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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Differenzierungsklausel, Tarifvertrag: Differenzierungsklausel, Tarifsozialplan
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 4 AZR 796/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.04.2015
   
Leit­sätze: Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en können in ei­nem Ta­rif­ver­trag mit so­zi­al­planähn­li­chem In­halt für Leis­tun­gen mit ei­ner Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pen von Ge­werk­schafts­mit­glie­dern - sol­chen, die vor ei­nem Stich­tag Ge­werk­schafts­mit­glied wa­ren und später ein­ge­tre­te­nen - grundsätz­lich dif­fe­ren­zie­ren, wenn der Stich­tag nicht willkürlich gewählt wird, son­dern für ihn ein sach­li­cher Grund be­steht (hier: Da­tum des Ab­schlus­ses der Ta­rif­ver­hand­lun­gen über ei­ne Teil­be­triebs­stil­le­gung).
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Endurteil vom 22.01.2013 - 25 Ca 8656/12
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 25.07.2013 - 4 Sa 166/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

4 AZR 796/13
4 Sa 166/13
Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

15. April 2015

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

1.

Be­klag­te zu 1., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 1.,

2.

Be­klag­te zu 2., Be­ru­fungs­klag­te zu 2. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 2.,


- 2 -

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. April 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Han­nig und Dr. Krie­gel­stei­ner für Recht er­kannt:


1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 25. Ju­li 2013 - 4 Sa 166/13 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche der Kläge­rin auf ein höhe­res Brut­to­ent­gelt ge­gen die Be­klag­te zu 1. und ei­ne wei­te­re Ab­fin­dungs­zah­lung ge­gen die Be­klag­te zu 2.


Die Kläge­rin war seit Au­gust 1988 bei der Be­klag­ten zu 2. und de­ren Rechts­vorgänge­rin im Be­trieb S-Straße in M ge­gen ein Brut­to­mo­nats­ent­gelt von zu­letzt 6.962,00 Eu­ro beschäftigt.


Zu Be­ginn des Jah­res 2012 gab die Be­klag­te zu 2. die ge­plan­te Sch­ließung die­ses Be­triebs be­kannt. In den nach­fol­gen­den Ver­hand­lun­gen zwi­schen ihr so­wie dem bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat und der zuständi­gen In­dus­trie­ge­werk­schaft Me­tall (IG Me­tall) hat­te die Be­klag­te zu 2. als „Kom­pen­sa­ti­on“ für ei­nen Ver­zicht auf Be­triebs­sch­ließung ei­ne Auf­he­bung des man­tel­ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schut­zes so­wie die Auf­stel­lung ei­ner Na­mens­lis­te iSd. § 1 Abs. 5 KSchG ver­langt und den Ta­rif­ver­trags­ab­schluss von der Zu­stim­mung von min­des­tens 90 vH der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zum Ver­hand­lungs­er­geb­nis abhängig ge­macht. Die IG Me­tall hat­te ih­rer­seits zusätz­li­che Leis­tun­gen für ih­re Mit­glie­der ge­for­dert.


- 3 -

Ei­ne vollständi­ge Be­triebs­sch­ließung konn­te, nach­dem die Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se auf ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung der IG Me­tall am 22. März 2012 mit­ge­teilt wor­den wa­ren, ab­ge­wen­det wer­den. Von den bis­her bei der Be­klag­ten zu 2. beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern soll­ten 2.000 in vier Fol­ge­ge­sell­schaf­ten wei­ter­beschäftigt und wei­te­ren 1.600 ein Wech­sel in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft an­ge­bo­ten wer­den.


Am 4. April 2012 schlos­sen die Be­klag­te zu 2. und die IG Me­tall ei­nen Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag (nach­fol­gend TS-TV), der ua. re­gel­te:


„PRÄAM­BEL


(1) In­fol­ge der Re­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men, die im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 04.04.2012 be­schrie­ben sind, ent­steht die Not­wen­dig­keit, die wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Nach­tei­le, die für die Beschäftig­ten ent­ste­hen, ab­zu­mil­dern.


(2) Die­ser Ta­rif­ver­trag soll die Be­din­gun­gen dafür schaf­fen, dass durch die Schaf­fung ei­ner Auf­fang­struk­tur die von Ent­las­sung be­droh­ten Beschäftig­ten der N GmbH & Co. KG bei ih­rer not­wen­di­gen be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung un­terstützt wer­den.


Zu die­sem Zweck soll die Trans­fer­ge­sell­schaft der S AG mit der Ein­rich­tung ei­ner be­triebs­or­ga­ni­sa­to­risch ei­genständi­gen Ein­heit (beE) gem. § 216b SGB III be­auf­tragt wer­den. Den von der Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Beschäftig­ten soll nach Maßga­be die­ses Ta­rif­ver­tra­ges der Ab­schluss von Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­sen an­ge­bo­ten wer­den.

§ 1
GEL­TUN­GSBE­REICH

Die­ser Ta­rif­ver­trag gilt

(1) räum­lich für den Be­trieb der Fir­ma N GmbH & Co. KG in M.


(2) Persönlich: Für al­le Beschäftig­ten des Be­trie­bes S-Str. in M, so­fern sie die in­di­vi­du­el­len Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld gemäß den §§ 169 ff SGB III erfüllen.
...

§ 2
EIN­RICH­TUNG EI­NER BEE

Die N GmbH & Co. KG in M be­auf­tragt die Ab­tei­lung Glo­bal Sha­red Ser­vices Hu­man Re­sour­ces Ser­vices der S AG mit der Ein­rich­tung ei­ner beE für die vom persönli­chen Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges er­fass­ten Beschäftig­ten.
...


§ 4
KO­OPE­RA­TIONS­VER­EIN­BA­RUNG MIT DER TG

Zen­tra­le Auf­ga­be der Trans­fer­ge­sell­schaf­ten ist es, die von Ar­beits­lo­sig­keit be­droh­ten Beschäftig­ten in neue, nach In­halt, Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­rung und Ein­kom­men möglichst gleich­wer­ti­ge Ar­beits­verhält­nis­se zu ver­mit­teln und da­bei im In­ter­es­se der zu for­dern­den Nach­hal­tig­keit nach Möglich­keit prekäre Ar­beits­verhält­nis­se zu ver­mei­den. ...

§ 5
MIN­DEST­BE­DIN­GUN­GEN DER TRANS­FER­AR­BEITS­VERHÄLT­NISSE

Der Über­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft er­folgt auf Ba­sis ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges (= drei Ver­trags­par­tei­en), der die Be­en­di­gung des mit der N GmbH & Co. KG be­ste­hen-den Ar­beits­ver­tra­ges und die Be­gründung ei­nes be­fris­te­ten Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses bei der N ge­sell­schaft mbH be­inhal­tet.

We­sent­li­che Be­stand­tei­le die­ses drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges sind:

(1) Min­dest­lauf­zeit des Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses von vier­und­zwan­zig Mo­na­ten

(2) ein Jah­res­ur­laubs­an­spruch von 20 Ta­gen auf Ba­sis ei­ner 5-Ta­ge­ar­beits­wo­che

(3) Die Beschäftig­ten er­hal­ten in­ner­halb der BeE - un­ter An­rech­nung der Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit - ein BeE-Mo­nats­ent­gelt von mo­nat­lich 70 Pro­zent ih­res Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens. Das Brut­to­mo­nats­ein­kom­men ist das 13,5-fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes di­vi­diert durch zwölf.
...

In dem Drei­sei­ti­gen Ver­trag wird der An­spruch auf Ab­fin­dung und de­ren Fällig­keit fest­ge­hal­ten (§ 7).
 

- 5 -

...


§ 7
AB­FIN­DUNG

(1) Al­le vom Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges er­fass­ten Beschäftig­ten ha­ben mit Un­ter­zeich­nung des drei­sei­ti­gen Ver­tra­ges (Zu­stim­mung zum Ein­tritt in die beE) ei­nen An­spruch auf ei­ne aus dem in­di­vi­du­el­len Brut­to­mo­nats­ent­gelt er­rech­ne­te Ab­fin­dung:

a. Beschäftig­te, die vor 01.04.2007 in die N GmbH & Co. KG oder de­ren Rechts­vorgänge­rin ein­ge­tre­ten sind, er­hal­ten ein Jah­res­ge­halt
als Ab­fin­dung (Ba­sis 12 Mo­nats­gehälter).

...

e. Beschäftig­te, die zwi­schen dem 01.04.2010 und vor 01.04.2011 ... ein­ge­tre­ten sind, er­hal­ten zwei Mo­nats­gehälter als Ab­fin­dung.

(2) Der Höchst­be­trag für ei­ne Ab­fin­dung nach Abs. 1 beträgt EUR 110.000,00, ... .

(3) ...

(4) Die Ab­fin­dung ist mit dem Aus­schei­den aus der BeE zur Zah­lung fällig.

...

(7) Der An­spruch auf Ab­fin­dung und de­ren Fällig­keit ist in den Drei­sei­ti­gen Ver­trag auf­zu­neh­men.

§ 8
TARIFSCHIE­DSS­TEL­LE

Bei Nicht­ei­ni­gung über die Aus­le­gung der Be­stim­mun­gen die­ses Ta­rif­ver­tra­ges ent­schei­det ei­ne aus je­weils 2 Bei­sit­zern/-in­nen (Ar­beit­ge­be­rin/Ge­werk­schaft IG Me­tall) und ei­nem neu­tra­len Vor­sit­zen­den be­ste­hen­de Ta­rif­schieds-stel­le. ...“
 

Eben­falls am 4. April 2012 ver­ein­bar­ten die Be­klag­te zu 2. und der Be­triebs­rat ei­nen „In­ter­es­sen­aus­gleich“, der ua. die Gründung von vier neu­en Un­ter­neh­men als Rechts­nach­fol­ge­rin­nen ein­zel­ner be­trof­fe­ner Un­ter­neh­mens­be­rei­che, die Über­lei­tung von Ar­beit­neh­mern und ei­ne Na­mens­lis­te iSd. § 1 Abs. 5 KSchG zum Ge­gen­stand hat­te. Wei­ter­hin ist un­ter der Über­schrift „5. So­zi­al-plan“ ge­re­gelt:


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„Der Be­triebs­rat und das Un­ter­neh­men stim­men da­hin­ge­hend übe­rein, dass ein ge­son­der­ter So­zi­al­plan nicht auf­ge­stellt wird, weil in dem als

- An­la­ge 7

be­zeich­ne­ten Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag vom 04.04.2012 Re­ge­lun­gen zur Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Fol­gen ent­hal­ten sind, die bei­de Be­triebs­par­tei­en als Aus­gleichs­maßnah­men i.S.d. § 112 Be­trVG an­er­ken­nen und die sie für al­le be­trof­fe­nen Beschäftig­ten ab­sch­ließend über­neh­men. ...“

Sch­ließlich schlos­sen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TS-TV am glei­chen Tag ei­nen Ergänzungs­trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag (ETS-TV), der wie folgt lau­tet:

㤠1
GEL­TUN­GSBE­REICH

Die­ser Ta­rif­ver­trag gilt


(1) räum­lich für den Be­trieb S-Str. der Fir­ma N GmbH & Co. KG in M.

(2) Persönlich: Für al­le Beschäftig­ten, die bis ein-schließlich 23.03.2012, 12.00 Uhr Mit­glied der IG Me­tall ge­wor­den sind, so­fern sie die in­di­vi­du­el­len Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld gemäß den §§ 169 ff SGB III erfüllen.

(3) Sach­lich: Für die Rech­te, Re­ge­lun­gen und Maßnah­men im Zu­sam­men­hang mit der be­triebs­or­ga­ni­sa­to­risch ei­genständi­gen Ein­heit (beE).

§ 2
ERGÄNZUNG ZU DEN MIN­DEST­BE­DIN­GUN­GEN DER TRANS­FER­AR­BEITS­VERHÄLT­NISSE

Vom Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges er­fass­te Beschäftig­te er­hal­ten un­ter An­rech­nung ih­rer Ansprüche aus § 5 Abs. 3 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­tra­ges in­ner­halb der BeE - un­ter An­rech­nung der Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit - ein BeE-Mo­nats­ent­gelt von mo­nat­lich 80 Pro­zent ih­res Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens. Das Brut­to­mo­nats­ein­kom­men ist das 13,5-fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes di­vi­diert durch zwölf. Die wei­te­ren Leis­tun­gen nach § 5 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­tra­ges

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wer­den von die­ser Re­ge­lung nicht berührt.

§ 3
ERGÄNZUNG ZU DER HÖHE DER AB­FIN­DUNG

Vom Gel­tungs­be­reich die­ses Ta­rif­ver­tra­ges er­fass­te Beschäftig­te er­hal­ten als wei­te­ren Be­stand­teil der Ab­fin­dung nach § 7 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­tra­ges EUR 10.000,00 un­abhängig vom Zeit­punkt ih­res Un­ter­neh­mens­ein­tritts. Für die­se Beschäftig­ten gilt ein Höchst­be­trag von EUR 120.000,00.

§ 4
SCHLUSSBESTIM­MUN­GEN

Die Re­ge­lun­gen des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­tra­ges gel­ten im Übri­gen ent­spre­chend. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Ta­rif­schieds­stel­le nach § 8 und die Pa­tro­nats­erklärung nach § 10.“


Mit Schrei­ben vom 4. April 2012 er­hielt die Kläge­rin von den Be­klag­ten ei­nen „Drei­sei­ti­gen Ver­trag“ (nach­fol­gend DV), der ua. fol­gen­den In­halt hat:


„Drei­sei­ti­ger Ver­trag
zwi­schen
Frau ... (Ar­beit­neh­mer/in)
und
N GmbH & Co. KG (NSN)
...
so­wie
N ge­sell­schaft mbH
(NSN TG)
...
Präam­bel


1. Am 04.04.2012 wur­den ein Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag und ein In­ter­es­sen­aus­gleich ab­ge­schlos­sen. Die Be­stim­mun­gen die­ser Ver­ein­ba­run­gen sind dem/der Ar­beit­neh­mer/-in be­kannt. Dem/der Ar­beit­neh­mer/-in ist auch be­kannt, dass sein/ihr Ar­beits­platz bei NSN entfällt und in­so­weit das Ar­beits­verhält­nis bei NSN mit Ab­lauf vom 30.04.2012 aus be­triebs­be­ding­ten Gründen be­en­det wer­den muss. Aus die­sem Grund wird dem/der Ar­beit­neh­mer/-in ein be­fris­te­tes Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis mit der NSN TG an­ge­bo­ten, um ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung zu ver­mei­den.


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2. Die NSN TG wird für den Ar­beit­neh­mer Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld im Sin­ne des § 111 SGB III be­an­tra­gen.

3. Die NSN TG bil­det ei­ne be­triebs­or­ga­ni­sa­to­risch ei­genständi­ge Ein­heit (beE) im Sin­ne des § 111 SGB III. Sie trägt die Be­zeich­nung beE NSN Mch.

4. Durch die Bil­dung der beE sol­len Maßnah­men zur be­ruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung die Ver­mitt­lungs­chan­cen auf dem ex­ter­nen Ar­beits­markt erhöhen.

Auf die­ser Grund­la­ge wer­den fol­gen­de Re­ge­lun­gen ge­trof­fen:

Ab­schnitt A: Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit NSN

1. Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

Das zwi­schen dem/der Ar­beit­neh­mer/-in und NSN be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis wird aus be­triebs­be­ding­ten Gründen mit Ab­lauf des 30.04.2012 en­den, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf. Der/die Ar­beit­neh­mer/-in tritt zum 01.05.2012 in die NSN TG über.

2. Ab­fin­dungs­zah­lung

2.1. Die Höhe der Ab­fin­dung ist gem. § 7 Abs. 1 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags abhängig von der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit. Der Höchst­be­trag für die Ab­fin­dung beträgt gem. § 7 Abs. 2 Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag EUR 110.000,00. Im Übri­gen fin­det § 7 Abs. 3 An­wen­dung.
Ar­beit­neh­mer, die un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ergänzungs­trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags fal­len, er­hal­ten gem. § 3 des Ergänzungs­trans­fer-und So­zi­al­ta­rif­ver­trags als wei­te­ren Be­stand­teil der Ab­fin­dung zusätz­lich EUR 10.000,00, der Höchst­be­trag für die Ab­fin­dung beträgt EUR 120.000,00.
Die Ab­fin­dungs­zah­lung ist nach Ab­schluss des Drei­sei­ti­gen Ver­trags und vor Fällig­keit ver­erb­bar, je­doch nicht ab­tret­bar. Die Ab­fin­dung ist mit dem Aus­schei­den aus der NSN TG fällig.
...
...


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Ab­schnitt B: Be­gründung ei­nes Ver­mitt­lungs- und
Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis­ses mit NSN TG


1. Ver­trags­dau­er


Der/die Ar­beit­neh­mer/-in und NSN TG ver­ein­ba­ren den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­ver­tra­ges ab dem 01.05.2012. Das Ver­mitt­lungs- und Qua­li­fi­zie­rungs­verhält­nis en­det mit Aus­tritt aus der NSN TG, spätes­tens am 30.04.2014, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf.

Es wird Kurz­ar­beit Null an­ge­ord­net und der Beschäfti­gungs­an­spruch entfällt.
...

4. Mo­nat­li­che Vergütung

Der/die Ar­beit­neh­mer/-in erhält gemäß § 5 Abs. 3 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags auf der Ba­sis der von NSN an die NSN TG zur Verfügung ge­stell­ten Ge­halts­da­ten, ab Ein­tritt in die NSN TG - un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit - bis zu ih­rem/sei­nem Aus­schei­den mo­nat­lich 70 % ih­res/sei­nes Brut­to­Mo­nats­Ein­kom­mens. Das Brut­to­Mo­nats­Ein­kom­men ist das 13,5-fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­Mo­nats-Ein­kom­mens di­vi­diert durch zwölf.

Der/die Ar­beit­neh­mer/-in, die un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ergänzungs­trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trag fal­len, er­hal­ten gem. § 2 des Ergänzungs­trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags ab Ein­tritt in die NSN TG - un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit - mo­nat­lich 80 % ih­res/sei­nes Brut­to­Mo­nats­Ein­kom­mens.

...

Ab­schnitt C: All­ge­mei­ne Re­ge­lun­gen

...

5. Be­din­gung


Die­ser Drei­sei­ti­ge Ver­trag steht un­ter dem Vor­be­halt, dass die schrift­li­che An­nah­me des Ver­trags­an­ge­bots ent­spre­chend § 3 Abs. 4 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 04.04.2012 durch den/die Ar­beit­neh­mer/in spätes­tens am 13.04.2012 bis 12.00 Uhr vor­liegt.“
 

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Nach frist­ge­rech­ter An­nah­me des An­trags durch die Kläge­rin ist die­se seit dem 1. Mai 2012 bei der Be­klag­ten zu 1. im Rah­men des „Ver­mitt­lungs-und Qua­li­fi­zie­rungs­ver­trags“ beschäftigt.


In der Zeit vom 1. Ju­li 2012 bis zum 17. Ja­nu­ar 2013 war die Kläge­rin Mit­glied der IG Me­tall. Das nach § 5 Abs. 3 TS-TV zu zah­len­de Ent­gelt be­rech­ne­te die Be­klag­te zu 1., in­dem sie zusätz­lich zum er­hal­te­nen Kurz­ar­bei­ter­geld ein Brut­to­ent­gelt leis­te­te, das ins­ge­samt zu ei­ner Net­to­lohn­sum­me führ­te, die die Kläge­rin er­hal­ten hätte, wenn kei­ne Kurz­ar­beit an­ge­ord­net wor­den wäre und sie ei­nen An­spruch auf 70 vH ih­res Brut­to­mo­nats­ent­gelts iSv. B. 4. Satz 2 DV ge­habt hätte.

Mit ih­rer Kla­ge hat die Kläge­rin ei­nen wei­te­ren Ab­fin­dungs­be­trag in Höhe von 10.000,00 Eu­ro brut­to so­wie ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung auf der Ba­sis von 80 vH des maßge­ben­den Brut­to­mo­nats­ent­gelts nach den Re­ge­lun­gen des ETS-TV be­gehrt.

Am 14. De­zem­ber 2012 ent­schied die von der IG Me­tall an­ge­ru­fe­ne Ta­rif­schieds­stel­le durch Schieds­spruch nach § 8 TS-TV, dass de­ren Anträge, so­wohl der TS-TV als auch der ETS-TV ent­hiel­ten „ei­ne Re­ge­lung, die Beschäftig­ten auch für die Zeit des Be­zu­ges von KuG ei­ne Brut­to­mo­nats­vergütung“ iHv. 70 vH (TS-TV) und von 80 vH (ETS-TV) „des 13,5-fa­chen des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ge­hal­tes di­vi­diert durch 12“ zu­sa­ge, zurück­ge­wie­sen wer­den.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, sie müsse als zwi­schen­zeit­li­ches Ge­werk­schafts­mit­glied wie Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu 2. be­han­delt wer­den, die am 23. März 2012 Mit­glied der IG Me­tall ge­we­sen sei­en. Die Be­vor­zu­gung von „Alt-Mit­glie­dern“ der IG Me­tall ver­let­ze ih­re ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit. Durch die Re­ge­lun­gen sei ein in­adäqua­ter Druck zum Bei­tritt in die Ge­werk­schaft ent­stan­den. Die Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel schränke nicht nur ih­re Ver­trags­frei­heit ein, son­dern ver­let­ze die Rech­te und In­ter­es­sen der Außen­sei­ter. Die Stich­tags­re­ge­lung im ETS-TV sei un­zulässig. Für sie ge­be es kei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung. Der ETS-TV verkürze zu­dem das für ei­nen So­zi­al­plan be­ste­hen­de Ver­tei­lungs­vo­lu­men in un­zulässi­ger Wei­se. Der im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 4. April 2012 ent­hal­te­ne So­zi­al­plan ver­s­toße ge­gen den be­triebs­ver­fas-


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sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Die For­mu­lie­rung „für al­le ... ab­sch­ließend über­neh­men“ zei­ge, dass es nicht zu ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung kom­men soll­te. Auf­grund der un­wirk­sa­men Stich­tags­re­ge­lung ha­be sie auch ei­nen An­spruch auf ei­ne „An­pas­sung nach oben“. Je­den­falls könne sie von der Be­klag­ten zu 1. ein höhe­res Brut­to­mo­nats­ent­gelt be­an­spru­chen, ei­ne Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung sei im drei­sei­ti­gen Ver­trag nicht vor­ge­se­hen.


Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt: 


1. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Mai 2012 in Höhe von 89.809,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 49.624,08 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Ju­ni 2012 zu be­zah­len.

2. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Ju­ni 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.098,97 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Ju­li 2012 zu be­zah­len.

3. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Ju­li 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.098,97 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Au­gust 2012 zu be­zah­len.

4. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Au­gust 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.098,97 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Sep­tem­ber 2012 zu be­zah­len.

5. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Sep­tem­ber 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 1.630,44 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Ok­to­ber 2012 zu be­zah­len.

6. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Ok­to­ber 2012 in Höhe von 7.434,38 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.617,50 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit

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1. No­vem­ber 2012 zu be­zah­len.


7. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat No­vem­ber 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.098,97 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. De­zem­ber 2012 zu be­zah­len.

8. Die Be­klag­te zu 2. wird ver­ur­teilt, an sie Ab­fin­dung in Höhe von 10.000,00 Eu­ro brut­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit Kla­ge­er­he­bung zu be­zah­len.

9. Fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te zu 1. für den Zeit­raum vom 1. Ju­li 2013 bis längs­tens zum 30. April 2014 ver­pflich­tet ist, die mo­nat­li­che Vergütung nach Ab­schnitt B. 4. des un­ter dem Da­tum des 4. April 2012 ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges auf der Ba­sis ei­nes mo­nat­li­chen Brut­to­ar­beits­ent­gelts iHv. 6.265,80 Eu­ro hilfs­wei­se 5.474,70 Eu­ro brut­to zu be­rech­nen und Leis­tun­gen der Agen­tur für Ar­beit erst aus dem sich dar­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag an­zu­rech­nen sind.

10. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat De­zem­ber 2012 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.098,97 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Ja­nu­ar 2013 zu be­zah­len.

11. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Ja­nu­ar 2013 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.116,13 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Fe­bru­ar 2013 zu be­zah­len.

12. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Fe­bru­ar 2013 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.116,13 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. März 2013 zu be­zah­len.

13. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat März 2013 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.122,46 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. April 2013 zu be­zah­len.
 

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14. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat April 2013 in Höhe von 10.238,97 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 5.003,81 Eu­ro net­to zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Mai 2013 zu be­zah­len.

15. Die Be­klag­te zu 1. wird ver­ur­teilt, an sie wei­te­ren Lohn für den Lohn­mo­nat Ju­ni 2013 in Höhe von 6.265,80 Eu­ro brut­to abzüglich hier­auf be­zahl­ter 3.118,24 Eu­ro zuzüglich fünf Pro­zent­punk­te Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz der EZB hier­aus seit 1. Ju­li 2013 zu be­zah­len.

Die Be­klag­ten ha­ben zur Be­gründung ih­rer Kla­ge­ab­wei­sungs­anträge aus­geführt, aus dem drei­sei­ti­gen Ver­trag der Par­tei­en er­ge­be sich kein An­spruch der Kläge­rin auf die höhe­ren Leis­tun­gen. Sie un­ter­fal­le nicht dem persönli­chen Gel­tungs­be­reich des ETS-TV. Die durch die bei­den Ta­rif­verträge vor­ge­nom­me­ne Dif­fe­ren­zie­rung sei ge­nau­so zulässig wie die Wahl des Stich­tags. Die Be­rech­nung des ge­leis­te­ten Zu­schus­ses sei zu­tref­fend. Ge­schul­det sei ei­ne Vergütung gemäß § 5 Abs. 3 TS-TV, der von ei­nem „BeE-Mo­nats­ent­gelt“ han­de­le.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin hat kei­nen Er­folg. Sie hat we­der ge­gen die Be­klag­te zu 2. ei­nen An­spruch auf ei­ne wei­te­re Ab­fin­dungs­zah­lung in Höhe von 10.000,00 Eu­ro brut­to nach A. 2.1. Abs. 2 DV iVm. § 3 ETS-TV noch ge­gen die Be­klag­te zu 1. ei­nen An­spruch auf BeE-Ein­kom­men von mo­nat­lich 80 vH ih­res Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens nach B. 4. Abs. 2 iVm. § 2 Satz 1 ETS-TV oder nach B. 4. Abs. 1 DV iVm. § 5 Abs. 2 Nr. 3 TS-TV ei­nen An­spruch auf ei­ne an­de­re Be­rech­nung von 70 vH ih­res vor­ma­li­gen, nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 Satz 2 TS-TV be­rech­ne­ten Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens.


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A. Die Re­vi­si­on ist nur teil­wei­se zulässig. So­weit sich die Kläge­rin für ihr Be­geh­ren in der Re­vi­si­ons­in­stanz ge­genüber der Be­klag­ten zu 2. erst­mals auf Ansprüche auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit stützt, han­delt es sich um ei­nen in der Re­vi­si­ons­in­stanz neu­en Streit­ge­gen­stand (vgl. BAG 18. Mai 2011 - 4 AZR 457/09 - Rn. 15 mwN) und in der Fol­ge um ei­ne in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­zulässi­ge Kla­ge­er­wei­te­rung (BAG 17. Ju­ni 2014 - 3 AZR 527/11 - Rn. 38; 16. Mai 2012 - 4 AZR 290/10 - Rn. 55).


B. Die Kla­gen sind un­be­gründet. 


I. Das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist al­ler­dings in­so­weit rechts­feh­ler­haft und we­gen ei­nes von Amts we­gen zu be­ach­ten­den Ver­s­toßes ge­gen § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu kor­ri­gie­ren, als es ei­nen An­spruch der Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te zu 2. auf Grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit ab­ge­lehnt hat.


1. Der An­trags­grund­satz nach § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO ist nicht nur dann ver­letzt, wenn ei­ner Par­tei et­was zu­ge­spro­chen wird, oh­ne dass sie dies be­an­tragt hat, son­dern auch, wenn ihr ein An­spruch ab­er­kannt wird, den sie nicht zur Ent­schei­dung ge­stellt hat (BAG 24. Fe­bru­ar 2010 - 4 AZR 657/08 - Rn. 28, 16. De­zem­ber 1970 - 4 AZR 98/70 - BA­GE 23, 146; BGH 29. No­vem­ber 1990 - I ZR 45/89 - zu I 2 a der Gründe mwN).

2. Die Kläge­rin hat in den Tat­sa­chen­in­stan­zen ih­ren An­spruch ge­gen die Be­klag­te zu 2. nicht auf ei­ne bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­ge­bun­den­heit gestützt. Sie hat sich le­dig­lich auf den drei­sei­ti­gen Ver­trag und nur in die­sem Zu­sam­men­hang auf Un­wirk­sam­keit der ta­rif­li­chen Stich­tags­re­ge­lung be­ru­fen. In­dem das Lan­des­ar­beits­ge­richt ei­nen mögli­chen An­spruch der Kläge­rin auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit ab­er­kannt hat, hat es ge­gen § 308 Abs. 1 Satz 1 ZPO ver­s­toßen. Die­ser Ver­fah­rens­ver­s­toß kann nicht durch ei­ne Kla­ge­er­wei­te­rung in der Re­vi­si­ons­in­stanz ge­heilt wer­den. Ei­ne sol­che ist un­zulässig (vgl. BAG 25. April 2013 - 6 AZR 800/11 - Rn. 13; 28. Au­gust 2008 - 2 AZR 63/07 - Rn. 23, BA­GE 127, 329; BGH 29. Ju­ni 2006 - I ZR 235/03 - Rn. 24, BGHZ 168, 179).


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3. Das Ur­teil ist da­her - oh­ne dass es ei­nes förm­li­chen Ent­schei­dungs­aus­spruchs be­durf­te - zu be­rich­ti­gen, um ei­ne sonst ein­tre­ten­de Rechts­kraft (BAG 18. Mai 2011 - 4 AZR 457/09 - Rn. 12; BGH 28. Mai 1998 - I ZR 275/95 - zu II 2 a der Gründe) aus­zu­sch­ließen.


II. Die Kla­ge ge­gen die Be­klag­te zu 2. ist un­be­gründet. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Er­geb­nis zu­tref­fend er­kannt.

1. Die Kläge­rin kann auf Grund­la­ge der Re­ge­lung in A. 2.1. DV kei­ne wei­te­re Ab­fin­dung ver­lan­gen. Die Vor­aus­set­zun­gen nach § 1 Nr. 2 ETS-TV sind nicht erfüllt. Sie wird nicht vom „Gel­tungs­be­reich des Ergänzungs­trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags“ gemäß A. 2.1. Abs. 2 DV er­fasst, weil sie zum Zeit­punkt des ta­rif­lich wirk­sam ge­re­gel­ten Stich­tags nicht Mit­glied der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft war. Die Re­ge­lung des ETS-TV verstößt we­der ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit noch ge­gen den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG.


a) Mit der Re­ge­lung über den persönli­chen Gel­tungs­be­reich in § 1 Nr. 2 ETS-TV (zu den Kri­te­ri­en der Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils ei­nes Ta­rif­ver­trags et­wa BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 430/09 - Rn. 21 mwN), nach der le­dig­lich die Beschäftig­ten, die am Stich­tag, dem 23. März 2012, 12:00 Uhr, Mit­glie­der der Ge­werk­schaft IG Me­tall wa­ren, ei­ne wei­te­re Ab­fin­dungs­zah­lung er­hal­ten, wer­den nicht nur „de­kla­ra­to­risch“ die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne nor­ma­ti­ve Wir­kung des Ta­rif­ver­trags nach § 4 Abs. 1 TVG wie­der­holt, son­dern es wird viel­mehr ei­ne zusätz­li­che An­spruchs­vor­aus­set­zung fest­ge­legt (s. zu die­ser Aus­le­gung be­reits BAG 21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 19; 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 - Rn. 28 ff.). An­ders als § 7 Abs. 1 TS-TV setzt ein An­spruch nach § 3 Satz 1 ETS-TV nicht nur ei­ne Mit­glied­schaft in der IG Me­tall iSe. Ta­rif­ge­bun­den­heit nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG vor­aus, son­dern ver­langt für den ergänzen­den Ab­fin­dungs­an­spruch nach § 3 ETS-TV ei­ne zum vor­ge­se­he­nen Stich­tag be­ste­hen­de Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft. Da­mit dif­fe­ren­zie­ren die Ta­rif­verträge zwi­schen zwei Grup­pen von Ge­werk­schafts­mit­glie­dern.


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Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin wird da­bei nicht zwi­schen Mit­glie­dern ei­ner Ge­werk­schaft ei­ner­seits und „Un­or­ga­ni­sier­ten“ oder „Außen­sei­tern“ an­de­rer­seits un­ter­schie­den, son­dern zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pen von Mit­glie­dern der Ge­werk­schaft IG Me­tall (BAG 21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 21; 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 - Rn. 27, 30) und da­mit al­lein zwi­schen ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern, al­so den­je­ni­gen, für die ein Ta­rif­ver­trag oh­ne­hin nur Rechts­nor­men nach § 1 Abs. 1 TVG set­zen kann (BAG 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 - Rn. 28; 22. Sep­tem­ber 2010 - 4 AZR 117/09 - Rn. 23; 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 25, BA­GE 130, 43). Es han­delt sich da­her nicht um ei­ne sog. ein­fa­che Dif­fe­ren­zie­rungs­klau­sel (zum Be­griff BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 31 ff., aaO).

b) Die­se von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en vor­ge­nom­me­ne Grup­pen­bil­dung zwi­schen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern ori­en­tiert sich an ei­nem Stich­tag, der im Rah­men der vor­lie­gen­den Ta­rif­verträge mit so­zi­al­planähn­li­chen In­hal­ten wirk-sam ist. Im Übri­gen wäre ein von der Kläge­rin auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­tend ge­mach­ter An­spruch im Ent­schei­dungs­fall un­be­gründet.

aa) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind bei der ta­rif­li­chen Norm­set­zung nicht un­mit­tel­bar grund­rechts­ge­bun­den. Die Schutz­pflicht­funk­ti­on der Grund­rech­te ver­pflich­tet die Ar­beits­ge­rich­te je­doch da­zu, sol­chen Ta­rif­re­ge­lun­gen die Durch­set­zung zu ver­wei­gern, die zu gleich­heits- und sach­wid­ri­gen Dif­fe­ren­zie­run­gen führen und des­halb Art. 3 Abs. 1 GG ver­let­zen.

(1) Bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung ist der Gleich­heits­satz idR ver­letzt, wenn ei­ne Grup­pe von Re­ge­lungs­adres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren un­ter­schied­lich be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die un­glei­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten (zum Prüfungs­maßstab ausf. BVerfG 7. Mai 2013 - 2 BvR 909/06 ua. - Rn. 73 ff., BVerfGE 133, 377; 21. Ju­li 2010 - 1 BvR 611/07, 1 BvR 2464/07 - Rn. 78, BVerfGE 126, 400; BAG 16. April 2014 - 4 AZR 802/11 - Rn. 21 mwN, BA­GE 148, 139; 19. Ju­li 2011 - 3 AZR 398/09 - Rn. 25 mwN, BA­GE 138, 332; 18. De­zem­ber 2008 - 6 AZR 287/07 - Rn. 21 mwN, BA­GE 129, 93; vgl. zu den Maßstäben wei­ter­hin

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BAG 27. Ok­to­ber 2010 - 10 AZR 410/09 - Rn. 22 mwN; 21. Sep­tem­ber 2010 - 9 AZR 442/09 - Rn. 27; 25. Ok­to­ber 2007 - 6 AZR 95/07 - Rn. 24, BA­GE 124, 284).

(2) Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kommt als selbständi­gen Grund­recht­strägern auf­grund der durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie ein wei­ter Ge­stal­tungs­spiel­raum zu. Wie weit die­ser reicht, hängt von den im Ein­zel­fall vor-lie­gen­den Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len und dem Zweck der Leis­tung ab. Da­bei steht den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Be­zug auf die tatsächli­chen Ge­ge­ben­hei­ten und be­trof­fe­nen In­ter­es­sen ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu (BAG 15. Ja­nu­ar 2015 - 6 AZR 646/13 - Rn. 32 mwN; 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 211/11 - Rn. 15 mwN; 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 147/10 - Rn. 31 mwN, BA­GE 140, 291).

(3) Nach der Kon­zep­ti­on des Grund­ge­set­zes ist die Fest­le­gung der Höhe des Ent­gelts wie auch der wei­te­ren, den ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern zu­fließen­den Leis­tun­gen grundsätz­lich Sa­che der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, weil dies nach Über­zeu­gung des Ver­fas­sungs­ge­bers zu sach­ge­rech­te­ren Er­geb­nis­sen führt als ei­ne staat­lich be­ein­fluss­te Ent­gelt- und Leis­tungs­fin­dung (vgl. auch BVerfG 4. Ju­li 1995 - 1 BvF 2/86 ua. - zu C I 1 a der Gründe, BVerfGE 92, 365; BAG 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 147/10 - Rn. 32, BA­GE 140, 291; 17. De­zem­ber 2009- 6 AZR 665/08 - Rn. 19 mwN). Das schließt auch die Be­fug­nis zur Ver­ein­ba­rung von Re­ge­lun­gen ein, die den Be­trof­fe­nen un­ge­recht und Außen­ste­hen­den nicht zwin­gend sach­ge­recht er­schei­nen mögen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind nicht da­zu ver­pflich­tet, die je­weils zweckmäßigs­te, vernünf­tigs­te oder ge­rech­tes­te Lösung zu wählen. Es genügt, wenn für die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung ein sach­lich ver­tret­ba­rer Grund vor­liegt (st. Rspr., BAG 11. De­zem­ber 2013 - 10 AZR 736/12 - Rn. 14 mwN, BA­GE 147, 33; 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 147/10 - Rn. 32, aaO; 30. Ok­to­ber 2008 - 6 AZR 712/07 - Rn. 15, BA­GE 128, 219). Wei­ter­hin können auch ty­pi­sche Sach­zwänge der kol­lek­ti­ven Ver­trags­form so­wie na­ment­lich ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche In­ter­es­sen berück­sich­tigt wer­den (BAG 25. Ja­nu­ar 2012 - 4 AZR 147/10 - aaO; 27. Mai 2004 - 6 AZR 129/03 - zu B II 3 c aa der Gründe, BA­GE 111, 8; 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 563/99 - zu I 2 g der Gründe, BA­GE 95, 277, jew. mwN; s. auch Dei­nert RdA 2014, 129, 134;

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Ko­cher NZA 2009, 119, 121; Ley­de­cker AuR 2006, 11, 14; Sei­werth RdA 2014, 358, 362 f.).


bb) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind da­her in­ner­halb der Gren­zen ih­rer Re­ge­lungs­macht bei der Be­stim­mung der Vor­aus­set­zun­gen und der Fest­le­gung der Höhe von Leis­tun­gen zur Ab­mil­de­rung von wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Nach­tei­len anläss­lich ei­ner Be­triebsände­rung weit­ge­hend frei (für ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung BAG 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 - Rn. 31; vgl. zur Ent­gelthöhe ua. BAG 16. Mai 2013 - 6 AZR 619/11 - Rn. 34 mwN; 24. Ju­ni 2010 - 6 AZR 18/09 - Rn. 25).


(1) Ta­rif­ver­trag­li­che Ansprüche dif­fe­ren­zie­rend fest­zu­le­gen, ent­spricht ih­rer Re­ge­lungs­macht. Da­bei sind Stich­tags­re­ge­lun­gen als „Ty­pi­sie­run­gen in der Zeit“ mit ih­ren not­wen­di­gen Pau­scha­lie­run­gen aus Gründen der Prak­ti­ka­bi­lität grundsätz­lich - un­ge­ach­tet der da­mit ver­bun­de­nen Härten - zur Ab­gren­zung von begüns­tig­ten Per­so­nen­krei­sen ge­recht­fer­tigt, wenn sich die Wahl des Stich­tags am ge­ge­be­nen Sach­ver­halt ori­en­tiert und ver­tret­bar er­scheint (BAG 17. April 2013 - 4 AZR 770/11 - Rn. 26 mwN; für Son­der­zah­lun­gen et­wa BAG 15. Ja­nu­ar 2014 - 10 AZR 297/13 - Rn. 16 ff.; zu Stich­tags­re­ge­lun­gen hin­sicht­lich ei­ner er­for­der­li­chen Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft BAG 21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 22). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en dürfen da­bei ge­ne­ra­li­sie­ren und ty­pi­sie­ren (BAG 14. No­vem­ber 2012 - 10 AZR 903/11 - Rn. 19; 25. Ju­ni 2003 - 4 AZR 405/02 - Rn. 62, BA­GE 106, 374; all­ge­mein BAG 16. Ju­ni 2010 - 4 AZR 928/08 - Rn. 39). Ei­ne sich im Ein­zel­fall aus ei­ner knap­pen Ver­feh­lung des Stich­tags er­ge­ben­de Härte ist da­bei un­ver­meid­bar (vgl. auch BVerfG 27. Fe­bru­ar 2007 - 1 BvL 10/00 - zu C II 3 a der Gründe, BVerfGE 117, 272; BAG 13. No­vem­ber 2014 - 6 AZR 1102/12 - Rn. 42; 8. De­zem­ber 2011 - 6 AZR 319/09 - Rn. 43, BA­GE 140, 83).


(2) Die Ta­rif­par­tei­en können auch ei­ne Mit­glied­schaft in der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft zu ei­nem Stich­tag als An­spruchs­vor­aus­set­zung for­mu­lie­ren. Die­ser kann ein zulässi­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um sein, wenn er nicht willkürlich gewählt wur­de, son­dern es ei­nen sach­li­chen Grund für ihn gibt (BAG


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21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 22; 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 - Rn. 31; 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 46 ff., BA­GE 130, 43).

Bei Ta­rif­verträgen mit so­zi­al­planähn­li­chem In­halt um­fasst der den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­ste­hen­de Ge­stal­tungs­spiel­raum da­bei auch die Ent­schei­dung, wel­chen Zeit­raum sie für die an den tatsächlich ein­tre­ten­den Nach­tei­len ori­en­tier­te Aus­ge­stal­tung der Leis­tun­gen wählen (für be­trieb­li­che So­zi­alpläne BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 23). Ih­nen steht es frei, je nach Art der Be­triebsände­rung und Art der da­durch ent­ste­hen­den Nach­tei­le un­ter­schied­li­che Leis­tun­gen zu ver­ein­ba­ren und da­bei et­wa ne­ben ein­ma­li­gen Ab­fin­dungs­zah­lun­gen auch an­de­re Leis­tun­gen - zB lau­fen­de Über­brückungs­gel­der - vor­zu­se­hen (vgl. zu sol­chen Leis­tun­gen BAG 18. De­zem­ber 1990 - 1 ABR 15/90 - BA­GE 66, 328; bei So­zi­alplänen BAG 13. Fe­bru­ar 1975 - 3 AZR 24/74 -; Fit­ting Be­trVG 28. Aufl. §§ 112, 112a Rn. 141).

cc) Un­ter Berück­sich­ti­gung des vor­ste­hen­den Maßstabs liegt kei­ne Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes vor. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TS-TV und des ETS-TV war es nicht ver­wehrt, für die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer, die be­reits am 23. März 2012 (12.00 Uhr) Mit­glied in der ta­rif­sch­ließen­den IG Me­tall ge­we­sen wa­ren, ei­ne im Verhält­nis zum TS-TV je­weils um 10.000,00 Eu­ro brut­to höhe­re Ab­fin­dungs­zah­lung vor­zu­se­hen.

(1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin steht die Stich­tags­re­ge­lung in § 1 Nr. 2 ETS-TV nicht im Wi­der­spruch zu § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG (BAG 5. Sep­tem­ber 2012 - 4 AZR 696/10 -; un­ter Auf­ga­be von 9. Mai 2007 - 4 AZR 275/06 - Rn. 32; s. auch be­reits 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 123, BA­GE 130, 43). Mit der Stich­tags­re­ge­lung wer­den nicht - in un­zulässi­ger Wei­se - die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne un­mit­tel­ba­re Ta­rif­ge­bun­den­heit re­la­ti­viert (Fran­zen RdA 2008, 304, 306 f.). Durch § 1 Nr. 2 ETS-TV wird „le­dig­lich“ der per­so­nel­le Gel­tungs­be­reich und da­mit ei­ne tat­be­stand­li­che Vor­aus­set­zung für ei­ne ein­ma­li­ge ta­rif­li­che Leis­tung anläss­lich ei­nes Er­eig­nis­ses fest­ge­legt, der Be­triebsände­rung bei der Be­klag­ten zu 2. im Be­trieb in M.


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(2) Durch die bei­den Ta­rif­verträge woll­ten die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die­je­ni­gen wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Nach­tei­le ver­rin­gern oder ggf. ver­mei­den, die sich für ih­re Mit­glie­der in­fol­ge der im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 4. April 2012 be­schrie­be­nen Re­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men er­ge­ben (Präam­bel Abs. 1 TS-TV), und die Ar­beit­neh­mer bei der be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung un­terstützen (Präam­bel Abs. 2 TS-TV). Auf Grund die­ser zu­kunfts­ge­rich­te­ten Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on (zu die­sem Zweck bei be­trieb­li­chen So­zi­alplänen s. nur BAG 9. De­zem­ber 2014 - 1 AZR 102/13 - Rn. 23 mwN; 26. März 2013 - 1 AZR 813/11 - Rn. 33, BA­GE 144, 378) stel­len Ab­fin­dungs­zah­lun­gen kein zusätz­li­ches Ent­gelt für in der Ver­gan­gen­heit er­brach­te Diens­te dar. Sie sol­len viel­mehr die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes durch Be­triebsände­rung ver­ur­sach­ten Ar­beits­platz­ver­lusts möglichst aus­glei­chen oder doch zu­min­dest mil­dern (für So­zi­alpläne BAG 7. Ju­ni 2011 - 1 AZR 34/10 - Rn. 31, BA­GE 138, 107; 26. Mai 2009 - 1 AZR 198/08 - Rn. 23, BA­GE 131, 61).


(3) Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en konn­ten ne­ben den Ab­fin­dungs­zah­lun­gen nach § 7 TS-TV, die sich zwi­schen zwei Brut­to­mo­nats­gehältern und ma­xi­mal 110.000,00 Eu­ro brut­to be­we­gen, ei­ne wei­te­re zusätz­li­che Ab­fin­dung von 10.000,00 Eu­ro brut­to nur für die­je­ni­gen Ge­werk­schafts­mit­glie­der vor­se­hen, die schon im Ver­lauf der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen und je­den­falls bis zu dem Tag, an dem sie ein Er­geb­nis über den TS-TV und den ETS-TV er­zielt hat­ten, Mit­glied der IG Me­tall wa­ren.


(a) Die ver­ein­bar­te Stich­tags­re­ge­lung ori­en­tiert sich an der ge­plan­ten Be­triebsände­rung als ein­ma­li­gem Vor­gang und den da­mit ver­bun­de­nen Über­brückungs­leis­tun­gen. Im Hin­blick auf den ta­rif­li­chen Re­ge­lungs­ge­gen­stand war es nicht sach­lich un­ge­recht­fer­tigt, für den persönli­chen Gel­tungs­be­reich des ETS-TV ei­nen Stich­tag zu ver­ein­ba­ren (§ 1 Abs. 2 ETS-TV), nach dem sich der Kreis der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­stim­men soll­te. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en konn­ten un­ter Berück­sich­ti­gung der ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­schen In­ter­es­sen der IG Me­tall, die der Auf­he­bung ei­nes be­ste­hen­den ta­rif­li­chen Son­derkündi­gungs­schut­zes für be­reits bei ihr or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer zu­stim­men soll­te, die ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen „Ergänzungs­leis­tun­gen“ nach §§ 2, 3 ETS-TV auf die Mit­glie­der be-


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schränken, die am 23. März 2012 (12.00 Uhr) be­reits der Ge­werk­schaft beige-tre­ten wa­ren und nicht erst, nach­dem die Ta­rif­ver­hand­lungs­er­geb­nis­se fest­stan­den.

(b) Oh­ne ei­ne sol­che Stich­tags­re­ge­lung ließe sich zu­dem der Re­ge­lungs­zweck, al­lein ei­nem be­stimm­ten „be­re­chen­ba­ren“ Kreis von Mit­glie­dern ei­nen An­spruch auf die Ergänzungs­leis­tun­gen zu ver­mit­teln, nicht er­rei­chen. Der An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dungs­zah­lung ent­stand nach § 5 TS-TV iVm. § 7 Abs. 1 und 2 TS-TV erst „mit Un­ter­zeich­nung des drei­sei­ti­gen Ver­trags (Zu­stim­mung zum Ein­tritt in die beE)“, der nach C. 5. DV al­ler­dings bis zum 13. April 2012, 12:00 Uhr an­ge­nom­men wer­den konn­te. Es wäre dann nicht verläss­lich zu be­stim­men und plan­bar ge­we­sen, wie vie­le Mit­glie­der ei­nen An­spruch auf ergänzen­de Leis­tun­gen tatsächlich ha­ben könn­ten und nach wel­chen abs­trak­ten Kri­te­ri­en das aus­ge­han­del­te Ta­rif­ver­trags­vo­lu­men des ETS-TV bei den ergänzen­den Leis­tun­gen be­stimmt wer­den soll (zu die­sem As­pekt bei Stich­tags­re­ge­lun­gen in be­trieb­li­chen So­zi­alplänen BAG 24. Ja­nu­ar 1996 - 10 AZR 155/95 - Rn. 44; s. auch Fran­zen RdA 2008, 304, 306 f.: Stich­tags­re­ge­lun­gen als „Kom­pro­miss zwi­schen ge­genläufi­gen Ge­werk­schafts- und Ar­beit­ge­ber­in­ter­es­sen“).

(4) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin be­stand für die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en kei­ne recht­li­che Pflicht, die „Ergänzung zur Höhe der Ab­fin­dung“ nach § 3 ETS-TV nur für die Mit­glie­der vor­zu­se­hen, de­ren ta­rif­li­cher Son­derkündi­gungs­schutz in Weg­fall ge­ra­ten soll­te.

Die Er­geb­nis­se von Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen, die von wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen be­stimmt sind, stel­len re­gelmäßig ei­nen Kom­pro­miss dar (BAG 3. Mai 2006 - 4 AZR 795/05 - Rn. 24, BA­GE 118, 159: „Kenn­zei­chen des Ta­rif­ver­tra­ges“; 30. Au­gust 2000 - 4 AZR 563/99 - zu I 2 g der Gründe, BA­GE 95, 277; Die­te­rich FS Schaub 1998, S. 120, 129). Ei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung, et­wai­ge „Kom­pen­sa­tio­nen“ im Zu­sam­men­hang mit nach­tei­li­gen Re­ge­lun­gen nur für ei­nen Teil der Mit­glie­der zu ver­ein­ba­ren, be­steht im Rah­men von Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen als kol­lek­tiv aus­geübter Pri­vat­au­to­no­mie nicht. Maßge­bend ist grundsätz­lich nur, ob das ge­fun­de­ne Ta­rif­er­geb­nis mit höher­ran­gi­gem Recht
 

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ver­ein­bar ist. Im Übri­gen sind die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Ausübung ih­rer ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Ta­rif­au­to­no­mie frei (s. oben B II 1 b aa (2)).


c) Mit der un­ter­schied­lich ge­re­gel­ten Höhe der Ab­fin­dungs­leis­tun­gen und der „Über­brückungs­gel­der“ durch den TS-TV und den ETS-TV wird ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin kein „un­erträgli­cher Druck“ zum Ge­werk­schafts­bei­tritt er­zeugt. Ein von ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen aus­ge­hen­der bloßer An­reiz zum Bei­tritt ei­ner Ko­ali­ti­on ist un­er­heb­lich (BVerfG 11. Ju­li 2006 - 1 BvL 4/00 - Rn. 66, BVerfGE 116, 202) und lässt sich zu­dem oh­ne Wei­te­res durch die Ge­stal­tung der in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen gänz­lich mi­ni­mie­ren (BAG 21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 25). Des­halb fehlt es auch an ei­nem Ein­griff in die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit, un­abhängig da­von, ob ei­ne sol­che ne­ga­ti­ve Frei­heit in Art. 9 Abs. 3 GG oder in Art. 2 Abs. 1 GG be­gründet ist (da­zu BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 35 mwN, BA­GE 130, 43; s. auch Dei­nert RdA 2014, 129, 133 ff. mwN).


aa) Oh­ne ei­ne ge­son­der­te Rechts­grund­la­ge be­steht für nicht ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer kein An­spruch auf An­wen­dung von Ta­rif­nor­men auf ihr Ar­beits­verhält­nis, al­so auf ei­ne „Gleich­be­hand­lung“ mit ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern (s. da­zu nur BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 54 mwN, BA­GE 130, 43; so­wie 23. März 2011 - 4 AZR 366/09 - Rn. 21, BA­GE 137, 231; 20. April 1999 - 1 ABR 72/98 - zu B II 2 b bb der Gründe, BA­GE 91, 210; 20. Ju­li 1960 - 4 AZR 199/59 -). Die in­di­vi­du­el­le Ver­trags­frei­heit gibt al­ler­dings so­wohl dem Ar­beit­ge­ber als auch je­dem Ar­beit­neh­mer die recht­li­che Möglich­keit, die An­wend­bar­keit ei­nes gan­zen Ta­rif­ver­trags zu ver­ein­ba­ren oder von ei­ner ver­trag­li­chen Ein­be­zie­hung von Ta­rif­recht ab­zu­se­hen. Ih­nen steht es über­dies grundsätz­lich frei, ta­rif­lich vor­ge­se­he­ne Leis­tun­gen - et­wa wie im Ent­schei­dungs­fall die be­gehr­te wei­te­re Ab­fin­dung - in­di­vi­du­al­ver­trag­lich zu ver­ein­ba­ren (BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 54, aaO).


bb) Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit wird ins­be­son­de­re nicht durch die nach § 1 Nr. 2 ETS-TV vor­ge­nom­me­ne Grup­pen­bil­dung zwi­schen ver­schie­de­nen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern ver­letzt. Dies er­gibt sich be­reits aus dem Um­stand, dass die ta­rif­li­che Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en für Rechts­nor-


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men iSd. § 1 Abs. 1 TVG von Ver­fas­sungs und von Ge­set­zes we­gen (§ 3 Abs. 1 TVG) aus­sch­ließlich auf ih­re Mit­glie­der be­schränkt ist (BVerfG 24. Mai 1977 - 2 BvL 11/74 - zu B II 2 b der Gründe, BVerfGE 44, 322). Die un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung ei­ner Ta­rif­re­ge­lung auf Außen­sei­ter ist da­nach aus­ge­schlos­sen (BAG 23. März 2011 - 4 AZR 366/09 - Rn. 21, BA­GE 137, 231).


cc) Die hier vor­lie­gen­de „Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung“ zwi­schen Ge­werk­schafts­mit­glie­dern schränkt wei­ter­hin we­der die Hand­lungs- und ins­be­son­de­re Ver­trags­frei­heit des Ar­beit­ge­bers noch die der sog. Außen­sei­ter ein. Ih­nen bleibt es un­be­nom­men, ih­re ver­trag­li­chen Be­zie­hun­gen frei zu ge­stal­ten und durch­zuführen. So­weit ei­ne Ta­rif­norm sich auf das Ar­beits­verhält­nis von Außen­sei­tern wie hier der Kläge­rin aus­wirkt, be­ruht dies vor­lie­gend nicht auf der nor­ma­ti­ven Wir­kung des Ta­rif­ver­trags, son­dern auf der pri­vat­au­to­nom ge­stal­te­ten Ar­beits­ver­trags­be­zie­hung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en (BAG 23. März 2011 - 4 AZR 366/09 - Rn. 21, BA­GE 137, 231; 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 57, BA­GE 130, 43; eben­so Dei­nert RdA 2014, 129, 131). Von ei­ner sol­chen Re­ge­lung geht ge­genüber den sog. Außen­sei­tern kein „höhe­rer Druck“ aus, als der­je­ni­ge, der sich stets er­gibt, wenn die in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen hin­ter den­je­ni­gen Re­ge­lun­gen zurück­blei­ben, die durch ei­nen Ta­rif­ver­trag für die Mit­glie­der der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­re­gelt wer­den.

dd) Die Un­zulässig­keit ei­ner Ta­rif­norm kann sich nur aus über­ge­ord­ne­tem Recht, nicht aber aus der Ver­trags­pra­xis der In­di­vi­du­al­ver­trags­par­tei­en er­ge­ben (BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 57, BA­GE 130, 43). Will ein Ar­beit­neh­mer am In­halt ei­nes Kol­lek­tiv­ver­trags par­ti­zi­pie­ren, muss er, wenn er in den in­di­vi­du­el­len Ver­trags­ver­hand­lun­gen sei­ne In­ter­es­sen nicht durch­set­zen kann, in die ta­rif­sch­ließen­de Ge­werk­schaft ein­tre­ten (Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 1 Rn. 1861; ähn­lich Gie­sen NZA 2004, 1317, 1317 f.; Ja­cobs FS Bau­er 2010, S. 488 f.; Fran­zen RdA 2008, 193, 199; Lo­bin­ger/Hart­mann RdA 2010, 235, 239; s. auch Dei­nert RdA 2014, 129, 134, un­ter Hin­weis auf die „Ver­hand­lungs­macht des In­di­vi­du­ums“; so­wie Ul­ber/Strauß DB 2008, 1970, 1974). Im an­de­ren Fall würde es von der in­di­vi­du­el­len Ar­beits­ver­trags­ge­stal­tung abhängen, ob ei­ne an­sons­ten zulässi­ge Re­ge­lung in ei­nem Ta­rif­ver­trag, durch die das


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Grund­recht auf ko­ali­ti­ons­gemäße Betäti­gung aus Art. 9 Abs. 3 GG aus­geübt wird, un­wirk­sam ist. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en wäre es un­ter Hin­weis auf in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Ab­re­den ver­wehrt, ab­wei­chen­de, güns­ti­ge­re In­halts­nor­men für die Ar­beits­verhält­nis­se ih­rer Mit­glie­der zu ver­ein­ba­ren oder - in im Übri­gen sach­lich ge­recht­fer­tig­ten Fall­ge­stal­tun­gen (da­zu oben B II 1 b) - zwi­schen ih­ren Mit­glie­dern zu dif­fe­ren­zie­ren.

d) Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin müssen Ta­rif­ver­trags­re­ge­lun­gen nach § 1 Abs. 1 TVG nicht ge­eig­net sein, an die Stel­le ei­ner staat­li­chen Re­ge­lung über Ar­beits­be­din­gun­gen zu tre­ten, da­her an­ge­mes­se­ne und aus­ge­wo­ge­ne Re­ge­lun­gen für sei­nen Gel­tungs­be­reich ent­hal­ten und Rück­sicht auf die In­ter­es­sen von Außen­sei­tern neh­men. Et­was an­de­res er­gibt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin auch nicht aus den Erwägun­gen des Se­nats in der Ent­schei­dung vom 18. März 2009 (- 4 AZR 64/08 - Rn. 60 ff., BA­GE 130, 43; s. auch 23. März 2011 - 4 AZR 366/09 - Rn. 22, BA­GE 137, 231; da­zu krit. Schu­bert ZTR 2011, 579, 581; Ul­ber/Strauß EzA GG Art. 9 Nr. 104; an­ders wohl Wal­ter­mann Ar­beits­recht 17. Aufl. Rn. 546; so­wie Kalb jM 2015, 107, 111). In­so­weit han­del­te es sich um nicht tra­gen­de und nicht ent­schei­dungs­er­heb­li­che Erwägun­gen. Sie stan­den zur tra­gen­den Be­gründung in ei­nem recht­li­chen Al­ter­na­tiv­verhält­nis. An ih­nen hält der Se­nat im Übri­gen un­ter Hin­weis auf die Be­gründung in sei­nem Ur­teil vom 7. Ju­li 2010 (- 4 AZR 549/08 - Rn. 63 ff. mwN, BA­GE 135, 80) - klar­stel­lend - nicht mehr fest.

aa) Die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Ta­rif­au­to­no­mie ver­folgt den im öffent­li­chen In­ter­es­se lie­gen­den Zweck, dem von der staat­li­chen Rechts­set­zung aus­ge­spar­ten Raum des Ar­beits­le­bens im Ein­zel­nen durch Ta­rif­verträge au­to­nom zu re­geln. Bei die­ser Zweck­ver­fol­gung durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen sol­len die Ver­ei­ni­gun­gen nach dem Wil­len des Grund­ge­set­zes frei sein. Mit dem Ta­rif­ver­trags­ge­setz hat der Ge­setz­ge­ber die Vor­aus­set­zun­gen für ein ge­setz­lich ge­si­cher­tes ta­rif­ver­trag­li­ches Re­ge­lungs­ver­fah­ren in Aus­ge­stal­tung der ver­fas­sungs­recht­lich ab­ge­si­cher­ten Ta­rif­au­to­no­mie ge­schaf­fen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en re­geln auf des­sen Grund­la­ge (pri­vat-)au­to­nom, mit wel­chen ta­rif­po­li­ti­schen For­de­run­gen (da­zu BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 -


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Rn. 99, BA­GE 122, 134) sie für ih­re Mit­glie­der ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen mit wel­chem Ta­rif­ver­trags­part­ner set­zen wol­len und letzt­lich ver­ein­ba­ren. An­ders als § 3 Abs. 2 und Abs. 3 TVG für be­trieb­li­che und be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags enthält das Ta­rif­ver­trags­ge­setz grundsätz­lich kei­ne ge­setz­li­chen Vor­ga­ben, die auf ei­ne be­stimm­te in­halt­li­che Ord­nung des Ta­rif­ver­trags­sys­tems iSe. ein­heit­li­chen Re­ge­lung der In­halts-, Ab­schluss- und Be­en­di­gungs­nor­men im je­wei­li­gen Be­trieb aus­ge­rich­tet sind (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 549/08 - Rn. 65, BA­GE 135, 80).


bb) Eben­so we­nig be­steht ei­ne Re­ge­lungs­ver­pflich­tung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in dem von der Kläge­rin an­geführ­ten Sin­ne. Dem steht schon die auf die Mit­glie­der be­schränk­te Re­ge­lungs­macht ent­ge­gen. Sie be­schränkt die Ord­nungs­funk­ti­on ei­nes Ta­rif­ver­trags durch § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG auf ih­re Mit­glie­der. Die in ers­ter Li­nie als Frei­heits­grund­recht struk­tu­rier­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit überlässt es den ta­riffähi­gen Ko­ali­tio­nen, in Ausübung ih­rer kol­lek­ti­ven Re­ge­lungs­macht durch Ta­rif­verträge mit Ab­schluss-, In­halts- und Be­en­di­gungs­nor­men iSd. § 1 Abs. 1 TVG die Rechts­verhält­nis­se für ih­re Mit­glie­der zu re­geln (BAG 7. Ju­li 2010 - 4 AZR 549/08 - Rn. 68, BA­GE 135, 80).


e) Die Ver­wei­sun­gen in dem drei­sei­ti­gen Ver­trag un­ter A. 2.1. auf den TS- TV und den ETS-TV (zu den Maßstäben der Aus­le­gung von AGB BAG 19. Mai 2010 - 4 AZR 796/08 - Rn. 15 mwN, BA­GE 134, 283) führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Rechts­fol­ge die­ser Ver­wei­sungs­klau­seln ist al­lein, die An­wend­bar­keit der Ta­rif­nor­men im Ar­beits­verhält­nis mit den dort vor­han­de­nen Vor­aus­set­zun­gen her­bei­zuführen. Die Ver­ein­ba­rung un­ter A. 2.1. Abs. 2 DV nennt aus­drück­lich die Be­stim­mun­gen über den Gel­tungs­be­reich des ETS-TV (§ 1 Abs. 2 ETS-TV) als ei­ne Vor­aus­set­zung für ei­ne zusätz­li­che Ab­fin­dungs­zah­lung nach § 3 ETS-TV an. Sie sub­sti­tu­iert schon des­halb nicht die wei­te­re An­spruchs­vor­aus­set­zung ei­ner Mit­glied­schaft in ei­ner Ge­werk­schaft zu ei­nem be­stimm­ten Stich­tag (vgl. auch BAG 21. Au­gust 2013 - 4 AZR 861/11 - Rn. 23; s. auch 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 27, BA­GE 130, 43), die bei der Kläge­rin, die erst im Mo­nat Ju­li 2012 Mit­glied der IG Me­tall wur­de, nicht vor­liegt.

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2. Die Kläge­rin kann ih­ren An­spruch auch nicht auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (ausf. zu des­sen In­halt BAG 21. Mai 2014 - 4 AZR 50/13 - Rn. 19 ff., BA­GE 148, 139) stützen. Die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen nach A. 2.1. Abs. 1 DV sind nicht an des­sen Maßstab zu über­prüfen.


a) Die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Be­ach­tung des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes be­steht nicht bei je­der Form pri­vat­au­to­no­men Han­delns. Wer­den Rech­te und Pflich­ten für ein Ar­beits­verhält­nis zwar pri­vat­au­to­nom, aber un­ter den Be­din­gun­gen ei­nes struk­tu­rel­len Gleich­ge­wichts ver­ein­bart, bleibt der An­wen­dungs­be­reich des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes ver­schlos­sen (ausf. BAG 21. Mai 2014 - 4 AZR 50/13 - Rn. 29 ff. mwN, BA­GE 148, 139).


b) Nach die­sen Maßstäben un­ter­lie­gen die dif­fe­ren­zie­ren­den ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen un­ter A. 2.1. Abs. 1 und Abs. 2 DV als Teil der ver­trag­lich er­for­der­li­chen Um­set­zung der Ab­fin­dungs- und Min­dest­be­din­gungs­re­ge­lun­gen des TS-TV und des ETS-TV durch den ta­rif­lich vor­ge­ge­be­nen drei­sei­ti­gen Ver­trag kei­ner Kon­trol­le an­hand der Kri­te­ri­en des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes. Sie die­nen al­lein der ver­trag­li­chen Um­set­zung der im TS-TV und im ETS-TV ge­nann­ten Be­stim­mun­gen über die Ab­fin­dungs­zah­lung.


aa) Nach den Ta­rif­re­ge­lun­gen des TS-TV und des ETS-TV hat die Be­klag­te zu 2., die selbst an bei­de Ta­rif­verträge ge­bun­den ist, in ei­nem An­trag auf Ab­schluss ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­trags (§ 145 BGB) ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nach den Be­stim­mun­gen des § 7 TS-TV und nach § 3 ETS-TV auf­zu­neh­men, die mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ihr (§ 5 Abs. 1 TS-TV) ver­bun­den ist. § 5 Abs. 3 TS-TV sieht - eben­so wie § 7 Abs. 7 TS-TV - vor, dass „in dem drei­sei­ti­gen Ver­trag ... der An­spruch auf Ab­fin­dung und de­ren Fällig­keit fest­ge­hal­ten (§ 7)“ wird. Glei­ches gilt für die wei­te­re Ab­fin­dung nach § 3 ETS-TV gemäß § 4 Abs. 1 ETS-TV, der ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung der Re­ge­lun­gen des TS-TV be­stimmt.

bb) Da­mit ist das Ver­trags­an­ge­bot der Be­klag­ten zu 2. (A. DV) auf ei­ne Um­set­zung der bei­den Ta­rif­verträge - TS-TV und ETS-TV - ge­rich­tet. Die-


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sen - hin­sicht­lich der Ab­fin­dung dif­fe­ren­zie­ren­den - ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen kommt, da sie nicht we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen höher­ran­gi­ges Recht un­wirk­sam sind (oben B II 1 a bis c), je­den­falls im Rah­men ei­ner ver­trag­li­chen Um­set­zung durch die an sie ge­bun­de­ne Be­klag­te zu 2. (§ 3 Abs. 1 TVG) die Ver­mu­tung der An­ge­mes­sen­heit zu. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­gren­zung pri­vat­au­to­no­men Han­delns an­hand des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes (BAG 21. Mai 2014 - 4 AZR 50/13 - Rn. 19 ff., 24 ff., BA­GE 148, 139; s. auch 3. Sep­tem­ber 2014 - 5 AZR 6/13 - Rn. 23) lie­gen des­halb hier nicht vor.


3. Die Kläge­rin kann die von ihr gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auch nicht auf den von der Be­klag­ten zu 2. und dem bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat ver­ein­bar­ten „In­ter­es­sen­aus­gleich“ vom 4. April 2012 stützen. Da­bei kann zu ih­ren Guns­ten da­von aus­ge­gan­gen wer­den, die Be­triebs­par­tei­en hätten durch Nr. 5 des In­ter­es­sen­aus­gleichs („So­zi­al­plan“) die Re­ge­lun­gen des TS-TV als ei­ge­nen So­zi­al­plan über­nom­men. Die aus­sch­ließlich er­folg­te Ein­be­zie­hung des TS-TV und nicht zu­gleich des ETS-TV in die be­trieb­li­che Ver­ein­ba­rung verstößt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nach § 75 Be­trVG. Des­halb kann of­fen­blei­ben, ob bei des­sen Ver­let­zung - wie die Kläge­rin meint - sich über­haupt ein An­spruch auf ei­ne erhöhte Ab­fin­dungs­zah­lung im We­ge ei­ner „An­pas­sung nach oben“ er­ge­ben könn­te (vgl. et­wa BAG 19. Fe­bru­ar 2008 - 1 AZR 1004/06 - Rn. 23 ff., 42, BA­GE 125, 366; 21. Ok­to­ber 2003 - 1 AZR 407/02 - zu III 1 der Gründe mwN, BA­GE 108, 147).


a) So­zi­alpläne un­ter­lie­gen wie an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen der ge­richt­li­chen Rechtmäßig­keits­kon­trol­le. Sie sind dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht, ins­be­son­de­re dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz (§ 75 Abs. 1 Be­trVG), ver­ein­bar sind. Da­nach ha­ben Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über­wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten


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Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den (st. Rspr., et­wa BAG 26. März 2013 - 1 AZR 813/11 - Rn. 20, BA­GE 144, 378; 7. Ju­ni 2011 - 1 AZR 34/10 - Rn. 20, BA­GE 138, 107; 12. April 2011 - 1 AZR 764/09 - Rn. 10 f.).


Nach § 75 Abs. 1 Be­trVG können die Be­triebs­par­tei­en da­her auch bei der Fest­le­gung von Leis­tun­gen in ei­nem So­zi­al­plan Ar­beit­neh­mern nicht des­we­gen ei­ne höhe­re Ab­fin­dung zu­er­ken­nen, weil die­se Mit­glied ei­ner Ge­werk­schaft sind. Ein sol­ches Vor­ge­hen ver­stieße ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Ein sog. Außen­sei­ter könn­te in ei­nem sol­chen Fal­le ggf. die glei­che Be­hand­lung ver­lan­gen, wie sie den Ge­werk­schafts­mit­glie­dern bei der Be­mes­sung der Leis­tun­gen zu­kommt (vgl. BAG 12. Fe­bru­ar 1985 - 1 AZR 40/84 -).

b) Die Be­klag­te zu 2. und der Be­triebs­rat ha­ben aber mit der al­lei­ni­gen Über­nah­me der Re­ge­lun­gen des TS-TV nicht ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs-recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des § 75 Be­trVG ver­s­toßen.

aa) Die in den „In­ter­es­sen­aus­gleich“ über­nom­me­nen Re­ge­lun­gen se­hen - in An­wen­dung des persönli­chen Gel­tungs­be­reichs nach § 1 Nr. 2 TS-TV - Leis­tun­gen für al­le Beschäftig­ten vor, so­fern sie, wie die Kläge­rin, die in­di­vi­du­el­len Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld erfüllen. Die Be­triebs­par­tei­en ha­ben ge­ra­de da­von ab­ge­se­hen, die Be­stim­mun­gen des ETS-TV - mit de­nen zwi­schen be­stimm­ten Mit­glie­dern der IG Me­tall dif­fe­ren­ziert wird - zu über­neh­men. Da­mit ha­ben sie den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, der dar­auf ab­zielt, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen (BAG 12. April 2011 - 1 AZR 505/09 - Rn. 15), be­ach­tet.

bb) Mit ih­rem Hin­weis, es wäre kei­ne Un­gleich­be­hand­lung ein­ge­tre­ten, wenn der Be­triebs­rat sei­ne ihm nach „§§ 111 ff. Be­trVG ob­lie­gen­de Auf­ga­be selbst wahr­ge­nom­men“ hätte, ver­kennt die Re­vi­si­on das grundsätz­lich mögli­che „Ne­ben­ein­an­der“ von Ta­rif­verträgen mit so­zi­al­planähn­li­chem In­halt und So­zi­alplänen nach § 112 Be­trVG so­wie den Um­stand, dass für bei­de un­ter­schied­li­che Ak­teu­re ver­ant­wort­lich sind und un­ter­schied­li­che recht­li­che Maßstäbe gel­ten.


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(1) Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en fehlt auch in Be­trie­ben mit ei­nem Be­triebs­rat nicht die Kom­pe­tenz zur Schaf­fung von Re­ge­lun­gen, die in­halt­lich de­nen ei­nes mögli­chen So­zi­al­plans nach § 112 Be­trVG ent­spre­chen. Die­se Ma­te­rie ist nicht aus­sch­ließlich den Be­triebs­par­tei­en vor­be­hal­ten. Die §§ 111 ff. Be­trVG hin­dern den ein­ver­nehm­li­chen Ab­schluss ei­nes Haus­ta­rif­ver­trags zum Aus­gleich der mit ei­ner kon­kre­ten Be­triebsände­rung ver­bun­de­nen Nach­tei­le nicht (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 81 ff., BA­GE 122, 134). Ein Ta­rif­ver­trag mit so­zi­al-planähn­li­chem In­halt, der oh­ne Wei­te­res nur für die bei der ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer des Be­triebs gilt, und ein für al­le be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer des Be­triebs un­abhängig von ih­rer Ge­werk­schafts­zu­gehörig­keit gel­ten­der So­zi­al­plan der Be­triebs­par­tei­en können prin­zi­pi­ell ne­ben­ein­an­der be­ste­hen. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind zu­dem nicht dar­auf be­schränkt, nur Re­ge­lun­gen zu tref­fen, die auch wirk­sa­mer In­halt ei­nes be­trieb­li­chen So­zi­al­plans nach § 112 Be­trVG sein könn­ten (BAG 6. De­zem­ber 2006 - 4 AZR 798/05 - Rn. 30, BA­GE 120, 281).

(2) Eben­so wie die An­nah­me ei­ner Sperr­wir­kung ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen So­zi­al­plans ge­genüber dem Ta­rif­ver­trag sys­tem­fremd ist, weil sich aus dem Be­trVG kei­ne Ein­schränkung der Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­gibt (BAG 6. De­zem­ber 2006 - 4 AZR 798/06 - Rn. 30, BA­GE 120, 281), ist auch die Auf­fas­sung der Kläge­rin un­zu­tref­fend, die Be­triebs­par­tei­en sei­en zur in­halts­glei­chen Über­nah­me al­ler ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ver­pflich­tet, die In­halt von Ta­rif­verträgen mit so­zi­al­planähn­li­chem In­halt anläss­lich ei­ner Be­triebsände­rung ge­wor­den sind. Dem steht be­reits ent­ge­gen, dass den Be­triebs­par­tei­en an­ge­sichts der Viel­falt aus­gleichsfähi­ger und aus­gleichs­bedürf­ti­ger Nach­tei­le ein Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spiel­raum zu­steht (vgl. nur BAG 1. Fe­bru­ar 2011 - 1 AZR 472/09 - Rn. 17).

cc) Es ist schließlich nicht er­kenn­bar, dass sich für nicht in ei­ner Ge­werk­schaft or­ga­ni­sier­te Ar­beit­neh­mer mit­tel­bar ein Nach­teil da­durch er­ge­ben hat, dass auf­grund des Ta­rif­ver­trags­ab­schlus­ses des ETS-TV für den be­trieb­li­chen So­zi­al­plan kei­ne oder er­heb­lich ge­rin­ge­re Mit­tel vor­han­den ge­we­sen wären, es al­so zu ei­ner „Auf­zeh­rung“ der zur Verfügung ste­hen­den Mit­tel durch die bei­den


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Ta­rif­verträge ge­kom­men wäre. Al­le Ar­beit­neh­mer ha­ben nach dem Vor­brin­gen der Par­tei­en ei­nen An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung von bis zu 110.000,00 Eu­ro brut­to und ein „beE-Mo­nats­ent­gelt“ iHv. 70 vH des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens für die Dau­er ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses bei der Be­klag­ten zu 1. Zu­dem ist ei­ne et­wai­ge Un­gleich­be­hand­lung von sog. Außen­sei­tern und Ge­werk­schafts­mit­glie­dern in ei­ner auf die Bil­dung von Zwangs­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­zich­ten­den Ta­rif­ver­trags­ord­nung im­ma­nent (Fi­schin­ger Anm. zu AP Nr. 2 zu § 1 TVG So­zi­al­plan mwN). Ei­ne Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en schei­det des­halb nicht aus (BAG 24. April 2007 - 1 AZR 252/06 - Rn. 85, BA­GE 122, 134).


dd) So­weit die Re­vi­si­on schließlich anführt, der bei der Be­klag­ten zu 2. be­ste­hen­de Be­triebs­rat ha­be „an­statt ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan selbst zu ver­han­deln“, der IG Me­tall ein „Man­dat er­teilt“, han­delt es sich um ei­nen in der Re­vi­si­ons­in­stanz un­zulässi­gen neu­en Vor­trag, der sich zu­dem auf ei­ne pau­scha­le und nicht durch nähe­re Tat­sa­chen gestütz­te Be­haup­tung be­schränkt. Hin­zu kommt, dass der Be­triebs­rat ge­setz­lich noch nicht ein­mal ver­pflich­tet ge­we­sen ist, über­haupt ei­ne So­zi­al­plan­re­ge­lung zu ver­ein­ba­ren.

4. Die Kläge­rin kann sich für ih­ren An­spruch schließlich nicht auf § 3 Abs. 2 TVG stützen. Ent­ge­gen ih­rer Auf­fas­sung ist die Stich­tags­re­ge­lung in § 1 Abs. 2 ETS-TV wirk­sam. Des­halb kann da­hin­ste­hen, ob die Auf­fas­sung der Kläge­rin, im Fal­le der Un­wirk­sam­keit die­ser Re­ge­lung sei der TS-TV ins­ge­samt nich­tig und bei den dann al­lein noch ver­blei­ben­den Re­ge­lun­gen des ETS-TV han­de­le es sich nun­mehr um Be­triebs­nor­men iSd. § 3 Abs. 2, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG, von de­nen auch die Kläge­rin er­fasst wer­de, auch nur im An­satz zu­tref­fend sein könn­te.


5. Ei­ner Vor­la­ge an den Großen Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts nach § 45 Abs. 3 ArbGG be­durf­te es nicht. Bei der vom Großen Se­nat in der Ent­schei­dung vom 29. No­vem­ber 1967 be­han­del­ten Rechts­fra­ge (- GS 1/67 - BA­GE 20, 175) han­delt sich um ei­ne an­de­re als die­je­ni­ge nach der Zulässig­keit ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pen von Ge­werk­schafts­mit-


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glie­dern (ausf. zu den be­han­del­ten Rechts­fra­gen BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 86 ff., BA­GE 130, 43).


III. Der Kläge­rin steht auch ge­gen die - nicht ta­rif­ge­bun­de­ne - Be­klag­te zu 


1. we­der ei­nen An­spruch auf wei­te­re Leis­tun­gen nach B. 4. Abs. 2 DV iVm. § 2 ETS-TV noch auf Zah­lung ei­nes Brut­to­mo­nats­ent­gelts iHv. 70 vH des nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 Satz 2 TS-TV er­mit­tel­ten Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens zu.

1. Die Kläge­rin hat auf Grund der Re­ge­lung in B. 4. Abs. 2 DV kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ent­gelts nach Maßga­be des § 2 Satz 1 ETS-TV (Ergänzung der Min­dest­be­din­gun­gen der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se). Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben in § 1 Nr. 2 ETS-TV ei­ne wirk­sa­me Gel­tungs­be­reichs­be­stim­mung ver­ein­bart (oben B II 1 a bis c). Des­halb kann die Kläge­rin auch auf Grund­la­ge der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­wei­sung in B. 4. Abs. 2 DV nicht die in § 2 ETS-TV vor­ge­se­he­ne Leis­tung ver­lan­gen.


Bei dem „beE-Mo­nats­ent­gelt“ han­delt es sich um ei­ne Über­brückungs­leis­tung anläss­lich ei­ner Be­triebsände­rung so­wie der da­mit ver­bun­de­nen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten zu 2., die le­dig­lich auf die Dau­er des be­ste­hen­den Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses ver­teilt ist, und nicht um ein Ent­gelt (s. auch B II 1 b cc (2)). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on greift da­her die „Ergänzung zu den Min­dest­be­din­gun­gen der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se“ nach § 2 ETS-TV nicht dif­fe­ren­zie­rend in das ar­beits­ver­trag­li­che Sy­nal­lag­ma ein. In dem mit der Be­klag­ten zu 1. be­gründe­ten be­fris­te­ten Trans­fer­ar­beits­verhält­nis (§ 5 TS-TV) ist „Kurz­ar­beit Null an­ge­ord­net“ (B. 1. Abs. 2 DV) und der Beschäfti­gungs­an­spruch ent­fal­len. Es ist ge­ra­de kei­ne (pro­duk­ti­ve) Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen (vgl. BAG 19. März 2014 - 5 AZR 299/13 (F) - Rn. 21).


2. Die Kläge­rin kann sich für ei­nen An­spruch auf ei­ne erhöhte Zah­lung nach § 2 Satz 1 ETS-TV nicht auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz stützen. Des­sen An­wen­dungs­be­reich ist auch be­zo­gen auf die ta­rif-un­ge­bun­de­ne Be­klag­te zu 1. nicht eröff­net. Die Re­ge­lun­gen in B. 4. Abs. 1 und Abs. 2 DV un­ter­lie­gen als ta­rif­ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne not­wen­di­ge Um­set­zung


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von zwi­schen ta­riffähi­gen Ver­trags­part­nern ver­ein­bar­ten Re­ge­lun­gen nicht der Kon­trol­le an­hand des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes (zu den Grundsätzen ausf. BAG 21. Mai 2014 - 4 AZR 50/13 - Rn. 29 ff. mwN, BA­GE 148, 139; so­wie oben B II 2 a).

a) Der von der Be­klag­ten zu 1. der Kläge­rin in Um­set­zung der bei­den Ta­rif­verträge an­ge­bo­te­ne und von ihr an­ge­nom­me­ne Ar­beits­ver­trag (nach Ab­schnitt B. des Drei­sei­ti­gen Ver­trags) dient vor al­lem der recht­lich er­for­der­li­chen Um­set­zung der im TS-TV un­ter § 5 Abs. 2 Nr. 1 bis 12 fest­ge­leg­ten „Min­dest­be­din­gun­gen der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se“ so­wie der in § 2 ETS-TV vor­ge­se­he­nen Ergänzung zu den Min­dest­be­din­gun­gen der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se. Hierfür ist nach § 5 Abs. 1 TS-TV - der ver­mit­telt über § 4 Satz 1 ETS-TV auch für die dort ge­re­gel­ten Ergänzungs­leis­tun­gen gilt - der Ab­schluss ei­nes drei­sei­ti­gen Ver­trags des je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mers mit dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber - der Be­klag­ten zu 2. - zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und der Trans­fer­ge­sell­schaft - der Be­klag­ten zu 1. - zur Be­gründung ei­nes sich un­mit­tel­bar an­sch­ließen­den Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses (Teil B. DV) vor­ge­se­hen. Die Trans­fer­ge­sell­schaft war nach § 2 TS-TV von der Be­klag­ten zu 1. als be­triebs­or­ga­ni­sa­to­risch ei­genständi­ge Ein­heit (beE) auf „Ba­sis ei­ner mit der IG Me­tall ab­ge­stimm­ten Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung“ (§ 4 Abs. 2 TS-TV), de­ren we­sent­li­che Be­stand­tei­le zu­dem in § 4 Abs. 3 TS-TV ge­re­gelt sind, zu er­rich­ten. Die Be­gründung ei­nes Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten zu 2. als Träger der Trans­fer­maßnah­me und da­mit ei­nem „Drit­ten“ ent­spre­chend § 110 Abs. 1 Satz 1 SGB III (idF vom 20. De­zem­ber 2011, in Kraft ge­tre­ten am 1. April 2012, BGBl. I 2011, 2854; s. auch BT-Drucks. 15/1515, S. 91) schafft die be­trieb­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Trans­fer­kurz­ar­bei­ter­geld (s. auch Geschäfts­an­wei­sun­gen der Bun­des­agen­tur für Ar­beit Teil C Stand Ju­ni 2013 S. 217 f.).

b) Auf­grund die­ser recht­li­chen Vor­ga­ben des TS-TV und des ETS-TV hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se han­delt es sich bei den dif­fe­ren­zie­ren­den Vergütungs­re­ge­lun­gen B. 4. DV um ei­ne Um­set­zung von ver­bind­li­chen ta­rif­li­chen Vor­ga­ben der zwi­schen der Be­klag­ten zu 2. und der IG

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Me­tall ver­ein­bar­ten Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­verträge. Da­bei ist un­be­acht­lich, dass die wei­te­re Durchführung der Trans­fer­ar­beits­verhält­nis­se al­lein durch die Be­klag­te zu 1. oh­ne zwin­gen­de recht­li­che Be­tei­li­gung der IG Me­tall als Or­ga­ni­sa­ti­on er­folgt ist (vgl. auch BAG 21. Mai 2014 - 4 AZR 50/13 - Rn. 35, 45, mwN, BA­GE 148, 139).


3. So­weit sich die Kläge­rin wei­ter­hin für ih­ren An­spruch auf den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nach § 75 Be­trVG so­wie auf ei­ne Gel­tung der Re­ge­lun­gen nach § 3 Abs. 2 TVG stützt, ver­weist der Se­nat zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf sei­ne vor­ste­hen­den Ausführun­gen (un­ter B II 3 und 4). Zu­dem über­sieht die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang, dass die Be­klag­te zu 1. an die bei­den Ta­rif­verträge nicht ge­bun­den ist, wes­halb ei­ne Gel­tung der Re­ge­lun­gen nach § 3 Abs. 2 TVG auch des­halb aus­schei­den würde.

4. Der Kläge­rin kann von der Be­klag­ten zu 1. auch nicht die Zah­lung der mo­nat­li­chen Vergütung nach B. 4. Abs. 1 DV auf der Ba­sis ih­res (bis­he­ri­gen) Brut­to­mo­nats­ein­kom­mens in Höhe von 70 vH un­ter Her­an­zie­hung des Be­rech­nungs­fak­tors in § 5 Abs. 3 Satz 2 TS-TV („13,5 fa­che des bis­he­ri­gen Brut­to­mo­nats­ge­halts di­vi­diert durch 12“) be­an­spru­chen. Das er­gibt die Aus­le­gung der im For­mu­lar­ar­beits­ver­trag ent­hal­te­nen ver­trag­li­chen Re­ge­lung (zu den Maßstäben der Aus­le­gung BAG 19. Mai 2010 - 4 AZR 796/08 - Rn. 15, BA­GE 134, 283).

a) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ha­ben die Par­tei­en in B. 4. Abs. 1 Satz 2 DV nicht le­dig­lich ein Brut­to­mo­nats­ein­kom­men iHv. 70 vH der nach B. 4. Abs. 1 Satz 2 DV maßge­ben­den Be­zugs­größe ver­ein­bart. Zwar spricht die ver­trag­li­che Be­stim­mung von ei­nem „Brut­to­Mo­nats­Ein­kom­men“. Die­ses ist aber „gemäß § 5 Abs. 3 des Trans­fers- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags“ zu zah­len, der von ei­nem „BeE-Mo­nats­ent­gelt“ und ge­ra­de nicht von ei­nem Brut­to­mo­nats­ein­kom­men - ins­be­son­de­re dem bis­he­ri­gen der Kläge­rin - han­delt. Die aus­drück­li­che Be­zug­nah­me auf § 5 Abs. 3 TS-TV bringt da­bei hin­rei­chend klar zum Aus­druck, dass die dort von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ge­trof­fe­ne Re­ge­lung maßge­bend sein soll („erhält gemäß § 5 Abs. 3 des Trans­fer- und So­zi­al­ta­rif­ver­trags -.. - un­ter An­rech­nung von Zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit - -.. mo­nat-


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lich 70 % ih­res/sei­nes Brut­to­Mo­nats­Ein­kom­mens). Da­mit wird zur Be­rech­nung der Höhe des mo­nat­li­chen Ent­gelts ein „Re­fe­renz“-Brut­to­ein­kom­men be­nannt, wel­ches sich aus den Ent­gelt­zah­lun­gen der Ar­beit­ge­be­rin und - so­fern ei­ne Zah­lung er­folgt - aus den net­to gewähr­ten Leis­tun­gen der Bun­des­agen­tur für Ar­beit nach Maßga­be des § 5 Abs. 3 TS-TV zu­sam­men­setzt.


b) Die Kläge­rin kann sich nicht auf die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305c BGB stützen. Auf die­se kann nur zurück­ge­grif­fen wer­den, wenn nach Ausschöpfung al­ler an­er­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den „er­heb­li­che Zwei­fel“ an der rich­ti­gen Aus­le­gung be­ste­hen (BAG 16. Mai 2012 - 4 AZR 224/10 - Rn. 22; 21. Ok­to­ber 2009 - 4 AZR 880/07 - Rn. 36 mwN). Der­ar­ti­ge Zwei­fel be­ste­hen, wie die Aus­le­gung zeigt, vor­lie­gend nicht. Al­lein die ent­fern­te Möglich­keit, auch zu ei­nem an­de­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung von § 305c Abs. 2 BGB nicht (BAG 10. De­zem­ber 2008 - 10 AZR 1/08 - Rn. 15).


c) Die Be­klag­te zu 1. hat in rechts­feh­ler­frei­er An­wen­dung von § 5 Abs. 3 TS-TV das der Kläge­rin zu­ste­hen­de Brut­to­mo­nats­ein­kom­men be­rech­net.

In­so­weit ver­weist der Se­nat zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf die den Par­tei­en be­kann­te Be­gründung des Spruchs der ta­rif­li­chen Schieds­stel­le vom 14. De­zem­ber 2012. Des­halb kann es da­hin­ste­hen, ob dem Schieds­stel­len­spruch ei­ne recht­li­che Bin­dungs­wir­kung nach § 108 Abs. 4 ArbGG iVm. § 9 TVG zu­kommt (so Düwell/Lip­ke/Voßkühler ArbGG 3. Aufl. § 108 Rn. 28; GMP/Ger­mel­mann ArbGG 8. Aufl. § 108 Rn. 29 f.; GK-ArbGG/Mi­kosch ArbGG Stand 2013 § 108 Rn. 18; Schwab/Weth/Zim­mer­ling ArbGG 4. Aufl. § 108 Rn. 23; al­le un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 20. Mai 1960 - 1 AZR 268/57 - zu 1 b der Gründe; aA Däubler/Rei­ne­cke TVG 3. Aufl. § 9 Rn. 33; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 9 Rn. 49 f.).



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C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 

Ey­lert 

Rinck 

Tre­ber

Han­nig 

Krie­gel­stei­ner

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