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Mit­be­stim­mung und Eu­ro­pa­recht

EuGH be­grenzt Rechts­wir­kun­gen des eu­ro­päi­schen Ar­beits­rechts (Art.27 Grund­rech­te­char­ta und Richt­li­nie 2002/14/EG): EuGH, Ur­teil vom 15.01.2014, C-176/12 (AMS)

16.01.2014. Mit ei­nem Grund­satz­ur­teil vom gest­ri­gen Ta­ge hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) die recht­li­chen Aus­wir­kun­gen des eu­ro­päi­schen Ar­beits­rechts, d.h. der Richt­li­ni­en und der Grund­rech­te­char­ta, auf das Ar­beits­recht der Mit­glieds­staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) be­grenzt.

An­lass für das Ur­teil des Ge­richts­hofs war ein fran­zö­si­scher Streit­fall, in dem es um die Er­rich­tung ei­ner be­trieb­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung in ei­nem ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ein ging. Ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ist hier nach fran­zö­si­schem Ar­beits­recht aus­ge­schlos­sen. Denn vie­le sog. "be­schäf­ti­gungs­be­glei­ten­de Ver­trä­ge", die der Ver­ein mit Ju­gend­li­chen ge­schlos­sen hat, zäh­len bei der Er­mitt­lung der er­for­der­li­chen Ar­beit­neh­mer­zahl nicht mit.

An­ders ist das zwar in ei­ner ein­schlä­gi­gen EU-Richt­li­nie vor­ge­se­hen, der Richt­li­nie 2002/14/EG. An de­ren Vor­ga­ben ist der Ver­ein aber im Ver­hält­nis zu sei­nen Ar­beit­neh­mern nicht ge­bun­den, auch wenn das fran­zö­si­sche Ge­set­zes­recht der Richt­li­nie wi­der­spricht. Denn Richt­li­ni­en sind an die Mit­glieds­staa­ten ge­rich­tet und ha­ben zwi­schen Pri­vat­per­so­nen kei­ne un­mit­tel­ba­re recht­li­che Gel­tung: EuGH, Ur­teil vom 15.01.2014, C-176/12 (AMS).

Hat ein institutionelles Grundrecht der EU-Grundrechtecharta zusammen mit einer "konkretisierenden" EU-Richtlinie Rechtswirkungen zwischen Privatpersonen in den Mitgliedsstaaten?

EU-Richt­li­ni­en be­gründen Pflich­ten der Mit­glieds­staa­ten, ihr na­tio­na­les Recht ent­spre­chend den Vor­ga­ben der Richt­li­ni­en um­zu­set­zen. Sie ent­hal­ten da­her Um­set­zungs­fris­ten, und wenn die­se ab­ge­lau­fen sind, soll­ten al­le Mit­glieds­staa­ten die bei ih­nen gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten ent­spre­chend an­ge­passt ha­ben.

Ist das nicht der Fall, können die Bürger der Mit­glieds­staa­ten im All­ge­mei­nen kei­ne Rech­te aus den Richt­li­ni­en her­lei­ten. Ei­ne Aus­nah­me gilt dann, wenn der Re­ge­lungs­ge­halt der Richt­li­nie ei­nen aus­rei­chend kla­ren In­halt hat und wenn der von der Richt­li­nie begüns­tig­te Bürger Rech­te ge­gen "sei­nen" Staat aus der Richt­li­nie her­lei­tet. Da­her können z.B. Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes oder Be­am­te Rech­te aus EU-Richt­li­ni­en ge­gen ih­re Dienst­ge­ber her­lei­ten, wenn die­se Richt­li­ni­en z.B. Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen und An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­vor­schrif­ten ent­hal­ten.

Heik­ler sind die Fälle, in de­nen EU-Richt­li­ni­en ar­beits­recht­li­che Vor­ga­ben ma­chen, aber die da­von begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer bei ei­nem pri­va­ten Ar­beit­ge­ber beschäftigt sind. Auch in sol­chen Fällen hat der EuGH in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ni­ge Aus­nah­men von der Re­gel ge­macht, dass Richt­li­ni­en zwi­schen Pri­vat­per­so­nen der Mit­glieds­staa­ten kei­ne Rech­te be­gründen.

Berühmt ge­wor­den sind hier vor al­lem zwei EuGH-Ur­tei­le, die das deut­sche Ar­beits­recht be­tref­fen, nämlich das Man­gold-Ur­teil (Ur­teil vom 22.11.2005, C-144/04) und das Ur­teil in Sa­chen Kücükde­vici (Ur­teil vom 19.01.2010, C-555/07).

In bei­den Fällen ging es um den eu­ro­pa­recht­li­chen Grund­satz, dass al­ters­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­run­gen im Ar­beits­le­ben ver­hin­dert wer­den müssen. Und in bei­den Fällen hat der EuGH den deut­schen Ge­rich­ten die Vor­ga­be ge­macht, über die Gren­zen der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung deut­scher Ge­set­ze hin­aus die­se not­falls "un­an­ge­wen­det" zu las­sen, d.h. im Er­geb­nis ge­gen das Ge­setz ("con­tra le­gem") zu ent­schei­den, wenn die Ge­set­ze auch nach An­wen­dung al­ler ju­ris­ti­schen Aus­le­gungsküns­te mit den EU-Richt­li­ni­en nicht in Ein­klang zu brin­gen sind (wir be­rich­te­ten über die­se Ur­tei­le un­ter an­de­rem in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/178 Man­gold-Ur­teil ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig und in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 10/018 Dis­kri­mi­nie­rung jünge­rer Ar­beit­neh­mer).

Letzt­lich be­inhal­ten die­se bei­den Ur­tei­le ei­nen Vor­rang des Eu­ro­pa­rechts ge­genüber al­ters­dis­kri­mi­nie­ren­den Ge­set­zen, die in den Mit­glieds­staa­ten im Verhält­nis zwi­schen Pri­vat­leu­ten gel­ten. Das geht ei­gent­lich gar nicht, denn für sol­che Ge­set­ze sind die Par­la­men­te der Mit­glieds­staa­ten zuständig. Ge­recht­fer­tigt hat der EuGH die­se bei­den Ur­tei­le mit dem Ar­gu­ment, dass das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ei­ne Art eu­ropäisches Grund­recht al­ler EU-Bürger ist.

Aber kann man die ju­ris­tisch und po­li­tisch fragwürdi­ge Ten­denz die­ser bei­den Ur­tei­le noch wei­ter verstärken und auf an­de­re EU-Grundsätze und EU-Richt­li­ni­en über­tra­gen, z.B. auf die Richt­li­nie 2002/14/EG und/oder auf den hin­ter die­ser Richt­li­nie ste­hen­den Art.27 der Grund­rech­te­char­ta?

Die­se Vor­schrif­ten des EU-Rechts schrei­ben den Mit­glieds­staa­ten vor, für Rechts­vor­schrif­ten zu sor­gen, die ei­ne recht­zei­ti­ge Un­ter­rich­tung und Anhörung von Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern gewähr­leis­ten. In Deutsch­land sind die­se Vor­ga­ben im we­sent­li­chen durch die Be­triebs­ver­fas­sung und das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht um­ge­setzt, in an­de­ren Ländern gibt es Um­set­zungs­de­fi­zi­te, z.B. in Frank­reich.

Der Streitfall: Gemeinnütziger Verein AMS beschäftigt neben acht Stammkräften etwa 100 Jugendliche zur beruflichen Integration, die bei dem Schwellenwert für eine Arbeitnehmervertretung nicht zählen

In dem französi­schen Vor­la­ge­fall geht es um ei­nen Streit zwi­schen ei­nem ge­meinnützi­gen Ver­ein, der As­so­cia­ti­on de Média­ti­on So­cia­le (AMS), und ei­nem der acht Stamm­ar­beit­neh­mer des Ver­eins, Herrn La­bou­bi, so­wie der hin­ter ihm ste­hen­den Ge­werk­schaft CGT. Ge­gen­stand des Streits ist die Fra­ge, ob bei der AMS ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung er­rich­tet wer­den muss oder nicht.

Das französi­sche Ar­beits­ge­setz­buch steht da­bei auf Sei­ten von AMS. Denn da­nach ist zwar ab ei­ner Be­triebs­größe von 50 Beschäftig­ten ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung zu er­rich­ten, doch zählen da­bei Ar­beit­neh­mer mit sog. "beschäfti­gungs­be­glei­ten­den Verträgen" nicht mit. Sol­che Verträge hat­ten et­wa 100 ju­gend­li­che Ar­beit­neh­mer, die von AMS zum Zwe­cke der be­ruf­li­chen In­te­gra­ti­on beschäftigt wur­den.

Für die AMS war da­mit klar, dass in ih­rem Be­trieb nur acht Ar­beit­neh­mer im Sin­ne der Be­rech­nungs­vor­schrif­ten des Ar­beits­ge­setz­buchs beschäftigt sind. Und da­mit wird der ge­setz­li­che Schwel­len­wert von 50 Ar­beit­neh­mern für ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung eben nicht er­reicht. Trotz­dem er­nann­te die CGT Herrn La­bou­di zu ih­rem be­trieb­li­chen Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter, wor­auf­hin die AMS vor das Ar­beits­ge­richt zog mit dem Ziel, die­se Er­nen­nung für nich­tig zu erklären.

In die­sem Ver­fah­ren be­rie­fen sich Herr La­bou­bi und die CGT auf zwei Vor­schrif­ten des EU-Rechts, nämlich auf Art.27 der Grund­rech­te­char­ta und auf Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 2002/14/EG.

Art.27 der Grund­rech­te­char­ta lau­tet:

"Für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer oder ih­re Ver­tre­ter muss auf den ge­eig­ne­ten Ebe­nen ei­ne recht­zei­ti­ge Un­ter­rich­tung und Anhörung in den Fällen und un­ter den Vor­aus­set­zun­gen gewähr­leis­tet sein, die nach dem Uni­ons­recht und den ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten und Ge­pflo­gen­hei­ten vor­ge­se­hen sind."

Art.3 Abs.1 der Richt­li­nie 2002/14/EG lau­tet:

"Die­se Richt­li­nie gilt je nach Ent­schei­dung der Mit­glied­staa­ten:
a) für Un­ter­neh­men mit min­des­tens 50 Ar­beit­neh­mern in ei­nem Mit­glied­staat oder
b) für Be­trie­be mit min­des­tens 20 Ar­beit­neh­mern in ei­nem Mit­glied­staat.
Die Mit­glied­staa­ten be­stim­men, nach wel­cher Me­tho­de die Schwel­len­wer­te für die Beschäftig­ten­zahl er­rech­net wer­den."

Aus die­sen Vor­schrif­ten folgt aus Sicht von Herrn La­bou­bi und der CGT die Pflicht der französi­schen Ge­rich­te, die nach französi­schem Ge­set­zes­recht vor­ge­schrie­be­ne Aus­klam­me­rung von Ar­beit­neh­mern mit beschäfti­gungs­be­glei­ten­den Verträgen un­an­ge­wen­det zu las­sen.

Denn die­se Re­ge­lung ist mit Art.3 Abs.1 Satz 2 der Richt­li­nie 2002/14/EG un­ver­ein­bar, so Herr La­bou­di und die CGT, weil es den Mit­glied­staa­ten gemäß der Richt­li­nie nur ge­stat­tet ist, die Me­tho­de für die Er­mitt­lung der Schwel­len­wer­te fest­zu­le­gen. Die Aus­klam­me­rung gan­zer Beschäftig­ten­grup­pen ist den Mit­glieds­staa­ten nicht er­laubt.

Das Ar­beits­ge­richt folg­te die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on, ließ die auf beschäfti­gungs­be­glei­ten­de Verträge be­zo­ge­ne Vor­schrift des Ar­beits­ge­setz­buchs da­her "un­an­ge­wen­det" und gab der Ar­beit­neh­mer­sei­te recht. Da­ge­gen leg­te die AMS ein Rechts­mit­tel ein und der Fall lan­de­te bei der Cour de Cas­sa­ti­on.

Die­se wie­der­um frag­te beim EuGH an, ob das in Art.27 der Grund­rech­te­char­ta an­er­kann­te und durch die Richt­li­nie 2002/14/EG kon­kre­ti­sier­te "Grund­recht auf Un­ter­rich­tung und Anhörung der Ar­beit­neh­mer" in ei­nem Rechts­streit zwi­schen Pri­vat­per­so­nen gel­tend ge­macht wer­den kann und sich da­bei mögli­cher­wei­se ge­genüber ent­ge­gen­ste­hen­den na­tio­na­len Ge­set­zes­be­stim­mun­gen durch­setzt.

Der mit dem Fall be­fass­te EuGH-Ge­ne­ral­an­walt Vil­lalón schlug dem Ge­richts­hof in sei­nen Schluss­anträgen vom 18.07.2013 vor, die­se Fra­ge im Prin­zip mit "Ja" zu be­ant­wor­ten. Sei­ne Po­si­ti­on lau­tet: Im­mer dann, wenn Grund­rech­te der Grund­rech­te­char­ta in der Wei­se mit EU-Richt­li­ni­en ver­bun­den sind, dass die Richt­li­ni­en die da­hin­ter ste­hen­den Grund­rech­te "we­sent­lich und un­mit­tel­bar kon­kre­ti­sie­ren", ha­ben die Grund­rech­te Rechts­wir­kun­gen zwi­schen Pri­va­ten und ver­drängen ent­ge­gen­ste­hen­de Ge­set­zes­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten.

EuGH: Art.27 der Grundrechtecharte reicht weder für sich allein noch zusammen mit der Richtlinie 2002/14/EG dafür aus, dem EU-Recht entgegenstehende nationale Bestimmungen unangewendet zu lassen

Der EuGH ist in sei­nem Ur­teil vom gest­ri­gen Ta­ge den Vor­schlägen des Ge­ne­ral­an­walts nicht ge­folgt und hat ent­schie­den, dass Art.27 der Grund­recht­char­ta we­der für sich al­lein ge­nom­men noch zu­sam­men mit der Richt­li­nie 2002/14/EG ein aus­rei­chen­der Grund dafür ist, ei­ne mit die­sen bei­den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben un­ver­ein­ba­re na­tio­na­le Ge­set­zes­vor­schrift "un­an­ge­wen­det" zu las­sen.

Da­bei hat der Ge­richts­hof al­ler­dings klar­ge­stellt, dass die ge­ne­rel­le Aus­klam­me­rung von Ar­beit­neh­mern mit "beschäfti­gungs­be­glei­ten­den Verträgen" bei der Be­rech­nung der für Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen er­for­der­li­chen Be­triebs- oder Un­ter­neh­mens­größe ge­gen die Richt­li­nie verstößt. Denn die Richt­li­nie selbst legt fest, wer als Ar­beit­neh­mer an­zu­se­hen ist, so dass die EU-Mit­glieds­staa­ten bei der Um­set­zung der Richt­li­nie nicht gan­ze Ar­beit­neh­mer­grup­pen aus dem An­wen­dungs­be­reich der Richt­li­nie aus­neh­men dürfen. Da­mit würden die Rech­te, die gemäß der Richt­li­nie den Ar­beit­neh­mern zu­zu­ge­ste­hen sind, aus­gehöhlt.

Aber ob­wohl das französi­sche Ge­set­zes­recht dem­zu­fol­ge ge­gen die Richt­li­nie verstößt, ist das nicht Grund ge­nug, es "un­an­ge­wen­det" zu las­sen. Hier kommt der Ge­richts­hof auf sein Ur­teil in Sa­chen Kücükde­vici (Ur­teil vom 19.01.2010, C-555/07) zu spre­chen und weist dar­auf hin, dass es bei die­sem Ur­teil um das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung ging, das in Art.21 Abs.1 der Grund­rech­te­char­ta fest­ge­legt ist und "schon für sich al­lein dem Ein­zel­nen ein sub­jek­ti­ves Recht ver­leiht, das er als sol­ches gel­tend ma­chen kann" (Ur­teil, Rn.47).

Dem­ge­genüber ist das Grund­recht auf Un­ter­rich­tung und Anhörung der Ar­beit­neh­mer gemäß Art.27 der Grund­rech­te­char­ta ei­ne Art in­sti­tu­tio­nel­les Grund­recht, das EU-Bürger nicht aus sich selbst her­aus gel­tend ma­chen können. Denn um vol­le Wirk­sam­keit zu ent­fal­ten, muss Art.27 erst "durch Be­stim­mun­gen des Uni­ons­rechts oder des na­tio­na­len Rechts kon­kre­ti­siert wer­den", so der Ge­richts­hof (Ur­teil, Rn.45).

Da­her ist Art.27 Grund­rech­te­char­ta kein aus­rei­chen­der Grund, um EU-rechts­wid­ri­ge na­tio­na­le Ge­set­zes­vor­schrif­ten bei­sei­te zu schie­ben. An die­ser Stel­le weist der Ge­richts­hof die vom Ge­ne­ral­an­walt vor­ge­schla­ge­ne Zu­sam­men­schau von Grund­rech­ten und kon­kre­ti­sie­ren­den Richt­li­ni­en aus­drück­lich zurück (Ur­teil, Rn.49):

"Die­se Fest­stel­lung kann nicht da­durch ent­kräftet wer­den, dass Art. 27 der Char­ta im Zu­sam­men­hang mit den Be­stim­mun­gen der Richt­li­nie 2002/14 be­trach­tet wird. Da die­ser Ar­ti­kel nämlich für sich al­lein nicht aus­reicht, um dem Ein­zel­nen ein Recht zu ver­lei­hen, das die­ser als sol­ches gel­tend ma­chen kann, kann bei ei­ner sol­chen Zu­sam­men­schau nichts an­de­res gel­ten."

Fa­zit: Der Ge­richts­hof hat mit gu­ten Gründen ei­ne ju­ris­tisch-krea­ti­ve Aus­wei­tung sei­ner Ur­tei­le in Sa­chen Man­gold und Kücükde­vici ver­hin­dert. Die­ser ju­ris­ti­sche Bau­stopp ist sinn­voll. Denn wäre der EuGH dem Ent­schei­dungs­vor­schlag sei­nes Ge­ne­ral­an­walts ge­folgt, hätte man künf­tig prak­tisch je­de be­lie­bi­ge EU-Richt­li­nie als "Grund" für ei­ne of­fe­ne Miss­ach­tung des Ge­set­zes­rechts der Mit­glieds­staa­ten her­neh­men können.

Man hätte zu die­sem Zweck nur den zu ei­ner Richt­li­nie je­weils pas­sen­den Grund­rechts­ar­ti­kel der Grund­rech­te­char­ta aus­fin­dig ma­chen und be­gründen müssen, war­um die Richt­li­nie den Grund­rechts­ar­ti­kel "we­sent­lich (?) und un­mit­tel­bar (?) kon­kre­ti­siert". Dem hat der Ge­richts­hof in rea­lis­ti­scher Einschätzung des Ein­falls­reich­tums der ju­ris­ti­schen Be­gründungs­kunst ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben.

Mit die­ser Ent­schei­dung be­kräftigt der Ge­richts­hof sei­ne grundsätz­li­che Hal­tung, dass sich auch so­zi­al­po­li­tisch sinn­vol­le EU-Richt­li­ni­en im All­ge­mei­nen nicht ge­genüber ab­wei­chen­dem Ge­set­zes­recht der Mit­glieds­staa­ten durch­set­zen (in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 24.01.2012, C-282/10 - Do­m­in­guez, wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 12/041 Das Eu­ro­pa­recht schreibt ei­nen Min­des­t­ur­laub von vier Wo­chen vor - oh­ne jähr­li­che Min­dest­ar­beits­zeit).

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Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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