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Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ge­gen den fal­schen Be­klag­ten

Er­gibt sich aus In­halt und An­la­gen der Kla­ge­schrift, dass ei­ne fal­sche Par­tei als Be­klag­ter ge­nannt wird, muss das Ge­richt die Kla­ge an den rich­ten Be­klag­ten zu­stel­len: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.02.2014, 2 AZR 248/13

11.09.2014. Wer ei­ne Kün­di­gungs­schutz­kla­ge ge­gen den fal­schen Be­klag­ten rich­tet, be­kommt nach ei­ni­ger Zeit ein Pro­blem, denn Kün­di­gungs­schutz­kla­gen sind frist­ge­bun­den ein­zu­rei­chen.

Stellt sich nach Ab­lauf der drei­wö­chi­gen Kla­ge­frist her­aus, dass der Pro­zess ge­gen den fal­schen Be­klag­ten ge­führt wur­de, ist der Ar­beit­neh­mer mög­li­cher­wei­se der Dum­me, weil in­fol­ge des Frist­ab­laufs ge­gen die Kün­di­gung nichts mehr zu ma­chen ist.

Wenn sich al­ler­dings aus der Kla­ge­schrift und ih­ren An­la­gen, d.h. den in Ko­pie bei­ge­füg­ten Ver­trags­un­ter­la­gen, Ge­halts­ab­rech­nun­gen usw. er­gibt, dass der Klä­ger in sei­ner Kla­ge ei­nen fal­schen Be­klag­ten ge­nannt hat und dass statt­des­sen ein an­de­rer der rich­ti­ge Be­klag­te ist, muss das Ar­beits­ge­richt den Pro­zess in die rich­ti­ge Bahn len­ken. Das hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil be­kräf­tigt: BAG, Ur­teil vom 20.02.2014, 2 AZR 248/13.

Warum sollte in einer Kündigungsschutzklage der richtige Beklagte genannt werden?

Gemäß § 4 und § 7 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) muss man als Ar­beit­neh­mer nach Er­halt ei­ner schrift­li­chen Kündi­gung in­ner­halb ei­ner ei­ne Kla­ge­frist von drei Wo­chen Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, wenn man sich ge­gen die Kündi­gung weh­ren will, denn nach Ab­lauf der Frist gilt die Kündi­gung als rechts­wirk­sam.

Da­zu soll­te man den Ar­beit­ge­ber, der die Kündi­gung im ei­ge­nen Na­men aus­ge­spro­chen hat, als den Be­klag­ten in der Kla­ge­schrift an­ge­ben, da­mit das Ge­richt die Kla­ge dem Ar­beit­ge­ber zu­stel­len kann.

Hin und wie­der kommt es vor, dass die Kla­ge ei­nen fal­schen Be­klag­ten be­zeich­net. Dann wird die Kla­ge erst ein­mal an die­sen zu­ge­stellt und später über die­ses Pro­blem ge­spro­chen, z.B. im Güte­ter­min. In vie­len Fällen kann man die ge­sam­ten An­ga­ben der Kla­ge­schrift so aus­le­gen, dass nicht der aus­drück­lich ge­nann­te (fal­sche) Be­klag­te ver­klagt wer­den soll, son­dern der rich­ti­ge.

Die­sem muss dann die Kla­ge zu­ge­stellt wer­den, und dar­um muss sich das Ge­richt kümmern.

Im Streit: Betriebsbedingte Kündigung eines zivilen Arbeitnehmers der britischen Streitkräfte

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war seit 2001 bei den bri­ti­schen Sta­tio­nie­rungs­streit­kräften am Stand­ort Her­ford als Bau­in­ge­nieur beschäftigt. Er gehörte zu den "zi­vi­len Ar­beits­kräften" der Bri­ten. Sein Ar­beit­ge­ber war das Ver­ei­nig­te König­reich.

Nach­dem er am 20.09.2011 von der Per­so­nal­ver­wal­tung der Bri­ti­schen Streit­kräfte - Güters­loh - be­triebs­be­dingt gekündigt wor­den war, er­hob sein An­walt frist­ge­recht Kla­ge, und zwar ge­gen das Ver­ei­nig­te König­reich.

Das war falsch. Denn ob­wohl das Ver­ei­nig­te König­reich Ar­beit­ge­ber war und da­mit nor­ma­ler­wei­se der rich­ti­ge Be­klag­te wäre, hätte der Ar­beit­neh­mer hier die Bun­des­re­pu­blik ver­kla­gen müssen.

Denn Art.56 Abs.8 Satz 2 des Zu­satz­ab­kom­mens zum NA­TO-Trup­pen­sta­tut (ZA-NTS) schreibt vor, dass Kla­gen der zi­vi­len Ar­beit­neh­mer ge­gen die Sta­tio­nie­rungs­streit­kräfte bzw. ge­gen die da­hin­ter ste­hen­den Staa­ten nicht ge­gen die­se zu rich­ten sind, son­dern ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die­se führt sol­che Pro­zes­se dann in Pro­zess­stand­schaft, d.h. im ei­ge­nen Na­men, aber für die hin­ter ihr ste­hen­den verbünde­ten Staa­ten.

Auf die­sen Feh­ler wies das ver­klag­te Ver­ei­nig­te König­reich in sei­ner Kla­ge­er­wi­de­rung vom 03.11.2011 hin, wor­auf­hin der Kläger ei­ne Be­rich­ti­gung der Par­tei­be­zeich­nung ("Ru­brums­be­rich­ti­gung") be­an­trag­te. Auf Grund­la­ge die­ser Klar­stel­lung stell­te das Ar­beits­ge­richt Her­ford die Kla­ge aber nicht et­wa an die Bun­des­re­pu­blik zu, son­dern wies sie ab (Ur­teil vom 25.01.2012, 1 Ca 1235/11). Auch in der Be­ru­fung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm hat­te die Kla­ge kei­nen Er­folg (LAG Hamm, Ur­teil vom 05.09.2012, 2 Sa 398/12).

BAG: Ergibt sich aus Inhalt und Anlagen der Klageschrift, dass eine falsche Partei als Beklagter genannt wird, muss das Gericht die Klage an den richten Beklagten zustellen

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hob die Ur­tei­le der Vor­in­stan­zen auf und ver­wies den Pro­zess an das Ar­beits­ge­richt Her­ford zurück. Dem Ar­beits­ge­richt ga­ben die Er­fur­ter Rich­ter den Hin­weis, dass die Kla­ge als Kla­ge ge­gen die Bun­des­re­pu­blik aus­zu­le­gen sei, bis­lang aber nicht an die­sen (ei­gent­lich ge­mein­ten und rich­ti­gen) Be­klag­ten zu­ge­stellt wur­de.

Dass die Kla­ge als Kla­ge ge­gen die Bun­des­re­pu­blik "aus­zu­le­gen" war, er­gab sich hier nach An­sicht des BAG aus den An­la­gen zur Kla­ge­schrift, die nämlich ein­deu­tig be­leg­ten, dass der Kläger zu den zi­vi­len Ar­beits­kräften gehörte.

Und nach­dem der Kläger ei­ne Kor­rek­tur der Par­tei­be­zeich­nung ver­langt hat­te, d.h. sei­ne Kla­ge als Kla­ge ge­gen die Bun­des­re­pu­blik ver­stan­den wis­sen woll­te, hätten das Ar­beits­ge­richt und das LAG den Pro­zess nicht mehr mit dem ursprüng­lich ge­nann­ten (fal­schen) Be­klag­ten fortführen dürfen, so das BAG.

Das Ar­beits­ge­richt Her­ford muss nun darüber ent­schei­den, wel­che recht­li­chen Kon­se­quen­zen es aus der mitt­ler­wei­le ein­ge­tre­te­nen Verzöge­rung zieht. Denn seit Ein­rei­chung der Kla­ge am 10.10.2011 sind über zwei­ein­halb Jah­re ver­gan­gen. Von die­ser er­heb­li­chen Verzöge­rung ge­hen aber nur sechs Wo­chen auf das Kon­to des Klägers, d.h. die sechs Wo­chen, die zwi­schen der Kla­gein­rei­chung und dem An­trag auf Ru­brums­be­rich­ti­gung (23.11.2011) lie­gen. Die da­nach ein­ge­tre­te­ne Verzöge­rung las­tet das BAG der feh­ler­haf­ten Pro­zessführung der Vor­in­stan­zen an.

Das könn­te da­zu führen, dass die Zu­stel­lung der Kla­ge zwei­ein­halb Jah­re (!) nach Ein­rei­chung bei Ge­richt im­mer noch als "demnächst" im Sin­ne von § 167 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO) an­ge­se­hen wer­den könn­te. Das wie­der­um hätte zur Fol­ge, dass die recht­zei­ti­ge Kla­gein­rei­chung am 10.10.2014 die Drei­wo­chen­frist ge­wahrt hätte.

Fa­zit: Das BAG ist sehr großzügig im Um­gang mit feh­ler­haf­ten An­ga­ben des Klägers zur be­klag­ten Par­tei. Der vor­lie­gen­de Fall zeigt aber auch, dass es mit ei­ner Aus­le­gung der Kla­ge bzw. der in ihr ent­hal­te­nen An­ga­ben zum Be­klag­ten und mit ei­ner dem­ent­spre­chen­den Ru­brums­be­rich­ti­gung nicht ge­tan ist, denn die be­rich­ti­gend aus­ge­leg­te Kla­ge muss ja dem rich­ti­gen Be­klag­ten zu­ge­stellt wer­den. Dann wie­der­um wird der rich­ti­ge Be­klag­te ein­wen­den, die Zu­stel­lung sei zu spät er­folgt, d.h. nicht mehr im Rah­men von § 167 ZPO.

Ar­beit­neh­mer und ih­re Anwälte soll­ten da­her im­mer, wenn es Zwei­fel an der Per­son des Be­klag­ten gibt, al­le in Be­tracht kom­men­den Per­so­nen ver­kla­gen und die­se par­al­lel geführ­ten Kla­gen auch auf­recht­er­hal­ten, bis der Pro­zess be­en­det ist. Dass die Kla­ge bei ei­nem sol­chen Vor­ge­hen ge­gen die aus Sicht des Ge­richts fal­schen Be­klag­ten ab­ge­wie­sen wird, ist hin­zu­neh­men, denn § 12a Abs.1 Satz 1 Ar­beits­ge­richts­ge­setz (ArbGG) schützt den Ar­beit­neh­mer im erst­in­stanz­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren vor den Kos­ten geg­ne­ri­scher Anwälte.

 

Letzte Überarbeitung: 6. September 2016

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