Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Sperrzeit, Betriebsübergang, Kündigung: Betriebsbedingt, Aufhebungsvertrag
   
Gericht: Bundessozialgericht
Akten­zeichen: B 11 AL 17/08 R
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 08.07.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Stuttgart, 7. Dezember 2004, Az: S 2 AL 2862/02, Urteil Landessozialgericht Baden-Württemberg 8. Senat, 11. Mai 2007, Az: L 8 AL 271/05, Urteil
   

BUN­DESSO­ZIAL­GERICHT


Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

in dem Rechts­streit 

Verkündet am

8. Ju­li 2009

Az: B 11 AL 17/08 R
L 8 AL 271/05 (LSG Ba­den-Würt­tem­berg)

S 2 AL 2862/02 (SG Stutt­gart)

...,


Kläger und Re­vi­si­onskläger,

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:  

....,

g e g e n

Bun­des­agen­tur für Ar­beit,
Re­gens­bur­ger Straße 104, 90478 Nürn­berg,


Be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te.

Der 11. Se­nat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 8. Ju­li 2009 durch die Vi­ze­präsi­den­tin Dr. W e t z e l - S t e i n w e d e l , den Rich­ter Dr. L e i t h e r e r und die Rich­te­rin Dr. R o o s so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen S e t z und H a a s e für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 11. Mai 2007 auf­ge­ho­ben und der Rechts­streit zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung zurück­ver­wie­sen.

- 2 -

G r ü n d e :

I

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be vom 1. Fe­bru­ar bis 25. April 2002.

Der am 1. No­vem­ber 1946 ge­bo­re­ne Kläger war von 1975 bis 31. Ja­nu­ar 2002 bei der Fir­ma E als Außen­dienst­mit­ar­bei­ter zu­letzt mit ei­nem Mo­nats­ver­dienst von 4.500 Eu­ro beschäftigt und mit ei­ner Frist von sie­ben Mo­na­ten zum Mo­nats­en­de or­dent­lich künd­bar. Der Be­triebs­teil I , in dem der Kläger ne­ben 15 wei­te­ren Mit­ar­bei­tern als Me­di­cal-Re­fe­rent beschäftigt war, wur­de zum 5. Ju­ni 2001 an die Fir­ma M ver­kauft. Dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses aus An­lass des Be­triebsüber­gangs wi­der­sprach der Kläger am 31. Mai 2001 schrift­lich oh­ne An­ga­be von Gründen. Dar­auf­hin wur­de das Ar­beits­verhält­nis mit der Fir­ma E durch Auf­he­bungs­ver­trag vom 18. Ju­ni 2001 zum 31. Ja­nu­ar 2002 oh­ne Frei­stel­lung des Klägers ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung von 362.839 DM brut­to be­en­det. Nach An­ga­ben des Klägers liegt der Ab­fin­dung der So­zi­al­plan der Fir­ma J vom 5. No­vem­ber 1998 zu­grun­de, der für al­le Mit­ar­bei­ter Gel­tung be­an­sprucht, die durch den Weg­fall oder die durch Be­triebsüber­gang her­bei­geführ­te Ver­le­gung ih­res Ar­beits­plat­zes auf­grund be­triebs­be­ding­ter Kündi­gung wirt­schaft­li­che oder sons­ti­ge Nach­tei­le er­lei­den.

Am 27. De­zem­ber 2001 mel­de­te sich der Kläger ar­beits­los und be­an­trag­te zum 1. Fe­bru­ar 2002 Ar­beits­lo­sen­geld (Alg). Die Fir­ma E teil­te zu den nähe­ren Umständen der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit, der Ar­beits­platz des Klägers sei er­satz­los weg­ge­fal­len und wäre bei man­geln­der Ei­ni­gung zum sel­ben Zeit­punkt ar­beit­ge­ber­sei­tig or­dent­lich gekündigt wor­den. Die Be­klag­te be­wil­lig­te Alg ab dem 26. April 2002 (Be­scheid vom 6. März 2002). Für die Zeit vom 1. Fe­bru­ar bis 25. April 2002 stell­te sie hin­ge­gen den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit von zwölf Wo­chen fest, fer­ner das Ru­hen des Alg-An­spruchs in die­ser Zeit und die Min­de­rung des Alg-An­spruchs um ein Vier­tel der An­spruchs­dau­er. Dem Kläger sei es zu­mut­bar ge­we­sen, ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber ab­zu­war­ten (Be­scheid vom 4. März 2002; Wi­der­spruchs­be­scheid vom 10. Ju­ni 2002).

Das So­zi­al­ge­richt (SG) hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen (Ur­teil vom 7. De­zem­ber 2004). Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) hat die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen (Ur­teil vom 11. Mai 2007). Das LSG hat in den Ent­schei­dungs­gründen ua aus­geführt, ei­ne Sperr­zeit sei ein­ge­tre­ten. Ein wich­ti­ger Grund zur Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses ha­be nicht vor­ge­le­gen. Ein wich­ti­ger Grund könne nicht oh­ne wei­te­res dar­in ge­se­hen wer­den, dass der Ar­beit­neh­mer dem Aus­spruch ei­ner dro­hen­den Kündi­gung zu­vor ge­kom­men sei. Un­abhängig von der Rechtmäßig­keit ei­ner an­dern­falls aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung ha­be der Kläger durch sei­nen oh­ne An­ga­be von Gründen er­ho­be­nen Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang des Be­triebs­teils I das drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis
 


- 3 -

ei­ner Kündi­gung wenn nicht ermöglicht, so doch er­heb­lich er­leich­tert. Denn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) un­ter­lie­ge das Kündi­gungs­recht ei­nes Be­triebs­veräußerers im An­schluss an den Wi­der­spruch des Ar­beit­neh­mers der So­zi­al­aus­wahl (§ 1 Abs 3 Kündi­gungs­schutz­ge­setz <KSchG>) und sei­en die Gründe für den Wi­der­spruch - bzw de­ren Feh­len - im Rah­men der So­zi­al­aus­wahl zu berück­sich­ti­gen. Wenn dem Be­triebsüber­gang bzw dem Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses da­her oh­ne An­ga­be von Gründen wi­der­spro­chen wer­de, recht­fer­ti­ge dies die Fest­stel­lung ei­ner Sperr­zeit.


Mit sei­ner vom er­ken­nen­den Se­nat zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on rügt der Kläger die Ver­let­zung des § 144 Abs 1 So­zi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch (SGB III). We­der durch Zeich­nung des Auf­he­bungs­ver­tra­ges noch durch den Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang des Be­triebs­teils I ha­be er schuld­haft und oh­ne wich­ti­gen Grund die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt. Die neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) las­se im Fal­le ei­nes oh­ne­hin nicht zu ver­mei­den­den Ein­tritts von Beschäfti­gungs­lo­sig­keit als wich­ti­gen Grund aus­rei­chen, dass der Auf-he­bungs­ver­trag zur Ver­mei­dung der ty­pi­scher­wei­se mit ei­ner - an­dern­falls dro­hen­den - Kündi­gung ein­her­ge­hen­den Nach­tei­le ge­schlos­sen wer­de. Die An­nah­me ei­ner Sperr­zeit man­gels Be­gründung des Wi­der­spruchs er­schei­ne ver­fehlt. § 613a Abs 6 Bürger­li­ches Ge­setz­buch <BGB> ver­lan­ge kein Be­gründungs­er­for­der­nis, so­dass er - der Kläger - sich nicht ar­beits-ver­trags­wid­rig ver­hal­ten ha­be. Führe der un­be­gründe­te Wi­der­spruch im Ein­zel­fall zu ei­ner verkürz­ten So­zi­al­aus­wahl, sei es Sa­che der Be­klag­ten nach­zu­wei­sen, dass ihm kein wich­ti­ger Grund zur Sei­te ste­he.


Der Kläger be­an­tragt,
die Ur­tei­le des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 11. Mai 2007 und des So­zi­al­ge­richts Stutt­gart vom 7. De­zem­ber 2004 so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 4. März 2002 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 10. Ju­ni 2002 auf­zu­he­ben, den Be­scheid vom 6. März 2002 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, Ar­beits­lo­sen­geld auch für die Zeit vom 1. Fe­bru­ar bis 25. April 2002 zu gewähren.

Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te macht sich den Stand­punkt der Vor­in­stanz zu ei­gen. Nach frühe­ren An­ga­ben des Klägers ge­genüber ei­nem ih­rer Mit­ar­bei­ter feh­le es zu­dem schon an ei­ner mit Be­stimmt­heit in Aus­sicht ge­stell­ten Ar­beit­ge­berkündi­gung. Ei­ne sol­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung wäre im Übri­gen an­ge­sichts des Le­bens­al­ters des Klägers auch so­zi­al nicht zu recht­fer­ti­gen ge­we­sen.


II

- 4 -

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist im Sin­ne der Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung be­gründet (§ 170 Abs 2 Satz 2 So­zi­al­ge­richts­ge­setz <SGG>).

Ei­ne Sperr­zeit lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung des LSG nicht schon des­halb fest­stel­len, weil der Kläger dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses bei Über­gang des Be­triebs­teils I oh­ne An­ga­be von Gründen wi­der­spro­chen hat (s un­ter 1.). Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob dem Kläger ei­ne rechtmäßige Ar­beit­ge­berkündi­gung aus nicht ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen zum sel­ben Zeit­punkt ge­droht hätte, wenn er den Auf­he­bungs­ver­trag nicht ge­schlos­sen hätte (s un­ter 2.). Hier­zu feh­len bis­her aus­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz.

Streit­ge­genständ­lich ist ne­ben dem Sperr­zeit­be­scheid vom 4. März 2002 und dem Wi­der­spruchs­be­scheid vom 10. Ju­ni 2002 auch der - im Wi­der­spruchs­be­scheid erwähn­te - Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 6. März 2002. Denn al­le Be­schei­de kor­re­spon­die­ren hin­sicht­lich der Ab­leh­nung von Alg für den strei­ti­gen Zeit­raum und bil­den in­so­weit ei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung (vgl ua BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 mwN), wel­che zu­dem die Verfügun­gen zur Sperr­zeit und zu dem hier­an an­sch­ließen­den Ru­hen des Alg so­wie zur Min­de­rung der An­spruchs­dau­er er­fasst.

Rechts­grund­la­ge ei­ner - al­lein in Be­tracht kom­men­den - Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be ist § 144 SGB III idF des Job-AQTIV-Ge­set­zes vom 10. De­zem­ber 2001 (BGBl I 3443). Nach des­sen Abs 1 Nr 1 tritt ei­ne Sperr­zeit von 12 Wo­chen ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben.


1. Dem LSG ist zu fol­gen, so­weit es da­von aus­ge­gan­gen ist, dass der Kläger, der kei­ne kon­kre­ten Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz hat­te, durch sei­ne ver­trag­li­che Mit­wir­kung an der Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses bei der Fir­ma E sein Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst und da­durch zu­min­dest grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit zum 1. Fe­bru­ar 2002 her­bei­geführt hat.

a) Un­be­acht­lich ist in die­sem Zu­sam­men­hang al­ler­dings, dass der Kläger am 31. Mai 2001 dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses im Zu­sam­men­hang mit dem Über­gang des Be­triebs­teils I zum 5. Ju­ni 2001 wi­der­spro­chen hat. Nach der an­zu­stel­len­den wer­ten­den Ge­samt­be­trach­tung des tatsächli­chen Ge­sche­hens­ab­laufs (vgl BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6 Rd­Nr 9 ff; BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 Rd­Nr 31 ff) wird kein Lösungs­sach­ver­halt be­gründet, wenn der Ar­beit­neh­mer von sei­nem Wi­der­spruchs­recht aus An­lass ei­nes Be­triebsüber­gangs Ge­brauch macht (eben­so Voelz­ke in Spell­brink/Ei­cher, Kas­se­ler Hand­buch des Ar­beitsförde­rungs­rechts, 2003, § 12 Rd­Nr 282; Nie­sel in Nie­sel, SGB III, 4. Aufl, § 144 Rd­Nr 15;
 


- 5 -

Val­go­lio in Hauck/Noftz, SGB III, Stand März 2007, § 144 Rd­Nr 42; Klumpp, NZA 2009, 354, 356; auch SG Frank­furt am Main, Ur­teil vom 26. Fe­bru­ar 1992 - S 14 Ar 1747/88). Der Se­nat folgt in­so­weit nicht der in Tei­len des Schrift­tums geäußer­ten Auf­fas­sung, der Wi­der­spruch sei für die nach­fol­gen­de Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses mit­ursächlich, weil der wi­der­spre­chen­de Ar­beit­neh­mer nicht nur in Fällen des Erlöschens des al­ten Ar­beit­ge­bers (zu um­wand­lungs­be­ding­ten Be­triebsübergängen s ins­be­son­de­re Al­ten­burg/Leis­ter, NZA 2005, 15, 23), son­dern auch bei des­sen Fort­be­stand die an­sch­ließen­de Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund des da­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Per­so­nalüber­hangs gleich­sam her­aus­for­de­re (Pott­mey­er, NZA 1988, 521, 526; Com­man­deur, NJW 1996, 2537, 2544; C. Mey­er, NJW 2002, 1615, 1620 f; Kühl, Die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be, Dis­ser­ta­ti­on 2007, S 108 ff; En­ges­ser Me­ans/Kle­beck, NZA 2008, 143, 145). Denn der Wi­der­spruch ist sei­ner In­ten­ti­on nach ge­ra­de dar­auf ge­rich­tet, das Ar­beits­verhält­nis mit dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber zu er­hal­ten.


b) Nach der Recht­spre­chung des BAG ist das Wi­der­spruchs­recht ein Ge­stal­tungs­recht, wel­ches auch schon vor sei­ner Ko­di­fi­zie­rung in § 613a Abs 6 BGB durch das Ge­setz vom 23. März 2002 (BGBl I 1163) dem Ar­beit­neh­mer in ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung des § 613a Abs 1 Satz 1 BGB un­ter Berück­sich­ti­gung der Men­schenwürde, des Persönlich­keits­rechts und des Rechts auf freie Wahl des Ar­beits­plat­zes zu­ge­bil­ligt wur­de (hier­zu BA­GE 70, 238 = AP Nr 96 zu § 613a BGB). Sei­ner Ziel­rich­tung nach ist es als "Rechts­fol­gen­ver­wei­ge­rungs­recht" aus­ge­stal­tet und dar­auf an­ge­legt, die in § 613a BGB für den Fall ei­nes Be­triebsüber­gangs an­ge­ord­ne­te Rechts­fol­ge des Über­gangs des Ar­beits­verhält­nis­ses auf den Be­triebs­er­wer­ber zu ver­hin­dern und statt­des­sen das Ar­beits­verhält­nis mit dem Be­triebs­veräußerer fort­be­ste­hen zu las­sen (vgl BA­GE 108, 199 = AP Nr 262 zu § 613a BGB; BA­GE 112, 124 = AP Nr 275 zu § 613a BGB; BA­GE 119, 91 = AP Nr 312 zu § 613a BGB mwN, stRspr; zur Ge­mein­schafts­rechts­kon­for­mität Eu­GHE I 1992, 6577 - Katsi­kas). Zu­min­dest im hier strei­ti­gen Zeit­raum vor In­kraft­tre­ten des § 613a Abs 6 Satz 1 BGB konn­te der Wi­der­spruch form­frei (BA­GE 80, 74 = AP Nr 128 zu § 613a BGB) und darüber hin­aus oh­ne Be­gründung (BA­GE 108, 199 = AP Nr 262 zu § 613a BGB; vgl auch BA­GE 112, 124 = AP Nr 275 zu § 613a BGB für die Zeit nach In­kraft­tre­ten des § 613a Abs 6 BGB) wirk­sam erklärt wer­den.

c) Sperr­zeit­recht­lich be­deu­tet dies zunächst, dass - je­den­falls bei der ge­ge­be­nen Kon­stel­la­ti­on ei­nes vor Be­triebsüber­gang erklärten Wi­der­spruchs - nicht nur das Ar­beits­verhält­nis, son­dern auch das Beschäfti­gungs­verhält­nis (zur Not­wen­dig­keit der Un­ter­schei­dung im Rah­men der Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be vgl BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300 § 144 Nr 6 Rd­Nr 9 mwN) mit dem Be­triebs­veräußerer fort­be­steht (vgl Klumpp, NZA 2009, 354, 356). Darüber hin­aus schließen es der Zweck des Wi­der­spruchs wie auch der Sinn der Sperr­zeit­re­ge­lung ent­ge­gen den Ausführun­gen der Vor­in­stanz aus, dem da­mit ver­bun­de­nen mit­tel­ba­ren Bei­trag an der an-schließen­den Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ei­ne nen­nens­wert kau­sa­le Re­le­vanz bei­zu­mes­sen. Der Schutz des Ar­beit­neh­mers vor ei­nem Zwangs­ver­kauf sei­ner

- 6 -

ei­ge­nen Per­son (vgl BA­GE 112, 124 = AP Nr 275 zu § 613a BGB) wäre lücken­haft, bestünde er nur um den Preis par­ti­el­ler Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen oder bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des (so aber Kühl, aaO, S 111). Vor al­len Din­gen blie­be un­berück­sich­tigt, dass die Ausübung des Wi­der­spruchs­rechts sich primär le­dig­lich als Re­ak­ti­on der al­lei­ni­gen un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers dar­stellt, ei­nen Be­triebsüber­gang ganz oder teil­wei­se durch­zuführen (Klumpp, NZA 2009, 354, 357), und sie des­halb nicht zwangsläufig als Aus­druck der ma­ni­pu­la­ti­ven Her­beiführung des Ver­si­che­rungs­falls der Ar­beits­lo­sig­keit ver­stan­den wer­den kann, den es mit Hil­fe der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ver­mei­den gilt (vgl zum As­pekt der Ma­ni­pu­la­ti­on BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17). Die­se Über­le­gun­gen schließen es re­gelmäßig aus, die Ausübung des Wi­der­spruchs­rechts als sperr­zeit­recht­lich be­deut­sa­men Lösungs­sach­ver­halt zu be­grei­fen.


d) Un­er­heb­lich ist im Kon­text der Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu­dem, ob die Ar­beits­lo­sig­keit an­stel­le des al­lein maßgeb­li­chen Auf­he­bungs­ver­trags im Zu­ge des Wi­der­spruchs durch ei­ne an­sons­ten aus­ge­spro­che­ne Ar­beit­ge­berkündi­gung ein­ge­tre­ten wäre. Für die Fra­ge, ob ei­ne Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses kau­sal die an­sch­ließen­de Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, kommt es al­lein auf den tatsächli­chen Ge­sche­hens­ab­lauf an. Hy­po­the­ti­sche Ge­sche­hens­abläufe fin­den in die­sem Zu­sam­men­hang kei­ne Berück­sich­ti­gung (vgl ua BS­GE 97, 1 = SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 12 mwN).


2. Dem LSG ist nicht bei­zu­pflich­ten, so­weit es auf der Grund­la­ge sei­ner bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen an­ge­nom­men hat, dem Kläger ha­be für sein Ver­hal­ten kein wich­ti­ger Grund zur Sei­te ge­stan­den, weil er dem Be­triebsüber­gang bzw dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne An­ga­be von Gründen wi­der­spro­chen ha­be und al­lein in der Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung oder ähn­li­chen Leis­tung noch kein be­son­de­rer Um­stand lie­ge, der es recht­fer­ti­ge, ei­ner dro­hen­den Kündi­gung durch Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags zu­vor­zu­kom­men. Über das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des ist nach der Recht­spre­chung des BSG un­ter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ent­schei­den. Die­se dient dem Schutz der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor Ri­si­kofällen, de­ren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat. Ei­ne Sperr­zeit soll nur ein­tre­ten, wenn dem Ver­si­cher­ten un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (zu­letzt BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 Rd­Nr 35 mwN).

a) Im Fal­le der Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch Auf­he­bungs­ver­trag hat das BSG sei­ne Recht­spre­chung da­hin­ge­hend kon­kre­ti­siert, dass sich ein Ar­beit­neh­mer auf ei­nen wich­ti­gen Grund be­ru­fen kann, wenn ihm der Ar­beit­ge­ber mit ei­ner nach Ar­beits­recht ob­jek­tiv rechtmäßigen be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung zu dem Zeit­punkt droht, zu dem er das Ar­beits­verhält­nis löst, und ihm die Hin­nah­me die­ser Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten ist (BS­GE 89, 243, 246 ff = SozR 3-4300 § 144 Nr 8; BSG SozR 3-4300 § 144 Nr 12; BS­GE 92, 74 = SozR 4-4300
 


- 7 -

§ 144 Nr 6; BS­GE 95, 232 = SozR 4-4300 § 144 Nr 11). Der er­ken­nen­de Se­nat hat zu­dem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er erwägt, für Streitfälle ab dem 1. Ja­nu­ar 2004 un­ter Her­an­zie­hung der Grundsätze des § 1a KSchG, wel­cher dem von ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer im In­ter­es­se ei­ner ef­fi­zi­en­ten und kostengüns­ti­gen vor­ge­richt­li­chen Klärung für den Fall des Ver­zichts auf ei­ne ge­richt­li­che Über­prüfung oh­ne wei­te­res ei­nen An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung zu­bil­ligt, ei­ne wei­te­re "Öff­nung" in Be­tracht zu zie­hen und auf ei­ne aus­nahms­lo­se Prüfung der Rechtmäßig­keit der Ar­beit­ge­berkündi­gung zu ver­zich­ten, wenn die Ab­fin­dungshöhe die in § 1a Abs 2 KSchG vor­ge­se­he­ne Höhe von 0,5 Mo­nats­ver­diens­ten für je­des Jahr des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht über­schrei­tet (BS­GE 97, 1 = SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 19). Jen­seits des durch das Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24. De­zem­ber 2003 (BGBl I 3002) ein­gefügten § 1a KSchG und den von die­ser Re­ge­lung er­fass­ten Ab­fin­dun­gen hat er in­des­sen an der Prüfung der Rechtmäßig­keit der an­de­ren­falls dro­hen­den Kündi­gung fest­ge­hal­ten, je­doch des Wei­te­ren deut­lich ge­macht, dass der Nach­weis ei­nes be­son­de­ren In­ter­es­ses an der ein­ver­nehm­li­chen Lösung re­gelmäßig nicht mehr er­for­der­lich ist bzw be­reits das In­ter­es­se der Ar­beit­neh­mers an der an­ge­bo­te­nen Ab­fin­dungs­re­ge­lung auch außer­halb des Per­so­nen­krei­ses der lei­ten­den An­ge­stell­ten (vgl BS­GE 95, 232 = SozR 4-4300 § 144 Nr 11 Rd­Nr 21) ein Ab­war­ten der Ar­beit­ge­berkündi­gung un­zu­mut­bar ma­chen kann (BS­GE 97, 1 = SozR 4-4300 § 144 Nr 13 Rd­Nr 17; zum ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleich vgl BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17). Der Sach­ver­halt bie­tet kei­nen An­lass, ab­sch­ließend Stel­lung zu be­zie­hen, ob und in­wie­weit ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung bei dem Per­so­nen­kreis der 58jähri­gen an­ge­zeigt ist, der von der Re­ge­lung des § 428 SGB III er­fasst wird (hier­zu BS­GE 89, 243 = SozR 3-4300 § 144 Nr 8; BSG, Ur­teil vom 25. April 2002 - B 11 AL 100/01 R; BSG SozR 3-4300 § 144 Nr 12). Denn der Kläger gehörte im Zeit­punkt der Lösung sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses noch nicht zu der Al­ters­grup­pe der min­des­tens 58jähri­gen, für die der Ge­setz­ge­ber all­ge­mein von Schwie­rig­kei­ten bei der Wie­der­ein­glie­de­rung in das Ar­beits­le­ben aus­geht und des­halb von die­sen Leis­tungs­be­zie­hern nicht for­dert, al­le Möglich­kei­ten zu nut­zen und nut­zen zu wol­len, um die Beschäfti­gungs­lo­sig­keit zu be­en­den (§ 428 Abs 1 SGB III).


b) Hier­von aus­ge­hend hätte das LSG die Rechtmäßig­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung nicht un­ter­stel­len dürfen, son­dern hätte prüfen müssen, ob ei­ne rechtmäßige be­triebs­be­ding­te Kündi­gung des bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers zum 31. Ja­nu­ar 2002 si­cher ge­droht hätte, wenn der Auf­he­bungs­ver­trag nicht ge­schlos­sen wor­den wäre. An ei­ner sol­chen mut­maßli­chen Erklärung der Kündi­gung be­ste­hen nach den wie­der­hol­ten An­ga­ben der Fir­ma E wohl kei­ne Zwei­fel. Ent­ge­gen den - nicht ab­sch­ließen­den - Über­le­gun­gen der Vor­in­stanz steht ei­ner sol­chen fik­ti­ven Ar­beit­ge­berkündi­gung auch nicht von vorn­her­ein das Kündi­gungs­ver­bot des § 613a Abs 4 Satz 1 BGB ent­ge­gen, wel­ches die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Be­triebs­veräußerers bzw Be­triebs­er­wer­bers aus An­lass des Be­triebsüber­gangs un­ter­sagt. Denn die Kündi­gung wäre nicht "we­gen des Über­gangs ei­nes Be­triebs oder ei­nes Be­triebs­teils", son­dern im An­schluss an den vom Kläger er­ho­be­nen Wi­der­spruch aus­ge­spro­chen wor­den (vgl BA­GE


- 8 -

91, 129 = AP Nr 41 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl; BAG AP Nr 47 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl).

Prüfmaßstab ist statt­des­sen vor­ran­gig der Maßstab der so­zia­len Recht­fer­ti­gung nach § 1 KSchG, und zwar nach den Umständen des Fal­les in der bis zum 31. De­zem­ber 2003 gel­ten­den Fas­sung des Kor­rek­tur­ge­set­zes vom 19. De­zem­ber 1998 (BGBl I 3843). In der Zeit des Kor­rek­tur­ge­set­zes vom 1. Ja­nu­ar 1999 bis zum 31. De­zem­ber 2003 un­ter­lag der Maßstab der so­zia­len Recht­fer­ti­gung verschärf­ten Be­din­gun­gen. Die ursprüng­li­che Be­schränkung der So­zi­al­aus­wahl auf die Kern­da­ten der Be­triebs­zu­gehörig­keit, des Le­bens­al­ters und der Un­ter­halts­pflich­ten (§ 1 Abs 3 Satz 1 KSchG) war bis zur er­neu­ten Einführung - und Er­wei­te­rung um das Merk­mal der Schwer­be­hin­de­rung - am 1. Ja­nu­ar 2004 durch das Ge­setz zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24. De­zem­ber 2003 (BGBl I 3002) zu­guns­ten ei­ner um­fas­send durch­zuführen­den So­zi­al­aus­wahl vorüber­ge­hend auf­ge­ge­ben wor­den. Ent­spre­chen­des galt für die Ver­mu­tung der ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung ent­ge­gen­ste­hen­den drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­se und der auf gro­be Feh­ler be­schränk­ten Prüfung der So­zi­al­aus­wahl bei na­ment­li­cher Nen­nung im In­ter­es­sen­aus­gleich für den Fall ei­ner Be­triebsände­rung iS des § 111 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (vgl auch Schaub, Ar­beits­rechts-Hand­buch, 10. Aufl, § 132 Rd­Nr 11 ff). Die in die­ser Zeit um­fas­sen­de So­zi­al­aus­wahl konn­te nicht mehr bei bloßem be­trieb­li­chen In­ter­es­se, son­dern nur noch bei be­trieb­lich be­ding­ter Wei­ter­beschäfti­gung ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer über­wun­den wer­den (§ 1 Abs 3 Satz 2 KSchG, sog Leis­tungs­träger­klau­sel, hier­zu Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger, KSchG, 7. Aufl, § 1 Rd­Nr 494).


Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Be­son­der­hei­ten des Kor­rek­tur­ge­set­zes wird es nach der ge­nann­ten Vor­schrift für die Rechtmäßig­keit ei­ner hy­po­the­ti­schen Ar­beit­ge­berkündi­gung zum 31. Ja­nu­ar 2002 da­her vor­nehm­lich dar­auf an­kom­men, ob die­se Kündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che, ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers ent­ge­gen­ste­hen­de Er­for­der­nis­se be­dingt ge­we­sen wäre (§ 1 Abs 2 Satz 1 KSchG), die nach um­fas­sen­den so­zia­len Ge­sichts­punk­ten durch­zuführen­de So­zi­al­aus­wahl (§ 1 Abs 3 Satz 1 KSchG) ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung ent­ge­gen­ge­stan­den hätte oder ei­ne Kor­rek­tur der So­zi­al­aus­wahl über das Er­for­der­nis der Wei­ter­beschäfti­gung ei­nes oder meh­re­rer Ar­beit­neh­mer hätte vor­ge­nom­men wer­den müssen (§ 1 Abs 3 Satz 2 KSchG). Von der hier­nach durch­zuführen­den In­ter­es­sen­abwägung wäre nur dann ab­zu­se­hen, wenn ein ab­so­lu­ter So­zi­al­wid­rig­keits­grund (vgl Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger, KSchG, 7. Aufl, § 1 Rd­Nr 353 ff) in Erwägung ge­zo­gen wer­den könn­te, ins­be­son­de­re ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung an ei­nem an­de­ren Ar­beits­platz in dem­sel­ben (Rest-)Be­trieb oder in ei­nem an­de­ren Be­trieb des Un­ter­neh­mens hätte er­fol­gen können (§ 1 Abs 2 Satz 2 Nr 1 Buchst b KSchG) oder die Möglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung nach zu­mut­ba­ren Um­schu­lungs- oder Fort­bil­dungs­maßnah­men bzw un­ter geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen mit Ein­verständ­nis des Klägers be­stan­den hätte (§ 1 Abs 2 Satz 3 KSchG). Fest­stel­lun­gen hier­zu hat die Vor­in­stanz - von ih­rem Stand­punkt aus zu Recht - nicht ge­trof­fen. Un­klar ist nach den ak­ten­kun­di­gen Äußerun­gen der Fir­ma E in­des­sen schon, ob nicht doch ei­ne Wei­ter­ver­wen­dungsmöglich-


- 9 -

keit be­stand, da auch nach dem Über­gang des Teil­be­triebs, in dem der Kläger beschäftigt war, kei­ne Not­wen­dig­keit der Frei­stel­lung be­stand. Auch feh­len nach­voll­zieh­ba­re An­ga­ben des Ar­beit­ge­bers zur So­zi­al­aus­wahl und in die­sem Zu­sam­men­hang des Wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zu den nähe­ren Umständen der Ab­fin­dung und der be­haup­te­ten Grund­la­ge im So­zi­al­plan der mit der Fir­ma E nicht iden­ti­schen Fir­ma J . Bei An­wend­bar­keit der
So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen dürf­te al­ler­dings ein von der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft nicht mehr zu to­le­rie­ren­der "Frei­kauf" aus­zu­sch­ließen sein (vgl BS­GE 99, 154 = SozR 4-4300 § 144 Nr 17 Rd­Nr 42).


c) Kei­nes­falls ist die So­zi­al­aus­wahl - wo­von die Vor­in­stanz of­fen­bar aus­geht - schlicht ent­behr­lich, weil der Kläger dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses we­gen des Über­gangs des Be­triebs­teils I wi­der­spro­chen hat, oh­ne sei­nem schrift­li­chen Wi­der­spruch ei­ne Be­gründung bei-zufügen. Selbst im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs oh­ne vernünf­ti­gen Grund gäbe das Ge­setz kei­ne Recht­fer­ti­gung, von ei­ner So­zi­al­aus­wahl ganz ab­zu­se­hen. Nach der Recht­spre­chung des BAG kann sich da­her je­der Ar­beit­neh­mer, dem oh­ne sei­nen Wi­der­spruch ge­gen den Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses bei dem Be­triebsüber­neh­mer der Ar­beits­platz er­hal­ten ge­blie­ben wäre, im Rah­men ei­ner be­trieb­li­chen Kündi­gung durch den Be­triebs­veräußerer auf ei­ne man­gel­haf­te So­zi­al­aus­wahl (§ 1 Abs 3 KSchG) be­ru­fen (vgl BA­GE 91, 129 = AP Nr 41 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl; BA­GE 123, 1 = AP Nr 94 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl). Dass die­se im Fal­le des Über­gangs des gan­zen Be­triebs prak­tisch uU an der feh­len­den Ver­gleich­bar­keit der So­zi­al­da­ten schei­tert (vgl zur Still­le­gung BA­GE 87, 221 = AP Nr 4 zu § 1 KSchG 1969 Wie­der­ein­stel­lung; C. Mey­er NJW 2002, 1615, 1618), ändert nichts an ih­rem Er­for­der­nis bei Teil­be­triebsübergängen der vor­lie­gen­den Art. Über­dies wer­den nach der Recht­spre­chung des BAG die Gründe für den Wi­der­spruch auch bei der Prüfung der so­zia­len Aus­wahl­ge­sichts­punk­te nicht berück­sich­tigt, der Ver­drängungs­wett­be­werb zwi­schen den Ar­beit­neh­mern des über­ge­gan­ge­nen Be­triebs­teils und des rest­li­chen, vom Über­gang nicht be­trof­fe­nen Be­triebs aus Gründen der Rechts­si­cher­heit statt­des­sen in Kauf ge­nom­men (BA­GE 123, 1 = AP Nr 94 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl).

Rich­tig ist al­ler­dings, dass nach frühe­rer, zur Rechts­la­ge bis 31. De­zem­ber 2003 er­gan­ge­ner Recht­spre­chung des BAG die Gründe für den Wi­der­spruch in die Prüfung der so­zia­len Aus­wahl­ge­sichts­punk­te mit ein­zu­be­zie­hen wa­ren, die So­zi­al­aus­wahl im In­ter­es­se dritt­be­trof­fe­ner Ar­beit­neh­mer al­so - ent­ge­gen den Vor­stel­lun­gen der Be­klag­ten durch­aus auch bei höhe­rem Le­bens­al­ter - zu Las­ten des Wi­der­spre­chen­den aus­fal­len konn­te, wenn die­ser kei­ne be­acht­li­chen Gründe für den Wi­der­spruch vor­zu­wei­sen hat­te (BA­GE 91, 129 = AP Nr 41 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl). Für den hier strei­ti­gen Zeit­punkt der fik­ti­ven Ar­beit­ge­berkündi­gung zum 31. Ja­nu­ar 2002 hat da­nach die Prüfung der so­zia­len Schutzwürdig­keit aus­nahms­wei­se noch die Tat­sa­che zu berück­sich­ti­gen, dass der Ar­beit­neh­mer sei­nen bis­he­ri­gen Ar­beits­platz aus frei­en Stücken auf­ge­ge­ben und - mögli­cher­wei­se - erst da­durch ein drin­gen­des be­trieb­li­ches Bedürf­nis für die Kündi­gung
 


- 10 -

ge­schaf­fen hat. Zu berück­sich­ti­gen sind des­halb et­wa die be­rech­tig­te Befürch­tung ei­nes bal­di­gen Ar­beits­platz­ver­lus­tes oder ei­ner bal­di­gen we­sent­li­chen Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen beim Er­wer­ber (BA­GE 91, 129 = AP Nr 41 zu § 1 KSchG 1969 So­zia­le Aus­wahl). De­ren Feh­len lässt sich nicht mit der - feh­len­den - For­mal­be­gründung ("oh­ne An­ga­be von Gründen") gleich­set­zen. Viel­mehr sind die Gründe im so­zi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren - an­ders als im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren - vom Tat­sa­chen­ge­richt zu er­mit­teln (vgl BS­GE 89, 243 = SozR 3-4300 § 144 Nr 8). In­so­weit wird die Vor­in­stanz et­wa dem Um­stand nach­zu­ge­hen ha­ben, dass der Kläger sich aus­weis­lich des Ver­merks ei­nes Mit­ar­bei­ters der Be­klag­ten vom 4. März 2004 in Rich­tung ei­nes Ar­beits­platz­ver­lus­tes geäußert hat. Soll­te sich der Sach­ver­halt nicht erschöpfend aufklären las­sen, trifft im strei­ti­gen Zeit­raum - wor­auf die Re­vi­si­on zu­tref­fend hin­ge­wie­sen hat - grundsätz­lich die Be­klag­te die Be­weis­last, dass der die Sperr­zeit aus­sch­ließen­de wich­ti­ge Grund nicht vor­liegt (BS­GE 71, 256 = SozR 3-4100 § 119 Nr 7; BS­GE 89, 243 = SozR 3-4300 § 144 Nr 8).

Der Se­nat ver­kennt nicht, dass sich un­ter den be­son­de­ren Umständen des Fal­les die - hy­po­the­ti­sche - Kündi­gung um­so eher als rechts­wid­rig er­wei­sen kann, je ge­wich­ti­ger die Wi­der­spruchs­gründe sind. An­lass für ei­ne Kor­rek­tur der sperr­zeit­recht­li­chen Kon­se­quen­zen die­ser in­zwi­schen über­hol­ten ar­beits­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung bie­tet der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt in­des­sen nicht. Wären die Wi­der­spruchs­gründe nämlich so ge­wich­tig, dass sich ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung so­zi­al nicht recht­fer­ti­gen ließe, wäre es dem wi­der­spre­chen­den Ar­beit­neh­mer um­so eher zu­mut­bar ge­we­sen, von ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ab­zu­se­hen und ei­ne Kündi­gung ab­zu­war­ten.

Lässt sich im An­schluss an die durch­zuführen­den Er­mitt­lun­gen ei­ne Sperr­zeit nicht fest­stel­len, wird ab­sch­ließend der gel­tend ge­mach­te Alg-An­spruch zu­dem nach Grund und ggf Höhe zu über­prüfen sein.

Das LSG wird auch über die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu ent­schei­den ha­ben.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht B 11 AL 17/08 R  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880