi­gung ge­genüber der Kläge­rin ein­ge­gan­ge­nen Bin­dun­gen und Ga­ran­ti­en ha­ben nämlich in ei­ner sol­chen mit der Kündi­gungs­ent­schei­dung qua­si de­ckungs­glei­chen un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung of­fen­sicht­lich noch kei­ne Berück­sich­ti­gung ge­fun­den. Auf Sei­ten der Be­klag­ten sind über die ge­nann­te un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung hin­aus­ge­hend kei­ne Umstände vor­han­den, die es als bil­li­gens­wert er­schei­nen ließen, dass sie ent­ge­gen ih­rer ein­ge­gan­ge­nen Ver­trags­pflicht die be­son­ders Kündi­gungs­geschütz­ten Ar­beits­verhält­nis­se be­en­den müsse. Sol­che Umstände könn­ten dar­in lie­gen, dass sich die un­ter­neh­me­ri­sche Um­struk­tu­rie­rung aus Markt­ge­sichts­punk­ten wie z.B. ei­ne not­wen­dig ge­wor­de­ne Ände­rung der Pro­dukt­pa­let­te oder im Hin­blick auf die kon­kre­te be­triebs­wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Be­trie­bes als un­umgäng­lich dar­stellt (vgl. LAG Ber­lin-Bran­den­burg vom 05.07.2007 – 2 Sa 578/07 – NZA-RR 2008, 237 ff.). Oh­ne sol­che wei­ter­ge­hen­den Umstände aber ist die Rechts­po­si­ti­on der Be­klag­ten nicht an­ders als in dem Fal­le, als wenn sie bei­spiels­wei­se die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ei­nes lang­fris­tig be­fris­te­ten Miet­ver­tra­ges für ih­re Geschäftsräume da­mit be­gründen würde, sie ha­be sich da­zu ent­schlos­sen, die von ihr ge­nutz­ten Räum­lich­kei­ten auf 2 statt bis­her 3 Stock­wer­ke zu be­schränken.

2.1.3.3 Ei­ne sol­che Berück­sich­ti­gung wei­ter­ge­hen­der Umstände auf Sei­ten des Ar­beit­ge­bers ist der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung nicht fremd. Bei ih­rer Über­prüfung geht es auch dar­um, ob ein be­stimm­ter Kündi­gungs­grund das Maß ei­nes wich­ti­gen Grun­des im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB er­reicht. So fin­det im Rah­men der ver­hal­tens­be­ding­ten außer­or­dent­li­chen Kündi­gung ei­ne In­ter­es­sen­abwägung statt, bei der ei­ne Be­wer­tung des Ein­zel­fal­les un­ter Be­ach­tung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes zu er­fol­gen hat und bei der re­gelmäßig das Ge­wicht und die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ver­trags­pflicht­ver­let­zung zu berück­sich­ti­gen sind (vgl. std. Rspr z.B. BAG v. 7.7.2011 – 2 AZR 355/10 - NZA 2011, 1412-1416). Dies kann da­zu führen, dass bei ei­nem „an sich“ für die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ge­eig­ne­ten Grund, die­ser sich als nicht so schwer­wie­gend er­weist, als dass dem Ar­beit­ge­ber die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zu­mut­bar wäre, wo­bei bei den außer­or­dent­lich unkünd­ba­ren Ar­beit­neh­mern auf die „fik­ti­ve“ Kündi­gungs­frist ab­zu­stel­len ist (BAG v. 9.6.2011 – 2 AZR 381/10 - NZA 2011, 1027-1029). Be­zo­gen auf die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung be­deu­tet dies aber zu­gleich, dass nicht je­de un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, die ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung recht­fer­ti­gen könn­te, das Ge­wicht ei­nes wich­ti­gen Grun­des i.S. des § 626 Abs. 1 BGB er­rei­chen muss.

2.1.3.4 So­weit das LAG Hamm in sei­ner Ent­schei­dung vom 18.11.2010 (8 Sa 483/10 – ZTR 2011, 300-302) die vom Ar­beit­ge­ber ein­ge­gan­ge­nen ver­trag­li­chen Bin­dun­gen nur im Rah­men der Zu­mut­bar­keit von Über­brückungs­maßnah­men oder bei den Bemühun­gen des

 

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Ar­beit­ge­bers, den Ar­beit­neh­mer im Be­trieb oder an­de­ren­orts zu beschäfti­gen berück­sich­ti­gen will, er­gibt sich dies nicht zwin­gend aus der dar­ge­stell­ten ein­ge­schränk­ten Über­prüfbar­keit der un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung. Denn auch die Fra­ge, ob an­der­wei­ti­ge Beschäfti­gungsmöglich­kei­ten vor­han­den sind, wird – wie der vor­lie­gen­de Fall zeigt – in glei­cher Wei­se von un­ter­neh­me­ri­schen Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen ge­prägt. Kon­se­quent wei­ter­ge­dacht hat die Be­klag­te nämlich nicht nur die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten der bei­den Ar­beit­neh­mer ex­tern zu ver­ge­ben, son­dern zu­gleich auf­grund un­ter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dun­gen die Möglich­keit, die Kläge­rin zu (evtl. geänder­ten) Ar­beits­be­din­gun­gen wei­ter­zu­beschäfti­gen, aus­ge­schlos­sen. Denn so­weit ei­ne Beschäfti­gung mit Auf­ga­ben aus dem Be­reich Haus­meis­terser­vice in Be­tracht käme, stünde dort die auf­grund un­ter­neh­me­ri­scher Ent­schei­dung fest­ge­leg­te Zahl der Ar­beit­neh­mer, mit de­nen die­se Ar­bei­ten zu er­brin­gen sind, ent­ge­gen. Ei­ne Per­so­nal­ge­stel­lung schie­de – un­abhängig von der Fra­ge, ob der Auf­trag­neh­mer zu ei­ner sol­chen be­reit ge­we­sen wäre – schon des­halb aus, weil die vor­lie­gen­de un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung der Be­klag­ten, die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten im Rah­men ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs ex­tern zu ver­ge­ben, zu­gleich die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung be­inhal­tet, die­se Auf­ga­ben nicht mehr mit ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern zu er­brin­gen. Zwar kann der Ar­beit­ge­ber natürlich im Rah­men sei­nes Kon­zep­tes den ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­nen Bin­dun­gen auch da­durch Rech­nung tra­gen, dass er an an­de­rer Stel­le Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten vor­sieht, sei es durch Um­or­ga­ni­sa­ti­on, Per­so­nal­ge­stel­lung, oder auf frei­en Ar­beitsplätzen. Un­terlässt er dies aber und trifft al­lein un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen, die zur Fol­ge ha­ben, dass der unkünd­ba­re Ar­beit­neh­mer ge­hen muss, heißt dies eben nicht zwin­gend, dass das be­triebs­be­ding­te Er­for­der­nis das Maß ei­nes wich­ti­gen Grun­des er­reicht. Die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ist nicht das „Pas­se­par­tout“ der (außer­or­dent­li­chen) be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung.

2.1.3.5 Wei­te­re dem un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zept das Ge­wicht ei­nes wich­ti­gen Grun­des ver­lei­hen­de Umstände hat die Be­klag­te nicht dar­ge­tan. Die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fal­len als sol­ches noch in den Räum­lich­kei­ten der Be­klag­ten an. Die von ihr vor­ge­tra­ge­nen wirt­schaft­li­chen Zah­len er­laub­ten nicht den Schluss, dass die Fremd­ver­ga­be der ver­blie­be­nen Rei­ni­gungs­aufträge, mit de­nen die bei­den Rei­ni­gungs­kräfte der Be­klag­ten beschäftigt wa­ren, zwin­gend er­for­der­lich wa­ren. Auch in an­de­ren Be­rei­chen hat der In­ter­es­sen­aus­gleich an­de­re Maßnah­men vor­ge­se­hen, um den wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen be­geg­nen zu können. So­weit der In­ter­es­sen­aus­gleich die Bil­dung ei­ner Be­triebs­ab­tei­lung „Rei­ni­gungs­diens­te“ vor­sah, führt die­se Ge­stal­tung eben­falls nicht da­zu, die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung „Aus­glie­de­rung der Rei­ni­gungstätig­kei­ten“ als aus­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung der ver­trag­li­chen Bin­dun­gen an­zu­se­hen. In die­sem Zu­sam­men­hang kann da­hin­ste­hen, ob zwei Rei­ni­gungs­kräfte mit ih­ren Ob­jek­ten oh­ne wei­te­re Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nen über­g­angsfähi­gen Be­triebs­teil dar­stel­len können, ob dies so in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich fest­ge­legt wer­den kann und ob der Ar­beit­ge­ber

 

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ent­spre­chen­de Bin­dungs­wir­kun­gen aus­rei­chend an den „Über­neh­mer“ wei­ter­ge­ben könn­te. Denn je­den­falls führt auch ein Be­triebsüber­gang, dem der Ar­beit­neh­mer nicht wi­der­spricht – wenn nicht zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses als sol­ches – zur Be­en­di­gung der ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und dem frühe­ren Ar­beit­ge­ber. All das was die Be­klag­te ge­tan hat, mag ei­ne or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung als so­zi­al ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von § 1 Abs. 2 KSchG er­schei­nen las­sen. Mehr Ge­wicht hat der von der Be­klag­ten an­geführ­te Grund in­des nicht.

2.1.4 Berück­sich­tigt die ge­trof­fe­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung aber nicht hin­rei­chend die ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­nen Bin­dun­gen, kann dar­auf ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Er­for­der­nis im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB nicht gestützt wer­den. Auf die Fra­ge, ob die Be­klag­te hin­rei­chend auf ih­ren Ver­trags­part­ner ein­ge­wirkt hat, um dort die Möglich­kei­ten der Per­so­nal­ge­stel­lung zu er­rei­chen und ob dies im Hin­blick auf die zum Zeit­punkt der Kündi­gung be­reits ab­seh­ba­re Ände­rung des Ge­set­zes zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung über­haupt noch als zu­mut­ba­rer Weg an­ge­se­hen wer­den kann, konn­te eben­so da­hin­ste­hen, wie die Fra­ge, ob sich die Be­klag­te – un­ge­ach­tet ih­rer un­ter­neh­me­ri­schen Kon­zep­tio­nen, die sich aus im In­ter­es­sen­aus­gleich mit der Fest­le­gung der Zahl der Ar­beit­neh­mer im Be­reich der Haus­meis­ter­diens­te nie­der­schlu­gen – aus­rei­chend um Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten für die Kläge­rin ggf. durch Zu­sam­men­fas­sung ein­zel­ner Tätig­kei­ten aus dem Be­reich der Haus­meis­ter­diens­te zu ei­nem Ar­beits­platz gekümmert hat. Die streit­ge­genständ­li­che außer­or­dent­li­che Kündi­gung er­weist sich man­gels wich­ti­gen Grunds im Sin­ne von § 626 Abs. 1 BGB als rechts­un­wirk­sam.

2.2 Die Zah­lungs­kla­ge hat­te nur teil­wei­se Er­folg. Der Kläge­rin steht le­dig­lich die Dif­fe­renz zwi­schen den tatsächli­chen Zah­lun­gen ih­res wei­te­ren Ar­beit­ge­bers und den ihr bei der Be­klag­ten zu­ste­hen­den Vergütung zu. Ein darüber hin­aus ge­hen­der An­spruch be­steht nicht. Die Kläge­rin muss sich die Zah­lun­gen des Rei­ni­gungs­un­ter­neh­mens, bei dem sie im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum tätig war, an­rech­nen las­sen (§ 615 Satz 2 BGB). Die Par­tei­en ha­ben ei­ne sol­che An­rech­nung ver­ein­bart.

Die Be­klag­te hat der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 28.03.2011 ei­ne un­wi­der­ruf­li­che Frei­stel­lung für den Fall der An­nah­me des Ar­beits­ver­tra­ges mit der An­rech­nung nach § 615 Satz 2 BGB an­ge­bo­ten. Die­ses An­ge­bot hat die Kläge­rin mit dem Ab­schluss des Ar­beits­ver­tra­ges, der dem Schrei­ben bei­gefügt war, kon­klu­dent an­ge­nom­men. Ei­nes Zu­gangs die­ses An­ge­bots bei der Be­klag­ten selbst be­durf­te es gemäß § 151 BGB nicht. Da­mit ha­ben die Par­tei­en je­den­falls die An­wen­dung des § 615 Satz 2 BGB für den Vergütungs­an­spruch der Kläge­rin ver­ein­bart.

 

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Der An­rech­nung von Zwi­schen­ver­dienst stan­den die vor­an­ge­gan­ge­nen Frei­stel­lungs­schrei­ben der Be­klag­ten nicht ent­ge­gen. Die­se re­gel­ten den hier maßgeb­li­chen Zeit­raum ab 01.04.2011 oh­ne­hin nicht. Un­abhängig von den ver­schie­de­nen Frei­stel­lungs­schrei­ben der Be­klag­ten ha­ben die Par­tei­en nämlich auf der Grund­la­ge des Frei­stel­lungs­schrei­bens der Be­klag­ten vom 28.03.2011 ei­ne ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung über die Be­hand­lung des Zeit­raums ab dem 01.04.2011 ge­trof­fen.

Ne­ben der mo­nat­li­chen Vergütung steht der Kläge­rin das Ur­laubs­geld für das ge­sam­te Jahr zu, da nach der obi­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag das Ar­beits­verhält­nis nicht zum 30.09.2011 ge­en­det hat. Auf die­sen An­spruch muss sich die Kläge­rin je­doch den vol­len Be­trag des von dem Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men ge­zahl­ten Ur­laubs­gel­des an­rech­nen las­sen. Auch wenn die­ses Ur­laubs­geld erst außer­halb des streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raums ge­zahlt wur­de, zählt dies im Rah­men von § 615 Satz 2 BGB zum an­re­chen­ba­ren Zwi­schen­ver­dienst, da in­so­weit der ge­sam­te An­nah­me­ver­zugs­zeit­raum zu berück­sich­ti­gen ist. Le­dig­lich die Dif­fe­renz – die un­strei­tig zwi­schen den Par­tei­en ge­stan­den hat – hat die Be­klag­te noch an die Kläge­rin zu zah­len. Dies ist der te­n­o­rier­te Be­trag.

3. Aus die­sen Gründen war auf die Be­ru­fung der Kläge­rin das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin teil­wei­se ab­zuändern. Ent­spre­chend des Ob­sie­gens bzw. Un­ter­lie­gens wa­ren die Kos­ten des Rechts­streits gemäß § 92 ZPO auf die Par­tei­en zu ver­tei­len.

4. Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil für die Be­klag­te gemäß § 72 ArbGG zu­ge­las­sen und zwar un­be­schränkt, da ein Teil der Vergütungs­ansprüche auch da­von abhängig ist, ob das Ar­beits­verhält­nis durch die streit­ge­genständ­li­che Kündi­gung zum 30.09.2011 be­en­det wor­den ist.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Be­klag­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt

(Post­adres­se: 99113 Er­furt),

Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wer­den.

Sie ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als sol­che sind außer Rechts­anwälten nur fol­gen­de Stel­len zu­ge­las­sen, die zu­dem durch Per­so­nen mit Befähi­gung zum Rich­ter­amt han­deln müssen:

• Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
• ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der vor­ge­nann­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Für d. Kläge­rin ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
Auf die Möglich­keit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gem. § 72 a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments i. S. d. § 46 c ArbGG genügt. Nähe­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de.
 

R.

A.

S.

 

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